Island – ein Fanal der Hoffnung in Zeiten der Krise
geschrieben am 04. Juli 2012 von Spiegelfechter
Wir befinden uns im Jahre 2012. In ganz Europa erleiden viel zu große Banken viel zu große Verluste und werden vom Staat auf Kosten des Steuerzahlers vor sich selbst gerettet. In ganz Europa zwingen die Finanzmärkte diese nun finanziell angeschlagenen Staaten dazu, Ausgaben zu kürzen, ihr Tafelsilber zu verscherbeln und die letzten Reste des Sozialstaats abzuschleifen. In ganz Europa? Nein! Der kleine Inselstaat Island hört nicht auf, dem Wahnsinn Widerstand zu leisten und reagiert auf die Finanzkrise mit exakt der entgegengesetzten Medizin wie der Rest Europas. Und Island hat damit sogar Erfolg.
Die jüngere Geschichte Islands gleicht bis zur Finanzkrise einem großen Feldversuch in Sachen Finanzmarktliberalisierung. Abgesehen von winzigen Steueroasen gab es wohl keinen anderen Staat auf der Welt, der seinem Finanzsystem eine derartige Narrenfreiheit einräumte. Island war vor der Krise kein Land mit Banken, sondern ein gigantischer Hedge-Fonds mit einem kleinen angeschlossenen Land. Diese Politik brachte der 300.000-Seelen-Insel Spitzenplätze in den wirtschaftsliberalen Rankings der World Heritage Foundation und des IMD ein. Der eingeschlagene Kurs hatte durchaus auch seine Vorteile für die Inselbewohner. Die Löhne stiegen von Jahr zu Jahr und lagen vor der Krise rund ein Drittel über denen der EU-Staaten. Gemessen am BIP pro Kopf brachte es Island binnen weniger Jahre zur viertreichsten Nation der Welt. So lange nur genug Geld auf die Insel strömte und die isländische Krone permanent aufwertete, konnten die Bewohner in niedrigverzinsten Fremdwährungen wie dem Schweizer Franken oder dem japanischen Yen Kredite mit einem negativen Realzins aufnehmen. Und das taten sie reichlich, womit auch die Realwirtschaft boomte.
Doch das isländische Wunder war ein Wunder auf Pump, ein gigantisches Kartenhaus, das beim ersten Sturm einstürzen musste. Alleine die drei größten Banken des Landes, die allesamt in der neoliberalen Ära privatisiert wurden, häuften eine Bilanzsumme an, die dem Neunfachen des Bruttoinlandprodukts entsprach. Die Nettoauslandsverschuldung wuchs im letzten Jahrzehnt vor der Krise fünfmal so stark wie das BIP und betrug vor der Krise 312% der Wirtschaftsleistung – 80% der Schulden entfielen damals auf die drei großen isländischen Banken.
Zusammenbruch und unkonventionelle Lösungen
Es kam, wie es kommen musste. Im Kielwasser des Lehman-Zusammenbruchs und der Subprime-Krise kehrte das Risiko zurück auf die Finanzmärkte und plötzlich bekamen Islands Banken von anderen Banken keine Kredite mehr. Wie die Hypo Real Estate hatten die isländischen Banken langfristige Geschäfte mit kurzfristigen – und vor der Krise sehr günstigen – Geldmarktkrediten refinanziert. Dieses Modell kollabierte im Oktober 2008. Als sei dies noch nicht schlimm genug, zogen die „Investoren“ ihr Geld im Eiltempo von der angeschlagenen Insel ab und der daraus resultierende Kursverfall der isländischen Krone gab der Insel den Todesstoß. Die eigentlich ausweglose Situation setzte bei den Isländern jedoch Kreativität frei. Die Regeln der freien Finanzmärkte hatten die Insel in die Katastrophe geführt, also suchte man seine Rettung in einem Ausweg, der das exakte Gegenteil von „Marktkonformität“ darstellte.
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Wozu musste Island denn ausländische Kredite aufnehmen? Für die Finanzierung von Importen?
Vor allem für den Currency Carry Trade.
Also nur zur Sicherung der Währungsstabilität gegenüber Spekulanten (de.wikipedia.org/wiki/Currency_Carry_Trade)?
Im Artikel kommt es so rüber als ob Island zur Refinanzierung seiner Banken ausländische Kredite benötigt hätte.
Siehe:
und
Ansonsten sehr guter Artikel, selbst für einen VWL-Laien wie mich.
Was mich allerdings irritiert hat, ist, dass Du den Term “schuldenfinanzierte Stärkung der Konjunktur” übernimmst. “Schulden” ist aber negativ besetzt.
Besser wäre von “gesteigerten Investitionen des Staates in die Wirtschaft und den Privatsektor um einen Nachfrageausfall des Privatsektors zu kompensieren” zu sprechen.
Dass sich der EMU-Staat durch Schulden bei den Banken finanziert, geschieht ja freiwillig und absichtlich aus dem Grund, dem Gemeinbürger zu verklickern zu können, dass der Staat auch nur eine Firma ist, die irgendwann kein Geld mehr hat.
Der Staat beschränkt sich freiwillig selbst, um eine Ausrede zu haben, um etwa Arbeitslosigkeit nicht bekämpfen zu müssen.
Die isländischen Banken haben sich z.B. in Japan oder der Schweiz Geld zu einem niedrigen Zinssatz geliehen und es hoch verzinst als Kredit weitervergeben. Wie sie die Währungskurse manipuliert haben, kann ich Dir auch nicht im Detail sagen – fest steht jedoch, dass dort manipuliert wurde, weshalb ja auch einige Banker heute im Knast sitzen. Hinzu kommt, dass sie sich auch noch über den Interbankenmarkt Geld (v.a. in Euro) geliehen haben, um langfristige Kredite kurzfristig zu refinanzieren.
Ja ich weiß, aber dagegen kämpfe ich ja auch an. “Schulden” haben überhaupt nichts negatives. Jeder vernünftige Häuslebauer nimmt einen Kredit auf und es gibt wohl keinen Unternehmensgründer, der das alles aus der eigenen Tasche finanziert. Wäre dem so, dann wäre unser Wirtschaftssystem komplett unsozial.
Wichtiger Artikel, danke.
Island zeigt: Die Politik ist nicht machtlos gegenüber den Banken, wenn sie nur will. Zur Wortwahl: “kreditfinanziert” klingt in der Tat deutlich freundlicher als “schuldenfinanziert”, auch wenn exakt das Gleiche gemeint ist. Sollte man sich zunutze machen ;-)
Bezeichnend, dass man davon so gut wie nichts lesen, hören oder sehen konnte in den deutschen Medien. Auch über den skandinavischen Weg aus der Bankenkrise gibt es kaum mehr als Andeutungen. Gibt es bald auch einen SF-Artikel dazu?
Zu dem Begriff Schulden habe ich vor ein paar Tagen noch was im Netz gelesen.
Es ging um die religiös- moralische Deutung, Schulden = Schuld
Herr Albrecht Müller hat am 11.06.12 diesen lesenswerten Artikel veröffentlicht. http://www.nachdenkseiten.de/?p=13482
Im Übrigen werden staatliche Großprojekte immer Kreditfinanziert und für Sozialprojekte müssen, eben, Schulde gemacht werden.
Es ist schon perfide.
Yep, der “Chef” und ich haben da bzgl. der Wortwahl unterschiedliche Ansichten. Ich bin ja immer ein Verfechter der Strategie, gekidnappte Begriffe extra zu verwenden, um den Kidnappern das Leben so schwer wie möglich zu machen. Vielleicht leide ich an Hybris ;-)
Das sind aber hübsche Isländerinnen auf dem Bild!
;-)
Blaue Lagune…
Da kann man sogar im Winter baden. ;-)
Mfg
Auch hübsche Griechinnen und Spanierinnen haben unsere Sympathie verdient.
Dass Bankenrettungen “marktkonform” sind, ist ja mal ganz was Neues…
Kann Island wirklich als Vorbild für Europa dienen?
Ist die Größe einer Volkswirtschaft ausschlaggebend für die erfolgreiche Genesung?
Die Struktur Islands dürfte es schon sein. Island ist relativ unabhängig bei der Energieversorgung (Wasserkraft, Geothermie) und hat Industrie, die gefragt ist (Aluminiumhütten). Dazu hat die Insel nur etwas mehr als 300.000 Einwohner.
Betrachtet man Griechenland sieht dort die Sache schon anders aus.
soweit ich jens verstanden habe, kann island nicht als 1:1-blaupause dienen. aber an seinem bsp. wird gezeigt, dass offensichtlich andere möglichkeiten als austeritätsbla zum jetzigen zeitpunkt in dieser europa-krise (und nicht nur in der empierie, die die ökonomen und politiker nciht auf dem schirm haben) geeignet sind, die problematiken zu lösen.
Das schreibe ich ja auch. Für Griechenland kann Island nicht als direktes Beispiel dienen. Für Estland und Lettland schon eher. Für Slowenien und Zypern (trotz Euro) vielleicht auch – da müsste man erst mal schauen, worin das Problem derer Banken denn genau besteht. Kann man aus den Pleitebanken eine Good Bank herauslösen und den Rest in die Pleite gehen lassen? Auf jeden zeigt das Beispiel Island aber auch, dass das Austeritätsdogma mehr als brüchig ist. Aber das steht ja auch im Artikel ;-)
Nicht mehr. Als sich die Bankenkrise in Griechenland manifestierte, hatten sie eine gewaltige Verhandlungsmacht gegenüber den Kreditgeber-Ländern. Die haben sie freiwillig und ohne Not vergeben, indem sie unbedingt im Euro bleiben wollten. Man hätte zumindest mit einem Austritt oder Schuldenschnitt pokern können.
Ein Staat ohne eigene Notenbank, also alle Euro-Staaten, hat keine ausreichenden geldpolitischen Instrumente zur Finanzierung einer Rettung des Privatsektors nach einer Bankenpleite, sondern agiert immer fremdbestimmt. Entweder durch “die Märkte” oder in dem Fall die EZB und deren Einflüsterer.
Du sagst es ja auch im Artikel, allerdings eher nebenbei: Ohne eine eigene, frei handelbare Währung und wäre Islands Weg nicht möglich gewesen.
richtig. Das ginge nur in Kooperation mit der EZB und das ist sehr unwahrscheinlich.
Habe Zweifel, daß das, was die Isländer sich erlaubt haben, sich die anderen erlauben könnten.
Was wollen sie machen? Soldaten ins Land schicken um das – nicht vorhandene – Geld der Banken zu holen?
Brauchen Sie nicht.
Es reicht: kein Strom, kein Gas, kein Wasser, keine Müllabfuhr, keine Lebensmittel etc.
Fällt alles weg wenn es nicht mehr bezahlt wird.
Danach kommt es zu Unruhen und dann kommt da Militär!
@danielmite
Ja, @flurdab hat (was den Einsatz vom Militär angeht) schon recht.
Ungefähr so, wie er beschrieben hat, würde eine Strafaktion aussehen.
Die Isländer sind keine Leningrader, sie sind verwöhnte Europäer.
Man bräuchte nur ein paar Bestandteile, wie z.B. “kein Gas, kein Wasser” ihnen entziehen und sie werden sofort die Weiße Fahne rausholen.
Man läßt sie in Ruhe nur weil (nur meine Vermutung) die Eliten keine Aufmerksamkeit auf sich lenken wollen (die Strafaktion für Island könnte auch später kommen).
Die ganze Bevolkerung Islands paßt glatt in eine Stadt wie (beispielweise) Münster hinein.
Würde aber irgendein Millionen-Land die gleiche Nummer abziehen, dann kommt vielleicht sogar das Militär (ohne kein Gas, kein Strom etc.) als erstes.
Und was “das Geld der Banken zu holen” angeht.
Naja, wer kein Geld hat, der hat vielleicht irgendwelche Ressourcen, oder Inseln, oder vielleicht was anderes, was nützlich oder weiter verkaufbar wäre ?
Ähem, ich dachte immer, Island sei eine Insel und energiepolitisch autark. Ebenso dachte ich, dass sie dort auch genügend Wasser hätten und man “Ihnen” das nicht entziehen kann. Scheint aber nach Ihrem Beitrag nicht so zu sein. Man lernt doch nie aus :-)
@wschira
Keine Bange @wschira, diejenigen, die es gewollt hätten “die Insel” Island in die Knien zu zwingen, würden schon eine (Schwach)Stelle finden, wo es den Isländern so richtig weh tun würde.
Und übrigens, eine Insel ist durch ein Embargo viel leichter zu ersticken als ein Land irgendwo inmitten eines Kontinents.
Warum lese ich diesen Sachverhalt erst jetzt in seiner Gesamtheit und
warum haben unsere Medien nur Bruchstückhaft über Island unterrichtet?
Das Volk soll ruhig und dumm gehalten werden.
Danke für diesen Artikel.
Gern geschehen.
Ich hatte das Thema schon länger auf der Agenda. Ausschlaggebend war jedoch zuletzt, dass ich mich letzte Woche in Straßburg mit dem isländischen Finanzminister unterhalten konnte, der mir viele Details zum isländischen “Wunder” gesteckt hat.
Gestern hat übrigens niemand anders als Henryk M. Broder in der WELT mit einem Artikel über Island überrascht. Er geht zwar nicht ins Detail, verwechselt einige Sachen und legt einen anderen Schwerpunkt als ich, kommt jedoch in toto zu einem ähnlichen Ergebnis.
Auch ein mit Blind- und Taubheit geschlagenes Huhn findet mal ein Korn.
Im selben Springer-Blatt wird allerdings Heute wieder mithilfe der urban legend Estland Stimmung für die Austeritätspolitik gemacht:
http://www.welt.de/wirtschaft/article107771232/Estland-zeigt-Suedlaendern-den-Weg-aus-der-Krise.html
“Warum lese ich diesen Sachverhalt erst jetzt in seiner Gesamtheit und
warum haben unsere Medien nur Bruchstückhaft über Island unterrichtet?”
Weil es nach der vorherrschenden Doktrin “keine Alternative” zum Austeritätsdogma gibt.Da stören solche Sachverhalte nur,sonst denken die Leute ja noch über Alternativen nach.
“Das Volk soll ruhig und dumm gehalten werden.”
Genau,das letzte ,was unsere herrschenden Eliten gebrauchen können sind selbstständig und kritisch denkende Menschen.
Auch von mir,danke für diesen Artikel!
Wohl auch wegen dem:
wwx.freitag.de/autoren/jaugstein/wozu-noch-journalismus-beitrag-zu-einer-serie
Ob es noch ander Quellen gibt weis ich leider nicht.
Schätze die Hauptlektion dürfte im Abwickeln der Banken gelegen haben…..praktisch das was bei jeder Firma die sich übernommen, verspekuliert oder u.U. auch unverschuldet in finanzielle Schieflage gekommen ist auch passiert….
Der Ausdruck “To Big to Fail” heißt unterm Strich ja nichts anderes als dass der Staat erpressbar wird und über diesen Weg dann weitere Hebel angesetzt werden können und dem wurde da eben eine glatte Absage erteilt…
vgl. http://www.heise.de/tp/foren/S-Re-Prinzipiell-gebe-ich-dir-Recht/forum-212725/msg-20878423/read/
bombjack
Island,das einzige Land was Banker hinter Gitter geschickt hat.
http://blog.snaefell.de/2012/06/09/weitere-banker-verurteilt/
Revolutionär.^^
Mfg
1929 hatten sie zumindest noch den Anstand, sich höchstselbst aus dem Fenster zu stürzen. Das brauchen sie Heute nicht mehr, dank staatlicher Vollkaskoversicherung (“bailouts”).
Dieser Tage stürzt sich der Handwerker aus dem Fenster dessen Firma pleite geht, oder der Angestellte mittleren Alters der entlassen wird und ohne Perspektive ist.
Das nennt man wohl Fortschritt.
Da sind wir heute aber schon ein gutes Stück weiter, wir lassen stürzen! :-(
siehe: Selbstmordrate in Griechenland steigt
Nicht nur dort!
Die Zahl psychischer Erkrankungen hat sich in der letzten Dekade in Deutschland verdoppelt:
http://www.derwesten.de/gesundheit/psychische-erkrankungen-nehmen-rasant-zu-id6041920.html
Natürlich begeht nicht jeder an burnout oder Depression leidende Mensch Suizid, aber als logische Folgerung lässt sich sicherlich ableiten dass auch die Zahl der Suizide aufgrund arbeitsbedingter psychischer Erkrankungen erheblich zugenommen hat.
Für die neoliberal-neokonservative Lehre geht es um Freiheit. Der Freitod ist die finale Ausdrucksform dieses Freiheitsgedanken, insbesondere da er in der Regel als sozialverträgliches Frühableben erfolgt, also die Staatskasse gleich mit entlastet.
Die Wirklichkeit holt meinen Beitrag sogleich ein – fünf Tote aufgrund eines erweiterten Suizides wegen Zwangsräumung der Wohnung:
http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article107806813/Fuenf-Tote-bei-Geiselnahme-nach-Zwangsraeumung.html
Eigenverantwortung, Baby!
http://www.youtube.com/watch?v=1Kt-2bJmbJE&noredirect=1
;-)
Ja, ein interessanter Artikel zu einem vergessenen Thema (Island). Danke dafür.
Bemerkenswert auch, dass offenbar “nordisch” ein positives Attribut für den IWF darstellt. Ich meine, die Isländer haben sich dem Artikel nach extrem abenteuerlich verhalten – eine Nettoauslandsverschuldung von 312 Prozent des BIP ist absurd, die vielleicht höchste weltweit (Spanien hat nur die Hälfte, glaube ich). Und dennoch bedeutet “nordisch” offenbar sowas wie vernünftig, besonnen.
Ganz hervorragend auch die Bemerkungen zu diesem Icesave-Gesetz. Es erinnert an Griechenland, wo SYRIZA damit drohte, die Verträge mit der EU platzen zu lassen.
Ich frage mich, warum man diese eigentlich ziemlich wissenswerten Sachverhalte in einem kostenlosen Blog liest und sonst offenbar nirgends.
Das frage ich mich auch. Zumindest Paul Krugman hat das Thema schon öfters aufgewärmt und auch Bloomberg und der Independent haben bereits wohlwollend über Island berichtet. Das sind freilich nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Auch ein Krugman ist in den USA nicht mehr als ein Eichhörnchen das in den Wind furzt – jener Nager macht zwar mehr Dampf als Du und Albrecht, die ihr im Vergleich mit Springer und Co. allenfalls als Hamster durchgeht (noch), aber ein Orkan der die neolib-Politik wegbläst wird davon auch nicht erzeugt.
Die große Politik ist in den USA ebenso auf Austerität getrimmt wie hier, nicht umsonst gab Obama wie auch Merkel den Griechen den freundlichen Wink, doch bitteschön nicht die Syriza zu wählen.
Sollte ab nächsten Januar Mitt Romney regieren, der sein Riesenvermögen mit dem Zerlegen von Unternehmen zusammenrafte und in seiner Freizeit gern Haustiere und Homosexuelle quält, dürfte sich der Sparkurs noch verschärfen. Dafür werden seine Zuchtmeister Grover Norquist und die beiden Koch-Brüder schon sorgen.
Krugman ist ein enger Berater Barack Obamas und der US-Regierung.
http://www.rp-online.de/wirtschaft/unternehmen/deutschland-soll-mehr-schulden-machen-1.2322559
Barack Obama ist eine lahme Ente seit der vermurksten Gesundheitsreform, er kann sich glücklich schätzen wenn er wiedergewählt wird und den Senat nicht ebenfalls an die Tea Party verliert, was zu einer vollständigen Blockadepolitik führen würde.
Selbst eine marginal sozialdemokratische Maßnahme wie die Rücknahme der Bush’schen Steuererlasse für Reiche ist ihm gegenwärtig unmöglich.
Die realisierte Form der Gesundheitsreform ist imho eine Revolution in Amerika. Ein Kompromiss, klar. Aber auch ein wichtiger erster Schritt für die Akzeptanz einer Art sozialen Netzes unter diesem unsolidarischen, mir unsympatischen Volk.
Gutes Thema.
“Das Beispiel Island zeigt jedoch noch mehr. Es zeigt auch, dass das deutsche Austeritätsdogma auf den Müllhaufen der gescheiterten Ideologien gehört. Es zeigt, dass ein Staat sich in brenzliger Situation sehr wohl durch eine schuldenfinanzierte Stärkung der Konjunktur, durch eine Stärkung der Sozialsysteme, eine Regulierung der Finanzmärkte und eine Rücknahme der neoliberalen „Reformen“ retten kann.”
Das Beispiel Island zeigt auch, dass die EU und der Euro auf den Müllhaufen der gescheiterten Experimente gehört.
Ach was. Weder die EU noch der Euro sind schuld. Schuld sind die Menschen und die Ideologien, die EU und Euro vereinnahmt haben. Bis auf die Abwertung sind alle(!) isländischen Krisenreaktionsmaßnahmen auch in Euroland möglich. Und mehr noch! Eine unglaublich liquide und angesehenen Notenbank wie EZB kann – theoretisch, versteht sich – noch ganz andere Dinge machen. Nur leider will das die herrschende Elite nicht. Du kannst Dir schon denken warum.
@Spiegelfechter
“Ach was. Weder die EU noch der Euro sind schuld.”
Es geht mir bei meiner Schlussfolgerung weniger um die Schuldfrage, als mehr um die Lösungsmöglichkeiten. Dabei wurde ich vom ersten Punkt deiner Aufzählung inspiriert:
“1.Das Land ist weder Mitglied der Eurozone noch der EU und konnte daher sowohl seine Landeswährung gegenüber dem Euro (und den für Island wichtigen Schweizer Franken und dem Yen) abwerten und musste sich bei seiner politischen Reaktion auf die Krise nicht dem Diktat der EU unterwerfen. Wäre das Land Mitglied der EU, hätte es keine Chance gehabt. Womöglich wäre dann die „isländische Revolution“ blutig ausgegangen.”
In Deutschland wird es entweder blutig ausgehen oder das Land endet in einer friedlich-diktatorischen Knechtschaft. Ich befürchte – ganz meiner apokalyptischen Tradition folgend – Letzteres.
Dass du das Wort “Elite” in den Mund nimmst, erstaunt mich ein wenig…
Und wieder ein “ach was” ;-)
Die Eliten wollen doch keine Revolution und würden das auch nie zulassen. Vorher würden Sie alles dran setzen, dass System zumindest zum Schein zu verändern und uns zumindest einen Teil vom Kuchen abgeben. Das Problem ist aber: Wir murren ja noch nicht mal, sondern lieben unsere große Kanzlerin. Da muss man uns ja auch überhaupt nicht entgegenkommen. Warum auch?
Der Spon vom 02.07.12:
Sorglose Deutsche verwundern Merkel
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/merkel-optimismus-der-deutschen-verwundert-die-kanzlerin-a-842121.html
Ist schon Irre, dabei bräuchte die BK nur mal auf die Straße zu gehen.
Unsere Eliten haben selbst zwei Weltkriege weitgehend unbeschadet überstanden. In Zweifelsfall biedert sich die Schweiz noch jedes Mal an um deren Vermögen vor dem Zugriff durchgeknallter Revolutionäre oder ungezogener Besatzungsmächte in Sicherheit zu bringen. ;)
Lieber Herr Berger,
endlich ein Artikel über die Entwicklung oder (noch) Operation Island; ein sehr spannendes Thema, welches ich seit der „Topf- und Pfannenrevolution“ versuche zu verfolgen. Ich muss von einem Versuch sprechen, da die hiesigen Medien nichts über die isländische Situation bringen, gar nichts. Ich danke Ihnen daher!
Eine Ausnahme machte jedoch 3Sat; 2010 zeigte es diese informative und witzige Dokumentation: http://www.3sat.de/page/?source=/dokumentationen/153184/index.html
Nun muss man aber auch beachten, wie Sie es ja tun, dass Island nicht mit Ländern des Kontinentaleuropas zu vergleichen ist. Manche wichtige „grünen“ Projekte zu Energie und Landwirtschaft können bspw. nicht so einfach von dort für Deutschland übernommen werden.
Liebe Grüße
@Spiegelfechter
Vielen dank für den Deinen guten Artikel der aber auch eines zeigt, neben dem wichtigen Aspekt der menschlichen Hoffnung auf bessere Zeiten, dass im kleinen vieles möglich ist was im großen Maßstab in Verbindung mit dem € als Gemeinschaftswährung und den monströsen Schuldenbergen (generiert auch durch exorbitante deutsche Exportüberschüsse) so nicht funktioniert wird, und selbst wenn es funktionieren würde zumindest in Deutschland* m.E. politisch nicht mehrheitsfähig wäre.
* da wo die Verantwortlichen agieren in der Außenwirkung wie die berühmte schwäbische Hausfrau, de facto aber wohl eher wie ein Inkassobüro
Ihr immer mit Euren “Schuldenbergen”. Herrjeh, das sind doch nur Forderungen. Es ist doch gar nicht so schwer, diese Forderungen abzuschreiben ;-)
So monströs sind die Schuldenberge gar nicht – den deutschen Schulden von 2 Billionen Euro stehen 10 Bio Euro Privatvermögen gegenüber (von denen 7 Bio bei den obersten 10 % der Einkommensbezieher konzentriert sind und über 3 Bio Euro beim obersten Prozent), den italienischen Schulden von ebenfalls 2 Bio Euro immerhin noch 6 Bio Euro Privatvermögen und in Frankreich, Großbritannien oder Spanien wird es nicht viel anders aussehen.
Es gibt kein Verschuldungsproblem, sondern ein Verteilungsproblem.
sehr richtig! Außerdem sind die Schulden der Einen ja eben die Forderungen der Anderen und somit ein Teil eben jenes Vermögens, das Du hier anführst.
Oder wie Bimbes-Birne sagte, “Entscheidend ist, was hinten rauskommt”.
Ich wäre dafür, vor die vielgefilmte Schuldenuhr am Büro des Bundes der Steuervermeider eine Vermögensuhr zu setzen.
Der DGB hat so eine Uhr offenbar auf das Dach (da steht sie gut) seines Büros in Frankfurt montiert.
http://www.webdesign-plus-services.de/soziales/images/dgb.gif
Die Vermögen sind nicht nur fünf Mal so hoch, sie wachsen auch wesentlich schneller an als die Schulden.
In diesem einfachen Satz steckt so viel Wahrheit: Geldvermögen sind nur Forderungen an andere, einen materiellen Ausgleich für erbrachte Leistungen zu erbringen. Geld ist eben Konsumverzicht oder eine Verschiebung des Konsums in die Zukunft.
Guthaben mit Forderung zu übersetzen ist so viel eindeutiger.
Zu Beispiel wenn man einem Deutschen verklickern soll, dass übermäßige Exporte ins Ausland schlecht für Deutschland sind, ist die Formulierung, dass Deutschland mit dem dafür überwiesenen Geld nur Forderungen an das Ausland aufbaut, viel einlechtender.
Wie viel Oliven muss man eigentlich vertilgen bis so ein an Griechenland geliefertes U-Boot materiell wieder ausgeglichen ist?
@Bademeister, @Spiegelfechter
Das wäre schön, nur mir fehlt der Glaube und das Fachwissen sowieso (andere Baustelle :-) um mir vorzustellen, wie ohne Banken- Crash, Hyperinflation oder Währungsschnitt schlappe 2×10^12 € abgeschrieben werden könnten.
Das Geld mit Privatvermögen einfach “gegen zu rechnen” heiße ja im Klartext Vermögensabgabe/ Steuer bzw. Zwangsanleihen auf große Vermögen, und zwar nicht zu knapp und womöglich nicht nur in D.-Land oder EU weit! Wie könnte das politisch, rechtlich sowie technisch überhaupt funktionieren in einer Welt wo das Kapital so extrem Mobil ist?
Nachfolgendes ist zwar Peanuts” (frei nach Kopper) zu den obigen Beträgen, aber schon hier zeigt sich die Problematik:
Quelle
Vorangehend müssten zumindest die EU und die USA sich daran machen, Steueroasen auszutrocknen – dass das klappt wenn der Wille da ist, haben die Amerikaner mit der Schweiz bewiesen, wohingegen Wolfgang Schäuble ein wachsweiches Abkommen mit den Helveten abschloss was die Steuerhinterziehung de facto legalisiert.
Danke für den Artikel, wie es Island gemacht hat wusste ich schon länger, aber da waren auch so einige Details drin die ich nicht kannte. Allerdings habe ich auch nicht mit dem isl. Finanzminister gequatscht oder den EU-Bericht gelesen ;)
Imho sind die Isländer den richtigen Weg gegangen, genauso hätte man es machen müssen. Nur leider haben wir – wie du bereits richtig schriebst – nicht die gleichen Möglichkeiten/Startvoraussetzungen, da wir z.B. keine autonome Währung haben und Kern einer größeren Wirtschaftsgemeinschaft sind.
Du hast jetzt ein Beispiel gebracht wie ein Land es geschafft hat durch die Krise zu kommen, ohne die pöse Austeritätspolitik. Könntest du dir nicht auch vorstellen, dass gerade wegen der unterschiedlichen Startvoraussetzungen diese Politik für uns der richtige Weg wäre? Du hast ja schon richtig festgestellt, dass es so wie bei Island nicht geht! Es ist doch Hirnriss Geld in die Pleitestaaten zu pumpen, ohne Bedingungen und massive Strukturreformen. Das ist wie Wasser in einen Eimer zu kippen der voller Löcher ist, sollte man nicht erst die Löcher beseitigen?
Aber natürlich wäre das prinzipiell auch für “uns” der richtige Weg. Nun muss man aber auch sagen, dass “wir”, also die Deutschen, ja (noch!) gar kein großes Problem mit der Krise haben. Sicher hätte man die IKB und die HRE pleite gehen lassen können und sich damit x Mrd. Euro gespart, die man sinnvoller hätte verwenden können. Nein, die Krise tobt woanders und dort sind ganz akute Rettungsmaßnahmen nötig, die sich zumindest an Island orientieren können. So kann beispielsweise auch jeder Eurostaat (wenn er denn bei der Staatsfinanzierung vom Finanzmarkt abgekoppelt ist und gemeinschaftliche Sonderkredite bekommt) die Krise mit Konjunkturprogrammen und einem Entschuldungsprogramm für die privaten Haushalte in den Griff bekommen. Und wenn die Wirtschaft wieder läuft, kann man auch die (Staats)Schulden zurückfahren. Aber erst dann und nicht jetzt! Und welchen Gläubiger gibt es, der unendlich viel Geld und unendlich viel Geduld hat? Die EZB! So ein wunderbares Instrument hatten die Isländer nicht. Leider weigern “wir” uns, dieses wunderbare Instrument auch einzusetzen.
Ich bin über http://ftalphaville.ft.com/blog/2012/02/29/903061/how-deep-are-the-ecb’s-pockets/ auf Buiters
Looking into the Deep · Pockets of the ECB gestoßen.
Die ECB kann demnach nicht nur Staaten retten, sondern sogar selbst
an der Rettung verdienen.
Die Inflation hält sich dabei in Schranken.
Du hast bestimmt dasselbe auf Deine Weise schon öfters geschrieben.
In Buiters Paper wird es aber nachgerechnet…
Da ist wohl ein “nicht” zu viel: de.wikipedia.org/wiki/Isländische_Zentralbank
Eine Anmerkung zum Staatsschulden zurückfahren. Es kommt ganz darauf an wie man es macht, heißt wem der Staat was wegnimmt ;)
Zurückfahren der Staatsverschuldung (in absoluten Zahlen) erfordert staatliche Überschüsse, bedeutet der Staat nimmt seinen Bürgern mehr weg, als er ihnen gibt. Ob das auf Dauer klug ist, wage ich doch arg zu bezweifeln ;)
Bill Mitchell hat diese Woche wirklich schöne Blogeinträge geschrieben. Als Beispiel sei der hier genannt:
http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=20055
ja, den Text sollte jeder ökonomisch Interessierte lesen, besonders interessant zu erfahren, welche konzeptionelle Kompromisse Keynes gegenüber dem damaligen klassischen Mainstream eingegangen ist und wie man ihn gedrängt hat, ihm noch weiter entgegenzukommen, um seine Vertretern nicht zu brüskieren: Keynes solle nur Teile der Modells aber doch nicht das Ganze widerlegen
Schade andererseits, dass wichtige ökonomischen Dissidenten wie Bill Mitchell und Steve Keen auf Grund der unterschiedlichen Grundausrichtung gar nicht zusammen zu bringen sind
Wieso Dissidenten? MMT ist doch keine revolutionäre Theorie sondern beschreibt das existierende Geldsystem und was damit theoretisch möglich ist.
aus der Sicht des neoklassischen Mainstreams sind sie Dissidenten
“Es ist doch Hirnriss Geld in die Pleitestaaten zu pumpen, ohne Bedingungen und massive Strukturreformen.”
Es wurde kein Geld in Pleitestaaten gepumpt, sondern nur Kredite vergeben für welche alle Euro-Staaten gemeinschaftlich haften. Das Fordern von “Strukturreformen trifft zudem für beide Seiten zu, diejenigen die über dem vorgegebenen Inflationsziel liegen und diejenigen (Deutschland) welche darunter lagen.
Um nicht wegen der von Dir gezeigten, typisch deutschen Arroganz ausfällig zu werden, nur eine Anekdote: Letztens habe ich mich beim Griechen für die deutsche Einmischung in die inneren griechischen Angelegenheiten entschuldigt und gesagt, dass ich das Verhalten unserer Elite nicht gut finde.
Der griechische Kellner war sichtlich gerührt (eigentlich wollte ich nur erreichen, dass er mir nicht in das Gyros ..) und versuchte sich zu rechtfertigen, dass seine Landsleute ja mit dem Zahlen von Steuern nicht gerade Weltmeister sind. Bin fast durch die Decke gegangen: Wenn ein Volk Weltmeister im Steuervermeiden ist, dann ist das DEUTSCHLAND!!1 Wir erklären sogar Steuerfahnder für schwachsinnig, wenn sie erfolgreich sind. Da können die Griechen noch viel von lernen.
Natürlich ist mir vollkommen klar, dass dieses Geld nur abgeschöpft wird, wenn es notwendig wird. Aber es muss ja trotzdem vorgehalten werden, bzw. schnell verfügbar sein und wir reden ja nicht über läppische 10 Milliarden.
Mit Strukturreformen meinte ich auch eine funktionierende (!) Bürokratie, mit allem was dazu gehört (gerade das Finanzamt) nach deutschem Vorbild.
Und was die Sache mit den Steuern angeht: Du willst nicht ernsthaft behaupten, dass die Deutschen Weltmeister im Steuerhinterziehen sind? Ja die Reichen vermeiden wo sie können, aber der Durchschnitts-Michel zahlt brav seine Steuern und das ist die absolute Mehrheit der Menschen hier. Würden hier alle so denken wie in Griechenland, hätten wir nicht „nur“ geschätzte 80 Milliarden die jedes Jahr hinterzogen werden.
Die Story mit den Steuerfahnder ist aber wirklich eine Sauerei. Gibt auch ein nettes Buch zu Steuerfahndungen: http://www.amazon.de/Inside-Steuerfahndung-Steuerfahnder-erstmals-Geheimnisse/dp/3868831053
na ja, wenn man die Zahlen vor Augen hat, sieht das etwas anders aus:
die baltischen Staaten, also die Musterschüler bei der Implementierung der angeordneten Austerität, sind zusammen mit Bulgarien und Rumänien die EU-Staaten mit der höchsten Steuerhinterziehungsrate
Man sieht aber auch, dass Deutschland zwar im unteren Mittelfeld liegt, aber dennoch vor Ländern wie Österreich, Frankreich, Holland und sogar deutlich vor Großbritannien. In absoluten Zahlen ist es aber dennoch bemerkenswert, dass es hinter Italien das EU-Land ist mit der höchsten Steuerhinterziehungsquote, nämlich fast 160 Milliarden (Griechenland etwas mehr als 19)
http://www.socialistsanddemocrats.eu/gpes/media3/documents/3842_EN_richard_murphy_eu_tax_gap_en_120229.pdf
160 Mrd. scheint mir hoch gegriffen, aber es ist auch keine Quote, sondern ein absoluter Wert und somit nicht aussagekräftig im Vergleich mit anderen Staaten. Worauf soll er sich auch beziehen? Wenn es um das BIP geht, müsste Deutschland Spitzenhinterzieher sein, ist es aber nicht.
die Zahlen sind auf der Studie zu lesen, also nicht übertrieben
Es geht darum, dass auch relativ zur Wirtschaftskraft gesehen, der Abstand zwischen Deutschland (16%) und Griechenland (27%) auch wieder nicht so groß ist, dass, wie ich meine, der moralisierenden Zeigefinger des einen auf den anderen berechtigt wäre.
Bezogen auf die Eurozone als gemeinschaftlichen Wirtschaftsraum ist die absolute Größe durchaus aussagekräftig, da der daurch entstandene Schaden nicht nur relativ, sondern auch absolut, zugeordnet werden kann.
Es geht mir nicht um eine moralisierende Bewertung, wer wieviel mehr hinterzieht, sondern darum, auf die Allgemeinheit des Problems hinzuweisen. Würde in den strukturell stärkeren Länder der Eurozone die Steuerhinterziehungsquote gesenkt, stünde die Zone insgesamt weit besser da, u.a. auch um die derzeitige Krise zu lösen. Das heißt nicht, dass die strukturell Schwächeren nicht etwas mehr aufzuholen haben. Es ist im Übrigen nicht nur in Europa so, dass je schwächer die institutionellen und ökonomischen Strukturen, je höher die Quote der Schattenwirtschaft ist, da ist Griechenland kein außergewöhnicher Beispiel.
Mich stört numal dieser moralisierende Zeigefinger auf einen abstrakten Anderen,, wodurch Tugend und Laster auf der nationalen Ebene verteilt werden.
Deine Relativierungen ändern aber auch nichts daran, dass Griechenlands Quote die deutsche um fast 60% übersteigt. Wobei ich die Zahlen eh für Murks halte, weil ich nicht denke, dass Griechenland belastbare Zahlen liefern kann, wenn die Gesamtverwaltung derartig versagt.
@danielmite
“…weil ich nicht denke, dass Griechenland belastbare Zahlen liefern kann, wenn die Gesamtverwaltung derartig versagt.”
Da könnstest du recht haben, die hatten vor ein paar Jahren ja nicht einmal Computer, alles wurde von Hand verbucht.
http://www.ardmediathek.de/das-erste/reportage-dokumentation/verzockt-und-verklagt-die-guten-geschaefte-der-deutschen?documentId=10592810
@danielmite
ok du scheinst deine nationalistischen Vorurteile zu brauchen. Weitere Erörtung sinnlos
Was soll denn diese lächerliche Behauptung? Ich brauche keine nationalistischen Vorurteile, ich bin noch nicht mal aus Deutschland. Ich kenne mich in der deutschen öffentlichen Verwaltungsstruktur ein wenig aus und was ich hier sehe lässt mir teilweise die Haare zu Berge stehen. Ich weiß auch wie die ganzen Statistiken hier zustande kommen und die sind manchmal derart geschönt, dass es an eine Straftat grenzt. Deswegen kann ich mir denke ich mir schon sehr gut vorstellen, wie das in Ländern aussieht, wo die Verwaltungsinfrastruktur und Organisation derart marode und unterentwickelt ist, wie in Griechenland.
Für die reale Steuerhinterziehung wird man nie belastbare Zahlen finden, denn dann müssten die Finanzämter zugeben, dass sie ihrem Job absichtlich nicht nachgehen.
Und für das gefühlte Verlangen der Deutschen, Steuern zu zahlen kann ich nur wenige Personen nennen, die Einsicht zeigen, dass Steuern notwendig sind.
Zudem ist die Definition von Steuerhinterzug und Steuersparmodell eine Gratwanderung: Wozu gehört z.B. die Anerkennung der “Gemeinnützigkeit” der Bertelsmann-Stiftung ?
Der Euroraum ist aus meiner Sicht ein neoliberaler Ackergaul, der von Hinten aufgezäumt wurde. Der Währungsunion hätte eine Wirtschaftsunion vorausgehen müssen (Angleichung der Wirtschaftskraft, Steuersätze etc.) und der Wirtschaftsunion eine politische Union der EU-15 mit einer koordinierten Innen-, Sozial- und Außenpolitik.
Nur dann hätten die von Helmut Kohl erträumten “Vereinigten Staaten von Europa” funktionieren können. Der Mann mit dem Ego noch größer als sein Bauchumfang übersah leider, dass es für das Entstehen der USA aus einem losen Haufen kleiner Kolonien 150 Jahre benötigt hatte, noch einmal 150 Jahre für den Aufstieg dieses Bundesstaates zur Weltmacht.
Es war anmaßend zu glauben, man könnte dieselbe Integrationsleistung mit einem Staatenbund wie der EU in nur 50 Jahren schaffen.
Der ökonomischen Angleichung zuvor kommt meiner Meinung nach eine gemeinsame Sprache, die es den Mitgliedern der Union vereinfacht, sich im gemeinsamen Währungsraum frei zu bewegen. Solange Menschen örtlich auf Länder festgelegt sind, ist ein europaweiter Ausgleich der Wirtschaftskraft fast unmöglich.
“Englisch ist die Arbeitssprache.”
- Günter Öttinger
Der war gut! lol
lol
Bei den USA darf man auch nicht vergessen, dass sie bis zum Bürgerkrieg 1861 – 1865 sich selbst überwiegend nicht als eine Nation gesehen haben. Zu erkennen ist dies z. b. daran, dass die meisten Südstaaten nach der Wahl Abraham Lincolns zum Präsidenten aus der Union austraten.
Erschreckend finde ich, dass der Zeitraum von der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika 1787 bis zum Bürgerkrieg 74 Jahre betrug. Der Zeitraum von der Gründung der Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl 1951 als Vorläufer der EU bis heute beträgt 61 Jahre. Ursache für den Bürgerkrieg war eine tiefe wirtschaftliche, soziale und politische Spaltung zwischen Nord- und Südstaaten, die vor allem in der Sklavereifrage zu Tage trat. Abgesehen von der Sklaverei läuft es aktuell auch auf eine Splatung der Nord- und Südstaaten in Europa hinaus. Klingt so, als würde uns erst ein Bürgerkrieg und anschließend die Vereinigten Staaten von Europa bevorstehen.
Lustig, dass auch hier wieder die Südstaaten die “Pösen” sind. Naja, zumindest können wir uns dann sicher sein, dass wir (die Guten [sic!]) gewinnen!
Wer sagt, dass wir Deutschen “die Guten” sind?
Und wer ist “wir”, wenn Du nicht aus Deutschland kommst?
Sarkasmus scheint ein Fremdwort zu sein. Aber ich erkläre es gerne für dich:
Also damals zur Zeit des Bürgerkriegs in Nordamerika, da waren die Südstaaten die Bösen und die Nordstaaten die guten, wegen der Sklaverei Geschichte. Check? Nun übertragen wir das Schema auf Europa heute. Da sind die im Süden die Bösen, weil sie so viele Schulden haben und allgemein bekannt (Vorsicht, wieder Sarkasmus!) ziemlich Faul sind, dagegen sind “wir” die Nordeuropäer die Guten, weil wir fleissig und so sind. Check? Da sich damals die Nordstaaten durchsetzen konnten, übertragen wir das auch auf heute, somit ist klar, dass wir auch “gewinnen” werden (was auch immer das heißt). Alles in einem war es eine Art Witz.
Ich komme nicht aus Germany, aber ich wohne hier seit langer Zeit ;)
@ danielmite
In Deutschland sind es jedoch die Nordländer, die “nicht mit Geld umgehen können” und der Wohlstand liegt im Süden. Wie bei einem Flipper kann man in Deutschland die Kugel (Geld) so oft man will nach oben (Norden) schießen wie man will, sie (es) rollt immer nach Süden zurück.
An und für sich ein sehr guter Artikel mit vielen Informationen, die ich noch nicht kannte, aber…
Die Darstellung von gut und böse, Schuldner und Gläubiger schmeckt mir nicht so richtig. Wenn ein Hedgefond an die Wand fährt freuen wir uns alle, weil die bösen kapitalistischen Geldsäcke die uns erbarmungslos ausbluten lassen wollen einen Rückschlag erleiden – sicher. Auch finde ich, dass es nicht sein kann, dass eine Gesellschaft in schlechten Zeiten für eine Bank haftet und in guten Zeiten die Gewinne nicht zu Gesicht bekommt.
Doch sind nicht alle Forderungen die jetzt nicht bedient werden in den Händen räuberischer Multis, sondern z.B. der Sparer, die sich einst eine kleine Wohnimmobilie zulegen wollen, ohne sich durch eine Vollfinanzierung an die Bank zu versklaven. Auch Rentenrücklagen oder ähnlich mühsam angesparte Gelder „kleiner“ Leute könnten direkt oder indirekt betroffen sein (zumindest in Griechenland). Auch wenn uns in Deutschland das alles noch recht wenig trifft, könnte ein globales zusammenbrechen mehrerer Großbanken (die nicht aufgefangen werden) auch hier für viel Ungerechtigkeit sorgen.
Wer sich Geld leiht und vor hat dieses nicht zurückzuzahlen, bzw. absehbar ist das er das nicht können wird, begeht Eingehungsbetrug. Die Schulden haben immer noch die jeweiligen Regierungen freiwillig aufgenommen und wurden zumindest nicht von den Banken dazu gezwungen. Viele ruinöse Zustände sind letztendlich selbst gemacht. Wer seine mühsam ersparten Groschen versucht möglichst gut verzinst anzulegen ist meines Erachtens auch nicht automatisch ein übler Zocker. Oder hat noch wer von euch Geld auf dem Sparbuch? Versucht ihr nicht möglichst günstige Handy-, Gas- und Stromtarife zu haben – letztendlich nicht viel anders, nur auf der Soll-Seite.
Ist das verleihen von Geld an Italien, Spanien, Portugal, etc. (zuvor auch Griechenland) böses Glücksspiel (das bestraft gehört, z.B. durch Abschreibungen) oder ehrenwerter Patriotismus (denn wenn keiner Geld gibt, gehen die Lichter aus)? Ist es Aufgabe der Gläubiger (Banken, Sparer) oder der Schuldner (Länder) die Finanzen im Rahmen zu halten?
PS: Höhe der Zinsen etc. gehen natürlich mal gar nicht und sind Teil des Problems – schon klar, wäre jetzt aber zu umfassend. Banken und Energieversorger gehören unter direkte staatliche Kontrolle und deren Gewinne ebenso! Leerverkäufe etc. sollten verboten werden!
Ja und genau deshalb müssen “wir” ja auch einen Schutzschirm für die Menschen spannen, der die Einlagen (vielleicht auch nur bis zu einer festlegten Kappungsgrenze) absichert. Island hat ja auch hier neue Wege beschritten und “nur” ausländische Sparer bluten lassen. OK, das ist nicht nett, aber für die kleine Insel war es wohl der beste Weg.
Es kommt ja auch immer auf die Form der Anlage an. Je höher die versprochenen Zinsen umso größer mein Risiko!
Möchte ich kein Verlustrisiko bin ich mit dem Sparbuch auf der sicheren Seite. Nur ist es ja so das Otto- Normalverbraucher eigentlich immer dem freundlichen Bankmitarbeiter ausgeliefert ist, der die Risiken gerne verschweigt weil von den abgeschlossenen Verträgen sein Gehalt abhängen.
Die Altersvorsorge gehört in staatliche Hand, die gesamte Demographie- Propaganda der letzten Jahre und die Rentenreformen dienten nur dazu den Versicherungen und damit den Banken Kapital zu zu führen. Was haben die gemacht, gezockt.
Im Amerika haben viele Menschen durch die Bankenkrise ihre in Rentenfonds angelegte Altersversorge verloren.
Wenn man die Ackermansche Eigenkapitalrendite von 25% erreichen will, aber dem Kleinanleger 4% Verzinsung verspricht und dann noch die Kosten des Unternehmens (Löhne, Miete etc.) einbringen muss, dann ist man schnell bei vieleicht, geschätzten 32% angestrebte Rendite.
Das wirft keine Unternehmung in der Realwirtschaft ab.
Es geht in Wirklichkeit nicht um einen Schuldenrahmen, sonst wären Länder wie Japan mit 300% Verschuldung schon lange Pleite.
Es geht um die Ausfallsicherheit der Staatsanleihen, denen letzten Endes auch die Banken vertrauen. Wenn diese nicht mehr gewährleistet sind, weil Staaten “Pleite gehen” können, sind auch Bankkredite und Geldanlagen i der Gemeinschaftswährung per se unsicher.
Das hat die deutsche Elite und Merkel+Schäuble so entschieden, indem sie auf den Lissaboner Vertragsbedingungen bestehen (kein Einstehen für Schulden anderer Länder auch in Krisensituationen, keine deutschen Sicherheiten für Kredite anderer ohne dass diese sich selbst vorher in die Steinzeit sparen).
Europa muss sicherstellen, dass jeder EMU-Staat genau wie die USA, Japan, Australien, oder Neuseeland nicht pleite gehen kann, indem es die Refinanzierung der Staaten in unbegrenzter Höhe sicherstellt. Über Auflagen bei zu hoher oder zu niedriger Inflation in den Staaten kann man dann getrennt entscheiden.
Umso höher die Zinsen sind, umso höher ist auch das Risiko, dass der Schuss nach hinten losgeht und wer das nicht weiß, sollte überhaupt kein Geld anlegen dürfen. Wem die 2% bei der Bausparkasse nicht reichen und gierig nach mehr verlangt, soll sich nicht wundern, wenn er bei 12% sein Erspartes verlieren kann. Das ist doch genau die gleiche Gier wie bei den Banken, nur im ganz kleinen.. und wer sein gesamtes Geld nur auf ein Pferd setzt, der ist doppelt Schuld.
Ein staatlicher Bailout ließe sich doch auf private Einlagen bis zu einer bestimmten Höhe begrenzen (so wie die Einlagensicherungsfonds der Banken auch alle Obergrenzen haben), z.B. 250.000 Euro um Lieschen Müllers Groschen zu sichern. Es gibt in unserem Land genug Personen die deutlich mehr angelegt haben und einen Ausfall dieses Geldes verkraften könnten, ohne auf der Straße zu landen. Dann verkauft man eines seiner fünf Häuser oder den zweiten Rolls, kein Beinbruch.
Ich erinnere mich noch wie ich vor zwei Jahren Tagesgeld bei der Bank of Scotland anlegte, die Maximaleinlage für dieses Tagesgeld waren 500.000 Euro. Laut dem Sachbearbeiter mit dem ich telefonierte hatte es eine enorme Nachfrage an Kontoeröffnungen mit dieser Summe gegeben (deshalb die Verzögerung beim Abarbeiten der Anträge von uns kleinen Hanswurstkunden) – es gibt in diesem unseren Lande also genug Menschen, die über derartige liquide Mittel und mehr verfügen.
Über die Briten, welche den neoliberalen Weg mitgehen obwohl sie mit eigener Währung keine derartigen Zwänge haben, ist schon viel Hohn ausgeschüttet worden.
Tatsächlich hat auch GB kein Problem, seine Staatsschulden zu finanzieren, weil sie sich dem Euro verweigert haben. Da fließt viel Geld hin, da GB theoretisch auch nicht Pleite gehen kann.
Dass sie sich trotzdem Sparmaßnahmen auferlegen und gemeinschaftliche Institutionen privatisiert haben …. keine Ahnung warum sie das machen.
Hat vielleicht mit der immer noch real existierenden Anbetung der Monarchie zu tun. Ich kann ein solches Volk wirklich nicht ernst nehmen, das ist so 19tes Jahrhundert, was die da jedes Jahr abziehen.
Es gibt nur Hoffnung in den Abgrenzungsbestrebungen der Schotten. Hoffentlich wandeln sie den Sitz der Queen in Edinburgh in ein Heim für finanziell benachteiligte Bürger wenn sie die Unabhängigkeit vom Empire erreicht haben.
“Das Beispiel Island zeigt jedoch, dass das Mantra von den systemrelevanten Banken nicht haltbar ist.”
Meine Rede seit ewig. Ich verstehe übrigens nicht, warum all die Ökonomen immer nach einer steuerfinanzierten Rekapitalisierung von Zombibanken rufen, statt nach deren Zerschlagung. Dass die Bankster selbst das wollen, ist ja naheliegend, aber die Ökonomen sollten doch andere Prioritäten setzen als Bankenrettung um jeden Preis.
Ich hätte noch eine allgemeine Frage, darf man eigentlich noch auf andere Seiten verlinken. Oder stehe ich schon mit einem Bein im Knast?
Danke für die Antwort.
Z.Z. scheint gewohntes “verlinken” noch ohne Gefahr möglich, siehe:
Umstrittenes Leistungsschutzrecht nicht verabschiedet
Das in Island die Bürger nicht für die Krise zahlen, stimmt übrigens nur teilweise. Sie tun es nicht direkt über Hilfsmassnahmen für die Banken, aber sie zahlen heute “dank” der Krise erheblich höhere Steuern und Abgaben (die auch vorher nicht wirklich klein waren), gleichzeitig hat der Staat kräftig Ausgaben kürzen müssen. Und das merkt man dann schon. Ebenso deutlich merkt man das beim einkaufen – die Krone hat sich gegenüber dem Frühjahr 2008 im Wert etwa halbiert, die Köhne sind (natürlich) nicht entsprechend gestiegen. Die Preise für Importe sind mit dem Wertverfall der Krone auch gestiegen…
da haste aber was wichtiges vergessen: die bürger zahlen nicht für rettungsschirme, banken, überhöhte zinsen usw., sondern direkt für ihre gesellschaft. und ganz nebenbei gibt es da ein licht am ende des tunnels, dass sie sogar schon sehen können.
Dass bei erhöhten Staatsausgaben auch die Steuern steigen ist doch normal. Irgendwie muss ja der monetär souveräne Staat das von ihm in den Privatsektor (Banken, Firmen und Bevölkerung) investierte Geld wieder zurückholen, um seine Bilanz nicht ganz aus dem Ruder gleiten zu lassen.
Die Frage ist, wie sind die Steuern in der Bevölkerung verteilt…
Und so läufts in Frankreich:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/praesident-hollande-fehlen-milliarden-euro-im-haushalt-a-842128.html
^^ Der Spiegel lechtzt mit Schaum vorm Mund, dass Hollande jetzt angesichts “der Realität” die Hosen runter lassen müsste und auf den Austeritäts-Kurs einschwenken sollte.
http://www.fr-online.de/politik/regierungserklaerung-frankreich-besteuert-reiche,1472596,16538378.html
^^ Und dann das: der Realitätsverweigerer wagt es doch glatt, den betuchten Kreisen an den Geldbeutel zu gehen.
weiter:
Aber wir wissen ja, wie man die Story weiterspinnen muss. Die Welt hats ja bereits angedeutet:
http://www.welt.de/politik/ausland/article107675001/Reiche-Franzosen-fluechten-aus-Angst-vor-Hollande.html
Ich bin ein Fan der Heimatbesteuerung wie sie die USA durchführen (wo die Differenz zwischen dem niedrigeren Steuersatz bei Investments im Ausland trotzdem zu Hause versteuert werden muss). Wer nichts zu unserem Gemeinwesen beitragen will, sondern sich wie Vettel und Schumi in die Schweiz verdrückt, der soll auch konsequent sein und seinen deutschen Pass abgeben.
Jawohl, richtig!
Bei “Steueroasen” nicht immer nur an die Schweiz denken. Die Kanalinseln, die Isle of Man und die Überseegebiete der Briten sind mindestens genau so “wirksam”. Deshalb – und nicht nur wegen der City – sträuben sich die Briten gegen Regulierung und Besteuerung.
Danke für diesen informativen und hoffentlich wegweisenden Artikel.
Unklar ist für mich geblieben, warum der IWF nur aufgrund eines “Vertrauensvorschusses für nordische Länder” von den Richtlinien seiner Kreditvergabe bzw. den damit üblicherweise verbundenen politischen Forderungen (“Strukturreformen” als Grundlage für die Gewährung von Krediten) abgesehen hat, gab es da vielleicht weitere Gründe, dieses Verhalten ist angesichts der sonst üblichen Praxis doch recht seltsam oder hat sich der IWF in der letzten Zeit so stark gewandelt?
“Folgt man dieser Analyse, so war die Entfesselung der Finanzmärkte nicht die Hauptursache der Krise, sondern lediglich logischer Bestandteil des neoliberalen Modells. Eine Regulierung der Finanzmärkte alleine ist folglich nicht ausreichend, um die Krise nachhaltig zu beenden; notwendig ist vielmehr eine völlige Abkehr vom Neoliberalismus. Die Frage, wie zukünftig volkswirtschaftliche Nachfrage generiert werden kann, stellt sich damit umso dringlicher. Schließlich wird es auf absehbare Zeit – und hoffentlich auf Dauer – keine riesigen Spiralen aus privater Verschuldung und Aktien- bzw. Immobilienblasen mehr geben, die künstliche Nachfrage schaffen könnten, bis sie irgendwann zusammenbrechen.
Eine Abkehr vom neoliberalen Modell verlangt eine Politik, die die Löhne wieder zu den entscheidenden Triebkräften volkswirtschaftlicher Nachfrage macht. Dazu gehört, den “aktivierenden” Sozialstaat vollständig durch einen solidarischen zu ersetzen, den Arbeitsmarkt wieder zu regulieren, die Rechte von Beschäftigten und Gewerkschaften zu stärken, soziale Ungleichheit radikal abzubauen, Kapital strikt zu kontrollieren und mindestens europaweite soziale Mindeststandards auf hohem Niveau festzulegen. Als kurzfristig anzusetzende Maßnahmen gehören dazu ferner echte Wachstumsimpulse durch deutliche Lohnsteigerungen, umfangreiche Investitionsprogramme (mit einem Schwerpunkt auf Zukunftstechnologien) und eine konjunkturgerechte Ausgabenpolitik des Staates.”
http://www.annotazioni.de/post/636#more-636
Läßt sich nichts mehr hinzufügen.
Nein es ist NICHT das Regierungsprogramm der Opposition.
Diese werden Schröder und damit den Maschmeyers weiter die ZIGARRE halten!
Doch, früher war Armut unverdächtig und Reichtum suspekt, heute ist Reichtum unverdächtig und Armut suspekt.
Ich möchte auf zwei echte Naturwissenschaftler verlinken. Bei beiden lohnt es sich zu folgen, ob es die Wahrheit ist weis ich nicht. Aber Sie werden zumindest nicht versuchen mir die Schwerkraft auszu reden.
http://georgtsapereaude.blogspot.de/
http://tandemvipera.blogspot.de/2012/06/im-netz-der-spinne.html?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed:+blogspot/MdGED+%28tandem+vipera+sibilare+desisti%29
Doch, hier fehlt die Abschaffung der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit. Sollte eine Kernforderung sein zusammen mit der Forderung nach Mindestlöhnen, die einen ordentlichen Lebensstandard ermöglichen.
Die Isländer haben, natürlich, ihr Bestes versucht.
Ob sie nun besser als Irland da stehen?
Systemic Banking Crises Database: An Update
In und mit Island fing die Finanzkrise doch erst an. Das Land war solide, bis Anfang der 2000er Jahre dort die Bankenregulierung aufgehoben wurde.
Dazu gibt es einen großartigen Film, der sich Inside Job nennt
Hier der Ausriss aus der Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Inside_Job
Auch in den USA ging es in den 90ern noch aufwärts, bis Bill Clinton zusammen mit dem republikanischen Kongress auf die Idee kam das Glass Steagal-Gesetz abzuschaffen, womit die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken aufgehoben wurde.
Hier in Deutschland waren es Steinbrück und Co. Jeder wollte einen aufgeblähten Finanzplatz à la City of London schaffen.
Die Isländer haben diese Trennung per Zwangsverstaatlichung der Banken wieder in Kraft gesetzt und die Investmentbanken in die Pleite geschickt. Die ganz große Koalition in Deutschland nährt sie dagegen aus unseren Steuergeldern, siehe die 10 Mrd Euro Verlust welche die Hypo Real Estate letztes Jahr eingefahren hat (mit demselben Geld hätte man auch Hartz IV um ein Drittel erhöhen können).
Schöner Artikel, danke dafür!
Drei Anmerkungen habe ich noch:
1. Die Arbeitslosenquote ist mittlerweile sogar schon bei ca. 5% angelangt, wobei die Diskrepanz evtl. auch auf unterschiedliche Erhebungsmethoden zurückzuführen sein könnte: http://grapevine.is/News/ReadArticle/Unemployment-Falls-Well-Below-European-Average
2. Die Schulden aus der Icesave-Pleite werden zwar nicht vom isländischen Staat bezahlt, dafür jedoch von der alten Landsbanki, die nach und nach liquidiert wird. Bisher sind 50% der Schulden zurückbezahlt, bis 2018 soll alles getilgt sein: http://grapevine.is/News/ReadArticle/Half-Of-Icesave-Debt-Paid
3. Die Inflation ist durchaus höher als 3% (nämlich 5-6%), wie die Zahlen des isländischen Statistikamtes zeigen: http://www.statice.is/Pages/444?NewsID=8729
JA MAN KÖNNTE!
aber diesen “man” möchte ich gerne mal kennenlernen
nee, nee, die eliten haben andere pläne mit der welt, da stören frieden und wohlstand für alle nur :(
ein sehr sehr wichtiger Text, Danke dafür, eigentlich gehört er zu denen, die massenmedial bevorzugt verbreitet werden sollten, nähmen nur die Medien ihren aufklärerischen gesellschaftlichen Auftrag ernst. Er zeigt, dass es sehr wohl machbare Alternativen zur von partikulären Interessen geleiteten menschenfeindlichen Politik in der Eurozone gibt und stellt diese ins richtige Licht: Politik, die der Mehrzahl der eigenen Bevökerung Schaden zufügt und das mit Hilfe der kontrollierten Medien als alternativlos legitimiert, verschweigt bewusst die Alternativen, sie betrügt und bestiehlt die Bevölkerung und verübt damit ein Verbrechen. Wie soll man das sonst nennen?
Ergänzend zu den baltischen Staaten, auf die im Text kurz Bezug genommen wurde. Jeffrey Sommers und Michael Hudson haben kürzlich eine Kritik der massenmedialen Lobpreisung der baltischen Selbstkasteiung veröffentlicht. Während der Zeit, in der die lettische Regierung, diese ‘alternativlose’ Massenverarmung der eigenen Bevökerung vorantrieb, haben die Letten massenweise das Land verlassen: 200000 Menschen, in etwa 10% der Bevölkerung. Es gehört schon an besonderes Maß an perversem Zynismus, das als Erfolg darzustellen.
http://www.nakedcapitalism.com/2012/06/michael-hudsonjeffrey-sommers-latvia-the-austerians-potemkin-village.html
btw … habe ich was Schlimmes angestellt, dass ich jetzt dauernd in die Moderationsschleife komme?
Ja, das habe ich mich auch schon gefragt. Das einzige was mir einfällt war meine doch wohl eher noch harmlose Kritik am ersten Kapitel seines Buches. Das reicht offenbar schon.
Generell ist das ziemlich nervig und hemmt eine Diskussion erheblich. Denn bis mein Kommentar mal zu sehen ist und dann jemand antwortet bin ich schon längst wieder mit etwas anderem beschäftigt – und der Diskussionspartner natürlich auch. Zu schade…
Hm, ist mir auch schon einige Male passiert und zwar immer dann, wenn ich irgend etwas verlinkt habe, betrifft aber wiederum nicht alle Links.
hat sich geklärt, das lag an meiner Fingerunfertigkeit :-)
Wie kann man denn das durch Fingerfertigkeit verhindern?
hi Karsten
indem man bei der Eingabe der e-Mail Adresse seine Finger unter Kontrolle hat :-)
Ich muss meine e-Mail Adresse nicht jedesmal eingeben, die ist schon vorgegeben. Oder postest du etwa unter verschiedenen Nicks?
@Herr Karl
nein, ich habe sie einmal falsch angegeben und dann nicht mehr darauf geachtet.
Ach jetzt versteh’ ich, wahrscheinlich ist das so: Wenn ein bekannter Name mit einer anderen Mailadresse als beim ersten Mal angegeben wird, ist das zunächst suspekt und kommt in die Moderation. Ist ja eigentlich durchaus sinnvoll um manipulierende Störenfriede zu behindern.
Dann muss ich nur noch rauskriegen, welche Mailadresse ich beim ersten Mal verwendet habe…
Wie gerade im SF erörtert könnte dieses Problem andere Ursachen haben und hatte u.U. rein technische Gründe! Scheint sich aber auch Erledigt zu haben?
Naja,
hier steht dann eine kleine Berichtigung der schönen Story:
http://blogs.cfr.org/geographics/2012/07/02/postcrisis/
Wie würde Island jetzt aussehen, wenn sie nach deutschen Maßgaben in der Krise gespart, ihre Banken gerettet und damit den durch kriminelle Machenschaften ihrer Banker entstandenen Schaden auf die Bevölkerung umgelenkt hätten?
Der Inhalt des verlinkten Posts ist albern, denn die Autoren vergleichen Äpfel und Birnen. Es ist eine Binsenweisheit in der Ökonomie, dass entwickelte Länder wesentlich geringere Wachstumspotentiale haben als sich in der Entwicklung befindliche. Die Gründe hierfür liegen u.A. in höherer Grenzleistung von Kapitaleinsatz, Bildung (bzw Humankapital) usw.
2000, dem Startdatum des Charts, auf dem die Hauptargumentation beruht, hatte Island ein GDP/Kopf von etwa 27.000 US-Dollar, während Litauen auf knapp 8500$ kommt, Estland auf knapp 10.000$ und Lettland gar nur etwas über 7500$ liegt (die Zahlen sind hier: http://www.indexmundi.com/ zu finden und basieren auf IWF-Daten). Die Frage ist also eigentlich gar nicht, warum das Baltikum so hohe Wachstumszahlen hat – die haben alle Schwellenländer – sondern warum Island überhaupt mithalten konnte (Antwort ist wohl die Blase). Insofern ist es auch absolut nicht zielführend, nach dem langfristigen GDP-Wachstum zu fragen, sondern wenn man solche heterogenen Länder schon vergleichen will, muss man diese Heterogenität entweder in Rechnung stellen – das macht der CFR nicht – oder man muss Indikatoren wählen, die heterogenierobust sind. Da ist die Arbeitslosenquote, die Jens in seinem Artikel verwendet, besser geeignet, und ebenso auch Krugmans kurzfristige GDP-Betrachtungen. Arbeitslosigkeit reagiert ziemlich einheitlich auf Schocks (Umkehrung von Okun’s Law), und Krugman’s kurze Frist kann längerfristige Trends (also das Heterogenität stiftende Wachstumspotential) überdecken und somit die Auswirkungen von Krise und Krisenpolitik besser aufzeigen.
Ja, der Jens kommt langsam auf den Trichter dass man Banken ja doch nicht retten braucht. Ich sehe da schon mal eine Weiterentwicklung bei ihm. Er wird “österreichischer”. Gut so.
Was ich mich aber nun Frage ist, warum er noch kein Artikel über den ESM geschrieben hat? Ich vermute dass er sich da nicht rantraut….er müsste wohl vieler seiner ideologischen Vorurteile neu übedenken.
Tatsächlich erstaunt auch mich die vom Spiegelfechter hier vehement kritisierte EU-Bankenrettungspolitik (“Das Beispiel Island zeigt jedoch, dass das Mantra von den systemrelevanten Banken nicht haltbar ist. (…) Es zeigt vor allem auch, dass ein Staat, der nicht seine Banken, sondern seine Bürger rettet, alles richtig macht. Diese Lektion darf in Europa nicht ungehört bleiben.”), wie sie auch von Sinn lautstark kritisiert wird.
Es wird wohl eine abgrenzende Klarstellung zu den Positionen von Sinn&Co folgen müssen.
Euro-Banken sind im Gegensatz zu den Isländischen Banken nach den gegenwärtigen Bedingungen systemrelevant.
Island kann mit eigener Währung und eigener Zentralbank theoretisch unbegrenzt Geld schöpfen um mit Investitionen die Übersschuldung des Privatsektors in der Krise zu mildern und den Konsum wieder anzukurbeln.
Die maximale Verschuldungsmöglichkeit der Euro Staaten dagegen ist nach den Maastrichtkriterien begrenzt und damit auch die maximale Höhe der Einlagensicherung. Euro-Staaten müssen sich eben mit den neoliberalen deutschen Ideologen bei der EZB rumschlagen, wenn sie staatliche Investitionen über einen bestimmten Betrag hinaus tätigen wollen.
Es gibt keine “systemrelevante” Bank. Dieses adjektiv ist eine Erfindung des Finanzkartells.
Ja, und die Währung verliert mehr als 50% an wert. Wann begreifen Sie endlich dass die Mögklichkeit unbegrentz Geld zu schöpfen,
kein Segen sondern ein Fluch ist? Geldschöpfen heisst Kreditnahme und somit Schuldenwachstum.
Im übrigen geht mir das “Konsum wieder ankurbeln” Gerede schwer auf den Geist. Wie kann es den gesund sein den “Konsum ankurbeln” wenn man diesen Konsum durch Schulden finanziert?
LEKTION 1: Eine Wirtschaft kann nur durch PRODUDUKTION und SPAREN wachsen, nicht durch KONSUM und SCHULDEN. Versuchen Sie sich bitte reich zu konsumieren, Das funktioniert nicht.
Die pösse,pöösse “neoliberale” Ideologie. Nach Ihrer Lesart ist das also “böse” das man versucht eine Schuldengrenze zu ziehen. SIe wissen doch hoffendlich was ein Kredit ist. Das ist etwas das man auch wieder ZURÜCKZAHLEN muss.
Die Betonung liegt dabei auf eine Wirtschaft. Deutschland hat das genau so vorgemacht und sitzt nun auf jeder Menge Außenstände (weiter oben ist die Rede von 2*10^12€) die jetzt wie auch immer abgeschrieben oder wie auch kompensiert werden müssen. Ein wahrlich toller nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg wenn wir demnächst als letzter das Licht ausmachen dürfen! Ja, es könnte sogar dann noch Menschen geben die behaupten wir hätten nur nicht genug gespart um die Krise abzuwenden, und das hätte dann schon das Zeug für einen Lachnummer, wenn es nicht so traurig wäre.
“SIe wissen doch hoffendlich was ein Kredit ist. Das ist etwas das man auch wieder ZURÜCKZAHLEN muss.”
Sehr richtig, das war schon einer der Lehrsätze die Isaac Newton neben der Theorie des Lichts und der Gravitationstheorie aufgestellt hat. Sonst kömmet nämlich Inkasso Kiew und der MC Hammers of Hell und zerlegt dir die Bude.
Aber mal im Ernst, einerseits plädieren Sie dafür Banken pleite gehen zu lassen, andererseits M Ü S S E N Kredite selbstverständlich zurückgezahlt werden. Falls ich da etwas missverstehe, ich geb’s ja zu, in der österreichischen Theorie bin ich noch ziemlich unbeleckt und “unsichtbare Hände” machen mir irgendwie Angst ;-)
In diesem Sinne
Küss die Haand gnädger Herr, wie die Austerlitscher wohl zu sagen pflegen.
“LEKTION 1: Eine Wirtschaft kann nur durch PRODUDUKTION und SPAREN wachsen, nicht durch KONSUM und SCHULDEN. ”
Hm,wenn aber nur gespart und nicht mehr konsumiert wird ,wozu soll dann die Wirtschaft eigentlich produzieren?
Mir geht dieses Schulden-Bäh Gerede auf den Geist.Großbauprojekte werden heute über Kredite Finanziert.Ganze Branchen wären ruiniert,gäbe es nicht die Möglichkeit Schulden zu machen,ich nenne nur die Automobil-Branche.Entscheidend ist ,das die Schulden des einen immer die Einnahmen des anderen sind.Wenn z.B. der Staat einen Kredit aufnimmt,um ein Krankenhaus zu bauen,werden damit die am Bau beteiligten Firmen bezahlt,die damit wiederum ihr Personal bezahlen sowie Steuern und Abgaben bezahlen.Das Personal zahlt ebenfalls Steuern und konsumiert seinerseits,was wiederum anderen Unternehmen Einnahmen bringt ,die auch Steuern zahlen u.s.w..Letztendlich stehen dem Kredit dann eben auch Einnahmen entgegen,was die Schulden-Basher gern übersehen.Eine Volkswirtschaft ist nunmal komplexer als ein Privathaushalt,darum ist auch das merkelsche Gefasel von der schwäbischen Hausfrau so ein Blödsinn.Schulden gehören in einer Volkswirtschaft nunmal dazu.
Na, dann PRODUZIEREN Sie mal schön. Wenn keiner Ihre Prokukte kauft (=konsumiert), weil KONSUM bäh ist und außerdem alle schön SPAREN, dann ist das einzige Wachstum, das dabei rauskommt, das Wachstum Ihrer SCHULDEN. Denn irgendwelche Kosten werden beim Produzieren doch wohl anfallen (Material, Arbeitskosten, Lager…); das einzige, was man ohne solche Kosten produzieren kann, ist heiße Luft. Obwohl, streng genommen nicht mal das, da entstehen Heizkosten.
Der letzte Satz im FAZ Interview von 18.02.12 mit Sinn ist schlicht entlarvend:
Quelle
In meinen Augen werden Sinn und Konsorten instrumentalisiert als Bestandteil einer Doppelstrategie, die womöglich das Ziel verfolgt die deutsche Verantwortung an der Krise auf andere (z.B. Südeuropäer) ab zu wälzen, damit Mutti bei der Wahl in 2013 nicht zu schlecht aussieht.
Das m.E. perfide an der Sache ist, wenn man sich z.B. mal das Interview antut, dass Sinn – analog von der Methode her zu dem unsäglichen Sarrazin – immer mal wieder (für den Laien plausibel erscheinende) “Erkenntnisse” äußert, die evtl. partiell mit den Vorschlägen des Spiegelfechters verwechselt werden könnten.
Darum sehe auch ich hier Klarstellungsbedarf.
Island ist ein ganz schlechtes Beispiel. Dafür ist die Wirtschaft Islands viel zu winzig und zu sehr vom Weltmarkt abhängig. Wenn die Exporte derart an Wert gewinnen, weil man nur ein Exportprodukt hat und rein zufällig der Weltmarktpreis für dieses Produkt explodiert, während man sich in einer wirtschaftlichen Krise befindet, dann ist es auch nicht schwierig, aus dieser Krise wieder herauszukommen.
http://en.wikipedia.org/wiki/Economy_of_Iceland#Exports
So kann jeder reich werden. Saudi-Arabien ist auch reich. Dort liegt es auch nicht an der klugen Wirtschaftspolitik.
Sehr guter Artikel, aber wo bleibt der Protest gegen den ESM-Bankenpakt? Selbst H. W. Sinn kräuseln sich die Haare bei dem Gedanken, dass deutsche Steuergelder und Sparguthaben zur weiteren Rettung südeuropäischer Banken verbrannt werden, und natürlich den Linken. Jetzt sollen ja Zyperns Banken mit 25 Milliarden Euro gerettet werden. Das sind etwa 25.000 Euro pro Zyprioten und ich wette, denen geht es danach noch schlechter.
Mit Spaniens Banken kommen wir natürlich nicht so billig davon und was nützt das viele Geld, wenn es den Kreditnehmern dadurch nicht besser geht. Da gibt es nicht mal eine Privatinsolvenz und jeder Häuslebauer, der die Kredite nicht mehr bedienen kann, wird sein Leben lang nur noch für die Bank arbeiten oder sich das Leben nehmen. Auch wenn die Immobilie zwangsversteigert wird, ist der Schuldner die Schuld nicht los. Die Bank ist dafür gerettet, falls sie nicht die willkommenen ESM-Gelder in weitere Spekulationen investiert, was angesichts der Bankenaufsicht, die sich wohl aus Bilderbergern von Goldman-Sachs & Co, zusammenstellen wird, kein ernstes Hindernis sein wird. Wird ja auch alles geheim mit völliger Immunität und nicht mal die Merkel wird über Zahlungen des ESM informiert.
Ich habe angesichts des EU-Wahnsinns eine kleine VT im Hinterkopf. Wem nützt das ganze? Vor allem der USA! Die Schuldenweltmeister brauchen mehr Kapital und damit das ohne Kriegsandrohung freiwillig in die Häfen der Banken fließt, wird der Euro niedergemacht. Riesige Kapitalströme suchen jetzt das Glück in dieser Mogelwährung, die eigentlich dem Untergang geweiht ist. Die Immobilienpreise sind da auch immer noch viel höher, als sie sein sollten, damit das Kartenhaus nicht komplett zusammenbricht und nur, da der Euro durch die US-Ratingagenturen so in die Bredouille geraten ist, hat der US-Anleihenmarkt noch genug Käufer.
Und was machen die europäischen Regierungen? Sie machen alles, damit die USA dank des europäischen Fluchtkapitals gesund dasteht und die europäische Wirtschaft scheiße aussieht. Mit dem ESM wird das noch viel schlimmer werden und der scheint ja 1:1 aus den Federn der FED-Banken zu stammen:
Die PDV gehört zum QF-Dunstkreis um Elsässer und seinen JF-Kumpels. Also Ablage P.
Du hast es immer noch nicht begriffen. Zur Bewältigung der Krise geht es nicht mehr um rechts oder links. Sarah Wagenknecht hat sich heute H. W. Sinns Aufruf zum ESM-Protest quasi angeschlossen. Max Otte (CDU-Mitglied) hat gestern bei Anne Will zu allen Äußerungen von Dr. Dagmar Enkelmann (Die Linke) gesagt, “sie hat völlig recht” und wir erleben gerade, dass sich liberale Ökonomen und Linke in grundlegenden Fragen, vor allem Banken besser bankrott gehen zu lassen und die Länder mit real-wirtschaftlichen Stimulis zu beleben, absolut einig sind. Genau das, was in Island wohl passiert ist und genau das Gegenteil strebt der ESM an.
So schlimm der ESM wird, so einig sind sich gerade liberalste Ökonomen mit den Forderungen der Linken. Die können beide halt noch rechnen. 500 Milliarden+ für die Banken oder ein Bruchteil um die Folgen des Bankensterbens zu bewältigen.
Genau. Nur leider sind die in langen Jahren ideologischer Grabenkämpfe verbohren Rechthabenwoller beider Seiten nicht fähig, das zu erkennen und die nötigen Konsequenzen zu ziehen.
PS: Auch Günther Verheugen war gestern wieder so stark. Ich verstehe nicht, wie man die drei Stooges zu Kanzlerkanditaten auserkoren kann, wenn so ein großartiger Politiker mit echtem Durchblick den Job viel besser machen könnte. Nur dieser eklige Speichellecker von Gröhe hat sich getraut den Mann zu unterbrechen und wurde sofort von ihm diskreditiert. Der sollte Kanzler machen.
PPS: Falls der ESM durch das BVG bestätigt wird, womit wohl jeder rechnet, freue ich zumindest auf den Tag, wo H. W. Sinn öffentlich dazu aufruft, Die Linke zu wählen. Es wäre jedenfalls inkonsequent, wenn er das nicht macht. Er will ja den Bürgerprotest und Ökonomen neigen nicht dazu Massenproteste zu mobilisieren.
Es ist jedenfalls die einzige Partei, die in dem vielleicht wichtigsten Punkt in der Geschichte Deutschlands seit dem 2. Weltkrieg auf seiner Linie steht. Und ein starker Sozialstaat kommt immer wesentlich billiger als der noch bevorstehende Bankenbailout. Da muss man nur Zahlen addieren können.
PS: Heute hat die Postbank wieder dazu aufgerufen, jedem neuen Kunden, der seinen Gehaltscheck auch da abliefert, 100 Euro Startguthaben zu schenken.
Ähnliche Methoden versuchen auch die Strom-Unternehmen mit ihren Billigpreisen, aber wenn da die Unternehmen pleite gehen, ist man die Anzahlungen auch los plus Boni, während die Bundesregierung auf der Bankenseite die Einlagensicherung garantiert.
Auch hier wäre es besser angebracht, die Geköderten gehen leer aus, als das der Staat wieder einen Bailout für die Postbank arrangiert, damit die doch so dummen kleinen gierigen Anleger ja nicht im Minus landen.
Einlagensicherheit sollte nur für Banken gelten, die sich solide finanzieren, nicht für solche Eintagsfliegen. Einlagensicherheit muss dem Kunden auch was wert sein. 100 Euro geschenkt sollte dabei nicht rausspringen.
“Einlagensicherheit sollte nur für Banken gelten, die sich solide finanzieren, nicht für solche Eintagsfliegen. Einlagensicherheit muss dem Kunden auch was wert sein. 100 Euro geschenkt sollte dabei nicht rausspringen.”
Die Commerzbank lockt mit 50 Euro und kostenloser Kreditkarte und die Bundesregierung ist der Meinung:
“Solide Gehälter”
“Die bisherige Vergütungspraxis trug dazu bei, dass vor allem Banken zu hohe Risiken übernahmen – eine der wesentlichen Ursachen der weltweiten Finanzkrise.”
“Banken und Versicherungen sollen künftig die Vergütungen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter solide und nachhaltig gestalten.”
Die Haftung von Aufsichtsräten und Vorständen von börsennotierten Banken soll von 5 auf 10 Jahre erhöht werden denn die Meinung unserer Bundesregierung:
“Das führt unternehmerische Gewinnchancen, Verantwortung und Haftung wieder zusammen.”
http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Magazine/MagazinWirtschaftFinanzen/083/s2-krisenvorsorge-und-haftung-der-banken.html
Wie im SF Artikel zu lesen ist werden in Island die dort vorhandenen Gesetze auch angewendet, nennt sich ja auch Zivilisation und Gauner haben schlechte Karten, weshalb die vorhandenen Gesetze in Deutschland oder Europa keine Anwendung finden erschließt sich mir nicht? Kein Rubikon wurde überschritten, es wurden Gesetze missachtet und umgangen.
“Sie haben die EZB nach ihren ersten Staatsanleihekäufen im Mai 2010 scharf kritisiert mit den Worten, der Rubikon sei überschritten. Wo stehen wir jetzt, fast zwei Jahre später?
Schlesinger: Was die Staatsanleihekäufe betrifft, ist die EZB ja etwas zurückgerudert. Dafür allerdings betreibt die EZB nun Liquiditätspolitik in einem Ausmaß, für das es in Friedenszeiten keine historischen Erfahrungen gibt.”
Aus “EZB-Geldflut erinnert an die Kriegsfinanzierung” in wxw.welt-online.de
Zu der Frage, ob die PDV eine „rechte“ Partei ist.
Der Spiegelfechter-Blog war in dieser Frage schon mal weiter; am 11.03.08 schrieb Herr Berger unter der Überschrift “Gesäßgeographie”:
Dem kann ich wenig hinzufügen.
Denn ein “Linker” wird das Wahre, Schöne und Gute immer als Ziel “linker” Politik betrachten und bezeichnen; und ein “Rechter” das Wahre, Schöne und Gute immer als Ziel “rechter” Politik. Und beide Seiten werden meinen, sie hätten fundamental etwas ausgesagt.
Es ist aber an der Zeit, zu erkennen, dass es nicht das Gegensatzpaar „rechts“-„links“ ist, das hilft, einen vernünftigen Maßstab an die Parteien, die Politiker und die Politik generell anzulegen, sondern das Gegensatzpaar „freiheitlich/liberal“-„autoritär/etatistisch“. Die PDV befindet sich – meiner Meinung nach – übrigens weit im „freiheitlich/liberalen“ Bereich… ;-)
Laut ARD-Deutschlandtrend ist Kanzlerin Merkel beim Volk beliebt wie nie und eine Mehrheit könnte sich sogar eine deutsche Haftung für die europäischen Schulden vorstellen:
http://www.tagesschau.de/inland/deutschlandtrend1550.html
Zitat:
“Mehrheit kann sich gemeinsame Haftung für Schulden vorstellen
Und trotzdem gibt es immer noch ein verbreitetes Grundgefühl europäischer Solidarität. Oft haben wir in den letzten Jahren danach gefragt, ob die Bundesrepublik in dieser oder jenen Lage, in diesem oder jenen Land helfen sollte, und immer wieder hat die Bereitschaft einer starken Minderheit überrascht, mit deutschen Steuermitteln anderen unter die Arme zu greifen. Diesmal haben wir nach der gemeinsamen Haftung für die Schulden in Europa gefragt, für die in der Debatte die sogenannten “Eurobonds” als Symbol stehen.
Mit 45 Prozent lehnt nur eine Minderheit die gemeinsame Haftung für die Schulden aller europäischen Länder grundsätzlich ab. Die Mehrheit (54 Prozent) kann sich diesen Schritt vorstellen. Ein kleiner Teil dieser Gruppe (10 Prozent der Befragten) wäre sogar in jedem Fall für eine gemeinsame Haftung. Der größere Teil (44 Prozent der Befragten) will die gemeinsame Haftung dann akzeptieren, wenn es klare Regeln dafür gibt.”
Zitatende.
Kommentar sinnlos und das unabhängig davon, ob Deutschland nun komplett verblödet ist oder die mediale Gehirnwäsche gefruchtet hat.
Nun, wer zahlen will soll zahlen.
Danke für die Frage, ich wusste das sie kommt. Manche Nicht-Ökonomen, Keynsianer und die sonstigen Ahnungslosen sehen die Frage “Produktion oder Konsumption” ähnlich wie die Frage was zuerst da war, das Huhn oder das Ei. Dem ist aber nicht so. Die Frage ist nämlich ganz Eindeutig.
Bevor etwas nachgefragt werden und somit bezahlt werden kann, muss etwas produziert werden. Wenn jemand Nichts produziert, kann er auch Nichts nachfragen, er hat ja Nichts zum Tauschen.
Besispiel: Ein Tischler möchte gerne Milch haben. Er produziert zuerst einen Tisch, verkauft ihn und mit dem Erlös kann er erst beim Milchbauer Milch kaufen. Da es bei einem Kaufakt üblicherweis nichts umsonst geben kann (man muss nämlich seinen Tauschpartner für sein Produkt bezahlen) muss man erst sein eigenes Tauschmittel produzieren. Ohne Tauschmittel wird kein Tausch stattfinden. Wer also produziert kann auch etwas nachfragen. Somit ist die Produktion der Grundstein des Wirtschaftswachstums und nicht der Konsum. Den erst durch die Produktion von Tauschmittel, also durch die Herstellung von Waren und Dienstleistungen kann erst ein Kapitalstock aufgebaut werden, der dann auch verkonsumiert werden kann.
Aus Einseitig, marktgläubig und neoliberal
Das ist also deine Antwort auf eine konkrete Antwort von mir, Du schickst mir einen Beitrag aus einer Erich Mielke Schmiede. Was jetzt an meiner obigen Ausführung objektiv falsch ist kannst Du mir wahrscheinlich nicht sagen.
Es ist nun mal Realität auch wenn es deiner linke Seele wehtut: Wenn man alleine auf einer Insel ist, muss man erst den Fisch fangen oder das Wild erlegen bevor ich es verkonsumieren kann.
Wenn auf der Insel zwei Menschen leben, der eine sorgt für Fleisch, der ander zB für Früchte, dann kann der, der Früchte produzieren und Fisch haben will, den Fisch nur bekommen wenn er Früchte zum Tausch bietet.
Produktion kommt vor Konsumption. Dieses elementare und zugleich triviale Zusammenhang ist ein Naturgesetz. “There is no free lunch”
Trotzdem danke für den Link
Das ist nicht richtig, und du widerlegst dich mit deinem eigenen Beispiel selbst. Warum produziert denn der Tischler den Tisch? Nicht um der Produktion selbst willen, sondern weil er eine Nachfrage nach anderen Gütern hat, und um diese zu befriedigen Einkommen benötigt, dass er durch den Verkauf des Tisches erzielt. Die Reihenfolge ist nicht, wie du unterstellst
Tischproduktion/-verkauf –> Einkommen –> Nachfrage nach z.B. Nahrung –> Kauf –> Zugewinn an Wohlstand
sondern
Nachfrage nach z.B. Nahrung –> Nachfrage nach Einkommen –> Produktion/Verkauf des Tisches –> Befriedigung der Nachfrage –> Zugewinn an Wohlstand.
Das geht im übrigen aus der grundlegenden Axiomatik der neoklassischen Mikroökonomie hervor. Was bestimmt denn dort das individuelle Handeln? Die Präferenzen. Was sind Präferenzen, kombiniert mit der Budgetbeschränkung? Nachfrage. Warum versuchen Individuen, ihr Einkommen zu vergrößern (=Tische herzustellen)? Um die Budgetgerade nach außen zu verschieben, um so ihre Nachfrage erhöhen zu können.
Natürlich wird der Reichtum am Ende immer von der Produktion eines Landes bestimmt und nicht davon, wie viel verbraucht wird. Das ist aber nicht die Frage. Die Frage ist, wovon die Produktionsmenge, und damit der Wohlstand, abhängt, und das ist auch (!) die effektive Nachfrage. Einfach die Produktion zu erhöhen bringt gar nichts. Die effektive Nachfrage muss mitspielen. Sie ist nicht die einzige Exogene, keine Frage, und ihr Gewicht ist auch nicht immer bedeutend. Aber sie völlig zu ignorieren ist Extremismus und führt in die Irre. Man muss stets Angebot UND Nachfrage berücksichtigen.
Auch die Aussage, dass Schulden Wohlstand niemals (!) erhöhen könnten, ist in der verwendeten Allgemeinheit falsch. Ein Schuldverhältnis ist die Umverteilung von Kapital in der Gegenwart, bezahlt mit Rückverteilung des Kapitals (plus Zins) in der Zukunft. Mit diesem Mechanismus ist es wunderbar möglich, Kapital dorthin zu transferieren, wo es höhere Erträge erwirtschaftet. Mein Geld bringt niemandem was, wenn ich es unter dem Kopfkissen horte, wenn ich damit hingegen jemanden produktives finanziere (konkret habe ich einem Freund, der ein Unternehmen eröffnet hat, bei der Finanzierung geholfen) hingegen schon. Mir nämlich Zinseinkünfte, meinem Freund Unternehmensgewinne und seinen Kunden Befriedigung ihrer Nachfrage.
Das heißt freilich nicht, dass alle Schulden gut sind, und das würde wohl auch niemand behaupten. Wir müssen das hier nicht erörtern, das ist wohl jedem klar. Aber auch hier ist diese Extrempositionen, nach der Schulden niemals Wohlstand schaffen würden, einfach verkehrt.
Damit hast Du mich ja bestätigt. Du musst etwas erzeugen um deine grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen. Ob man ein Tisch oder ein Stuhl oder was auch immer pruduziert, ist doch vollkommen EGAL. Wenn jemand etwas tauschen will, muss er etwas zum Tauschen haben. Er wird dann etwas marktgänges Z U E R ST produzieren müssen.
Ein sehr technisch formulierter Absatz. ABer was willst Du mir damit sagen? Also ich arbeite und versuch soviel wie möglich zu verdienen um ein möglichst hohen LEBENSSTANDART zu haben. Niemand arbeitet um der Arbeit wegen. Man arbeitest um sich etwas leisten zu können! Und je mehr “Tauschmasse” man hat, desto besser, nicht wahr? ;)
Was willst Du mir damit sagen? Natürlich kannst Du nur das produzieren was auch Nachgefragt wird, also jemanden einen Nutzen stiftet. Das ist doch eine Binsenweisheit.
Natürlich ist ein Kredit immer dann wohlstandfördernd, wenn am Ende was rausspringt. Wenn ich eine Investition mache die ich durch Kredit finanziere, dann sollte schon ein positiver cashflow hoffentlich rauskommen. Nur, was hat Griechland zB mit seinen Krediten gemacht? Panzer gekauft, denn öffentlichen Dienst aufgebläht. Wenn ein Land 4% des BIPs Kredit aufnimmt aber nur 1% Wachstum hat, ist das auf lange Sicht der sicherer Bankrott.
Nein das tue ich nicht, du hast nur meine Aussage nicht verstanden. Wohlstand entsteht nicht nur, weil der Tischler etwas produziert, sondern auch, weil er mit seinem Einkommen bei jemand anderem, zum Beispiel seinem Bäcker, erzeugt, indem er dort kauft. Das heißt, es wird in zwei Tauschvorgängen Wohlstand erschaffen, und zwar für drei Parteien:
– Erstens, wenn er den Tisch zimmert und verkauft entsteht dem Tischler selbst (es sei denn der Preis deckt die Herstellungskosten nicht), sowie dem Käufer des Tisches Wohlstand (der wollte den Tisch haben, und war bereit ihn zu kaufen, musste also eine Zahlungsbereitschaft haben, die mindestens dem Preis des Tisches entsprach. Wenn sie höher war, als der Tisch tatsächlich gekostet hat, hat er aus seinen Augen ein gutes Geschäft gemacht, also mehr Wohlstand erlangt. Man nennt das “Konsumentenrente”. Einfach mal googlen, wenn das jetzt schwer verständlich war).
– Zweitens wenn der Tischler beim Bäcker einkauft. Dann entsteht ihm wiederum Wohlstand (eben wieder Konsumentenrente, dieses mal für ihn), und beim Bäcker, wenn der seine Brötchen teurer verkauft kriegt als ihre Herstellungskosten waren.
Du beschränkst dich in deiner Argumentation ausschließlich auf den Tausch 1 als Wohlstandsgewinn. Für dich ist nur wichtig, dass da jetzt ein Tisch hergestellt wurde, und dieser Tisch ist jetzt als zusätzlicher Wohlstand entstanden. Was du nicht siehst ist der Wohlstandsgewinn in der zweiten Transaktion, dass durch den Tischverkauf auch als Folge nun mehr Brötchen verkauft wurden. Deswegen verstehst du auch nicht, dass man eben NICHT unbedingt etwas marktgängiges produzieren muss, um Wohlstand zu generieren. Es reicht, Einkommen zu haben (deswegen hatte ich im ersten Post auch den Punkt “Nachfrage nach Einkommen” hinzugefügt, über den du dir scheinbar keine großen Gedanken gemacht hast), um zumindest die zweite Wohlstandsmöglichkeit zu erschaffen. Für diese zweite Transaktion ist es völlig egal, woher das Geld kommt – Eigenproduktion, Sozialtransfer, Erbschaft, Diebstahl, whatever -, sie erzeugt immer ebenfalls Wohlstand.
Deswegen ist es eben durch Umverteilung auch möglich, mehr Wohlstand zu erzeugen (ich schreibe “möglich”. Ich sage NICHT dass das automatisch passiert). Wenn du von irgendwem Geld, der damit nichts produktives anfängt (sondern es z.B. im Finanzkasino verzockt), wegnimmst, und es jemandem gibst, der es verkonsumiert, schaffst du Wohlstand, denn dieser Konsum stimuliert eben die Produktion der Güter, die er nun verstärkt nachfragt. Deswegen kann jemand, der nichts auf dem Markt umgesetzt hat (also z.B. ein Arbeitsloser) trotzdem den Gesamtwohlstand erhöhen. Es ist nicht von Nöten, dass er zuvor etwas produziert hat.
Es ist wohlfahrtstechnisch natürlich optimal, wenn wir beide Stufen der Wohlstandserzeugung haben. Und ebenso ist es trivial, dass eine Wirtschaft, die NUR auf dem von mir skizierten Prinzip beruht, nicht sonderlich erfolgreich sein wird. Darum geht es aber auch gar nicht. Vielmehr ist das eine Möglichkeit zur Wohlstandsgenerierung, wenn viele Menschen das Problem haben, nichts am Markt umzusetzen, sprich arbeitslos sind, und wir also in einer Krise stecken, und keine für normale Zeiten. In Krisen muss irgendjemand dieses produktionslose Einkommen erzeugen, denn wir haben zu wenige Menschen, die noch Einkommen durch ihre Produktion erzielen. Und das kann als einzige Einheit des Wirtschaftsystems der Staat, denn der ist als einziger in der Lage, ausreichend Kredit aufzunehmen, um dann über Transfers (“Konjunkturprogramme” genannt) die zweite Wohlstandsquelle so lange anzuzapfen, bis auch die erste Quelle wieder ausreichend sprudelt.
Ja, das war jetzt Keynes (brutal vereinfacht). Ich hatte den Eindruck, dass du seine Argumentation nicht verstanden hast, deswegen habe ich ihn einmal in Kurzform durchexerziert.
Ich hatte den Eindruck, du wärst Ökonom, deswegen habe ich meine Argumentation von vorher in die Begriffe übersetzt, die man in der Mikro A-Vorlesung in den ersten drei oder vier Kapiteln lernt. Du bist aber keiner, also vergiss den Abschnitt einfach. Es steht nichts neues drin, außer dass nicht nur Keynesianer die Nachfrage vor die Produktion setzen.
Ich will dir damit sagen, warum man in bestimmten Situationen den Konsum ankurbeln muss, wenn man eine erhöhte Produktion haben will, was dir ja nicht passt.
Du hattest gesagt, dass Schulden nicht zu Wirtschaftswachstum führen. Als Gesetz sozusagen. Und ich wollte dich darauf hinweisen dass diese Aussage so in dieser Form unsauber ist und nicht stimmt, sondern nur, wenn man mit den Schulden unproduktiven Bullshit finanziert. Es war der Versuch, dich darauf hinzuweisen, dass du an dieser Stelle unsauber argumentiert hast. Nichts weiter. Eigentlich dachte ich, das mit den Formulierungen “ist in der verwendeten Allgemeinheit” und “Extremposition” klar gemacht. Deswegen verstehe ich auch nicht ,warum du jetzt mit Griechenland kommst. Darum gehts mir doch gar nicht.
@Sergio
Ja durchaus! Mein Zitat aus Nabers Arbeit ist keine objektive Antwort auf deine Frage, die es meiner Meinung nach in der VWL als (wie böse Zungen behaupten) “Pseudowissenschaft” auch so nicht geben kann, sondern nur ein gegenüberstellen von verscheiden Denkmodellen/ Schulen.
Ich maße mir deshalb auch nicht an, die Kritik von Geert Naber am Neoliberalismus als objektiv richtig zu beurteilen, wobei m.E. die Fakten für sich sprechen denn selbiger ist spätestens(!) seit 2008 grandios gescheitert.
Das iböb. als “Stasi” Schmiede zu bezeichnen ist schon ein sehr dicker Hund und disqualifiziert dich, bitte überdenke und korrigiere deine Aussage wenn du ernst genommen werden möchtest.
“Neoliberalismus”….was ist das? Das ist doch nur ein Kampfbegriff geworden. Was ist den deiner Meinung gescheitert wo “Neoliberal” schuld war?
Gut, dass mit Erich Mielke was wohl zu polemisch. Habe mir die Seite mal angeschaut. Also wenn man etwas über Ökonomie verstehen möchte ist diese Seite sicher nicht zwechdienlich, da mir zuviel “philosophiert” wird, oft sehr unscharf und zumeist zwischen den Stühlen sitzend.
@Sergio
Vielen Dank für die Bestätigung.”Er produziert zuerst einen Tisch, verkauft ihn und mit dem Erlös kann er erst beim Milchbauer Milch kaufen.” d.h.er produziert den Tisch aus dem Grund ,ihn zu verkaufen.Und das setzt was voraus? Eine Nachfrage,jemanden ,der den ihn kaufen will.Wenn es niemanden gibt ,der den Tisch kaufen will,macht es auch keinen Sinn ihn zu produzieren,zumal ,wie foristin Karla weiter oben völlig richtig bemerkt,die Produktion dem Tischler auch Kosten verursacht für Material ,Werkzeug ,etc..Nebenbei gesagt bedeutet das wiederum die Nachfrage des Tischlers beim Holzhändler und beim Werkzeughersteller ,die auch nur wegen dieser Nachfrage produzieren.Waren werden produziert,um eine Nachfrage zu befriedigen,so wie der Tischler eben den Tisch produziert,um eine Nachfrage zu befriedigen und so Geld zu verdienen und nach Abzug der eigen Kosten einen Gewinn übrig zu haben von dem er dann zum Beispiel die Milch bezahlen kann.Aber die Vorraussetzung ist ,das jemand da ist,der den Tisch kauft.
Ob er ein Tisch oder ein Stuhl oder ein Zünder für eine Bombe produziert ist vollkommen egal. Er muss natürlich etwas produzieren was er auch los wird. Das ist doch trivial.
Der springende Punkt ist doch, dass er seinen Tauschpartner B E Z AH L E N muss…er gibt nichts U M S O N S T.
Er produziert also den Tisch um Nachfrage zu befriedigen.Seine nach der Milch und die des Kunden nach dem Tisch.Und der Milchbauer produziert seine Milch doch auch nur um die Nachfrage des Tischlers und sonstiger Konsumenten zu befriedigen.Man kann es also drehen und wenden wie man will:Produktion setzt eine Nachfrage voraus.Im übrigen schließe ich mich Ganduin 07.Juli,3:17 Uhr an.
Ich glaube ihr macht beide einen Denkfehler, wenn ihr ein Bedürfnis gegen das andere in seiner (zeitlichen) Wichtigkeit ausspielen wollt.
Beide Bedürfnisse, Nachfrage und Angebot, bestehen meines Erachtens gleichzeitig. Am Anfang wollten nämlich beide Parteien etwas zu essen. Der eine hatte vielleicht Äpfel, der andere Eier. Die Spezialisierung zu Handwerkern kam später, am Anfang waren alle Bauern oder Jäger.
Also wir sind uns doch hoffentlich einig, dass wenn man ein Kredit nehmen will diesen auch zurückbezahlen soll. Sonst würde man ja es nicht verleihen. Wenn ich jemanden Geld leihe, dann will ich es ja auch zurückhaben.
Wenn aber eine Bank, jemandem Geld leiht, dann immer auf das E I G E N E Risiko. Wenn es nämlich dazu kommt dass die Banken ihre Ausleihungen nicht mehr zurückbekommt dann ist die Bank bankrott. Dann wird abgewickelt. Jetzt aber sollen andere dafür gradestehen. Das hat nichts mit Marktwirtschaft zu tun
…
Ich bin immer noch baff darüber, dass Berger endlich wieder zum Kern des Problems kommt, sprich die Forderungen der Banken. Wenn er jetzt noch seine Befürwortung des ESM und anderer Haftungsprogramme (und seine Position zur Target2-Salden) fallen lässt, dann sehe ich sogar noch Hoffnung für Ihn im ökonomischen Himmel.
Die Frage, die mit man jetzt sich beschäftigen sollte, ist wie hoch die Verluste des deutschen Finanzmarkts bei einer realistischen Abschreibung sein werden. Es gibt aus meiner Sicht keine Möglichkeit für Deutschland seine Banken bei einem Totalcrash zu retten und deutsche Staat wäre auch bankrott.
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/euro-krise-wie-viel-geld-deutscher-banken-steckt-in-spanien/6737382.html
Und mit etwas Nachdenken kommt man jetzt auch zur der Position der deutschen Bundesregierung.
@Sergio:
Du bist kein Ökonom.
@T-Fighter
Zur Position der Bundesregierung kommt man durch Nachdenken eher nicht.
Opportunismus, Dummheit und Faulheit führen zu dieser Position. Es ist der Weg des geringsten Widerstands.
Wenn man nachdenkt, dann kommt man zur Position der US-Amerikaner. Also kurzfristige (bis mittelfristige) Staatsfinanzierung über die Zentralbank bei gleichzeitigem Versuch die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Das wäre der marktwirtschaftlich sinnvolle Weg (womit natürlich lediglich Symptome bekämpft werden, da die Marktwirtschaft selbst das Problem darstellt).
Um den amerikanischen Weg weiterzuzeichnen: Nachdem man die Erpressung durch die Finanzakteure ausgehebelt hat (indem man die Staatsfinanzierung von den Finanzmärkten entkoppelt hat und dadurch die Zinslast abgesenkt worden ist), muß man sich an die Neuordnung der Geldmarkts machen. Ziel wäre eine weitere Entkopplung der Abhängigkeiten unter den Banken.
Parallel dazu könnte man das Investmentbanking (wie schon mal in den USA geschehen) wieder vom restlichen Banking abtrennen (und das alles zwangsweise per Gesetz). Die Investmentbanken würde man dann pleite gehen lassen, wenn die sich verzockt haben.
Der Staat darf sich nicht mehr an der “Sozialisierung der Verluste” beteiligen.
Eine Bürgermitbestimmung schlägt R_Winter vor.
“Parallel dazu könnte man das Investmentbanking (wie schon mal in den USA geschehen) wieder vom restlichen Banking abtrennen (und das alles zwangsweise per Gesetz). Die Investmentbanken würde man dann pleite gehen lassen, wenn die sich verzockt haben.”
Das gesamte System ist auf die Geschäftspraktiken der Bank und Finanzindustrie angelegt weil Stück für Stück der Markt von den gleichen Leuten mit Gesetzen und Verordnungen bestückt wurde, die für oder innerhalb der Finanzindustrie beschäftigt sind.
“Der Staat darf sich nicht mehr an der “Sozialisierung der Verluste” beteiligen.”
Frau Merkel wird evt diese Worte wählen wenn die Bürger abstimmen sollen? Die Bedenken dabei die ich auch hab wenn Michel abstimmt, sind Enorm!
Die USA haben kein Moral Hazard Problem. Da liegt der Unterschied zwischen GB/USA/Japan und der Eurozone. Dieses ganze Fabulieren um Inflation, Staatsfinanzierung etc. ist doch Quatsch von der Regierung. Die BuBa hätte bei einer Krise die Druckerpresse ohne zu Zucken angeschmissen. Wer in die Geschichte der BuBa guckt, musst sich fragen, warum die anderen Staaten dämlich genug sind, um Deutschland diese Ausrede abzukaufen.
“Opportunismus, Dummheit und Faulheit führen zu dieser Position. Es ist der Weg des geringsten Widerstands.”
So würde ich es auch sagen. Aber wer hätte schon die Eier die Wahrheit zu sagen?
@Mod
Die Ausfälle sind höher als die 260 Milliarden Euro. Die spanischen Immoblienkredite müssten auf mindestens 40% vermutlich noch tiefer abgeschrieben werden. Da kommen locker eine halbe Billion und mehr zusammen. Die 100 Millarden, die bald Richtung Spanien fließen, sind weg. Spanien alleine ist in der Lage Deutschland in den bankrott zu drücken. Diese Summen kann nur die EZB tragen, womit wir aber wieder bei Moral Hazard wären – und nein es gibt bisher keinen Mechanismus, um so etwas zu verhindern.
Wäre das nicht so unglaublich traurig, dann wäre das echt zum Lachen. Haha.. Schnäuble wird uns mit seinen Europa-Fantasien noch ins Verderben führen. :(
“Wenn er jetzt noch seine Befürwortung des ESM und anderer Haftungsprogramme (und seine Position zur Target2-Salden) fallen lässt, dann sehe ich sogar noch Hoffnung für Ihn im ökonomischen Himmel.”
und aus dem Link geht hervor das:
“Ohne die Absicherung durch den Rettungsschirm hätte es für die deutschen Gläubiger bald sehr teuer werden können.”
Meine Meinung dazu ist die selbe geblieben, wenn keine Strafverfahren in Gang gebracht werden um Bilanzfälschung, Konkursverschleppung, Kreditbetrug und Steuerhinterziehung aufzudecken um den Sumpf effektiv und auf Dauer trocken zu legen, wird es auch nicht gelingen wenn neue Gesetze und Verordnungen aufgestellt werden, alter Wein in neuen Schläuchen, der Bürger wird betrogen was das Zeug hält und die Krönung wäre eine Abstimmung darüber ob die Regierung weiterhin gegen Gesetz und Verfassung den Untergang Europas betreiben darf, damit würde sie die Absolution erteilt bekommen und nichts würde die Handelnden mehr erfreuen.
463 000 000 000 Euro hoch ist das Kreditvolumen deutscher Banken an Forderungen gegenüber FRA, NED, Spanien und Italien
86 000 000 000 Euro sind die Forderungen deutscher Banken an GR und 311 Milliarden sind die gesamten Schulden der Griechen an Europa. Wenn aus dem Artikel hervorgeht das die Schulden der Spanier auch 260 Milliarden Euro hoch sein könnten, dann frage ich mich weshalb da keine genauen Zahlen vorliegen? Wenn ich meinem Steuerberater erkläre das ich keine Ahnung hab wie hoch die Schulden sind und wo die Einnahmen geblieben sind, empfiehlt er eine Selbstanzeige, wenn ich dem Finanzamt das erzähle bekomme ich mit viel Glück evt. 1 Woche Frist, dann werde ich abgeholt und zu Hause bleibt kein Stein auf dem anderen.
“»Wenn Griechenland fällt, dann alleine«, deklarierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) Mitte Mai.” schreibt die junge welt in “Am Rande des Desasters” wenn die FAZ dann noch lügt das ein Dominoeffekt unglaubwürdig sei und von Schutztruppen fabuliert die zur Stabilisierung ganzer Staaten eingesetzt werden können, befinden wir uns und das ist meine Meinung, wieder im Krieg!
Uhh, ich sollte die Kommasetzung und vollständige Sätze üben..
Um den Wahnsinn, mit seinen extremen Folgen, der Finanzprodukte ohne echten, wirtschaftlichen Gegenwert zu stoppen, muss sofort eine Finanz-Transaktionssteuer eingeführt werden. Diese Steuer sollte abgestuft sein (ähnlich der MWSt) und zwischen 1% und 10% betragen und ausschließlich im Sozial und Bildungsbereich Verwendung finden.
Direkte und indirekte Vertreter der Finanzindustrie sollten mit einem Hausverbot für alle Ministerien und regierungsnahe Institutionen belegt werden. Boni in der Finanzindustrie sollten mit einem Steuersatz von 95% abgeschöpft werden. Diese drei Bereiche würden Finanzprodukte ohne jeden wirtschaftlichen Gegenwert auf den Stand von 1990 reduzieren – mehr nicht.
übrigens hat der Fall Island auch dem IWF zu Denken gegeben, seine bisherige Strategie umzustellen … http://www.heise.de/tp/artikel/36/36305/1.html … eine Bekannte hat mir von Verhandlungen zwischen IWF, EU und Griechenland erzählt, also hinter den Türen, in denen wohl der IWF eher guter, die EU böser Bulle war … nur mal soviel.
Ansonsten, Island. Eine bewundernswerte Entwicklung, und ein Zeichen, dass man mal über den ökonomischen Tellerrand hinausschauen sollte.
Allerdings, ein paar relativierende Anmerkungen:
- Islands Banken haben weltweit, insbesondere in GB, NL und Dtl, Schulden gesammelt und damit die Isländer zu den reichsten Menschen der Welt gemacht. Als die Banken zusammengebrochen sind Island sich geweigert hatte, deren Schulden zu bezahlen, bedeutet das faktisch auch: Die Isländer haben sich in anderen Ländern Geld gezogen und zaheln nicht zurück. Bei einer relativ kleinen Volkswirtschaft wie Island kann das Europa hinnehmen, passiert dasselbe in einer 10-Millionen-Gesellschaft, sieht die Sache schon etwas anders aus.
- Hat glaub ich schon jemand erwähnt: Island hat dank Geothermie quasi Energie zum Nulltarif. Das ist ein klarer volkswirtschaftlicher Vorteil
- Island hat, dank seiner abgeschiedenen Lage, kein Militär
- Island hat eine exzellent ausgebildete Bevölkerung
- Island hat ein paar der besten Fischgründe der Welt
- und natürlich eine sehr kleine Bevölkerung
- Island war vor dem Crash eines der reichsten Länder dieser Welt
- Island hat keinen Euro, konnte also schon mal einen Teil der Probleme durch Abwertung der Krone abfedern
- Island hatte soviel Korruption – kleines-Gesellschaft-Syndrom – dass den Isländern 2008 einfach der Kragen geplatzt ist. Daher die Prozesse gegen die Bankster, daher der rasante Linskruck nach der Bankenpleite
- Island ist eng verbunden mit den skandinavischen Staaten, die ja auch verdammt reich sind. Die haben, als Island Kredite brauchte, einen relativ großen Teil zu freundlichen Konditionen gestemmt
-Island ist zwar von Importen abhängig, aber hat dank der geostrategischen Lage handfeste Anreize, möglichst viel selbst zu produzieren
Und und und … Es gibt unzählige Punkte, in denen Island eine absolute Sonderrolle einnimmt. Das bedeutet aber nicht, dass man, gerade was die Bankenpleite und die Steigerung von Sozialleistungen in der Krise betrifft, nicht darüber nachdenken sollte, was das strategisch bedeutet.
Grüße
Die ZEIT preist Irland als leuchtendes Vorbild und Beleg für die Richtigkeit von Merkels Politik.
Von Island kein Wort. Unfähigkeit oder Absicht?
Das ist natürlich Absicht. Wenn man die Vermögen der Reichen erhalten will, dann muß man die faulen Aktiva sozialisieren. Und das geht realistischerweise nur indem man die Normalos ausplündert. Das ist zusammengefasst die Politik der Oberschicht. Dieser läuft Merkel hinterher.
Eine 180°-Wende gibt es erst dann, wenn sich die Machtverhältnisse oder die öffentliche Meinung ändert.
Diese Frau ist einfach nur ein erbärmlicher Schmarotzer der um jeden Preis im Amt bleiben will. Substantielle Politik spielt für solche Leute keine Rolle. Da geht es nur um die Karriere. Die Marktwirtschaft lässt grüßen.
Absichtlich und Manipulativ, sonst stünden wir mit diesem Mist nicht da wo wir jetzt sind. Unfähigkeit gesellt sich aber dazu angesichts der immer schlechter werdenden Ausbildung, das führt dann meistens über Krieg ins Verderben mit anschließenden Wiederaufbau.
Schöner Artikel, Danke!
Zwecks Anreicherung der Diskussion hier der Hinweis auf einen Artikel von Bill Mitchell vom 12.3.2012, zwar in Englisch, aber ich für mich finde, der gute Mann aus Australien hat ja oft schlaue Ansichten…
A tale of two economies – Greece and Iceland
Er ist ein Vertreter der Modern Monetary Theory (MMT), die auf mich persönlich ja als ein ziemlich schlüssiges Konzept wirkt. Darüber werden viele Leute bestimmt gerne streiten wollen, und ich bin auch kein VWLer und bezüglich des Mitchell-Artikel habe ich mir bis heute keine schlüssige Meinung darüber bilden können, ob z.B. ein Euro-Austritt Griechenlands sinnvoll sein kann oder nicht,…, aber ich finde die Gegenüberstellung von Island vs Griechenland im Artikel sehr anschaulich, warum (und wie) aus Sicht der MMT die Island-Lösung funktioniert hat…und diese MMT-Sichtweise, die eigentlich gar nicht weit weg von der Spiegelfechter-Analyse ist (glaube ich ;-) ), lohnt sich zu lesen.
Viel Spaß beim Lesen!
P.S. Sorry für den Schachtelsatz!
P.P.S. Mitchell stellt momentan übrigens jeden Freitag einen neuen Abschnitt eines gerade in Entstehung begriffenen MMT-Lehrbuchs in erster Rohfassung ins Netz, da kann man also gerader in guter Verständlichkeit diese makroökonomische Perspektive kennen lernen…!
MMT Textbook
rosi?
Ich habe mir jetzt mal die längeren Vorträge von Flassbeck und Sinn auf Youtube angehört zum Thema Eurokrise (neben Hankel und einigen anderen), aber die von H. W. Sinn ist mit Abstand am lehrreichsten, im Hinblick auf den ESM und EFSM als Bad-Bank der Eurozone und die Verluste der Steuerzahler bei einer Sozialisierung der europäischen Schulden, die ja gerade im vollen Gange ist.
Über die Ursache sagt Sinn im Prinzip das gleiche wie Flassbeck (und gibt damit wohl auch indirekt zu, dass er früher einmal falsch lag), nur ist er weitaus detaillierter und seziert die Krise anhand von bilanzierte Geldströmen, während Flassbeck seine Theorien nur auf ein, zwei schwammige Statistiken aufbaut. Flassbecks Lösungsvorschläge – eigentlich ist es ja nur einer: ein regelmäßig tiefer Schluck aus der deutschen Lohnpulle und dann 20 Jahre lang mehr importieren – sind dann auch ziemlich dünn und unrealistisch.
Sinns Alternative zur Schuldenunion machen auch Sinn. Einfach mal schauen, wie die US-Bundesstaaten so ihre finanziellen Ungleichgewichte ausbalancieren. Die machen das schon was länger.
Die Lösung des Problems könnte allerdings auch eine Mischung aus Flassbeck und Sinn sein. Wenn die Forderungen der deutschen Bundesbank gegenüber der EZB so außerordentlich hoch sind (ca. 750 Milliarden), warum bezahlt Deutschland als EZB-Gläubiger überhaupt noch Zinsen? Es müssten Minuszinsen sein. Der Schluck aus der deutschen Pulle sollte über EZB finanziert werden. Deutschland würde damit Wettbewerbsfähigkeit verlieren, die Binnennachfrage stimulieren und die Inflation nachholen, die die anderen Euro-Länder in unterschiedlicher Höhe längst “genossen” haben.
Wem gehört die Bundesbank? Ist sie eine EZB-Institution und damit quasi überstaatlich oder gehört sie dem deutschen Staat?
Besonders der isländischen Mentalität hat dieser Boom geschadet, unglaubliche Verschwendung und Arroganz den ins Land geholten Arbeitskräften gegenüber: Finanz-
wikinger und “Übermenschen”, ja das gibt es auch auf Island. Nur Ausländer fahren mit dem Bus, Isländer nehmen den Jeep. Grüsse aus Island!
Haha,herrlich…
´´Isländer wollen nicht in „brennendes Hotel“ einziehen´´
http://www.handelsblatt.com/politik/international/geplanter-eu-beitritt-islaender-wollen-nicht-in-brennendes-hotel-einziehen/6891140.html
Sieger bei der Direktwahl Ende Juni wurde dann der bisherige Präsident Ólafur Ragnar Grímsson, der den Widerstand gegen eine EU-Mitgliedschaft ins Zentrum seiner Kampagne gestellt hatte. Beide zusammen kamen auf 85 Prozent der Stimmen. Bei den Parlamentswahlen im nächsten Frühjahr erwarten Beobachter in Reykjavik vielleicht schon den endgültigen Todesstoß für die EU-Pläne der sozialdemokratischen Regierungschefin Jóhanna Sigurdardóttir.
„Die Konservativen liegen haushoch vorn und dürften nach einem Wahlsieg Islands Beitrittsgesuch wohl schlicht zurückziehen“, sagt die Politikwissenschaftlerin Stefania Oskarsdóttir. Schon jetzt muss Sigurdardóttirs Partei im ältesten Parlament der Welt, dem „Althing“, mutterseelenallein für die EU-Mitgliedschaft argumentieren.
Die Konservativen scheinen in Island die vernünftigen zu sein. :-O
Und die Sozialdemokraten haben mal wieder alle verraten.
Mfg