Orakel der Beliebigkeit
geschrieben am 24. September 2009 von Spiegelfechter
Drei Tage vor den Bundestagswahlen sind Politik und vor allem die schreibende Zunft anscheinend bereits bestens im Bilde, bei welcher Partei die Bürger ihr Kreuzchen machen werden. Das ifD Allensbach befand am Dienstag im Auftrag der FAZ, dass die CDU mit 35%, die SPD mit 24%, die Grünen mit 11%, die FDP mit 13,5%, die Linken mit 11,5% und die anderen Parteien mit 5% der Stimmen rechnen können. Eine gestern veröffentlichte Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag von Stern und RTL sieht die CDU ebenfalls bei 35%, die SPD bei 26%, die Grünen bei 11%, die FDP bei 13%, die Linken bei 10% und die Sonstigen bei 5%. Zahlen, die Genauigkeit vertäuschen, wo keine ist. Leider lassen sich selbst seriöse Blätter wie der Allensbach-Auftraggeber FAZ von diesem Orakel der Beliebigkeit faszinieren und unken bedeutungsschwanger, dass die Mehrheit von Schwarz-Gelb bröckeln würde. Was hätte die FAZ getitelt, wenn sie die Umfrageergebnisse seriös bewertet hätte?
Bei den berühmt-berüchtigten Sonntagsfragen werden zwischen 1.000 und 2.500 Bürger von freundlichen jungen Anrufern des Institutes XYZ am frühen Abend per Telefon befragt ? nur das ifD Allensbach führt persönliche Interviews durch, die Stichprobengröße ist allerdings ebenfalls unzureichend. Auch die Demoskopen wissen, dass ihre Stichproben gar nicht repräsentativ sein können. Früher, als es klare Trennlinien zwischen den alttradierten Lagern gab, konnte man mit dieser Methodik noch ein halbwegs realistisches Abbild der Grundgesamtheit simulieren, heute ist dies schlichtweg unmöglich. Hätte beispielweise das ifD Allensbach 1.000 andere Bürger interviewt, so hätte es auch andere Zahlen bekommen. Die veröffentlichten Zahlen haben daher eine statistische Fehlermarge von 5% bei den großen Parteien und 3% bei den kleinen Parteien. Fehlermarge heißt in diesem Zusammenhang, dass das echte Ergebnis, das bei einer Befragung aller Bürger herauskäme, mit 95% Wahrscheinlichkeit innerhalb des Bereiches von plus bzw. minus fünf Prozentpunkten liegt.
Die Zahlen des ifD Allensbach würden also bei seriöser Interpretation folgendes aussagen ? die CDU wird am Sonntag zwischen 30 und 40% der Stimmen bekommen, die SPD zwischen 19 und 29%, die Grünen zwischen 8 und 14%, die FDP zwischen 10,5 und 16,5%, die Linken zwischen 8,5 und 14,5% und die Sonstigen zwischen 3 und 8%. Eine Vorbedingung für diese Aussage wäre jedoch, dass die Zahlen nicht von Allensbach gewichtet, spricht manipuliert, wurden ? und das ist kaum wahrscheinlich. Wäre der Auftraggeber FAZ seriös, hätte er titeln können ? ?Schwarz-Gelb wird wahrscheinlich am Sonntag zwischen 40,5% und 56,5% der Stimmen bekommen ? ob dies für eine Mehrheit reicht, wissen wir auch nicht?. Natürlich können wir Leser noch ewig auf eine solche Überschrift warten, die zwar denkbar belanglos aber ehrlich ist. Stattdessen gaukeln Demoskopen und Medien dem Volk und der Politik immer wieder Phantasiezahlen vor, die sich am Wahlsonntag als Fehlprognosen herausstellen. Aus diesen Fehlern lernen wollen die Medien jedoch nicht. Um das System ?Demoskopie? zu verstehen, lohnt es sich, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.
Zu Beginn des letzen Jahrhunderts gab es so etwas wie Demoskopie noch gar nicht. Als legendärer Erfinder der modernen Demoskopie gilt George Horace Gallup, der 1936 unvergänglichen Ruhm erlangte, als er der einzige Meinungsforscher war, der Roosevelts Sieg bei den Präsidentschaftswahlen voraussagte. Gallups Idee war eben so einfach wie genial ? anstatt auf der Strasse willkürlich Menschen zu befragen, suchte er sich Stichprobengruppen heraus, die in etwa dem gesellschaftlichen Querschnitt entsprachen. Zum ersten Mal befragte ein Meinungsforscher auch Schwarze oder sozial Schwache ? die Gruppen, die 1936 überproportional für Roosevelt stimmen sollten. In Gallups legendärem Erfolg steckte jedoch bereits das Grundübel moderner Demoskopie ? er sagte zwar Roosevelts Sieg korrekt voraus, lag aber um 6,8% daneben. 1948 sagte er fälschlicherweise einen Sieg von Dewey gegen Truman voraus, 1960 war er bereits klüger und enthielt sich einer Prognose im äußerst knappen Duell zwischen Kennedy und Nixon. Gallup ist somit repräsentativ für das System der modernen Demoskopie ? mal liegt man richtig, mal liegt man falsch, nur enthalten will und kann sich heute niemand mehr.
Ein grundsätzliches Problem der Demoskopie ist die Wahl der Stichprobe. Selbst wann man in einem Lotterieverfahren 1.000 Bürger aus der Gesamtbevölkerung auswählen könnte, so wäre diese Gruppe nie repräsentativ, zu individuell und zu verschieden ist unsere Gesellschaft. In der Demoskopie werden jedoch nicht 1.000 Bürger aus der Gesamtbevölkerung ausgewählt, es werden 1.000 Interviewpartner befragt ? der Unterschied mag sich zwar unbedeutend anhören, ist dies aber keinesfalls. Um in den Genuss zu kommen, als Teil einer Stichprobe an einer Sonntagsfrage teilzunehmen, muss man folgende Vorraussetzungen erfüllen:
- man hat einen Festnetzanschluss und ist wochentags zwischen 18.00 und 21.00 daheim
- man geht ans Telefon, wenn zu dieser Zeit ein Anrufer mit unbekannter Nummer anruft
- man ist zufällig das Familienmitglied, das wahlweise als letztes oder als nächstes Geburtstag hat und über 18 Jahre alt ist (mit dieser Vorauswahl will man eine Verzerrung verhindern, da in Familien oft ein bestimmtes Familienmitglied den Telefonhörer abnimmt)
- man lässt sich nicht nur auf die Sonntagsfrage, sondern auch auf ein bis zu 50 Minuten langes Interview ein, in dem vor allem nach Kaufentscheidungen und Erfahrungen mit Konsumprodukten gefragt wird*
- man lässt sich auch dadurch nicht abschrecken, dass der Interviewer nicht flexibel und kooperativ sein darf, sondern darauf bestehen muss, seine Antwortvorgaben jedes mal in voller Länge vorzutragen (sind sie mit dem Waschmittel XZY sehr zufrieden, zufrieden, unzufrieden, sehr unzufrieden oder kennen sie das Waschmittel XZY nicht)
- man beantwortet zum Schluss auch persönliche Fragen, wie die nach dem Nettohaushaltseinkommen, ohne brüskiert aufzulegen
Nur wenn man diese Eigenschaften erfüllt, wird man erfolgreicher Teil der Sonntagsfrage. Ganze Bevölkerungsgruppen gehören daher gar nicht zu den potentiell Befragten. Wer beispielsweise nur ein Handy oder einen VOIP-Anschluss hat, fällt bereits aus dem Raster. Wer abends entweder arbeitet oder seinem Hobby nachgeht, ebenfalls. Wer abends Besseres zu tun hat, als mit Call-Centern zu sprechen und entweder gar nicht den Hörer abnimmt oder ein Interview ablehnt, wird ebenfalls nicht erfasst. Meine jahrelange Erfahrung als Interviewer und Supervisor in einem Call-Center des Emnid-Instituts hat bei mir folgenden Eindruck hinterlassen:
- die Personen, deren Antworten verarbeitet wurden, waren meist erheblich älter als der Durchschnitt ? junge Menschen sind abends oft nicht daheim, haben keinen Festnetzanschluss, sehr alte Personen sind oft schwerhörig, misstrauisch oder leben bereits im Altenheim
- die interviewten Personen haben meist eine durchschnittliche Bildung. Ungebildete Menschen verstehen oft gar nicht, was man von ihnen will, vermuten ein Verkaufsinteresse oder haben nicht die Disziplin, einen ganzen Fragebogen mit komplexeren Fragen durchzuhalten. Gebildete Menschen erkennen häufiger, dass man nicht nur an ihrer politischen Meinung interessiert ist, sondern sie auch im Auftrag von Unternehmen nach ihrem Kaufverhalten aushorcht und lehnen dies kategorisch ab
- die interviewten Personen haben oft ein geringes Selbstvertrauen, sind es gewohnt, Anweisungen zu befolgen und wagen oft nicht zu widersprechen. Selbstbewusste ?Führungsnaturen? oder aufgeklärte Individualisten weigern sich oft, dem monotonen Fragebogen zu folgen oder geben klare Zeit- und Zielvorgaben für das Interview, die der Interviewer nicht einhalten kann
Alleine der charakterliche Querschnitt der Zielpersonen ist daher nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit. Wähler bestimmter Parteien fallen häufiger aus dem Raster, als Wähler anderer Parteien. Während die treuherzige bürgerliche Hausfrau sicherlich alle Fragen beantwortet, auch wenn sie eigentlich schon längst zum Kegelabend wollte, wird der unangepasste Jungakademiker sich noch nicht einmal auf ein solches Interview einlassen. Es kann daher auch kaum verwundern, dass die CDU bei Sonntagsfragen fast immer stärker abschneidet als an den Wahlurnen.
Die Demoskopen wissen jedoch, dass sie mit ihren Rohdaten eigentlich gar nichts anfangen können. Daher hat jedes Institut einen eigenen Anpassungs-Algorithmus, der so geheim gehalten wird wie das Rezept von Coca Cola. Wichtigstes Element dieser Zahlenmassage ist die Recall-Frage ? ?was haben sie bei der letzten Bundestagswahl gewählt?. Anhand der Auskunft auf diese Frage kann man einschätzen, ob die Stichprobe wirklich relativ repräsentativ ist, oder ob man die Rohdaten ein wenig beherzter verbiegen muss. Auch die demographischen Merkmale Alter, Geschlecht, Berufsstand und Haushaltseinkommen helfen, die Rohdaten zielorientierter anzupassen. Problem ist lediglich ? die Leute sagen nicht immer die Wahrheit. Nach den sachsen-anhaltinischen Landtagswahlen 1998, bei denen die DVU auf 12,9% kam, beantworteten in den Umfragen der nächsten Jahre meist nur ein Prozent der Befragten die Recall-Frage mit DVU. Ähnlich gering war die Zahl der bekennenden DVU-Wähler vor und nach den Wahlen ? nur im Wahllokal sah dies anders aus. Liegen die DVU-Wähler abends bereits betrunken unter dem Sofa? Nicht nur, sie genieren sich allerdings im Gespräch mit einem jungen freundlichen Interviewer zuzugeben, dass sie zu den gesellschaftlich isolierten Naziwähler gehören. Aber das ist noch nicht alles. Frauen geben häufiger an, sie seien jünger als sie eigentlich sind, Männer schrauben ihr Gehalt schon mal gerne nach oben, arbeitslos ist kaum jemand und alle haben einen höheren Schulabschluss ? der arbeitslose Schulabbrecher, der rechtsextrem wählt, ist in der real existierenden Welt der Demoskopie nur extrem selten anzutreffen.
Selbst wenn die Demoskopen es schaffen würden, von einem möglichst repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ehrliche Antworten zu bekommen, so wäre ihr Ergebnis dennoch kaum aussagekräftig. Unentschlossene werden bei der Sonntagsfrage nämlich entweder gar nicht erfasst oder zu einer Antwort genötigt, die oft nicht der Wahlentscheidung entspricht. Angeblich weiß rund ein Drittel der Bevölkerung noch nicht, ob und wenn doch, dann wen sie wählen wird. So wird eine Person, die zwar auf die Sonntagsfrage spontan SPD antwortet, aber noch gar nicht weiß, ob sie überhaupt zur Wahl geht, als SPD-Wähler gewertet. Eine andere Person, die die Sonntagsfrage nicht beantworten kann oder will und am Sonntag die Linken wählt, taucht in der Prognose gar nicht auf. Besonders unglücklich sind Interviewer, wenn sich am Ende einer 45minütigen Befragung herausstellt, dass die Dame, deren Stimme doch schon so erwachsen klang, erst 17 Jahre alt ist und gar nicht wählen darf. Fast jeder Interviewer, der ja nach Erfolgshonorar bezahlt wird, macht sein Kreuz in einem solchen Fall bei der Kategorie 18 bis 25 Jahre. Wenn die Qualitätskontrolle bei diesem Kunstgriff jedoch mitgehört hat, darf er sich schon mal eine gute Ausrede überlegen.
Nicht jedoch die Interviewer, sondern die obersten Demoskopen der Republik sind dafür verantwortlich, dass ihre Umfragen kaum einen echten Informationswert haben. Frau Noelle-Neumann, die Grand Old Dame der Demoskopie und Gründerin des ifD Allensbach, gab einmal ganz offen zu, dass zwischen den Rohdaten und ihrer Prognose manchmal eine Differenz von zehn oder elf Prozentpunkten liegt. Renate Köcher, neben Noelle-Neumann Geschäftsführerin bei Allensbach, wiederum gestand den Medien, dass sie 1996 im Vorfeld der Landtagswahlen in Baden-Württemberg die Umfragewerte der Republikaner absichtlich unter die 5% Marke gedrückt hat, um zu verhindern, dass die guten Umfragewerte dieser antidemokratischen Partei einen zusätzlichen Aufschwung geben ? es half nichts, die Republikaner zogen mit einem Ergebnis von 9,1% in den Landtag ein. Mag das Motiv auch noch so ehrenhaft sein, die Intransparenz der Methoden und die teils offene Nähe der Institute zu bestimmten Parteien sind ein Einfallstor für absichtliche Manipulationen jeglicher Art.
Dabei ist die Gefahr einer Manipulation keine Bagatelle, sondern höchst gefährlich für die Demokratie. Der Politik fehlt es an Rückkanälen zum Wähler, anhand von Umfragewerten wird von den Medien und der Politik eine politische Erfolgsbilanz geführt, die gar keine ist. Wäre Kurt Beck als SPD-Vorsitzender zurückgetreten, wenn die Institute keinen Absturz seiner Partei in der Wählergunst orakelt hätten? Hätte Peter Harry Carstensen die Große Koalition in Schleswig-Holstein aufgekündigt, wenn ihm die Institute keinen CDU-Hype bescheinigt hätten? Entweder stutzen die Medien die Demoskopie auf die Kaffeesatzleserei zurück, die sie eigentlich ist, oder es müssen Regeln gefunden werden, die die Methodik der Demoskopen endlich transparent und damit manipulationssicher machen. Die Demoskopie hat eine zu wichtige Rolle eingenommen, als dass man sie nach eigenen Regeln arbeiten lassen könnte. Bei welcher Partei der Wähler am Sonntag sein Kreuz machen wird, ist daher immer noch komplett offen. Ich wage es einmal, mich mit den Instituten zu messen. Ich sage der Union 30%, der SPD 25,5%, den Grünen 11%, der FDP 14,5% und der Linken ebenfalls 14,5% voraus, 2% werden die rechtsextremen Parteien bekommen, 2% die Piraten und 0,5% bleiben für den Rest übrig ? durch Überhangmandate wird Schwarz-Gelb jedoch die Regierung bilden.
P.s.: Der Spiegelfechter wird am Wahlsonntag einen Offenen Thread anbieten, in dem die Leser (und ich selbst) live die Wahl diskutieren können.
P.p.s.: Wer sich einmal ein Bild von der Fehleranfälligkeit demoskopischer Umfragen machen will, dem sei das nette Simulationsgadget vom Statistiker Fritz Ulmer empfohlen.
* Der Autor hat sein Studium zum Teil durch einen Job beim Emnid-Institut finanziert und beschreibt seine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen ohne Anspruch auf allgemeine Gültigkeit.
Jens Berger
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@SF
Der Artikel ist treffend, nur bin ich der Ansicht, daß schwarz/rot die Regierung bilden wird.
Die schwarzen + gelben werden mit Überhangsmandaten max. plus eins über 50% der Sitze erhalten. Ich weiß dieses so “genau”, da ich über 30 Glaskugeln als Briefbeschwerer habe…..
Schoener Einblick in die absurden Umfragen. Ich habe da auch immer falsche Angaben gemacht, aber irgendwann keine Lust mehr darauf gehabt und mich aus den Listen streichen lassen. Seitdem keine Anrufe mehr und unbekannte Nummern werden grundsaetzlich nicht beantwortet.
Sehr schöner Artikel! Äußerst interessant diese Zahlen zu den bekannten Umfragen mal genannt zu bekommen.
So ähnlich muss es kommen, denn ich sitze im Politikmarkt der FAZ auf einem Berg von SPD- und Linke-Aktien, mit denen ich Sonntag ganz groß rauskommen will. Allerdings, bei der Linken beschleichen mich mittlerweile Zweifel. Bei den berühmten Last Minute-Wählern haben die glaub ich nicht so ‘ne Konjunktur.
Sehr lesenswert sind übrigens immer die Zusammenfassungen, die Frau Koecher für die FAZ monatlich schreibt. Allensbach stellt ja alle möglichen politischen Fragen neben der Sonntagsfrage. Was dann immer am besten ist, ist die Widersprüchlichkeit des Wählers; zugleich für frühe Rentenauszahlung und niedrige Rentenbeiträge sein, und ähnliches.
Ein wichtiger Artikel den man eigentlich jeden Umfrage-Gläubigen zu lesen geben sollte.
Hervorragender Artikel, Spiegelfechter.
Danke für diesen Artikel, der mir zumindest auch Wissen vermittelt hat. Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die sich trotz fast erfüllbaren Grundvoraussetzungen (manchmal hat natürlich jemand anderes in diesem Haushalt als nächstes Geburtstag) nie interviewen.
Guter Artikel, sehr ausschlußreich, aber eine kleine Korrektur hätte ich anzumerken: In Sachsen sitzt die NPD im Landtag, nicht die DVU.
Jan
In Abwandelung eines alten Satzes: “Glaube keiner Umfrage, die du nicht selber gefälscht hast”
Fast noch mehr rege ich mich allerdings über den GFK Konsumklimaindex auf. Da wird dann in Schlagzeilen von einer sich verbessernden Binnennachfrage gefaselt, während die Einkommen kontinuierlich sinken.
P.S. Albrecht Müller hat auf den Nachdenkseiten auch einen lesenswerten Artikel zum Thema.
@ Spiegelfechter
Du schreibst:
“Ich sage der Union 30%, der SPD 27,5%, den Grünen 13,5%, der FDP 16% und der Linken ebenfalls 16% voraus, 3% werden die rechtsextremen Parteien bekommen, 2,5% die Piraten und 1,5% bleiben für den Rest übrig ? durch Überhangmandate wird Schwarz-Gelb jedoch die Regierung bilden.”
Das sind in Summe jedoch 110 Prozent!
Ich finde es ja toll, dass du dich so weit aus dem Fenster lehnst, selbst eine Wahlprognose abzugeben. Leider wirst du aber alleine aus dem Grund total daneben liegen, weil die Summe 112% statt 100% ergibt.
Okay, dann versuche ich es mal: Union 32%, SPD 23%, FDP 14%, Linke 13%, Grüne 10%, Piraten 4%, Nazis 2%, Rest 2%.
Wie sieht es eigentlich mit der Mehrheit für Schwarz-Gelb im Bundesrat aus, ist die sicher? Die regieren ja jetzt schon einige, besonders die einwohnerstarken Bundesländer.
Daher meine andere Überlegung, falls es im Laufe der kommenden Legislaturperiode zu rot-rot-grün kommen sollte, hätten die im Bundesrat doch sehr, sehr schlechte Karten oder?
@8
der Spiegelfechter spricht doch von Sachsen-Anhalt und da hatte die DVU 1998 bei den Landtagswahlen tatsächlich 12,9 %
Ihr liegt alle falsch. Sagt mein Nachbar.
Union: 33%
SPD: 28%
Grüne: 11,5%
FDP: 13%
Linkspartei: 10%
Sonstige: 4,5% (davon 1,5% für die Piratenpartei).
Auch mit 6 Überhangmandaten im Vergleich wird es keine Schwarz-Gelbe Mehrheit geben.
Aber das ist egal, da die Wahl wiederholt werden muss, da bei der Nichtzulassung der PARTEI und der Freien Union gravierende Fehler gemacht wurden. In der Wiederholungswahl wird überraschend Gabi Pauli zur Siegerin (sagt mein Nachbar!) und löst Angela Merkel ab.
Eine nicht mehrheitlich demokratisch legitimierte Mehrheit für Schwarz-Gelb wär auch mein Wunschergebnis ;). Bei einem möglichst guten Ergebnis für die Piraten natürlich. Schlimmer als GroKo kanns kaum werden.
Da bleibt Politik auch weiterhin spannend …
“Ich wage es einmal, mich mit den Instituten zu messen. Ich sage der Union 30%, der SPD 27,5%, den Grünen 13,5%, der FDP 16% und der Linken ebenfalls 16% voraus, 3% werden die rechtsextremen Parteien bekommen, 2,5% die Piraten und 1,5% bleiben für den Rest übrig ? durch Überhangmandate wird Schwarz-Gelb jedoch die Regierung bilden.”
OK, Jens hier ist mein Tipp:
CDU: 33%, “SPD”: 24%, FDP: 12%, “DIE GRÜNEN”: 12%, DIE LNKE 14% Andere: 6% (davon Piraten: 3%), Regierung: schwarz/rot!
Mal sehen, wer näher dran ist,
Bis Sonntag, mit sportlichem Gruß, Herbert
@mersenne #10
Beide falsch nicht 100%, nicht 112% sondern 110% bei SF.
Jeder hat halt seine Stärken, aber mit 3% – 10% Ungenauigkeiten kommt es fast hin.
Kein Wunder, wenn die Abi-Arbeiten in Mathematik immer falsch waren…..
Wenn ihr ne Prognose abgebt, auf welchen Daten basiert die dann? *G*
Auf den Prognosen der Umfrageinstitute? Haha.
Danke für den Einblick.
Mein Tip für Sonntag:
CDU 31%
SPD 22%
Linke 15%
FDP 13%
Grüne 11%
Rest 8%
– Zitat –
Wäre Kurt Beck als SPD-Vorsitzender zurückgetreten, wenn die Institute keinen Absturz seiner Partei in der Wählergunst orakelt hätten? Hätte Peter Harry Carstensen die Große Koalition in Schleswig-Holstein aufgekündigt, wenn ihm die Institute keinen CDU-Hype bescheinigt hätten?
– Zitat Ende –
Dass die Politik-Arithmetiker aus Umfrageergebnissen politische Entscheidungen ableiten, mag frevelhaft sein. Aber der Frevel liegt bei den Entscheidern, nicht bei den Umfragern. Das ist der moralische Aspekt.
Technisch haben Sie freilich Recht. Faktisch induzieren die Demoskopen den Frevel.
@john: Die Mehrheit für Schwarz-Gelb im Bundesrat steht nur dann, wenn bei der ebenfalls am 27. stattfindenden Landtagswahl in Schleswig-Holstein eine schwarz-gelbe Mehrheit herauskommt. In allen anderen Fällen hätte Schwarz-Gelb keine Mehrheit im Bundesrat.
Rot-Rot-Grün hat allerdings erst recht absolut überhaupt keine Mehrheit im Bundesrat.
Die nächsten Wahlen sind übrigens im Jahr 2010 in NRW, danach gibt’s erst wieder Wahlen im Jahr 2011. Wenn also in Schleswig-Holstein Schwarz-Gelb nicht gewinnt, dann werden sie bis 2011 auch keine Mehrheit bekommen können, da sie in NRW ja schon regieren.
@all
Ich wollte nur gucken, ob Ihr aufpasst ;-)
Ich habe meine Prognose nun dem “last minute Swing” in der Mathematik angepasst und einem leichten Anpassungsalgorithmus unterworfen ;-)
Folgt man dem Mierscheidgesetz:
“Der Stimmenanteil der SPD bei Bundestagswahlen richtet sich nach dem Index der deutschen Rohstahlproduktion in den alten Ländern gemessen in Mio. Tonnen.”
ergibt sich für die SPD ein Stimmenanteil von ca. 27%
siehe: http://ballmann.wordpress.com/2009/06/17/grose-personlichkeiten-der-nachkriegsgeschichte-2/
@Sf
Das hast du gut gemacht, außer dass du das Wort Algorithmus verhunzt hast, und dass nunmehr dein Zusatz “durch Überhangmandate wird Schwarz-Gelb jedoch die Regierung bilden” unsinnig geworden ist.
@Karl-Heinrich
Wieso – die Herren Demoskopen sagen, dass 44% für Schwarz-Gelb reichen könnte ;-)
Vielleicht kannst Du diesen Link oben noch unterbringen. :)
Oh, ich bin großer Fan des engagierten Taubenzüchters und langjährigen SPD-Abgeordneten Mierscheid.
Auch er selbst hat sich dazu schon geäußert:
Quelle: http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete/mierscheid/2009_08_10_trend.pdf
Schicker Artikel :-)
Früher hab ich auch mal in der Demoskopie zu tun gehabt, da war ich näher dran und hätte wahrscheinlich eine bessere Prognose hinbekommen, als jetzt.
Ich versuchs trotzdem:
CDU/CSU 32,5%
SPD 23,5%
FDP 12%
Grüne 11,5%
Linke 13%
Rest 7,5%
davon:
Piraten 2%
Rechte 2%
FW 1,5%
Restrest 2%
P.S.:
offtopic
Bei jedem Tastendruck in diesem Eingabefenster wird die Voransicht aktualisiert, was nicht schlimm ist, aber das Avatar-Bild (zumindest das Standard) wird auch jedesmal neu geladen. Ist sicher nicht ganz im Sinne des Erfinders und wird die Statistik bei http://www.gravatar.com erheblich versauen.
Womit ich doch wieder ontopic wäre :-)
@ppollux
Nach Angaben des statitischen Bundesamtes ging die Stahlproduktion in den ersten 5 Monaten des Jahres 2009 auf 11,32 Mio Tonnen zurück, was auf das Jahr gerechnet einem Stimmenateil der SPD bei der Bundestagswahl im September 2009 von 27,1% erwarten lässt
nicht berücksichtigt habe ich allerdings die Fortentwicklung, nämlich das Mierscheid-Walla-Gesetz
dazu hier: http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Veroeffentl/Monatshefte/PDF/Beitrag06_03_09.pdf
Schöner (und wichtiger) Artikel.
Und wenn ich deiner Argumentation richtig folge, dann sollten die Prognosen für die Piraten besonders schlecht sein. Denn erstens treffen die ‘kein Festnetz’ und ‘keine Lust eine Umfrage zu beantworten’ Effekte wahrscheinlich die technikaffine Partei für mehr Privatsphäre besonders. Und ausserdem liegen keine Daten von der letzten Bundestagswahl vor, die Demoskopen können auf diese Effekte also auch nicht gut korrigieren.
Deshalb hoffe ich, dass am Sonntag um 18.01 Jörg Schönenborn mit langem Gesicht erklärem muss, dass diesmal die Hochrechnungen besonders unsicher sind.
@SF: Klasse Artikel. Also noch so einer, der im Studium Umfragen gefä.. gemacht hat :). Wir mussten noch hin zu den vorher angeschriebenen Leuten. Manchmal wollten die nicht mehr, waren nicht da, mussten ganz eilig weg und so weiter. Aber selbstverständlich haben wir da niiiiiieeee die Alters- und Sozialdaten frisiert und natürlich auch niiiiieeee angeboten “ich fülle das mal für sie fertig aus, aber wenn hier einer anruft, müssen sie sagen, sie hätten das ganze Interview von 45-70 Minuten gemacht und jede Frage selbst beantwortet”. Sowas tut doch keiner.
@Chris
Yep – habe den Artikel verlinkt. Er deckt sich auch teilweise mit meinen Erfahrungen. Nur das man damals sehr viel mehr Geld verdient hat.
@Yoshi
Ja und nein – richtig ist, dass Piratenwähler komplett aus dem Raster fallen. Allerdings lassen die Ergebnisse der letzten Wahlen zumindest einen Trend erkennen, der besagt, dass es für die 5% nicht reichen wird. Aber das ist natürlich nur meine Glaskugel ;-)
Irgendwie habe ich starkes Déjà-vu Gefühl bei dem Artikel.
Was ich mir dabei dachte – die Landtagswahlen sind doch nicht lange her und da mangelte es auch nicht an Umfragen und Prognosen. Wie sind denn die Korrelationen mit dem IST-Zustand?
noch was. Du schreibst
Meiner Erfahrung nach wird man idR frühnachmittags Angerufen ;))
Also wenn die Werktätigen noch gar nicht zu hause sind – meine Frau hat sich schon mehrmals darüber aufgeregt. Komischerweise wird dann nach dem ältesten in der Familie gefragt.
@COPOKA
Öcht? Ich habe zur Recherche mit der Forschungsgruppe Wahle und Forsa gesprochen … TNS Emnid Kenne ich ja noch. Die haben mir das Zeitfenster bestätigt. Infratest-Dimap konnte der “Presse” keinen Ansprechpartner nennen, der nicht bis zum Sank Nimmerleinstag emsig beschätigt ist und eine Minute Zeit für hat und die GMS hat immer noch nicht zurückgerufen … jetzt ist es eh zu spät ;-)
Kann es sein, dass das irgendwelche Trittbrettfahrer waren? Bei Emnid haben wir damals ein, zwei oder drei mal nachmittags die Sonntagsfrage gestellt – das waren aber absolute Ausnahmen, die damit zusammenhingen, dass der Abgabetermin unmittelbar bevorstand und wir zu wenig IVs hatten.
Was mich noch interessieren würde: Wie werden eigentlich die Telefonnummern ausgesucht? Werden die komplett “gewürfelt” oder zufällig aus dem Telefonbuch rausgesucht?
Im zweiten Fall würden zusätzlich noch alle diejenigen außen vor bleiben, die lieber auf den Eintrag im Telefonbuch verzichten. Im ersten Fall dürfte es aber auch zu Verzerrungen kommen, da zum einen die Nummern unterschiedlich lang sind (auch innerhalb des selben Ortsnetzes) und zum andern manche Leute ISDN-Anschlüsse mit bis zu zehn Rufnummern haben.
@mersenne
Die Nummer wird bis auf die letzten vier Ziffern aus dem Telefonbuch genommen – natürlich sind die Vorwahlen mit Absicht ausgewählt, um eine regionale “Repräsentativität” hinzubekommen. Dadurch, dass die letzen vier Ziffern zufällig ausgewählt werden, werden auch Geheimnummern oder Nummern, die nicht im Telefonbuch stehen, ausgewählt.
Das ist übrigens auch der Hauptgrund dafür, warum momentan nur sehr selten Handynummern oder VOIP-Anschlüsse gewählt werden. Diese sind nicht nicht regional selektierbar.
@SF #32
Befürchte ich eigentlich auch. Zumal das Wählerpotential der Piraten unter einer Million liegen dürfte.
Aber ich finde es überraschend, dass man auf Basis der Meinungsumfragen ein gutes Argument finden kann, dass der Sonntag spannend wird :)
Nein, die erkenne ich einfach – nach paar blöden Fragen wollen sie deine Adresse und Namen haben, meist um in einer Gewinnauslosung teil zu nehmen ;)
Bei meisten führen nicht mal Menschen den Dialog.
Vor einigen Jahren hat mich einen von Renommierten Instituten erwischt (mit korrekter Nachfrage ob sie es dürfen) und wollten zunächst mich zu meinem Konsumverhalten ausquetschen – das habe ich abgelehnt. Dann haben die mich gefragt, ob ich bereit wäre mich bei Meinungsumfragen zur Politik zu beteiligen und ob sie mich bei der Angelegenheit noch mal Anrufen dürfen – da könnte ich nicht nein sagen ;)
Und tatsächlich haben sie in Jahren danach mich mehrmals angerufen – meist war ich nicht zu hause, und meine Frau war für sie komischerweise uninteressant.
Letztes Mal – vor Landtagswahlen, und die Fragen waren wirklich professionell zusammengestellt, dauerte um die 40 min. Was für Institut es war, habe ich jetzt nicht mehr ganz sicher im Kopf, aber ich meine jedoch – Infratest-Dimap.
Möglicherweise war es Spätnachmittag, so kurz vor 16°°, aber in einer Zeit, wo ich normalerweise im Büro bin. Am Samstag, wenn ich mich richtig erinnere, war es nicht.
Wie sieht es denn mit den Umfragen zu letzten Landtagswahlen aus?
Die qualifizierte Mehrheit für Schwarz-Rot scheint aber auch dahin oder wäre das mit Überhangmandaten noch erreichbar?
@john
jein – nach meiner prognose würden wohl nicht so viele Überhangmandate anfallen. Grundsätzlich würden wohl auch 44% für Schwarz-Gelb reichen, wenn …
a) der Abstand zwischen Union und SPD sehr groß ist
b) die Sonstigen sehr stark sind
Schaun mer mal, wie der Kaiser sagen würde
Bei der Forschungsgruppe Wahlen werden u.a. auch die reinen Umfrageergebnisse veröffentlicht.
http://www.wahlrecht.de/umfragen/politbarometer/stimmung.htm
Vergleicht man das mit der Prognose, dann werden CDU und FDP runter und vor allem die Linke hochgerechnet.
@Lago
Aber anscheinend noch nicht genug, wie bei den Landtagswahlen zu sehen war, aber offensichtlich wissen sie sehr genau um ihre Defizite.
@Lago
Das macht mE auch Sinn
@john
Ja – klar wissen die das. Und einige – z.B. Schöppner – sagen das auch ganz offen. Sonntagsfragen sind Mist … osä, las ich mal in einem IV mit ihm.
Ach ja, mein Tipp:
CDU 32
SPD 25
Grün 12
FDP 14
Linke 12
Rest 6
CDU/FDP koalieren.
mal frei geraten:
CDU: 30
SPD: 20
Grüne: 14
Linke: 13
FDP: 13
Piraten: 8
Sonstige: 2
@Spiegelfechter
Sehr guter Artikel! Danke!
Als Statistik-geplagte Physikerin muss ich allerdings noch eine Kleinigkeit hinzufuegen.
Wie Du richtig angemerkt hast liegen die Fehler bei Umfragen unetr ~1000 Menschen bei 3-5% je nach grösse der Partei. Das heisst dass man erwarten wuerde dass die Umfragewerte im Bereich von 3-5% um den Mittelwert schwanken. Wenn man sich die Umfrageergebnisse aber ansieht, sieht man keine solchen extremen Schwankungen. Die Streuung der Werte ist kleiner als der Fehler der Messung!
Das könnte heissen dass man den Fehler unterschätzt hat. In diesem Fall ist das allerdings nicht zu erwarten. Den Fehler bei “Zählungen” kann man sehr einfach berechnen (das nennet sich Poisson- oder Shot-Noise, berechnet sich als Wurzel(Zahl der Befragten)). Und durch die Projektionen kann man den Fehler nicht verkleinern (jeder Statistiker weiss: Fehler werden immer grösser, nie kleiner!) Das heisst, die von dir angefuehrten Werte sind mit absoluter Sicherheit “untere Grenzen” fuer den wirklichen Fehler.
Also, die Streuung ist kleiner als der erwartete Fehler und wir haben mit Sicherheit den Fehler nicht unterschätzt. Es ist zwar (statistisch) möglich dass die Streuung kleiner ist als der Fehler der Messung, es ist aber unwahrscheinlich. Die Tatsache dass die Umfrage-Werte zu kleine Schwankungen aufweisen deutet darauf hin dass die Ergebnisse, öhöm, geplättet werden.
Ein kleiner Vergleich: das wäre in etwa so als wuerde ich mit meinem Kuechenmessbecher den genauen Inhalt von Bierflaschen messen. Sagen wir mal mein Messbecher hat eine Genauigkeit von 0.1l.
Wärst du auch misstrauisch wenn ich dir sagen wuerde ich hätte 10 mal gemessen und herausgefunden dass die Bierflaschen einen Inhalt von 0.33 +- 0.001 l haben?
hmm…ich seh irgendwie gar keinen Wahlausgang der zufriedenstellend sein könnte. Schwarz-Gelb ist nicht wünschenswert. Schwarz-Rot ohne Macht zur Verfassungsänderung wäre schon mal ein kleineres Übel. Falls es dann zu Rot-Rot-Grün kommt ist einerseits der Bundesrat blockiert, was unter anderem die bildungspolitischen Ziele unmöglich machen würde. Und ich kann mir auch nur schwer vorstellen, dass die SPD eine 180°-Wende vollzieht und vollkommen von Hartz4 abzieht, vielleicht eine Lockerung, aber die Abschaffung wäre das Eingeständis völligen Versagens der letzten Jahre. So gern ich das Vernehmen würde, so unrealistisch erscheint es mir.
BTW: was hätte ein hypothetischer Einzug der Piraten in den Bundestag für Folgen auf die Mehrheitsverhältnisse? Never ever Schwarz-Gelb? Never ever Rot-Rot-Grün? Auf ewige Zeiten GroKo oder Erlösung durch die Schwampel?
Also mit den Piraten gäbe es eigentlich zwei Möglichkeiten: Schwarz/Rot (früher mal GroKo genannt) und Schwarz/Gelb/Orange. Obwohl letztere Option programmatisch möglich wäre, wird sie schon allein an Personalfragen scheitern, dazu kommt noch, dass Merkel vermutlich jede Chance nutzen wird, die GroKo fortzusetzen und die Piratenpartei die perfekte Ausrede gegenüber ihrer Partei wäre. Für die FDP wäre eine Koalition mit den Piraten wiederum fast unmöglich, weil diese eine echte Konkurrenz darstellen könnten und die FDP sich nicht darauf verlassen kann, dass sich die Piraten wesentlich lächerlicher benehmen werden als die sog. Liberalen.
D.h. die Piraten würden es Merkel erlauben, ohne größere Partei-internen Probleme Schwarz/Rot fortzusetzen. Hmm, warum startet Merkel nicht mal heimlich eine Zweitstimmenkampagne für die Piraten?
@harey #47
Du hast recht, aber das Eigenartige ist, dass die Vorhersagemärkte, wo jeder frei auf das Ergebnis einer oder mehrerer Parteien wetten kann (Wahlstreet, wahlfieber, Politikmarkt, betfair), derzeit ebenfalls unterhalb dieser Fehlermarge variieren.
Sicher liegt da auch eine Beeinflussung durch die Umfragen vor. Aber die Vergangenheit hat gezeigt – siehe auch die verschiedenen Wisdom of the Crowds-Ansätze -, dass solche Märkte genauer sind als Vorhersagen, die auf der Introspektion der Teilnehmer beruhen.
@48
Schwampel? Ist das Schwarzgelbgrünrot? Eigentlich das was wir jetzt schon haben. :D
Oder Schwarzrotgelb? Weil das würde man doch viel besser verkaufen können als als Schwampel. Deutschlandkoalition würde doch passen und klingt doch super staatstragend. :)
Aber zur Frage: Wenn das äußerst unwahrscheinliche Wunder eines Pirateneinzugs stattfinden sollte, würde sich nicht viel ändern denk ich mal. Sie passen in keine Koalition richtig und werden für Mehrheiten auch net gebraucht weil selbst Wunder nicht weit über 5% gehen.
“Daher hat jedes Institut einen eigenen Anpassungs-Algorithmus, der so geheim gehalten wird wie das Rezept von Coca Cola”
War das jetzt ironisch?
“Coca-Cola-Rezept
8,8 Liter Wasser
1070 Gramm Zucker
90 Gramm Kohlendioxid (E290)
18 Gramm Zuckerkulör (E150d)
5 Gramm Orthoposphorsäure (E338)
3 Gramm Zitronensäure (E330)
2 Gramm Saccharoseacetatisobutyrat (SAIB)
2 Gramm Koffein & Theobromin
10 Gramm Aroma Mix
Aroma Mix:
34,5 % Colasamenextrakt
15 % Limetten-Destillat
10 % Zitronenschalen-Destillat
8,5 % Kakao-Destillat
7 % Kaffee-Destillat
5 % Mate-Destillat
4 % Mandarinenblätter-Tinktur
3 % Johannisbrot-Tinktur
3 % Bittere-Orangen-Tinktur
2 % Kokainfreie Cocablätter-Tinktur
1,7 % Ingwer-Tinktur
1 % Zitwer-Tinktur
1 % Holunderblüten-Tinktur
1 % Mazisblüten-Tinktur
1 % Kalmus-Tinktur
1 % Mimosenbaumrindenextrakt
0,5 % Ypsokraut-Tinktur
0,5 % Zimtextrakt
0,3 % Vanilleextrakt”
http://www.grooveliker.de/inhalt/coke/cokerezept.html
Sehr interessanter, hintergründiger Artikel. Ich hatte mich schon gefragt, warum die Institute sich überhaupt die Mühe mit den Umfragen machen, wenn sie anscheinend als Basis die Werte der Vorwoche nehmen und sich überlegen, wie sich die politischen Ereignisse seit der letzten Umfrage ausgewirkt haben mögen.
Kurz zu Schleswig-Holstein:
Hier nach (http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/schleswig-holstein.htm) hatte Schwarz-Gelb seit November 2007 stets eine Umfragenmehrheit, seit Februar 2009 sogar mit mindestens 50%. Politfuchs Carstensen wollte nur sinkende Umfragewerten unter der sehr wahrscheinlich schwarz-gelben Bundesregierung vermeiden.
Da SH eine CDU-Minderheitsregierung hat, wird schwarz-gelb nach Vereidigung der neuen sächsischen Landesregierung zumindest kurzfristig eine Bundesratsmehrheit haben.
Vielleicht noch eine kleine Prognose:
CDU/CSU 34 SPD 24 FDP 14 LP 12 Grüne 11 Rest 5
Die Umfrageinstitute haben naturgemäß große Probleme starke Veränderungen korrekt einzuschätzen (etwa die Erfolge von PRO in Hamburg oder der LP in Saarland). Die interessanteste Frage dürfte sein, wie stark die SPD wirklich abstürzt.
Juchuu, ein Gewinnspiel ,)
Hmm. Ich glaube nicht, dass es für die Union noch so weit runtergeht. 33% scheinen mir realistisch. SPD könnte passen, da habe ich 25% auf dem Zettel. Bei den Grünen bin ich extrem unsicher. 12%? Ok, 12%.
Jeweils 14,5% für FDP und Linke? Glaube ich nicht. Dietmar Bartsch würde bei 12% jubeln, wenn ich das recht verstanden habe. Wird knapp, ist aber schaffbar. Also 12% bei mir. Vielleicht auch 13% (wenn die Spiegel-Kampagne nicht noch zündet), auf Kosten der Union dann.
14,5% für die FDP? Woher sollen die kommen? KMU’ler auf der Realitätsflucht? Politischer Selbstmord aus Angst vor dem Tod durch die Große Koalition? Andererseits, ich würd’s im Interview auch nicht zugeben. Wie auch immer: Ebenfalls 12% bei mir. Und nein, keine Tigerente.
Piraten 2%, Rest 4%.
Ist geplant die Prognosen hier gepflegt zusammenzufassen und Sonntag gegen 16 Uhr bei Twitter als SF-Exituspoll zu kommunizieren? ,)
@Harey
Erstens das und zweitens ist es auch kein Geheimnis, dass die Institute voneinander abschreiben und ihre “geplätteten” Ergebnisse zusätzlich an die Konkurrenz anpassen, um die Branche nicht vollends lächerlich zu machen.
Erwähnenswert ist auch die Vorabauswahl bestimmter Wählerghettos um bestimmte Ergebnisse zu erhalten, damit die Partei denen das jeweilige Institut besonders nahe steht gut abschneidet.
@spiegelfechter
ich komme selbst ursprünglich aus der marktforschung und kann deine ausführungen nur bestätigen.
dennoch möchte ich dich auf einen kleinen fehler hinweisen: wenn man die anteile von schwarz und gelb addiert, addieren sich die konfidenzintervalle selbstverständlich nicht. anders ausgedrückt:
ein erwarteter (erhobener) anteil der schwarzen von 35% plus ein erwarteter anteil der FDP von 13,5% ergeben insgesamt 48,5% und davon wird erst das konfidenzintervall berechntet. über den daumen gepeilt gibt das also ~43,5% bis 53,5% für schwarz-gelb.
Den Wert von Meinungsumfragen war und ist fragwürdig.
“…Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Sitzung in einem nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf, als der für den Wahlkampf Zuständige eine kleine Runde von Wahlkampfexperten fragte, ob wir bei der nächsten Umfrage eher ein gutes Ergebnis haben wollen, das Bandwaggon-, also Mitzieheffekte auslöst, oder eher ein schlechtes Ergebnis, das den Anhängern signalisiert, se müssten noch etwas für die Mobilisierung tun.
Albrecht Müller, NachDenkSeiten, früher Wahlkampf-Manager der SPD
http://www.nachdenkseiten.de/?p=2705
Danke. Das versuche ich seit ich das erste Mal die Zahl (+-3%) unter irgendeinem Ergebnis gesehen habe, anderen Menschen zu erklären. Wenn man jetzt vom Absturz von Schwarz-Gelb spricht, der an sich eine Abnahme von 1-2 Prozentpunkten ist bei einer Ungenauigkeit von über 5% muss doch eine Mobilisierungsabsicht gewisser Wähler dahinter stehen. Auch wenn es im Englischen heißt: “Don’t assume malice when it can be explained by plain stupidity” :)
Klasse Artikel, Jens.
Ich lege gleich immer auf, wenn ein Callcenter anruft. So werde ich wohl nie von denen befragt werden…
Meine (Wunsch)Prognose:
CDU 10%
SPD 20%
Linke 35%
FDP 2%
Grüne 26%
Piraten 3%
Rest 4%
Regierung: keine, weil diese “Ypsilantis” sich ja schon vor der Wahl entschieden haben, mit wem sie koalieren wollen. Dass diese Pappnasen nicht mal ihr Maul vor Wahlen halten können.
Außerdem: wenn das Volk die Linken mit im Boot haben will, dann haben die anderen Parteien das gefälligst zu akzeptieren. Ist halt ‘n Lobbystaat dieses Ländle.
Sehr lesenswerter Artikel, regt zum Grübeln an.
Dennoch ist es doch erstaunlich, dass trotz der genannten Hindernisse und Verfälschungen häufig ein halbwegs brauchbares Ergebnis herauskommt, welches nicht signifikant falsch ist (verglichen mit den Umfragen).
Das eigentliche Problem ist doch, dass die Politiker genau das machen, was sie momentan pauschal allen “Managern” vorwerfen: Sie denken viel zu kurzfristig und machen politische Entscheidungen von ein, zwei Prozentpunkten mehr oder wneiger in den Umfragen abhängig, die sogar noch innerhalb des Signifikanzniveaus liegen, d.h. die selbst, wenn die Verzerrungen bei den Umfragen nicht auftreten würden, keine Aussagekraft hätten.
Insofern sind im Endeffekt wohl wir schuld, denn die Medien drucken, was wir lesen wollen (Umfragen), die Politiker sagen, was wir hören wollen (um nicht in falschen oder richtigen Umfragen abgestraft zu werden) und die Meinungsforscher wollen ihr Geld verdienen.
Welcher intelligente und aufgeklärte Mensch hat Lust, sich von einem fremden Anrufer (meist mit unterdrückter Telefonnummer) eine knappe Stunde über seine Kauf- oder Wahlentscheidungen ausfragen zu lassen? Und wozu soll das Ganze gut sein – außer zur Manipulation geistig minderbemittelter Springer- und Burda-Leser/innen, die Wert darauf legen, unter den Gewinnern zu sein?
Noch ein Tipp:
CDU 30,5
SPD 25,5
Linke 13 (leider nur!)
Grüne 12
FDP 12 (Nur die dümmsten Kälber …)
Rest 7
CDU/SPD kopu… äh … koalieren.
Da muss ich widersprechen. Die GroKo steht vor allem für Stillstand, Schwarz-Gelb für den Sprung in den neoliberalen Abgrund. Was ist wohl schlimmer? ;)
Davon bin ich überzeugt, seit ich die ersten Meldungen mitbekommen habe, die suggerierten, Schwarz-Gelb würde womöglich die Wahl doch nicht gewinnen.
@61 zahlimraum:
Das stimmt ja nun gar nicht. Bei der letzten Bundestagswahl 2005 haben sich die Kaffeesatzleser total blamiert. Die SPD hat viel mehr und die CDU viel weniger bekommen als erwartet. Das war doch mit ein Grund für diesen tollen Auftritt von Schröder in der “Elefantenrunde”.
Bin ja gespannt, was uns diesmal erwartet.
@13: Oh, ich hatte das ‘Anhalt’ völlig ausgeblendet. Sorry. Da die Prozentzahlen für die NPD in Sachsen ja ähnlich waren (die genauen hab ich jetzt nicht im Kopf, ich glaube, es waren ein paar Punkte weniger) und ich ehrlicherweise zugeben muss, dass mir Anhalt mit der DVU gar nicht mehr bewusst war, schrillten gleich die Korrekturglocken.
So sorry for the noise, my bad. :(
@Karl Heinrich
Vielleicht ist das nicht ganz klar geworden, aber die Fehlermargen hängen sehr stark von der Anzahl der Befragten ab. Währen bei ~1000 Befragten je nach Grösse der Partei Fahler von ~3-5% zu erwarten sind, wuerden die Fehler um einen Faktor ~3 kleiner werden wenn man stattdessen 10.000 Menschen befragen wuerde. Bei 100.000 Befragten statt 1000 wären die Fehler um einen Faktor 10 kleiner! (Die Fehler gehen mit der Wurzel der Anzahl der Befragten (oder genauer gesagt der Anzahl der Befragten die eine gewisse Antwort geben))
Und auch die “Schwarmintelligenz” kann die Statistik nicht ueberwinden, auch da werden die Fehler kleiner wenn man mehr Menschen befragt. Und bei den Wahl-Wetten kommt nicht hinzu dass die Wettenden nicht unabhängig sind, das macht es praktisch unmöglich da Fehler abzuschätzen und das hat auch sehr wenig mit den Umfragen zu tun, das ist statistich ein ganz anderes Problem. Deswegen bin ich nicht sehr ueberrascht wenn die Kurven bei Wahlwetten platt sind, bei denUmfragen dagegen beweist es geradezu dass die Ergenbnisse gschönt wurden.
Weiter oben in den Kommentaren wurde schon begründet, warum die Umfragen für die Piraten besonders falsch sein müssen. Trotzdem bin ich hier wohl der Erste, der die Piraten auch entsprechend prognostiziert:
CDU 31
SPD 21
Linke 15
FDP 13
Grüne 11
Piraten 5
Rest 4
Koalition: Schwarz-Gelb-Pirat
Die Struktur des von den Piraten geschaffenen Ministeriums für Internet und Kommunikation wird DAS politische Diskussionsthema der nächsten Monate.
Nach dem Scheitern dieser Koalition Mitte nächsten Jahres (als Folge der dann voll einschlagenden Wirtschaftskrise mit mehr als 15 Millionen Erwerbslosen und der Inhaftierung sämtlicher FDP-Regierungsmitglieder wegen Korruption) kommt dann folgendes Ergebnis bei den fälligen Neuwahlen:
Grüne 25
Linke 23
Piraten 17
SPD 16
NPD 8
CDU 6
FDP -
Rest 5
(Das Ergebnis der SPD erklärt sich aus deren Spaltung im Februar über die Frage der Bildung einer rosa-grün-roten Regierung. Das der NPD aus der Nichtteilnahme der FDP.)
Und darum werde ich diesmal die Piraten wählen, und nächstes Jahr, wenn es drauf ankommt, wieder die Linken.
@harey, #66
Die Fehler bei Umfragen zu Landtagswahlen lagen sogar bei über 6% :
http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/index.htm
(wenn du auf Land klickst, bekommst du Prognosen dazu).
Meines Erachtens würde der Fehler nicht wesentlich kleiner, wenn die Institute mehr Leute nach ihrer(!) Methodik befragen würden – Jens ging darauf an.
Auffallend in Diskrepanz zw. Umfragezahlen und Ergebnis ist, dass die schwarzen in Umfragen tendenziell höher, und die Linke niedriger liegen.
Wenn ich also aus den http://www.wahlrecht.de/umfragen/index.htm ausgehe, so komme ich eher auf die Zahlen, die Sawo paar Posting höher aufgestellt hat.
Mein Tipp wäre allerdings, dass Schwarz-Gelb weniger Stimmen als Rot-Rot-Grün bekommt und dass die Linke ca. 13% – gleichauf m. FDP, bekommen wird.
Wenn also die Lage für Schwarz-Gelb und Steinmeier nicht d. Überhangmandate gerettet wird, so könnte(!) Steinmeier d. Rot-Rot-Grün doch zum Kanzler werden. Und da bin ich schon gespannt, wie er sich aus der Lage herausreden wird, dass er nach all dem Kanzlerkandidatgetöse doch die Angie zu Kanzlerin machen wird. Soll das passieren, so steht die SPD zu nächsten Wahlen gleich auf oder sogar unter den Linken.
Es wird doch etwas Spannung am Sonntag geben :))
@57 Black Mamba: Völlig richtig. Zur Veranschaulichung für die Anderen hier sei noch gesagt, dass, wenn die CDU 5% mehr Stimmen kriegt als erwartet, dadurch die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass die FDP (oder irgendeine andere Partei) ebenfalls mehr Stimmen kriegt als erwartet.
Der Grund dafür ist, dass die 5% der CDU ja irgendwoher kommen müssen. Es kann nicht jede Partei +5% kriegen, dann hätten wir ja (bei 26 antretenden Parteien) insgesamt 100+26*5=230% ;)
Wenn die CDU also 5% mehr holt als erwartet, dann holen die anderen Parteien zusammen 5% weniger als erwartet. Wenn sich die “neuen” CDU-Wähler gleichmäßig aus den anderen Parteien rekrutieren würden, wäre also zu erwarten, dass die FDP gegenüber der Prognose verliert. Natürlich kann die FDP noch den Sozis/Grünen/Linken/wemauchimmer Stimmen abgejagt haben, aber sie muss sich schon mehr anstrengen als vorher, um auf +3% zu kommen.
Kurz: Die Fehler bei Union und FDP (oder bei zwei beliebigen anderen Parteien) sind nicht unabhängig voneinander.