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  • Profite mit der Krise (I)

    geschrieben am 22. Juni 2012 von Spiegelfechter

    Sie glauben, dass sinkende Kurse an den Börsen immer zu Verlusten führen? Sie glauben, der Handel mit Staatsanleihen sei eine konservative Sache, die vor allem der Altersvorsorge dient? Sie glauben, dass politische Entscheidungen einen direkten Einfluss auf die Zinsen der Staatsanleihen haben? Dann glauben Sie sicher auch, dass die Akteure auf den Finanzmärkten nicht gegen Staaten spekulieren und es nicht möglich ist, Profit aus der Eurokrise zu schlagen. Doch da irren Sie sich gewaltig.

    In der Öffentlichkeit genießen Staatsanleihen immer noch den Ruf einer konservativen, risikoscheuen Finanzanlage. Lebensversicherungen, Pensionsfonds und Riester-Produkte sind gesetzlich verpflichtet, einen Großteil ihrer Kundeneinlagen in Staatsanleihen aus dem Euroraum zu investieren, die von den Ratingagenturen eine Bestnote bekommen haben. Und wer erinnert sich nicht an die drollige Schildkröte Günter Schild, mit der deutsche Staatsanleihen als hoch seriöses, bisweilen langweiliges, Finanzprodukt beworben wurden. Noch immer spukt in den meisten Köpfen die Vorstellung, eine Bundesanleihe würde gleich bei der Emission von einem soliden Investor erworben und am Ende der Laufzeit eingelöst. Doch die Zeiten haben sich geändert.

    Weltweit gehören die Staaten zu den größten Kreditnehmern und damit auch zu den größten Emittenten (Herausgebern) von Anleihen. Für Spekulanten hat der „echte“ Markt für Staatsanleihen jedoch einen entscheidenden Schönheitsfehler – er ist nicht sonderlich volatil, das heißt, die Kurse sind vergleichsweise stabil und bewegen sich nur langsam. Der Kurs der 10-jährigen Bundesanleihe 04/14 mit einem Kupon von 4,25% hat sich beispielsweise in den letzten drei Monaten um gerade einmal um 0,6% bewegt.

    Für eine Erklärung der Fachbegriffe und eine Einführung ins Thema „Handel mit Staatsanleihen“ siehe: Ergänzungen und Erklärungen zum Artikel »Der „Schuldenschnitt“ und das Kleingedruckte«

    Renditen in dieser Größenordnung entsprechen dem Image der mündelsicheren Bundesanleihen und sind eher vergleichbar mit dem guten, alten Sparbuch. Für Spekulanten ist es – unter normalen Bedingungen – uninteressant, sich solche Papiere ins Portfolio zu nehmen. Die klassische Bundesanleihe hat für Spekulanten vor allem den Nachteil, dass man mit ihr nur auf steigende Kurse, also sinkende Zinsen, wetten kann. Dies entspricht ja auch dem gesunden Menschenverstand. Wer beispielsweise ein altes Gemälde kauft, spekuliert ja auch nicht darauf, dass es an Wert verliert. Auch wer ganz normale eine Anleihe kauft, hofft in der Regel darauf, dass dieses Papier an Wert gewinnt. Mit „normalen“ Geschäften hat das moderne Finanzsystem jedoch nichts mehr gemein.

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    Tags: Finanzkrise
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    68 Kommentare:

    1. gerhardq schrieb am 22. Juni 2012 um 17:33 - Permalink

      Was man dabei aber auch noch wissen sollte, ist die Tatsache, daß die Banken Supercomputer im Netz haben, die ganz schnell die verschiedensten Kauf- und Verkaufspratiken durchtesten können. Hierbei hilft der Hochfrequenzhandel. Das sind Systeme, die u.a. mit mustererkennenden Algorithmen (sogenannte künstlichen neuronalen Netzen) ausgestattet sind. Neben den Informationsvorsprung, den die Banken als Emittienten sowieso haben, kommen noch diese künstlichen Intelligenzsysteme, die auf Grund von Erfahrungen direkt handeln können.

      Wer als kleiner Anleger glaubt, er kann mit diesen Systemen mithalten, der ist einem großen Irrtum erlegen. Er ist derjenige, der in der Regel die Zeche zahlt. Oders ausgedrückt, der kleine Anleger sorgt mit für eine Umverteilung von Fleißig nach Reich. Er hat nämlich – im Gegensatz zu den Reichen – in der Regel sein Geld durch fleißige Arbeit erwirtschaftet.

      Vor Jahren hatte ich auch einmal mit Aktien, Optionsscheinen und Futures spekuliert. Ich habe das inzwischen weitestgehend aufgegeben, weil ich eigentlich immer verliere. Und um den Reichen mein Geld in der Rachen zu werfen, war es mir dann doch zu schade. Mir sind damals gerade mit Optionsscheinen und Futures die seltsamsten Dinge passiert. Die Order wurden beispielsweise verzögert oder beschleunigt, so daß ich immer mehr bezahlte als ich geplant hatte. Oder wenn ich mit Gewinn verkaufen wollte, war plötzlich kein Käufer da. Zum Glück hatte ich damals eine feste Summe als Erfahrungsgeld festgelegt. Als die dann weg war, habe ich mit dem Verliererspiel aufgehört.

      • R@iner schrieb am 22. Juni 2012 um 17:41 - Permalink

        “mustererkennenden Algorithmen (sogenannte künstlichen neuronalen Netzen)”

        Haha. Zum totlachen. Warum willst Du etwas erklären, von dem Du keine Ahnung hast?

        P.S.: Sorry, ist mir jetzt so spontan raus gerutscht.

        • gerhardq schrieb am 22. Juni 2012 um 20:57 - Permalink

          Beweise Deine Aussagen!

          Das ist mir nicht rausgerutscht

        • danielmite schrieb am 25. Juni 2012 um 09:48 - Permalink

          Ist doch bekannt, dass KNNs für Zeitreihenanalysen benutzt werden, wo ist das Problem?

    2. R_Winter schrieb am 22. Juni 2012 um 18:14 - Permalink

      Gewinner beim Spiel mit Zertifikaten in jedem Fall die ausstellende Bank. Sie nimmt die Rolle ein, die ein Buchmacher im Wettgeschäft einnimmt und vermittelt streng genommen nur interessierte Spieler, die gegeneinander wetten. Und dieses Geschäft ist sehr lukrativ.

      Mensch, war ich blöde – ich hab mein ganzes Leben mit normaler Tätigkeit verbracht.
      Ich hätte nach 10 Jahren Berufstätigkeit aufhören sollen, eine entsprechende Firma auf Zypern gründen und um zu spekulieren, spekulieren, spekulieren.
      Wenn es schief gegangen wäre, hätte ich Sozialhilfe beantragen können
      - wenn der Sinn des Lebens nur Geld scheffeln wäre……

      Nein, es gibt nur eine Lösung für die Gesellschaft:
      1. Transaktionssteuer auf alle Finanzgeschäfte von 1%.
      2. Löhne und Renten sofort um 25% anheben.
      3. Alle Bankvorstände. die im Euroraum Geschäfte durchführen, persönlich haftbar machen.
      4. Bei Spekulationsverluste von über eine Mrd. $, automatisch für den gesamten Vorstand eine Gefängnisstrafe von 10 Jahren – ohne Berufungsmöglichkeiten.

      P.S.: Träumen darf man doch einmal……..

      • Mason schrieb am 23. Juni 2012 um 01:24 - Permalink

        Gute Vorschlaege, aber ich wuerde Folgendes vorschlagen:
        2. Arbeitszeiten runter um 25% bei vollem Lohnausgleich. Renten duerfen gerne steigen.

      • Gert schrieb am 23. Juni 2012 um 06:56 - Permalink

        Was ich an Linken so mag, ist ihre Ehrlichkeit.

        Denn sie wissen genau: ohne Straflager funktioniert ihre Ideologie nicht. Warum eigentlich nur 10 Jahre?

        • R_Winter schrieb am 23. Juni 2012 um 08:14 - Permalink

          @Gert
          Wieso 10 Jahre?
          Diese Größenordnung ist doch üblich bei Finanzschäden in Verbindung mit deren Folgen für die Gesellschaft. Die Gefängniszelle daneben sollte für Politiker reserviert werden, die dieses Machenschaften (z.B. HRE, IKB, Commerz Bank) mit Steuergelder verdecken.

        • salvo schrieb am 23. Juni 2012 um 08:27 - Permalink

          hmmm…. Arbeit macht frei und hartz iv sind wohl keine Produkte ‘linker Ideologie’, außerdem ist das Verfügen von Gefängnisstrafen für Kriminelle ebenfalls kein explizites Produkt ‘linker Ideologie’, sondern im Gegenteil ein strukturelles Merkmal menschlicher Gesellschaften, auch wenn leider in hierarchisch strukturierten Gesellschaften es zu einem Disziplinierungsinstrument gegen die weniger priviligierten Klassen pervertiert wird. Die USA zB, sicher keine ‘linke’ Gesellschaft, haben die global höchste Zahl an Gefägnisinsassen, worunter verhältnismäßig viele Menschen aus den unteren Schichten sind und aus sozialen Minderheiten. Diese Verhältnisse werden dort wiederum eher von ‘Linken’ politisch bekämpft.

          “The Caging of America”

          http://www.newyorker.com/arts/critics/atlarge/2012/01/30/120130crat_atlarge_gopnik

        • t.h.wolff schrieb am 23. Juni 2012 um 11:50 - Permalink

          Einfach mal in diesem Artikel über Bernard L. Madoff nachlesen. In den USA werden Strafmaße einfach durch aufaddieren der Anklagepunkte ermittelt. Das ergibt bei Herrn Madoff 150 Jahre (Hochsicherheitsgefängnis), seinem Buchhalter drohen 105. Ohne Straflager funktioniert Materialismus scheinbar nicht?

          • Yukionna schrieb am 25. Juni 2012 um 21:45 - Permalink

            Es handelt sich doch nicht mehr um eine Finazkrise oder einer Schuldenkrise,
            vielmehr handelt es sich um eine Verteilungskrise.
            Das Kapital weiß nicht mehr wohin!
            Diese ganzen Erfindungen (Papiere) sind ein Beleg.

            • R_Winter schrieb am 25. Juni 2012 um 21:53 - Permalink

              @Yukionna

              Die Folge der Spekulationskrise ist die Verteilungskrise.
              Wir haben keine Finanzkrise oder Schuldenkrise.

            • alexios schrieb am 25. Juni 2012 um 22:00 - Permalink

              Das Kapital weiß sehr wohl wohin, z.B. in Staatsanleihen. Und China sitzt nicht umsonst auf einem gigantischen Dollarberg, den es nicht ausgeben darf.

              Wenn das Wachstum zum Ende kommt, wandelt sich die Natur des Kapitals von Quantität in Qualität, allerdings in eine technisch kalte und negative: kaufe Staaten auf, vernichte Völker und implantiere “Demokratien”, verknappe Ressourcen, erfinde neue Produkte (Trinkwasser, Atemluft, Sicherheitszerfitikate). Alles wird zur käuflichen Marke und zum Eigentum, zuletzt auch das Recht auf Leben oder der Gebrauch der Sprache wird unter Lizenz gestellt. Das Kapital wird “wahnsinnig”, erworbene Akkumulationen werden eingesetzt, um in Inflation, Deflation, Bildung und Staatsverhalten massiv einzugreifen, den Geist über Materie zu bestimmen (nicht nur über BILD).

              Insofern sind der Staat, sind Staatsdiener und Ressourcen der Staaten die letzte Beute. Griechenland ist nur eines der Opfer in einer noch lange folgenden Kette.

    3. susi bibelmaus schrieb am 22. Juni 2012 um 18:37 - Permalink

      Erst waren es Sparpakete, milliardenschwere, die über Nacht locker gemacht wurden um irgendwas Edles zu retten. Jetzt, da alles an Bürgschaften und Geldern wegen Kaputtsparen rausgeholt wurde was ging wollen die Wachsen. Und das kostet alternativloserweise natürlich nochmal so viel, muss sich ja lohnen. Nur gut das nicht alle Mitmenschen ein wirtschaftswissenschaftliches Studium absolviert haben und auch nie Betriebswirtschaftsle(e)hre über sich ergehen lassen mussten. So sind wenigstens noch ein paar gesunden Verstandes und nicht durch in Stein gemeisselte Fachkompetenzen befangen und können das abgekartete Spiel der allesamt im selben Zwirn gekleideten Weltenretter durchschauen. Diskutierten sie vor einem Jahr noch um die unwahrscheinliche Möglichkeit globaler Sippenhaftung und übergossen jeden vermeidlichen Verschwörungstheoretiker mit Hohn und Spott der schon damals eine unbefangenere Auffassung hatte – tun sie es heut wieder indem sie den Zusammenhang zwischen gewollter Zentralisierung samt Massenhafter Verarmung und Bevormundung und jenen Jahrzehnte vorher beschlossenen Europäischen Superstaat nicht erkennen wollen.
      .
      .
      susi

    4. Sergio schrieb am 22. Juni 2012 um 18:51 - Permalink

      Dieser Artikel strotzt nur so von Kampfbegriffen und ideologischen (Fehl)schlüssen. “Spekulant” ist wohl der am meisten genutzte Begriff. Und natürlich sind es die “Spekulanten” die den Markt beherrschen, fernab von jeglicher Realität. Die Märkte spinnen weil Spekulanten das Geschehen beherrschen. Und “Leerverkäufe”….ganz schlimm.
      Aber jeder der sich damit auch beruflich beschäftigt, weiß dass es nicht “schlimm” ist. Wenn ein Fonds seine Bestände ausleiht und dafür noch was verdient, was kann daran schlimm sein? Wer heute geliehenes verkauft muss auch wieder zurückkaufen. Deswegen ist ein Verbot von (gedeckten(!), ein grosser Untertschied zu ungedeckten) “Leerverkäufen” faktisch das Gleiche wie ein Verbot normaler Käufe….hierbei wird ja auf steigende Kurse gesetzt. Wen der Staat also die “Spekulation” verbieten will,also eigentlich hier den Verkauf, fördert er nur eins: Die Gegenspekulation, was natürlich im Sinne der Politik ist…die Leute sollen ja die Schulden KAUFEN und nicht VERKAUFEN. Das durch diesen Eingriff die Probeme noch stärker werden, kann man ab ca Minute 18:20 hier erlauschen:

      http://www.youtube.com/watch?v=LvsgTQGcMmk

      Im Grunde geht der ganzer Artikel an das heutige Problem vollkommen vorbei. Es ist nicht der böse “Spekulant”…es ist der KREDIT, die aus dem nichts geschöpfte SCHULD, der ein Wechsel auf Morgen ist. Und wer solche Wechsel aus dem Nichts erstellen kann, hat eine ungeheure Macht, also das Kartell >>Zentralbank/Bank/Staat<< Wenn Zinsen bei 0% liegen, die real Zinsen sogar negativ sind, dann wird der Spekulant gefördert und der Sparer bestraft.

      Das Casino, die Börse, ist nicht böse. Wer ins Casino geht und sein Geld erjuxt…interessiert mich nicht. Wenn aber der Spekulant im Casino Geld verliert, er dann zum Kasinoausgang geht und sagt "Ich bin Systemrelevant, gib mir mein Geld zurück und hol dir das Geld vom Staat" und dieser dann auch noch zahlt, dann finde ich das gemeingefährlich. Die jetzige Situation hat auch nichts mit Marktwirtschaft oder Kapitalismus zu tun. Mit Nichten!
      Es geht um den Kampf um das billige Geld, den Kredit, um den Hebel. Die, welche ein Zugang haben zum billigen Geld können den Hebel nutzen zu Ungunsten Aller, welche diesen Hebel nicht haben. Das sind dann diejenigen die wirklich den Markt beherrschen.

      Mit "Österreichischen" Grüssen

      • ola schrieb am 22. Juni 2012 um 20:25 - Permalink

        Ersetze: “beruflich beschäftigt” durch “is mir doch wurscht, seh ich aus als wär ich böse?” und das ganze irrsinnige Geschreibsel von Ihnen bekommt einen Sinn.

        • salvo schrieb am 22. Juni 2012 um 20:58 - Permalink

          na ja, bewundernswert ist die ‘österreichische’ Glaubenskraft schon, Glaube kann ja bekanntlich Berge versetzen und vielleicht steigen doch eines Tages der wahre Markt und Kapitalismus in voller Reinheit und Pracht auf uns Sterbliche und Ungläubige herab, und wehe dann am Tage des Endgerichts denen, die diese Verunreinigung des heiligen Marktes bewirkt haben, Staaten und Zentralbanken, denn die werden auf ewig in der Hölle schmoren und den anderen Verdammten dieser Erde wie Kommunisten, Huren und Sozialhilfeempfänger Gesellschaft leisten müssen. Ach, könnte ich nur solche Glaubenskraft aufbringen, könnte ich auch so den Terror der Empirie überwinden …

        • Sergio schrieb am 23. Juni 2012 um 17:43 - Permalink

          Der Glaube, dass der “Spekulant” die Quell allen Übels ist, ist ein kollosaler Irrtum den aber viele Mensche glauben,sogar ich haben diesen Unsinn geglaubt. Die wirkliche Frage der man nachgehe sollte ist nicht wie man den “Spekulanten” bekämpft. Man sollte Hinterfragen WOHER der “Spekulant” das Geld hat. Wieso ist es möglich, dass jemand sagen wir mal mit 10 Mio USD Eigenkapital einen Kredit von 100 Mio USD bekommen kann.

          • Joachim Endemann schrieb am 23. Juni 2012 um 18:55 - Permalink

            Der Glaube, dass der “Spekulant” die Quell allen Übels ist, ist ein … Irrtum …

            Das ist richtig. Abgesehen davon, kommt es darauf an, auf was oder gegen was der spekuliert. Das heißt es liegt in der Natur eines Spekulanten, auf seinen Vorteil hin Geld zur Verzinsung einzusetzen. Das liegt sozusagen innerhalb der akzeptierten Realität. Außerhalb dieser Realität (mit ihrer neoliberalen Denkschablone) hingegen liegt offensichtlich, nicht dessen Vertrauen gewinnen zu wollen, sondern solche Bedingungen zu schaffen (d.h. Vorrang der Real- vor der Spekulationswirtschaft), die dessen Spekulieren vorzüglich zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung (die in der Realwirtschaft stattfindet) beitragen lassen.

            Mir ist bewußt, daß ich mich mit dieser Forderung von der Realität entfernt habe. Auch verstehe ich, daß Realisten sich mit dieser nicht abgeben können – das verbietet die Ernsthaftigkeit ihres Glasperlenspiels.

            ^Jo_Cit^

      • HHarlekin schrieb am 22. Juni 2012 um 20:47 - Permalink

        “Das Casino, die Börse, ist nicht böse. Wer ins Casino geht und sein Geld erjuxt…interessiert mich nicht.”

        Auch dann nicht, wenn das mit Nahrungsmitteln geschieht. Das ist die Form an Menschen-Mißachtung, die ich an euch Österreichern so … “schätze” (*schüttel*)

        “Wenn aber der Spekulant im Casino Geld verliert, er dann zum Kasinoausgang geht und sagt “Ich bin Systemrelevant, gib mir mein Geld zurück und hol dir das Geld vom Staat” und dieser dann auch noch zahlt, dann finde ich das gemeingefährlich.”

        Genau, Menschen die unter Lebensmittel-Spekulationen leiden, sind euch wurscht, wenns ums Geld geht ist das “gemeingefährlich. Eure Sprache entlarvt euch. ;-)

        (Es versteht sich wohl von selbst, daß die Spekulanten für den von ihnen angerichteten Schaden zahlen sollten, nicht, daß mir hier etwas anderes unterstellt wird.)

        Wenn etwas “gemeingefährlich” ist, dann euer Denken.

        Grüße

        • ola schrieb am 22. Juni 2012 um 21:26 - Permalink

          Ich habe schon mehr als einen Österreicher der Marke Sergio über die Ungerechtigkeiten der Welt lamentieren sehen, wenn einer kam, der das Spiel besser beherrscht hat :)

          Alles nur eine Frage der Perspektive.

          • Am_Rande schrieb am 23. Juni 2012 um 16:05 - Permalink

            Und warum auch nicht? Nicht nur „Österreicher der Marke Sergio“, sondern auch Österreicher der Marke Mises haben über den Zustand dieser Welt „lamentiert“:

            “Der Liberalismus ist eine Lehre, die ganz und gar auf das Verhalten der Menschen in dieser Welt gerichtet ist. Er hat in letzter Linie nichts anderes im Auge als die Förderung der äußeren, der materiellen Wohlfahrt der Menschen und kümmert sich unmittelbar nicht um ihre inneren, um ihre seelischen und metaphysischen Bedürfnisse. Er verspricht den Menschen auch nicht Glück und Zufriedenheit, sondern nichts anderes als möglichst reichliche Befriedigung aller jener Wünsche, die durch Bereitstellung von Dingen der Außenwelt befriedigt werden können.”
            [Ludwig von Mises; Der Liberalismus; 1927, Seite 3]
            “Das sozialistische Paradies wird das Reich der Vollendung sein, bevölkert von lauter restlos glücklichen Übermenschen. Alle sozialistischen Schriften sind voll von solchem Unsinn. Doch es ist gerade dieser Unsinn, der ihnen die meisten Anhänger wirbt.”
            [a.a.O., Seite 15]
            “Das Leben der Menschen ist nicht pures Glück, die Erde ist kein Paradies.”
            [a.a.O., Seite 56]

            Der Unterschied ist nur, dass Klassisch-Liberale aufgeklärt genug sind, das Heil nicht in den Glücksversprechungen der Politik zu suchen. „Der Staat ist Gott“, das mag ein Lassalle geglaubt haben; ein Klassisch-Liberaler ist klug genug, den Staat nicht einmal für einen gütigen Hausvater zu halten.

            • ola schrieb am 23. Juni 2012 um 22:13 - Permalink

              Jetzt fehlt uns noch die Empire zu Ihrem aufgeklärten Glaubensgrundsatz und dann würde Ihr Geschwurbsel einen Sinn ergeben. Leider muss man eigentlich nur vor die eigene Haustür treten (alternativ tuts auch ein billiges Geschichtsbuch), um zu erkennen, dass ohne staatliche Ordnung die Willkür regiert. Aber ich weiss, für innere Sicherheit und Rechtssicherheit im Sinne des Kapitals soll der Staat natürlich schon zuständig bleiben, obwohl er eigentlich zu nichts Nutze ist.

            • Am_Rande schrieb am 25. Juni 2012 um 16:45 - Permalink

              @ola
              Ich denke, ich kann mich nur wiederholen:
              Man sollte sich mit Dingen beschäftigt haben, bevor man den Versuch unternimmt, sie zu kritisieren.
              Zum Verhältnis der Klassisch-Liberalen zum Staat, – Sie ahnen es vielleicht – einmal mehr Herr von Mises:

              Government as such is not only not an evil, but the most necessary and beneficial institution, as without it no lasting social cooperation and no civilization could be developed and preserved. It is a means to cope with an inherent imperfection of many, perhaps of the majority of all people. If all men were able to realize that the alternative to peaceful social cooperation is the renunciation of all that distinguishes Homo sapiens from the beasts of prey, and if all had the moral strength always to act accordingly, there would not be any need for the establishment of a social apparatus of coercion and oppression. Not the state is an evil, but the shortcomings of the human mind and character that imperatively require the operation of a police power. Government and state can never be perfect because they owe their raison d’etre to the imperfection of man and can attain their end, the elimination of man’s innate impulse to violence, only by recourse to violence, the very thing they are called upon to prevent.

              Der Staat als solcher ist nicht nur kein Übel, im Gegenteil, er ist die notwendigste und nutzbringendste Einrichtung, da ohne ihn keinerlei gesellschaftliche Zusammenarbeit von Dauer und keine Zivilisation entwickelt und bewahrt werden könnte. Er ist ein Mittel, um mit den Unzulänglichkeiten, die vielen – vielleicht der Mehrheit der Menschen – innewohnen, umgehen zu können. Wenn alle Menschen fähig wären, zu erkennen, dass die Alternative zur friedlichen, gesellschaftlichen Zusammenarbeit die Verleugnung alldessen wäre, was den homo sapiens von den Raubtieren unterscheidet; und wenn alle Menschen die moralische Beständigkeit hätten, in solcher Art zu handeln, so gäbe es keine Notwendigkeit, eine gesellschaftlichen Vorrichtung zum Zwecke des Zwangs und der Unterdrückung zu erschaffen. Nicht der Staat ist ein Übel, sondern die Mängel des menschlichen Geistes und Charakters, die die Handlungen einer Polizeigewalt absolut unvermeidlich machen. Die Regierung und der Staat können niemals perfekt sein, weil sie ihren Daseinsgrund der Mängelhaftigkeit des Menschen schulden und sie können ihren Zweck, die Unterdrückung des dem Menschen eingeborenen Drangs zur Gewalt, nur durch ihrerseitigen Einsatz von Gewalt erreichen, gerade durch die Sache zu deren Verhinderung sie aufgerufen sind.

              Und weiter im Text:

              A shallow-minded school of social philosophers, the anarchists, chose to ignore the matter by suggesting a stateless organization of mankind. They simply passed over the fact that men are not angels. They were too dull to realize that in the short run an individual or a group of individuals can certainly further their own interests at the expense of their own and all other peoples’ long-run interests. A society that is not prepared to thwart the attacks of such asocial and short-sighted aggressors is helpless and at the mercy of its least intelligent and most brutal members. While Plato founded his Utopia on the hope that a small group of perfectly wise and morally impeccable philosophers will be available for the supreme conduct of affairs, anarchists implied that all men without any exception will be endowed with perfect wisdom and moral impeccability. They failed to conceive that no system of social cooperation can remove the dilemma between a man’s or a group’s interests in the short run and those in the long run.

              Eine nicht gerade tiefsinnige Schule von Gesellschaftsphilosophen, die Anarchisten, haben es vorgezogen, diese Tatsache zu ignorieren, indem sie vorschlugen, eine staatenlose Organisation der Menschheit zu schaffen. Sie sind über den Fakt des Lebens, dass Menschen keine Engel sind, einfach hinweggegangen. Sie waren zu dumpf, zu erkennen, dass auf kurze Sicht gesehen, ein Individuum oder eine Gruppe von Individuen sicherlich ihre eigenen Interessen auf Kosten der eigenen langfristigen Interessen und der langfristigen Interessen aller anderen Menschen durchsetzen können. Aber eine Gesellschaft, die nicht bereit ist, die Angriffe solcher asozialen und kurzsichtigen Aggressoren zu vereiteln, ist hilflos und der Gnade ihrer dümmsten und brutalsten Mitglieder ausgeliefert. Während Platon sein Utopia auf der Hoffnung gegründet hat, dass eine kleine Gruppe von absolut weisen und moralisch einwandfreien Philosophen verfügbar sein wird, um die Staatsangelegenheiten in brillanter Weise zu führen, gingen die Anarchisten augenscheinlich davon aus, dass alle Menschen ohne Ausnahme mit absoluter Weisheit und einwandfreier Moral ausgestattet sein werden. Sie versagten darin, zu begreifen, dass es kein System der gesellschaftlichen Zusammenarbeit geben kann, welches das Dilemma zwischen den kurzfristigen und den langfristigen Interessen eines Individuums oder eine Gruppe überwinden kann.

              [Zitate aus “Ludwig von Mises, The Ultimate Foundation of Economic Science – an Essay on Method“, 1962]
              Wie gesagt: Erst lesen – dann denken – dann kommentieren…

        • Gert schrieb am 23. Juni 2012 um 07:05 - Permalink

          Sie haben völlig Recht: Denken ist gefährlich!

          Wir brauchen unbedingt eine Gedankenpolizei, die gefährliches Denken streng bestraft.

          Zusammen mit Ihrem Kollegen, der Banker für 10 Jahre ins Lager stecken will, sind Sie eindeutig die Avantgarde!

          • salvo schrieb am 23. Juni 2012 um 08:34 - Permalink

            ehm …. mit dem Denken scheinen Sie ziemliche Probleme zu haben, es ist nu mal eine kognitive Fähigkeit zwischen Allgemeinem und Besonderem unterscheiden zu können. Di Aussage ‘Euer Denken ist gemeingefährlich’ ist nicht gleich ‘Denken ist gemeingefährlich’. Und so wird Ihre Projektion auf Ihre Idiotie zurückgeführt

        • Sergio schrieb am 23. Juni 2012 um 17:51 - Permalink

          Du glaubst also wirklich das “böse Spekulanten” der Preis für Nahrungmittel nur nach oben treiben? Was für eine einfache Weltsicht Du doch hast.

          Was ist den wenn die Preise fallen, weil “böse Spekulanten” Weizen “Leerverkaufen”. Nach deiner Logik müsste es doch dann moralisch in Ordnung sein, nicht wahr?

      • schwitzig schrieb am 22. Juni 2012 um 22:34 - Permalink

        @Sergio

        Dieser Artikel strotzt nur so von Kampfbegriffen und ideologischen (Fehl)schlüssen.

        Irrelevant. Erkläre besser mal, wozu die Menschheit den Scheiss braucht. Für Dich:

        Wer braucht das?
        Wem nutzt das?
        Was hat der Finanzschwachsinn mit dem realen Leben zu tun?

        Und – BITTE – nicht wieder das übliche “Investoren”-Doofgeschwurbel. Den Blödsinn glauben vielleicht SPIEGEL-Leser, aber selbst BILD-Leser dürften da schon irritiert mit dem Kopf schütteln.

        • Sergio schrieb am 23. Juni 2012 um 18:01 - Permalink

          Wer braucht das?

          Nun, es scheint ein Bedarf da zu sein nach deinem “Das”.Dann wird “Das” halt hergestellt.

          Wem nutzt das?

          Dem, der es nutzt. Sonst würde er es ja nicht nutzen wollen. Und weil es Leute nutzen wollen, wird es angeboten.

          Was hat der Finanzschwachsinn mit dem realen Leben zu tun?

          Wer bestimmt was man im realen Leben tun soll? Du?
          Und was ist “Schwachsinn”?

          • Spiegelfechter schrieb am 24. Juni 2012 um 09:56 - Permalink

            Darauf gehe ich ja im zweiten Teil noch ein. Solche “Instrumente” sind lupenreine Dual-Purpose-Güter. Mit einem Gewehr kann man den Fuchs von seinem Hühnerstall forthalten, man kann aber auch morden. Daher hat die Gesellschaft beschlossen, den Missbrauch zu verhindern. Dies muss sie auch bei Finanzinstrumenten tun, die missbraucht werden können.

            • leslie schrieb am 24. Juni 2012 um 13:38 - Permalink

              ´´Daher hat die Gesellschaft beschlossen, den Missbrauch zu verhindern. ´´

              Naja,einem Mörder ist es egal ob die Schusswaffe illegal ist. ;-)

              Mfg

      • alter Sack schrieb am 22. Juni 2012 um 23:24 - Permalink

        Dieser Artikel strotzt nur so von Kampfbegriffen und ideologischen (Fehl)schlüssen.

        Dieser Artikel strotz nur so von Rechtschreibfehlern und ich empfehle, dies für den 2. Teil beizubehalten, denn dadurch zumindest ist das weiterlesen spannend.
        Ansonsten im Westen nichts Neues.
        Es glaubt doch wohl nicht wirklich noch irgendwer, dass Politik und/oder Finanzwirtschaft oder sonst wer (who?) irgend etwas gegen die Spielsucht unternehmen würden?

        Ist auch OK! Der absolute Finanz-Supergau-extrem wird eine befreiend-reinigende Wirkung haben und schlimmeres verhindern. Da lohnt sich mal das Anfeuern!

        Weiter so! Schneller! höher! weiter! mehr! mehr! viel mehr! Ja! holt’s euch! (Was auch immer)

        • Sergio schrieb am 23. Juni 2012 um 18:18 - Permalink

          Der absolute Finanz-Supergau-extrem wird eine befreiend-reinigende Wirkung haben und schlimmeres verhindern

          Das Gewitter hätte viel früher kommen sollen (Bankpleiten zulassen, wer sich verzockt hat->Game over. Staatliche Garantien bezügluch Geldkonten nur für Bürger und staatliche Institutionen, also nur für NICHTBANKEN).
          Linke und Finanzmafia ziehen da am gleichen Strang, da ja alles “alternativlos”. Welch eine Ironie.

          Je länger das Gewitter verhindert wird, desto stärker wird es. Aber von der Politik kann man solche Eingeständnise nicht erwarten. Zuviele Opportunisten. Wir leben schliesslich in einer Wählerbestechungsdemokratie. “Nach uns die Sinnflut”, das ist das Motto der Sozis. Schulden, Schulden, und noch mehr Schulden. Und wenn es nicht klappt, dann nur deswegen weil zu wenig Schulden genommen wurde, so der Sozi Liebling Paul Krugman. Wir zehren schon lange aus unserem Kapitalstock. Lothar Dombrowski hatte recht: ” WIR SIND DIE SINNFLUT”

          • FetteBeute schrieb am 23. Juni 2012 um 23:37 - Permalink

            @Sergio

            Linke und Finanzmafia ziehen da am gleichen Strang, da ja alles “alternativlos”. Welch eine Ironie.

            Das ist vielleicht der wichtigste Gedanke zum Thema. Wobei er von der Analyse nicht ganz richtig ist.

            Um es mal aufzuschlüsseln. SPD/CDU und Konsorten wollen das System stabilisieren indem den Banken und Versicherungen Steuerzahlergeld hinterhergeworfen wird.

            Was ist mit Rekapitalisierung der Banken beispielsweise gemeint? Gemeint ist, dass eine Bank, die tatsächlich längst Pleite ist, mit Kapital vom Staat vor der Pleite gerettet wird. Also die staatliche Subvention schützt hier ein privates Unternehmen. So etwas kann man mit jedem Unternehmen machen (hätte man auch beispielsweise mit Schlecker machen können).

            Die Rechnung bezahlt dann der “kleine Mann”. Das ist aber letztlich Umverteilung von Vermögen auf Kosten der kleinen Leute. Also Ausbeutung. So etwas ist NICHT links.
            Wer eine solche Politik unterstützt (völlig egal ob die Umverteilung mittels Euro-Bonds oder sonstwas gemacht wird) ist NICHT links, sondern unterstützt die verschärfte Ausbeutung der Massen zugunsten einer kleinen Minderheit.

            So eine Politik ist auch nicht marktwirtschaftlich. Die Marktbereinigung wird ja verhindert.

            Linke Politik würde versuchen die Macht der Banken und die Macht der Versicherungen zu brechen. Diese linke Politik gibt es überhaupt nicht mehr. Das ist der eigentliche Kulturschock.

            • Sergio schrieb am 25. Juni 2012 um 14:56 - Permalink

              SPD/CDU und Konsorten wollen das System stabilisieren indem den Banken und Versicherungen Steuerzahlergeld hinterhergeworfen wird.

              Das war die Mutter aller Irrtümer. Wer braucht eine Commerzbank? Das Publikum wäre zu den Sparkassen oder genossenschaftlichen Banken gewechselt. Ein oft gehörtes Gegenargument ist dann immer “Wenn wir die Pleiten zugelassen hätten dann wäre die Spargroschen des normalen Bürgers hopps gegangen und auch der Kommunen!”. Ja, dass ist richtig. Man hätte aber dann Staatsgarantien auf genau diese Einlagen geben können, für Bürger und staatliche Institutionen, also nur für NICHTBANKEN. DIe gegenseitige zwischen Bank vergebenen Kredite wären dann liquidiert. Die “liquidation of bad debt” hätte dann mit chirugischer Genauigkeit die getroffen die diese Kredite in die Welt gesetzt haben. Laut Prof. Hankel hätten das 100 Milliarden Euro gekostet. Von mir aus können es auch 200 Mrd sein, ein im nachhinein fast lächerlicher Betrag zu den Beträgen die jetzt rumschwirren.

              Also die staatliche Subvention schützt hier ein privates Unternehmen. So etwas kann man mit jedem Unternehmen machen (hätte man auch beispielsweise mit Schlecker machen können).

              Wieso um Gotteswillen soll der Staat die Verliere und Gewinner am Markt auswählen können? Das soll bitte der Markt machen! Wenn Schlecker pleite ist, dann hat das ein Grund. Mir tun dann auch die “Schleckerfrauen” leid, aber wo bleibt die REGELGERECHTIGKEIT??? Die bekommen doch 1Jahr ALGI, wie jeder andere Bürger auch. Warum diese Extraprivilegien für “Schleckerfrauen”?

              So eine Politik ist auch nicht marktwirtschaftlich. Die Marktbereinigung wird ja verhindert.

              Linke Politik würde versuchen die Macht der Banken und die Macht der Versicherungen zu brechen. Diese linke Politik gibt es überhaupt nicht mehr. Das ist der eigentliche Kulturschock.

              99,95 % Zutimmung

      • Spiegelfechter schrieb am 24. Juni 2012 um 09:51 - Permalink

        Aber jeder der sich damit auch beruflich beschäftigt, weiß dass es nicht “schlimm” ist.

        Natürlich. Wer sich “beruflich” damit beschäftigt, wird dies anders sehen. Wobei natürlich die Frage entsteht, welche Rolle ein hauptberuflicher Spekulant in unserer Gesellschaft erfüllt. Mich erinnert dies an den Schlussmonolog von Christopher Walken im (grandiosen) Film “King of New York” – dort erklärt er dem Polizisten, welche gesellschaftliche Rolle ein Drogendealer erfüllt. So kann man es als “Hauptberuflicher” sehen. Mich überzeugt das natürlich nicht.

        Wenn ein Fonds seine Bestände ausleiht und dafür noch was verdient, was kann daran schlimm sein?

        Nun, dies hat nichts mehr mit dem eigentlichen Investment zu tun und erfüllt für die (echte) Realwirtschaft keine Funktion.

        Im Grunde geht der ganzer Artikel an das heutige Problem vollkommen vorbei. Es ist nicht der böse “Spekulant”…es ist der KREDIT, die aus dem nichts geschöpfte SCHULD, der ein Wechsel auf Morgen ist.

        Mei o mei, was für ein Unfug.

        Das Casino, die Börse, ist nicht böse. Wer ins Casino geht und sein Geld erjuxt…interessiert mich nicht.

        Die Gesellschaft interessiert dies schon, weil die Zockerei ja Einfluss auf reale Preise hat – siehe Öl, Getreide und auch die Zinsen für Staatsanleihen.

        • Sergio schrieb am 25. Juni 2012 um 17:35 - Permalink

          Natürlich. Wer sich “beruflich” damit beschäftigt, wird dies anders sehen. Wobei natürlich die Frage entsteht, welche Rolle ein hauptberuflicher Spekulant in unserer Gesellschaft erfüllt.

          Das ist eine moralische Frage, dh sehr subjektiv. Ich frage mich auch manchmal welche Rolle oder Aufgabe ein Dieter Bohlen, Barbara Salesch oder Richter Hold in unserer Gesellschaft erfüllen.
          Ein Spekulant sorgt dafür, dass die Güter liquide und handelbar sind. Wer sind aber nun diese “Spekulanten”? Ein Blick in die folgenden Zusammenfassung bring Licht ins (ideologisch) Dunkle. Du solltest deine Leser auch über sowas informieren um mehr Sachlichkeit in die Diskussion einfliessen zu lassen anstatt irgendwelchen vermeidlichen Sündenböcken nachzujagen:

          http://www.cftc.gov/OCE/WEB/files/OCE_COT_Report_May_2012.pdf

          Hier findet man eine Zusammenfassung der Positionen der verschiedenen “Spekulanten”:

          “Spekulant” #1 -> “Commercial traders”. Das sind die Hersteller und Farmer von verschieden Lebensmittel. Wenn Du dir dann mal deren Position im “Casino” anschaust, wirst Du sehen dass die Hersteller von Lebensmittel die GRÖSSTE und damit auch die EINFLUSSREICHSTE Positionen halten, kein Wunder…sie Produzieren das Zeug ja auch! Deren Beteiligung (“Open Interest”)im “Casino” liegt im Durchschnitt immer über 50%. Beim Mais zb liegt deren Beteiligung bei 52,2%, beim Weizen bei 49,6% usw. Diese “Spekulanten” gehen fast immer “short”…sie verkaufen also das Produkt. Sie setzen nicht auf fallende Preise. Sie verkaufen schlicht und einfach ihre Produktion, sie “hedgen” sich. Das “Casino” gibt ihnen soweit Kalkulationssicherheit. Da die Hersteller fast immer Netto Verkäufer sind, wer kauft denn eigentlich?

          “Spekulant” #2 ->”non-commercial traders”. Das sind dann wohl beim normalen Volk die “Spekulanten”, also meist Banken, Versicherungen, Hedgefonds oder sehr Vermögende Individuen. Diese Spekulanten sind der zweit grösste Besucher im “Casino”. Sie sorgen dafür das die Hersteller, also Spekulant #1, ihre Ware verkaufen können.

          “Spekulant” #3->”non-reportable positions”. Das sind dann die kleinen Berufszocker die Zugang an den Börsen haben. Sie sind die kleinste Gruppe und spielen bei der Preisbildung keine Rolle

          Nun um auf deine Frage zurückzukommen, welche Rolle die “Spekulanten” in einer Gesellschaft erfüllen:
          Spekulant #1: Er verkauft was wir alle Essen wollen und müssem
          Spekulant #2: Meist der Gegenpart von Spekulant #1
          Spekulant #3: Versucht einige Krümmel aufzufangen, ansonsten bietet er Liquidität in den Markt

          Sergio:Wenn ein Fonds seine Bestände ausleiht und dafür noch was verdient, was kann daran schlimm sein?

          Jens Berger:Nun, dies hat nichts mehr mit dem eigentlichen Investment zu tun und erfüllt für die (echte) Realwirtschaft keine Funktion.

          Natürlich erfüllt die Wertpapierleihe eine realwirtschaftliche Funktion.
          Nehmen wir zB ein Pensionsfonds. Dieser Fonds ist von Natur aus sehr konservativ, dh sie halten meist gute Unternehmensaktien zB 1.000 BMW Aktien. Da dieser Pensionsfond faktisch immer BMW Aktien halten will und muss, ist es für den Pensionsfond ein Extraertrag wenn man die BMW Aktien auf Zeit verleihen kann. Man bekommt eine risikolose Verleihgebühr und kann diese bei der nächsten Ausschüttung rausgeben. Geld kommt immer in die Realwirtschaft, ob früher oder später.

          Sergio:Im Grunde geht der ganzer Artikel an das heutige Problem vollkommen vorbei. Es ist nicht der böse “Spekulant”…es ist der KREDIT, die aus dem nichts geschöpfte SCHULD, der ein Wechsel auf Morgen ist.

          Jens: Mei o mei, was für ein Unfug.

          Ich find das man diesen “Unfug” ganz besonders gut sieht. Ist den die hohe Verschuldung kein Problem? Wenn man eine Schuld aufnimmt und diese Schuld dann nicht bezahlen kann, ist das kein Problem? Vielleicht kommen wir ja zusammen wenn ich sage, die Banken, welche nicht kreditwürdigen Personen oder Institutionen Geld per Kreditschöpfung Geld geliehen haben, mit der Gewissheit dass sie ihr Geld trotzdem zurückbekommen, ist das nicht das grundlegende Problem? Ist den “Moral Hazard” etwas worauf wir uns einigen können?

          Sergio:Das Casino, die Börse, ist nicht böse. Wer ins Casino geht und sein Geld (v)erjuxt…interessiert mich nicht.

          Jens Berger: Die Gesellschaft interessiert dies schon, weil die Zockerei ja Einfluss auf reale Preise hat – siehe Öl, Getreide und auch die Zinsen für Staatsanleihen.

          Diese “Spelulation” hat keinen langfristigen Einfluss auf die Preise, nur auf die Volatilität. Den wer heute verkauft muss morgen wieder zurückkaufen.
          Das die Zinsen für Staatsanleihen aus Griechenland höher sind als die von zB Frankreich ist doch vollkommen rational. Wenn Du der Meinung bist, das die Zinsen für Griechenland zu hoch sind, müsstest Du doch eigentlich gerne griechische Schulde kaufen wollen. Ich vermute Du tust es nicht, wie viele anderen auch nicht. Und das hat ökonomische Gründe. Da kann Politik nicht helfen. Klar, wir können den Griechen Geld schenken, aber wie lange machen das die Bürger in Deutschland mit?

          • Hans Maulwurf schrieb am 25. Juni 2012 um 22:38 - Permalink

            Zum ersten Teil kann ich nichts sagen, da kenne ich mich nicht gut genug aus. SF hat aber im Artikel davon geredet, dass 90% der Käufer von Bundesanleihen “seriöse” Käufer sind. Die restlichen 10% seien das Problem. Ok, da geht es nur um Bundesanleihen. Dennoch scheinen mir deine Mengenangaben nicht zielführend zu sein.

            Wenn man eine Schuld aufnimmt und diese Schuld dann nicht bezahlen kann, ist das kein Problem?

            Ich denke eher, die Geldinhaber sind mit realwirtschaftlich erreichbaren Renditeraten nicht mehr zufrieden. Heutzutage müssen es schon die berühmten 25% sein. Das führt dann zu dem Anreiz, extrem risikoreiche Papiere zu kaufen, denn nur wenn man mit denen (gehebelt) handelt, sind die Renditeziele scheinbar zu erreichen.

            Diese “Spelulation” hat keinen langfristigen Einfluss auf die Preise, nur auf die Volatilität.

            Lol, also wenn ich mich nicht täusche, geht es hier um den kurzfristigen Einfluß, nicht um den langfristigen…

    5. COPKA schrieb am 22. Juni 2012 um 19:59 - Permalink

      … entfallen 4,5 Billionen Euro Handelsvolumen auf die restlichen im Markt befindlichen Anleihen im Nominalvolumen von rund 100
      Millionen Euro.

      Milliarden, oder?

      • Truvor schrieb am 22. Juni 2012 um 20:07 - Permalink

        @COPOKA

        Fehlt nicht in Deinem Nick irgendetwas ?

      • COPOKA schrieb am 22. Juni 2012 um 21:07 - Permalink

        @Truvor
        Jep.

        Was mich allerdings in Hinsicht auf das muntere Treiben der Finanzmähkte interessieren wurde – wie schlägt sich das ganze auf nationales BIP nieder? Schließlich werden all die Wetten durch Dienstleistungen begleitet. Wie profitiert eigentlich der Staat dadurch? Wenn gar nicht, dann wie ist der Jammer über eventuell auswandernde Mähktplätze wegen Finanztransaktionssteuer zu erklären? Wo rührt sich die abgöttische Hingabe der Politiker diesen Mähkten her?

        Na ja, bin schon auf den 2. Teil gespannt.

        • Truvor schrieb am 22. Juni 2012 um 21:27 - Permalink

          @COPOKA

          Geil, und ich bin auf den 3. Teil gespannt ;-)
          Das kannst Du ewig machen, oder ;-)

          • COPOKA schrieb am 22. Juni 2012 um 21:54 - Permalink

            Zunächst mal wurde nur der 2. Teil versprochen.

    6. Alexander Unzicker schrieb am 22. Juni 2012 um 20:03 - Permalink

      Auch wenn einem wieder die Galle hochkommt…. danke für diese aufschlussreiche Recherche,
      die sich gegen die allgemeine Desinformation stemmt!

    7. FetteBeute schrieb am 23. Juni 2012 um 02:40 - Permalink

      @Spiegelfechter
      Die Termingeschäfte sind eine direkte Folge des marktwirtschaftlichen Systems. (Und diese gibt es entsprechend im größeren Umfang bereits seit über 100 Jahren; siehe dazu Link US-Warenterminbörse)

      Solange es Kredit, Zins, “Timing Issues” und Unwägbarkeiten in der konjunkturellen Entwicklung und in der Rohstoffversorgung gibt (und die gibt es innerhalb der Marktwirtschaft immer), wird es gehebelte Spekulation geben. Diese Art des Wirtschaftens erlebt jetzt lediglich neuartige Exzesse.

      So etwas kann man eigentlich nicht seriös kritisieren. Es sei denn man stellt das marktwirtschaftliche System insgesamt in Frage.

      • Howie Munson schrieb am 23. Juni 2012 um 15:39 - Permalink

        wieso kann man Hebel nicht seriös kritisieren?

        wenn man ECHTE Ernten im voraus teilverkaufen will, macht man das doch 1:1 und es reicht ja das Geld für Dünger und Treibstoff so im vorraus schon einzunehmen, damit man keinen Kredit braucht. Und diejenigen die die Rohstoffe wirklich brauchen, wollen dann auch 1:1 Kontrakte haben, die erfüllt werden.

        • Sergio schrieb am 23. Juni 2012 um 19:16 - Permalink

          wieso kann man Hebel nicht seriös kritisieren?

          An der Kritik der “Linke” an den Hebel, wird die inkonsistent ihrer Denkwelt klar sichbar.

          Auf der einen Seite schimpft man auf die zu hohen Zinsen bei den PIIGS Ländern, man möge bitte die Zinsen runterdrücken. Aber genau das runterdrücken der Zinsen ermöglicht es, mit billigem (Papier)Geld mit einem Hebel zu spekulieren. Ich denke dass dieser Zusammenhang vielen nicht bewusst ist.

          Erschrocken von der neuen Erkenntnis fliehen die “Linken” dann in moralische Phraseologien die nur ihre Verwirrtheit in ökonomischen Fragen zutage bringt. Habe ich schon dutzend mal erlebt.

        • FetteBeute schrieb am 24. Juni 2012 um 12:40 - Permalink

          @Howie Munson

          wieso kann man Hebel nicht seriös kritisieren?

          Ohne Hebel macht ein Terminkontrakt fürs (beispielsweise) Hedging einer Position keinen Sinn. Das Instrument würde weitestgehend unrentabel und damit unpraktikabel.

      • Sergio schrieb am 23. Juni 2012 um 18:26 - Permalink

        Je niedriger der (zentral geplante)Zins, desto mehr wird gehebelt. Aber teures Geld, das will doch keiner. Sozis und Finanzmafia gehen da Hand in Hand. Neue Blasen sind vorprogrammiert. Nachher hat natürlich der Kapitalismus schuld.

      • Spiegelfechter schrieb am 24. Juni 2012 um 10:03 - Permalink

        siehe meine Antwort an “Sergio” weiter oben. Waren- und Finanztermingeschäfte können unter bestimmten Bedingungen realwirtschaftlichen Nutzen haben. Sie sind “dual purpose” und idT ist der Missbrauch, also die Nutzung, die realwirtschaftlich keinen Nutzen hat, heute dominierend.

    8. Jakob schrieb am 23. Juni 2012 um 03:01 - Permalink

      Mich wuerde mal interessieren, warum selbst der konservativste Pensionsfondmanger nicht im Sekundaermarkt taetig werden sollte, wenn es zu einer durch Spekulation angeheizten Preisbewegung kommt. Da waere doch schonmal ein Korrektiv in der Preisbildung.

      Zum anderen braucht der Spekulant trotz Informationsvorteil etc. jemanden, der ihm seinen Handel abnimmt. Wenn er also den Preis in eine Richtung treiben will, dann braucht er doch einen Gegenpart der Grund hat zu glauben, dass diese Bewegung gerechtfertigt ist. Hedgefondsmanager im Interview sind mir da als Argument irgendwie zu wenig.

      Und letztlich, um den Marktmechanismus der Preisbildung auszuhebeln muesste entweder ein einzelner Akteur einen enorm Grossen Anteil des Marktes kontrollieren (was bei 5 Billionen Handelsvolumen selbst der Deutschen Bank schwerfallen duerfte), oder es tun sich einige Akteure zusammen. Beim letzteren muesste man dann aber ueberzeugend darlegen koennen, warum sich diese Akteure nicht gegenseitig Hintergehen sollten..

      Ich glaube ich werde dieses Wochenende mal damit beschaeftigen. Da muss es ja statistische Analysen zu geben, inwiefern der Sekundaermarkt den Anleihenpreis bei der Emission beeinflusst.

      Gruss aus Kalifornien,

      • Sergio schrieb am 23. Juni 2012 um 18:56 - Permalink

        Ich finde auch das der Artikel zu Einseitig ist. Aber der Artikel ist ja kein Wikiartikel.

        Es gibt ja den kindlichen Glaube, dass der “Spekulant” immer reich wird. Bei genauerer Betrachtung ist das natürlich Unsinn. Denn in einem Markt gibt es neben der “Spekulation” auch immer eine “Gegenspekulation”. Die Spekulation als Ganzes wird natürlich durch billiges (Papier)Geld stark beeinflusst, nicht im Sinne von zu hohen oder zu niedrigen Preisen sondern in gestiegener Volatilität.

        Was den Emissionspreis angeht, der richtet sich ja immer an den tatsächlichen gehandelten Renditen am Markt. Allein aus einer grundlegenden Abitrage Überlegung ist dies zu erwarten. Ich denke dass kann man hier sehr gut nachrecherchieren

        http://www.treasurydirect.gov/instit/annceresult/press/preanre/preanre.htm

        Aber bitte bedenken dass der US Bond Markt stark von der FED manipuliert wird, Schlagwort “QE” und “TWIST”. US-Anleihen die eine Laufzeit von mehr 20 Jahre haben werden zu mehr als 90%(!!) von der FED gehalten. Kein Wunder, wär verleiht dem US Staat schon für mehr als 20 Jahre sein Erspartes bei einer Rendite von 2,7% und einer tatsächlichen Inflation von 5% -11% ?

        • wschira schrieb am 23. Juni 2012 um 20:43 - Permalink

          Also das halte ich für Unsinn. Wenn ich mich an die Internetblase erinnere, da wurden Firmen für Milliarden in den Markt gepusht, die nicht einen Dollar Rendite hatten. Also bullshit!

          • Sergio schrieb am 25. Juni 2012 um 17:46 - Permalink

            Ja, woher kammen den die Milliarden für die Dotcom Unternehmen??
            Wenn man Zinsen auf 1% drückt, wo geht das Geld rein? Je niedriger der Zins desto höher die Spekulation.
            “Österreicher” nennen das “Malinvestment” (http://en.wikipedia.org/wiki/Malinvestment)
            . Die Internetblase wurde durch zu niedrige Zinsen befeuert, genau wie die Immobilienkrise in den USA. Jetzt haben die USA faktisch 0% Zinsen. Wenn man mit 1% soviel Schaden angerichtet hat, was wird dann wohl mit 0% angerichtet? Wir haben eine riesige Anleiheblase in den USA.
            Was haben die Griechen mit den Anfangs günstigen Krediten gemacht? Den öffentlichen Dienst ausgebaut und deutsche Panzer gekauft. Damit kann man geliehens Geld nicht zurückzahlen. Das ist eine einfache ökonomische Wahrheit.

        • ola schrieb am 23. Juni 2012 um 22:18 - Permalink

          Nein, Sie werden sicher mit Spekulationen nicht reich werden. Sie träumen höchstens noch vom Würstchen. Und deshalb reagieren Sie ja auch ideologisch verbohrt und indoktrieniert bis aufs Blut, weil sie befürchten, man können Ihnen Ihren Würstchenbiss klauen. Aber keine Sorge, nicht die Linke wird es sein, die Ihnen das Würstchen nicht gönnt.

        • Spiegelfechter schrieb am 24. Juni 2012 um 10:10 - Permalink

          Was den Emissionspreis angeht, der richtet sich ja immer an den tatsächlichen gehandelten Renditen am Markt.

          Und die werden von den Futures beeinflusst.

          • Jakob schrieb am 26. Juni 2012 um 19:24 - Permalink

            Also nur zur Sicherheit, du sagst also, dass Investoren/Spekulanten die Preise von Anleihen auf dem Primaermarkt bewusst beeiflussen koennnen. Sie koennen also durch bestimmte Aktionen den Preis vorsaetzlich in eine Ihnen vorteilhafte Richtugn treiben?

            Wenn das deine Aussage ist, ist mir immer noch nicht klar wie das funktionieren soll (und damit meine ich nicht ob und wie Sekundaermarkt und Termingeschaefte diesenPreis beiflussen).

    9. JackNoway schrieb am 23. Juni 2012 um 15:55 - Permalink

      Ach, einfach herrlich,

      ein Ökonom schreibt über die bösen “Bankster” und was wird vollends ausgeblendet?

      Richtig, die kapitalistischen Produktionsverhältnisse. [desweiteren, und das habe ich hier schon oft bemerkt, wird der komplexe Sachverhalt nicht verstanden, wie auch, wenn Ökonomen und Wirtschaftswissenschaftler so denken:
      -Geld ist bloßes Tauschmittel
      -monetärer Reichtum = stofflicher Reichtum
      -die zirkulierende monetäre Menge entspricht dem „Wert“ der in einem bestimmten Zeitraum erwirtschafteten Güter (BIP) ]

      Der Kapitalismus kommt – nicht nur aufgrund der Verwertung des Werts und des Durchlaufen müssens des Nadelörs des abstrakten Reichtums – ohne Schulden nicht mehr aus, ein Blick auf die Produktivikraftschübe und den inneren Widerspruch, Vernutzung von Arbeitskraft + überlfüssigmachen derselben würde genügen um zu begreifen, dass Arikel wie diese einen Dreck Wert sind, als ob wir uns der kapitalistischen Logik entziehen könnten.

      Um bei eurem lachhaften Schema zu bleiben, der Staat an sich sitzt doch in der Falle:
      Werden nach Keynes Konjunkturprogramme aufgelegt riskiert er seine Kreditwürdigkeit, wird gespart geht die Konjunktur kaputt.

      Ein einlesen hinsichtlich des FIKTIVEN KAPITALS würde dem ein oder anderen hier vll weiterhelfen, anstatt diesem deplatzierten gebashe auf die “Finanzindustrie” (auf deren fiktives Kapital die Realökonomie [Kredite] mittlerweile angewiesen ist).

      Viel Spaß noch beim “verstehen” der Krise.

    10. Very Serious Sam schrieb am 23. Juni 2012 um 21:54 - Permalink

      wer eine Woche zuvor mit einem 46-fach gehebelten Turbo-Optionsschein gegen Italien gewettet hat, konnte binnen einer Woche seinen Einsatz vervierfachen!

      Jo, und irgendwer muss das ja bezahlt haben. Einer gewinnt, einer verliert. Gleicht sich also aus. Solange das die ach so smarten Junkies im weltweiten Finanzkasino unter sich sind, ohne die Realwirtschaft und/oder die Steurzahler mit ihren Verlusten zu behelligen, wäre das ja gar kein Problem.

      Dummerweise jedoch haben weltweit die Regierungen von links bis rechts vor Jahren begonnen, die Verluste der Finanz’industrie’ zu sozialisieren, währen die Gewinne privat bleiben.

      Und noch dümmererweise gibt es seeehr gebildete Leute, Ökonomen und Politiker, die allen Ernstes fordern, noch mehr Geld in dieses perverse System zu schütten. Also z.B. die Schleusen der Zentralbanken zu öffnen, existierende Verluste einzelner Stzaaten (und derer Banken) auf alle zu verteilen… Welchen Herren diese Empfehlungen dienen sollen ist klar, und wer am Ende mit noch mehr Problemen dasteht, ebenfalls.

      Das Finanzsystem hat sich über die letzten Jahre zu einem reinen Marktplatz für Glücksspiele und Wetten jeder Art gewandelt.

      Jep. Und rotgrün hat den Mist in Deutschland erst richtig zum laufen gebracht.

      Es ist barer Unsinn, anzunehmen, dass beispielsweise die deutschen Staatsanleihen in den letzten Tagen leicht nachgaben, weil dem Bundeshalt angeblich Risiken durch die Euro-„Rettungs“-Programme entstünden. Grund dieser Kurskorrekturen ist vielmehr die Ansage einiger großer Hedge-Fonds, gegen Deutschland wetten zu wollen.

      Ist das so? Da bin ich mal auf die verifizierbaren ZDF (ZahlenDatenFakten) gespannt, die das zwingend belegen. Wie gibt, es nicht? Na dann.

      In Bezug auf die Mechanismen des Zockens mit Staatsanleihen ein guter Artikel, danke! Durch den ideologischen bias aber leider nicht neutral/objektiv genug, um insgesamt zu überzeugen.

      • Spiegelfechter schrieb am 24. Juni 2012 um 10:14 - Permalink

        Jo, und irgendwer muss das ja bezahlt haben. Einer gewinnt, einer verliert. Gleicht sich also aus. Solange das die ach so smarten Junkies im weltweiten Finanzkasino unter sich sind, ohne die Realwirtschaft und/oder die Steurzahler mit ihren Verlusten zu behelligen, wäre das ja gar kein Problem.

        Ja … wenn. Das Problem ist jedoch, dass a) die Futures die Kurse auf dem Sekundärmärkten treiben und b) auch an den Sekundärmärkten Transaktionen getätigt werden – bei den Futures und bei gehebelten Shorts.

        Jep. Und rotgrün hat den Mist in Deutschland erst richtig zum laufen gebracht.

        Das stimmt.

        Ist das so? Da bin ich mal auf die verifizierbaren ZDF (ZahlenDatenFakten) gespannt, die das zwingend belegen. Wie gibt, es nicht? Na dann.

        Natürlich gibt es die nicht. Gäbe es die, säße wohl die halbe Branche wegen Markmanipulation im Knast.

    11. K.S. schrieb am 24. Juni 2012 um 11:11 - Permalink

      Dieser Bericht, Jens, liest sich wie ein Krimi und ich komme zu dem Ergebnis, dass sich an diesem “Marktplatz der Möglichkeiten” doch wohl überwiegend spielesüchtige Menschen herumtreiben, was im Schatten des anonymen Internets gar nicht so auffällt.

      Da Spielsüchtige auch keine Verantwortung kennen sondern nur den eigenen Thrill, wäre es die 1. Amtshandlungspflicht einer jeden Regierung, diesen Spielern auf der Stelle das Handwerk zu legen.

      Wie es aussieht, machen sich diese feigen Politiker dann – quasi als Ersatzhandlung – lieber über die kleinen Fische wie Hartz 4 Empfänger her, denen sogar das Lottospiel verboten werden sollte, wie auch andere kleinen Wetten für die kleinen Leute.

      England, das Land der Wetten, wo auf alles und noch was offiziell gewettet werden kann, wird gar nicht daran denken, sich an einer Disziplinierung der Finanzmärkte zu beteiligen. Wer weiß, wie manch “reicher Stinker” an seinen Reichtum gekommen ist, da sie sich nun weigern, Disziplin und Fairplay einzuführen.

      Ich habe nichts gegen Wetten, wenn sie sich im Rahmen halten und privater Natur sind. Alle anderen, wo jemand, weil er spielsüchtig ist, Haus und Hof verwettet, heuzutage sogar ganze Volkswirtschaften – da hört einfach der Spaß auf. Diese Menschen müssen zur Rechenschaft gezogen werden und dann in Therapie.

    12. salvo schrieb am 24. Juni 2012 um 12:06 - Permalink

      ein weiteres Beispiel für die normalisierte Kriminalität auf den Finanzmärkten

      “The banks achieved this gigantic rip-off by secretly colluding to rig the public bids on municipal bonds, a business worth $3.7 trillion. By conspiring to lower the interest rates that towns earn on these investments, the banks systematically stole from schools, hospitals, libraries and nursing homes – from “virtually every state, district and territory in the United States,” according to one settlement.”

      http://www.rollingstone.com/politics/news/the-scam-wall-street-learned-from-the-mafia-20120620#ixzz1yhhSFr7g

    13. Der Doctor schrieb am 24. Juni 2012 um 13:14 - Permalink

      Ist interessant zu sehen,wie die Anhänger der Marktfundamentalistensekte mal wieder das Lamento von den pösen,pösen Schulden abzieht,und dabei vergisst,das es eine Volkswirtschaft ohne Schulden nicht gibt,denn alle großen Bauprojekte wie Flughafen Berlin,Jade-Weser Port,S 21 etc. werden über Kredite finanziert,wie auch Neuwagen Elektogeräte oder Möbel auf Kredit gekauft werden.Schulden gehören also zur Volkswirtschaft dazu.Was da gern ausgeblendet wird ,ist ,das den Schulden des Staates auch Einnahmen entgegenstehen,da wir auch Forderungen gegen andere Staaten oder Unternehmen haben.
      Wenn man nicht will,das die Zockerverluste der Banken immer am Steuerzahler hängen bleiben ,wäre doch der Ansatz der Linken der richtige ,die Banken,denen man mit öffentlichen Mitteln hilft,zu vergesellschaften und in öffentliches Eigentum zu überführen,so das der Steuerzahler nicht nur die Verluste zu tragen hat ,sondern auch an den Gewinnen partizipiert.Konsequenterweise müsste man den spekulativen Teil pleite gehen lassen.eine Reprivatisierung kann dann erfolgen,wenn das vom Steuerzahler gezahlte Geld mit Zinsen wieder zurückgeflossen ist.
      Darüber hinaus ist nicht mehr einzusehen ,warum die Banken doppelt öffentlich alimentiert werden,einerseits über die Rettungsschirme.andererseits ,indem sie sich von der EZB Geld zu billigen Zinsen leihen können ,das sie dann zum fünffachen Zinssatz gleich an Griechenland,Spanien etc. weiterverleihen.Wenn die Gelddruckmaschine schon angeworfen ist,dann kann man es doch auch ohne Umweg gleich an die Krisenstaaten verleihen.Der Vorteil wäre ,das dann der Gläubiger nicht mehr die Privatbanken wären,sondern der europäische Steuerzahler.Wir hätten dann quasi einen Geldkreislauf,bei dem das Geld ,das in Griechenland zur Sanierung gesteckt wird,im Rahmen der Tilgung an den europ.Steuerzahler zurückfliesst,statt auf die Konten der Bankaktionäre. Die Haushalte dieser Länder wären somit von den Finanzmärkten abgekoppelt. Selbstverständlich entbindet das die Griechen nicht davon Steuereinnahmen zu generieren,sprich,für eine vernünftige Steuerverwaltung zu sorgen.Wie das allerdings möglich sein soll,wenn man seinen öffentlichen Dienst kaputtspart,nur um die Zinsen der Banken abzuzahlen,hat mir auch noch keiner der Marktradikalinskis erklären können,ebensowenig wie die Länder saniert werden sollen ,wenn man ihrer Wirtschaft durch Spardiktate die dringend benönigte Nachfrage abwürgt.

    14. salvo schrieb am 24. Juni 2012 um 14:32 - Permalink

      @Der Doctor

      was ist an dieser uralten Erzählung so interessant? Strukturell geht diese Erzählung aus dem selben ideelen Dualismus hervor, auf dem viele religiöse Glaubenssysteme basieren: Es werden zwei universale einander entgegengesetzte Prinzipien abgeleitet, das eine gute, das andere böse. So begründete der persische Gelehrte Zoroaster seine Religion auf eben solchen Dualismus, der Lehre von der Existenz zweier entgegengesetzter Mächte gleichen Ranges, die eine positiv, die andere negativ, Ahura Mazda, der Gott des Lichts, war bestrebt, Ordnung und Regel in die Natur zu bringen, sein Gegenspieler, Angra Manyu, brachte hingegen Chaos und Krieg. Bei den Marktgäubigen aller Art ist nun mal der Markt das gute Prinzip, der Staat das böse. Daraus werden dann alle Mythen abgeleitet, die unseren Diskurs beherrschen. Für die Empirie interessieren sich die Adepten, die solche Glaubenslehren verbreiten nicht, und es ist verlorene Liebesmühe, sie von ihrem Glauben abbringen zu wollen. Das Fatale ist, dass eben solcher Dualismus gut/böse so erfolgreich ist, weil er der Struktur sprachlich vermittelten Denkens entspricht, das in formalen Oppositionen organisiert ist.

    15. FetteBeute schrieb am 24. Juni 2012 um 17:38 - Permalink

      Fasten your seat belts!

      Italiens Monte dei Paschi
      Älteste Bank der Welt verhandelt über Staatshilfen

      • ola schrieb am 24. Juni 2012 um 18:42 - Permalink

        ein weiters klares Indiz für eine Staatsschuldenkrise epischen Ausmaßes. Aber die Umdeuter stehen schon wieder vor der Tür. Nur weil die Staaten in Schwierigkeiten sind, trudeln jetzt die Banken… und verhandeln mit dem Staat, der trudelt, über ihre Rettung.

        impossible is nothing. Und nichts ist zu dumm, als dass es der Michel aus Lönneberga und Wuppertal nicht auch noch glauben würde…

        i love that game, wie der Ami sagen tät.

        • alexios schrieb am 24. Juni 2012 um 23:49 - Permalink

          Schlechte Metapher, dieser Michel war ziemlich klug.

          Vielleicht haben wir ein falsches Bild von Staaten. Wie sind Geheimdienste mit Verfassungsgrundsätzen vereinbar? Hitler hätte es ohne die Hilfe des Staatsschutzes kaum nach oben gebracht. Klar, damals hat der Staatsschutz einen Fehler gemacht, jüngst hat er schon wieder einen Fehler gemacht. Vielleicht war das aber auch einfach Planung und Absicht.

          Die hässliche Seite, Geheimverträge mit andere Staaten und andere Umtriebe, das ist das, was der Michel nicht sieht, aber nicht der aus Lönneberga.

    16. smukster schrieb am 25. Juni 2012 um 17:52 - Permalink

      Danke Jens, spannender und informativer Artikel!

      Scheint leider so, als muesste das System erst kraeftig vor die Wand fahren, bevor an eine sinnvolle Regulierung gedacht wird. Was an sich kein Problem waere, wenn nicht bei solchen Gelegenheiten immer die Falschen (d.h. sie Schwaechsten, die am wenigsten Spielraum haben und am wenigsten zur Entstehung der Situation beigetragen haben) die Zeche zahlen muessten.

      Ist es eigentlich grundsaetzlich besser, wenn ein solcher “Knall” eher frueher kommt als spaeter? Gilt immer “je laenger hinausgezoegert, desto tiefer der Fall”?

      Gruss smukster

      @salvo: Ist es Teil des chinesischen Erfolgs (von dem ich eigentlich nicht glaube, dass er nachhaltig sein wird), dass dort stets von einer Gesamtheit im Gleichgewicht ausgegangen wird, in der sich zwei (oder mehr) Gegensaetze die Waage halten? Dass nicht eine Position als absolut/ ideal gesetzt wird?


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