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  • Irrfahrt im Fiskalsturm

    geschrieben am 26. Juni 2012 von Gastautor

    ein Gastartikel von Marc Schanz

    Die Euro-Krise nimmt kein Ende. Wer kann sich noch an eine krisenfreie Zeit erinnern? Ich kann es nicht! Ich fühle mich wie auf einem Schiff, das durch einen niemals endenden Sturm fährt und dabei ständig hin und her geworfen wird. Es ist ein ekliges Gefühl, ohne festen Boden, ohne Orientierung zu sein. Hunderte Male wurde uns versprochen, gleich ist der Sturm vorbei, nur noch dieses eine Manöver, dann sind wir wieder im ruhigen Wasser, dann sind wir wieder in Sicherheit! Diesmal soll uns also der Fiskalpakt von der Krise erlösen, natürlich endgültig und das auch noch für alle Ewigkeit!

    Wäre die Krise doch nur ein Sturm! Die Euro- und die Finanzkrise ist, obwohl sie überall und ständig präsent ist, so merkwürdig unwirklich. In den Meiden ist sie ein Dauerthema, jeder spricht von ihr und dennoch hat man dieses sonderbare Gefühl, sie einfach nicht fassen zu können. Das Zermürbende an der Krise ist, die unangenehme Ahnung zu haben, etwas läuft gewaltig schief, ohne benennen zu können, was es eigentlich ist. Woran liegt das nur? Machen wir etwas Ungewöhnliches, machen wir eine Schiffsreise und gehen an Bord des Tankers Teutonia.

    Es ist ein stolzes Schiff, das schon lange auf den Weltmeeren zu Hause ist. Auf der Brücke der Teutonia steht seit einiger Zeit die erfahrene Kapitänin Angie. Bisher haben das Schiff und seine Besatzung nur schönes Wetter erlebt. Die pure Abenteuerlust der Kapitänin treibt das Schiff in die Untiefen des Nordens mit seinen berüchtigten Schlechtwetterzonen. Von Tag zu Tag wird das Wetter immer kälter und schlechter, die ersten Eisschollen werden gesichtet. Trotz der Widrigkeiten hält die Kapitänin an ihrem Kurs fest. Dann geschieht das Unglück, der Tanker rammt einen Eisberg, der zum Glück etwas klein geratenen ist. Der Rumpf schlägt Leck und Wasser strömt ein. Auf der Brücke bricht Panik aus. Eine glückliche Fügung des Schicksals will es, dass sich der renommierte Experte für Wasserangelegenheiten, Herr von Sinnen, an Bord befindet. Diskret, ohne die Passagiere zu beunruhigen, wird er auf die Brücke geholt und über die Notlage informiert. Mit einem selbstsicheren Lächeln verkündet der Experte: „Der Wassereinbruch ist kein Problem. Sprengt einfach nur ein zweites Loch in den Rumpf, dann kann das Wasser wieder ablaufen!“ Alle sind erleichtert und beginnen sogleich mit der Vorbereitung für die Sprengung.

    Der Plan ist Irrsinn, jeder erkennt das sofort! Und doch machen wir derzeit etwas Vergleichbares, wenn wir stur am Austeritätskurs festhalten. Weshalb versteht niemand den Irrsinn an den ökonomischen Rettungsplänen, die niemals funktionieren können? Das liegt daran, dass die Finanzströme weder sichtbar noch fühlbar sind, wie das eben bei Wasser der Fall ist. Jeder weiß aus eigener Erfahrung: Wasser fließt immer bergab. Die „Naturgesetze“ des Geldes lassen sich nicht mit eigenen Sinnen erfahren. So wissen die wenigsten, dass der Betrag von Guthaben minus der Schulden weltweit immer und jederzeit gleich Null ist.

    Der ökonomische Analphabetismus in unserem Land ist erschreckend, selbst in der Wissenschaft. Dort wurde mit der Idee des Geldschleiers das Phänomen Geld zu einem unberührbaren Gegenstand für die Wissenschaft erklärt. Das rächt sich nun, wir haben einen blinden Fleck und können deshalb die Ursache der Krise nicht sehen. Bisher gibt es nicht einmal eine vernünftige Theorie, nicht einmal einen Ansatz, wie sich Finanzsysteme und Wirtschaften in einer Währungsunion verändern und verhalten. Es ist kein Wunder, dass wir sinnlos über die Tugenden einer schwäbischen Hausfrau philosophieren, während die Ursache der Euro-Krise in den spezifischen Bedingungen einer Währungsunion zu suchen ist. Die hirnlose Floskel einer „marktkonformen Demokratie“, die unsere Kanzlerin in den Mund nahm, belegt eindrucksvoll die Unkenntnis unserer Regierung. Die Währunsgunion hat nämlich in weiten Teilen den Finanzmarkt abgeschafft! Die Umgehung der Märkte ist eines der zentralen Probleme des Euros! Die Zahlungsströme zwischen den Mitgliedsländern werden nicht mehr über die Märkte abgewickelt, sondern erfolgen direkt über das Target2 Zahlungssystem der Notenbanken. Die sich dort auf türmenden Ungleichgewichte zeigen die rege Nutzung dieses Mechanismuses, der in der Krise die Funktion des Finanzmarkts übernommen hat.
    Zudem wird aufgrund des riesigen, blinden Flecks nicht erkannt, dass sich in der Währungsunion die Bedingungen für die Staatsfinanzierung dramatisch verändert haben. Der Euro ist selbst für seine Mitglieder eine Fremdwährung. Kriselnde, aber auch gesunde Staaten sind plötzlich von einem Kollaps bedroht, der nicht eintreten würde, wenn die Staaten noch über ihre eigenen Währungen verfügen würden. Das ist ein unverantwortbarer Konstruktionsfehler des Euros, der selbst nach über drei Jahren Krise und trotz zahlreicher Rettungsschirme und diverser Brandmauern nicht behoben werden konnte.

    Ohne Berücksichtigung der spezifischen Sonderheiten einer Währungsunion wird die Krise nicht zu lösen sein. Ein Rettungsplan wie der Fiskalpakt, der die Staaten nur isoliert betrachtet, kann nur scheitern. Er ignoriert die schlichte Tatsache, dass eine Intervention in einem Land direkte Auswirkungen auf alle anderen Länder der Währungsunion hat. Beachte ich die komplexen Wirkmechanismen einer Währungsunion nicht, werde ich durch unbedachte Eingriffe zwangsweise Krisen in den anderen Mitgliedsländern auslösen. Wie alle bisherigen Rettungsversuche, wird der Fiskalpakt die Krise nicht beenden, sondern verstärken. Der Fiskalpakt wird scheitern, daran habe ich nicht den geringsten Zweifel.

    Alle, die meinen, das ist doch nur dummes Bloggergeschwafel, alle Staatsschuldenhasser, alle Freunde der schwäbischen Hausfrau und alle die glauben, die Krise sei auf fehlende Moral oder schlechtes Genmaterial in der Südperipherie zurück zu führen, sollte eine Tatsache zum Nachdenken anregen: weshalb befinden sich nur Euro-Länder in der Krise? Zwar könnte der Euro der Träger eines bisher unbekannten, genmanipulierten Erregers sein, der diese sonderbare Moralkrankheit auslöst, erheblich wahrscheinlicher ist es doch, dass die Krise durch die Wirkmechanismen einer fehlkonstruierten Währungsunion verursacht wird.

    Die Krisenländer können im Korsett der Währungsunion nicht überleben. Es gibt für sie nur drei alternativlose Wege: Staatsbankrott, Austritt aus der Währungsunion oder eine Finanzierung ihres Verbleibs in der dysfunktionalen Währungsunion. Die Strategie des Fiskalpaktes ist eine Finanzierung der Krisenländer, wobei sich die Schulden der Krisenländer weiterhin auf türmen dürfen. Zur Aufrechterhaltung der Finanzierung müssen die Krisenländer ihre Souveränität über ihr Königsrecht an einen Gouverneursrat abgeben, der absolute Immunität geniest und ohne jegliche Kontrolle willkürlich über die Schulden der europäischen Krisenländer herrschen darf. Den Krisenländern wird nichts anderes als eine Diktatur auf erzwungen, der Fiskalpakt ist die Pervesion einer Rettung. Übrigens, wir sollten nicht den Irrtum begehen und uns sicher fühlen. Wir gehören ebenso zu den Krisenländern, denn wir haben ebenfalls die Fremdwährung Euro. Eine Spekulation gegen uns ist jederzeit möglich, auch wir werden den „Schutz“ des Gouverneursrats in Anspruch nehmen müssen, der Verlust unserer Demokratie und Freiheit ist daher nur eine Frage der Zeit.

    Der Tanker Teutonia ist weiter auf Kurs Richtung Norden, die Kapitänin Angie hält das Ruder fest in ihren Händen. Das Wetter ist so schlecht wie all die Tage zuvor. Dank der Gnade der Geburt auf hoher See bin ich mit an Bord. Ein ungutes Gefühl treibt mich heute an Deck. Ich schaue aufs Meer und erstarre vor Schreck. „Ein Eisberg!“, schreie ich, „direkt vor uns!“ Ein Matrose der Teutonia, der auf meine Rufe aufmerksam wurde, kommt gemächlich auf mich zu: „beruhigen sie sich, die Kapitänin oben auf der Brücke kann sie ohnehin nicht hören!“ Mit ruhiger Stimme fügt er hinzu, „außerdem ist alles in bester Ordnung, alles verläuft nach Plan!“ „Wie bitte?“, rufe ich entsetzt, „wie kann das sein? Wir steuern geradewegs auf einen Eisberg zu!“ „Wir haben einen der besten Experten an Bord und der Kurs wurde absichtlich so gewählt“, entgegnet mir der Matrose, „aber damit sie sich wieder beruhigen, erkläre ich ihnen den genialen Plan. Wir werden mit voller Fahrt den Eisberg durchstoßen und wenn werden wir auf der anderen Seite herauskommen, werden wir wieder im warmen, eisfreien Meer sein! Sie sehen also, alles wird gut!“ „Wie soll das bitte möglich sein? Der Eisberg ist zu groß! Und verstehen sie nicht, wir fahren immer noch Richtung Norden! Hinter dem Eisberg wird nur noch mehr Eis sein!“, mein Entsetzen wird zur Panik. Der Matrose fixiert mich mit seinen kühlen Augen und antwortet mir in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldet: „wenn es die Kapitänin und ihr Experte sagen, dann werden wir den Eisberg ohne Schrammen durchbrechen und hinter ihm beginnt die Karibik! Basta!“

    Marc Schanz

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    Tags: Finanzkrise
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    1. Irrfahrt im Fiskalsturm | Robert’s Blog

    84 Kommentare:

    1. daweed schrieb am 26. Juni 2012 um 15:06 - Permalink

      “Wir gehören ebenso zu den Krisenländern, denn wir haben ebenfalls die Fremdwährung Euro. Eine Spekulation gegen uns ist jederzeit möglich, auch wir werden den „Schutz“ des Gouverneursrats in Anspruch nehmen müssen, der Verlust unserer Demokratie und Freiheit ist daher nur eine Frage der Zeit.”

      meine größte Angst, wenn Ackermann dann nicht nur im Kanzleramt Geburtstag feiert, sondern das ganze Jahr.

    2. Heldentasse schrieb am 26. Juni 2012 um 15:06 - Permalink

      Ein unterhaltsamer Artikel zu einem ersten Thema, vielen Dank!

      Dazu auch sehenswert:

      “Europa im Abgrund” Die Eurokrise – Prof. Dr. H. Flassbeck 07.03.2012

      • Psycho schrieb am 26. Juni 2012 um 16:57 - Permalink

        Interessanter Link – heute gibts mit unseren Dozenten eine Podeumsdiskussion über die Eurokrise – da kam der Flassbeck gerade richtig ^^.

    3. André B. schrieb am 26. Juni 2012 um 15:07 - Permalink

      Nun laßt doch mal das ganze Ding untergehen! Schließlich braucht das Neue viel Platz zur Entfaltung. Ich habe jedenfalls meinen Gemüsegarten vergrößert und gut bestellt. Und meine paar Euros gebe ich konsequent für Um- und Neubaumaßnahmen aus. Kein Notgroschen, keine Lebensversicherungen, Fonds oder Riesterprodukte. Meinetwegen kann das Ding demnächst explodieren.

      • Psycho schrieb am 26. Juni 2012 um 15:33 - Permalink

        Ich beneide Sie,
        habe mich erst kürzlich über den Unsinn meiner eigenen Berufsunfähigkeitsversicherung aufgeregt und dass ich der Allianz meine paar Kröten hinterherschmeiße.
        Zum Glück kann ich mir die Versicherung ja 2040 (!) gewinnbringend (läppische 27k insgesamt) auszahlen lassen. Ich trau mich noch nicht ganz das Ding aufzukündigen, doch demnächst steht mal eine kleine Rechung an, wie hoch mein Gewinn denn tatsächlich wäre, wette es deckt nicht mal die Inflation ab.
        Aber es zeigt mir auch, wie wir erzogen werden: Bausparvertrag = gut; Berufsunfähigkeitsversicherung = gut; Riesterrente = gut – lass die Banken zusammenbrechen und der ganze Finanzschwurbel siecht dahin = schlecht… für mich xD.
        Meine Eltern hielten das ganze für eine gute Idee und ich, wenn ich mal ganz ehrlich bin… nicht ^^! Habe mir immer die Frage gestellt, warum ich im Wohlfahrtsstaat gegen jedwede Eventualität versichert sein sollte, letzten Endes müsste ich die biographischen Katastrophen ja mit voller Absicht ansteuern, damit sie mir was nutzen. Letztlich taugen diese ganzen Geschichten doch nur zu einem – mir ein unnatürliches Gefühl der Unsicherheit vermitteln und mir vorgauckeln (bitte keinen Wortwitz draus machen ;D), dass es gegen das Risiko am Leben zu sein einen effektiven Schutz gibt, der extra für meine Bedürfnisse zusammengeschustert wurde.
        Letztlich sind es ja doch nur Finanzierungsstrategien der Banken.
        Wer hält eigentlich die Versicherungsprämie für die Teutonia… und den Eisberg – kann man da einsteigen =)?

        MfG Psycho

    4. HHarlekin schrieb am 26. Juni 2012 um 15:33 - Permalink

      Schöner Text, :-)
      meine Lieblingspassagen:
      ” … Herr von Sinnen, an Bord befindet. Diskret, ohne die Passagiere zu beunruhigen, wird er auf die Brücke geholt und über die Notlage informiert. Mit einem selbstsicheren Lächeln verkündet der Experte: „Der Wassereinbruch ist kein Problem. Sprengt einfach nur ein zweites Loch in den Rumpf, dann kann das Wasser wieder ablaufen!“ Alle sind erleichtert und beginnen sogleich mit der Vorbereitung für die Sprengung.” und

      „wenn es die Kapitänin und ihr Experte sagen, dann werden wir den Eisberg ohne Schrammen durchbrechen und hinter ihm beginnt die Karibik! Basta!“

      Danke und Grüße

      • Lutz Hausstein schrieb am 27. Juni 2012 um 14:09 - Permalink

        Mir hat der Artikel auch sehr gut gefallen.

        Beim Satz

        “Sprengt einfach nur ein zweites Loch in den Rumpf, dann kann das Wasser wieder ablaufen!“

        habe ich mich eines lauten Lachens nicht erwehren können. Treffender kann man diesen ganzen Irr-Sinn (sic!) nicht mehr beschreiben.

        • HHarlekin schrieb am 27. Juni 2012 um 14:52 - Permalink

          “Treffender kann man diesen ganzen Irr-Sinn (sic!) nicht mehr beschreiben.”

          Wie wahr.

          Zu diesem mit dem wunderbaren metaphorischen Bild so treffend karikierten ökonomischen Schmarren kommt mir glatt ein Satz eines gewissen Altkanzlers in den Sinn: “Die Wirklichkeit ist anders als die Realität.” Dieser Satz ist, denke ich, nah dran an den Nebeln der Zeit … ;-)

          Grüße

    5. Der Doctor schrieb am 26. Juni 2012 um 15:43 - Permalink

      Ich glaube ,Merkel weiß längst ,das ihre Austeritätspolitik in den Untergang führt,darum ist der Grund ,warum sie Fiskalpakt und ESM so schnell durchpeitschen will nicht nur das sie nach der Pfeife der Banken tanzt,sondern sie will sich auch durch die Verschiebung von Kernkompetenzen,wie Haushaltssouveränität nach Europa,in Hinsicht auf 2013, aus der Verantwortung für den von ihr verursachten Flächenbrand stehlen und den schwarzen Peter Brüssel zuschieben.Wenn dann das Desaster kommt kann sich darauf rausreden,das sie diesbezüglich nicht handlungsfähig war.Der deutsche Wähler hat ja bekanntlich kein sonderlich gutes Gedächtnis.

    6. Frau Lehmann schrieb am 26. Juni 2012 um 16:34 - Permalink

      Das ist keine Irrfahrt, sondern eine geplant irrsinnige Fahrt dank des Expertenrats des Herrn “von Sinnen” (Köstlich!).
      Wirklich unterhaltsam und erholsam nach all den für mich nicht Ökonomie-Experten von Zahlen, Fakten und Fachbegriffen gespickten anstrengenden Aufklärungsartikeln zur derzeitigen Krise. Dennoch mit Fazit: Absurder gehts ja wohl nicht als das, was unsere Kanzlerin praktiziert. Schade nur, dass es wahrscheinlich nicht nur für sie irgendwann kein happy end geben wird. Dabei ist Karibik bestimmt schön. Ich war da noch nie ;)

      Danke für den Artkel!

    7. esco schrieb am 26. Juni 2012 um 17:44 - Permalink

      Die Krisenländer können im Korsett der Währungsunion nicht überleben. Es gibt für sie nur drei alternativlose Wege: Staatsbankrott, Austritt aus der Währungsunion oder eine Finanzierung ihres Verbleibs in der dysfunktionalen Währungsunion.

      Warum überleben dann die “schäbigen” US Bundestaaten? Dort ist das “Ungleichgewicht” mindestens genauso groß wie zwischen den Euro-Ländern.

      Die Krisenländer könnten locker überleben, wenn man denn wollte. Man benötigte eben nur ähnliche Gesetze wie in den USA, aber in Europa denkt ja jeder nur an sich selbst bzw. Deutschland denkt nur an sich.

      Dass Merkel nicht weiß, was sie tut oder fahrlässig verkennt, was sie tut, glaube ich nicht. Die Frage sollte dacher lauten, was ihre Absichten sind und wer dahinter steckt.
      Wenn Schlüsselindustrien mit Monopolstellungen (Wasser, Strom, Bahn etc.) im Zuge der “Strukturreformen” an Privatinvestoren verschleudert werden, dann profitiert jemand davon. Die Frage ist vielleicht sogar, ob das nicht mit Absicht geschieht.

      By the way, die Titanic wäre nicht untergegangen, wenn sie ihren Kurs beibehalten hätte und somit gerade auf den Eisberg drauf gefahren wäre ;-) dennoch ein schöne Metapher.

      • Oliver Mark schrieb am 26. Juni 2012 um 17:49 - Permalink

        By the way, die Titanic wäre nicht untergegangen, wenn sie ihren Kurs beibehalten hätte und somit gerade auf den Eisberg drauf gefahren wäre ;-)

        exakt.

      • Marc schrieb am 26. Juni 2012 um 18:14 - Permalink

        Ein Vergleich mit der USA ist sehr schwierig, die Unterschiede sind einfach zu groß. Die Euro-Krise ist meiner Meinung nach auf hausgemachte Fehler zurück zu führen. Ich sehe das Problem darin, dass die Währungsunion falsche Anreize setzte. Obwohl die Finanzmärkte keinerlei Alarmzeichen gaben, konnten sich riesige Ungleichgewichte aufbauen. Mit Ausbruch der Finanzkrise wollte und konnte der Finanzmarkt die Ungleichgewichte und die damit verbundenen Risiken nicht mehr tragen. Damit fällt die Finanzierung der Euro-Peripherie in sich zusammen und die Krisenstaaten haben kein funktionierendes “Geschäftsmodell” mehr.

        Gesetze ändern wenig an fehlenden Geschäftsmodellen. Die Finanzierung der Staaten muss auf solide Beine gestellt werden. Dass sich die Krisenstaaten innerhalb der Währungsunion aus eigener Kraft aus der Schuldenfalle befreien können, halte ich für unrealistisch.

      • Am_Rande schrieb am 26. Juni 2012 um 18:31 - Permalink

        @esco
        Gibt es in den USA denn so etwas wie z. B. den bundesdeutschen Länderfinanzausgleich? Ich stelle die ehrliche Frage, weil mir das bisher nicht bekannt ist.

        • esco schrieb am 26. Juni 2012 um 19:47 - Permalink

          Einen echten Finanzausgleich in Form von Finanz-Zahlungen gibt es nicht, jedoch gibt es andere Maßnahmen, die die Ungleichheiten kompensieren.

          Ferner hilft der US-Staat den Bundestaaten aus, im Notfall gibt es eben einen Bail-out. Als Beispiel sei da Florida genannt, als die Immobilienblase platze!

        • Sergio schrieb am 27. Juni 2012 um 04:03 - Permalink

          Ja, es gibt sowas ähnliches, aber im Sinne von “target2″ Ausgleichzahlungen. Hier muss derjenige FED-Destrict welche zuviel Geld gedruckt hat und somit im Soll ggü einem anderem Destrict steht eine Ausgleichszahlung in Gold machen. Ist zwar nicht genau was Du meinst, aber man sieht wie in den USA eine “Bremse” innerhalb der Destricte eingebaut ist. Siehe auch den Vortrag von Prof. Sinn, ab 1:10:46.

          • schwitzig schrieb am 27. Juni 2012 um 08:15 - Permalink

            @Sergio
            Wenn ich Sinns Fresse sehe, möchte ich reinschlagen. Ich werde es nicht tun, weil er die Hautabschürfungen an meinen Fingerknöcheln nicht wert ist.
            Aber auf gar keinen Fall werde ich mir auch noch freiwillig ein Video von diesem (justiziable Bezeichnung selbst zensiert) antun.
            Kannst Du bitte aufhören, diesen Blog mit Deinem Schmutz in Form von Einbettungen zu besudeln. Wenn Du unbedingt fiese Agitatoren und (justiziable Bezeichnung selbst zensiert) verlinken willst, kannst Du auch einfach einen Link setzen, der nicht embedded ist.

            • Sergio schrieb am 27. Juni 2012 um 13:42 - Permalink

              Findest Du nicht das Du jetzt etwas übertreibst? Ich meine, man kann ja eine Person nicht mögen. Ich persönlich habe ihn in der Vergangenheit auch nicht gemocht, weil er mir zu “unsozial” daherkam. Ich muss aber eingestehen, dass ich ihn mehr und mehr schätzen gelernt habe, weil er sehr unverblümt ökonomische Realitäten darstellt. Man kann sicher seine Schlussfolgerung nicht teilen wollen, seine Analysen sollten man auf jeden Fall hören, den er legt den Finger mE nach immer in die richtige Wunde

          • OAlexander schrieb am 27. Juni 2012 um 09:11 - Permalink

            In den Vereinigtren Staaten gibt es eine Unmenge von Transferleistungen. Beispielsweise sei an die Sozialleistungen des Bundes erinnert. Von besonderer Bedeutung sind aber auch Militärausgaben. Militärpolitik ist in den USA auch als Strukturpolitik zu sehen. Es ist primär eine politische, und nicht eine strategische Frage wo Militäreinrichtungen errichtet und aufrecht erhalten werden. Im selben Sinne wird vom Rüstungsgüterproduzenten geordert der seine Produktionsstätten dort hat, oder der sie dort errichtet wo das politisch als geeignet empfunden wird. Ein besonders gutes Beispiel ist die Geschichte Kaliforniens, der ohne entsprechende Investitionen nach dem Goldrausch zur wirtschaftlichen Brache verkommen wäre.

            Weiters kommen Bundesausgaben für diverse Infrastrukturprojekte hinzu, bei denen oft Strassen, Flughäfen und dergleichen im Nirgendwo gefördert werden: sogenannte “Weisse Elefanten” (White Elephants). Mittel hierfür werden im Bundeshalt oft nur verdeckt ausgewiesen und verstecken sich hinter sogenannten “Earmarks.”

            @ Kollege schwitzig:

            Ich teile deine um 8:15 geäußerten Worte in vollinhaltlich.

    8. Am_Rande schrieb am 26. Juni 2012 um 18:36 - Permalink

      Ein guter Artikel. Aber dennoch, eine Aussage des Textes stimmt so nicht:

      Das rächt sich nun, wir haben einen blinden Fleck und können deshalb die Ursache der Krise nicht sehen. Bisher gibt es nicht einmal eine vernünftige Theorie, nicht einmal einen Ansatz, wie sich Finanzsysteme und Wirtschaften in einer Währungsunion verändern und verhalten.

      Doch die gibt es. Der große Klassische Liberale und Popularisierer der „Österreichischen Schule“ hat schon 1993 ein Buch geschrieben, in dem er – fundiert auf klassisch-liberalen Ansichten – die gegenwärtige Krise vorhergesagt hat. Hier nur einmal Auszüge aus dem Resümee des Buches:

      Ein Teufelskreis aus Geld und Politik
      Zwischen einer Währungs- und einer politischen Union bestehen unvermeidbare und in vieler Hinsicht auch fatale logische Verknüpfungen. So erfordert eine Währungsunion, wie mehrfach ausgeführt, unabdingbar eine zentrale Geld-, Finanz- Zins- und (Außen-)Wechselkurspolitik. Bloße Koordination nationaler Politiken reicht hierzu nicht aus. Das bedeutet: Wer die Europäische Währungsunion will, muss auch den europäischen Zentralstaat wollen. Alles andere ist taktisches Larifari und Ausdruck einer staats- und währungstheoretischen Pubertät. Die Europäische Währungsunion ist also im Kern eine politische Entscheidung, keine ökonomische. Die Wirtschaft braucht keine Einheitswährung. Auch nicht für grenzenlose internationale Kooperation. Zur Beschleunigung der politischen Union aber ausgerechnet das empfindlichste ökonomische Medium, das Geld, als Treibriemen einzusetzen, ist eine kurzsichtige Entscheidung, die sich als verhängnisvoll für Europa und seine Bürger erweisen wird. Für eine politische Union sind die Völker nicht reif. Noch nicht, und vielleicht noch lange nicht. Zum leichtfertigen Spiel mit dem Geld und dem Geldwert gesellt sich also bei einer Währungsunion nach Maastricht-Muster der zwanghafte Teufelskreis eines politischen Abenteuers, an dessen Ende die Menschen des Alten Kontinents vor den Trümmern ihres jahrzentelangen friedlichen und freundschaftlichen Zusammenwachsens stehen werden. […]
      Es ist schwer auszumachen, was für die Europäer die größere Katastrophe wäre: eine Währungsunion mit gleichzeitiger bzw. schnell nachfolgender politischer Union, oder ein Einheitsgeld ohne europäischen Superstaat. Das gemeinsame Geld in einem „Staatsgebiet“, das von den Völkern nicht als das ihrige empfunden wird, müsste sich zu einem Symbol des Neids, der Ausbeutung und der habgierigen Aggressivität entwickeln. Das gemeinsame Geld in einem Kreis fortbestehender Nationalstaaten wiederum wäre einem Schaf im Löwenrudel vergleichbar. Es würde zerrissen werden. […]
      [Roland Baader; Die Euro-Katastrophe: für Europas Vielfalt – gegen Brüssels Einfalt; 1993]

      Man sieht – man konnte die Krise berechtigt vorhersehen. Daher lohnt es sich, das Buch zu lesen. Aber nicht nur, um die jetzige Krise zu verstehen. Sondern auch als (vom Autor so gedachte) Zitatensammlung der damaligen Kritik vieler Ökonomen an der kommenden Währungsunion ist das Buch heute äußerst lesenswert.

      • T-Fighter schrieb am 26. Juni 2012 um 19:29 - Permalink

        …
        …
        …

        Der Zusammenhang zwischen “klassisch-liberalen Ansichten” und der ökonomischen Analyse erschließt sich mir nicht. Das funktioniert auch ganz gut ohne dieses Ideologie-Zeugs.

        Die Krise haben viele ja auch vorhergesehen. Die grobe Schätzung ist ja 50:50 der deutschen Ökons waren dafür bzw. dagegen.

        • Am_Rande schrieb am 26. Juni 2012 um 22:51 - Permalink

          Ich wollte dem Autor des von mir kommentierten Beitrags, Marc Schanz, nur entgegen, dass es sehr wohl (mindestens) „eine vernünftige Theorie“, darüber, „wie sich Finanzsysteme und Wirtschaften in einer Währungsunion verändern und verhalten“ gibt. Es muss ja nicht die einzige sein.
          Obwohl – zum einen scheint mir interessant, dass der von mir zitierte Autor, Herr Baader schon vor 20 Jahren fähig war, genau den „casus knaxus“ zu bestimmen, an dem sich entscheiden muss, in welche Richtung sich EU-Europa bewegen soll – hin zu mehr zentralistischer Planung mit einer Gemeinschaftswährung oder hin zu mehr Einzelstaatlichkeit ohne die Gemeinschaftswährung. Und das ist ja genau der Punkt, an dem EU-Europa jetzt steht. Zum anderen finde ich es interessant, dass sich sowohl Herr Nigel Farage (MEP) als auch Herr Frank Schäffler (MdB) beide selbst zum Gedankenkreis des Klassischen Liberalismus zugehörig erklären. Zwei sehr prominente – manche würden sagen: notorische – Kritiker des Euros. Vielleicht ist am Klassischen Liberalismus doch etwas dran…

          • T-Fighter schrieb am 27. Juni 2012 um 17:45 - Permalink

            Frank Schäffler hat aber wenig Ahnung über Währungsräume. Ich habe mir einige seiner Videos, wo er Hankel und Co. interviewt hat, angesehen. Da wurden teilweise Fragen seitens Schäffler gestellt, wo ich um seine ökonomische Vorbildung gebangt habe. (Die Videos kursieren heute bei youtube.) Nigel Farage auf der anderen Seite glaubt, dass Deutschland die EU unterjochen möchte..

            Hankel und Co. traue ich zu, dass SIE die Analyse verstanden haben. Ich bitte dich aber, weder Schäffler noch Farage ins Spiel zu bringen.

            Dass die Währungsunion große Schwächen hat, hat nichts mit einer liberalen Analyse zu tun. Es war von Anfang an allen wichtigen Beteiligten von Politikern wie Schnäuble, über die Bundesbanker, über die wichtigen Sachverständigen, den Sherpas etc. aus Deutschland klar, dass hier wenigstens eine wirtschaftliche Koordinierung für die Währungsunion stattfinden müsste. Das war breitbeinig von links bis rechts klar. Selbst Lafontaine wusste ja davon, weil er die damaligen Spitzenleute kannte.

            Nur hat man nunmal damals getauscht.. Währungsunion gegen Wiedervereinigung. Und unabhängig davon herrscht bei vielen die laxe Einstellung, dass man die Koordinierung schon hinbekommen könnte.

            Ich paraphrasiere zudem meinen Prof:

            Naja, es mag sich heute komisch anhören, aber wir wussten damals natürlich, dass die Währungsunion eine bescheuerte Idee war. Man hat sie schlichtweg nicht gebraucht. Praktisch war sie bloß ein Upgrade auf die Freihandelszone, die im schlimmsten Fall sogar viel Schaden anrichten kann. Aber damals herrschte auch die Einstellung, dass der Maatstricht-Vertrag und No-Bail-Out-Klausel gelten würde. Die Politiker, mit denen ich gesprochen habe, meinten, wenn die “faulen kleinen Südländer” wirklich dagegen verstoßen würden, dann würde man sie “einfach auspressen” wie eine “billige Zitrone”. Plattmachen, wegwerfen. Das hört sich heute natürlich größenwahnsinnig an. Aber die Komplikationen die eine Bankenpleite verursachen kann, hat man damals schlichtweg nicht vorhersagen können..

            • Am_Rande schrieb am 27. Juni 2012 um 21:48 - Permalink

              @T-Fighter
              Interessant wäre ja einmal zu erfahren, ob Sie Ihren Professor damals gefragt haben, was er persönlich denn für Konsequenzen aus seiner Überzeugung, dass „die Währungsunion eine bescheuerte Idee“ sei, gezogen hat. Hatte er sich öffentlich gegen die Einführung des Euros ausgesprochen? Wenn ja – à la bonne heure! Wenn nicht, …
              Das ist ja vor allem, was man – meiner Meinung nach – an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie Herrn Farage oder Herrn Schäffler bewundern sollte, ihren „Bekennermut vor Königsthronen“, oder – wie die Briten sagen – ihre Courage „to speak truth to power“. Dass man sich, wenn man sich öffentlich „gegen Europa“ – wie die Phrase ja lautet – ausspricht, mit übelsten Verleumdungen rechnen muss, dürfte bekannt sein. Es dennoch zu tun,…
              Und zu Ihrem Einwand: „Aber die Komplikationen, die eine Bankenpleite verursachen kann, hat man damals schlichtweg nicht vorhersagen können…“ kann ich nur sagen: Lesen Sie die Bücher Herrn Baaders. Er hat vor der Instabilität unseres Finanz- und Bankenwesens gewarnt, er hat vor der Einführung des Euro gewarnt…

            • T-Fighter schrieb am 27. Juni 2012 um 22:47 - Permalink

              “Interessant wäre ja einmal zu erfahren, ob Sie Ihren Professor damals gefragt haben, was er persönlich denn für Konsequenzen aus seiner Überzeugung, dass „die Währungsunion eine bescheuerte Idee“ sei, gezogen hat. Hatte er sich öffentlich gegen die Einführung des Euros ausgesprochen? Wenn ja – à la bonne heure! Wenn nicht, …”

              Ich habe ihn nicht gefragt. Dafür sah er beim Reden zu glücklich aus.

              “Das ist ja vor allem, was man – meiner Meinung nach – an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie Herrn Farage oder Herrn Schäffler bewundern sollte, ihren „Bekennermut vor Königsthronen“, oder – wie die Briten sagen – ihre Courage „to speak truth to power“. Dass man sich, wenn man sich öffentlich „gegen Europa“ – wie die Phrase ja lautet – ausspricht, mit übelsten Verleumdungen rechnen muss, dürfte bekannt sein. Es dennoch zu tun,…”

              Lauf nicht jeden Typen hinterher, nur weil sie in einem Punkt deine Meinung vertreten. Schäffler ist jemand, der zuerst seine Meinung gebildet hatte und erst danach sich ökonomischen Gründe anschaute. (Wie gesagt Youtube.) Farage hat sein Viertes Reich-Gequatsche disqualifiziert. Glaubt irgendjemand wirklich, dass Deutschland Europa in dieser Krise unterjochen möchte? Farage tuts.

              Sinn und Sarrazin kann ich wenigstens anhören ohne dabei zu innerlich zu sterben.

              “Und zu Ihrem Einwand: „Aber die Komplikationen, die eine Bankenpleite verursachen kann, hat man damals schlichtweg nicht vorhersagen können…“ kann ich nur sagen: Lesen Sie die Bücher Herrn Baaders. Er hat vor der Instabilität unseres Finanz- und Bankenwesens gewarnt, er hat vor der Einführung des Euro gewarnt…”

              Baaders war ein Ideologie-Austrian. Er hat nichts vorhergesagt, was die Postkeynesianer auch nicht konnten. Oder ganz normale Ökons. Libertarismus (getarnt als Liberalismus) mit Austrian-Theorien zu vermischen, war schon immer Unfug.

              Ich zitiere Baaders, um zu zeigen, dass er praktisch die Krise nicht begriffen hat.

              http://ef-magazin.de/2008/10/29/777-prolog-schlacht-gegen-die-realitaet

              “Der Markt hingegen funktioniert hervorragend. Er leitet die heiße Luft der Kreditgeldstürme zuerst in Blasen, und wenn diese zu groß geworden sind, lässt er sie platzen und vernichtet den Scheinreichtum schneller als er entstanden ist.”

              Die Fehlspekulation ist doch einzige Problem, welches man nicht vorhergesehen hat.
              Vor der €-Einführung schotteten die Ex-Währungen die Finanzströme der Banken und Versicherungen/Pensionfonds diese Nationen ab, sprich unsere Auslandsforderungen waren klein und über die Zinshöhe eingespeist, weil die deutschen Banken zuviel Angst hatten.

              Deutschland hatte eine hohe Sparquote, hatte Exportüberschüsse, aber eine sehr niedrige Investitionquoute während der letzen Dekade. Wo ist das Geld hin? In den Süden. In die Blase. Mitten ins Herz der Katastrophe. Der Markt hat sich in den Selbstmord getrieben. Jetzt hängen unsere Banken und Fonds mittendrin und würden crashen, wenn diese Länder zusammenbrechen.

              Das ist das Unvorhergesehene. Niemand (oder nur eine sehr kleine Minderheit zu der Baaders aber nicht gehört) hat damit gerechnet, dass bei einer Pleite die privaten Banken und Versicherungen auf so massiven Forderungen sitzen bleiben.
              Selbst die Target2-Forderungen der BuBa sind als Verluste verkraftbar, weil sie nur Forderungen auf zusätzliches gedrucktes Geld sind, welches nur in den PIIGS zirkuliert (vereinfacht). Man verliert, was man eh nie hatte.

              Es geht hier nicht um den Euro an sich. Man dachte früher: Ja lasst dann die Südländer pleitegehen. Und? Wir haben nichts damit zu tun. Die Griechen können selbst mit einer Pleite im Euro bleiben. Das ist deren Sache, ob sie mit einer Hart-Währung klar kommen. Deutschland wäre es egal.

              Oder ganz vereinfacht gesagt: Hätten die deutschen Banken früher umgerechnet genausoviel D-Mark in die PIIGS gepumpt wie Euros, dann wäre Deutschland genauso aufgeschmissen – nein schon längst pleite.

            • Marc schrieb am 27. Juni 2012 um 23:06 - Permalink

              @T-Fighter

              Der No-Bailout in den Maastricht-Verträgen bezieht sich nur auf die Mitgliedsstaaten. Das halte ich für den größten Irrwitz, den Bankensektor komplett zu vergessen. Allein daran erkennt man, dass die Verträge von Bänkern aufgesetzt wurden, nur der “Feind”, der Staat, macht Fehler.

              Die Hybris der Bänker durchzieht die Euro-Krise wie ein roter Faden.

            • T-Fighter schrieb am 27. Juni 2012 um 23:41 - Permalink

              @Marc

              Es ist nichts Ungwöhnliches daran, dass damals keine extra Klausel oder ein Insolvenzverfahren für Banken in die Verträge geschrieben wurde. Niemand zwingt eine Regierung dazu ihre Banken zu retten.

              Die No-Bail-Out-Klausel wurde eingeführt, weil einige unserer Politiker Angst befürchteten, dass andere Mitgliedsländer sich die Hilfe im Notfall über den Europäischen Gerichtshof einklagen könnten.

        • Sergio schrieb am 27. Juni 2012 um 04:10 - Permalink

          Das funktioniert auch ganz gut ohne dieses Ideologie-Zeugs.

          Verwechsel nicht Ideologie mit Wissenschaft. Und, es funktioniert sehr gut

    9. icke schrieb am 26. Juni 2012 um 18:43 - Permalink

      Interessante Sichtweise passend zum Thema.
      Wird es für DE wirklich schlimm, wenn der Euro scheitert?
      Für mich sieht von Anfang an eher so aus als legt man es direkt drauf an.

      Wer hat überhaupt ein Interesse am Euro; die Amis, China, Russland oder Indien?
      Deutschland seinem Verhalten nach jedenfalls nicht.

      Dass die nicht wissen was sie tun (so verstehe ich Soros) wäre allerdings eine Erklärung.

    10. Cheops schrieb am 26. Juni 2012 um 19:14 - Permalink

      Deutschland ist ein Krisenherd, weil die Regierung eine einzige Krise ist. Merkel rudert mal hier und mal dort, aber sie hat bis jetzt keinen Satz mit Substanz von sich gegeben oder auch nur ansatzweise etwas erreicht…

    11. arjuna schrieb am 26. Juni 2012 um 19:15 - Permalink

      Hallo Marc. Die Frage, warum nur EU-Länder in einer Euro-Krise stecken, ist etwas witzig: denn wenn nicht hier, wo dann? In Australien und anderswo gibt es keinen Euro …
      Aber ich weiß, was Sie sagen wollten: Warum gibt es nur in Europa eine Schuldenkrise. Richtig?
      Das allerdings ist falsch. Kürzlich sagte ein kluger Mensch, sinngemäß: Wir Europäer jagen derzeit hinter der griechischen Schuldenmaus her, die durch unser Wohnzimmer rennt. Und übersehen dabei, dass vor unserer Haustür längst ein ausgewachsener Elefant wartet: die verschleppte Schuldenkrise der U.S.A.
      Peter D. Schiff, ein US-Ökonom, der 2006 als einziger die US-Immobilien- und Bankenkrise von 2008/2009 vorausgesagt hatte, bezeichnet jene Krise, die bekanntlich auch Europa schon ganz schön durchgeschüttelt hatte, als “Ouvertüre” zum eigentlichen Crash, der uns bevorsteht (Peter D. Schiff, “The Real Crash. America’s Coming Bankruptcy — and How to Protect Yourself from the Collapse”, 2012).
      In diesem spannenden, lehrreichen Buch zeigt er, dass es (a) das Geldschöpfen durch FED (lies hier: EZB) und andere Banken ist, das zu unseren Problemen führt, und (b) die unsägliche Einmischung des Staates in das Wirtschaftsgeschehen (Subventionen, planwirtschaftliche “Lenkungen” usw.). Beides im Tandem ruft die bekannten Probleme erst hervor.
      Sein Rezept (sehr verkürzt, bin mit der Lektüre am Anfang):
      • Sofortige Bankrotterklärung der Staaten mit dem Vorteil der dann möglichen geordneten Insolvenz (der Schuldner bestimmt, ob und wie welche Gläubiger gutgestellt werden).
      • Drastische Reduzierung des Staates, Stopp aller Subventionen etc.: die Hauptursache für das verheerende Missverhältnis von Soll und Haben.
      Schiff ist kein Traumtänzer und prognostiziert für den (in seinen Augen allerdings unwahrscheinlichen) Fall einer Umsetzung seiner Ratschläge drastische Verwerfungen und schmerzhafte Anpassungsprozesse, die ein bis zwei Jahre andauern können.
      Werde hingegen à la Mutti weitergewurstelt wie bisher, werde ein gigantischer Kollaps mit weitaus größeren Verwerfungen unausweislich sein. Das Leiden könne sich dann sehr viel länger hinziehen, die Verluste würden sich vervielfachen.
      Wenn man die Verlautbarungen Schäubles verfolgt, erkennt man, dass er ausschließlich die Alternative “Wirtschaftslenkung contra Weiterwursteln” benennt. Die von Schiff empfohlene ordentliche Insolvenz kommt bei ihm nicht vor.
      Wenn man Peter Schiff, aber auch Werner Rügemer (“Ratingagenturen. Einblicke in die Kapitalmacht der Gegenwart”, 2012) und John Perkins (“Bekenntnisse eine Economic Hit Man”, 2005) folgt, hat die scheinbare Ignoranz dieser Option ihren guten Grund: Bei einer geordneten Insolvenz kommen diejenigen, die diese Krisen immer wieder sehr bewusst und gezielt inszenieren, am wenigsten auf ihre Kosten: sondern müssen zahlen. Und geben womöglich auf lange Zeit Macht und Einfluss ab.

      • esco schrieb am 26. Juni 2012 um 20:02 - Permalink

        Peter Schiff ist ein Blender, der keine Ahnung hat.

        Alleine schon seine Ausführungen zur Inflation sind echt arm. Motto: Inflation ensteht sofort, wenn der Staat auch nur einen zusätzlich gedruckten Dollar in die Hand nimmt.

        Der Kerl erzählt schon seit Jahren was vom Crash….aber immerhin weiß wer, wie man Lemminge dazu bewegt seine Bücher und andere Produkte/Dienstleistungen zu kaufen.

        • Sergio schrieb am 27. Juni 2012 um 03:43 - Permalink

          Peter Schiff ist ein Blender, der keine Ahnung hat.

          Einer der besten Berufsökonomen den ich kenne. Peter Schiff ist gradezu eine Legende. Er hat 2006 die Immobilien Krise vorhergesagt und zwar EXAKT wie es dann auch passiert ist. Wenn man seine Videos von damals anschaut, es ist fast UMHEIMLICH wie exakt er die nachfolgenden Ereignisse beschrieben hat.

          Hier die Rede vor 3.000 Immobilenmakler (!)…einfach GENIAL:

          Hier wird auch das Denkgebäude der “Österreicher” sehr gut gezeigt.

          Dann 3 Jahre später, 2009….

          KÖSTLICH

          Also die These vom Author das es “Niemand” habe vorhersehen können ist schlicht falsch. Peter Schiff ist DER Beweis.

          Ach ja, Peter ist ein “Österreicher”

          • Magicdrummer schrieb am 29. Juni 2012 um 22:36 - Permalink

            Sehr erhellend, wow. Der Mann hat ja jedes Detail der Immobilienkrise vorhergesagt. Vor allem seine Zukunftsprognosen von 2009 sind doch sehr interessant. Klar, nach der Immobilienblase folgt die Dollar-Blase bzw. die Währungsspekulationen. Momentan denkt jeder, der Euro wäre in Gefahr, was er auch ist, weil es prophezeit wurde, Spekulanten flüchten gar in den Dollar, aber es geht seitens der Rating-Agenturen nur darum, den Dollar künstlich zu stabilisieren und den Investoren eine eine gesunde US-Wirtschaft vorzugaukeln, die am Abgrund steht.

            Er ist zwar ultra-liberal, aber genau das schärft den Blick auf das Wesentliche. Deutschland hat da wenig Fehler gemacht, aus dieser liberalen Sicht, und würde in einer Schuldenunion völlig über den Tisch gezogen. Das wäre, als wenn China für die Schulden der FED bürgt, was sie mit dem Kauf von neuen US-Staatsanleihen zwar indirekt auch machen, aber halt nur indirekt, von eigener Ausfallhaftung steht nichts im Vertrag.

    12. arjuna schrieb am 26. Juni 2012 um 19:31 - Permalink

      Nachträgliches correct: “Unausweislich”: Es muss natürlich “”unvermeidbar” heißen.

    13. susi bibelmaus schrieb am 26. Juni 2012 um 20:16 - Permalink

      Meine Sicht der Dinge noch mal in Kurzfassung: Ein Plan- ein Geld- eine Krise und dann ein Imperium mit einem Führer und einer Ethik.
      .
      Nun nach zwei Jahren völlig überraschend also mehr Europa (!), mehr Kompetenzen zentralisieren und noch mehr Ungleichheiten harmonisieren! Hallo…, wer immer noch nichts mitbekommt, dem ist nicht mehr zu helfen!
      .
      Das in kurzen Stichpunkten nochmal der Fahrplan, dort wo es hingeht. Allen Tüftler oder Hobby-Experten zum Trotz, … sie sind so derart mit den Abwurfrichtungen der trommelfeuerartig ins offene Feld geworfenen Wurfgeschosse beschäftigt, dass sie die Strategie überhaupt nicht mehr erfassen können.
      .
      .
      susi

    14. Sylvia schrieb am 26. Juni 2012 um 20:49 - Permalink

      Merkel weiß meiner Ansicht nach ganz genau, was sie tut. Der Fiskalpakt ist kein “Fehler”, er ist das Mittel, mit dem Merkel “ihre”, das heißt des Kapitals Absichten erreichen will: das deutsche Europa. Ich bin sogar der Ansicht, dass dies der dritte Versuch des deutschen Kapitals ist, Europa und vielleicht sogar künftig die Welt zu erobern. Zweimal hat man es mit Weltkriegen versucht, das ist schiefgegangen. Die EU, und das heißt immer Deutschland, ist williges Mittel in der Hand des deutschen Kapitals. Wir müssen uns davon fortbewegen, dass Merkel-Schäuble “Fehler” machen. Sie machen keine Fehler, sie können sich vielleicht verrechnen, und das werden sie mit Sicherheit, aber ihre Maßnahmen sind keine bewussten Fehler. Dass sie es sind, kann man nur annehmen, wenn man glaubt, da sollen die Währung und Staaten “gerettet” werden. Gerettet nutzen sie dem deutschen Kapital nichts, erst wenn sie völlig bankrott sind, haben sie ihren Zweck erfüllt. Das deutsche Kapital hat z. B. das halbe Griechenland bereits in der Tasche, und man wird sich die Taschen weiter füllen wollen. In diesem Zusammenhang wäre ja mal interessant zu wissen (solche Dokumente existieren), mit welchen konkreten Plänen das deutsche Kapital den zweiten Weltkrieg begann, dann könnte man auf die heutigen Pläne schließen.

      • brandubh schrieb am 26. Juni 2012 um 22:24 - Permalink

        Sie vergessen, dass Deutschland dasselbe Schicksal ereilen wird wie Griechenland.

        Der Fiskalpakt wird die Ursache einer inszenierten Wirtschaftskrise. Eine Wirtschaftskrise nach Drehbuch.
        Es ist damit zu rechnen, dass die deutsche Wirtschaftsleistung, also das Bruttoinlandspordukt jährlich um 2-4% sinken wird.
        Jeder Rückgang des Bruttoinlandsprodukts bewirkt also automatisch eine Erhöhung der im Fiskalpakt maßgeblichen Schuldenquote, so dass permanent dem sinkendem BIP hinterhergespart werden muss.

        Wie Griechenland wird auch Deutschland Ziel der Spekulanten sein und das Zinsniveau der deutschen Staatsanleihen wird bald unerträglich hoch sein, so hoch, dass selbst die im Fiskalpakt zulässige Schuldenaufnahme unmöglich sein wird.

        In fünf, vielleicht auch erst in zehn Jahren wird Deutschland endlich die Elendsökonomie haben, die Frau Merkel verhindern will.

        Frau Merkel wird in die Geschichte eingehen. Man wird sie hassen.

        Ich hasse sie bereits jetzt, weil ich kein ökonomischer Analphabet bin.

      • OAlexander schrieb am 27. Juni 2012 um 08:14 - Permalink

        … das Mittel, mit dem Merkel “ihre”, das heißt des Kapitals Absichten erreichen will: das deutsche Europa.

        Das Heilige Evangelische Reich Deutscher Nation. ;)

      • Heldentasse schrieb am 27. Juni 2012 um 09:22 - Permalink

        @Sylvia

        Merkel weiß meiner Ansicht nach ganz genau, was sie tut.

        Einen kleinen Verdacht* dahingehend hege ich auch, nur die Motivation die evtl. hinter Muttis Handel steckt ist m.E. eine andere. Vermutlich nehmen die verantwortlichen Eliten – nicht nur in Teutschland – die Krise auch zum Anlass die “letzten Bastionen” der Sozialstaaten zu schleifen, was ja bekanntermaßen alternativ los ist.
        Siehe dazu: Agenda 2020 Europas Demokraten schleifen Arbeitnehmerrechte

        Es ist daher partiell ggf. auch das, was Thatcher/ Reagan vor fast drei Jahrzehnten in GB/ USA durchgezogen haben, nur eben (leider) EU weit. IMO könnte man womöglich auch postulieren, dass Mutti nun die Chance sieht die Früchte zu ernten die Thatcher vor langer Zeit angepflanzt hat.

        P.S.: *Evtl ist es aber auch ganz anders, und Mutti ist “nur” dogmatisch verblendet und/ oder beeinflusst von mächtigen Interessengruppen die an der aktuellen politischen “Krisenbewältigung” prächtig Geld verdienen?

    15. Confused schrieb am 26. Juni 2012 um 20:56 - Permalink

      Der Regierung zu unterstellen sie wüsste nicht was sie tut, halte ich für fahrlässig. Überall gibt es Menschen die gut in Ihrem Fach sind und die eben das Gegenteil davon leisten.
      Aber die wirklichen Experten, die im Hintergrund mithelfen wird man wohl weniger zu Gesicht bekommen.

      Ich kapiere allerdings nicht mehr wo der Sinn ist “Ja” zum Fiskalpakt / ESM zu sagen aber “Nein” zu Eurobonds ( aktuell, spon ). Die “Königshoheit” abgeben aber zu Bonds “nein” sagen – wie passt das zusammen ? …

      Ich gehe davon aus, dass Deutschland einen eigenen “Masterplan” besitzt – wie auch immer der aussieht. Ich würde Ihn gerne mal sehen ;) …

    16. Magicdrummer schrieb am 27. Juni 2012 um 00:15 - Permalink

      Für den Standpunkt der Bundesregierung in der Eurokrise sollte man als Deutscher auch Verständnis haben. Wenn die Forderungen Deutschlands gegenüber dem Ausland mit billigem EZB-Geld beglichen werden, also mittels Inflation, oder die Defizitländer aus dem Euro austreten würden, würden die Deutschen de facto alleine für diese 645 Milliarden Euro Forderungen im Target 2 ein Hauch von nichts bekommen. Wir hätten die Waren und die viele Arbeitszeit verschenkt.

      Die Argumentation von H. W. Sinn macht da aus deutscher Sicht auch am meisten Sinn. Anstatt den Süden weiterhin mit Geld zu überschütten, sollen die Länder durch bessere Wettbewerbsfähigkeit für ein niedrigeres Preisniveau sorgen und durch mehr Export-Überschüsse diese Ungleichgewichte wieder abfedern und Ihre Forderungen begleichen können. Dass das zu (absolut gewollten) wirtschaftlichen Verwerfungen führt und der Süden sich da lieber billig rauskaufen will, ist verständlich, aber mir ist auch in letzter Zeit aufgefallen, dass es wieder mehr Lebensmittel aus Griechenland im Supermarkt gibt, zu sehr konkurrenzfähigen Preisen. Aber richtig funktionieren wird es nur, wenn Deutschland mittelfristig Importüberschüsse aufbaut und die akkumulierten Forderungen dadurch ausgeglichen werden.

      Aber der eigentliche Grund der Schuldenkrise liegt, auch wenn Herr Berger das wohl nie begreifen wird, alleine im Schuldgeldsystem. Wenn ich einem Menschen 100 Euro leihe, kann er nach einem Jahr 105 Euro zurückzahlen. Selbst wenn nur 100 Euro im Umlauf ist, wäre es mit Raten möglich, da durch den Geldumlauf das Geld mehrfach zur Verfügung steht. Aber wie soll eine Volkswirtschaft einer anderen Volkswirtschaft 105 Euro zurückzahlen, ohne um 5 Euro zu schrumpfen oder neue Schulden aufzunehmen? Also werden immer mehr Schulden gemacht, bis die Zinsausgaben jede Einnahme schluckt und auch der letzte Depp begreift, das Land ist nicht mehr kreditwürdig. Das Schuldgeldsystem “funktioniert” nur für Länder, die Exportüberschüsse haben und das kann ja nicht jedes Land. Und selbst der Export-Europameister braucht ja jährlich seine Netto-Kreditaufnahme um den Bundeshaushalt zu begleichen und die einzigen Nutznießer dieses Geldsystems sind die, die zu viel davon haben und es verleihen können. Dieses Geldsystem ist ein K.O.-System und am Ende des “Wachstums” kommt der Crash ganz ohne volkswirtschaftliche Gewinner.

      Das lange Interview mit Dirk Müller sollte man zum Thema auch mal gesehen haben.

      • Brandubh schrieb am 27. Juni 2012 um 09:55 - Permalink

        Eine arbeitsteilige Wirtschaft ist immer eine Schuldwirtschaft.
        Backe ich dir ein Brot, stricke ich dir einen Pullover.
         
        Geld ist der Schuldschein/die Schuldverschreibung, der dieses Schuldverhältnis ausdrückt.
        Geld ist also immer Schuldgeld. Es gibt keine andere Möglichkeit als Schuldgeld.
         
        Es ist ganz einfach: in Deutschland gibt es zu viele Wirtschaftssubjekte, die ihre Schuldscheine/Schuldverschreibungen nicht einlösen sondern ansammeln wollen.  Es kommt zu einer Nachfragekrise, denn nichts anderes verbirgt sich hinter der Krise.
         
         
         

        • Magicdrummer schrieb am 27. Juni 2012 um 19:48 - Permalink

          Das Schuldgeldsystem ist im Mittelalter erfunden worden, als man auch noch Hexen verbrannt hat. Letzteres macht man heute nicht mehr und vieles andere hat sich weiterentwickelt, aber der Zins und Zinseszins wird immer noch vom Kreditnehmer verlangt, obwohl dieses Geld nur über weitere Schulden erschaffen werden kann. Daher ist das System dem Untergang geweiht und hat ja auch nie lange funktioniert. Wenn alle ihre Schulden zurückzahlen würden, hätten wir nur noch das Geld im Portemonnaie.

          Ein gesundes Geldsystem sollte die Geldmenge nicht über fiktives Schuldgeld entstehen lassen, sondern über die Waren und Dienstleistungen, die produziert werden können und sollen, dividiert durch die Geldumlaufgeschwindigkeit, die übrigens in den letzen Jahrzehnten extrem abgenommen hat. Ein solches System wäre sehr steuerbar und Boom- bzw. Krisenzeiten ein Relikt der Vergangenheit.

          In der volkswirtschaftlichen Bilanz würde dann anstatt frisches Geld = neue Schulden, frisches Geld = neue Brücke/ Kindergarten/ Altenheim stehen. Was spricht dagegen?

          Statt dessen haben wir ein System in Europa, mit zig Millionen arbeitsfähigen und -willigen Arbeitslosen auf der einen Seite, auf der anderen eine verbesserungswürdige Infrastruktur und zu wenig Arbeitskräfte in sehr vielen Bereichen, weil die ja schuldenbasiert aufgrund der bestehenden Schuldenberge nicht mehr finanzierbar sind. Das ist völlig absurd.

          Ein milderes Schuldgeldsystem mit mehr Leistungsanreiz könnte z. B. funktionieren, in zumindest die Zinsen für jeden Kredit automatisch den Haushalten von Bund, Länder und Kommunen gutgeschrieben werden. Geld ist ja eh nur ein Buchungsvorgang. Wenn viel investiert wird, hätte die öffentliche Hand automatisch auch die finanziellen Mittel um für bessere Infrastruktur, Bildung etc. zu sorgen und der Kreditnehmer hätte die Möglichkeit, sich das Geld für die Zinslast bei den Marktteilnehmern zu besorgen, weil es ja existiert.

          Es ist doch auch ein Witz, dass trotz der Arbeitslosigkeit die Lohnsteuer sich noch im zweistelligen Bereich bewegt, obwohl man doch sonst eher Verhalten besteuern möchte, was gesellschaftlich nicht gewollt ist.

          Ein gesundes Geldsystem kann jedenfalls nicht auf Zentralbanken basieren, die am liebsten die Geldmenge komplett verbrennen würden und Privatbanken, die den Staaten nur noch Geld leihen, wenn sie ihre Menschen ausbeuten und unterdrücken. Das ganze System ist so ausgelegt, dass sich viele Menschen versklaven müssen oder gar keine Arbeit mehr finden, weil das Schuldgeld überall fehlt wo es sinnvoll wäre, während nur das reichste Prozent die Gewinne der Volkswirtschaft absahnt. Mit einem gerechteren Steuersystem könnte man auch viel entgegenwirken, aber in einer globalen Welt sind gerechte Steuersysteme ja kaum noch zu finden. Leuten das Geld erst geben und dann wieder abnehmen ist psychologisch halt auch unschön. Dann rennt das Geld wieder weg. Es ist ja in den falschen Taschen und vermehrt sich dort großzügig.

          PS: Und was soll diese Zensur hier im Blog? Habe noch nie irgendwas gepostet, was anstößig wäre und kann sehr gut auch mit anderen Meinungen umgehen. Das erwarte ich auch umgekehrt.

    17. Folkher Braun schrieb am 27. Juni 2012 um 03:35 - Permalink

      Moin.

      Frage an die Administration: Weshalb kann ich die 90 Kommentare zum Bild- Bericht nicht lesen?

      gruß f

      • OAlexander schrieb am 27. Juni 2012 um 08:16 - Permalink

        Weil du als nicht vertrauenswürdig giltst.

        Gruß O

        • Hannes66 schrieb am 27. Juni 2012 um 10:21 - Permalink

          Haha, tolle Antwort, ich kann sie auch nicht lesen, offenbar ist das ein wordpress Problem, keines der Vertrauenswürdigkeit, sonst könnten sie hier gar keinen Kommentar lesen ;-)

    18. Mr Grudenko schrieb am 27. Juni 2012 um 05:52 - Permalink

      Man kann die “Krise” des Euros auch als Erfolg sehen – für die Fortführung von Thatherismus und Reagonomics im 21. Jahrhundert: http://www.gregpalast.com/the-euro-is-a-big-success-no-kidding/

    19. salvo schrieb am 27. Juni 2012 um 09:36 - Permalink

      also, die Mehrheit der Ökonomen, soweit dokumentiert, welche die aktuelle Finanzkrise vorhersagten, waren heterodoxe Keynesianer

      “Forecast date: 2002
      Dean Baker, US, Co-director, Center for Economic and Policy Research;

      Forecast date: 2005
      Fred Harrison, UK, Economic commentator

      Forecast date: 2006
      Dean Baker, US, Co-director, Center for Economic and Policy Research;

      Michael Hudson, US, Professor, University of Missouri;

      Steve Keen, Australia, Associate professor, University of Western Sydney;

      Jakob Brøchner Madsen, Denmark, Professor, Copenhagen University;

      Robert Shiller, US, Professor, Yale University;

      Nouriel Roubini, US, Professor, New York University;

      Kurt Richebächer, US, Private consultant and investment newsletter writer;

      Forecast date: 2007
      Wynne Godley, US, Distinguished scholar, Levy Economics Institute of Bard College;

      Eric Janszen, US, Investor and iTulip commentator;

      Peter Schiff, US, Stock broker, investment adviser and commentator.

      Now of these eleven commentators and economists:

      (1) Five (45%) are Heterodox/Progressive Keynesians or Post Keynesians (Baker, Godley, Hudson, Keen, Sorenson);

      (2) Two (18%) are basically maverick neoclassicals (Roubini and Shiller);

      (3) Two (18%) are in the Austrian tradition (Richebächer and Schiff).

      (4) One (Fred Harrison) calls himself as a Georgist (a follower of Henry George)

      (5) One is a combination of Austrian and Post Keynesian (Janszen).”

      http://socialdemocracy21stcentury.blogspot.de/2011/12/austrians-predicted-housing-bubble-but.html

      übrigens auch Marxisten haben die Krise vorhergesagt. Die Frage ist, ob ihre richtige Vorhersage auch die marxistische ökonomische Theorie an sich bestätigt

      • Am_Rande schrieb am 27. Juni 2012 um 20:56 - Permalink

        @salvo
        Die „Studie” wäre überzeugender, wenn man erfahren würde, wie viele Ökonomen insgesamt jeweils welcher “Schule” zuzurechnen sind…

        We are all Keynesians now
        […]
        The phrase gained new life in the midst of the global financial crisis of 2008, when economists called for massive investment in infrastructure and job creation as a means of economic stimulation. […]

        Nun sind wir alle Keynesianer
        […]
        Der Ausspruch erlangte erneute Popularität in der Hochphase der globalen Finanzkrise des Jahres 2008, als Ökonomen sich für massive Investionen in Infrastructure und Arbeitsbeschaffungsmassnahmen als Mittel der wirtschaftlichen Belebung aussprachen. […]
        [Wikipedia Artikel “We are all Keynesians now”]

        Honi soit qui mal y pense :-)

        • salvo schrieb am 28. Juni 2012 um 12:32 - Permalink

          die Studie ist überzeugend

          die betroffenen Ökonomen sind alle heterogene Keynesianer bzw Post-Keynesianer, das war und ist unter Ökonomen eine Minderheit und nicht mit dem Mainstream-Keynesianismus zu verwechseln, zu dem zB Krugman gehört und den die Post-Keynesianer zur neoklassischen Schule zählen

          • salvo schrieb am 28. Juni 2012 um 12:45 - Permalink

            sorry, sollte natürlich heterodoxe Keynesianer heißen :-)

    20. OAlexander schrieb am 27. Juni 2012 um 09:39 - Permalink

      Einer der besten Artikel zum Thema, wennglweich er es für meinen Geschmack mit der seefahrerischen Lüftlmalerei etwas übertreibt. Insbesondere das vom Autoren aufgezeigte Triptychon verdient Herausstellung:

      Die Krisenländer können im Korsett der Währungsunion nicht überleben. Es gibt für sie nur drei alternativlose Wege: Staatsbankrott, Austritt aus der Währungsunion oder eine Finanzierung ihres Verbleibs in der dysfunktionalen Währungsunion.

      Einige Leser mag das beruhigen, weil sie meinen, dass Deutschland nicht zu den Krisenländern gehört. Das ganze Kommentariat von Sp.-ON (die andere Abk. ist hier offensichtlich auf dem Zensurfilter), SZ etc. und das überwältigende Gros derer Leserkommentatoren sind beispielsweise dieser Ansicht. die reden sich die Sache gerne schön und bauen sich daher pseudomaoralische Argumente auf (“faule, ausgabesüchtige Griechen”, “dumme spanische Spekulanten die von billigen EU Geld lebten”, etc. auf dem unteren Ende der Geschmacksskala). Die wenigsten begreifen aber, dass, wahrscheinlich bereits wenn nur Griechenland den Bach runtergeht, spätestens aber wenn Spanien das erste mal richtig hustet Deutschland dann auch ein Krisenland ist.

      Das Problem bei Deutschland wird sein, dass man sich mit den ganzen idiotischen Stabilitäts- und Spargesetzen etc. mit deutscher Gründlichkeit hinreichend selbst kastriert und mögliche Maßnahmen verbaut hat. Es muss auch mal deutlich gemacht haben, dass die Zögerlichkeiten wohl in der Summe wohl bereits hunderte von Milliarden gekostet haben.

      • Peleo schrieb am 27. Juni 2012 um 10:20 - Permalink

        Das “Triptychon” unterscheidet sich gar nicht so sehr von dem in dem Vortrag des Mannes mit dem Kinnbart. Es gibt darin Aussagen, die auch von Flassbeck stammen könnten, z. B.: Die Staatsschulden sind das viel kleinere Problem als die volkswirtschaftlichen Ungleichgewichte. Das wird in Gazetten und in der Politik noch längst nicht so gesehen.

        Seine Interpretationen und Schlussfolgerungen sind andere, aber mit denen sollte man sich auseinandersetzen. Zahlenreihen haben keine Fresse, in die schlagen kann.

        • OAlexander schrieb am 27. Juni 2012 um 11:04 - Permalink

          Das Problem mit den Staatsschulden aus deutscher Binnensicht ist, dass man sich mit den ganzen Stabilitäts- und Schuldenbremsen, zumal in Verfassungsrang erhoben, Optionen verbaut – unnötig und nur als symbolischer Akt. Da hat man sich Jahr vor nur einem halben Jahr in den USA fast selbst erhängt.

          Und dann sind wir bei den Ungleichgewichten. Das bis dato nach GR gegangene Geld kann man abschreiben, oder man lässt den Gesamtbetrag sich mit Zins und Zinseszins aufblähen – dann kommt also noch ein dickeres Ende.

          Nun sind wir bei Spanien. Die habe bei 47 Mio. Einwohnern bereits rund eine Million Behausungen zuviel. Rund eine weitere Mio. kann aufgrund der wirtschaftlichen Situation nicht mehr abzahlen. D.h. also, dass dort ein Kollaps der Immobilienpreise einsetzen wird, was wiederum heisst, dass eine Unmenge von Krediten mit Immobilien als Sicherheiten notleidend wird und eine Unmenge von Bilanzen in Schieflage gerät. Für rund 100 Mrd. haben wir erst mal gerade den Cash Flow von Banken temporär verarztet, so wie ich das interpretiere.

          Ich sehe auch Eurobonds, Gesamthaftung und sowas nur als Heftpflaster aus dem Verbandskasten unter dem Fahrersitz.

          • Heldentasse schrieb am 27. Juni 2012 um 11:30 - Permalink

            @OAlexander
            Gehe ich recht in der Annahme, dass Du mit Deinem Kommentar tendenziell in Richtung dieses Artikels (In der Eurofalle) zeigst?
            Gruß

          • Vogel schrieb am 27. Juni 2012 um 20:02 - Permalink

            @OAlexander
            Korrektur:

            Das bis dato nach GR gegangene Geld …

            muss heißen: Das bis dato durch GR hindurchgegangene Geld ist an der richtigen Stelle angekommen: Bei den Phynanzern!

            Die Korrektur hundertmal abschreiben, Herr Kollege! ;-)

          • Very Serious Sam schrieb am 27. Juni 2012 um 22:30 - Permalink

            “D.h. also, dass dort ein Kollaps der Immobilienpreise einsetzen wird”

            Der Kollaps ist letztlich nur ein Rückgang auf den angemessenen, sozusagen inneren Wert einer Immobilie. Insofern findet gerade in Spanien, den USA und Irland eine Normalisierung statt.

            Frankreich ist diesbezüglich ein Nachzügler. Auch dort wäre an sich eine Korrektur der weit überzogenen Immobilienpreise nötig. Gottlob findet sie derzeit noch nicht statt, und lässt auch hoffentlich noch lange auf sich warten. Denn wenn diese Blase zu früh platzt, ist Euroland ganz unter.

            Hm, ich sollte bald mal nach interessanten Immobilienangeboten in Spanien gucken, so als Rentnerunterkunft für später mal…. :)

    21. OAlexander schrieb am 27. Juni 2012 um 09:44 - Permalink

      Kann man das nicht endlich mal reparieren, dass alle Verweise auf den Sprügel on-the-line im Spamfilter hängenbleiben? Danke!!!!

    22. Shitop schrieb am 27. Juni 2012 um 11:08 - Permalink

      Krise? Wo ist den hier eine Krise?

      Was sich seit 2007 in Euroland abspielt ist keine Krise, sondern ein fortgeschrittener Entwicklungszustand. Als Optimist würde ich sagen, das war Alles so gaplant und hat seine Richtigkeit. Als Realist gehe ich davon aus, dass die “Führungskräfte” in ihren Denkmodellen verhaftet sind und keinen Blick über den Tellerrand wagen.

      Das westlich kapitalistische Wirtschaftssystem hat seinen Zenit schon lange überschritten und degeneriert zusehens in eine Richtung, die sich hier keiner vorstellen kann/will.

    23. OAlexander schrieb am 27. Juni 2012 um 11:19 - Permalink

      OFF TOPIC

      Wer sich übrigens für den “Coup Light” in Paraguay interessiert, hier ist ein weiterführender Artikel auf deutsch: http://amerika21.de/analyse/52963/hintergrund-putsch-paraguay

      Und hier noch was auf Englisch: Paraguay Learns from Honduras, Opts ‘Coup-Lite’

      • schwitzig schrieb am 27. Juni 2012 um 11:29 - Permalink

        @OAlexander

        http://amerika21.de/analyse/52963/hintergrund-putsch-paraguay

        Sehr interessant und danke für den Link – das deckt sich so gar nicht mit dem, was man hier in Deutschland sonst so darüber liest. Ich habe mir aber schon so etwas gedacht, als ich sah, wie die Landbesitzverhältnisse dort aussehen.

    24. danielmite schrieb am 27. Juni 2012 um 11:46 - Permalink

      Keine gemeinsame Haftung, “solange ich lebe”, so die Kanzlerin:
      http://www.spiegel.de/politik/ausland/kanzlerin-merkel-schliesst-euro-bonds-aus-a-841115.html

      Bin mal gespannt wie “die Märkte” darauf reagieren.

      • Christian schrieb am 27. Juni 2012 um 12:13 - Permalink

        Vermutlich werden “die Märkte” dafür Sorge tragen, dass Frau Merkel sich auch hier entweder irrt oder nicht mehr lange lebt ;)

      • Stefan schrieb am 27. Juni 2012 um 16:06 - Permalink

        Nicht dass das einer aus den PIGS-Staaten, der nichts mehr zu verlieren hat, als Aufforderung versteht.
        So eine Stammtisch-Floskel aus dem Munde unseres Staatsoberhauptes scheint mir schon ein bisschen balla balla. Vielleicht sind ihr die guten Umfragewerte zu Kopf gestiegen :-)

        • Very Serious Sam schrieb am 28. Juni 2012 um 12:15 - Permalink

          So eine Stammtisch-Floskel aus dem Munde unseres Staatsoberhauptes

          Was hat Gauck denn gesagt?

    25. Peleo schrieb am 28. Juni 2012 um 09:23 - Permalink

      “Vielleicht ist der trostloseste Journalismus der, der sich selbst für neutral und objektiv hält und in Wirklichkeit nichts anderes tut als die Vorurteile seiner Umgebung nachzublöken, damit aber gleich auch wieder mitstrickt am Netz der Vorurteile.

      Gewiss, „gleichgeschaltet” ist ein böses Wort. Natürlich gibt es andere Stimmen. Aber der Großteil tut mit beim nationalen Schulterschluss, und das eben, und das ist das eigentlich Beklemmende, ohne dass das den Mittuern noch sonderlich auffällt. So oder so ähnlich muss das auch im Juli 1914 gewesen sein, als sich die deutsche Öffentlichkeit in eine Kriegspsychose hineinschrieb.”

      http://www.misik.at/sonstige/die-ganze-welt-will-unser-geld.php

      Warum ist Robert Misik beim SF-Kommentariat so verhasst?

      • salvo schrieb am 28. Juni 2012 um 09:48 - Permalink

        das ‘SF-Kommentariat’ ist kein homogenes Subjekt, das irgend jemanden hasst. Die mögliche Abneigung, die einige hier gegenüber Misik, ausdrücken, könnte wohl auch daran liegen, dass sich dieser selbst häufig abschätzig, unsachlich und verallgemeinernd über Positionen, auf die sich andere positiv beziehen, geäußert hat. Sprache ist nunmal divisiv, Gabe und Fluch zugleich.

      • schwitzig schrieb am 28. Juni 2012 um 10:12 - Permalink

        @Peleo

        Warum ist Robert Misik beim SF-Kommentariat so verhasst?

        Zu dem “Kommentariat” (negativ konnotiert und das wohl nicht ohne Absicht) hat Dir salvo schon geschrieben.

        Zu Misik:
        Selbst Albrecht Müller war letztens über Misiks Klamotten konsterniert. Wenn ich für mich spreche, kann ich nicht festellen, dass ich Misik hasse. Ich für meinen Teil halte ihn für einen Idioten, der sich gerne wichtig macht und findet und im besten Fall plagiierte oder adaptierte Worthülsen absondert, allerdings im Regelfall dummes Geschwurbel der Mainstreamart von sich gibt.
        Am besten gefällt mir Misik, wenn er das Maul hält.

        • Peleo schrieb am 28. Juni 2012 um 11:17 - Permalink

          @ schwitzig

          Der Begriff war nicht negativ konnotiert, nur unglücklich gewählt (übernommen). Hab mich mal wieder z u kurz gefasst.

          In diesem Fall sind es jedenfalls keine plagiierten Worthülsen, schon gar nicht in Mainstreamart. Wenn ein Journalist mit einer gewissen Reichweite den Wirtschaftsjournalismus so beurteilt, dann ist das doch gut. Auch wenn er Sozialdemokrat ist ;-)

          @ salvo
          Stimmt.

          • schwitzig schrieb am 28. Juni 2012 um 12:19 - Permalink

            @Peleo

            In diesem Fall sind es jedenfalls keine plagiierten Worthülsen, schon gar nicht in Mainstreamart.

            Mag sein. Aber Misik hat sich bei mir zu oft disqualifiziert, als dass ich mir noch mal etwas von ihm anhören oder ansehen würde. Er ist sozusagen auf meiner Informations-Ignore list :-).

    26. salvo schrieb am 28. Juni 2012 um 09:52 - Permalink

      btw, selbst die EZB musste mittlerweile erkennen, dass wir es hier mit einem Nachfrageproblem zu tun haben, ändern wird das freilich nichts an der herrschenden ideologischen Ausrichtung, der manischen Politik des ‘Sparens’

      “Euro area banks reported a sizeable fall in the net demand for loans to NFCs in the first quarter of 2012 (-30%, from -5% in the fourth quarter of 2011). This brought net demand for such loans to a significantlylower level than had been expected in the fourth quarter of 2011, with the decline driven in particular by a further sharp drop in financing needs for fixed investment. Likewise, the net demand for loans to households declined further in the first quarter of 2012 (-43% from -27% in the fourth quarter of 2011 for loans for house purchase and -26% from -16% in the fourth quarter of 2011 for consumer credit), in line with the expectations reported in the previous survey round for housing loans and below the expectations reported for consumer credit.”

      http://www.nakedcapitalism.com/2012/06/europe-has-no-levers-for-growth.html

    27. e.buchstein schrieb am 28. Juni 2012 um 15:23 - Permalink

      Erst mal vielen Dank an Marc für seinen lesenswerten Artikel. Auch ich hätte auf den Euro gut verzichten können. Aber ich denke, mit der D-Mark hätten wir langfristig die gleichen Probleme.
      Einfach aus folgenden Grund: Unser Geld- und Finanzsystem ist ist in sich krank.
      Es lebt vom „Zins“, und Zins fordert stetiges Wachstum. Erst langsam, dann immer schneller. Aber unsere Welt ist nun mal leider begrenzt. Ganz im Gegenteil zur Dummheit vieler Finanzexperten und ihrem Gefolge. Die ist anscheinend unbegrenzt.

      Warum nicht jetzt damit anfangen den Zins außer Kraft zu setzen. Gepaart mit einer längst überflüssigen Bodenreform die der Erkenntnis geschuldet ist dass die Erde allen Menschen gehört und nicht denjenigen die sich durch ihr nahezu unbegrenztes Kapital alles zu Eigen machen.

      Vielleicht war „Silvio Gesell“ doch nicht so Realitätsfremd wie er gerne von Ökonomen und Ihresgleichen hingestellt wird und vielleicht hatte Martin Luther ebenfalls recht als er diejenigen die Zinsen fordern mit Verbrechern gleich stellte.

      „Darum ist ein Wucherer und Geizhals wahrlich kein rechter Mensch; er sündigt auch nicht eigentlich menschlich! Er muss ein Werwolf sein, schlimmer noch als alle Tyrannen, Mörder und Räuber, schier so böse wie der Teufel selbst!
      Er sitzt nämlich nicht als ein Feind, sondern als ein Freund und Mitbürger im Schutz und Frieden der Gemeinde und raubt und mordet dennoch gräulicher als jeder Feind und Mordbrenner.“

      Luther geht davon aus, dass Wucher (unabhängig von seiner Höhe) stets vorliegt, wo man Geld leiht und dafür mehr oder Besseres fordert oder nimmt, und dass Wucher Teuerung zur Folge hat und in kurzer Zeit das ganze Land auffrisst.

      Es nutzt also nichts über die „Märkte“ zu fluchen denn das sind wir ja selbst, sofern wir in irgend einer Weise Geld anlegen und Zinsen dafür erwarten. Die meisten von uns sind blind und völlige Analphabeten was unser Geld- und Finanzsystem betrifft. Das ist für mich der Grund warum wir uns solange von der Finanzlobby haben verarschen lassen.

      Es bleibt spannend in der nächsten Zeit.

    28. buchstein schrieb am 28. Juni 2012 um 16:49 - Permalink

      Zweiter Versuch :-)

      Erst mal vielen Dank an Marc für seinen lesenswerten Artikel. Auch ich hätte auf den Euro gut verzichten können. Aber ich denke, mit der D-Mark hätten wir langfristig die gleichen Probleme.
      Einfach aus folgenden Grund: Unser Geld- und Finanzsystem ist ist in sich krank.
      Es lebt vom „Zins“, und Zins fordert stetiges Wachstum. Erst langsam, dann immer schneller. Aber unsere Welt ist nun mal leider begrenzt. Ganz im Gegenteil zur Dummheit vieler Finanzexperten und ihrem Gefolge. Die ist anscheinend unbegrenzt.

      Warum nicht jetzt damit anfangen den Zins außer Kraft zu setzen. Gepaart mit einer längst überfälligen. Bodenreform die der Erkenntnis geschuldet ist dass die Erde allen Menschen gehört und nicht denjenigen die sich durch ihr nahezu unbegrenztes Kapital alles zu Eigen machen.

      Vielleicht war „Silvio Gesell“ doch nicht so Realitätsfremd wie er gerne von Ökonomen und Ihresgleichen hingestellt wird und vielleicht hatte Martin Luther ebenfalls recht als er diejenigen die Zinsen fordern mit Verbrechern gleich stellte.

      „Darum ist ein Wucherer und Geizhals wahrlich kein rechter Mensch; er sündigt auch nicht eigentlich menschlich! Er muss ein Werwolf sein, schlimmer noch als alle Tyrannen, Mörder und Räuber, schier so böse wie der Teufel selbst!
      Er sitzt nämlich nicht als ein Feind, sondern als ein Freund und Mitbürger im Schutz und Frieden der Gemeinde und raubt und mordet dennoch gräulicher als jeder Feind und Mordbrenner.“

      Luther geht davon aus, dass Wucher (unabhängig von seiner Höhe) stets vorliegt, wo man Geld leiht und dafür mehr oder Besseres fordert oder nimmt, und dass Wucher Teuerung zur Folge hat und in kurzer Zeit das ganze Land auffrisst.

      Es nutzt also nichts über die „Märkte“ zu fluchen denn das sind wir ja selbst, sofern wir in irgend einer Weise Geld anlegen und Zinsen dafür erwarten. Die meisten von uns sind blind und völlige Analphabeten was unser Geld- und Finanzsystem betrifft. Das ist für mich der Grund warum wir uns solange von der Finanzlobby haben verarschen lassen.

      Es bleibt spannend in der nächsten Zeit.

      • schwitzig schrieb am 28. Juni 2012 um 17:18 - Permalink

        @buchstein

        Das eigentliche Problem mit Zinsen ist, dass sie nur noch in die eine Richtung funktionieren, was weniger mit Zinsen als mit Politik zu tun hat.
        Zinsen dienen einem Geldgeber als Absicherung für den Fall, dass er sein Geld nicht mehr zurückbekommt. Die Idee dahinter ist, dass ein großer Haufen ordnungsgemäß zurückzahlender Kreditnehmer mit einer kleinen zusätzlichen Belastung den Verlust des einen Kreditnehmers ausgleichen, der seinen Kredit nicht zurückzahlt.
        Eine gut funktionierende Bank müßte also genauso viel Geld mit Zinsen einnehmen, wie sie durch ausgefallene Kredite verliert und am Ende mit einer 0-Summe dastehen.
        Selbstverständlich funktionierte das nie, funktioniert nicht und wird niemals funktionieren. Solange die Bank pleite geht, ist das auch nicht weiter schlimm, da nur ein einzelner Teilnehmer aus dem Marktgemenge verschwindet.
        Die Politik hat es nun so gestaltet, dass Banken überhaupt keine Risiken mehr haben, wenn sie nur groß genug und vernetzt genug sind. Sie kriegen ihre Verluste halt zwangsweise aus Steuern ersetzt. So wird akkumulativ Geld von der Mehrzahl der Menschen zu den Banken und in der Konsequenz deren Inhabern und Geschäftspartnern transportiert. Eine Idee, erdacht von Idioten oder Arschlöchern. Ich bin mir da noch nicht ganz sicher :-).
        In der aktuellen Situation dürften Banken keine Zinsen nehmen.

      • Marc schrieb am 28. Juni 2012 um 18:11 - Permalink

        @buchstein

        Bitte keine Zinskritik! Zinsen sind eine völlig normale Transaktion im Finanzwesen, wie das der Kauf eines Bechers Kaffee, eine Mietzahlung, usw. ist. An Zinsen ist überhaupt nichts Ungewöhnliches, sie verteilen um, wie jede andere Transaktion auch.

        Silvios Freigeld ist eine nette Idee: mit einem Trick wird den Menschen die Inflation verdeutlicht. Okay, aber ich kann das auch im bestehenden Geldsystem haben, ich muss nur “echt” inflationieren, dann brauche ich diesen Trick nicht.

        Den ökonomischen Analphabetismus beklage ich ja auch, aber noch schlimmer ist Fanatismus a la Zinskritik.

        • schwitzig schrieb am 28. Juni 2012 um 18:39 - Permalink

          @Marc

          An Zinsen ist überhaupt nichts Ungewöhnliches, sie verteilen um, wie jede andere Transaktion auch.

          Richtig. Das Problem ist aber, von wo sie nach wohin verteilen. Und es gilt die berechtigte Frage, wie man Zinsauswüchsen, die ja mittlerweile Länder wie Griechenland, Portugal, Spanien, Irland, Island, Zypern, Italien und demnächst Belgien, Frankreich und Deutschland in den Ruin geritten haben und reiten werden, etwas entgegenstellt.
          Und vielleicht kommt man dann zu der Erkenntnis, dass Zinswirtschaft in der Theorie nett ist, die Theorie aber rein gar nichts mit der Praxis und dem Kontrollpotential zu tun hat.
          Man hört übrigens nie etwas von islamischen Banken.
          Wurde da überhaupt jemals eine “gerettet”?

          • Marc schrieb am 28. Juni 2012 um 19:11 - Permalink

            Die Zinsauswüchse sind eine Folge einer katastrophalen Fehlkonstruktion der Währungsunion, nicht die Ursache. Ohne Euro gäbe es keine Probleme, aber immer noch eine Zinswirtschaft, die funktionieren würde.

            Der Zins vereinfacht den Wucher, er ist aber auch mit Gebühren möglich. Der Wucher allerdings ist kein systematisches Problem, sondern ein rein menschliches.

            • schwitzig schrieb am 28. Juni 2012 um 20:20 - Permalink

              @Marc

              Die Zinsauswüchse sind eine Folge einer katastrophalen Fehlkonstruktion der Währungsunion, nicht die Ursache.

              Habe ich auch nicht behauptet. Mit Zinsen gibt es nur das Problem, dass jede Fehlsteuerung sofort zu Akkumulationseffekten führt. Zinsbasierte Systeme können nur in einem perfekten Wirtschaftskreislauf Nicht-zyklisch funktionieren und so einen Wirtschaftskreislauf hat es noch nie gegeben. Zinsen beschleunigen einfach nur den zyklischen Totalzusammenbruch und erschweren eine Kontrolle des Finanzsystems.

              Ohne Euro gäbe es keine Probleme, aber immer noch eine Zinswirtschaft, die funktionieren würde.

              “Funktionieren” tut die Zinswirtschaft immer. Ob das allerdings zum Wohle der Gesamtheit der Gemeinschaft ist bezweifele ich, da die Menschheitsgeschichte noch nie ein stabiles Zinssystem erlebt hat.

              Der Zins vereinfacht den Wucher

              Genau.

              , er ist aber auch mit Gebühren möglich.

              Theoretisch. In der Praxis hat es noch nie dauerhaft funktioniert.

              Der Wucher allerdings ist kein systematisches Problem, sondern ein rein menschliches.

              Das halte ich für ein Gerücht. Das ist das typische unersättliche-Gier-Geschwafel.

        • FetteBeute schrieb am 28. Juni 2012 um 19:41 - Permalink

          @Marc

          Bitte keine Zinskritik!

          Dann kannste auch gleich sagen: Bitte keine Kapitalismuskritik. Skrupelloses profitorientiertes Wirtschaften ist etwas völlig normales. (Und das ist heutzutage tatsächlich so)

          Worin besteht für Dich eigentlich das Problem wenn jemand den Zins kritisiert? Der Fanatismus findet doch auf Seiten der Marktradikalen statt. Die wollen doch alles dem Götzen opfern. Nicht die Zinskritiker.

          • Marc schrieb am 28. Juni 2012 um 20:00 - Permalink

            @FetteBeute

            Der Zins ist eine Berechnungsmethode. Ich halte es für sinnlos, eine Berechnungsmethode zu kritisieren. Das ist so, als ob ich sage: ich finde es doof, dass 1×1=1 ist.
            Ich kann die Gier, die hinter Wucherzinsen steht, kritisieren, aber das ist ja auch etwas völlig anderes.

            • FetteBeute schrieb am 28. Juni 2012 um 20:07 - Permalink

              @Marc
              Der Zins ist keine Berechnungsmethode. Der Zins ist der Preis den man fürs Geld (bzw. allgemeiner fürs Kapital) zahlen muß. Und damit das Resultat aus sich selbst verwertendem Kapital. Damit verweist der Zins symptomatisch aufs eigentliche Problem. Ist also Teil des Problems.

      • Mod schrieb am 1. Juli 2012 um 13:04 - Permalink

        Aus ihrer Webseite: “Bisher gibt es nicht einmal eine vernünftige Theorie, nicht einmal einen Ansatz, wie sich Finanzsysteme und Wirtschaften in einer Währungsunion verändern und verhalten. Es ist kein Wunder, dass wir sinnlos über die Tugenden einer schwäbischen Hausfrau philosophieren, während die Ursache der Euro-Krise in den spezifischen Bedingungen einer Währungsunion zu suchen ist.”

        Die schwäbische Hausfrau spart mit dem Erfolg der Reserve, wenn der Staat spart Zertrümmert er alles an Infrastruktur für einen Kreislauf mit Wertschöpfung und das für alle Bürger im Staat. Eine vernünftige Theorie über Finanzsysteme einer Währungsunion gibt es genügend, es gibt sie sogar in der Praxis wie gerade zu sehen ist wenn man hinsieht! Die Staaten sind auch nicht Plötzlich von einem Kollaps bedroht, sie wurden und werden dadurch bedroht weil sich “alle” nicht mehr an die vorgeschriebenen Gesetze und Arbeitsweisen in der EU halten, die Ungleichgewichte wurden von der Finanzindustrie verursacht und mit Hilfe der Politik, die für Entstehung und Verlauf Verantwortlich ist, soll dieses Ungleichgewicht beibehalten werden. Das ist auch kein Konstruktionsfehler des Euros, ganz im Gegenteil, es ist auf Fehlverhalten innerhalb der EU Regierungschefs in Brüssel und Straßburg zurück zu führen, die der Finanzmafia diesen Spielraum, wodurch die Krise ja erst entstehen konnte, “eingeräumt” hatte!


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