Honorarstreit der Ärzte – Kehrt vor Eurer eigenen Tür!
geschrieben am 05. September 2012 von Spiegelfechter
Es gibt in diesem unseren Lande Berufsgruppen, denen geht es wahrlich schlechter als den niedergelassenen Ärzten. Da sie mit ihrer abgehobenen Honorarforderung von durchschnittlich plus 1.228 Euro pro Monat bei den Krankenkassen abgeblitzt sind und „nur“ 150 Euro pro Monat zugesprochen bekamen, drohen sie nun mit „Kampfmaßnahmen“ zu Lasten der Patienten. Sicher, es gibt sie, die schlecht bezahlten und überlasteten Landärzte, die eine deftige Honorarerhöhung verdient hätten. Dafür muss man jedoch nicht mehr Geld in ein Gesundheitssystem pumpen, das auf der Empfängerseite zutiefst ungerecht ist und falsche Anreize setzt. Anstatt gegen die Krankenkassen sollten die Ärzte gegen ihre eigene Standesvertretung protestieren, die für die Defizite im System mitverantwortlich ist.
Schenkt man den Statistiken Glauben, gehören die niedergelassenen Ärzte zu den bestbezahlten Berufsgruppen des Landes. Ein durchschnittlicher niedergelassener Arzt erzielt aus seiner vertragsärztlichen Tätigkeit jährlich rund 134.000 Euro Reingewinn – hinzu kommen rund 30.000 Euro Reingewinn aus der Versorgung privatversicherter Patienten. Der Reingewinn eines Arztes ist vergleichbar mit dem Bruttoeinkommen eines Arbeitnehmers, lediglich der Arbeitnehmeranteil bei den Sozialleistungen fällt hier weg. Nichtsdestotrotz ist einem Arzt mit einem durchschnittlichen monatlichen Bruttoeinkommen von 13.750 Euro durchaus zuzumuten, sich selbst sozial abzusichern.
Wenn ein typischer Landarzt diese Zahlen liest, wird ihm jedoch – vollkommen zu Recht – das Messer in der Tasche aufgehen. Der durchschnittliche Reingewinn ist nun einmal ein statistisches Maß, das immer zu Verzerrungen führt. So erzielt beispielsweise ein durchschnittlicher Radiologe im Schnitt 264.000 Euro, während ein durchschnittlicher Allgemeinmediziner (jeweils mit eigener Praxis) „nur“ 116.000 Euro Reingewinn pro Jahr erreicht*. Und auch bei dieser Zahl verzerrt der Durchschnitt – ein niedergelassener Allgemeinmediziner in München, der ein gewisses kaufmännisches Talent hat, wird in der Regel ebenfalls rund den doppelten Gewinn wie sein Landarztkollege aus der brandenburgischen Pampa erzielen.
Es ist ja richtig, dass die Politik dafür sorgen muss, dass die medizinische Versorgung flächendeckend gewährleistet wird und auch der brandenburgische Landarzt einen Nachfolger für seine Praxis findet. Nun sind Ärzte aber auch keine selbstlosen Halbgötter in Weiß, die sich von Manna ernähren, sondern ganz normale Menschen, die eher einen gut- als einen schlechtdotierten Job annehmen. Wer die flächendeckende medizinische Versorgung aufrechterhalten will, muss also finanzielle Anreize für einnahmeschwache Praxen setzen. Dagegen wäre auch gar nichts einzuwenden, eine Honorarsteigerung mit der Gießkanne ist dafür jedoch das denkbar schlechteste Mittel.
weiterlesen auf den NachDenkSeiten


well done! Wenn die “Reichen” streiken sollten sie merken, dass sie sich auch teilweise lächerlich machen.
Den Ärzten in Deutschland geht es schlecht – Wirklich! So mancher dieser „Götter in Weiß“ geht es inzwischen sogar so schlecht, dass er gerade noch einmal zwei Mal pro Jahr in den Urlaub fliegen kann. Es soll sogar schon Ärzte geben, welche in ihrer Not ihren Drittwagen verkaufen mussten.
Also lassen wir die Ärzte streiken oder noch besser – wir werden überhaupt nicht mehr krank und unsere Krankenkassen überweisen jedem Arzt pauschal 200.000 Euros pro Jahr. Drei Dinge würden dadurch zumindest verhindert werden: Ärztepfusch, übervolle Wartezimmer und Doktoren, welche überhaupt nicht auf ihre Patienten eingehen.
Das wäre für einige Ärzte eine Reallohnkürzung und würde zu Firesales von Villen am Starnberger See und am Cap d´Antibes führen ;-)
Aber mal im Ernst – viele Landärzte verdienen wirklich nur einen Bruchteil und hätten eine Honorarsteigerung verdient. Aber eben nicht mit der Gießkanne.
Ein überfälliger Artikel, der jedoch das wirkliche Bild nicht darstellen kann.
Es liegt bei manchen Ärzten eine Abzocke vor, die den mancher Banken sehr ähnlich ist.
Die Unterschiede sind aber gewaltig und dieses nicht nur nach Ausrichtung, sondern auch nach Alter. Hier ist der Unterschied zwischen alten Hasen, die ihre Praxis lange abgezahlt haben und jungen Ärzten, mit hohen Kreditvolumen im Rücken, gewaltig.
Die “Durchlaufzeiten” schwanken leicht zwischen 3 Min. und 30 Min., wobei die “3-Minuten-Ärtzte” eine hohe “Wiedersehen-Frequenz” haben.
Sollen die Ärzte doch streiken. In einem ähnlichen Fall in Israel ist die Sterbequote gefallen…
….und im Übrigen “streiken” viele Praxen schon lange am Quartalsende (sie nennen es “Fort-Bildung”). Jeder, den Ärzten nach gelagerter, Rezept abhängige Heilberuf kennt diese “Phänomen”.
Guter Artikel mit einem, aus meiner Sicht, Denkfehler.
Natürlich kann man von einem “Besserverdiener” erwarten, dass er privat vorsorgt.
Aber kann man von eben diesen nicht auch verlangen, dass er, ohne Beitragsbemessungsgrenze, in die Sozialsysteme einzahlt?!
Die Schweiz macht es doch vor.
Vielleicht sollten die so gebeutelten Ärzte einfach ihre Kassenzulassung abgeben, wenn sich das für sie nicht lohnt….
Aber wahrscheinlich würden viele von ihnen dann tatsächlich verhungern….
Was heißt schon “Denkfehler”? Das ist ein anderes Thema, klar hast Du da recht.
Beim Lesen dieses Artikels kam mir wieder “Ein Arzt” in den Sinn, welcher in einer ähnlichen, früheren Diskussion einmal seine Sicht der Dinge darlegte:
“Wollen Sie wissen, was mein RLV für das Quartal 01/2011 ist?
Wirklich? OK: 8900 Euro.
Dafür soll ich 600-700 Patientinnen 3 Monate behandeln. 2900 pro Monat.
Meine Miete: 1500 Euro.
Helferin: 400 Euro plus Boni ca. 400 Euro.
Strom, Tilgung Praxiskredit und Ultraschallgerät, Heizung: 6700 Euro.
Die Praxis putzen: Meine Frau (Anwältin) und ich…”
(Kommentar von “Ein Arzt” vom 10. Juni 2011 at 14:58)
Das Giesskannenprinzip ist sicher falsch und die Gründung einer eigene Standesvertretung eine gute Idee, aber die Ärzteschaft ist eingebettet in eine verflechtete Zusammenarbeit von mächtigen Pharmakonzernen (immer mehr neue Krankheiten) und Versicherungskonzernen (mit grossem Interesse an einem wachsenden Umsatz) mit starken Lobbyisten. Dass da einige Landärzte nur noch Krümel von diesem lukrativen Kuchen abbekommen, wird wohl in Kauf genommen.
Ja, ich kenne den Kommentar. Ich hatte mich mit zwei befreundeten Ärzten darüber unterhalten und die meinten sinngemäß, dass diese Angaben falsch sein müssen. Bei 650 Patienten pro Quartal und einem RLV von 8.900 Euro wäre dies ein RLV-Fallwert von 13,70 Euro. Ein derartig niedriger RLV-Fallwert ist unrealistisch. Sicher, es gibt da immer noch Rechenfeinheiten, die allerdings i.d.R. zu höheren und nicht zu niedrigeren Honraren führen, aber die hier präsentierte Rechnung kann ich einfach nicht glauben.
Na,na, na
Das sind die amtlichen RLV Festsetzungen in Sachsen, man beachte die Dermatologen: 12,- u ein paar zerquetschte!
Leider ist das Thema so undurchsichtig, dass die Aussage:”Ärzte streiken für 1800,- mehr” vollkommen sinnlos ist.
Wir sprachen hier von Allgemeinmedizinern und da liegt auch in Sachsen das RLV-Fallwert ganz deutlich über den genannten Werten. Wie Du aus der Tabelle ersehen kannst, ist bei den Dermatologen zwar der RLV-Fallwert idT niedriger, dafür ist aber auch die RLV-Fallzahl bedeutend höher (doppelt so hoch wie bei den Allgemeinmedizinern) als im oben genannten Beispiel. Wenn der zitierte Arzt, der ja ein Hausarzt “ist”, also ein Dermatologe wäre, hätte er deutlich zu wenige Patienten.
Was ich nie verstanden habe, sind die extremen Entlohnung für die Radiologen. Deren Leistungen sind mit denen der anderen Ärzte überhaupt nicht vergleichbar. Sie sind im Grunde nichts weiter als Theoretiker. Ihre Tätigkeiten können auch Inder oder Chinesen via Telemedizin im Callcenter übernehmen – zu einem Bruchteil der Kosten.
@gerhardq
“Ihre Tätigkeiten können auch Inder oder Chinesen via Telemedizin im Callcenter übernehmen – zu einem Bruchteil der Kosten.”
Nicht dass ich die Entlöhnung der Radiologen verteidigen wollte, aber der Hinweis, dass sich Leute finden lassen, die zu einem Bruchteil der Kosten arbeiten, führte im Endeffekt zu den Leiharbeitern und Werkvertragssklaven. Immer billiger kann keine Lösung sein, weil diese zu einer Lohn-Abwärtsspirale führt,
Die “Erklärung” ist folgende: Die Einrichtung einer Radiologiepraxis ist sehr teuer, der Arzt geht also ein sehr hohes Risiko ein. Und dieses Risiko will der Arzt sich bezahlen lassen.
Ergo müsste es viele Geschichten von folgenreich gefloppten Radiologen geben, oder?
Der war gut… das ist doch wie bei den Banken. Nur weil Risiko draufsteht, heißt das nicht, dass am Ende das Geschäft nicht soweiso von irgendeiner Solidargemeinschaft garantiert wird. (Also uns.)
Die richtige Erklärung ist folgende (und nach 20 jahren im Medizinbetrieb maße ich mir eine fundierte Meinung dazu an): Bezahlt wird in der Medizin, was der Industrie Geld bringt. Die Gebührenordnungen schaffen falsche Anreize, Ärzte sollen Apparate benutzen und Medikamente verschreiben. Ob der Patient gesund wird, ist absolut zweitrangig. Radiologen verdienen soviel, damit die Industrie die teueren Geräte verkauft.
Zur Einkommenssituation: Ich bin früh, wenn ich meine Kredite bis zur Rente zurückgezahlt habe. Mein Einkommen ist nicht so hoch, wie es sein könnte, da ich meine Patienten gesund machen möchte; Geld verdienen ist zweitrangig. Aber meine Helferinnen würde ich schon gerne bezahlen. Und das ist bei den Punktwerten, Regelleistungsvolumina und Regressrisiken auch bei einem wenig aufwändigen Lebensstil für einen Allgemeinarzt nicht drin.
Noch etwas zum “Landarzt”: Wer kommt auf die Idee, die verdienten noch weniger als Ärzte in der Stadt? Das Gegenteil ist der Fall: Sehr große Patientenzahlen, weniger (zeitaufwendige) psychosomatische Fälle.
Um die Perversionen des deutschen Gesundheitssystem zu durchschauen, muss man drin arbeiten. Geistig Gesunden ist es nicht mehr zu erklären.
Die Kombination aus der Gerichtsentscheidung, dass sich Ärzte vollkommen legal durch die Pharma-Lobby schmieren lassen dürfen und dem massiv erhöhten Anbieten von IGe-Leistungen hat für mich das Vertrauensverhältnis zu Ärzten restlos zerstört.
Finanzielle Erwägungen bei immer mehr Behandlungsentscheidungen lassen den Gesundheitssektor zu einem Basar verkommen und das Ansehen von Ärzten
schwankt zwischen dem von Staubsaugervertretern und Teppichverkäufern.
“Wie viel Gesundheit hätten sie denn gern?” Meist wird während der Behandlung gefragt ob man noch diese oder jene kostenpflichtige Zusatzleistung möchte weil man “ja gerade dabei ist” – Realsatire pur.
Mir tun die Ärzte leid, die ihr Berufbild noch mit Leidenschaft und Überzeugung angehen, wenn immer mehr Menschen die Entscheidungen der Ärzte hinterfragen, ich kenne noch eine Zeit, da war das nicht der Fall.
Zum Artikel:
Wer hat in der Standesvertretung der Ärzte denn das Sagen? Werden die Leute jährlich gewählt? Ein paar Hintergrundinfos in der Richtung wären nicht schlecht gewesen.
Das läuft ungefähr so wie bei den “Sozialwahlen”. Man kriegt eine Liste vorgesetzt, die man abhaken kann.
Deutschlands Problem.
Es gibt hier einfach zu viele Ärzte.
Ein Drittel weniger würde nicht schaden.
Im übrigem werden auch von diesen,vielzuviele Pillen verschrieben.
Aber kein Wunder wenn man von der Pharmamafia für jede Pille einen Extrabonus bekommt.
Von den Medikamenten die niemand braucht,
fang ich jetzt erst garnicht an,
das hat der Spiegel nämlich vor jahren schon gemacht.
http://www.spiegel.de/spiegel/a-260671.html
Mfg
Ganz offensichtlich habe ich jahrelang in den falschen Kreisen verkehrt. Alle ALLGEMEINmediziner, mit denen ich bisher gearbeitet habe, mit durchschnittlich großen Praxen, d.h. mit ca 1100 Scheinen im Quartal zuzüglich ca 150 Privatpatienten, kommen als selbständige Ärzte mit vollem Risiko auf Privatregress durch die Krankenkassen und durchlaufenden Posten für Gehalt und Miete von ca 12000 Euro monatlich auf ca 3000 bis 5500 Nettoeinkommen monatlich, bei letztlich 60 Std Arbeit die Woche. Das ist immer noch viel, aber wenn ich überlege, was Ärzte anderswo in der westlichen Welt oder gar ein BWLer im mittleren Management verdient, der niemals privat irgendwelche Risiken eingeht, ist es ein hohler Witz. Aber offensichtlich leben wir in verschiedenen Welten, und Zahlen und Statistiken lügen ja auch nicht, außer sie stammen von den bösen Neoliberalen.
Das liegt wohl daran, dass die Leute immer flunkern, wenn sie über ihr Einkommen sprechen. Die Armen machen sich reicher, die Reichen ärmer als sie sind. Sehr beliebt ist es beispielsweise, Faktoren vom Brutto abzuziehen, die man nicht abziehen sollte. Gerade Freiberufler und Ärzte haben da einen gewaltigen Ermessensspielraum. Btw.: Ein Nettoeinkommen von 3.000 bis 5.500 Euro liegt absolut im Rahmen der genannten Zahlen, wenn man Single mit schlechtem Steuerberater und teuren Sozialversicherungen ist.
Wenn Ärzte besser bezahlt würden, müssten sie sich nicht von der Pharmalobby schmieren lassen. Risiko sollte gut entlohnt werden und unsere Gesundheit sollte uns das Wert sein. Risiko haben Ärzte wahrlich genug, die Arbeitsumgebung mit oft potentieller Ansteckungsgefahr, hohe Schulden durch Einrichtung einer eigenen Praxis, Burnout-Gefahr durch lange Arbeitszeiten und Stress, das Risiko mentaler Erkrankungen durch Folgen von Fehlern im Job, diese Last auf den Schultern der Ärzte möchte ich nicht tragen.
Ich kann die Lohnforderungen daher nachvollziehen und unterstütze sie auch, es ist Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen für ein effektives Gesundheitssystem zu setzen. Der momentane Weg, das solidarische Finanzierungsmodell auszuhebeln ist definitv falsch aber typisch für den momentanen politischen Zeitgeist.
Ich finde dieser Beitrag geht am Thema vorbei. SF will doch eindeutig darauf hinaus, dass sich die Allgemeinärzte auf dem Land von den Fachärzten mit kapitalintensiver Praxisausstattung und in besten Lagen ausbeuten lassen. Und dass das Ausschütten von zusätzlichen Mitteln per Gießkanne daran kaum etwas ändert. D.h. deutlich höhere Kosten für die Bevölkerung führen hauptsächlich zu einer Gewinnzunahme bei den “Ausbeutern”. Das kann also nicht der richtige Weg sein.
Okay, den Einwand gegen die Gießkanne kann ich natürlich nachvollziehen. Es ist halt wie mit den Kleinbauern und den großen Zuchtbetrieben: Die ‘Fördergelder’ helfen dem einen, um gerade so zu überleben, und machen dabei den anderen reich. Es gibt in der Medizin wie überall sonst auch die Idealisten und die Kapitalisten, und ich kenne beide Sorten.
Oh, ist es echt schon so schlimm geworden? Nur 5500€ netto im Monat nach Abzug aller Kosten? Meine Güte, von was wollen sich die armen Schlucker denn was zu Essen leisten, bei solchen Zuständen?
Muss der nächste Zweit-Cayenne der werten Gattin wohl doch ein Diesel werden…
Ärzte brauchen kaum unser Mitleid. Aber bei 5500 € im Monat sollte man bedenken, dass es bis da hin uU ein langer Weg war:
- Selbst ohne Schlendrian das Medizinstudium sehr lange dauert.
- Danach muss man noch mehrere Jahre bis zur Facharztprüfung im Krankenhaus arbeiten, mit Nacht- und Wochenenddiensten. Als Arzt auf der untersten Stufe der Hackordnung.
- Je nach Fachrichtung braucht man auch danach noch Zeit, bis man die nötige Erfahrung hat, um sich selbst niederzulassen. Röntgenbilder diagnostizieren, operieren, Risiken abschätzen, die leichten von den Problemfällen zu unterscheiden etc lernt sich durch Erfahrung.
- Auf den Kassensitz zur Niederlassung muss man auch warten (und dann u.U. bezahlen), es gibt außer auf dem Land keine freien.
- Und dann ist man plötzlich Chef von 10 Angestellten wofür man nicht ausgebildet ist.
Danke! Vor allem sollte man bedenken, dass man für 5500 Euro Netto erst mal eine gut gehende Praxis haben muss. Wenn man nach 7 Jahren Studium und 5 Jahren Facharztausbildung mit zahlreichen Nachtdiensten am Wochenende dann selbst eine Praxis aufmacht und die Patienten erst nach und nach kommen, sieht das nämlich ganz anders aus, aber die laufenden Kosten sind die selben. Und wenn man eine Praxis übernimmt, die schon gut läuft, muss man seinen Vorgänger über ein paar Jahre auszahlen. Aber das interessiert ja keinen Pauschalsozialneider.
@nachdemokratie.de
Was Du beschreibst, ist ein normales Risiko bei jedem Freiberufler.
Zahlt irgend jemand für andere Freiberufler/Handwerker/Einzelhandelsgeschäften dieses Risiko? Nein.
Bei Ärzten von Sozialneidern zu sprechen, ist lächerlich und zeugt vom Mangel an wirtschaftlichem Wissen. Auch Klempner verdienen im Ausland mehr, denn wer will schon eine verstopfte Toilette haben?
Du beschreibst den Arzt hier als freien Unternehmer. Nun ist ein Arzt aber kein freier Unternehmer, wenn es um die Einnahmeseite geht. Dort herrscht so etwas furchtbar sozialistisches wie eine Kollektivvertrag.
Niemand hat etwas dagegen, wenn die Ärzte Dienstleistungen, die nicht von den Kassen bezahlt werden, sehr teuer anbieten und sich damit ein Luxusgehalt erarbeiten – Schönheitschirurgen sind ein solches Beispiel, aber auch diverse Spezialmediziner, die ihre Dienstleistungen an wohlhabende in- und ausländische Patienten verkaufen. Was beispielsweise ein Dr. Müller-Wohlfahrt verdient, ist mir vollkommen wurscht, da seine Millioneneinnahmen ja nicht von der Allgemeinheit gezahlt werden.
Hier geht es aber um die GKVen. Da gelten schon andere Regeln. Anwälte können beispielsweise die Prozesskostenbeihilfe, die ebenfalls von der Allgemeinheit getragen wird, auch nicht kartellmäßig anheben.
Sicher, aber vergleiche das doch einmal mit anderen Jobs, für die man auch lange studieren muss und bei denen es sehr lange dauert, bis man in die jeweils oberen Gehaltsstufen vordringt. Aber bevor Du mich falsch verstehst – ich finde die 5.500 Euro nicht unbedingt “zu” hoch. Das ist schon ok. Fragwürdig sind jedoch die genannten Durchschnittseinkommen für einige Facharztgruppen.
Wenn ein Arzt mit dem Risiko des Freiberuflers (Versicherungsprämien sind so hoch, dass kein Normalarzt die bezahlen kann) nicht mehr verdient als ein Gymnasialllehrer oder Abteilungsleiter, dann ist das eindeutig zu wenig.
(Bin Patient von fast nur guten Ärzten. Nur mit einem der obersten Einkommensklasse, der mit den Strahlen, habe ich schlechte Erfahrungen gemacht)
Es ist schon richtig, dass Ärzte keine ‘echten’ freien Unternehmer sind. Durch die quasi garantierten Einnahmen von der KV besteht natürlich eine gewisse Sicherheit. Allerdings sollte man drei Dinge bedenken: Erstens unterwirft man sich einer umfangreichen Bürokratie von Menschen, die selbst nach völlig anderen, entspannteren Regeln leben, was sehr aufreibend sein kann. Da kann man wirklich jeden Kassenarzt fragen. Zweitens reicht das Geld von den Kassenpatienten in keiner Weise zum Leben, sondern nur, um die laufenden Kosten zu begleichen. Für drei Monate 39 Euro brutto einen nicht chronisch kranken Patienten zu behandeln, der vielleicht ein paar mal wiederkommt, ist nicht wirklich viel Geld. Daraus ergibt sich, dass Ärzte zwingend auf Privatpatienten angewiesen sind. Drittens: Wenn Ärzte dann aber zusätzliche Dienstleistungen privat anbieten, und man nennt das nicht nur IGeL-Leistung, sondern im Grunde ja auch ‘Privatpatient’, dann ist das Geschrei sehr wohl groß, wenn Ärzte für genannte Privatpatienten eine zweite Telefonnummer, ein zweites Wartezimmer oder ganz allgemein umfassendere Medizin anbieten. Es kann dann leider keine Rede davon sein, dass ‘niemand etwas dagegen hat’, außer, man ist reiner Privatarzt, aber dazu muss man eine Koryphäe sein, um davon leben zu können. Diejenigen, die also auf Kassen- und Privatpatienten angewiesen sind, und das sind fast alle Ärzte, müssen sich sehr oft solche Klagen anhören. Was ich prinzipiell auch verstehen kann, da die Kassenbeiträge wegen überhöhter Medikamentenpreise, zunehmender Apparatediagnostik und vieler oft unnötiger Krankenhausbehandlungen wie Arthroskopien sehr hoch sind. Nur sollte man von einem Arzt nicht einerseits verlangen, idealistisch und für das Allgemeinwohl zu arbeiten, ihm dann aber zu wenig Geld dafür zu geben und ihn dadurch zu zwingen, sich gleichzeitig marktwirtschaftlichem Verhalten zu unterwerfen. Zumal das ohnehin überwiegend nur in Bereichen funktioniert, indem es um die Eitelkeit geht, wie kosmetische und manche zahnärztliche Eingriffe. Oder dort, wo allein das Ausgeben von genügend Geld zum Placeboeffekt beiträgt, wie beim Verordnen von kleinen Zuckerkügelchen oder farbigem Licht.
@nachdemokratie.de
“…wenn Ärzte für genannte Privatpatienten eine zweite Telefonnummer, ein zweites Wartezimmer oder ganz allgemein umfassendere Medizin anbieten.”
Wenn das stimmt, hat das Abrechnungssystem eindeutig fertig; ad absurdum getrieben. Schlimmer und ungerechter kann’s ja nicht mehr werden.
Ich sehe nur noch einen Ausweg: Verstaatlichung des Gesundheitswesens.
@derHerrKarl Stimme prinzipiell zu, dass eine Verstaatlichung wie bei wohl jeder infrastrukturellen Grundversorgung einige Probleme lösen könnte, ohne dass wir gleich Kommunismus hätten. Allerdings würde ohne klares Bekenntnis unserer lobbyuntergrabenen Politik die Qualität der Versorgung sich ähnlich wie beim NHS in England definitiv verschlechtern, da derzeit bei deutschen Kassenärzten noch eine Art ‘Mischkalkulation’ zu Gunsten der Kassenpatienten möglich ist, d.h. ich kann am Kassenpatienten Untersuchungen vornehmen, die der Privatpatient indirekt mitbezahlt. Wenn sich aber die Denke eher den Skandinaviern angleichen würde, wäre es okay. Aber dann wäre hier auch so viel anderes anders. Nach Rückkehr vom Norwegenurlaub muss ich aber leider sagen: Es wird am freundlichen deutschen Wesen scheitern.
Einen hab’ ich noch: Wie wäre es mit der Einführung des Ich-Patienten? Dann wäre jeder selbst dafür verantwortlich, wenn er krank wird..
@nachdemokratie.de
Den “Ich-Patienten” haben wir in der Schweiz schon. Ich bezahle:
a) die Krankenkassenprämien
b) 10 % Selbstbehalt
c) eine Jahresfranchise von 2000 Franken (heisst, dass ich die Arztrechnungen für die ersten 2000 Franken pro Kalenderjahr selbst bezahle, erst was dann die 2000 übersteigt, bezahlt die KK zu 90 %)
Ich könnte auch eine kleinere Jahresfranchise wählen, dann werden die Monatsprämien aber höher.
Trotz all diesen Folterinstrumentchen steigen die Prämien jedes Jahr. Immer mehr Familien erhalten einen Zuschuss (als Prämienverbilligung) von der staatlichen SVA.
@derHerrKarl Hmm, also ich bewundere die Schweizer ja wirklich für ihre basisdemokratischen Prinzipien (bitte jetzt keine Witze über Frauenwahlrecht und Abstimmungen mit Säbeln). Aber das Gesundheitssystem in z.B. Schweden spricht mich dann doch mehr an und wirkt irgendwie… unkomplizierter.
Den Bürgern muss klar sein, dass die Krankenkassen ihre Krankenkassen sind und dass die nur gut sind, wenn sie auf dem Geldsack sitzen und diesen mit allem was sie haben gegen die entsprechenden Lobbys verteidigen.
Kurze Meldung gestern im Radio: in Brüssel sitzen 15000 Lobbyisten, wieviele in Berlin wurde nicht genannt. Wir können davon ausgehen, dass die Gesundheitsbranche nicht unerheblich daran beteiligt ist.
Gestern wurde gemeldet, dass Schäuble auch noch auf bereits verhandelten Millionen für die Apotheker sitzt und diese nicht auszahlt. Die FDP (!) kann dies natürlich ganz und gar nicht verstehen.
Man sollte die beiden Gruppen Ärzte und Apotheker ruhig mal streiken lassen. Für Schmerzmittel gibt es Versandapotheken und ansonsten preiswerte Behandlungen in Tschechien und anderswo.
Wenn Globalisierung so toll ist, warum soll dann grundsätzlich nur Herr Malochers Job ins Ausland wegglobalisiert werden können. Die “Segnungen” der Globalisierung könnten doch auch zum Beispiel mal die beiden genannten Berufsgruppen treffen.
Sicher ist dies einigermaßen polemisch, aber als ich das mal Herrschaften aus der Branche gesagt habe, wurde plötzlich argumentiert, dass die 11 % (!!!) doch nur gefordert würden, um die armen, armen Praxis- und Apothekenbediensteten besser bezahlen zu können. Sie die Ärzte und Apotheker wollten davon gar nichts, aber auch gar nicht für sich selbst haben. Da hab ich mir gedacht, wenn die Argumente ausgehen, lügt sichs nur um so besser.
Man sollte der gesamten Branche tagtäglich sozusagen als Routineakt auf die Finger klopfen. Das dort ausgeprägte Raffketum hat sensationelle Züge angenommen. Ein befreundeter Arzt hat mir vor einiger Zeit erklärt, er sei in seinem ganzen Leben noch nie so beschießen worden wie von dem Kollegen der die kieferorthopädische Behandlung seines Sohnen durchgeführt hat. Das sind die Leute bei denen es früher mal Ehrenkodex war, dass man sich gegenseitig kostenlos behandelt hat!
Die Apotheker heulen übrigens rum, weil ihre Standesvertretung nicht so freche Forderungen wie die Ärzte stellt und deswegen bei den hungernden Apothekern nix an Erhöhungen rumkommt.
Aber zum Thema: Das Gesundheitssystem geht uns alle an und am Ende hilft hier nur der Staat. Ich wäre da “total radikal”. Es gibt einen Ärzte-Bevölkerungsschlüssel und dann werden die Ärzte auf die Fläche verteilt, von den Krankenkassen mit festen Gehältern bezahlt (da kann man entsprechende Schwestern und Praxishelfer gerne reinrechnen, das Landarzt-Problem ist im Vorbeigehen gelöst) und dann sollen die Ärzte bitte alle Kassenpatienten nach dem eigentlichen Berufsergreifungs-Mythos “Ich möchten Menschen helfen” ordentlich behandeln. Da wird nicht mehr nach Krankheit und Zeit abgerechnet, sondern jeder kriegt die Zeit, die er braucht. Mag sein, dass man dann mehr Ärzte braucht, weil es halt 20 statt 5 Minuten dauert, aber das ist es wert und das Festgehalt macht die Kosten ja planbar. Und mit den IGEL-Leistungen ist dann auch Schluss, weil man dann der Arzt kein Verkäufer auf eigene Rechnugn mehr ist.
Das gleiche würde ich auch für Apotheken bauen lassen, Schluss mit 4 Apotheken in der Dorf-Hauptstrasse, außerdem alles Nicht-Apotheken-Kerngeschäft raus aus den Apotheken und in die Drogerien, auf 5.000 Leute kommt eine Apotheke, aus die Maus. (Wer jetzt heult, da werden die ganzen überflüssigen Apotheker arbeitslos… vielleicht haben wir eben zu viele, das erzeugt auch heute schon Lohndruck…)
Gehalt für Staats-Ärzte und -Apotheker würde dann mit dem Durchschnittseinkommen mitwachsen. (Durchschnittsbrutto mal Faktor 3, das wären etwa 100.000 EUR, ist doch schick für einen Akademiker bei geregelter 40h-Woche…)
Privatpatienten kriegen dann ihr eigenes Ärztenetz, schön mit Wettbewerb und Marktwirtschaft, wenn schon denn schon. Wenn schon Zweiklassen-Medizin, dann richtig. Dann könnten sich die PKVen mit den Privatärzten über die viel zu hohen Honorare kloppen und dann wird es nicht lange dauern, dass diese Ärzte auch nicht mehr als die Staats-Ärzte verdienen. (Von wegen dem Argument, dass dann ja keiner mehr Kassenpatienten behandeln würde. Heute machen die reinen Privatpraxen ja auch nur einen Bruchteil aus…)
Und wer jetzt sagt, das geht nicht, dem muss man leider mit der Nase auf “DDR” stoßen. Die ist an vielem kaputt gegangen, aber eher nicht am Gesundheitssystem. (Eher schon an profitwilligen ausreisewilligen Ärzten, die ja nur wegen der Freiheit raus wollten und nicht wegen der Verdienstmöglichkeiten im Westen.) Übrigens gab es auch im Staatsgesundheitswesen der DDR leistungsbezogene Komponenten, das kann man sich ja von Veteranen erzählen lassen, wenn man kennt. Ob das jetzt immer so gut funktioniert hat,… na ja, da sind wir heute auch nicht schlauer, sieht man an jedem Bankberater.
Im Gesundheitssystem ist einfach kein Platz für ausgefeiltes Profitdenken und zu komplexe Anreizsysteme.
Sehe ich ganz genauso. Stichwort Poliklinik. Es gibt genug Möglichkeiten, wie ein solches staatliches Gesundheitssystem funktionieren könnte – auch ganz ohne Privatwirtschaft.
PS: Warum eigentlich darf ein Arzt (der ja meistens sowieso Medikamente, Betäbungsmittel und ähnlichs in der Praxis hat), der immerhin entscheidet, welches Präparat, bzw. welchen Wirkstoff der Patient bekommen soll, nicht selbst noch die Pillen verkaufen dürfen?
Wozu braucht es eigentlich Apotheker? Hat sich da vielleicht auch wieder eine Berufsgruppe von anno dunnemal Stückchen für Stückchen ihr eigenes Naturschutzgebiet gebastelt, bis sie selbst die Regeln bestimmen konnten?
Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, welch effizientes Gesundheitssystem die Ossis 1990 auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen haben. Ich habe sie noch erlebt, die Zeiten, wo man beim Facharzt nicht Monate auf einen Termin warten mußte, wo es in den Praxen keine langen Warteschlangen gab. Medizinische Versorgung bis in kleinste Dorf, Mütterberatung alle 4 Wochen als Pflichttermin, Impfpflicht usw. usf. Und heute? Nun ja, im Notfall helfen sie noch. Aber bloß nicht “ein bißchen krank” sein und Fachberatung suchen. Das scheitert schon daran, daß die paar Ärzte, die es noch gibt, gar keine Patienten mehr annehmen. Schöne, neue Welt.
Das mit den Polikliniken ist ein feines System. Das haben die Schweden seit Jahrzehnten. Bei völlig geregelten Arbeitszeiten. Seufz.
Ich möchte noch eines hinzufügen. Es ist in den Kommentaren hier immer wieder mal von Gesundheitslobbyisten die Rede. Und dann wird fließend übergegangen zu ‘den Ärzten’. Die meisten Lobbyisten sind da, wo das große Geld ist. Das ist bei der Pharmaindustrie und bei den großen Krankenhausgesellschaften. Dort werden die Milliarden der Beitragszahler kassiert. Die Arbeitsbedingungen der Ärzte, ob nun im Krankenhaus oder in der Praxis, haben sich in den letzten Jahrzehnten dagegen im Wesentlichen einfach nur verdichtet, und speziell niedergelassene Ärzte bekommen nur einen sehr kleinen Teil dieses Kuchens, und die Allgemeinmediziner am allerwenigsten. Es ist ja schön, dass die Kommentatoren hier immer so allwissend sind, und das auch zu einer Zeit, wenn die meisten arbeiten müssen, aber dann sollte man die Zeit nutzen, um ein etwas differenzierteres Weltbild zu pflegen, sonst ist es schnell ein Niveau wie im Spiegel-Forum, nur anders. Verallgemeinerungen a la ‘die meisten Ärzte sind raffgierig’ sind genauso sinnlos wie Aussagen wie ‘die meisten Arbeitslosen sind fleißig’.
Und jeder – auch hier bei den Kommentaren – ist daran interessiert, das Landarzt-Problem zu lösen. Oder das Nachwuchsproblem im Osten (und vermutlich ähnlichen Regionen im Westen).
Insofern wird auch hier in meinen Augen sehr gut differenziert zwischen dem Arzt, der zur Demo im Sportwagen vorfährt, und denen, denen man wirklich helfen muss. Das derzeitige Problemlösungsniveau (systemimmanent) liegt aber bei: Ich kippe oben ganz viel Kohle rein, damit der schlecht gestellte Arzt – die es gibt – ein paar Euro abkriegt und der gut gestellte Arzt – die es auch hinreichend gibt, und wer dem widerspricht, der lügt – kann sich zum Sportwagen gleich noch ein paar neue Reifen kaufen, und das von den Mehreinnahmen im Januar…
Die Reform muss eben dahin gehen, wenn ich den Landärzten helfe, darf der Radiologe dabei nicht überproportional a b s t a u b e n. Der soll gar nichts dazu kriegen, weil der hat schon so viel, dass wir Beitragszahler uns einen noch höheren Lebensstil für ihn nicht mehr leisten können. Und wenn der mehr Kohle will, kann der ja auch mal seine Solidarität mit – zum Beispiel – den UFO-Leuten kundtun. Da hört man aber sehr wenig bis gar nichts. Denn wenn der Kuchen an wirklich allen Enden wachsen würde, dann kann man auch wieder über ein paar Krümel für den Radiologen nachdenken.
(Die gut verdienenden Ärzte lachen sich doch scheckig, dass die schlechter gestellten Ärzte für sie den Lohnkampf übernehmen… ist doch absurd.)
(Warum soll sich der kleine Mann immer mit allen Leuten solidarisieren, wenn da im Gegenzug eh nie was kommt. Jetzt wollen die Ärzte uns Patienten bestreiken. Aber ich habe mir vorgenommen: Solange die streiken, streike ich auch und werde eben nicht krank. ;-)
Nach der Nummer mit den Organspenden kommen die Sprüche des Ärzteverbandes übrigens besonders gut rüber, nur meine two Cents.
> Der Allgemeinheit der Beitragszahler ist jedoch weder
> zuzumuten noch zu vermitteln, dass sie nun zusätzlich
> für Ärzteeinkommen zur Kasse gebeten werden, die
> jenseits der Einkommen von Bundeskanzlerin und
> Bundespräsident liegen.
Da kann man geteilter Meinung drüber sein, ob Sparkanzlerin Merkel hier nicht zu Recht mit gutem Beispiel voran geht. Idealerweise könnte sie sich und ihren Prediger auch gleich selbst komplett einsparen, bevor Europa wieder in Flammen aufgeht.
Das passiert, wenn alles und jedes Detail des Lebens der Marktwirtschaft unterworfen wird.
Das Gefasel von Wettbewerb und Leistung kennen wir ja bereits zur Genüge.
Selbstverständlich kann man das auch im Gesundheitswesen (Energieversorger, Wasser, etc…) machen, man darf sich dann nur nicht darüber beschweren, dass auch hier die Gier das Handeln der Akteure bestimmt. Größere werden größer und mächtiger und haben bald genug Macht, die Regeln zu bestimmen. Die Kleineren bleiben auf der Strecke – die Marktwirtschaft hat ruckzuck fertig, Oligopole bestimmen dann, wo’s lang geht.
Wann eröffnen eigentlich die ersten Ärzte Filialen? Oder gibt’s das schon?
Ich bin der Meinung, dass gewisse Bereiche des Daseins eben nicht dem privatwirtschaftlichen Gewinnstreben ausgesetzt werden dürfen. Ein Patient ist nunmal kein Kunde, auch wenn er nochsooft im Marketinggeplapper der Funktionäre und besonders schlauen Ärzte dazu gemacht wird.
Ähnliches mit den Krankenhäusern. Um ein paar Millionen Betriebskosten zu sparen, wird der Laden verkauft, die Oberschlauen optimieren die Prozesse, erhöhen die Umschlagsrate , kürzen die Durchlaufzeiten, Kennzahlen hier, Key Performance Index dort – und das halbe Personal bleibt auf der Strecke. Wieso kann ein QM-System nicht auch in einer öffentlichen Klinik funktionieren? Warum können sich verschiedene Uni-Kliniken nicht zu einem Einkaufsverbund zusammenschließen? Warum können Prozesse nicht auch im Kreiskrankenhaus optimiert werden?
Zurück zum Thema: In der Arztpraxis sollte alles der Gesundheit bzw. der Behandlung der Patienten
untegeordnet werden, nicht dem Gewinnstrebern und nicht irgendwelchen Budgets oder Controllern. Staatliche Polikliniken. Ärztehäuser. Kranken”versicherung” und die überflüssigen Kassen durch ein steuerfinanziertes System ersetzen. Preise für Arzneimittel und Medizinprodukte staatlich begrenzen. Und wenn dann der Aufschrei der Pharmalobby kommt und mit Wegfall von AP in D gedroht wird, dann wird eben mit einem Bürokratiemonster für die Zulassung von ausländischen Produkten zurückgedroht: Niemand wird sich einen Markt wie Deutschland entgehen lassen!
Ja, möglicherweise entscheiden sich dann weniger Menschen für den Beruf des Medizinmanns. Das wäre dann sogar ein sinnvoller Nebeneffekt.
PS: Arbeite bei einem Big-Player in der Medizintechnik, der seit ewigen Jahren jährlich neue Rekordzahlen an Umsatz und Gewinn verkündet und für den eine Krise ist, wenn Analysten kritisieren, dass der Gewinn “nur” so viel gestiegen ist, wie eh erwartet war.
Danke für diesen Beitrag, Spiegelfechter!
Viele wahre Worte. Nach unserer Diskussion über Lebensmittelspekulation lasse ich hier den Kracher los, pass uff: Ich bin für ein verstaatlichtes Gesundheitswesen wie in England :-)
Ehrlich, ich sehe nicht, wie die Gesundheitsversorgung durch privatwirtschaftlich arbeitende Ärzte effizient funktionieren sollte. Das Gesundheitssystem erfüllt einfach keine Anforderung eines Marktes. Unser System führt gleichzeitig zu einer krassen Überversorgung z.B. bei Radiologen (irgendwo habe ich mal die Statistik gelesen, wie viele MRT Geräte es in Deutschland und Frankreich gibt: Von der Tendenz erinnere ich mich vage, waren es im Ruhrgebiet so viele wie in ganz Frankreich), einer Unterversorgung auf dem Land und einer tatsächlich beschissenen Situtation für diejenigen Ärzte, die ihren Patienten gegenüber eine Verantwortung empfinden, die tatsächlich die beste Lösung für den Patienten empfehlen und unter dem gleichen Budgetierungs- und Rechtfertigungsdruck stehen, wie die Überbehandler.
Unser System wälzt die Prioritisierung auf die Ärzte ab, und das fühlt sich sicherlich nicht gut an.
Es geht doch bei den Streiks nicht darum, Landärzte besser zu stellen. Die gesamte Ärzteschaft möchte einfach mehr Geld. Infaltionsausgleich wie andere ihn auch bekommen. Dass niemand ernsthaft 11 % fordert, sollte doch klar sein – das macht man beim Verhandeln nunmal so….
Hatten nicht gerade noch die Kassen einen Überschuss von 20 Milliarden Euro? Ich wüsste jetzt, wohin der sollte.
Ist bald aufgezehrt
Die Diskussion über die Überschüsse ist dämlich. Jeder Honk, der sich nur ein bisschen für Gesundheitspolitik interessiert, ist derzeit positiv überrascht wie unser GKV-System plötzlich nicht mehr jedes Jahr vor dem Kollaps steht.
Erinnert euch mal an die Situation vor 4 Jahre zurück!
Es gab doch schon Gespräche ob nicht die Praxisgebühr abgeschafft werden sollte. Aufeinmal ist es so still darum geworden….
Naja, die Ärzte jammern auf einem hohem Niveau. Andererseits kann man deren Unmut durchaus verstehen. Sie stecken unglaublich viele Jahre in die Ausbildung und am Lebensende haben die einige im Durchschnitt soviel wie Gymnasiallehrer verdient.
Aber selbst Schuld wie man sagt.
So ganz allgemein kann ich mich über Ärzte nicht beschweren (obwohl ich gerade jungen Fachärzten überhaupt nicht über den Weg traue, da habe ich böse Erfahrungen gemacht). Wir haben hier ein Ärztehaus für viele Fachrichtungen, obwohl noch ein paar fehlen. Worüber ich mich beschwere, ist, dass jetzt viele Medikamente von den Kassen nicht mehr bezahlt werden. Das ist ein wirkliches Problem. Bei der popligen Rentenanpassung dieses Jahr, von der der “Spiegel” geschwärmt hatte, sie sei ein “tüchtiger Schluck”, geht mehr als die Hälfte schon für ein Medikament weg, das ich mir jetzt selbst kaufen muss. Die Ärzte sind daran nicht schuld, das weiß ich. Aber dieses gesamte System ist korrupt. Mein verehrter Arzt, einer von der “alten Schule” aus der DDR noch, ist pleite gegangen, weil er seine Patienten so behandelt hatte wie in der DDR, seinem ärztlichen Auftrag entsprechend. Dem hätte ich damals eine ordentliche Gehaltserhöhung gewünscht.
Die Ärzte unterliegen auch dem Druck der Kassen, sie müssen, obwohl sie vielleicht genau wissen, dass ein bestimmtes Medikament das richtige ist, ein anderes verordnen, weil es billiger ist. Dabei geht nicht nur das Vertrauensverhältnis zum Arzt in die Binsen, man hat wirklich das Gefühl, als Kassenpatient nicht gut behandelt zu werden. Und wenn ich dann lese, die Kassen hätten einen enormen Überschuss erzielt, dann wohl durch die Praxisgebühr und die Zuzahlung zu Medikamenten, ganz abgesehen davon, dass eben viele Medikamente jetzt selbst gekauft werden müssen.
Bei derart Diskussionen stellt sich gleich die Frage: aus welchen Mitteln werden eigentlich die Arzthelferin bezahlt? Wenn auch aus dem Arzthonorar, dann sind die 1.228 Euro pro Monat gar nicht so viel. Mein Hausarzt hat mindestens vier Helferin. Und aus welchen Mitteln werden die Neuanschaffungen in der Praxis gemacht?
Kennt sich da einer aus?
Arztpraxis ist ein ganz normales Unternehmen. Personal, Einrichtung,Investition muss aus den Einnahmen bestritten werden.
Mittlerweile wird das so hingenommen, dass man eine ausschliessliche Betreuung gesetzlich versicherter Patienten nicht mehr wirtschaftlich leisten kann mit der Begründung man würde ja Reichtümer aus der Privatbehandlung anhäufen…
So so! Ein Arzt macht also Verluste, wenn er gesetzlich versicherte Bittsteller behandelt. Tja! Warum macht er das? Steht da einer mit der Pistole hinter ihm. Er kann doch den Entschluss fassen, dass er nur noch Privatversicherte behandelt. Der Mang wurde hier doch schon erwähnt.
Gutes Argument- und passiert auch in zunehmendem Maße. Deswegen ist SPD/Linke/Grün ja auch so erpicht darauf die private Krankenversicherung zu zerstören.
Ausserdem bitte ich mal zu überlegen ob das so erstrebenswert ist Ärzte a la Mang zu haben. Unser ambulantes Merdizinsystem funktioniert noch relativ gut weil sich die Mehrheit eben doch Prinzipien wie Verantwortung für alle Patienten verpflichtet fühlt aber das kriegen Politik und Medien auch noch geschreddert.
So wie unsere jungen Frauen in der Regel mit ihrem eigenen Nachwuchs nicht mehr kommunizieren können und diesen nach einem Jahr meistens in fremde Hände abgeben, so übergeben sich die Leute im Lande meistens einer Lobby, die nicht am Menschen sondern am Verwalten, Behandeln und Weiterbehandeln eines Klienten interessiert sind.
Wir leben meist in entbundenen Verhältnissen -zum Nutzen der Verwertetungsindustrie.