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  • Pop, Aktion und Überlegenheitskult

    geschrieben am 28. August 2012 von Gastautor

    ein Gastartikel von Roberto De Lapuente

    Was den aufrührerischen Mösen widerfahren ist, kann man natürlich moralisch nicht akzeptieren. Zwei Jahre Straflager für ein Vergehen, das doch relativ belanglos erscheint, sind nicht nur übertrieben, sondern normal für eine politisch motivierte Justiz – nicht das Strafmaß ist demnach unerträglich, sondern der Umstand, dass es von einem unfreien Gericht beschlossen wurde. Überhöht scheint es dennoch. Gleichwohl ist der Aufruhr, den Pussy Riot weltweit erregte, an popkulturellem Einheitsbrei und ritualisierter Anteilnahme kaum zu übertreffen.

    Die Unterstützer geben sich popkulturell…

    Richtig ist, dass das Gerichtsurteil nicht unabhängig gefällt wurde und dass das Strafmaß in keiner Relation zur Tat stand. Richtig ist es natürlich durchaus auch, dass man sich solidarisch zeigt und eine solche Praxis verurteilt. Warum aber nur Verurteilungen gen Moskau? Solidaritätsbekundungen nach Sibirien? Wieso nicht nach London, wo man erwägt, eine Botschaft zu stürmen? Wo haben sich einst junge Männer solidarische Bärte stehen lassen, um auf die politische (Selbst-)Justiz einer USA zu verweisen, die islamische Männer ohne Prozess für Jahre in einem Straflager verschwinden läßt? Rund um die Welt setzen sich Menschen nun Kapuzen auf; solidarischer Mummenschanz, der massenkompatibel aufgezogen wird, der Eventcharakter birgt, der einfach gut ankommt, weil er spaßig wirkt, originell und verspielt – das ist vieles, sicherlich aber nicht kritisch oder hochgradig politisiert, wohl aber Popkultur, mit all ihren konformistischen Attributen. Sie gestaltet sich schrill, schräg und bunt – und ist somit prädestiniert für einen Geschmack, der die Breite trifft.Wie die Kulturindustrie, frei nach Adorno und Horkheimer, eine Popkultur, Popliteratur, Popkino schafft, so verankert sie auch pop politics, installiert sie Popsolidarisierungen. Das sind relativ entpolitisierte, inhaltslose, dafür aber ästhetisch konzipierte Solidaritätsbezeugungen, die einen konformistischen Zwang zur Ästhetik und zu Schlagworten, die ja nichts anderes sind als verbale Harmonisierungen, nicht aber auf inhaltliche Bereicherung und Einbringung neuer Aspekte und Sichtweisen, ausüben.

    Dass selbst Leute wie Westerwelle und Merkel den Namen Pussy Riot in den Mund nehmen, verdeutlicht mit welcher populärkultureller Verbrämung, ja mit welchem Populismus hier hantiert wird – glaubt man ernsthaft, eine deutsche Band nennte sich Mösen in Aufruhr, man würde den Namen aus Politikermund hören? Eher rümpften sie sich die Nasen, wenn sie überhaupt irgendwas dazu sagten. Man würde sie eine Anarchoband nennen, ohne konkrete Namensnennung, und man würde verurteilen, dass sie im St.-Paulus-Dom zu Münster gotteslästerliche Texte anstimmten. Und just in dem Moment, da diese Zeilen hier formuliert werden, kommt zu Ohren, dass Nachahmer im Kölner Dom ein Happening starteten und dafür verhaftet wurden. Hatten die zwei Männer und die Frau zu Köln keinen Namen? Sie sind nur einige Nachahmer. Wäre es denkbar, dass sich Westerwelle für eine fiktive Band stark machte, die sich Regensburger Domfotzen nennte, die in eben diesem Dom ein provokantes Happening abhielten? Wie oft käme ihm der Name über die Lippen?

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    Tags: Politischer Diskurs Russland
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    59 Kommentare:

    1. Spiegelfechter schrieb am 28. August 2012 um 11:10 - Permalink

      weil´s zum Thema passt – Unser Hinweis #15 von heute:

      Empörung über “Pussy Riot”-Urteil – Russisches Rowdytum, deutscher Unfug
      In Deutschland wäre eine Verurteilung wie die der russischen Punkband “Pussy Riot” kaum vorstellbar. Oder doch? Auch hier macht sich strafbar, wer “beschimpfenden Unfug” auf Kirchengrund verübt. Und drohen dafür auch zwei Jahre Freiheitsstrafe? Nein – bis zu drei.
      Quelle: Süddeutsche Zeitung

      Anmerkung JB: Ergänzend sei hinzugefügt, dass in Deutschland auch die Verunglimpfung des Bundespräsidenten, des Staates und seiner Symbole mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden kann. Erst zu Beginn dieses Jahres stand beispielsweise ein deutscher Facebook-Nutzer vor Gericht, der einen – zugegebenermaßen nicht sonderlich geschmackvollen – Bildwitz über Bettina Wulff ins Netz gestellt haben soll.

      • Sergio schrieb am 28. August 2012 um 13:25 - Permalink

        Ups…der Link zu Süddeutschen wurde bei mir geblockt….Avast sagt trojanisches Pferd…”JS:Blacole-AV [Trj]“

      • Thorsten Beermann schrieb am 28. August 2012 um 19:48 - Permalink

        Wobei es auch wenig Sinn ergibt, immer die mögliche Höchststrafe laut StGB als Beleg anführen zu wollen, daß das Urteil genau so in Deutschland möglich wäre. Wenn man sich die bisherigen Urteile dazu ansieht und nicht vergisst, daß bei dem “Punk-Gebet” (so weit ich gelesen habe) weder Personen- noch Sachschäden entstanden sind, dürfte sich das Urteil vor einem deutschen Gericht wohl im Rahmen eine Geldstrafe bewegen. (Diese Möglichkeit hätte übrigens auch der angewandte § 213 des russischen Strafgesetzes geboten).

        In diesem Fall beginnt das Problem aber eigentlich bereits einen Schritt vorher. Denn das russische Strafgesetz hat gar keinen Blasphemieparagraphen. Und die Konstruktion einer Anklage nach § 213 war nur durch den Kniff möglich, die “Band” wegen des angeblichen Schürens von antireligiösem Hass anzuklagen, was aufgrund des Tathergangs eher wackelig sein dürfte. Sonst wäre die ganze Aktion auch in Russland eine Simple Ordnungswidrigkeit, vermutlich in der Ecke von Besitzstörung oder Hausfriedensbruch, gewesen.

        • Truvor schrieb am 28. August 2012 um 23:52 - Permalink

          @Thorsten Beermann

          Hier geht es nicht um “Personen- oder Sachschäden” Thorsten.
          Du wirdt es sowieso nicht verstehen.

          • Thorsten Beermann schrieb am 29. August 2012 um 10:56 - Permalink

            Das es diesen lächerlichen Paragraphen in Deutschland noch gibt, verstehe ich tatsächlich nicht.

            Zugegeben, für den deutschen §166 StGB sind Personen- und Sachschäden (vordergründig) unbedeutend. Für den russischen § 213 allerdings nicht, weil sich der Gesetzestext vor allem gegen gewalttätige Ausschreitungen richtet.

        • Carlo schrieb am 29. August 2012 um 00:31 - Permalink

          Naja, 2 Jahre Lagerhaft sind völlig unsinnig. Aber dafür 2 Jahre verpflichtender Gesangs- und Musikunterricht in der betroffenen orthodoxen Gemeinde wäre den schrillen Gören, für ihre künstlerische Entwicklung, bestimmt sehr förderlich, denke ich mal.

          • Truvor schrieb am 29. August 2012 um 00:55 - Permalink

            @Carlo

            Nicht mal 20 Jahre “Gesangs- und Musikunterricht” würden was bringen.
            Wenn Du nur gehört hättest was die Mädels aus Musiktönen gemacht (wenn sie schon ins Lager müssen, dann nur wegen ihrer “Musikqualität”) haben.
            Jesus, Maria und Joseph, lieber nicht !!!!!!!!

            • Carlo schrieb am 30. August 2012 um 02:04 - Permalink

              @Truvor
              20 Jahre sind eine zu lange Zeit……
              Könnte das Gericht in der Revision für die Gören nicht eine hohe Geldstrafe als Ersatz für den verlorenen lagerdienstlich zu erwartenden Gewinn verordnen? Die CDU/CSU als wie auch die SPD/FDP/Grünen könnten dann die Geldstrafe begleichen, und die Traumfrauengruppe auslösen und an vorderster Front in ihrem Wahlkampf einsetzen. Vielleicht ist das auch eine nicht ganz abwegige Idee für Mitt Romneys Wahlkampfmanager. Leave East, Go West! Wäre doch eine Win-Win Situation….oder lieg ich mal wieder wg. Naivität voll daneben?….;-)

            • Truvor schrieb am 30. August 2012 um 03:01 - Permalink

              @ Carlo am 30. Aug. um 02:04

              Danke Carlo für den herrlichen Kommentar ;-)

    2. Mod schrieb am 28. August 2012 um 11:38 - Permalink

      Die Pussys hätte darauf verzichten können das Gericht zu “verunglimpfen”, zumindest hätten sie warten sollen bis nach dem Urteil. Weil Putin ja schon Öffentlich erklärte, es (das Gericht) möge nicht so hart über diese Pussys urteilen..

      An Münsters Lambertikirche hängen immer noch (seit dem 15 Jahrhundert) die drei Ungläubigen in ihren Käfigen, im Dom hätten Pussys auch Ärger bekommen. Möse käme weder Herrn Westerwelle noch Frau Merkel über die Lippen!

      Neulich in Bayern http://www.cras-legam.de/HHZ03.htm

      • der Herr Karl schrieb am 28. August 2012 um 13:18 - Permalink

        @Mod
        Bei der Medienblase geht es nicht zuletzt (wieder einmal) um einen weiteren Versuch, einen Krieg der Geschlechter anzuzetteln.
        http://maedchenmannschaft.net/free-pussy-riot-aber-bitte-ohne-sexismus-und-leere-reden/

        • Kein Kunde schrieb am 28. August 2012 um 17:29 - Permalink

          Tjoar, so sind se die Mädchenmannschaften und Blogs im Lande, entweder ist man zu 120 % dafür, oder man(n) ist deren Feind.

          Gab’s hier nicht schonmal großen Spaß mit einem Piratenweib?

    3. der Herr Karl schrieb am 28. August 2012 um 11:43 - Permalink

      Grossartiger Text!
      Die mediale Pussy Riot-Empörung und Instrumentalisierung übertrifft sogar die Posse um die Timoschenko.
      Roberto De Lapuente versteht es immer wieder meisterhaft, verrückte Geschichten in ihre richtige Relation zu rücken.

    4. leslie schrieb am 28. August 2012 um 12:22 - Permalink

      ´´und man würde verurteilen, dass sie im St.-Paulus-Dom zu Münster gotteslästerliche Texte anstimmten.´´

      Wir wollen sündigen…^^

      Wieso kommt mir da bloss das kleine Arschloch in den Sinn.
      http://www.youtube.com/watch?v=W3m8MVxlmd8&feature=related

      Mfg

    5. Natalie schrieb am 28. August 2012 um 14:32 - Permalink

      Herrlich, vor allem die “Regensburger Domfotzen” haben mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. ;-)

      • Kein Kunde schrieb am 28. August 2012 um 19:20 - Permalink

        Die “Regensburger Domvotzen” sind ein Zitat aus dem Gastartikel.

        Einmal Strg+F im Artikel, dann weiß man’s.

        fröhlich helfend
        KK

        • Kein Kunde schrieb am 28. August 2012 um 19:40 - Permalink

          Dann selbstzensieren wir uns mal und unterlassen das V-Wort.

          Womit wir dann doch wunderbar Jens Einschub belegt haben.

          • Mod schrieb am 28. August 2012 um 19:42 - Permalink

            “Womit wir dann doch wunderbar Jens Einschub belegt haben.”

            welcher Einschub?

    6. Volker Birk schrieb am 28. August 2012 um 15:05 - Permalink

      Pussy Riot hat eine wirklich grossartige Aktion geleistet. Sogar das Bildungsbürgertum regt sich auf, /natürlich/ “nur” über den Pop daran. Wie, äh, /populär/ ! Oder am liebsten gleich böse, nämlich kommerziell! Oh, Mist, geht diesmal nicht. Naja. Aber wenn schon Westerwelle… ! Also wirklich… !

      Ich liebe diese Frauen für ihren Punk. :-) Und von mir aus können sie sich Fotzen, Mösen, Schlitze oder sonstwie nennen. Ich liebe sie noch viel mehr dafür ;-)

      Ihr arroganten, analfixierten Schlappschwänze von aufgeblasenen Männchen da draussen: die Menge Feminismus, die ihr eigentlich braucht, und die Euch heilen könnte, kann nicht einmal Pussy Riot liefern. ;-)

      VB.

      P.S.: Eine intelligente Analyse von Pussy Riot hat heute die NZZ: http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/literatur/maedchen-schlaegt-man-nicht-1.17530521

      • Kein Kunde schrieb am 28. August 2012 um 19:46 - Permalink

        Lieber Volker,

        ich bin mal so frei und gebe Dir die gelbe Karte für sexistische Äusserungen.

        “Männchen” ist nicht weniger sexistisch als “Mädchen” oder “Mädels”.

        Offensichtlich liefern Pussy Riot nicht die nötige Menge Antisexismus um heilsam zu sein?

        Darf ich fragen, welche Dosis offensichtlich noch zu wenig ist?

        • Volker Birk schrieb am 28. August 2012 um 22:42 - Permalink

          Dankeschön! Ich werde die Karte zu den vielen anderen stecken ;-)

          Viele Grüsse,
          VB.

        • Oppi schrieb am 29. August 2012 um 03:27 - Permalink

          “Mädchen” ist sexistisch ?

          I don’t want to live on this planet anymore.

          • Kein Kunde schrieb am 29. August 2012 um 14:14 - Permalink

            Ja, ist es.

            Es dient in dem Kontext einzig dazu ein Gegenüber abzuwerten.

            Ebenso wie Männchen, hier zielt es dann in Richtung des Tierreiches ab und das Mädchen oder der Junge dienen eben dazu zu trennen, von den Herren/ Damen die das Gespräch besser ungestört führen wollen.

            Schön zu beobachten ist dieser Sexismus, wenn GrünInnen Politikerinnen in Talkshows mit Piraten sitzen und sich wehement weigern diese als Erwachsene anzusprechen und sich ständig ins abwertende “Jungs” flüchten.

            Truvor beispielsweise demonstriert dies weiter unten, wenn er mich fragt “Was fehlt Dir, Junge ?”

            Vermutlich drückt er in der Abwertung meiner Person Unmut darüber aus, mein Posting nicht verstanden zu haben, versucht es aber, vermutlich wegen der Öffentlichkeit des Raumes Internet, damit die Schuld auf mich umzulenken, indem er mit “Junge” und “fehlen” einen Mangel (Alter/Erfahrung/Krankheit) auf mich zu Münzen.

            @ Drummy-B

            Wo geht’s denn in der Diskussion um die Frauen?

      • schwitzig schrieb am 28. August 2012 um 19:50 - Permalink

        @Volker Birk

        Ich bin mir jetzt echt unsicher, ob Dein Beitrag eine Art Satire sein sollte. Der verlinkte Vollschrottartikel läßt mich allerdings befürchten, dass Du das tatsächlich ernst meinst!?

        • der Herr Karl schrieb am 28. August 2012 um 21:21 - Permalink

          @schwitzig

          “Politisch steht die NZZ der FDP Schweiz nahe; sie vertritt eine liberal-bürgerliche Haltung.” (Wikipedia)

          Typische Zeitung der Banker in Zürich, gefaltet (mit dem Titel nach aussen) in der linken Hand, in der rechten die Aktenmappe. In der NZZ drin (daher nicht sichtbar für die Umstehenden) den Blick (die Bild der Schweiz).

          • Volker Birk schrieb am 28. August 2012 um 22:43 - Permalink

            Sehr nette Beschreibung der NZZ-Leser ;-) Hast Du auch eine für die FAZ?

            Viele Grüsse,
            VB.

        • Truvor schrieb am 29. August 2012 um 01:22 - Permalink

          @Schwitzig

          Der Volker (ist er neu hier ? oder doch nicht) ist unheilbar.
          Irgendwas stimmt nicht mit ihm, ehrlich.
          Ich hätte mich geschämt solche “Vollschrottartikel” zu verlinken, aber er tut das ganz im Ernst.
          Mannnnn !

      • danielmite schrieb am 29. August 2012 um 08:05 - Permalink

        Niemand braucht Feminismus.

    7. Volker Birk schrieb am 28. August 2012 um 15:16 - Permalink

      Ach ja, nur dass wir nicht vergessen, worum’s überhaupt geht:

      http://www.nzz.ch/aktuell/international/russland-aktivistin-straflager-1.17535157

      Viele Grüsse,
      VB.

    8. Milo schrieb am 28. August 2012 um 15:20 - Permalink

      Es ist alles eine Frage der Sichtweise. Für die einen sind Pussy Riot große Helden der Meinungsfreiheit. Für die anderen eher “Hühner”, die auf billige Weise provozieren: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/pussy-riot-lady-suppenhuhn-11867761.html Die FAZ sieht die Damen äußerst kritisch. Und der Leser steht nun wieder dumm da, weil er sich zu wenig ein eigenes Bild machen kann.
      Wie auch immer man ihre Aktion letztlich beurteilt: Mir tun die Mädels leid, dass sie für so eine Kleinigkeit solange in den Bau müssen.

      • Truvor schrieb am 29. August 2012 um 03:01 - Permalink

        @Milo

        Das Empörendste an dieser Geschichte ist, daß diejenigen, die diesen dummen Mädels zu dieser Aktion angestachelt haben, davon kommem werden.
        Die Hintermänner müssen eigentlich “in den Bau” und nicht diese doofe Pussys.
        Andererseits die Pussys waren alt genug, um zu begreifen/kapieren, daß man sie (Pussys) benutzt.

        Nein, ehrter Milo, das ist keine “Kleinigkeit” was sie angestellt haben.
        Hier vielleicht, aber nicht in Russland.

        • Volker Birk schrieb am 29. August 2012 um 08:14 - Permalink

          Es wird immer absurder – jetzt gibt’s schon “Hintermänner” für intelligenten, feministischen Punk ;-) So langsam entwickelt sich die “Diskussion” hier zu einem Lehrstück. Praktisch, kann man sie dann zitieren.

          • Truvor schrieb am 29. August 2012 um 14:27 - Permalink

            @ Volker Birk

            Von welchem “intelligenten Punk” redest Du hier.
            Die Mädels können ihre Musikinstrumente nicht beherrschen. ;-)

            • GrooveX schrieb am 29. August 2012 um 16:14 - Permalink

              punk –> beherrschen, aha. du weisst, was punk ist?

            • schwitzig schrieb am 29. August 2012 um 17:33 - Permalink

              @GrooveX
              Er schrieb, dass sie ihre Musikinstrumente nicht beherrschen – und nicht, wie er “Punk” definiert. Das ist objektiv richtig, denn sie können nicht nur nichts, sondern sind handwerklich einfach schlecht. Richtig schlecht, wenn nicht sogar völlig untalentiert.
              Es ist kein notwendiger Bestandteil des “Punks”, nichts zu können.

            • GrooveX schrieb am 29. August 2012 um 19:41 - Permalink

              hä? schon gut. keine diskussion um punk.

          • Henne mag easykick schrieb am 30. August 2012 um 15:02 - Permalink

            Vielen Dank Volker Birk! Ich amüsiere mich ebenfalls köstlichst über Spekulationen von Hintermännern und “doofe Pussys” in den Bau. Eine teilweise wirklich absurde Diskussion. Genauso absurd wie die Strafe ansich. Putin hat nur eins dabei nicht bedacht: Er wollte mit seinem Strafmaß “Größe” und “Härte” beweisen. Wenn man’s sich aber genauer überlegt, hat er vor ein paar “Mädels” (übrigens absoluter Quark das als sexistisch zu deklarieren, aber das nur nebenher bemerkt) derart Angst gehabt, dass er sie ins Arbeitslager schickt. Ignoranz wäre wahrscheinlich die bessere Wahl für seine Intention gewesen einen auf “großen Macker” zu machen. Grüße, Henne

    9. Volker Birk schrieb am 28. August 2012 um 15:45 - Permalink

      Pussy Riot sind doch keine “Helden der Meinungsfreiheit”. Diese Frauen machen Punk. Sie provozieren den ganzen widerlichen, abgestandenen autoritären Muff, den Putin mit seinem perversen Deal mit der orthodoxen Kirche bedient.

      Und sie machen intelligenten Punk: von den bunten Mützen bis zum Ibárruri-T-Shirt, alles durchdacht und wohl plaziert.

      Das einzige, was Gathmann in der FAZ dazu einfällt, ist seiner konservativen Angst und seinem Unverständnis mit einem geradezu lächerlichen Vergleich Ausdruck zu verleihen: wahrscheinlich hat er mal irgendwo gehört, dass Baader Ensslin und Meinhof “Fotzen” nannte. Lief im Fernsehen.

      Viele Grüsse,
      VB.

    10. Sigmund schrieb am 28. August 2012 um 19:20 - Permalink

      ich frage mich, was die Medien wohl sagen würden, wenn der russische Prokurator gegen G. Kasparow Vergewaltigungsvorwürfe erheben würde, und zwar solche mit gleichen Tathergang wie bei J. Assange?
      Würde man dann Kasparow verurteilen oder das ganze als schlecht getürkte Inszenierung “entlarven”.
      (Davon das die Omon eine Botschaft in Moskau stürmt ganz zu schweigen.)

    11. Kein Kunde schrieb am 28. August 2012 um 19:31 - Permalink

      Was wirklich an der Geschichte traurig ist?

      Ebenso, wie an vielen anderen Geschichten aus den ehemaligen Ostblockstaaten?

      Durch unser Unwissen machen wir nur deutlich, wie gut die Integration und das Zusammenleben mit all den Russen, Ukrainern, Slowenen und so weiter funktioniert.

      Nämlich gar nicht, zumindest lese/ höre ich seltenst mal eine Meinung die darauf fußt, dass man vielleicht mal mit seinem Nachbarn gesprochen hätte über die Thematik und ähnliches.

      Vielleicht haben diejenigen, die den Ton angeben auch gar keine einfachen Russen im Umfeld, soll’s ja auch geben.

      • Truvor schrieb am 29. August 2012 um 02:42 - Permalink

        @ Kein Kunde

        Hab nix verstanden.
        Was fehlt Dir, Junge ?

    12. Lemmy Caution schrieb am 28. August 2012 um 20:16 - Permalink

      Es ist sehr problematisch staatliche Übergriffe gegen allgemeinverbindliche ethische Normen zu vergleichen.
      Einige chilenische Polizisten haben auf die wieder anrollende Welle an neuen Schulbesetzungen mit einem in den letzten 25 Jahren unbekannten Maß an Gewalt reagiert. Es gibt eine Menge an Aussagen, wonach:
      - Polizisten Pistolen an Köpfe von Schülern hielten
      - Polizisten Schüler bis zur Bewußtlosigkeit zusammenschlugen
      - Beginn von sexuellen Übergriffen (Schüler mußten sich nackt ausziehen, Polizist zeigte Genitalien)
      - Schüler wurden bis zu 8 Stunden festgehalten.
      Neben chilenischen Medien berichtete zumindest die New York Times.

      Merkel haut die Chinesen an, dass die ein paar Spanische und Italienische Staatsanleihen kaufen. Gute Basis für eine offene Kritik der Menschenrechtslage in China?

      Klar besitzt in dieser Welt das Schicksal der Pussy Riots Künstlerinnen eine verhältnismässig hohe Prominenz in den Medien. Aber jeder weiss das. Gefährlich wird es, wenn man relativiert. Den jungen Damen geschieht Unrecht. Das ist das wichtigste.

    13. bild-genervter schrieb am 28. August 2012 um 22:16 - Permalink

      OFF TOPIC

      Hallo,

      in meinen Freundeskreis findet sich einer, der die typische BILD-Haltung zu Griechenland vertritt. Dem würde ich gerne contra geben, habe aber nicht die Zeit, mich in die Materie einzuarbeiten, ich schaffe es nicht mal, alle erscheinenden Artikel auf den Nachdenkseiten zu lesen (meine erste Anlaufstelle), obwohl ich mir das vorgenommen habe.

      Gesucht: Irgendein Grundlagentext, der die Bild-Position nachhaltig auseinandernimmt.
      Wär echt fantastisch.

      Danke!

      • Mod schrieb am 28. August 2012 um 22:22 - Permalink

        OFF TOPIC

        Bild am Sonntag?

      • Volker Birk schrieb am 28. August 2012 um 22:40 - Permalink

        Hallo,

        informiere ihn doch mal darüber:

        http://www.auchdieserschwachsinnmussinsinternet.de/2012-04/s1335316058.html

        Viele Grüsse,
        VB.

        • der Herr Karl schrieb am 29. August 2012 um 03:56 - Permalink

          @ VB

          Nicht schlecht…

    14. drummy-b schrieb am 29. August 2012 um 07:50 - Permalink

      @Volker Birk
      Lieber Volker,

      Misogynie hat insbesondere im Kommentarbereich (aber auch bei einigen Autoren, s.o., dieser hier schafft ja die Meisterleistung, das (feministische) Hauptanliegen der Gruppe nicht mit einem einzigen Wort zu erwähnen und stattdessen die Sache auf unflätige Provokation als solche zu reduzieren – was letztlich nur seine eigene Einstellung zu den ‘Mädels’ zeigt) eine lange Tradition. Dagegegen anzugehen ist leider vollkommen sinnlos, man erntet nur Beleidigungen. Lieber seine Energie in anderes stecken …

      • Volker Birk schrieb am 29. August 2012 um 08:18 - Permalink

        Ach weisst Du, das bin ich ja gewohnt. Aber etwas ärgern darf man die Jungs dann schon noch, oder? ;-)

        Und bei der Kirche hakts dann spätestens bei den meisten Konservativen aus. In diesem Kontext gewinnen jene Worte eine interessante Zusatzbedeutung:

        And today the sheep on the downs were left by themselves to do whatever it
        was that they did when they were by themselves, which would presumably be
        pretty much the same as they did if you were watching them.

        (Terry Pratchett, I Shall Wear Midnight)

        • drummy-b schrieb am 29. August 2012 um 10:37 - Permalink

          ich sage immer, im Tempel des Herrn ist’s einfach zu dunkel für eine Erleuchtung…

      • danielmite schrieb am 29. August 2012 um 08:28 - Permalink

        Spalter!

    15. Spezialdemokrat schrieb am 29. August 2012 um 09:57 - Permalink

      Die seltsamen Damen von “Pussy Riot” haben zuerst einmal Hausfriedensbruch begangen.
      Wenn sich die Kirche das nicht bieten lässt ist das absolut in Ordnung.Die politischen Aussagen stehen auf einem anderen Blatt. Auf alle Fälle hat das belesene und kulturbeflissene russische Volk andere Möglichkeiten des Protestes zu bieten als den billigen Schund der Punkband.

      Geschähe all dies in einer deutschen Kirche, wäre der Protest höchstwahrscheinlich sehr lau.
      Mahnwachen, Kerzen, Demos gäbe es nur, wenn der Punk in einer Moschee abginge.
      Also: Deutsche Reaktionen Ablage “P”.

    16. der Herr Karl schrieb am 29. August 2012 um 10:54 - Permalink

      Die Pussy-Riot-Empörung hat auch etwas Gutes: Sie lässt die Timoschneko etwas in den Hintergrund kriechen…

      • Spezialdemokrat schrieb am 29. August 2012 um 11:09 - Permalink

        @ Herr Karl
        Die Berufung der ukrainischen Zopfliesel wurde abgeschmettert.
        Julchen Timoschenko wird also weiter im Hotel Justizia verweilen müssen.

        http://www.spiegel.de/politik/ausland/gericht-in-der-ukraine-bestaetigt-haftstrafe-fuer-timoschenko-a-852696.html

    17. OAlexander schrieb am 29. August 2012 um 11:16 - Permalink

      Leute die gut Englisch können, wissen, dass “Pussy” ein Kosewort für Katzen ist. Honi soit qui mal y pense – und das anders übersetzt. Wie auch immer, bereits in der 1970er englischen sitcom “Are you being served” sorgte es immer wieder für große Heiterkeit, wenn Mrs Slocum, in Würde erbläute Verkäuferin in der Damenunterbekleidungsabteilung des Grace Brothers Kaufhauses, sich beklagte, dass ihre “Pussy” so haarig sei, und in der Mauser sich sich die Haare ihrer “Pussy” in den Zähnen ihrer Gentlemen-Besucher verfingen.

      So wäre wohl der Miezenaufstand in Moskau zum Sturm im Wasserglas verpufft, wenn Vlad the Lad der Richterin verständlich hätte machen können, es bei irgendwelchen zwei Tagessätzen wegen Hausfriedensbruch zu belassen. Nun dürfen sich drei Miezen irgendwo in Sibirien die wunden Tatzen lecken und davon träumen, nach ihrer Entlassung im Westen als musikalische Megastars des Widerstandes rumgereicht zu werden und dabei die Bankkonten kräftig aufzufüllen. Was möglicherweise der Fall sein könnte, wenn sich nicht schon jetzt die zwei drei anderen Mitglieder katzengewandt absetzen können und die Geldtöpfe leerschlecken, so dass am Ende nicht mehr viel übrigbleibt. Natürlich bleibt abzuwarten, ob die russischen Pussies ein hübsch genuges Fell für die westliche Starkultpresse haben. Von dem was mir bekannt ist, ist in zwei Drittel der Fälle der Kapuzenlook durchaus angebracht. (Ich harre mit Ungeduld der Misogynisten-Keule.)

      Für mich, jemanden der, wie bspw. im Georgien-Konflikt, durchaus kraftvoll russische Positionen verteidigt, wenn ich das für angebracht halte, macht es die Sache nicht besonders einfach, wenn der russische Bär nicht als liebes Schosskätzchen wahrgenommen wird, sondern eher als menschenfressender Tiger.

      Wie der russische Leserkommentatorenkollege Truvor – der mir durchaus schon vor längerer Zeit auch als Speznaft des Glaubens aufgefallen ist – richtigerweise feststellt, sind viele Russen der Ansicht, dass die Strafe auch gerne etwas höher ausfallen hätte dürfen – wie auch viele der etwas neutraler eingestellten Antirussland Korrespondenten berichten, die ihre Tage in Russland damit verbringen die dortigen Mitglieder der Carnegie und Eurasia Foundations nach deren Meinung zu befragen.

      Dies zeigt natürlich auch auf, wie effizient die Regierungen der “DDR” waren: in weiten Teilen der Ostzone wurde Religionismus quasi ausgemerzt. Wie sich herausgestellt hat, waren die evangelischen Kirchen und Gemeindehäuser allzuoft nur konspirative Versammlungsstätten und eher weniger Stätten zur Anbetung von Jesus. Es scheint, dass da gewissermaßen das Bildungssystem der “DDR” effizienter war als der russische Repressionsmechanismus, der meinte, es genügt Popen aufzuhängen oder zum Bergwerkseinsatz nach Sibirien zu schicken. Vielleicht hätten Vlad the Lad und seine Mannen darüber mal kurz nachsinnen sollen.

      • der Herr Karl schrieb am 29. August 2012 um 11:22 - Permalink

        Die Misogynisten-Keule war weiter oben bereits im Einsatz.
        Fehlt nur noch Andreas Kemper…

    18. Michael Schmidt schrieb am 29. August 2012 um 14:06 - Permalink

      Wie der SZ-Artikel beweist, ist der Tatbestand an sich bei uns auch strafbar. Die Höhe einer Strafe obliegt jedoch dem jeweiligen Gesetzgeber und Gerichten. Also bitte nicht meinen, bei uns wäre dei Strafe ja niedriger. Das ist ja vorher bekannt.

      Ich war in Moskau während des Prozesses. Und alle, die ich sprach, waren nicht über das Verfahren, sondern über die Mädchen empört, wegen Beleidigung des Glaubens usw. Nun sind die meisten Gläubigen in Russland Konvertierte oder Neugläubige, also wie immer extremer in ihren Ansichten. generell halten alle es eher für einen Versuch, Aufmerksamkeit zu erregen, als fundierten politischen Protest. Musikalisch nimmt die in Russland sowieso keiner wahr oder ernst.

      Und da es nicht der erste Auftritt in der Öffentlichkeit war, hätte ein politisch motivierter Prozess, um sie zum Schweigen zu bringen, schon eher erfolgen können. Statt dessen sind die Medien in Russland viel vielfältiger als hier. Während hier ein gequirlter Brei vorherrrscht, und andere Meinungen eher totgeschwiegen werden, wenn nicht gerade Randale drumherum passieren, haben in Russland in dieser Zeit viele Zeitungen die Sprüche von P.R. wortwörtlich zitiert, inklusive der Beleidigungen.
      in den Buchläden liegt ein Buch exponiert “Wenn ich Zar wäre ..” mit Putins Bild auf dem Cover und dem Untertitel “Russische Präsidenten”. Zensur sieht doch wohl anders aus, oder?
      Es wäre sinnvoller, in Deutschland zu begreifen, dass es keine von den Russen ernstgenommene Opposition in Russland gibt.
      Was man sich hier über Russland aus den Fingern saugt, ist manchmal erschreckend. Man tut so, als wäre das Putin-Regime kurz vor dem Kollaps, wenn es nicht Gewalt anwenden würde. Dabei ist schon die Wortwahl Regime falsch, als auch die Situationsbeschreibung.

      Russland Probleme liegen in der Korruption vor allem der lokalen Hierarchien, und im Sozialbereich. Hierzu äußert sich die “Opposition” jedoch nicht, weil sie selbst innerhalb des korrupten Systems etabliert ist, und Soziales nicht ihr Anliegen tangiert, während Putin hier eindeutig Verdienste in seiner ersten Amtszeit hatte. Und generell neigt der Russe in diesem Fall dazu, die Satten gewähren zu lassen, als neue Leute an die Macht zu bringen, die sich erst mal die Taschen vollhauen. Und gerade weil bei Putin sehr wenig von persönlicher Bereicherung spürbar ist, hat er bei den Leuten vor allem außerhalb der Metropolen Moskau und Piter Steine im Brett. Machthunger, der sich nur andere Ehrgeizlinge stört, juckt sonst niemanden.

      • Truvor schrieb am 30. August 2012 um 14:21 - Permalink

        @ Michael Schmidt

        R_Winter wo bist Du ?
        Schau mal was Michael hier oben geschrieben hat.
        Ist er Deiner Meinung nach auch (wie Du mich immer bezeichnest) Putins Agent (bzw. Putins Lobbyist) ?
        R_Winter hallo, woooo bist Duuuuu ?

    19. unbequemer schrieb am 30. August 2012 um 13:32 - Permalink

      P.R. – hm – Pussy Riot = Public Relation? Mehr war die Aktion wohl eher nicht.

    20. Truvor schrieb am 30. August 2012 um 15:15 - Permalink

      http://www.interfax-religion.ru/?act=news&div=47066 ;-)


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