Kann denn nicht mal einer an die Künstler denken?
geschrieben am 05. September 2012 von Thorsten Beermann
Von Thorsten Beermann.
Im Hintergrund brodelt sie weiter: Die Urheberrechtsdebatte. Die Fronten sind verhärtet. Die Unterhaltungsindustrie führt die Diskussion schon sein Jahren mit Kampfbegriffen wie dem des „Raubkopierers“ oder lässt Anonymus im Stil eines Splatterfilms zum Kulturfledderer werden, während die Gegenseite (wobei es da eigentlich keine geschlossene Gruppe gibt) den Verlagen ihre Versäumnisse bei der Anpassung an das Internet vorwerfen und die selben Anonymus (bzw. eine Untergruppierung) die privaten Daten von Unterzeichnern eines offenen Briefes mit dem Titel „Wir sind Urheber“ veröffentlichten Eine vernünftige Diskussion scheint nicht mehr möglich. Die Verlage, die sich zuletzt mit dem fragwürdigen Leistungsschutzgesetz aus der Deckung gewagt haben, beklagen eine „Umsonstmentalität“, die Verbraucher eine Gier der Verwertungskartelle.
Zwischen den Stühlen schienen dabei die Urheber selbst zu sitzen. Sobald es ein Kulturschaffender wagte zu äußern, dass er für seine Arbeit auch gerne bezahlt werden möchte, wurde ihm das Stigma des raffgierigen Geldsacks angehängt (vollkommen egal, wie viel er tatsächlich verkaufte). Künstler, die sich gegen GEMA, Label oder für unbezahlte Downloads aussprachen – freilich in der Regel ohne daraus auch tatsächlich Konsequenzen zu ziehen – wurden zu Helden erklärt und fortan als Beispiel präsentiert, dass es ja auch anders ginge. Die restlichen Kulturschaffenden wurden kurzerhand zu Opfern ihrer Ausbeuter erklärt und ihnen wurde Selbstvermarktung nahe gelegt.
Die Realität ist dabei, wie so oft, etwas komplizierter. Zwar haben alle Seiten in einigen Punkten zumindest nicht vollkommen Unrecht, trotzdem dürfte der (scheinbaren) Mehrheit ein vertiefter Blick auf die Verhältnisse kaum gefallen. Zeit für ein paar unpopuläre Gedanken über das Urheberrecht.
Die Fehler der Unterhaltungsindustrie
In den letzten Jahrzehnten haben sich die Verlage aller Medienarten nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Die vielleicht schwerwiegendste Anschuldigung ist, der Funktion als Qualitätskontrolle nicht mehr in ausreichendem Maß nachzukommen. Mit der Veröffentlichungsflut von Filmen, Büchern, Alben und Videospielen, die den Kunden nicht mehr längere Zeit fesseln, sondern schnell nebenbei verkonsumiert und danach bald wieder aus dem allgemeinen Gedächtnis verschwinden, haben die Verlage nicht zuletzt selbst zur sinkenden Wertschätzung ihrer Produkte beigetragen.
Ebenso unzweifelhaft haben es die Verlage über Jahre verpasst, neue legale und bezahlbare Vertriebsstrukturen aufzubauen, die sich durch die neuen Technologien angeboten hätten. Stattdessen wurde die ganze Energie darauf verwendete, die sich bildenden illegalen Strukturen zu bekämpfen. Und falls doch mal eine Alternative geschaffen wurde, wollten sich die Verwerter die Kostenersparnis, die sich aus dem Wegfall von Zwischenhändlern wie Vertrieb und Einzelhandel ergaben, in die eigene Tasche stecken, statt sie wenigstens teilweise an den Kunden weiter zu geben.
An dieser Stelle könnte man noch eine Weile weiter machen. Ich selbst habe mich 2009 nach der abgesagten Musikmesse Popkomm bereits ausführlicher mit diesem Thema beschäftigt (interessant an dieser Stelle auch die folgende Diskussion mit einem Inhaber einer kleineren Plattenfirma) und es ließen sich sicher noch weitere Dinge finden. Die Frage ist aber: spielt das eine Rolle?
Erst die Musik, dann die Moral?
Ohne Zweifel arbeiten die Verlage bei der Schätzung ihrer durch illegale Downloads und andere Formen der Weitergabe erlittenen Verluste mit vollkommen überhöhten Zahlen. Allein die Zahl der Downloads ist bereits nur geschätzt bzw. aus stichprobenartigen Einblicken hochgerechnet. Aber allein die Behauptung, dass jede unbezahlte Weitergabe einem verpassten Verkauf entsprechen würde, ist absolut unhaltbar. Selbstverständlich hätte sich nicht jeder, der einen Song oder Film bzw. ein Album oder Spiel auf die Festplatte zieht, das entsprechende Produkt sonst auch gekauft, in vielen Fällen wird die Datei nicht mal genutzt und bald vergessen. Das ist die eine Seite.
Auf der anderen Seite steht allerdings die für mich gewichtigste Frage, auf die am Ende immer wieder alles hinausläuft: Wenn ich nicht bereit bin, dem Urheber oder Rechteinhaber für die Nutzung von Inhalten auch etwas zu zahlen, warum verzichte ich dann nicht darauf und eigne mir diese Inhalte überhaupt an?
Egal was Künstlern, Verlagen oder Verwertungsgesellschaften als vorgeworfen wird, ob mit Recht oder nicht, am Ende wird man immer wieder auf diese Frage zurückkommen, auf die ich bisher noch keine befriedigende, meistens jedoch gar keine Antwort bekommen habe. Scheinargumente, warum das unbezahlte Kopieren unproblematisch, wenn nicht sogar das gute Recht des Nutzers ist, gibt es derweil reichlich.
Das Bedürfnis
Ein gerne angeführter Grund für den illegalen Austausch von Inhalten im Internet ist das Fehlen von legalen Vertriebsstrukturen. Es gäbe, so das Argument, ein Bedürfnis des Konsumenten nach einfachen und preiswerten Wegen, diese Inhalte zugänglich gemacht zu bekommen, also etwa ohne in ein Geschäft gehen oder einen Versand abwarten zu müssen. Und da die Urheber und ihre Vertreter diese Strukturen bisher nicht in ausreichendem Maß aufgebaut haben, bräche sich dieses Bedürfnis eben andere Bahnen. Klingt logisch, oder?
Ganz so einfach ist es dann aber nicht und damit wären wir schon wieder bei der alles entscheidenden Frage aus dem vorletzten Absatz. Wenn ich etwas haben möchte, das einem Anderen gehört, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: 1. Wir werden uns über die Bedingungen einig und ich erhalte es. 2. Wir werden uns nicht über die Bedingungen einig und ich muss auf dieses Gut verzichten, so wie er auf mein Geld verzichten muss.
„Wenn du es mir nicht zu den Bedingungen verkaufst, die mir passen, nehme ich es mit halt so“ kann allerdings keine akzeptable Option sein.
Wenn ich mich mit dem Verkäufer nicht über die Bedingungen des Verkaufs einigen kann, muss ich eben auf die Ware verzichten. Wenn genügend andere Interessenten der gleichen Meinung sind und die Konsequenz ziehen, wird der Anbieter irgendwann seine Bedingungen ändern müssen. Wenn nicht, habe ich schlicht Pech. Denn…
Kulturelle Teilhabe
…es handelt sich bei den fraglichen Inhalten nicht um lebensnotwendige Güter. Eines der abstruseren Argumente für Tauschbörsen und Co ist die kulturelle Teilhabe von finanziell schlechter gestellten Bevölkerungsgruppen. Wer dann für das Urheberrecht argumentiert, sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, er wolle die Finanzschwachen ausschließen. Die Argumentationskette hat gleich mehrere Lücken.
Zunächst bedeutet kulturelle Teilhabe zwar den Zugang zu Kultur, aber nicht den Anspruch ein bestimmtes Medium zu einem bestimmten Zeitpunkt zugänglich gemacht zu bekommen. Zugespitzt könnte man sagen: Das neue Justin Biber-Album am Tag des Erscheinens in den Händen zu halten bzw. auf dem MP3-Player zu haben, ist kein Menschenrecht. Wer sich ein bestimmtes Medium zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht leisten kann, muss eben so lange warten, bis er das Geld zusammengespart hat bzw. der Preis gesunken ist. Sollten für Kultur gar keine Mittel verfügbar sein, gibt es noch immer andere Quellen wie Rundfunk und Fernsehen (die eigentlich alle denkbaren Genres abdecken sollten), Bibliotheken, etc.
Viel wichtiger ist aber ein anderer Punkt: Es ist nicht die Aufgabe der Urheber und Verlage, für die Möglichkeit der kulturellen Teilhabe zu sorgen. Es ist die Aufgabe der Gesellschaft. Genau so, wie wir auch nicht von den Lebensmittelproduzenten verlangen, einen Teil ihrer Produktion kostenlos für die Bedürftigen bereit zu stellen, müssen wir als ganze Gesellschaft über die Sozialsysteme die Leistungsbezieher in die Lage versetzen, sich Kultur leisten zu können. In welchem Umfang das geschieht, muss politisch ausgehandelt werden. Es ist aber eben ganz sicher nicht das Problem derer, die Kultur schaffen oder verkaufen.
Und schließlich ist dieses Argument vor allem eine Nebelkerze, die davon ablenken soll, dass der Großteil der illegalen Weitergaben eben nicht an Menschen gehen, die sich zwischen etwas kultureller Teilhabe und vernünftigem Essen entscheiden müssen, sondern an Gutsituierte, die sich den Kauf der Inhalte (zumindest der Inhalte, die sich wirklich nutzen) sehr wohl leisten könnten und sich das Material mit Hilfe aktuellstem Equipment aneignen.
Das Recht auf Privatkopie
Gerne angeführt wird auch das „Recht auf Privatkopie“. Dieses Recht, so die Argumentation, erlaube das Kopieren und Weitergeben von Medien wie Tonträgern, Filmen und Videospielen. In Verbindung gebracht wird das gerne noch mit der Pauschalabgabe auf Speichermedien und Kopiergeräte, mit der man ja quasi bereits gezahlt hätte. Mancher geht so weit zu behaupten, jeder Kopierschutz sei unzulässig, weil damit das Recht auf Privatkopien einschränkt würde.
Wie bei den meisten urbanen Legenden sieht die Realität auch hier anders aus. Die Zulässigkeit von Kopien wird im § 53 des Urheberrechts geregelt. Demnach sind vom Urheber oder Rechteinhaber nicht sanktionierte Kopien in einigen wenigen, sehr eng umrissenen Fällen tatsächlich zulässig. Es wird aber wohl niemanden überraschen, dass die meisten Fälle in der Diskussion diese Bedingungen nicht erfüllen.
Daneben gibt es ein BGH Urteil aus dem Jahr 1978, das die Zahl der nicht strafrechtlich verfolgen Kopien auf sieben Stück im aller engsten Umfeld festlegt. Jedoch einen Kopierschutz digital auszuhebeln ist in keinem Fall erlaubt.
Die Pauschalabgabe auf Leer- und Speichermedien wiederum soll eine Kompensation für die legalen unbezahlten Kopien sein. Allein ein Blick auf die Ausmaße muss aber klar machen, dass damit nicht Kopien in unbegrenzter Menge legalisiert sind. Für eine Festplatte mit einem Terrabyte Speicherplatz fallen weniger als 50 € Abgabe an. Das entspräche umgerechnet zum Beispiel bei einem Musiker je nach dem im Vertrag festgelegten Anteil des Künstlers den Tantiemen für ca. 33-100 verkaufte Alben, während die Speicherkapazität rund 15.000 Alben in gängiger Komprimierung fasst.
Natürlich könnte man an dieser Stelle einwerfen, dass es auch Menschen gibt, die Speichermedien, Drucker, Kopierer usw. tatsächlich ausschließlich für eigene Inhalte nutzen. Das ist sicherlich möglich. Die Zahl der Nutzer, die aber wirklich überhaupt keine Filme, Musik oder Spiele aus ihrem Umfeld beziehen, nie einen Artikel ausdrucken, ein Kapitel eines Buches kopieren usw. dürfte sich aber in Grenzen halten.
Nach den Argumenten, warum es ja eigentlich sogar rechtmäßig ist, Inhalte unbezahlt zu nutzen oder sogar zu verbreiten, kommt der zweite argumentative Block. Es ist vielleicht nicht ganz korrekt, aber doch zumindest alles nicht so schlimm, denn…
Wir stehlen ja nicht, wie kopieren nur!
Das klingt doch auf den ersten Blick wunderbar. Es wird dem Urheber oder Rechteinhaber ja gar nichts weggenommen. Er hat es ja noch. Es wird nur ein Duplikat angefertigt. Garniert wird diese Variante oft noch mit dem Hinweis, dass der Preis für eine CD/DVD, eines Buches oder auch den legalen Download ja unverschämt wäre, wenn man bedenke, wie gering der (Material) Preis einer Kopie sei. Es könnten ja nahezu zum Nulltarif beliebig viele Kopien hergestellt werden.
Das ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, wenn man als Anfangspunkt den Moment setzt, in dem wir ein fertiges Master-Exemplar von unserem Inhalt in der Hand halten, den wir nur noch vervielfältigen müssen. Zu diesem Zeitpunkt sind allerdings die Produktion und der kreative Prozess bereits abgeschlossen und damit die Teile, die den Kulturschaffenden Arbeit gemacht und ihnen Geld gekostet hat.
Exkurs: Der Preis der Musik
Um das zu verdeutlichen, möchte ich hier mal ein konkretes Beispiel mit realistischen Zahlen einfügen. Der Bereich, in dem ich dabei zuhause bin, ist die Musik. Dort muss man sich allerdings auch im Klaren sein, dass die Superstars, die Millionen von Einheiten absetzen, eine absolute Ausnahme sind. Der Großteil der Musiker kommt mit ihrer Tätigkeit gerade so über die Runden bzw. hat noch einen „normalen“ Job nebenher.
Nehmen wir also an, eine Band nimmt ein normales Album mit 12 Songs und knapp 60 Minuten auf. Für Aufnahmen auf einem Niveau, das eine Veröffentlichung auf einem Indy-Label grundsätzlich ermöglichen würde, muss man für Vorproduktion, etwa zwei Wochen Studio-Zeit, Nachproduktion und Mastering zwischen 10.000 € und 15.000 € veranschlagen, wobei der höhere Wert näher an der Wahrheit liegen dürfte. Dabei reden wir nicht von einem großen Studio oder einem bekannten Produzenten, sondern von einem semiprofessionellen Level. Dazu kämen natürlich noch Unterbringung, Verpflegung und eventuell Verdienstausfall für diese Zeit.
Allerdings kommen die Songs ja auch nicht aus dem Nichts. Nehmen wir an, dass unsere Band ein Jahr (und das ist nicht viel) an diesem Material komponiert und arrangiert hat. In dieser Zeit muss natürlich der Proberaum bezahlt werden. 200 € pro Monat sind da kaum zu hoch gegriffen. Das wären weitere 2400 €. Weitere Nebenkosten wie die Fahrt zum Proberaum, das eine oder andere Kaltgetränk und die Pizza vom Bringdienst lassen sich schwerer beziffern.
Dazu kommt bei einer vier- oder fünfköpfigen Band nicht selten Equipment im Wert von 10.000 € und mehr, wenn Verstärker und Co für Proberaum, Bühne und Studio geeignet sein sollen.
Also selbst bei einer vorsichtigen Schätzung sind wir an dem Punkt, an dem unsere Musiker das Master-Exemplar in den Händen halten, bei rund 25.000 €. Realistischer dürfte in den meisten Fällen rund ein Drittel mehr sein. Schon die werden für die meisten Musiker durch eine Veröffentlichung kaum heraus zu holen sein.
Haben wir nicht noch etwas vergessen? Haben wir! Die Arbeitszeit fehlt bisher in der Gleichung. Wenn wir bei dem Jahr Vorlauf bleiben, pro Woche zwei Proben mit je drei Stunden. Das Ergäbe bei fünf Bandmitgliedern ein Pensum von 1560 Stunden. Zu welchem Stundenlohn (brutto versteht sich) wollen wir das in die Rechnung einpreisen?
Vermarktet euch doch selbst!
Nun haben die selbsternannten Reformatoren einige Vorschläge parat, wie sich die Situation der Künstler verbessern ließe. Statt nur einen Bruchteil von vielleicht 10% des Ladenpreises eines Tonträgers zu bekommen, wird vorgerechnet, könnte ein Musiker in der Selbstvermarktung 50% und mehr für sich beanspruchen. Für Literatur gibt es E-Books oder Print On Demand, sollte man auf die Papierform partout nicht verzichten wollen. Das klingt erstmal wunderbar.
Das Problem an der Idee ist der Moment, in der eine Bekanntheit erreicht werden soll, mit der so viele Einheiten abgesetzt werden, dass mit dem Produkt Geld verdient werden kann. Ein Verlag, egal ob Musik, Literatur, Film oder Spiel, hat ja nicht nur die Aufgabe, das Endprodukt zu produzieren und vorzufinanzieren (besonders dem zweiten Teil kommen auch immer weniger Rechteverwerter nach und verschieben das unternehmerische Risiko komplett auf den Urheber ab), sondern nutzen auch ihre Kanäle, um das Produkt überhaupt den potenziellen Käufern näher zu bringen.
Das ist auch nötig, denn bei den Unterhaltungsmedien erleben wir seit einigen Jahren eine Veröffentlichungsschwemme, bei der niemand mehr den Überblick behält. Zwar gibt es durch die neuen Medien auch eine reihe zusätzlicher digitaler Kanäle, um auch sich aufmerksam zu machen, diese werden aber auch von sehr viel mehr Menschen intensiv genutzt ? Am Ende dürfte es dadurch sogar schwerer geworden sein, sich im allgemeinen Stimmgewirr Gehör zu verschaffen.
An dieser Stelle kommen Verlage, Vertriebe und Promo-Agenturen ins Spiel. Die platzieren die Künstler im Handel, sorgen für Interviews, Storys und Anzeigen in den Medien, vermitteln Auftritte, Lesungen, usw.
Es ist möglich, dass es auch ohne diese Strukturen geht. Erfolgreiche Beispiele dazu fehlen allerdings. Gerne werden die Youtube-Erfolge einiger Musiker angesprochen, die allerdings auch nur dazu führten, dass die Betreffenden einen Label-Vertrag angeboten bekamen und erst danach verdienten sie damit auch Geld. Andere Versuche der direkten Finanzierung, sei es durch kostenpflichtige Downloads, Zahl-was-es-dir-wert-ist-Modelle oder auch Crowdfunding waren bisher nur bei etablierten Künstlern erfolgreich – und selbst da hat mancher den Schritt bereut.
Kulturflatrate
Schließlich bleibt noch das schwere Geschütz, die Kulturflatrate oder, wie es die Grünen in ihrem aktuellen Entwurf bezeichnen, die Fairnesspauschale. Die Idee ist bestechend einfach. Ähnlich etwa wie bei den Rundfunkgebühren soll eine Pauschalabgabe, entweder als Steuer oder etwa als zusätzliche Gebühr für einen Internetzugang, eingezogen werden und die private (also nicht-kommerzielle) Weitergabe von Inhalten abgelten. Die Einnahmen werden dann nach einem Schlüssel an die Urheber ausgeschüttet, die damit (so z.B. die Argumentation der Grünen) erstmal für die Weitergabe über das Internet entschädigt würde.
Wie bei vielen Ideen, die komplexe Probleme einfach zu lösen scheinen, gibt es aber auch hier einen Haken. Bisher konnte oder wollte zumindest noch niemand sagen, wer am Ende mehr zahlen oder auf Geld verzichten soll. Denn der eigentliche Zweck dieses Konzepts ist, zumindest auf der individuellen Ebene, eigentlich ein anderer.
Geäußert wird dieser Vorschlag in der Regel von Menschen mit einem hohen Medienkonsum, die dafür gerne weniger zahlen würden, als sie im Moment müssen bzw. müssten. An dieser Stelle gäbe es zwei Möglichkeiten. Entweder die Urheber und Rechteinhaber bekämen weniger Geld oder der Rest der Bevölkerung müsste diese Summe ausgleichen.
Beides wird den Betroffenen schwer zu vermitteln sein. Urheber und Verwerter dürften ebenso wenig einsehen, warum sie auf Geld verzichten sollen, damit Einige noch mehr von ihrer Arbeit für noch weniger Geld genießen sollen, wie Menschen mit wenig Medienkonsum verstehen werden, warum sie den hohen Medienkonsum anderer Mitbürger subventionieren sollten. Auf diesen Widerspruch aufmerksam gemacht, folgt dann gelegentlich ein halber Rückzieher. Die Kulturflatrate solle ja ein freiwilliges Angebot sein. Spätestens da wird deutlich, dass es vor allem um einen persönlichen Rabatt geht.
Auch darüber hinaus hat die Kulturflatrate fragwürdige Aspekte. Einerseits würde damit eine Art bedingungsloses Grundeinkommen für die Urheber und Verlage geschaffen. Das ist eine Forderung, die von Kulturschaffenden zwar nie gestellt wurde, die ihnen aber immer wieder vorgeworfen wird, zum Beispiel durch den CCC in der Antwort auf Sven Regeners Ausbruch im Frühjahr.
Gleichzeitig legt man damit aber auch nahezu den Höchstgewinn fest, auf den die Produzenten von Unterhaltungsmedien ein Anrecht haben. Denn zumindest theoretisch ließen sich sämtliche Interessenten an den Inhalten mit einer einzigen gekauften Einheit versorgen. Solange die Weitergaben nicht gegen Bezahlung erfolgen, wäre sie nach diesem Modell legal und mit der Pauschale komplett abgegolten.
Es ist unmöglich vorherzusagen, wie genau sich die Umsätze mit Unterhaltungsmedien entwickeln würden. Man darf aber davon ausgehen, dass sie grundsätzlich sinken dürften, wenn die Hürde der Illegalität der Weitergabe wegfällt. In einigen Branchen bzw. Genres werden die Fans auch mit den neuen technischen Möglichkeiten ein Originalexemplar in den Händen halten wollen und mit besonders aufwändigen Sammlerausgaben, die bei Filmen, Videospielen und Musik heute schon regelmäßig veröffentlicht werden, ließen sich die Umsatzeinbußen sicher zum Teil auffangen. In anderen Bereichen, in denen die Bindung an den Künstler – wenn überhaupt, dann nur kurzfristig – erfolgt und die Inhalte eher als Wegwerfartikel gekauft werden (oder eben nicht), kann man darauf nicht hoffen.
Kann denn nicht mal einer an die Künstler denken?
Auch das Gespenst des Rock-Millionärs, der nach Jahrzehnten ohne kreatives Lebenszeichen von den Tantiemen vergangener Tage lebt, ist Realität. Es ist aber die Realität einer verschwindend kleinen Gruppe. Vorschläge, den Schutz etwa von Kompositionen zu verkürzen, wirken so eher wie ein symbolischer Akt in einem Kampf gegen einen imaginären Gegner, zumal der mehr als überwiegende Anteil der illegal geladenen Inhalte heute brandneu ist.
Nicht weniger im Symbolischen bleibt aber auch der Ansatz, die Künstler aus den Händen der „Contentmafia“ befreien zu wollen. Es hat einen Grund, warum sich die Kulturschaffenden immer wieder in deren Hände begibt: Nur so lässt sich überhaupt Geld mit geistigen Inhalten verdienen.
Wenn etwa Musiker über die Gema schimpfen, kommt das beim Publikum gut an. Warum nutzt aber kaum jemand die Möglichkeit, gemafreies Material zu veröffentlichen? Der simple Grund ist, dass sie auf die Einnahmen aus Airplay etc. nicht verzichten können und wollen, die sich individuell kaum erfassen, geschweige denn eintreiben ließen. Es gibt auch bereits Möglichkeiten, bei denen die Schöpfer Dienstleistungen wie Vertrieb, PR etc. als Einzelpakete nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen buchen können und davon abgesehen auf eigene Rechnung arbeiten. Allerdings hat sich auch dieser Weg, für Menschen ohne einen bereits vorhandenen Bekanntheitsgrad, als wenig erfolgreich erwiesen.
Es stimmt, dass die Strukturen der Verlage aller Medienarten überarbeitungswürdig sind und sich in den letzten Jahren teilweise sogar zu Ungunsten der Urheber verändert haben. Die Kosten, das unternehmerische Risiko und die Gewinne werden oft nicht in einem fairen Verhältnis aufgeteilt. Die Konsequenz daraus kann aber kaum sein, sich die Inhalte auf inoffiziellen und illegalen Quellen zum organisieren, denn dabei bekommen die Urheber statt wenig gar nichts.
Dabei gäbe es durchaus Wege, den Künstlern tatsächlich zu helfen. Crowdfunding, um ihnen die Kosten der Produktion abzunehmen, zum Beispiel. Das garantiert zwar (in der Regel) noch keinen Gewinn, nimmt aber immerhin das Kostenrisiko vom Künstler. Billiger als der Kauf des entsprechenden Mediums, wird das allerdings in der Regel auch nicht. Aber angeblich geht es ja nicht darum, nur selbst möglichst billig davon zu kommen.


Ich finde es unlauter diese Diskussion auf die “Unterhaltungsindustrie” zu beschränken, und dann nach einer auf objektiv getrimmten Einleitung auf die Urhebertränendrüse zu drücken. Es ist das Schicksal vieler Menschen die Pizza die sie während eines kreativen Prozesses essen nicht bezahlt zu bekommen. Für mich ist das aber nicht die entscheidende Frage. Sie setzen in Ihrer Argumentation voraus, dass es so etwas wie geistiges Eigentum gibt. Ich sehe das anders. Dies ist für mich die Frage die uns trennt, nicht wer irgendeine Pizza bezahlt.
Die eher philosophische Frage nach dem “geistigen Eigentum” ist zu vernachlässigen, wenn man berücksichtigt, um was es im Wesentlichen geht: um das Recht des Künstlers, seine Arbeit angemessen vergütet zu bekommen.
Dies ist m.E. zu unpräzise. Es müsste lauten:
…um das Recht eines Künstlers, dessen Werk rezipiert wird, dass dieses Werk angemessen vergütet wird.
Es bleiben aber auch dann die Fragen (zB bei Musik) :
a) was ist Rezeption ( anspielen, einmaliges Hören oder erst wiederholtes Hören ?
b) was ist angemessen ?
c) wie lange wärt das Recht des Künstlers (5 jahre ? 20 ? Lebenslang ? kebenslang +50?
(nicht abschliessend)
Hi Thorsten,
es fehlen in deiner Betrachtung 2 wesentliche Punkte bzw reist du den einen nur ganz kurz an.
Du gehst nicht darauf ein, dass durch die Verbreitung von unzähligen Kopiergeräten und Kommunikationsmedien, die Weitergabe im Grunde nicht aufzuhalten ist bzw. eben nur durch Totalüberwachung und zwar nicht nur des Internets, denn nur 19% der illegal erworbenen Datein kommt aus dem Internet, 81% aus Offlinequellen, also USB-Sticks, Smartphones, Wechselfestplatten etc, da werden auch schnell mal Musiksammlungen im Terrabytebereich getauscht. http://sucherderwahrheit.wordpress.com/2012/04/18/eine-kritische-analyse-zur-jubilaeumsausgabe-der-brennerstudie/
Die zweite Sache die du leider nur oberflächlich anreist, sind die Geschäftskonzepte und das damit verdiente Geld, und da muss ich dir klar widersprechen, die immer stärkere Weitergabe von Multimedia-Datein hat letztendlich dazu geführt, dass heute mehr Geld mit Kutlturgütern als jemals zuvor in der Geschichte erwirtschaftet wird. Und ich möchte dir auch wiedersprechen, dass sich die “Industrie” nicht angepasst hätte, das Gegenteil ist der Fall, in den letzten 10-15 Jahren wurden die alten Geschäftskonzepte sehr erfolgreich angepasst und auch neue etabliert.
http://www.piratenpartei.de/2012/08/16/neue-geschaftsmodelle-fur-kunstler-im-digitalen-zeitalter/
Im Grunde gibt es eigtl. nur zwei Sachen zu beklagen, zum Einen, dass die Urheber von den explodierenden Gewinnen (immernoch) wenig abbekommen und zum anderen, dass die größten Fans, die das meiste Geld ausgeben massiv mit DRM drangsaliert und auch kriminalisiert werden.
Die sehr umfangreiche Studie der holländischen Ministerien bringt es eigtl. sehr gut auf den Punkt: “Generally, file sharing and buying go hand in hand. Consumers who download tend to be aficionados of music, films or games, which therefore play an important role in their daily lives. Among music and film downloaders, the percentage of buyers is just as high as among non-downloaders; among game sharers, the percentage of buyers is even higher than among people who do not download games. In addition, music downloaders have been found to go to concerts more and to buy more merchandise. Game sharers buy more games a year than gamers who do not download and film sharers tend to buy more DVDs on average than do non- file sharers. Most file sharers say they would not change their buying habits if downloading were no longer possible.”
http://www.ivir.nl/publicaties/vaneijk/Ups_And_Downs_authorised_translation.pdf
Viele Grüße
René
Auch das ist wieder eine der im Text bereits genannten Nebelkerzen. Denn eine illegale Kopie rechtfertigt sich nicht durch die technische Möglichkeit. Es können auch nahezu alle Wegfahrsperren der PKW geknackt werden. Sollte man nun das Klauen von Autos legalisieren? Und bitte jetzt nicht mit dem Argument “Kopieren ist kein Diebstahl” kommen. Warum das Unsinn ist, steht auch bereits im Text.
Der Verkauf von Tonträgern geht seit Jahren zurück bzw. stagniert.
Gar nichts “explodiert”. Zumindest nicht, was Musik angeht. Ansonsten hast du durchaus recht mit der Behauptung, beim Künstler kommt zu wenig an von den Einnahmen. Richtig ist auch, dass DRM die Kunden drangsaliert. Kriminalisiert wird durch das bloße Vorhandensein von DRM zunächst mal niemand. Es sei denn, man zieht sich eine Kopie.
Diese holländische Studie liest sich für mich mal wieder wie eine dieser nachträglichen Rechtfertigungsversuche. Und rein rechtlich spielt das eigentlich auch keine Rolle. Denn wenn ich ein paar Schuhe klaue wird das nicht dadurch besser, dass ich mir ansonsten überdurchschnittliche viele Schuhe kaufe.
Ich mach’s kurz: Eine Diskussion über die moralische Legitimität von Filesharing ist Zeitverschwendung.
Die technische Möglichkeit legitimiert das illegale Kopieren vielleicht nicht, aber sie macht es zu einem Fakt, an dem man nicht vorbeikommt. Die holländische Studie hat daher genau den richtigen Denkansatz: Woher bekomme ich mein Geld in einer Welt, in der Filesharing existiert?
Das ständige Herumreiten auf der moralischen Legitimität ist die Nebelkerze, die von der eigentlichen Frage – wie gehen wir damit um? – ablenkt, nicht umgekehrt.
Ja, darum bin auf das Thema Moral eigentlich gar nicht eingegangen.
“Auch das ist wieder eine der im Text bereits genannten Nebelkerzen. Denn eine illegale Kopie rechtfertigt sich nicht durch die technische Möglichkeit.”
Habe ich nicht behauptet. Mir ging es um die Realität, nicht um die Moralfrage. Du findest es unmoralisch zu kopieren, ich nicht.
Ich weiß du wirst es sowieso nicht lesen, wie auch die restlichen Links die ich hier gepostet hatte, aber hier gibt es eine sehr intensive moralphilosophische Auseinandersetzung mit “Geistigem Eigentum”/Immaterialgüterrechten:
http://aggregat7.ath.cx/2009/07/19/probleme-der-ethischen-begrundung-von-%E2%80%9Cgeistigem-eigentum%E2%80%9D-und-immaterialguterrechten-im-informationszeitalter
Ist eine etwas ausgewogenere Betrachtung als einfach nur zu behaupten es ist unmoralisch zu kopieren. Aber wie gesagt mir ging es keinesfalls um die Moraldiskussion, da kommen wir sowieso niemals auf einen Nenner. Und selbst wenn ich deiner Meinung wäre, würde das auch nichts ändern, genausowenig, wie ich den Menschen den Alkoholkonsum oder Fleischessen verbieten kann, weil es aus einer moralphilosophischen Betrachtung heraus falsch sein kann.
Autodiebstahl ist ein Randphänomen und ich sag jetzt mal bei 99,999% der Bevölkerung geächtet, die meisten würden nicht mal auf die Idee kommen das zu tun, bei Kopieren, Alkohol trinken oder Fleisch essen sieht das einfach anders aus, und mit dieser Realität muss man umgehen, da hilft es wenig immer wieder die selbe Diskussion im Kreis zu führen, davon werden wir Urheber auch nicht satt.
“Der Verkauf von Tonträgern geht seit Jahren zurück bzw. stagniert.”
Der Verkauf sank beziehungsweise halbierte sich von 2000-2003 als DRM vorübergehend eingeführt wurde, seit dem tümpelt der CD-Verkauf auf gleichbleibendem Level und der digitale Verkauf steigt. Im Grunde ist mir aber auch egal was mit den CD-Pressern passiert, wichtig ist, was im Musikmarkt verdient wird, und da sind die Gewinne in den letzten 10 Jahren explodiert, schau dir doch bitte mal den von mir verlinkten Artikel zu den Geschäftsmodellen an, da sind die ganzen Zahlen und Fakten mit Quellen drin.
“Diese holländische Studie liest sich für mich mal wieder wie eine dieser nachträglichen Rechtfertigungsversuche.”
Ich denke nicht, dass sich die holländischen Ministerien für irgendetwas rechtfertigen mussten. Aber schön, wie du mit harten wissenschaftlichen Fakten umgehst.
“Denn wenn ich ein paar Schuhe klaue wird das nicht dadurch besser, dass ich mir ansonsten überdurchschnittliche viele Schuhe kaufe.”
Copying Is Not Theft: http://www.youtube.com/watch?v=IeTybKL1pM4
Aber wie gesagt, die Moraldiskussion brauchen wir denke ich nicht führen, ich bezweifle, dass ich dich egal mit welchen Argumenten und moralphilosophisch tiefgründigen Betrachtungen überzeugen kann, und du wärmst immer nur den kalten Kaffee von Vorgestern auf, ohne mal was Neues in den Ring zu werfen. ;-)
Viele Grüße
René
Von wo kommt er denn angereist, der Thorsten und wo reißt er hin?
SCNR
Zuerst einmal meine knallharte Meinung zum Thema “Künstler”.
Welpenschutz, Opernheiligkeit oder auch nur Theaterdonner gibt es bei mir nicht.
Ein Künstler steht bei mir auf der Stufe eines Handwerkbetriebes. Da gibt es es über die letzten 20 Jahre gerechnet Zehntausende denen osteuropäische Billigkonkurrenz oder zahlungsunwillige Kunden den Garaus gemacht haben. Who cares ?
Dann mal eine ganz spezielle Nachfrage:
Du schreibst, du kennst dich bei Musik aus. Dir ist aber schon klar, daß dein Anliegen nur deswegen auf Interesse stößt, weil hinter dir eine Industrie steht, die verdienen will ?
Aus dem Grund wird auch alles mögliche passieren aber eines bestimmt nicht:
NIEMAND wird die Pfründe eines Grönemeyers oder von Pink antasten um den Bremer Stadtmusikanten Kohle zu überweisen. Das aktuelle GEMA Modell bevorzugt nur die Großverdiener. Für wen setzt du dich eigentlich ein ?
Und dann wäre es nicht etwa ehrlicher, wenn du nicht immerzu über Künstler schreiben würdest. Du meinst definitiv nur Musiker. Auf wieviel Bildhauer oder Maler kommt wohl einer, der von seiner Kunst leben kann ?
Und wen interessiert eigentlich ob die mühsam erschaffene Skulptur oder das Gemälde irgendwo in China “raubkopiert” wird um im Baumarkt für 25 € verramscht zu werden ?
Ach ja, mir reicht bereits die GEZ Zwangsgebühr, die ich fast nicht nutze, ebenso die Kopiergebühr meines Scanners, die ich gar nicht nutze, da ich nur alte (MEINE) Urlaubsfotos digitalisiere.
Und Musik ??? Was nennst du Musik ?? Ich habe vor 20 Jahren meine letzte CD gekauft und nein, ich downloade auch nix illegal, mich interressiert der Dreck nicht mehr.
Vielleicht meinst du aber meinen zwanzig Jahre jüngeren Arbeitskollegen, der hat sich tatsächlich irgendeine Bushido CD gekauft, ist dann irgendwo verschütt gegangen und hat sich dann den ganzen Krempel erst auf dem PC besorgt, dann weil es so schön war auf dem Handy usw.
Ach ja, und wenn der Kollege aktuelle Filme und Serien sehen will, geht der zur Tanke und kauft sich irgendeinen Gutschein, den löst der in “diesem Internetz” ein, kriegt dann eine Webadresse via SMS auf sein Handy und kann dann irgendwas um 10 Gigabyte downloaden. Und das willst du mir via “Crowdfunding” rein Kostenmäßig aufs Auge drücken ?
Ganz kurz, ich habe mir gestern im Hinblick auf die kommende desaströse Wirtschaftslage einen Schrebergarten zugelegt, no prob, schmeiß ich den PC auf den Elektroschrott.
Und genau hier trifft sich mein Musikgeschmack mit dem meines Kollegen, sollte das System wirklich wasserdicht werden, hört der dann auch nur noch Radio.
Das dich der “Dreck” nicht mehr interessiert, ist natürlich dein gutes Recht. Aber dann: STFU.
Genau, Fresse halten, Abgaben löhnen. Troll Dich.
@ Beobachter
Man kann über die Künstler und von ihnen dargestellte Kunst nur dann mitdiskutieren, wenn man was davon versteht.
Du aber, da Du die Künstler mit einem Handwerkbetrieb auf eine Stufe stellst, verstehst nix von diesem Thema.
Bleibe (lieber) bei Deinen Leisten, Schuster :(
also wenn es schon ums handwerk geht, dann ist es besser, der schuster bleibt bei seinem leisten. m wie martha. der leisten, singular. was sollte er bei seinen leisten suchen? drüsen oder was? ;-)
@ GrooveX
Hui, hui, Bruder Groovex !
Truvors beide Großväter waren Schuster.
Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie oft ich dieses Sprichwort aus ihren Mündern gehört habe.
Was meinst Du, wie viele Leisten hat ein (ordentlicher) Schuster ?
Einen oder doch mehr ? ;-)
klar doch. das geflügelte wort lautet dennoch auf m. da beißt die laus keine faden ab.
Es muss tatsächlich heißen deinen Leisten. Leisten bezeichnet in diesem Fall die Holzformen für die Schuhe.
ich bleibe lieber beim original, um zu erhalten, was erhaltenswert ist.
“da beißt die laus keine faden ab”
Siehst du, Sprichwörter können sich im Lauf der Zeit eben ändern,
vom Singular zum Plural oder vom Säugetier zum Gliederfüsser.
jepp, vom dünnstrick zum längenmaß. alles andere wäre ja flasch.
und genau darum geht es. die leisten sind ja plural für drei verschiedene leisten. einmal für den leisten das war klar, dann für diese eine leiste aus holz, plasik oder metall und jene andere im schritt.
Und zum Posting von Lord Snow:
So ist es ! Ich downloade keine Filme oder Musik illegal, ich tausche keine Filme oder Musik illegal und ich kaufe keine Filme oder Musik legal !
Du vernachlässigst eine große Gruppe Menschen in deinem Beitrag leider fast komplett: Die ehrlichen Kunden. Die werden von den Inhalteanbietern regelmäßig verarscht und drangsaliert. Da ist mein gekauftes Ebook mit meinem Reader dank Kopierschutz inkompatibel, das Singleplayer-Spiel verlangt eine dauerhafte Online-Anbindung, die DVD läuft nicht unter Linux. Manchen Pechvögeln installiert die Musik-CD auch mal eben einen Trojaner auf dem Rechner. Archivieren unserer Alltagskultur ist nur in der Illegalität möglich, private Sicherungskopien ebenso. Und mein Recht auf Privatkopie, für das ich sowieso weit mehr zwangsbezahle, als die Gegenleistung wert ist, wird mal eben ausgehebelt.
Daraus, dass sich zwar viele Urheber zwar lautstark über Raubkopierer beschweren, sich aber über die genannten Praktiken ausschweigen, muss ich leider schließen: Sie finden das absolut in Ordnung, was ihre Brötchengeber da treiben.
Ich jedenfalls bezahle für meine Inhalte. Sogar freiwillig per Flattr oder Pay-what-you-want, sogar vorab über Crowdfunding … aber nur, wenn sie ohne DRM daher kommen, und für eine freie Lizenz gibt’s von mir einen Bonus obendrauf.
Ich bekämpfe aber auch weiterhin Gängelungsmaßnahmen, Zensur, Überwachung und all die anderen Dinge, die uns zu Kollateralschäden im Kampf gegen illegale Kopien machen.
@Madcoper
Wozu brauchst Du den ganzen Scheiß? Mein Handy kann telefonieren, mit dem Shell-Atlas find’ ich jeden Ort in €U (seit 40 J.), Bücher kauf’ ich beim Buchhändler meines Vertrauens (bis 16:00 h anrufen, am nächsten Morgen da – ohne Frachtfreigrenze), die DVDs laufen im Player am Fernseher und im Notebook auch unter Linux (Lubuntu oder Ubuntu 12.04) … und Pizza back’ ich immer noch “zu Fuß” (schmeckt einfach besser als der Industriekram, der heute auch aus Pizzerien kommt).
Kann ich Dir noch’n Tipp geben?
@Thorsten
Mein Großer hatte ‘mal ‘ne Band, die haben eigene Sachen geschrieben, die klangen einfach Klasse. Wenn da ‘ne bekannte Band den einen oder anderen Song aufgenommen hätte, jede Wette, die Charts waren sicher!! Bis ich dann noch andere Leute kennengelernt habe … es gibt (gefühlt) eine Milliarde Bands, die alle eigene Sachen schreiben, die Klasse sind … Ich kenn’ auch eine (nur eine) Buch-Autorin, die hat mir versichert, bei Büchern sieht’s genauso aus: Mehr Bücher als Leser. Was lernen wir? Erfolg ist 2 % Inspiration und 98 % Transpiration – und: Es gehört jede Menge Glück, einen Guten Riecher für gute Kontakte dazu, erfolgreich zu werden. Für die die oben sind, ist das bestehende System sehr okay und dass die oben bleiben wollen wie jeder andere an der Stelle auch, wer will das ernsthaft angreifen?
Die Zeit wird diese Wunde heilen, wie viele davor und bis dahin bleibt halt nur Hungerlohn, KSK und dicke Bretter bohren.
Ein Skandal im Skandal ist natürlich die Erkenntnis, dass der Masse der Bevölkerung für Kultur sowenig übrig hat (oder so große Berührungsängste davor hat, dass sie schon ‘ne Tüte Chips und RTL für Kultur hält …
Viele sind arm wie ‘ne Kirchenmaus – und gleichzeitig übersatt bis zur Bewegungslosigkeit.
Back to the roots also.
Tauscht einfach mit schnellen USB 3.0 Festplatten statt über den kastrierten asynchronen Upload den DSL bietet.
In genau die Ecke sollten wir uns treiben lassen.
Einen größeren “gefallen” kann man den Verwertern nicht machen.
Und die Sahnestückchen, welche wir dann in unseren Terrabytesammlungen entdecken, zu deren Konzerten kann man dann ja pilgern.
Wenn ich an die Künstler denke, da denk ich mir eine Frage.
Wie soll eigentlich die Selektion funktionieren?
Was verhindert, das ein Selbstbedienungsladen auch für den untalentiertesten entsteht?
Mir geht es übrigens auch darum, billiger an Kunst zu kommen.
Server sind günstiger als Plattenläden und der Transport übers Netz schlägt den über die Autobahn auch. Die Produktion von Musik und das Studioequipment scheinen auch im Preis gesunken zu sein.
Komischerweise gilt noch immer “30 Mark” für ein Album.
http://www.lipwalklyrics.com/lyrics/78248-diefantastischenvier-30mark.html
Ich frage mich, wie sich der Autor den Erfolg von Apple iTunes erklärt. Kaum gibt es ein passendes Angebot zu einem akzeptablen Preis, schon wird es genutzt – und zwar zigmilliardenmal.
Aber Apple ist auch nicht ins Gejammer eingestiegen, sondern in ein Milliardengeschäft. Während hierzulande die Medienindustrie um Mitleid wirbt, und alle und jeden abmahnen lässt, macht Apple einmal Griechenland-Retten in bar Gewinn.
Das ist der Unterschied der beiden kapitalistischen Systeme: Apple macht Geld mit zufriedenen Kunden, die deutsche Medienindustrie einen Bruchteil davon durch die Beteiligung an als Anwaltskanzleien getarnten Abmahnmühlen und deren organisiertem Gebührenwucher.
Ein anderer Weg ist auch Amazon mit Kindle. Über den Weg der Ebooks wird gerade die übliche Verlagswelt ausgehebelt. Hier können Autoren 25-75% des Verkaufspreises erzielen und sie behalten ihre Urheberrechte an ihren Werken. Inzwischen gibt es auch die Möglichkeit, die Ebooks in Papierform auszugeben.
Wenn die Verlage nicht dramatisch umdenken, werden Apple, Amazon und Co. sie einfach wegwischen. Sie werden in Zukunft wieder viel mehr Dienstleister werden müssen. Das, was wir zur Zeit erleben, sind die letzten Zuckungen eines antiquierten Geschäftsmodells.
Ja, Kindle, super Beispiel, wo Amazon einfach mal nachträglich bereits gekaufte und geladene ebooks ferngesteuert wieder “einzieht” (also löscht) oder nachträglich “korrigiert” (also verändert und damit theoretisch zensiert).
Ne ne ne, meine Bücher kaufe ich auf Papier und meine Musik auf bunt glänzenden runden Plastikscheiben, und daran wird sich auch (ausser in totalen Ausnahmefällen wie “ich mag von dem Album nur genau dieses eine Lied”) nichts ändern. Bei der digital distribution muss sich so einiges ändern, bevor das für denjenigen, der sich seiner Rechte bewusst ist und sein möchte, eine ernsthafte Alternative wird. Ein Beispiel wäre die Implementierung einer technischen Möglichkeit zum Weiterverkauf einmal erworbener Lizenzen (hierzulande eigentlich auch ohne Zustimmung des Lizenzgebers legal), die meiner Ansicht nach zwingend gegeben sein muss.
Systeme wie den Kindle finde ich auch inakzeptabel. Die Möglichkeit zur “Fernsteuerung” ist aber kein Nachteil von digitalem Vertrieb, sondern von DRM. Er besteht bei DRM-freien digitalen Inhalten nicht.
Wenn Sie also zu physischen Medien greifen, statt auf faire Downloadanbieter auszuweichen, sind wohl eher andere Gründe ausschlaggebend?
Man sollte sich aber auch keine Illusionen machen, worauf die Maßnahmen von Amazon zielen. Da geht es weniger darum, die Autoren besser zu stellen, als darum einige “Mitesser” aus der Nahrungskette im Buchhandel zu verdrängen.
Kurzfristig scheint das für die Autoren ein Vorteil zu sein (wobei auch hier die PR Maschinerie bisher weitgehend fehlt und nur Wenige wirklich Geld damit verdienen), aber wenn der Prozess aus der Sicht von Amazon Erfolg hat, werden am Ende deutlich weniger Adressen übrig bleiben, an die sich Autoren wenden können und man kann davon ausgehen, daß die Umsatzbeteiligungen dann auch wieder sinken dürften.
Das ist eine moralische Betrachtungsweise. Sie ist auch berechtigt.
Aber: Für einen Künstler, der wirtschaftlich erfolgreich sein will, ist es wesentlich nützlicher, das wirtschaftlich zu betrachten.
Die Eigenschaft des real existierenden Marktes ist, dass es diese dritte Möglichkeit gibt. Jemand der das bei seinem Geschäftsmodell berücksichtigt, wird erfolgreicher sein (bzw. eine bessere Chance haben) als jemand, der das nicht tut.
Eine Alternative wäre, die Bedingungen des Marktes in Richtung der moralischen Forderung zu verändern. Das wurde in den vergangenen Jahren versucht mit der Verschärfung des Urheberrechts (z.B. Umgehungsverbot für Kopierschutz, z.B. ausdrückliche Beschränkungen der Privatkopie auf “nicht offensichtlich rechtswidrig hergestellte Vorlagen”) und mit Maßnahmen zur Durchsetzung des Urheberrechts (z.B. Abmahnungen, z.B. DRM, z.B. Filtersysteme). Eine große Erfolgsstory war das nicht gerade.
Ergänzend wäre vielleicht noch zu erwähnen, dass ein so mächtiges Monopol, wie es die Contentindustrie besitzt ebensowenig die Bedingungen alleine bestimmen können darf, wie es Selbstbediener sollten.
Kultur.
Energie.
Lebensmittel.
Mobilität.
Es scheint doch jedesmal der gleiche Käse zu sein.
Ob nun die Milchbauern und hungernden in Afrika ausgespielt werden um ein Monopol zu schützen oder unbekannte Künstler, das Muster hat was wohlig vertrautes.
Wenn alle so handeln würden gäbs zwar keine Urheberrechtsverletzungen aber ich frag dich mal ganz ehrlich wo wäre die Innovation? Die Medienindustrie ist extrem Innovationsfeindlich. Nur nichts neues probieren wenn die alte Kuh noch genug Milch gibt.
Das Auftauchen von Tauschbörsen im Internet hat doch nur ein Bedürfnis der Konsumenten zum Ausdruck gebracht.
1. Schnell und unkompliziert an neue Inhalte gelangen
2. Weg von Hardware formaten hin zu digitalen formaten die man plattform unabnhängig einsetzen kann.
Vor Tauschbörsen wie Napster war ein Gütermarkt in MP3 format wie wir ihn heute kennen doch undenkbar. Hätten wir heute LEGALE Angebote wie Streaming Flatrates für Musik (Napster, Simfy oder Spotify) wie es sie heute gibt ohne das Illegale Angebote der Content-Industrie Druck gemacht hätten? Ich glaube nicht. Wenn die Nutzer immer warten sollen bis die Industrie auf unsere Wünsche reagiert würden wir in 100 Jahren noch nicht so weit sein wie wir es sind.
Ich möchte der meiner Meinung nach teils durchaus intelligenten Darstellung mal eines zum Thema Produktionskosten/Youtube-Erfolge/Semiprofessionelle Künstler anfügen, weil hier doch eine sehr einseitige Vorstellung des “Raubkopierers” dominiert.
Um den Sprung vom semiprofessionellen Künstler zum professionellen Künstler zu machen, braucht es vor allem eines: Reichweite.
Man sollte dabei nicht vergessen, dass eine sagen wir mal “weit ausgelegte” Privatkopie genau das erreicht. Wer sich kostenlos das Album von XY zieht, lernt diese Band dadurch vielleicht erst kennen. Früher liefen Musikvideos auf MTV oder Viva zur Promo, manche Radios sollen noch immer Musik spielen, dass bloß die Top10 der Charts ständig zu wiederholen (aber für beide Wege braucht es bereits große Reichweite). Heute aber läuft Promo vor allem über das Internet, über Youtube, oder eben die Tauschbörsen.
Alben von einer Band, die ich nicht kenne, kaufe ich nicht, Konzerte einer Band, die ich nicht kenne, besuche ich nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Band, die ich kenne und die mir gefällt, an mir verdient, ist jedoch hoch. Nicht jede Datei, die ich kopiere, entspricht einem Verkauf; jede Datei, die ich kopiere, ist Werbung für das Werk. Werbung funktioniert nicht immer, aber sie funktioniert oft genug, sonst würde niemand werben. Und da sind wir bei den Künstlern.
Ein Künstler, der Millionen Platten absetzt, leidet nicht unter “Raubkopien” – er kann sich vielleicht erst später den zehnten Porsche für seine Sammlung kaufen, aber das ist nicht lebensnotwendig. Wenn die Rezipienten der Meinung sind, das Werk ist das Geld nicht wert (was eben gerade für “Industrielle Massenware” gilt, die inzwischen den Musikmarkt dominiert), dann muss ein Künstler wohl damit leben, egal ob er gar nicht oder nur kostenlos gehört wird. Ein Künstler, der seine CD’s noch selber presst, weil kein Label dahinter steht, braucht dringend kostenlose Wege der Werbung, um bekannter zu werden, um einmal Geld zu verdienen – wenn statt 200 Leuten in der Heimtstadt plötzlich 500.000 Menschen im Internet zum Publikum gehören, dann wird sich quasi ganz natürlich der Absatz erhöhen, statt in einem Hinterhof in Bad Oeynhausen darf man vielleicht mal in nem kleinen Klub in Hamburg spielen. Der Weg der Professionalisierung kann beginnen, wenn der Künstler gut ist.
Ein Künstler bei einem Indie-label ohne viel Geld, profitiert am Ende auch von kostenlosen Wegen der Werbung. Wegfallende Kunden, die sich die Musik lieber ziehen, gibt es hier sicher bereits einige, gleichzeitig helfen kostenlose Kopien der Popularität und neue Kunden zu gewinnen. Ob der Schaden hier größer ist als der Nutzen, ist fraglich.
Gut, bis hier ist es nur um die Künstler gegangen, bei den Labels sieht es anders aus: Die Verdienen vor allem an den Großen. Manch ein Label gibt den Kleinen eine Chance und investiert viel Geld ohne, dass der Erfolg gewiss ist (Ich erinnere mich an eine Anekdote, in der das Hamburger Label “Nuclear Blast” Christofer Johnsson 56.000DM in den Rachen warf [mehr, als es zu dem Zeitpunkt jemals in ein Projekt investiert worden war], für ein Album, an das nicht einmal er selber glaubte, weil er es für viel zu experimentell hielt – am Ende ein großer Erfolg und der Durchbruch seiner Band), dennoch hängen die Labels an dem Geld, dass sie an großen Künstlern verdienen. Und je mehr man absetzt, desto mehr verliert man absolut, vielleicht auch relativ, durch illegale Kopien. Vermutlich deshalb sind es vor allem die Labels, die Amok laufen.
Ich persönlich bin der Überzeugung, dass die intelligenteste Strategie der Labels eine offensive gewesen wäre: Die Kopien, die vorab an die Presse geschickt werden, einfach frei verfügbar zu machen (zum Beispiel in geringer Qualität). So hätte man maximale Reichweite bekommen für minimalen Aufwand. Diejenigen, denen die Musik gefällt, hätten trotzdem das Werk gekauft, um die Überblendungen los zu werden – es entspricht im Grunde dem Fernsehen: “Werbepausen” erkaufen die Kostenlosigkeit des Werkes; wer es in voller Qualität besitzen will, muss kaufen.
Die Frage ist, ob diese Strategie heute noch ziehen kann, oder ob sie die Musikindustrie nicht längst in eine Sackgasse manövriert hat: Die illegalen Strukturen sind bereits da, man bekommt sie nicht mehr weg. Auch den Markt mit freien Werbekopien zu fluten, würde die nicht mehr zerstören, wenn es nur einen geringen Qualitätsgewinn erlaubte – weil der Aufwand inzwischen so gering ist.
Sehr, sehr guter Beitrag, ich danke dir dafür!
Mir geht es auch so, was ich nicht kenne, kaufe ich nicht. Bands die ich kenne und mag werden finanziell unterstützt, dabei gilt die Regel: Umso unbekannter die Band ist, umso bereiter bin ich sie zu unterstützen bzw. umso mehr Platten, Merch, etc. bin ich bereit zu kaufen.
Eine interessante Perspektive, die für mich aber ganz ähnlich gilt, wenn ich mal darüber nachdenke.
Es ist auch so, dass ich Tauschbörsen nicht (mehr) benutze (aus vielerlei Gründen). Ich kriege von Freunden und bekannten mal was zugesteckt, um reinzuhören, vielleicht sind meine Aussagen also durchaus ein wenig “weltfremd”, wenn es um die Hardcore-Leecher geht, weil sich deren Realität deutlich gewandelt hat – aber das bezweifle ich.
Ich kann mich erinnern, damals, als Napster online ging, dieses einigermaßen oft benutzt zu haben. Gleichzeitig habe ich damals sehr viel Geld für Musik ausgegeben. Ich lernte jede Menge neue interessante Bands kennen und bin in den Plattenladen getigert, um Platten zu kaufen – heute höre ich vor allem die umfangreiche Sammlung, die ich mir damals zusammengesucht habe (und die übrigens durchaus den Namen “Sammlung” verdient, weil voller Raritäten (und von Bands selbstgepressten Rohlingen, die heute kein Schwein mehr kennt)).
Ich bin aber noch nicht so alt, zu glauben, dass heute keine gute Musik mehr gemacht wird – ich lerne sie einfach nicht mehr kennen.
Übrigens sieht es ja bei der Filmindustrie ganz anders aus: Hier gibt es praktisch gar nichts neues mehr: Wenn nur noch Sequels, Prequels, Reboots, Remakes und Adaptionen produziert werden, muss man sich nicht wundern, wenn die Leute kein Geld mehr ausgeben wollen.
Danke für den Beitrag!
Das hat mich an den Satz “piracy is progressive taxation” erinnert und als ich eben nach dem Satz gegooglet habe, habe ich einen alten Artikel von Tim O’Reilly gefunden, der –aus seiner Perspektive als Verleger– sehr ähnliches schreibt wie Du:
Piracy is Progressive Taxation, and Other Thoughts on the Evolution of Online Distribution
by Tim O’Reilly
@Thorsten Beermann
Ein guter Artikel – Danke dafür!
Ein paar Aspekte fehlen aber noch:
a) Eine deutliche Differenzierung zwischen Urheber und Rechteverwerter, denn es geht vorwiegend auch organisatorisch und vor allem fälschlicherweise um das Geld der Rechteverwerter und eben nicht das der Urheber.
b) Schweinereien der korrekt so bezeichneten Content-Mafia, die unter anderem zu einem berechtigten Verschwinden des eigentlich angebrachten Unrechtsbewußtseins führten.
c) Das völlige Verschwinden des A&R Wesens inklusive der A&R Manager. Vom ehemaligen Vize der EMI weiss ich z.B., dass “Trends” seit geraumer Zeit 2 bis 5 Jahre im Voraus geplant werden. Publishing funktioniert nur noch auf Korruptionsbasis.
d) Skurrile Probleme, die z.B. dazu führen, dass man Demo CD’s mit GEMA freien Stücken nicht in Deutschland pressen lassen kann.
e) Die 25.000 Euro “Gebühr” von Media Control, die entrichtet werden muss, wenn man in den Charts gelistet werden möchte.
f) Die Kein-Label-Code-ohne-GEMA-und-kein-Einzelhandel-ohne-Label-Code-Problematik.
h) Die Mitschuld der Plattenindustrie,die für CD krasse Phantasiepreise jenseits der Vinyl-Preise verlangt hat und tut, obwohl die Produktion nur einen Bruchteil im Vergleich zur Vinylproduktion kostet. Wenn man den Bogen überspannt, bricht er.
i) Die Mitschuld der Konsumenten, die bereit sind, für einen “Topact” bis zu 200 Euro pro Konzertkarte hinzulegen, aber kleinere Bands mittlerweile noch nicht einmal mit einem Besuch ihrer Konzerte beehren, selbst wenn es kostenlos ist.
Der wirklich gearschte ist der Musiker. Er bekommt sowohl von der Content-Mafia als auch von den Konsumenten nur noch Tritte in den Arsch.
Ja – und das “Selbstvermarktungsargument” erzeugt bei mir nur noch Kopfschütteln angesichts derartiger Naivität oder wahlweise Bösartigkeit.
Etwas skurriles zum Urheberrecht :-) :
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37564/1.html
Ich sage provokant einfach mal:
Dann sollen sich die Musiker doch einen richtigen Job suchen. Musik machen ist die Leidenschaft und das Hobby der Musiker, wer z.B. mal einen “richtigen” Gitarristen gesehen hat, der weiß, dass die quasi nichts anderes machen. Woraus ergibt sich jetzt das Recht, dass man Geld reinbekommt? Ich bekomme auch kein Geld dafür, dass ich meinem Hobby (Bücher lesen) nachgehe, ich muss auch “nebenbei” arbeiten um meine Miete zu bezahlen.
Nicht falsch verstehen, ich kaufe Musik/Merch und besuche Konzerte, aber ich habe was gegen die Verteufelung von Filesharing und das gejammer der Verwerterindustrie.
Außerdem gilt: Wer gute Musik macht, kann damit auch was verdienen.
@Chronos
Nein, das stimmt leider nicht.
Das ist korrekt, hat aber rein gar nichts mit Online-Piracy zu tun, sondern einzig und allein mit fehlendem Glück, fehlendem (realem oder erkanntem) Marktpotenzial oder falscher Marketingstrategie des Künstlers/des Labels.
Auch nicht jeder gute Fussballspieler kann davon leben, es braucht immer viele Zufälle, die einen bis zu einem Profiverein schwemmen, insbesondere in den Ländern mit fehlender Vereinsinfrastruktur. Bolzplätze waren auch nicht der Tod des Profifussballs.
Es gibt kein automatisches Recht, für die Ausübung der Tätigkeit Geld zu bekommen (genau so wenig etwa für Autoren etc.). Das verlangt aber auch niemand, auch wenn es den Urhebern immer wieder vorgeworfen wird. Wenn niemand das Produkt haben will, gibt es dafür auch kein Geld. Aber wenn jemand die Inhalte nutzt, hat er dafür zu bezahlen.
Wenn er sie wofür nutzt? Um damit Geld zu verdienen? Ja dann gebe ich dir recht.
Aber dadurch, dass ich mir die Musik anhöre, soll automatisch für den Musiker ein Recht existieren, dass er dafür Geld bekommt? Das funktioniert nicht, du musst dir einfach mal anschauen was für ein riesiges Angebot an Musik es mittlerweile gibt (nicht zuletzt durch die digitale Wende) und um wieviel das Realeinkommen in z.B. Deutschland gesunken ist. Jetzt willst du mir tatsächlich sagen, bei steigendem Angebot und sinkender Nachfrage, müssen die Preise stabil bleiben? Witz komm raus, du bist umzingelt!
Btw. die 30 DM Preis je Album, wurden damals mit dem hohen Datenträgerpreis begründet, dieses Argument ist schon seit Jahren hin, für eine CD wird bei großzügiger Schätzung 5 Cent gezahlt (Materialkosten), eher weniger.
Und daraus ergibt sich ein Recht, diese ganze Musik zu besitzen?
Wenn du weniger Geld zur Verfügung hast, kannst du dir weniger Musik, Bücher, Filme, Videospiele usw. kaufen. Das ist aber nicht das Problem von Urhebern und Verlagen (mal abgesehen davon, daß die bei stabilen Preisen selbst wenn die Kosten nicht steigen würden ja auch real weniger Kaufkraft haben, als noch vor einigen Jahren).
Und über die Preisgestaltung kann man wunderbar streiten. Ich gebe dir auch absolut Recht, daß Kostensenkungen nicht weiter gegeben wurden (auch wenn die Margen im Tonträgerbereich deutlich geringer sind, als viele glauben). Aber das gibt dir immer noch kein Recht, die Musik zu nutzen, ohne dafür zu bezahlen.
Das ist letztendlich mein Kernargument: Wenn du dir mit dem Verkäufer der Musik nicht über den Preis einig wirst, mußt du eben auf diese Musik verzichten und er auf dein Geld. Wenn genügend andere Kunden das genau so sehen, wird sich der Preis vielleicht ändern. Oder der Verkäufer gibt sich mit den Kunden zufrieden, die den aufgerufenen Preis zu zahlen bereit sind.
“Wenn du weniger Geld zur Verfügung hast, kannst du dir weniger Musik, Bücher, Filme, Videospiele usw. kaufen. Das ist aber nicht das Problem von Urhebern und Verlagen”
Wenden wir mal diese Argumentationsweise auf deine eigenen inhaltlichen Aussagen an:
“Wenn du nicht verhindern kannst, dass alle Menschen sich mit ihren unzähligen Kopiergeräten und Kommunikationskanälen Datein austauschen, kannst du halt weniger Musik, Bücher, Filme, Videospiele usw. als “nackische” Kopie ohne Zusatzwert verkaufen. Das ist aber nicht das Problem von Konsumenten”
“Das ist letztendlich mein Kernargument: Wenn du dir mit dem Verkäufer der Musik nicht über den Preis einig wirst, mußt du eben auf diese Musik verzichten [...] ”
Nicht wenn ich sie auch auf unzähligen anderen Wegen bekomme, ist bei jeder Sache so, werde ich mir mit dem Verkäufer nicht einig, geh ich halt wonanders hin, ist ein völlig normales menschliches Verhalten, muss der Urheber/Verwerter halt seine Kopien behalten, besorg ich mir die woanders her.
Die USA hat auch schonmal aus (zusammengesponnenen) moralischen Gründen eine Alkoholprohibition durchgesetzt und ist damit kläglich gescheitert, hat mehr Schaden angerichtet als genutzt, und ich denke auch dir ist bewusst, dass Schnaps brennen oder Bier brauen wesentlich schwieriger ist als strg+c -> strg +v zu drücken, um beliebig viele Datein zu kopiern.
Ist es wirklich sinnvoll immer wieder im Kreis darüber zu diskutieren, was wäre, wenn es den Digitalen Wandel nicht gäbe, ist ja nicht so, als wenn dein Text irgendeinen wirklichen neuen Aspekt in die Diskussion gebracht hätte, der nicht auch so schon in unzähligen anderen steht. Ich würde halt eigtl lieber über Geschäftsmodelle reden die sich im Rahmen der real existierenden Lage als haltbar herausgestellt haben und die man z.B. auch (staatlich) fördern könnte, soweit notwendig. Den umfangreichen Artikel über Geschäftsmodelle hatte ich ja extra verlinkt, damit man mal über diese unzähligen Phantomdiskussionen hinaus kommt.
Viele Grüße
René
@LordSnow
Danke für den Beitrag, Phantomdiskussion ist ein tolles Wort.
Ich hatte auch einen Beitrag verfasst, leider wurde dieser scheinbar von dem System geschluckt…
Das Vorhandensein der Möglichkeit rechtfertigt aber nicht die Handlung. Komischerweise scheinen dann bei “geistigem Eigentum” die Regeln von Materiellem Eigentum nicht mehr zu gelten. Denn eigentlich ließen sich die apologetischen Argumente dort nahezu 1:1 übertragen.
Die von den Piraten ausgearbeiteten alternativen Geschäftsmodelle sehe ich überwiegend auf einer Stufe mit der Kulturflatrate. Sie sind gut gemeint aber größtenteils nicht bis zum Ende gedacht und ließen sich, wenn überhaupt, auf das kommerzielle Spitzen-Promill des Mainstreams anwenden.
du meintest wohl nicht das kommerzielle spitzenpromille, sondern doch eher das erfolgreiche. über ‘geistiges’ eigentum, kultur, kunst, kommerz & ware lasse ich mich lieber nicht aus. da scheint allgemein eine art schleier über die ganzen wortblasen gezogen zu sein.
@ Thorsten Beerman
Den Vergleich zwischen geistigem und materiellem Eigentum in allen Ehren.
Ich bin mal schwer gespannt, wie es sich damit verhält, wenn Drucker eine weitere Dimension erhalten.
Könnte sich ja auch dort auf’s Unrechtsbewusstsein auswirken.
…
Dann soll sich der Koch doch einen richtigen Job suchen. Kochen ist die Leidenschaft und das Hobby der Köche, wer z.B: mal einen “richtigen” Koch gsehen hat, der weiß, dass die quasi nichts anderes machen. Woraus ergibt sich jetzt das Recht, dass man Geld reinbekommt? Ich bekomme auch kein Geld dafür, dass ich meinem Hobby (Musik machen) nachgehe, ich muss “nebenbei” arbeiten, um meine Miete zu bezahlen.
Fällt dir der Unterschied zwischen Köchen und Verkäufern von Musikkonserven auf? Der Koch bekommt Geld, solange er kocht, und keins mehr, wenn er nicht mehr kocht. Seine Rezepte kann man kopieren, seine Arbeitsleistung nicht.
Das Modell “Koch” ließe sich aber sehr wohl auf Musik übertragen – und genau das ist auch eine der zahlreichen Antworten auf das Problem illegaler Kopien: Bezahlung für Dienstleistung statt für Kopien. Beim Musiker heißt das z.B.: Konzerte geben.
1a!
Ich kan dem Grossteil der Aussagen des Autors zustimmen (besonders über die Scheinargumente der Urheberrechtsverletzer) und man merkt dies besonders an der defensiven Reflexhaltung vieler Kommentatoren hier. Einiges ist zwar ein wenig undifferenziert ausgestaltet, aber vieles ist auch eine Sache der Perspektive (Konsument, Produzent, Verwerter).
Ich muss jedoch in einem Punkt ganz offen widersprechen, nämlich zum Thema Pauschalabgabe auf Geräte und Medien, welche zur Vervielfältigung eingesetzt werden können. Ich arbeite selbst in der IT-Branche und wir betreiben einige Rechenzentren. Also ich sehe bis heute nicht ein, weshalb man auf all die Platten, Storages, Bandlaufwerke und was weiss ich diese Pauschalabgabe nicht abgelten kann, obwohl all diese Objekte zu 99% niemals auch nur ansatzweise für die Privatkopie nach UrHG zum Einsatz kommen, ja rechtlich gar nicht kommen können, da all dies ja gewerblich genutzt wird. Hier findet eine Subventionierung der GEMA (und natürlich all derer, welche Gelder aus dem Verteilungschlüssel erhalten) durch Firmen statt, welcher im grossen Umfang solche Geräte und Medien benötigen und wenn ich all die Rechenzentren und grossen Firmen mit viel IT bedenke, dann ist das bestimmt kein Pappenstiel.
Als zweiten Punkt, in dem ich ihnen widerspreche, muss ich die Sache mit dem Kopierschutz nennen. Ich finde es ein wenig schade, dass sie einerseits ganz klar benennen in welchem Rahmen und Ausmaß die sie Privatkopie rechtens sehen und somit auch die Möglichkeit auf Anwendung dieses Rechts bestehen muss, aber im nächsten Satz ganz lapidar feststellen, dass man aber nicht den Koperschutz eines Mediums aushebeln darf, da dies gegen das Gesetz verstößt. Es tut mir leid, aber ein besseres Beispiel für “ein Widerspruch in sich selbst” gibt es glaube ich in diesem Themenbereich nicht.
@Grayson #10
Ja, Sie haben sehr wahrscheinlich mit Ihrer These recht, dass erst die sog. illegalen Tauschbörsen (oder davor schon einschlägige Seiten mit MP3s, IRC, etc…) dazu geführt haben, dass sich die Content-Industrie in Ihren Vertriebswegen bewegt hat. Ob dies so oder so passiert wäre (unabhängig davon ob später oder früher) können wir heute nur der Spekulation überlassen. Dennoch ändert das nichts an der Aussage des Autors. Diese Entwicklung hätte man nämlich wahrscheinlich auch genauso gut mit einem Boykott der Ware bestimmter “Kultur”, solange bestehende Vertriebswege nicht angepasst werden, einleiten können.
Jedoch etwas illegal erwerben, was nicht zu primären Bedüfrnissen gehört, nur weil einem die aktuellen Vertiebswege nicht gefallen, ist nicht anderes als Heuchlerei und Doppelmoral. Keine Sorge, diese Kririk ist auch an mich selbst gerichtet und mir ist die Schizophrenie hier nur allzu bewusst. Nur, damit tun wir uns keinen Gefallen, denn im Endeffekt widersprechen wir uns selbst und geben der Content-Industrie unfreiwillig Kanonenfutter für ihre “Argumentationsmaschinerie”. Mit einem gemeinsamen gross angelenten Boykott der Charts, Blockbuster und Co., legal wie illegeal, für sagen wir nen Monat, könnten wir sehr schnell sehr viel mehr erreichen. Ich wär sofort dabei.
Da wo die Kultur kein primäres Bedürfnis mehr ist, da soll Zivilisation und mit ihr ein Rechtsbewusstsein sein?
und wo sie ‘primär’bedürfnis (die es im bereich kultur nicht gibt) ist, soll sie gefälligst als ware konsumiert, sprich gekauft, werden. wo kämen wir denn hin, wenn man für ‘kultur’, mit der hier ja überwiegend film-, ton- und texterzeugnisse gemeint sind, nicht zahlen müsste! die ganze debatte ist so was von verlogen, dass man sie einfach verweigern sollte.
Ich dachte immer, es sei eine Kulturleistung Waren einfach und weiter verbreitet verfügbar zu machen.
Und Tauschen und Teilen war auch Bestandteil der Erziehung.
und kindern sachen vor die nase halten und sie dann über den tisch ziehen wie die samwerbrüder u.a. war auch bestandtzeil dieser erziehung, deren früchte wir in dieser verlogenen debatte jetzt anschauen dürfen. vielleicht ist ja das filesharing irgendwie teil des tauschens und teilens gewesen, bis die contentindustrie gesetze hat schaffen lassen, um die kids kriminalisieren und so richtig teuer abmahnen zu können. das ist gerade mal 10 jahre her, mannomann!!! ich schrub ja: VERLOGEN!!!
´´Das neue Justin Biber-Album am Tag des Erscheinens in den Händen zu halten bzw. auf dem MP3-Player zu haben, ist kein Menschenrecht.´´
Nein,das ist Folter.^^
Musik von heut ist nurnoch Müll.
Wer erinnert sich schon noch nach 3 Monaten an die Gewinner von dsds,Superstar und co?
Da würd mein Router das kotzen kriegen,
wenn er sowas an meinen Computer senden müsste.^^
Mfg
@leslie
Nein. Ein großer Teil der Musik von heute, die von der Content-Industrie veröffentlicht wird, ist nur noch Müll. Der überwiegende Teil hochwertiger Musik findet mittlerweile in irgendwelchen Kellern statt, wo ihn nur die Musiker selbst hören.
Naja, es gibt ja durchaus noch Vertriebsformen, die auch unbekannten Künstlern eine VÖ ermöglichen. Interessanterweise (aber nicht weiter verwunderlich) ist es gerade das Internet. Man schaue nur mal auf Bandcamp und anderen, ähnlichen Plattformen. Neben viel durchschnittlichem (natürlich) habe ich dort auch schon einige Perlen entdeckt. Wer nach Saturn oder in den Mediamarkt rennt, bekommt natürlich nur die breiige Massenware.
Sicher. Aber nennenswerte Stückzahlen werden darüber nicht erzielt.
Nein, eher nicht.
@ leslie
d`accord
Klar, wer braucht schön Hörbücher, wenn beim RTL „Mitten im Leben“ läuft …
Ein Aspekt hinsichtlich des Bedarfs-Argument wurde übersehen:
Inzwischen mag es einige legale Möglichkeiten geben, sich Musik als mp3 (auch DRM-frei) zu besorgen. Insofern hat die Industrie gelernt. Ok. 10 Jahre zu spät, aber besser als nie.
Wie siehts aus mit Musik, die ein bis zwei Monate vorher promoted wird, ohne dass sie legal zu bekommen ist, sondern nur pseudolegal/illegal über Youtube oder Hoste o.ä.
Wer deckt den Bedarf an digitalen Versionen von Serien. Ein sehr gutes Beispiel, was mich “in die Illegalität getrieben hat”, ist folgendes:
Vor ein paar Monaten habe ich die Serie “Dexter” entdeckt. Die ersten Folgen haben mir so gut gefallen, dass ich mir sofort für teilweise teuer Geld die Staffeln 1-4 in Deutsch auf DVD zugelegt habe. Nun hatte die Staffel 4 einen riesigen Cliffhanger, der mich ganz wild auf die kommende, 5. Staffel machte. Im Pay-TV lief sie schon mit deutscher Synchronisation, in USA lief sogar schon Staffel 6. Doch wie kann mein Bedarf nach Staffel 5 gedeckt werden? Amazon hatte die Staffel noch nicht mal gelistet und auch der Publisher wusste nicht, wann er die 5. Staffel auf dem deutschen Markt veröffentlichen wird.
Ich hatte einen Bedarf. Ich war bereit, “viel” Geld dafür auszugeben.
Die Ware war theoretisch da -> Synchronisation lag vor. Im Pay-TV wurde die Staffel ausgestrahlt.
Die Strukturen zur Stillung meines Bedarfs waren da. Wenn die Sharhoster in der Lage sind, riesige Rechenzentren mit Gewinn zu betreiben oder zu mieten, dann kann das Universal auch.
Ein Angebot zum legalen Erwerb gab es jedoch nicht.
Was tat ich nicht: Monatelang warten auf die DVD-Veröffentlichung.
Jede andere Lösung als eine wie auch immer geartete Pauschalabgabe hat ein unüberbrückbares Problem:
Um eine individuelle Abrechnung zu erzwingen ist es nötig, die schwarzen Schafe zu ermitteln. Dazu müssen in jedem denkbaren Fall die Grundrechte in irgendeiner Form eingeschränkt werden. Und das kommt für sowas
nicht in Frage.
Linktipp zum Thema: “Berliner Musiker »Tapete« über GEMA-Streit”
http://www.taz.de/Berliner-Musiker-ueber-Gema-Streit/!101090/
Darin wird im Grunde auch das Thema der “Online Piracy” angeschnitten:
Zitat:
TAPETE: Mein aktuelles Album habe ich ausschließlich auf meine Homepage gestellt, zum freien Download. Es wurde mehr als 11.000-mal heruntergeladen, das ist schon beachtlich.
TAZ: Aber Geld haben Sie damit keines verdient.
TAPETE: Nein, keinen Cent. Ich denke aber schon über einen Spendenbutton für das nächste Mal nach: 1 Euro pro Download, freiwillig, das wäre schon in Ordnung. Aber auch aus den freien Downloads sind Engagements für Auftritte entstanden.
[...]
Aber das ist der Weg als sogenannter kleiner Künstler: Du musst mit sozialen Netzwerken und guten Musikvideos auf deine Lieder aufmerksam machen. Dafür brauchst du Ideen und Zeit. Und dann heißt es: auftreten, auftreten, auftreten.
@deviant
Sorry, wenn ich das mal so deutlich sage, aber: Du hast wirklich keine Ahnung!
Wie viele kleine Bands kennst du denn persönlich? Also ich kenne ein paar und im Grunde hat er Recht mit seiner Aussage.
@danielmite
Ich habe meine Erfahrungen mit Bands und (einer) Autorin weiter oben beschrieben: schwitzig hat recht.
@danielmite
Im Laufe der letzten 30 Jahre so um die 200. Einige selbst bedient.
Stimmt, kleine Künstler zu zitieren, wenn es um kleine Künstler geht…dann muss das Gesagte ja völliger Mist sein.
Tschuldige, wenn ich das so deutlich sage: Du bistn Vollidiot.
Das Problem dabei ist aber, daß auch Auftritte gerade bei unbekannten Bands und Musikern tendenziell eher kein Geld in die Kasse spülen. Die Musiker, die ich in diesem Segment kenne, sind eher froh, wenn am Ende wenigstens eine schwarze Null unter dem Strich steht.
Und auch kostenlose Downloads sind nur bedingt Aussagefähig. Eine mir bekannte Band stand mit drei Songs und jeweils fünstelligen Downloadzahlen (kostenfrei) über Monate in den Charts einer seinerzeit recht großen Musikplattform.
Als sie dann das Album dazu veröffentlicht haben, wurden keine 300 Einheiten verkauft.
Ich habe auch nicht behauptet, dass dort die allgemeingültige Wahrheit stünde, sondern lediglich einen Künstler zitiert, der sich so gerade in einer überregionalen Zeitung geäußert hat und der das offenbar so denkt, aus eigener Erfahrung. Ich war der Meinung, dass der ein oder andere diese Perspektive wertschätzen würde, statt mir vorwerfen zu lassen, ich hätte keine Ahnung, weil irgendein Troll gerade nicht mit der Meinung des Künstlers übereinstimmt.
Wer ein Blog wie dieses liest, sollte zumindest so viel Grips haben, zu wissen, was ein Zitat ist. Wer das nicht hat, ist eben ein Vollidiot und muss sich das vorwerfen lassen.
@deviant
Du hast diesen Künstler zur Illustration Deiner Ansichten zitiert. Genau die wurden von mir kritisiert. Wer das nicht begreift, ist ein Vollidiot.
@deviant
- Auftritte bekommen
- Anlage, mögliche Präsentationsqualität
- Rahmenbedingungen
- Kosten
- Anzahl der ereichbaren Leute
- Werbung
Und und und.
Bei halbwegs akzeptablen Auftrittsbedingungen gilt mittlerweile pay-to-play.
Ein Großteil der Clubs verlangt mittlerweile den Vorkauf ganzer Kartenkontigente auf Rechnung der Band.
Sorry – wenn man wirklich gar keine Ahnung, sollte man das Maul halten und nicht dümmlich herumgröhlen.
Dann nehmen Sie sich doch zu Herzen, was sie da sagen und halten Sie’s Maul.
Sorry, aber bei so dämlichen Kommentaren wird Eugenik fast sympathisch.
@schwitzig
“Wir machen uns die Welt, widiwidiwie sie uns gefällt” *trallala*
@deviant
Warst Du schon mal Profimusiker?
Hattest Du schon mal ein Studio?
Hattest Du schon Label/Plattenverträge?
Kennst Du schon Konzertagenturen?
Hast Du schon mal Gigs organisiert und geplant?
Hast Du schon mal PR gemacht?
Warst Du schon mal auf Tour?
Kennst Du Dich mit Merchandising aus?
Hast Du schon mal selbst Produktionen geleitet?
Bevor du Dich jetzt restlos blamierst, solltest Du einfach mal den Rand halten. Du weißt nicht, wovon Du redest, erlaubst Dir aber ein Urteil darüber. Wer macht sich dann hier die Welt, wie sie ihm gefällt?
wie wäre es denn, die musik als free download in niederer qualität (96kbps) anzubieten und dann gegen entgelt in hoher qualität? dann bei auftritten die cds zu verkaufen ist ja eh schon ein gängiges mittel.
Bringt nicht viel, die Kids von heute ziehen sich sogar die gerippte Musik von Youtube rein, das ist mal eine miese Qualität…
ja und da sind wir doch beim nächsten problem. ich habe in den letzten jahren tatsächlich viele feiern mitbekommen, wo nur noch über youtube oder vidzone mittels playlisten die songs gespielt werden. viele dieser “veranstalter” sehen wegen dieser möglichkeiten schon seit jahren nicht mehr den bedarf, musik zu kaufen. das bedeutet, dass dadurch praktisch alle mainstream-konsumenten wegfallen (könnten)!
@deviant
Ich finde die Auswahl der zitierten Textstücke aus dem Interview schon tendenziös. Jedenfalls, was die von schwitzig und anderen beanstandete Stelle betrifft. Im Interview stand nämlich
Hervorhebungen von mir. Die Frage der Interviewers und die unmittelbare Antwort des Künstlers zu unterschlagen, dann aber den Rest zu “zitieren”, würde nirgendwo als korrektes Zitat durchgehen.
Ich finde auch, dass der Artikel sich zu stark um die moralische Seite und zu wenig um die tatsächlich existierenden Verhältnisse kümmert.
Ich persönlich denke, dass freiwillige Bezahlmodelle die Zukunft sind. Neben den schon existierenden Möglichkeiten zum Crowdfunding braucht es dazu vor allem Kanäle, um Künstlern unkompliziert Geld zukommen zu lassen. Eine solche Plattform ist gerade im Entstehen (http://amour-discipline.org/). In meinem (natürlich nicht repräsentativen) Umfeld würden die Meisten aus diese Weise mehr Geld für Musik ausgeben.
Sehe ich aus zwei Gründen anders:
1. Warum sollte es angemessen sein, wenn die Konsumenten einen freien Zugriff auf alle Inhalte bekommen, also quasi ein Recht zu nutzen und zu verändern, was immer sie wollen, während diejenigen, die diese Leistung erbracht haben, vom guten Willen der Nutzer abhängig sind, obwohl ich Leistung in Anspruch genommen wird.
2. Ich bin immer sehr misstrauisch Versprechen, wie man sich unter bestimmten Bedingungen verhalten würde. Warum verhält man sich nicht heute schon entsprechend? Denn wenn alle das tun würden, was sie angeblich tun wollen, sähe die Welt sehr viel besser aus.
Oder Konkret: Warum sollte jemand mehr Geld für Musik ausgeben als er heute ausgibt, wenn er gar nichts geben müßte? Warum gibt er das gleiche Geld nicht heute für Musik aus, wenn das Interesse an der Musik scheinbar da ist? Das ergibt keinen Sinn.
1. Warum sollte es angemessen sein, dass in diesem Staat Vermögen über Steuern und Abgaben umverteilt werden? Gehört den Leuten doch.
2. Ich glaube nicht an die Bezahlmodelle. Mir sind die Künstler herzlich egal und einen Sonderschutz finde ich lachhaft. (Damit einmal jemand einfach die Wahrheit ausspricht.)
1. Die Leute nehmen ja auch staatliche Leistungen in Anspruch. Ohne etwa das Bildungssystem hätte der Großteil mutmaßlich nicht all zu viel Geld, das man ihnen wegnehmen und umverteilen könnte.
2. Welchen Sonderschutz? Es wird Geld für in Anspruch genommene Leistung verlangt.
“2. Welchen Sonderschutz? Es wird Geld für in Anspruch genommene Leistung verlangt.”
Also willst du den Sonderschutz/ das Urheberrecht gleich komplett abschaffen?
Dann wäre natürlich der Straßenbauer, der nur ein einziges mal für seine Leistung bezahlt wird bevor er sie allen Menschen zwangsweise zur Verfügung stellt, weil es kein Gesetz gibt, dass er auch noch für jede einzelne Nutzung bezahlt werden muss, wieder mit uns Urhebern gleichgestellt.
Ich halte allerdings einige Sonderrechte durchaus für akzeptabel, insbesondere was die Urheberpersönlichkeitsrechte, also Namensnennung, Schutz vor Entstellung, Recht auf Erstveröffentlichung angeht, durchaus für sinnvoll und moralisch vertretbar. Wobei ich natürlich zugeben muss dass dies eine staatliche Bevorteilung gegenüber dem Straßenbauer und anderen Berufsgruppen ist, die dann auch irgendwelche Sonderrechte bekommen müssten.
Viele Grüße
René
Die meisten Künstler, die immaterielle Inhalte schaffen, haben aber auch in der Regel gar keine Möglichkeit, sich einmal komplett für ihre Arbeit auszahlen zu lassen. Sie können ja nur dafür Geld verlangen, daß ihre Inhalte im Nachhinein genutzt werden.
Wenn die Arbeit vollbracht ist, haben sie im Gegensatz zu einem Arbeitnehmer erstmal gar nichts in der Hand (außer, sie hatten einen Vorschuss vom Verlag) und tragen zu diesem Zeitpunkt auch noch den Großteil des unternehmerischen Risikos. Wenn sie Pech haben und am Publikumsgeschmack vorbei gearbeitet haben, bekommen sie gar kein Geld. Wenn sie gerade den Zeitgeist voll treffen, können sie sehr viel Geld verdienen.
In diesem Sinn hätte der Straßenarbeiter sogar den Vorteil der Sicherheit auf seiner Seite. Er weiß, daß er sein Gehalt für die geleistete Arbeit bekommt, auch wenn er eine vollkommen überflüssige Straße gebaut haben sollte, die später eh niemand benutzt.
1. Mir geht es wie gesagt erst mal nicht um “sollen”. Der status quo ist, dass der Austausch von digitaler Kunst problemlos möglich ist und eben auch dass dieser Austausch nur durch massive staatliche Maßnahmen unterbunden werden kann, die ich für die schlechteste aller “`Lösungen”‘ des Problems halte.
2. Es ist halt immer schwierig solche Diskussionen ohne konkrete Zahlen zu führen. Ich denke z.B. auch, dass Kickstarter dazu geführt hat, dass Leute wirklich mehr für Kunst ausgeben und dass das nicht nur eine Umverteilung des Budgets war. Ich fordere nicht, dass Filesharing zugunsten von freien Bezahlmodellen legalisiert werden soll. Ich glaube nur, dass diese sich mittelfristig durchsetzen werden, auch weil sie relativ unabhängig von Lobbyismus, aufgeheizten Debatten und juristischen Problemen entstehen können.
Das ist doch schon so: die Leute müssen gar nichts geben und trotzdem tun sie es (Filesharer geben sogar mehr Geld für Musik aus als legal Kaufende). Da gibt es viele Gründe dafür: moralische, egoistische, altruistische. Fakt ist jedenfalls, dass das bereits passiert.
Man muss zwei Dinge trennen: Geld, das ich für Musik ausgebe und Geld, das beim Künstler ankommt. Kaufe ich gebraucht, sieht der Musiker nichts. Kaufe ich bei amazon oder itunes, sieht er maximal 10\%. Und welche Band gerade live vorbeikommt, kann man sich nicht aussuchen. Kurzum: bisher gab es wenig Möglichkeiten, dem Künstler direkt Geld zukommen zu lassen. Und ist im Begriff sich zu ändern.
1. Ein Blick in die Kulturgeschichte: Die Verbreitung und Anpassung/ Weiterentwicklung von Wissen und Inhalten war und ist der Motor des gesellschaftlichen und kulturellen Fortschritts. Mensch stelle sich mal eine Wissenschaft vor, in der nicht auf Arbeiten von KollegInnen zurueckgegriffen werden kann.
2. Stimmt theoretisch, daher ja die Idee der Kulturflatrate. Praktisch gibt es eben den Haken, dass ich die Kulturschaffenden kaum direkt unterstuetzen kann, mein Geld aber nicht der Kulturindustrie geben will, die dann vielleicht 10% weiterleitet. M.E. ist die Weitergabe von Musiktipps und -dateien an FreundInnen auch eine relevante Form der Unterstuetzung, nebenbei.
Schlechter Artikel.
Zu viele sich widersprechende Aussagen, gewagte bis falsche Annahmen und Unterstellungen, Auslassungen etc., um sie einzeln aufzufuehren. Fuehrt in der Debatte keinen Schritt weiter, zumal sich der Autor nicht einmal bemueht, irgendetwas Konstruktives anzubieten.
Der einzige derzeit ernstzunehmende Ansatz ist imo die Kulturflatrate – ja, da gibt es noch viele offene Fragen und Probleme, gar keine Frage. Ueber die sollten wir hier offen und kontrovers diskutieren – oder eine brauchbare Alternative vorschlagen. Freiwilliges Bezahlen, Crowdfunding, Konzerte/ Lesungen/ …, Sondereditionen, Merch, alles schoen und gut – aber viel zu unsicher und nicht allen Kulturschaffenden gleich zugaenglich. Diese wuerde ich gerne (mehr als bisher) unterstuetzen – die sie umgebende, grossteils ueberfluessige (sorry Branchenleute) Industrie nicht.
Dann beantworte die offenen Fragen und behebe die Probleme bei der Kuturflatrate und wir können ernsthaft darüber diskutieren. Aber übersetzt zu sagen “Es funktioniert zwar hinten und vorne nicht, aber es ist die einzige Lösung” ist auch nicht gerade eine Meisterleistung.
Immerhin besser, als rein gar nichts anzubieten, wie der Artikel. Die Contentindustrie spielt Don Quijote, was auf mich tragikomisch bis unterhaltsam wirkt – willst Du Dich anschliessen?
Ich bin zu wenig Experte, um auch nur im Ansatz ein fertiges Konzept ausarbeiten zu koennen, daher sage ich “es muss diskutiert werden” – was ich schonmal sagen kann ist, dass einige Deiner Gegenargumente schlicht unsinnig sind: So sagst Du anfangs, dass ein “illegaler” Download “natuerlich” nicht einem verlorenen Kunden entspricht, vergleichst aber spaeter die Pauschalabgabe auf eine Festplatte mit den Preisen einer CD/ den Einnahmen eines Musikers aus dem Verkauf selbiger. Ein Beispiel fuer eine voellig widerspruechliche Argumentation fuer mich.
Auch Deine weiteren Aussagen dazu sind, vorsichtig gesagt, fragwuerdig: Du behauptest, es wuerde von Menschen mit hohem Medienkonsum vertreten, die dafuer gerne weniger ausgeben wuerden – keine Ahnung, woher Du die Info hast, ich und mein persoenliches Umfeld gehoeren sicher nicht dazu. Dann “BGE fuer Kulturschaffende” – wieso bitte, wenn es an die Bedingung der Kulturproduktion gebunden ist? Hoechstgewinn – Unsinn, es gibt Konzerte, Merchandise etc pp, (wenige) beruehmte Grossverdiener wird es auch mit KFR geben, um die muessen wir uns keine Sorgen machen. Dann die Frage, warum alle Internetnutzer das bezahlen sollen – gleiches gilt fuer alles, was aus Steuermitteln finanziert und gefoerdert wird. Ich habe kein Auto, gehe fast nie ins Schwimmbad oder in den Sportverein etc pp, habe aber idR kein Problem damit, wenn diese Sachen mit meinen Steuern finanziert werden. Konkreter Vorschlag: Wer keine Videos etc aus dem Netz will, braucht nur geringe Bandbreite, also Abgabe je nach Bandbreite. Bleibt der Verteilungsschluessel – da gehts natuerlich ums Eingemachte, kann und will ich keine perfekte Loesung anbieten. Aber warum soll das nicht loesbar sein?
Ein KFZ, das einfach nicht fahrbereit ist, als das einzige mögliche Vehikel anzupreisen, ist eben nicht viel mehr frommer Wunsch als der Ansatz, die Leute sollten sich doch einfach an die Gesetze halten.
Da wir diesen Ansatz noch dazu ja bei anderen Straftatbeständen auch verfolgen und uns nicht damit abfinden, daß Gesetze gebrochen werden, weil die Möglichkeit dazu eben existiert bzw. die Gesetze dann so anpassen, daß es kein Gesetzesübertritt mehr darstellt.
Ich vergleiche nicht die Pauschalabgabe auf Leermedien mit dem Preis einer CD, sondern sage, daß es ein beliebtes Argument der Pro-Kopieren-Fraktion ist, daß mit der Pauschalabgabe auf Speicher das (illegale) Kopieren von Inhalten ja bereits abgedeckt wäre. Zumindest ist mir dieses Argument bisher in nahezu jeder Diskussion zu dem Thema begegnet.
Was ich tatsächlich mit den heutigen Umsätzen vergleiche, ist die Kulturflatrate, weil es damit vollkommen legal wäre, wenn (im absoluten Extremfall) alle Interessenten an den Inhalten sich an einem einzigen gekauften Exemplar bedienen würden, solange die Weitergabe auf nicht-kommerzieller Basis erfolgt.
Ich schreibe aber auch dazu, daß sich nicht vorhersagen lässt, in welchem Umfang dadurch die Umsätze etwas im Tonträgerverkauf sinken würden und ob und wie viel sich davon (in Genres mit starker Fanbindung) durch Sammler-Ausgaben etc. kompensieren ließe.
Ich habe zumindest in diesen Diskussionen noch niemanden erlebt, dem es nicht am Ende vor allem darum gegangen wäre, selbst weniger zu bezahlen bzw. für das gleiche Geld mehr Inhalte zu bekommenl.
Der Vorwurf wird auch durch endloses Wiederholen nicht richtiger. Ich fordere ja gerade keine Pauschale, die dann einen garantierten Mindestumsatz darstellen würde, sondern daß jeder für genau die Inhalte
bezahlt, die er sich aneignet oder nutzt.
Du siehst also keinen Unterschied zwischen dem Herstellen der grundlegenden Infrastruktur und einem reinen Konsumgut? Zum einen werden Steuern (wenigstens grundlegend) nach dem Einkommen gestaffelt eingezogen (was, zumindest grundlegend, in der Regel auch dem Maß entspricht, in dem man von den Leistungen des Staates profitiert), nicht pauschal.
Eine Abstufung nach Bandbreite ergibt auch nur bedingt Sinn, weil nicht jeder, der eine hohe Bandbreite hat, sie auch für illegales Laden nutzt bzw. dadurch eben nicht das Ausmaß bestimmt wird.
Warum denn eigentlich nicht eine Autoflatrate? Wir zahlen alle das Gleiche und jeder kann sich dann das Auto aussuchen, das seinen Bedürfnissen entspricht. Allerdings will ich dabei, egal welches Auto ich mir aussuche, weniger bezahlen, als ich bisher für Autos bezahlt habe.
Ich glaube, Du willst mich partout missverstehen und drehst mir deshalb Vieles im Mund herum. Letzter Versuch:
1. Die Gesetze sind hoffnungslos veraltet, da koennen wir auch ueber mittelalterliche Zensurvorschriften reden. Wir brauchen also neue, die die Nutzung von anderer Leute Eigentum regeln (‘Nutzung’ und ‘Aneignung’ wirfst Du wild durcheinander). Gesetze sind abhaengig von der jeweiligen Gesellschaft, und die veraendert sich auch durch Technologie.
2. Doch, genau das vergleichst Du, grad nochmal verifiziert. “Entspricht 33-100 verkauften Alben…”
3. Mit KFR braeuchte kein einziges Exemplar verkauft werden, und ja, die Umsaetze aus physischem Verkauf wuerden wohl sinken. Was weniger Muell bedeutet, also voellig i.O.
4. Du hast jetzt hiermit jemensch erlebt, der nicht zu dieser Kategorie gehoert.
5. Es ging um die imho falschen Gegenargumente zur KFR
6. Kultur und Bildung SIND grundlegende Infrastruktur.
7. Nach Bandbreite war nur ein Vorschlag, der natuerlich auch seine Haken hat. Wir koennen auch ueber andere moegliche Differenzierungen diskutieren.
8. Transportflatrate? Gerne, bin schon lange fuer kostenlosen OePNV. Aber doch nicht Autos…sind wir hier in den 60ern?
1. Das Scheinargument wird immer wieder gerne genutzt um zu verdecken, daß es eigentlich nur darum geht, selbst besser abzuschneiden, auch wenn es auf Kosten der Urheber geht.
2. Das war aber ein Teil der Antwort auf die Argumentation, mit der Pauschalabgabe auf Leermedien wäre das illegale Kopieren von Inhalten bereits abgegolten. Ich schreibe ja in dem Zusammenhang, daß das zum einen nichts miteinander zu tun hat und in sich schon keinen Sinn macht, wenn man sich die Verhältnismäßigkeit anschaut (und in diesem Zusammenhang kam dann das Zahlenbeispiel).
3. Unabhängig vom Verkauf physischer Tonträger müßte, wenn die Kulturflatrate keinen Verlust für die Urheber bedeuten soll, einen Betrag erbringen, der die Kosten der Produktion trägt (die selbst durch den Wegfall der physischen Kopie kaum sinken) , die Kosten der Verlage für PR etc. einschließt und für beide auch noch einen Gewinn abwirft. (Allerdings sollte man dabei nicht vergessen, daß die fehlenden Einnahmen für Vertriebe und Einzelhandel auch Auswirkungen haben würden).
Das bringt aber ein andere Problem mit. Einerseits ist es möglich, daß dann mehr Nieschenprodukte entstehen würde, weil es für die Einnahmen ja egal ist, wie nachgefragt die Produkte sind. Die Flatrate ergibt ja eine pauschale Summe. Andererseits könnte die Industrie auf die Idee kommen, die Gewinne einfach dadurch zu steigern, daß man die Anzahl der Produktionen und damit die Kosten senkt (also das Gegenteil der Entwicklung der letzten Jahre).
4. Das kann ich glauben, oder nicht.
5. Letzlich würde aber gerade die Kulturflatrate genau das darstellen. Die Frage ist, ob es zum mehr oder weniger Produktivität und Veröffentlichungen führen würde oder zu weniger. Wobei ich persönlich die Frage der Bemessungsgerechtigkeit unter den Zahlungspflichtigen erstmal noch störender finde.
6. Wir reden hier aber doch zum weit überwiegenden Teil nicht von Fachbüchern etc. sondern über die neuesten Chart-Hits, Mainstream-Kinofilme und Videospiele.
Und da bleibe ich dabei, daß der sofortige Zugang dazu eben kein Menschenrecht sein kann. Zugang zu Information gibt es auf anderen Wegen wie legal im Internet, (Uni-) Bibliotheken etc. Und wenn ich mir ein Unterhaltungsmedium zum Vollpreis nicht leisten kann oder will, dann muss ich warten, bis der Preis für mich stimmt. Das ist bei anderen Dingen doch auch nicht anders. Warum sollte gerade hier die große Ausnahme sein?
7. Natürlich sind andere Modelle möglich, etwas steuerfinanziert. Aber die grundlegende Frage bleibt doch, warum jemand mehr Geld bezahlen soll, damit sich ein anderer die neue Justin Biber Scheibe direkt am Tag der Veröffentlichung ziehen kann oder den nächsten Twilight Film ohne dafür zu Bezahlen auf dem Rechner hat.
8. Das hieße dann aber auch, daß der Angestellte, der jeden Tag zwei Stationen mit der Straßenbahn fährt, den Manager subventioniert, der vier mal die Woche mit dem ICE durch das halbe Land jettet.
“Vorschlag: Wer keine Videos etc aus dem Netz will, braucht nur geringe Bandbreite, also Abgabe je nach Bandbreite.”
Damit triffst du aber auch diejenigen, die ihre Sachen vom lizensierten Verwerter runterladen, also Nutzer von Hulu, Maxdome, Netflix, Simfy, Spotify, Playstation Network, ITunes etc
Außerdem ist die KFR in keinster Weise notwendig, wie gesagt, die Gewinne in den letzten 10 Jahren sind explodiert, auch im Musikbereich, siehe: http://www.techdirt.com/skyisrising/
http://www.docstoc.com/docs/111579571/TheSkyIsRisingReport
http://www.bpb.de/gesellschaft/medien/urheberrecht/63404/urheberrechts-industrien-in-deutschland
http://www.obs.coe.int/about/oea/pr/mif2011_cinema.html
U2 verdient *jährlich* 160Mio, Lady Gaga *jährlich* 109Mio, warum sollen wir denen ihre goldenen Löffel noch mit Diamanten besetzten.
http://musicfeeds.com.au/news/u2-top-ultimate-2011-sales-and-concert-revenue-list/
Meinetwegen können wir für Nachwuchskünstler unsere Förderprogramme, wie Stipendien und Förderpreise weiter ausbauen, aber bitte nicht noch mehr Kulturförderung. Irgendjemand muss auch noch im Realgütermarkt arbeiten und bei der zunehmenden Überalterung auch im Dienstleistungssektor. Wenn wir jetzt noch mehr Geld in den Kulturbereich schießen, will dann jeder sein Hobby zum Beruf machen und die Wirtschaft geht komplett den Bach runter.
“Bleibt der Verteilungsschluessel – da gehts natuerlich ums Eingemachte, kann und will ich keine perfekte Loesung anbieten. Aber warum soll das nicht loesbar sein?”
Natürlich ist es lösbar, man muss nur erstmal das Urheberrechtswahrnehmungsgesetz reformieren, auch mit der C3S kommt jetzt ein wenig Bewegung in die Sache, theoretisch ging es aber auch in der Form wie bei der Kulturwertmarkt, die allerdings dann nur die Internetnutzung einbezieht, was ja wie ich eingangs belegt habe nur 19% des (illegalen) Kopierens ausmacht.
Eine KFR scheitert nicht an der Machbarkeit, aber sie ist schlicht und ergreifend absolut unnötig und auch wieder unfair gegenüber jeder anderen Berufsgruppe.
Viele Grüße
René
Viele Grüße
René
Also gerade die von dir verlinkte Grafik der Bundeszentrale für politische Bildung sagt aus, daß die Musikindustrie 2006 pro Jahr eine Milliarde weniger eingenommen hat, also noch1996 Jahren. Bücher und Zeitungen blieben relativ stabil, bei Filmen und Computerspielen gibt es einen moderaten Anstieg. Lediglich bei Software kann man tatsächlich von “explodierenden” Umsätzen sprechen. Über die Gewinne wissen wir schlicht nichts.
Außerdem müßte man jetzt noch wissen, ob die Zahlen Inflationsbereinigt sind. Wenn ich mir den Text dazu anschaue, nehme ich an, daß sie es nicht sind. Wenn wir also eine Inflation von 2% annehmen (das ist ja das gewollte Inflationsziel), hätten die Umsätze in diesen 10 Jahren um knapp 22% steigen müssen, um inflationsbereinigt keinen Verlust hinzunehmen.
Das würde demnach gerade mal der Filmbranche, Computerspiele und natürlich Software ihre Umsätze Inflationsbereinigt tatsächlich gesteigert haben.
Um die muss man sich wohl auch eher keine Sorgen machen. Aber diese Gehaltklasse stellt auch nicht unbedingt den Normalfall oder gar die Mehrheit der Kulturschaffenden dar.
Es verlangt doch überhaupt niemand, daß mehr staatliches Geld in den Kultursektor fließen soll. Es würde vollkommen reichen, wenn die Leute für das bezahlen, was sie nutzen.
Ich hatte heute morgen einen ausfürhlichen Kommentar zur KFR geschrieben, irgendwie scheint der in der Moderation zu hängen, denn er ist nicht erschienen und wenn ich ihn nochmal posten will kommt, er wäre doppelt.
Kann den mal jemand freischalten?
Viele Grüße
René
OK, den habe ich jetzt wirklich eine Weile suchen müssen, aber scheinbar hatte das System den Beitrag aufgrund der vielen Links als Spam eingeordnet.
Jetzt sollte er zu sehen sein.
“Die meisten Künstler, die immaterielle Inhalte schaffen, haben aber auch in der Regel gar keine Möglichkeit, sich einmal komplett für ihre Arbeit auszahlen zu lassen.”
Entweder will jemand die Arbeitsleistung, dann wird er dafür auch bezahlen oder eben er will sie nicht, dann wird er auch nicht dafür bezahlen.
“Sie können ja nur dafür Geld verlangen, daß ihre Inhalte im Nachhinein genutzt werden.”
Falsch, sie können wie jeder andere entweder bevor sie die Arbeit verrichten mit einem oder mehreren Käufern einen Vertrag abschließen (machen ja auch die meisten, viele Urheber sind ja Angestellte und nicht freiberuflich, wie du suggeriertest), oder nach getaner Arbeit Geld verlangen dafür, dass sie das Werk veröffentlichen. Es wird doch niemand gezwungen sein Werk für lau zu erstellen und einfach zu veröffentlichen.
Der Straßenarbeiter hat sogar noch einen weiteren Nachteil, für ihn gibt es keine Verwertungsgesellschaften, die Pauschalabgaben auf Autoverkäufe (Analogie Leermedienabgabe) verlangen und an ihn weitergeben. Genausowenig wird er dafür bezahlt, wenn seine gebaute Straße im Radio erwähnt (gespielt) wird.
Aber wenn wir fair sein wollen, müsste jeder vom Staat ein Sonderrecht bekommen, dass jede einzelne Nutzung des Geschaffenem bezahlt werden muss, oder eben niemand bekommt so ein Recht. Alles andere ist zumindest moralisch sehr fragwürdig.
Viele Grüße
René
Richtig, aber diese Bezahlung erfolgt eben in den meisten Fällen bzw. den Fällen, die wir hier überwiegend diskutieren nach Fertigstellung der Inhalte und mit dem Unsicherheitsfaktor, den du ja auch bestätigst.
Trotzdem funktioniert es eben nur, wenn die Nutzer dann für ein Nutzung bzw. Aneignung der Inhalte auch bezahlen. Und genau hier liegt das Problem.
Die Meisten wohl eher nicht, aber es gibt Fälle, wie etwa festangestellte Journalisten oder Studiomusiker. Wenn allerdings nur noch Menschen ihre Werke produzieren würden, die im Vorfeld dafür einen festen Betrag garantiert bekommen, dann würde der kulturelle Output implodieren. (Nach getaner Arbeit nur für einen festen Betrag zu veröffentlichen würde übrigens nicht viel bringen, weil zu diesem Zeitpunkt der Großteil der Arbeit und Investitionen bereits geleistet ist.) Letztendlich ist der Großteil dazu gezwungen, mit diesem Risiko zu veröffentlichen. Und, da wären wir wieder bei meinem Punkt an dem die Diskussion immer wieder landet, ist es keine Rechtfertigung für die Nutzung oder Aneignung der Inhalte nicht zu zahlen, nur weil der Urheber wußte, daß er (im Fall von Nicht-Nutzung) nichts für seine Arbeit bekommt.
Und selbst wenn jemand dem Urheber ein fixes Gehalt für seine Arbeit bezahlt, verschiebt sich das Problem ja nur um eine Station. Dann ist der “Investor”, also in der Regel der Verlag, darauf angewiesen, daß die Kunden für die Nutzung der Inhalte bezahlen.
Der Straßenarbeiter hat ein festes Gehalt und weiß, was er für seine Arbeit bekommt. Der Urheber, der nicht festangestellt ist, hat diese Sicherheit nicht. Es kann sein, daß er mit Verkäufen, Airplay im Rundfunk, Auftritte usw. eine seiner Arbeit und seiner Investitionen angemessene Bezahlung erhält, es kann sein, daß er eine sehr gute Bezahlung erhält, aber auch eine sehr Schlechte oder gar keine.
Über die Leermedienabgabe kann man sicher diskutieren. Im Fall des Radios zahlt der Sender dafür, daß er die Inhalte des Urhebers nutzt um seine Hörer (die des Senders) zu unterhalten.
Dann müßte aber auch jeder fairerweise mit dem Risiko leben, nicht oder nur sehr wenig für seine Arbeit bezahlt zu werden. Aber dann würde wohl kein Straßenarbeiter mehr wenig befahrene Straßen reparieren wollen.
“Letztendlich ist der Großteil dazu gezwungen, mit diesem Risiko zu veröffentlichen. ”
Niemand ist zu irgendetwas gezwungen, er macht es aus freien Stücken oder er lässt es, Punkt. Konstruiere bitte nicht immer wieder herbei jemand würde zu etwas gezwungen. Wenn überhaupt willst du andere Menschen zu etwas zwingen, nämlich ihre unzähligen Kopiergeräte nicht zu benutzen.
“Der Straßenarbeiter hat ein festes Gehalt und weiß, was er für seine Arbeit bekommt.”
Die meisten Straßenarbeiter haben befristete Arbeitsverträge, und werden absolut misserabel bezahlt, hier in Ostdeutschland sind Stundenlöhne zwischen 1-4€ keine Seltenheit. Noch dazu zahlen viele Bauunternehmen einfach mehrere Monate nicht und gehen dann einfach insolvent, so dass niemals eine Zahlung an den Arbeiter erfolgt. Die Straße ist dann trotzdem da, du fährst drüber, hast dafür aber nie einen Cent bezahlt. Willst sogar noch irgendwelche Gesetze, dass mehr Geld in den Immaterialgüterbereich fließt, damit am Ende der Bauarbeiter noch schlechter dasteht, denn jeder Euro kann eben auch nur einmal ausgegeben werden.
“Dann müßte aber auch jeder fairerweise mit dem Risiko leben, nicht oder nur sehr wenig für seine Arbeit bezahlt zu werden. ”
Genau das tut auch jeder.
Du hast noch kein stichhaltiges Argument geliefert, warum Urheber rechtlich besser als alle anderen Menschen gestellt werden sollen. Nur dass es Urheber gibt die kaum was verdienen ist kein Argument, die gibt es auch überall anders, und die gibt es auch unabhängig davon ob man ein restriktives, liberales oder kein UrhG hat, ist ja nicht so als hätten vor dem Digitalen Wandel alle Urheber in Saus und Braus gelebt, das Gegenteil ist der Fall. Und zum Großteil liegt es eben tatsächlich nur daran, dass Urheber keine Geschäftsleute sind und sich sehr leicht einreden lassen, man könne ihnen (auf Grund von Privatkopien) nicht mehr für ihre Arbeit geben. In Wirklichkeit sind aber die Gewinne in den letzten 10-15 Jahren explodiert, kannst du nachlesen, Quelle hab ich dir gegeben. Kostet natürlich mehr Zeit als gleich wieder einen weiteren (oberflächlichen) Kommentar hinterherzuschießen.
Aber ich bin ja zum Glück nicht gezwungen hier Texte herzustellen und zu veröffentlichen, ich kann auch irgendetwas anderes machen, solange mich keiner dafür (angemessen) vergütet. ;-)
Viele Grüße
René
Ah, offenbar sind wir wieder bei den Nebelkerzen angekommen…
Er macht es aus freien Stücken aber eben auch im Mangel an anderen Möglichkeiten (in einem ausreichend Maß) und im Bewußtsein des unternehmerischen Risikos.
Und die Menschen können ihre Kopiergeräte nutzen, bis sie glühen, aber eben nicht für Inhalte, die sie nicht entweder selbst geschaffen oder bezahlt haben.
Was ist denn das für ein mit Verlaub schwachsinniger Nebenkriegsschauplatz? Wenn man mit echten Argumenten nicht mehr weiter kommt, versucht man den anderen eben dazu zu bringen, sich für Aussagen verteidigen zu müssen, die er nie getätigt hat?
Es geht hier nicht um die Bezahlung im Straßenbau (übrigens hast du das Beispiel in die Diskussion eingeführt und nicht ich). Wenn jemand nicht ausreichen oder durch welche Umstände auch immer gar nicht bezahlt wird, ist das falsch. Punkt!
Das rechtfertigt aber doch nicht quasi als Kompensation ein anderes Unrecht.
Und ich habe kein Wort von Gesetzen, bei denen automatisch noch mehr Geld in die Kultur-”Industrie” fließen muss, geschrieben.
Nein, das tut eben nicht jeder. Natürlich existiert für jeden theoretisch diese Möglichkeit, aber wenn sie eintritt, ist etwas schief gelaufen und es entspricht nicht der Norm. Für den (nicht fest angestellten) Urheber ist dieses Risiko ein normaler Teil seiner Arbeit.
Ich bestreite auch, daß Urheber rechtlich besser gestellt sind. Im Gegenteil müssen sie ja mittlerweile eine ziemlich weite private Nutzung und sogar Weitergabe ihrer Inhalte ohne dafür bezahlt zu werden hinnehmen.
Und das mit den “explodierenden Umsätzen” entspricht zumindest für Tonträger bzw. Aufnahmen einfach nicht der Wahrheit. Und genau darum geht es hier.
Die Musikindustrie erscheint einfach zu übermächtig. Einfluss auf die Politik, Massenabmahnungen (Familien werden in den Ruin getrieben), etc. Da werden große Geschütze aufgefahren, meist selbst in einer rechtlichen bzw. moralischen Grauzone. Kein Wunder, dass die Konsumenten da versuchen das System auszunutzen, wo es nur geht.
Ich selber habe auch nicht die ultimative Lösung. Aber wenn die Musikindustrie endlich mal etwas zurückfahren würde, und nicht täglich aufs neue die Totalüberwachung des Internets oder sonst irgendwelchen Schrott fordern würde, würde sich vielleicht auch das Diskussionsklima etwas abkühlen, und damit wäre schon viel getan.
Auch die Künstler können ihren Beitrag dazu leisten. Ein gutes Beispiel: http://www.initiative-abmahnwahn.de/2011/11/28/jan-delay-kritisiert-massenabmahnungen/
Hallo zusammen!
Irgendwie wurde im Artikel und den Kommentaren etwas fast gar nicht beachtet, sondern nur rudimentär angesprochen: Der Kopierschutz!
Wenn ich mir früher eine Musikkassette oder CD kauft, dann konnte man die überall abspielen. Heute bei den MP3-Files sieht das ja wohl anders aus:
* Ich kaufe mir einen Song für meinen Rechner, dort läuft er auch.
* Auf dem MP3-Player in der Tasche funktioniert er nicht, er darf ja auch nicht kopiert werden.
* Ebenso sieht es für den CD-Wechsler im KFZ aus, da ich den Song ja nicht auf CD brennen darf bzw. kann!
He hallo, ich soll für einen Song gleich mehrmals zahlen und dazu die Abgabe auf die verwendeten Geräte?!?! Das kann es ja wohl nicht sein.
Im Artikel wird dabei auch der eigentliche Urheber gar nicht wirklich beachtet, sondern eher die Verwerter wie die GEMA und die Contentfirmen in Schutz genommen. Von den Geld, daß diese Verbrecher kassieren bekommen die Urheber allerdings nur einen kleinen Bruchteil, den Rest stecken diese mafiösen Gebilde in die eigene Tasche!
Mir persönlich kann es inzwischen egal sein, ich habe genug Geld für Alben ausgegeben und dadurch so viel Musik, daß ich ohne Wiederholung eines Albums über ein Jahr Musik hören kann. Da ich jedoch meistens nur noch Radio höre, könnte ich diese aber genauso gut auch wieder verkaufen (mach ich aber nicht! ;-) ). Neues gibt es bei mir zu den jetzigen Bedingungen allerdings nicht mehr, für so etwas gebe ich kein Geld mehr aus. Was will ich denn damit, wenn ich die Musik nicht einmal mit meinem MP3-Player auch unterwegs anhören kann?
Was übrigens die Abgaben auf die Geräte betrifft: Wer bitte scannt denn ein Buch ein und/oder druckt es aus?? Für das Geld der dazu benötigten Druckerpatronen bekomme ich auch das Buch selbst und einen neuen Drucker dazu, die Abgabe ist völliger Unsinn!
Dann wurden da noch die schönen, neuen und großen Festplatten angesprochen: Hat mal jemand nachgerechnet, wie viele MP3-Song z. B. auf einer relativ neuen 3TB-Platte passen? Da hört man Jahrzehnte nonstop Musik, was allerdings kaum jemand machen wird! Und nein, meine Platten inkl. die für mein Backup haben zusammen nur 1TB, das genügt mir.
Grüße nun aus TmoWizard’s Castle zu Augsburg
Mike, TmoWizard
Thorsten Beermann schrieb:
Warum sollten sich Leute dafür einsetzen, weniger zu bezahlen, wenn sie heute ohnehin schon alles kostenlos bekommen? Das ist doch unlogisch. Ich habe auch ernsthaft keine Ahnung, wie du diese Schlussfolgerung aus den Beiträgen hier ziehen kannst. Bei so einer Voreingenommenheit fehlt ja schon fast die gemeinsame Basis für eine Diskussion.
@Marko
Weil genau diese Leute sich darüber aufregen, dass sie mit den Zwangsabgaben z.B. auf Kopierfähige Geräte durch die Hintertür doch noch für etwas bezahlen, das sie gerne kostenlos hätten. Der Produzent und seine Lebenssituation interessiert da viele einen Scheiss.
Wohlgemerkt – ich kann der Contentmafia nichts abgewinnen, aber die Schmarotzermentalität finde ich ebenso abstossend.
“Wohlgemerkt – ich kann der Contentmafia nichts abgewinnen, aber die Schmarotzermentalität finde ich ebenso abstossend.”
Meine Erfahrung ist ja eher, dass man Inhalte auf Tauschbörsen meist nur bekommt, wo die Kontentmafia am meißten kassiert. Inhalte, die im Independent-Bereich anzusiedeln sind, findet man dort eher selten bis gar nicht. Daran kann man sehen, dass diese “Schmarotzermentalität” ja Ursachen hat. Wer Dreck nur des schnöden Mammons wegen produziert, muss sich über fehlendes Unrechtsbewusstsein in der Gesellschaft nicht wundern.
Zu den meißten illegalen Downloads damals gehörte der Film Avatar. Ich glaube nicht, dass es dort jemanden getroffen hat, der Arm war. Dass andere Filme, echte Perlen, nicht gesehen werden, ja nicht mal für Lau getauscht werden, hat wiederum ganz andere Ursachen. Und dass deren Urheber arme Säue bleiben eben auch.
Die Kontentmafia will einfach nur noch mehr Geld abgraben, darum geht es doch. Es geht eben nur um Geld und um nichts anderes. Es geht um den Markt. Die, die diesen beherrschen, wollen ihre über Jahrzehnte erarbeitete Position verteidigen. Dabei interessiert weder der Künstler, noch die Kunst. In dieser Rolle ist es einfach, den illegalen Downloader die Schuld in die Schuhe zu schieben, jedoch macht der einfach nur das, was ihm vorgelebt wird. Sich das anzueignen, was nur irgendwie geht, ohne Rücksicht auf Verluste. Wer hier fehlende Moral vorwirft, sollte den Kontext einer a-moralischen Verwertungsindustrie, einer a-moralischen Gesellschaft darum herum, nicht vergessen.
Uns wird hier eine Diskussion aufgedrückt, die ich gar nicht zu führen bereit bin. Ich habe kein Mitleid mit gierigen Geldhälsen, die “Kunst und Erfolg” mit “Geld auf dem Konto” verwechseln. Dass echte Kunst selten zu finanziellem Erfolg führt, hat absolut nichts mit dieser Pseudodebatte zu tun.
“Also gerade die von dir verlinkte Grafik der Bundeszentrale für politische Bildung sagt aus, daß die Musikindustrie 2006 pro Jahr eine Milliarde weniger eingenommen hat, also noch1996 Jahren.”
Da ist doch nur der CD-Verkauf drin, da hab ich schon in meinem Eingangspost geschrieben, das der gesunken ist, aber das ist mir auch egal, dafür sind die Einnahmen im Musikmarkt insgesamt rasant gestiegen, schau dir mal die ersten beiden links genauer an.
“Über die Gewinne wissen wir schlicht nichts.”
Im Musikmarkt sind die Kosten auf jeden Fall durch den technischen Fortschritt runtergegangen, wodurch der Gewinn noch rasanter als der Umsatz gestiegen sein dürfte. In anderen Bereichen sieht es wieder anders aus, Filme und Videospiele werden mittlerweile wesentlich aufwendiger hergestellt, im Übrigen sind da auch viele Musiker mit involviert ;-), Auf jeden Fall ist die Behauptung die Leute würden weniger Geld ausgeben, weil alles kostenlos verfügbar ist, durch rein gar nichts haltbar. Wie gesagt, schau dir einfach mal den umfangreichen Artikel zu den Geschäftsmodellen aus meinem Eingangsposting an, da sind noch wesentlich mehr nachprüfbare Zahlen und Fakten verlinkt.
“Außerdem müßte man jetzt noch wissen, ob die Zahlen Inflationsbereinigt sind.”
Wenn du das bei allen Löhnen anlegst, die in den letzten 10 Jahren nicht gestiegen sind, und das wiederum ins Verhältnis zu den Einnahmen im Kulturbereich setzt, wird sich nicht viel ändern. Dann geben die Leute heutzutage immernoch um Welten mehr von ihrem vorhandenen Einkommen für Kulturgüter aus als vor 10-15 Jahren.
“Um die muss man sich wohl auch eher keine Sorgen machen. Aber diese Gehaltklasse stellt auch nicht unbedingt den Normalfall oder gar die Mehrheit der Kulturschaffenden dar.”
Das ist immer das Problem an solchen Diskussionen, am Ende läuft es immer darauf hinaus, dass mal so nebenbei eingeräumt wird, dass es den erfolgeichen Künstlern super geht, aber die erfolglosen Künstler ja nicht genug zum Leben haben. Und das stimmt auch, aber das liegt nicht am Digitalen Wandel, das war auch schon vorher der Fall, sogar noch wesentlich schlimmer, wie die (inflationsbereinigten) Zahlen der Künstlersozialkasse zeigen:
http://musik.klarmachen-zum-aendern.de/artikel/kuenstler_deutschland_einkommen_seit_1995_um_30_prozent_gestiegen
“Es verlangt doch überhaupt niemand, daß mehr staatliches Geld in den Kultursektor fließen soll. Es würde vollkommen reichen, wenn die Leute für das bezahlen, was sie nutzen.”
Du verlangst aber auch das gezahlt wird, wenn man anderen sein Gekauftes bzw. eine Kopie davon weitergibt, völlig unabhängig von der Nutzung. Und selbst wenn man wirklich die Nutzung irgendwie ohne Grundrechtsnivellierung ermitteln könnte und es tatsächlich als sinnvolles moralisches Kriterium ansehen würde, dann müssten wir auch ein Gesetz bauen, wo du bei jeder Nutzung einer Straße etwas an die Straßenbauerarbeiter bezahlen musst, bzw. an deren Verwerter oder Verwertungsgesellschaft. Denn gerade die Verdienen auch wenn sie sehr erfolgreich sind keine 100 Mio jedes Jahr.
Viele Grüße
René
PS: Danke dass du den Kommentar freigeschalten hast. Wirklich doof, wenn gerade Postings mit Quellen statt Bauchgefühl automatisch in den SPAM-Ordner kommen.
Nein, in der BPB Grafik geht es um die Umsätze der Industrien, unabhängig vom Medium und in diesem Fall eben die Phono-Industrie.
Bei der Sky-Untersuchung ist etwas problematisch, dass teilweise sehr undurchsichtig ist, was nun alles in diese Statistiken eingeflossen ist. Da kommen dann plötzlich Dinge dazu wie der Verkauf von Musikinstrumenten oder einfach Konzertickets, die mit dem Thema eigentlich nichts zu tun haben. Dass die Studie den Eindruck erwecken soll, der „Musikindustrie“ gehe es doch wunderbar, ist kaum zu übersehen (Wobei die Studie später sogar zugibt, dass die Einnahmen aus Musikaufnahmen stark gesunken sind)
Mal abgesehen davon betrachtet die Studie einen erstaunlich kurzen Zeitraum. Die Phase, in der zumindest die deutsche Phono-Industrie die größten Umsatzeinbußen erlitten hat, sind zumindest komplett außen vor.
Noch mal, die Umsätze der Musikindustrie im engeren Sinn, also für Musikaufnahmen, sind gesunken. Die Produktionskosten für ein Produkt sind zwar in den letzten 20 Jahren gesunken, gleichzeitig hat sich die Anzahl der Veröffentlichungen aber (laut Sky-Report) allein seit 2003 etwa verdoppelt. Es müssen also doppelt so viele unterschiedliche Produkte hergestellt werden, was mit Kosten verbunden ist, um einen geringeren Umsatz zu erreichen.
Kulturgüter sind aber halt eben auch wunderbar weit gefasst, dass sie Vieles einschließen, das hier gar nicht Thema ist. Wenn mehr Musikinstrumente und Noten klassischer Musik gekauft werden, ist das eine schöne Sache, aber einem veröffentlichenden Musiker, hilft das auch nicht weiter.
Was heißt eingeräumt? Es ist für die Diskussion eigentlich vollkommen egal. Ich kann mir doch auch von anderen nicht einfach so etwas nehmen, nur weil es ihnen finanziell gut genug geht, dass sie auf mein Geld nicht angewiesen sind.
Aber es bleibt der Punkt, dass durch Filesharing etc. eben Musiker nicht das bekommen, was ihnen für ihre Arbeit zusteht. Und wenn ich ihnen das Geld nicht geben will, dann (und da sind wir wieder), verzichte ich auf ihre Inhalte.
Und warum solltest du jemandem eine Kopie eines von dir gekauften Inhalts geben, wenn nicht zur Nutzung? Warum sollte er diese Kopie nehmen, wenn nicht zur Nutzung?
Und das Beispiel mit der Straße ergibt einfach keinen Sinn. Hatten wir hier aber auch schon. Der Straßenbauarbeiter bekommt einen festen Stundenlohn für seine Arbeit ausgezahlt. Damit trägt er kein unternehmerisches Risiko und bekommt das gleiche Geld pro Stunde, egal ob die Straße nachher viel befahren sein wird oder ein asphaltierter Feldweg, über den zweimal im Jahr ein Traktor fährt.
Der Musiker (und auch die meisten anderen Kulturschaffenden) haben nach dem Ende ihrer Arbeit erstmal keinen Cent in der Hand und oft neben Zeit und Mühe auch eine Menge Geld investiert. Und um sich das bezahlen zu lassen, sind sie eben darauf angewiesen, dass für die Nutzung dieser Inhalte bezahlt wird.
Es steht dir aber natürlich frei ein System zu entwickeln, bei dem Musiker, Autoren usw. ihre Auslagen und einen garantierten angemessenen Stundenlohn für ihre Arbeit bekommen, egal wie gut sich das Produkt am Ende verkauft. Du wirst du dann vor Kandidaten kaum retten können, aber vermutlich recht bald pleite sein.
“Da kommen dann plötzlich Dinge dazu wie der Verkauf von Musikinstrumenten oder einfach Konzertickets, die mit dem Thema eigentlich nichts zu tun haben.”
Wo steht denn, dass der Verkauf von Musikinstrumten draufgerechnet wird? Und wieso sollen Konzerteinnahmen nichts mit dem Thema zu tun haben, oben in der URL steht etwas von Urheberrecht und im Titel an die Künstler denken. Warum sollen da die wesentlichsten Einnahmequellen, die sich in den letzten 10 Jahren enorm entwickelt haben auf einmal ausgeklammert werden?
“Und warum solltest du jemandem eine Kopie eines von dir gekauften Inhalts geben, wenn nicht zur Nutzung? Warum sollte er diese Kopie nehmen, wenn nicht zur Nutzung?”
Les doch mal die Studien, 99% der Dateien bleiben ungenutzt auf der Platte liegen. Das ist einfach nur der menschliche Sammlertrieb, die mit den dicken Festplatten sind ja auch die mit den vollen Regalen, also diejenigen, die eben auch viel Zeug kaufen, und das übrigens auch nicht alles nutzen, Vieles steht dann noch eingeschweist Jahre im Regal.
“Der Straßenbauarbeiter bekommt einen festen Stundenlohn für seine Arbeit ausgezahlt. Damit trägt er kein unternehmerisches Risiko”
Du argumentierst, dass es dem Bauarbeiter super gut ginge, weil er einen Vertrag hat, ignorierst dass das Bauunternehmen genauso pleite gehen kann und viele auch ständig pleite gehen, wie eben dass eine Musikproduktion floppt und keine Einnahmen bringt, weil eben immer unternehmerisches Risiko vorhanden ist. Deshalb wird auch niemand gezwungen einen bestimmten Beruf auszuüben und der Staat ist nicht dafür da Gesetze zu erlassen um Gewinne zu steigern oder bestimmte Berufe zu fördern.
Moralphillosophisch betrachtet schadet das Urheberrecht ja eh mehr als es nutzt, eine intensive moralphilosophische Auseinandersetzung habe ich dir ja bereits verlinkt. Eine wirklich absolut zwingende wirtschaftliche Notwendigkeit für den staatlichen Eingriff gibt es auch nicht, wobei ich nicht wüsste ob es die überhaupt geben kann. Also liegt der Fall ziemlich klar auf der Hand, dass hier wiedereinmal eine ziemlich irre Industrie ihre Macht nutzen will den Staat gegen die Bevölkerung einzusetzen, um ihnen ganz simple und vollkommen normale Vorgänge zu verbieten, deren Überwachung auch noch tiefgreifende Einschnitte in die Kommunikation und Privatsphäre der Menschen erfordert.
“Aber es bleibt der Punkt, dass durch Filesharing etc. eben Musiker nicht das bekommen, was ihnen für ihre Arbeit zusteht.”
1. nicht du oder der Staat bestimmen was wem zusteht, das ist Sozialismus
2. zeigen die Studien und die Zahlen, dass der Markt parallel zum Filesharing wächst, Filesharing also die Haupteinnahmequellen (Verkauf von Kinokarten, Konzertkarten, Büchern, DVDs/Bluerays) sogar noch unterstützt
Vielleicht sollten wir eher mal Gesetze gegen Leute machen, welche die Politik beeinflussen für sie Gesetze zu machen, die dann mit totalitären Mitteln durchgesetzt werden sollen, keine Ahnung in wie weit Volksverhetzung auf die Kampagnen der Tonträgerindustrie gegen die Millionen von filesharenden Kinder anwendbar sind. Aber diese Leute gehören ins Gefängis, denn dass sind die wirklichen Verbrecher, nicht der 14 jährige aus der Hartz IV Familie der auch mal das Spiel spielen will über das seine Klassenkameraden den ganzen Tag reden.
Viele Grüße
René
So, von meiner Seite hier die abschließende Antwort in dieser Sache. Ich sehe nicht, dass die Diskussion zu irgendetwas führt, vor allem weil ich mich am laufenden Band für irgendwelchen Blödsinn rechtfertigen soll, den du mir in den Mund zu legen versuchst.
Im Kapitel zum Thema Musik wird mit zwei Werten gearbeitet. Das eine ist die Anzahl an verkauften Einheiten, allerdings ohne Berücksichtigung des Preises, die andere ist der Wert der „broader music industry“ in den (laut Text) auch Dinge wie Musikinstrumente, Konzerteinnahmen, Gehalt von fest angestellten Musikern etc. mit einbezieht und damit über die Entwicklung der Umsätze von Musikaufnahmen wenig aussagt.
Und die Einnahmen aus Konzerten sind deshalb vollkommen irrelevant, weil es keine Rechtfertigung ist, jemandem etwas, das ihm zusteht, nicht zukommen zu lassen, weil er auch noch andere Einnahmequellen hat. (Mal abgesehen davon, dass der starke Anstieg der Ticketpreise nicht zuletzt eine Reaktion auf die wegbrechenden Einnahmen aus dem Tonträgerverkauf waren).
Es ist doch eigentlich ganz einfach: Wenn ich nicht vorhabe, einen Inhalt zu nutzen, warum muss ich mir ihn dann aneignen? Wenn ich ihn haben will, muss ich dafür bezahlen. Wenn ich ihn nicht haben will oder nicht brauche, dann benötige ich ihn auch nicht auf der Festplatte.
Nein, ich argumentiere nicht, dass es dem Straßenbauarbeiter super geht. Ich argumentiere, dass ein Festangestellter, egal in welchem Beruf, und nicht fest angestellte Kulturschaffende vollkommen unterschiedliche Einkommensstrukturen haben.
Ja, es kann auch bei einem Festangestellten dazu kommen, dass er für seine Arbeit nicht bezahlt wird, aber das ist nicht der Normalfall. Wenn das geschieht, dann ist etwas nicht korrekt gelaufen. Im Gegensatz dazu ist es bei einem Kulturschaffenden das ganz normale Risiko, dass er für seine Arbeit kein Geld bekomm, nämlich dann, wenn seine Arbeit niemandem gefällt.
Deine verlinke moralphilosophische Abhandlung war nichts anderes, als der übliche Versuch, den Rechtsbruch zu relativieren. Also Spielerei in einem Philosophie-Hauptseminar mag das ja ganz lustig sein, aber in der Realität hat es wenig verloren.
Das Urheberrecht hat einen praktischen Zweck, nämlich den Menschen, die nichtmaterielle Inhalte schaffen, zu ermöglichen, damit Geld zu verdienen. Jeder andere Weg würde letztendlich dazu führen, dass nicht-materielle Arbeit sich für den Urheber nicht lohnt bzw. nur neben dem eigentlich Broterwerb betrieben werden kann. Daß das nicht so ist, dürfte einer der Fortschrittsmotoren der Neuzeit sein.
Und es hat hier auch niemand eine neue Überwachung gefordert. Wenn überhaupt geht es darum, ein Bewusstsein für der Wert geistiger Arbeit und die moralische Komponente der Nutzung für Gegenleistung zu wecken. Die Maßnahmen der Verlage, die ich teilweise auch nicht gutheiße, sind erstmal eine Reaktion auf das Fehlen dieses Unrechtsbewusstseins.
1. nicht du oder der Staat bestimmen was wem zusteht, das ist Sozialismus
2. zeigen die Studien und die Zahlen, dass der Markt parallel zum Filesharing wächst, Filesharing also die Haupteinnahmequellen (Verkauf von Kinokarten, Konzertkarten, Büchern, DVDs/Bluerays) sogar noch unterstützt
1. Zum tausendsten Mal: Es verlangt auch niemand, dass der Staat oder sonst jemand einen fixen Preis für diese Inhalte festlegt. Der Besitzer (also Urheber) bietet sie zu einem bestimmten Preis und zu bestimmten an. Entweder du findest die Konditionen in Ordnung, dann kommt eine Transaktion zustande, oder du findest die Konditionen nicht in Ordnung, dann kommt keine Transaktion zustande. Das heißt, der Urheber (und sein Verlag und wer auch immer noch daran verdient) bekommen nichts, aber du hast dann auch die Inhalte nicht zu nutzen. Ich sehe wirklich nicht, was daran so schwer zu verstehen sein soll.
<blockquoteVielleicht sollten wir eher mal Gesetze gegen Leute machen, welche die Politik beeinflussen für sie Gesetze zu machen, die dann mit totalitären Mitteln durchgesetzt werden sollen, keine Ahnung in wie weit Volksverhetzung auf die Kampagnen der Tonträgerindustrie gegen die Millionen von filesharenden Kinder anwendbar sind. Aber diese Leute gehören ins Gefängis, denn dass sind die wirklichen Verbrecher, nicht der 14 jährige aus der Hartz IV Familie der auch mal das Spiel spielen will über das seine Klassenkameraden den ganzen Tag reden.
Sorry, aber hier wird es lächerlich. Die Kampagnen der Rechteverwerter sind sowohl wenig geschmackssicher als auch ungeschickt, aber mit Volksverhetzung hat das nichts zu tun und wenn die Eltern ihren Blagen nicht vermitteln können, dass man sich nichts einfach nehmen kann, nur weil man es eben haben will, dann verdienen sie die entsprechenden Strafzahlungen.
Test
Eine ziemlich wagemutige Behauptung. Ist ein Leben ohne Bücher, Filme, Musik etc. überhaupt lebenswert? Machen sie doch mal ein Experiment und leben sie fortan ohne jene Güter und nach 50 Jahren erzählen sie uns wie toll ihr Leben war, wenn sie es bis dann überhaupt aushielten.
Sie machen sich das scheinbar alles etwas zu einfach.
Ein Merkmal des Lebens ist die Anpassung an veränderte Umweltbedingungen. Der einzige Anpassungsversuch der Verwertungsindustrie an die geänderten Umweltbedingungen ist das Ausfahren der Haifischzähne. Aber selbst wenn der Hai noch so grosse Zähne hat: Ohne Wasser stirbt er. Die Verwertungsindustrie gräbt sich selber das Wasser ab mit dem Versuch durch immer billigere Fertigungsprozesse immer mehr Einnahmen erzielen zu wollen. Jetzt wo das Wasser sinkt werden im Lobbykampf die Zähne ausgefahren: Mal sehen, ob sich das Wasser damit aufhalten lässt.
Die Urheber verdienen doch ganz gut indem sie das machen was sich für Musiker gehört: Sie verdienen ihr Geld auf der Bühne. Trittbrettfahrer die Geld abzweigen wollen, in dem sie die Rechte an der Musik kaufen und auf eigene Faust millionenfach weiterverscherblen wollen, sollten in dieser kurzen Verwertungskette aussen vor bleiben.
@Mitleser
Brüll, gacker .. also der Gag war jetzt wirklich zum Schreien :-). Auf der Bühne Geld verdienen …. Gröhl, kreisch :-).
Kleiner Einwurf. Kann sein, dass er in irgendeinem Kommentar bereits erwähnt wurde. Sie sagen es gibt kein Recht auf Kulturteilhabe, in dem Sinne das man alles bekommen darf, auch wenn man nicht die finanziellen Mittel hat. Das ist vollkommen richtig. Nur schwingt in ihren Beitrag mit, das dagegen Musiker das Recht haben von ihrer Musik leben zu können. Mit Musik erfolgreich zu sein, ist genauso schwer wie mit jeder anderen Idee wirtschaftlichen Erfolg zu haben. Das schafft nicht jeder. So wie es viele gute Ideen von Leuten gibt, die es damit nicht schaffen Geld zu verdienen, gibt es viele Musiker die gute Musik produzieren aber damit nichts verdienen. Das war schon immer so und wird auch im Kapitalismus so bleiben. Wo keine Nachfrage da kein finanzieller Erfolg. Diesen Fakt blenden sie m.M. leider aus.
@Jan Ziegenbalg
Aber nein. In dem Beitrag wird gesagt, dass der Musiker ein Recht auf eine Bezahlung hat, wenn Du seine Werke konsumierst. Das ist etwas völlig anderes!
Das ist ja kein Problem, wenn keiner die Musik hört. Sich die Musik zusammenschmarotzen und nicht dafür zu bezahlen ist aber etwas anderes und darum geht es hier.
Nein, tut er nicht. Wenn Du die Musik konsumierst, aber nichts dafür bezahlst, bildest Du sehr wohl die Nachfrage. Du nutzt halt einfach die Umstände aus, dass Du die Leistung anderer genießen kannst, ohne ihnen dafür das zu zahlen, was ihnen zusteht.
Das Thema ist zu komplex für so einfache Antworten. Wenn man als Künstler um die heutigen Probleme weiß und dennoch seine Musik auf CD und im Internet veröffentlicht, weiß er ja wozu das führt. Wieso spielt man dann zum Beispiel nicht ausschließlich live? Die Theater machen es doch so. Sie bringen auch nicht erst das ganze Programm auf DVD in Geschäfte? Wenn es einem wie ein Vergleich von Apfel mit Birnen vorkommt, muss man reflektieren, wie sehr unser Verstand in eingefahrenen Vertriebsstrukturen gefangen sind.
@Sulukol
Weil Du a) keine Konzerte bekommst und b) froh sein kannst, wenn Du für das live-spielen nicht noch bezahlen musst.
“Auf der anderen Seite steht allerdings die für mich gewichtigste Frage, auf die am Ende immer wieder alles hinausläuft: Wenn ich nicht bereit bin, dem Urheber oder Rechteinhaber für die Nutzung von Inhalten auch etwas zu zahlen, warum verzichte ich dann nicht darauf und eigne mir diese Inhalte überhaupt an?”
Eine auf den ersten Blick gut gestellte Frage. Aber versuchen wir sie von etwas anderen Blickwinkel zu betrachten.
Wenn mir vor, sagen wir 20 Jahren ein Freund ein Buch, das er gekauft hat, zum Lesen angeboten hat, würde jemand von mir ernsthaft erwarten dass ich es ablehne? Würden Sie geschätzter Autor das erwarten? Dabei eigne ich mir den Inhalt an, ohne dafür zu bezahlen. Und wenn mir ein völlig Fremder im Zug seine Zeitung überlässt und ich sie lese. Ist das verwerflicher, weil es ein Fremder war, von dem ich sie habe? Der einzelne Vorgang an sich ist also nicht problematisch. Bücher lesen, die wir nicht gekauft haben, Platten hören, die wir nicht gekauft haben, Filme sehen, die wir nicht gekauft haben. Das gab es, seit es diese Dinge für den Privatgebrauch gibt. Und niemand ist auf die aberwitzige Idee gekommen, dass der einzelne Vorgang auch im entferntesten problematisch sein könnte, moralisch auch nur im geringsten unsauber.
Auf jeden einzelnen heruntergebrochen ist das Downloaden eines Songs im Lichte Ihrer Frage das Gleiche wie diesen Song auf CD von einen Freund zu leihen. Der einzelne Vorgang ist völlig unproblematisch. Wenn man Zugang zu Inhalten hatte, hat man noch nie auf sie verzichtet, nur weil man nicht dafür bezahlen wollte. Es ist frphere auch niemand auf die Idee gekommen, dies zu verlangen. Oder hat jemand die Augen und Ohren verschlossen, wenn bei Freunden eine legal erworbene DVD oder CD reingeworfen wurde?
Erst die schiere Anzahl der “Verleihaktionen”, ihre technische Erleichterung macht es zu einem Problem. So muss man dies auch diskutieren. Das Problem auf den einzelnen zu fokussieren hilft nichts.
Ja, es ist die Möglichkeit der technischen Konsumkontrolle die Begehrlichkeiten auf Seiten der Inhalteanbieter (nicht unbedingt -Ersteller) weckt.