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  • Bazooka mit eingebauter Ladehemmung

    geschrieben am 07. September 2012 von Spiegelfechter

    Die EZB nennt es „OMT“, die Medien „Bazooka“ – doch was EZB-Chef Mario Draghi gestern der Öffentlichkeit als geldpolitische Maßnahme zur Eindämmung der Eurokrise präsentierte, ist bestenfalls eine Spritzpistole. Auch wenn der mittlerweile komplett isolierte Bundesbank-Chef Jens Weidmann öffentlichkeitswirksam als einziger Vertreter des EZB-Rates gegen das OMT-Programm stimmte, trägt dieses doch deutlich seine Handschrift. Umso mehr erstaunt der Katzenjammer der weidmanntreuen konservativen Leitartikler. Was übrigbleibt, ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, der jedoch nicht ausreichen wird, um die Eurozone wieder in ruhige Gewässer zu manövrieren.

    Das OMT-Programm ist mit Sicherheit nicht das „letzte Mittel“ der EZB, wie Stefan Kaiser von SPIEGEL Online unkt. Mit dem OMT-Programm hat die EZB lediglich angekündigt, künftig auf den Finanzmärkten zu intervenieren, wenn die Anleihen bestimmter Eurostaaten zu Preisen gehandelt werden, die auf ein Marktversagen schließen lassen und damit die Refinanzierung dieser Staaten gefährden. Ein solches Programm hatte die EZB unter ihrem Präsidenten Jean Claude Trichet in Form des SMP-Programms bereits vor zwei Jahren schon einmal aufgelegt. Draghis OMT-Programm ist jedoch an wesentlich strengere Bedingungen geknüpft und fällt somit in puncto „Feuerkraft“ weit hinter das alte Programm zurück.

    Wie bereits beim SMP-Programm ist es der EZB auch beim OMT-Programm nur gestattet, Anleihen am Finanzmarkt, also am Sekundärmarkt, zu kaufen. Die EZB darf somit auch künftig die Staaten nicht direkt finanzieren, ihnen also keine Anleihen abkaufen. Sie darf jedoch privaten Investoren, also vor allem Banken, die entsprechenden Papiere abkaufen, wenn der Marktwert unter ein bestimmtes, nicht offen kommuniziertes, Preisniveau fällt. Dabei hat die EZB keine Limits, sie dürfte also rein theoretisch unbegrenzt von diesem Instrument Gebrauch machen – wobei „unbegrenzt“ hier nicht wörtlich gemeint ist, da die Anzahl der bereits ausgegebenen Anleihen der betreffenden Eurostaaten natürlich begrenzt ist. Der große Unterschied zwischen Trichets SMP und Draghis OMT ist, dass die EZB unter dem SMP-Programm Anleihen von allen Eurostaaten erwerben durfte und unter dem OMT-Programm ausschließlich Anleihen von Staaten kaufen darf, die unter einen der beiden „Euro-Rettungsschirme“ EFSF bzw. ESM geschlüpft sind. Das heißt, die EZB darf momentan weder spanische noch italienische Anleihen über OMT kaufen.

    Diese Konditionalität, die direkt aus der Feder der Bundesbank zu stammen scheint, ist die eigentliche Schwachstelle des Programms. Staaten, deren Anleihen von den Banken – meist irrational – an den Finanzmärkten abgestraft werden, können erst dann auf Schützenhilfe durch die EZB hoffen, wenn sie den Gang nach Canossa antreten und mit den involvierten Gremien (Europäische Kommission, EZB und u.U. auch IWF) ein rechtlich bindendes „Reformprogramm“ abstimmen. Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass diese „Reformprogramme“ stets im Sinne von Naomi Kleins „Schock-Strategie“ verlaufen und eine Mischung aus Austeritätspolitik und verschiedenen neoliberalen Gesetzen, wie beispielsweise die Liberalisierung des Arbeitsmarktes, beinhalten. Vergangenheit und Gegenwart haben uns ebenfalls gelehrt, dass ein Staat sich durch diese „Reformprogramme“ nicht sanieren kann, sondern die prozyklische Wirtschafts- und Finanzpolitik die realwirtschaftliche Krise sogar verstärkt. Bevor ein Staat auf die Hilfe der EZB hoffen kann, muss er also seine wirtschafts- und finanzpolitische Souveränität an ein Gremium abgeben, dass dafür bekannt ist, eine Politik durchzudrücken, die dessen langfristige wirtschaftliche Perspektive untergräbt und zudem ganz und gar nicht im Sinne der Allgemeinheit ist.

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    Tags: Europa Finanzkrise Kampagnenjournalismus
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    93 Kommentare:

    1. schwitzig schrieb am 7. September 2012 um 13:14 - Permalink

      @SF

      Guter Artikel, der leider wahrscheinlich nur wenig Gehör finden wird.

      Übrigens:

      Etwas subtiler geht da die FAZ zu Werke, die sich darum sorgt, dass nun in Italien die „oft versprochene Lockerung des Kündigungsschutzes“ ausbleibt

      Ich habe es bisher noch nicht geschafft, dieses skurrile Orwellsche Zwiedenken nachzuvollziehen, nach dem ein Job sicher ist, wenn man den Jobinhaber noch besser kündigen kann.

      • Spiegelfechter schrieb am 7. September 2012 um 15:21 - Permalink

        Dieses Zwiedenken ist auch nicht – zumindest für einen gesunden Geist – nachvollziehbar.

      • DerFranzose schrieb am 7. September 2012 um 16:05 - Permalink

        Ich habe es bisher noch nicht geschafft, dieses skurrile Orwellsche Zwiedenken nachzuvollziehen, nach dem ein Job sicher ist, wenn man den Jobinhaber noch besser kündigen kann.

        Es geht ja dabei um Neueinstellungen. Dein Job als “alteingesessener” bleibt ja davon erstmal unberührt.

        Wenn Du ein Betrieb mit zB 10 Leuten hast und eigentlich noch 2 Leute einsetzen könntest weil das Geschäft grade gut läuft, aber Angst hast es könnte nach einer Weile wieder Abwärts gehen, dann wirst um Zweifel keinen einstellen weil die Kündigungshürden gross sind.

        Ich kenne da zB ein Handwerker der sich auf die Reparatur von Badewannen spezialisiert hat. Er meinte er könnte locker 5 Leute mehr einstellen, so gross ist manchmal die Nachfrage. Er hat aber Angst dass wenn es mal lau ist, dann muss er die Leute ja weiterhin bezahlen. Da ihm das Risiko zu gross ist. Lieber arbeitet er mit seinem kleine Stammpersonal und geht zeitig Segeln.

        • schwitzig schrieb am 7. September 2012 um 16:54 - Permalink

          @DerFranzose

          Wenn Du ein Betrieb mit zB 10 Leuten hast und eigentlich noch 2 Leute einsetzen könntest weil das Geschäft grade gut läuft, aber Angst hast es könnte nach einer Weile wieder Abwärts gehen, dann wirst um Zweifel keinen einstellen weil die Kündigungshürden gross sind.

          Dann stelle ich einfach 2 Leute mit einem befristeten Vertrag ein. Wenn ich nach 2 Jahren immer, noch nicht weiss, ob ich sie brauche oder nicht, bin ich als Unternehmer derart inkompetent, dass ich sowieso pleite gehe.

          Ich kenne da zB ein Handwerker der sich auf die Reparatur von Badewannen spezialisiert hat. Er meinte er könnte locker 5 Leute mehr einstellen, so gross ist manchmal die Nachfrage.

          Und warum macht er es dann nicht – siehe oben?

          Er hat aber Angst dass wenn es mal lau ist, dann muss er die Leute ja weiterhin bezahlen. Da ihm das Risiko zu gross ist. Lieber arbeitet er mit seinem kleine Stammpersonal und geht zeitig Segeln.

          Aha – so sieht es aus: Er will das unternehmerische Risiko auf seine Angestellten übertragen. Konsequenterweise müßte er ihnen dann auch arbeitsteilig die Gewinne und die exklusiven Bestimmungsrechte geben. Aber so weit geht das dann wohl doch nicht, richtig? Ich nenne das Schmarotzertum und Du hast ein fundamentales Prinzip des Lohnabhängigenverhältnisses nicht verstanden:
          Der Lohnabhängige gibt seine Rechte am Unternehmen und die Gewinne für ein Sicherheits- und Kontinuitätsversprechen ab. Dafür haben die Arbeit”nehmer” keine Bestimmungs- und Gewinnanspruchsrechte. Das ist ein Handel. Dein Handwerker wäre gerne zumindest partiell ein Betrüger.

          • DerFranzose schrieb am 7. September 2012 um 18:48 - Permalink

            Dann stelle ich einfach 2 Leute mit einem befristeten Vertrag ein. Wenn ich nach 2 Jahren immer, noch nicht weiss, ob ich sie brauche oder nicht, bin ich als Unternehmer derart inkompetent, dass ich sowieso pleite gehe.

            Du stellst Dir das sehr einfach vor. Die Realität sieht aber etwas anders aus.

            Die in meinem o.g. Beispiel erwähnter Handwerker sucht keine einfache Hilfskräfte. Er muss die Leute ja auch anlernen. Zudem müssen die Arbeiter bestimmte handwerkliche Talente und Charaktereigenschaften haben. Er muss also Zeit und Geld in die Person investieren. Das ist aber nur eine Schranke. Dazu kommt natürlich noch der administrative Aufwand der bei noch kleinen Unternehmen überproportional ansteigt . Der Staat baut viele Hürden ein.

            Er will das unternehmerische Risiko auf seine Angestellten übertragen. Konsequenterweise müßte er ihnen dann auch arbeitsteilig die Gewinne und die exklusiven Bestimmungsrechte geben.

            Das Risiko hat doch immer der Unternehmer. Er bezahlt doch die Arbeiter und er steht mit seinem Vermögen grade.

            Aber so weit geht das dann wohl doch nicht, richtig? Ich nenne das Schmarotzertum und Du hast ein fundamentales Prinzip des Lohnabhängigenverhältnisses nicht verstanden:
            Der Lohnabhängige gibt seine Rechte am Unternehmen und die Gewinne für ein Sicherheits- und Kontinuitätsversprechen ab. Dafür haben die Arbeit”nehmer” keine Bestimmungs- und Gewinnanspruchsrechte. Das ist ein Handel. Dein Handwerker wäre gerne zumindest partiell ein Betrüger.

            Ich denke Du hast da was fundamentales nicht verstanden: Dieser Handwerker, den Du ja sogar teilweise als Schmarotzer und Betrüger bezeichnen möchtest, ist derjenige der Arbeitsplätze schafft. Du solltest also glücklich sein wenn es viele von diesen kleinen oder mittleren Unternehmern gibt die ihr Eigentum riskieren und somit Arbeitsplätze schaffen.

            • HHarlekin schrieb am 7. September 2012 um 19:33 - Permalink

              Der Handwerker weiß als Profi ein paar Sachen (sollte er zumindest):
              1. Er hat genug Arbeit für ein paar Leute mehr.
              2. Er weiß, was der Begriff “Probezeit” bedeutet (In Deutschland sowohl für befristete wie unbefristete Arbeitsverhältnisse bis 6 Monate möglich zu vereinbaren).
              3. Er weiß, daß der Arbeitnehmer erst nach 6 Monaten Betriebszugehörigkeit Kündigungsschutz (im unbefristeten Arbeitsverhältnis) genießt.

              Wenn er das alles weiß, und die Arbeit HAT, steht der Einstellung nichts im Wege. Eigentlich.

              Wenn er weiß, daß er mit mehr als 10 Leuten nicht mehr unter die Kleinbetriebs-Klausel fällt, macht ihm das möglicherweise Sorge, die ihm aber Probezeit und befristetes Arbeitsverhältnis nehmen könnten, wenn er es wirklich wollte ….

              Vielleicht sind es aber andere Gründe? Z. B. würde er erstmal mehr verdienen, aber auch nicht soviel, daß es den Mehraufwand lohnt? Außerdem ist “Krise”, wer weiß, wielange der Boom anhält? Wer weiß, wielange er seine Stammbelegschaft halten kann, wenn ein Bruch kommt?
              Vielleicht macht er tatsächlich auch eher Urlaub, weil er sich sagt, “dann lieg ich wenigstens nich mit fuffzich inne Kiste”, und die “Kollegen” in den anderen Firmen sollen auch was verdienen dürfen?
              Vielleicht hat er Familie, die ihn – und er sie – auch öfters sehen möchte?

              Alles Überlegungen, die er sicherlich hat (oder haben könnte/sollte), nur: WENN es so ist, so ist das gewählte Beispiel als Argument gegen Kündigungsschutzgesetze untauglich, wie die meisten solcher Argumente, und wie auch das von SF zitierte FAZ-Beispiel.

              Grüße

            • Lemmy Caution schrieb am 7. September 2012 um 21:50 - Permalink

              Wenn ihr Chef-Theoretiker, für jede Stunde, die ihr über tätige Menschen urteilt, 10 Minuten selbst einen Hammer schwingen würdet, könnte das den Qualität der Kommentare um den Faktor des vom Jens angenommenen Multiplikatoreffekts von jedem Euro Lohninflation steigern.

    2. wolfswort schrieb am 7. September 2012 um 13:34 - Permalink

      Bazooka hin oder her. Mit oder ohne Ladehemmung. Was ich nicht verstehe ist, wie das Grundproblem der Unterschiede in der Leistungsbilanz der Länder in den Griff zu bekommen ist.
      Wenn der Euro keine “selbst-tragende” Währung ist, also nur durch das beständige “Drucken” von Geld nachhaltig am Leben gehalten werden kann und weitere politisch nur schwer durchsetzbare Transfers von Nord nach Süd erforderlich sind – was ist das dann für ein europäisches Projekt? Wie sehr wird es Europas Bürger begeistern? Ist das ein attraktives Modell?

      Mag sein, dass durch die EZB-Aktivitäten Zeit gewonnen wird. Mag sein, dass es zu “wenig” war.. aber Zeit wofür? Für den neoliberalen weiteren Umbau der europäischen Volkswirtschaften? Mir ist an der hier vertretenen Argumentation unklar, WOHIN dieses Europa eigentlich steuern soll.. und mit welchem politischen Ziel der Euro also “gerettet” werden soll.

      Ist es nicht so, dass der Euro geradezu zwangsläufig in eine “neoliberale” Falle führt? Zeigt das nicht die ganze Entwicklung der bisherigen Krise? Und führt er nicht auch zwangsläufig zur Spaltung Europas? Ist das nicht inzwischen offenkundig?

      • Spiegelfechter schrieb am 7. September 2012 um 15:25 - Permalink

        Was ich nicht verstehe ist, wie das Grundproblem der Unterschiede in der Leistungsbilanz der Länder in den Griff zu bekommen ist.

        Ganz einfach ;-)

        D, Nl, Fi -> Löhne rauf, Inflation rauf
        der Rest -> Nullrunden, Inflation runter aber nicht unter 0

        Wenn das nicht klappt, wird der Euro entweder zerbrechen oder wir erhalten ihn durch eine dauerhafte(!) Transferunion.

        Ist es nicht so, dass der Euro geradezu zwangsläufig in eine “neoliberale” Falle führt?

        Nö, wieso? Mit dem gleichen Argument könnte ich sagen, dass Demokrati zwangsläufig in eine neoliberale Falle führt.

        • Garfield schrieb am 8. September 2012 um 12:59 - Permalink

          sorry Jens, willst du Merkel Konkurrenz machen ;-)

          wenn gilt € => neoliberale Falle – dann gilt auch
          Demokatie => neoliberale Falle …?

          dementsprechend ist dann € gleich = Demokratie?

          daß der schnöde Mammon in unserm Wertesystem ne steile Karriere hingelegt hat, und jetzt = Frieden, = Europa, = etc ist, war ja schon bekannt… aber gleich die Demokratie höchstselbst?

          • Spiegelfechter schrieb am 9. September 2012 um 09:34 - Permalink

            Wieso das? Ich argumentiere doch rein technisch ;-)

        • The Joker schrieb am 8. September 2012 um 22:49 - Permalink

          der Rest -> Nullrunden, Inflation runter aber nicht unter 0

          Hmm, dann stellst Du dich aber gegen die dortigen Gewerkschaften, selbst wenn die nur einen Inflationsausgleich fordern, oder?

          • Spiegelfechter schrieb am 9. September 2012 um 09:38 - Permalink

            Momentan gibt es ja dort kräftige Reallohnkürzungen. Dadurch wird zwar idT die Schieflage bei der Wettbewerbsfähigkeit korrigiert, es wird jedoch parallel dazu die Binnenkonjunktur abgewürgt, was negative (sehr negative!) Nebeneffekte hat. Das muss freilich vermieden werden. Wenn Europa beispielsweise in den nächsten 20 Jahren den umgekehrten Weg wie in den letzten 20 Jahren gehen würde und Deutschland die Lohnsteigerungen aus dem Süden erfährt, während der Süden die deutsche Lohnentwicklung der letzten 20 Jahre hat, wäre die Wettbewerbesfähigkeit wieder – über den Daumen gepeilt – halbwegs ausgeglichen. Dieses Szenario ist jedoch nicht unbedingt realistisch, wie wir wissen und wird von Tag zu Tag, an dem die Rezession wütet unrealistischer.

        • Robert Michel schrieb am 10. September 2012 um 23:42 - Permalink

          Könnte man das nicht einfacher haben, wenn man die Eurozone aufspaltet? Auf die Weise bekommen die Süd-Staaten ihre Anpassung und die Nord-Staaten könnten einer Inflation ihrer Binnenwirtschaft entgehen. Speziell in Griechenland könnte man die Umstellung an eine Währungsreform mit Schuldenschnitt koppeln, so nach dem Vorbild der deutschen Währungsreform.

        • wolfswort schrieb am 12. September 2012 um 08:23 - Permalink

          quod erat demonstrandum:

          “D, Nl, Fi -> Löhne rauf, Inflation rauf
          der Rest -> Nullrunden, Inflation runter aber nicht unter 0″

          DAS ist ja die neoliberale Falle. Denn wenn die Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr durch Abwertung hergestellt werden kann, dann müssen offenbar die “kleinen” Leute ran. Renten runter, Arbeitsmarkt flexibilisieren, Löhne runter, Staatsvermögen privatisieren..etc..

      • cervisia buxum schrieb am 7. September 2012 um 15:46 - Permalink

        Dieses Video von Heiner Flassbeck fand ich diesbezüglich sehr erhellend:

        http://www.youtube.com/watch?v=mfKuosvO6Ac

        Mich würde auch die Einschätzung von VWL-Fachleuten zu diesem Vortrag sehr interessieren.

        • COPOKA schrieb am 8. September 2012 um 02:06 - Permalink

          Mich würde auch die Einschätzung von VWL-Fachleuten zu diesem Vortrag sehr interessieren.

          Herr Flassbeck ist der VWL-Fachmann .
          Ansonsten siehe hier

          • Spiegelfechter schrieb am 9. September 2012 um 09:39 - Permalink

            yep ;-)

        • Magicdrummer schrieb am 9. September 2012 um 12:21 - Permalink

          Als die Wirtschaft Mitte des letzten Jahrzehnts in Spanien und den USA zahlenmäßig besser lief als hier, wollte Flassbeck in die gleiche Falle rennen, wäre es nach ihm gegangen. Deutschland wäre sicherlich höher verschuldet und der Zinsposten im Bundeshaushalt entsprechend auch höher und die Wirtschaft eher schlechter dran. Nicht nur der Süden wäre nicht mehr wettbewerbsfähig, sondern die gesamte Eurozone ähnlich der USA. Globaler Wettbewerb ist für ihn ja Tabu, wie er selber in dem schwachen Vortrag zugibt.

          Die Lohnstückkosten zu harmonisieren ist ja auch Ziel der Austeritätspolitik, nur für die Sünder in andere Richtung. Aus der Sicht Deutschlands ist diese Politik nachvollziehbar, da eine höhere Inflation in Deutschland die Sparguthaben und Forderungen noch mehr wegschmelzen würde als es ohnehin schon passiert und die Lohnstückkosten gleichen sich ja auch langsam an, wenn auch mit schmerzhaften Folgen. Mit einem Bruchteil des Geldes, welches in die Rettung der Banken geflossen ist, hätte man diese Folgen mit Investitionsprogrammen in produktiven Bereichen deutlich abfedern können. Höhere Steuern auf Vermögen europaweit hätten das sogar schuldenneutral möglich gemacht. Geld genug ist ja da, nur in den falschen Händen.

          SF und Flassbeck behaupten halt, die “mehr Geld für alle”-Politik wäre die Lösung, obwohl es dafür historisch keine positiven Beispiele gibt. In den USA scheint das Konzept jedenfalls nicht aufzugehen: http://www.querschuesse.de/usa-mieser-arbeitsmarkt/

          Aber die denken ja auch, mit dem Schuldgeld ist alles in Ordnung und Japan das große Vorbild mit ihren 200% BIP-Schulden, obwohl die Ideologie ja auch langsam bröckelt: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/massnahmen-gegen-die-bankenkrise-alle-macht-der-notenbank-1.1461222

          • Spiegelfechter schrieb am 9. September 2012 um 14:02 - Permalink

            Als die Wirtschaft Mitte des letzten Jahrzehnts in Spanien und den USA zahlenmäßig besser lief als hier, wollte Flassbeck in die gleiche Falle rennen, wäre es nach ihm gegangen. Deutschland wäre sicherlich höher verschuldet und der Zinsposten im Bundeshaushalt entsprechend auch höher und die Wirtschaft eher schlechter dran.

            Das verstehe ich jetzt nicht. Mitte letzten Jahrzehnts hat Spanien doch seine Schulden abgebaut. Das war übrigens nicht zuletzt nur dank der gestiegenen Reallöhne überhaupt möglich.

            Nicht nur der Süden wäre nicht mehr wettbewerbsfähig, sondern die gesamte Eurozone ähnlich der USA.

            Prima ;-) Wer ist denn dann überhaupt noch wettbewerbsfähig? Bangladesh?

            Die Lohnstückkosten zu harmonisieren ist ja auch Ziel der Austeritätspolitik, nur für die Sünder in andere Richtung. Aus der Sicht Deutschlands ist diese Politik nachvollziehbar, da eine höhere Inflation in Deutschland die Sparguthaben und Forderungen noch mehr wegschmelzen würde als es ohnehin schon passiert

            So, so, die Arbeitnehmer sollen sich also mit Lohnforderungen zurückhalten, um die Sparguthaben und Forderungen nicht durch eine Nachfrageinflation zu “gefährden”. Das ist ja auch mal ein interessanter Ansatz. Schreib das mal Herrn Börner vom BGA – der liebt derartigen Unfug und wird ihn sicher gerne weiterverbreiten ;-)

            Mit einem Bruchteil des Geldes, welches in die Rettung der Banken geflossen ist, hätte man diese Folgen mit Investitionsprogrammen in produktiven Bereichen deutlich abfedern können.

            Sicher – und die Banken hätte man über die Klinge springen lassen sollen? Was wäre denn dann aus den Sparguthaben und Forderungen geworden, die Du ja unbedingt gegen “Inflation” schützen willst?

            SF und Flassbeck behaupten halt, die “mehr Geld für alle”-Politik wäre die Lösung, obwohl es dafür historisch keine positiven Beispiele gibt

            USA -> 1942 bis Reaganonimcs
            UK -> 1945 bis Thatcherism

            Beide Länder konnten ihre teils gigantischen Staatsschulden erfolgreich abbauen, ohne dass “der Mann auf der Strasse” die Zeche zahlen musste.

            • Shitop schrieb am 9. September 2012 um 15:16 - Permalink

              Wer ist denn dann überhaupt noch wettbewerbsfähig? Bangladesh?

              Da gibt es chon noch ein paar:
              Laos, Kambodscha, Mongolei, die teilautonomen ehemaligen Sowjetrepubliken wie Buriatien, dazu die aufstrebenden Länder Afrikas wie Äthiopien, Ghana, Angola. Oder in Lateinamerika zum Beispiel Kolumbien oder Argentinien. Auch in der Karibik gibt es einige Länder, die nicht nur für Geldhäuser einen guten Standort abgeben.

            • Magicdrummer schrieb am 9. September 2012 um 15:18 - Permalink

              Sowohl in Spanien als auch den USA fußten die steigenden Reallöhne auf schuldenfinanzierte Immobilienblasen, der Politik des billigen Geldes, deren Schulden erst nach der Finanzkrise zu Staatsschulden übergegangen sind und zur Staatsschuldenkrise mutierten. Das ist doch mittlerweile Konsens. Wie soll jetzt der Grund für die Staatsschuldenkrise die Lösung daraus sein?

              Das Wirtschaftswachstum der 50er und 60er Jahre war sogar mit Golddeckung ohne keynsianische Interventionen möglich, weil die Privatwirtschaft wettbewerbsfähig war. Das ist sie in den USA und Spanien nicht mehr und in freien Märkten wird das Geld nunmal immer da hinwandern, wo die Rendite hoch ist. Für dein Konzept bräuchten wir also geschlossene Märkte oder hohe Einfuhrzölle, was allerdings kaum mehr möglich ist, da auch die Zulieferer der europäischen Industrie von überall her kommen, vor allem aus Ländern, die wettbewerbsfähig sind. Ansonsten hätten wir die Inflation schon alleine aus Kostengründen. Wir sind doch schon komplett von billigen Arbeitskräften in Fernost abhängig und die deutsche Industrie sogar von deren Importen.

              Nachfrageinflation hat es in Spanien, Griechenland & co. in hoch zweistelligen Bereich gegeben, vor der Krise und du willst uns erzählen, dass es das nicht gibt? Rohstoff- und Energiepreise sind ja auch nicht gerade nebensächlich und ein Konsum auf Pump kein zukunftsfähiges Konzept. Das Vollgeld hat da schon mehr Potential die Geldkrise zu lösen, aber du findest Schulden ja okay. Ich finde Einnahmen attraktiver.

        • Magicdrummer schrieb am 9. September 2012 um 20:53 - Permalink

          Um nochmal auf´s Thema zu kommen, aber es muss mal wieder sein. Die für mich einzig geniale Analyse zur Eurokrise hat Hans Werner Sinn gebracht, absolut nobelpreisverdächtig. Er sagt das gleiche wie Flassbeck nur weniger ideologisch (zumindest für meinen Geschmack), dafür deutlich besser belegt:
          http://www.youtube.com/watch?v=yI4g8Ti6eTM

          Im Gegensatz zu Flassbeck und SF hat Wagenknecht das begriffen und argumentiert nicht mehr gegen wirtschaftliche Fakten. Wenn uns quasie “der Feind” so wertvolle Information verschafft, aus der es auch eine linke Lösung gibt, warum habe ich hier nur noch das Gefühl irgendwelche SPD-Träumereien zu lesen.

          • Joachim Endemann schrieb am 9. September 2012 um 23:22 - Permalink

            @ Magicdrummer schrieb am 9. September 2012 at 20:53

            … Sinn … sagt das gleiche wie Flassbeck nur weniger ideologisch (zumindest für meinen Geschmack), dafür deutlich besser belegt: …

            Wußte noch gar nicht, daß „Ideologie“ eine Geschmacksfrage ist. Für mich ist „Ideologie“ eine Orientierungsweise, d.h. nicht pejorativ gebraucht. Meist aber unterstellt man dem anderen, ein Ideologe zu sein, d.h. nun pejorativ gebraucht. So etwas führt nicht weiter. Eines ist aber gewiß, so oder so: „Ideologie“ ist keine Geschmacksfrage, sondern, wenn man also nicht auf einen anderen weist, um ihn der „Ideologiererei“ zu bezichtigen, eine Frage der Weltsicht. (Nun gut, mag ja sein, daß „Weltsicht“ für manche eine Geschmacksfrage ist: „Politik mal anders“ bewerben ja auch die „Piraten“, sozusagen – realiter dann doch nur optische Täuschung.) Hilfreich ist somit eine „Ideologie“, die die reale Welt im Zusammenhang wahrnehmen läßt.

            Nun noch ein kleines Wort zu Heiner Flassbeck. Ist Flassbeck ein Ideologe (jetzt im tendenziösen Sinne gebraucht)? Ist er gar ein linker Ökonom? Eigentlich nicht. Heiner Flassbeck ist Ökonom. Abgesehen davon, daß er humorig ist, die freie Rede beherrscht und einen offenen Geist hat, also kultiviert ist.

            … dafür deutlich besser belegt: …

            Ha, ha! Der (ungewollte Witz – [Humor ist eben vielfach Glückssache]) ist wirklich gut! … Schon mal die Frage reflektiert: An wen wendete sich Flassbeck und an wen wendete sich Sinn?!

            Interessieren würde mich jetzt noch: Wo sehen Sie argumentativ das Gleiche bei Flassbeck und Sinn, und wo sehen Sie das, „für ihren Geschmack“ Ideologische an Flassbecks Aussagen, Herr Magicdrummer? Okay, er gebraucht so alberne Sprüche wie „Schuldensünder“ oder „aus der Eurozone schmeißen“ nicht – die gebraucht Herr Sinn. Aber werden dadurch, daß Flassbeck das nicht tut, seine Aussagen schon „ideologisch“?

            Und erzählen Sie mir doch bitte von Ihrer „linken Sicht“, Sie schreiben ja:

            … Wenn uns quasie “der Feind” so wertvolle Information verschafft, aus der es auch eine linke Lösung gibt, warum habe ich hier nur noch das Gefühl irgendwelche SPD-Träumereien zu lesen.

            Das weiß ich übrigens auch nicht, Herr Magicdrummer, was sie für Gefühle haben: oder sind die für Sie auch einen … Geschmacksfrage. Und welche ideologische Brille („nach Ihrem Geschmack) haben Sie auf, wenn Sie von „Feind“ (wenn auch in An- und Abführungszeichen gesetzt, aber „linke Lösungen“ setzten Sie ja nicht in solche) sprechen?
            Und seien Sie gewiß, Herr Magicdrummer, ich kann mit der SPD nichts anfangen. Ich argumentiere auch nicht „ideologisch“ (im tendenzösen Sinne). Zwar habe ich schon mal in einem anderen Threat einen kleinen Einblick gegeben, in das, was ich für richtig hielte. Allerdings bin ich kein Utopist – mir reichte es schon, erkennte man die Notwendigkeit eines Sozialen Rechtsstaates an – übrigens im Interesse einer arbeitsteiligen Wirtschaft: i.e. Marktwirtschaft. ;)))

            Mit freundlichen Grüßen, Joachim Endemann

          • Joachim Endemann schrieb am 9. September 2012 um 23:23 - Permalink

            @ Magicdrummer schrieb am 9. September 2012 at 20:53

            … Sinn … sagt das gleiche wie Flassbeck nur weniger ideologisch (zumindest für meinen Geschmack), dafür deutlich besser belegt: …

            Wußte noch gar nicht, daß „Ideologie“ eine Geschmacksfrage ist. Für mich ist „Ideologie“ eine Orientierungsweise, d.h. nicht pejorativ gebraucht. Meist aber unterstellt man dem anderen, ein Ideologe zu sein, d.h. nun pejorativ gebraucht. So etwas führt nicht weiter. Eines ist aber gewiß, so oder so: „Ideologie“ ist keine Geschmacksfrage, sondern, wenn man also nicht auf einen anderen weist, um ihn der „Ideologiererei“ zu bezichtigen, eine Frage der Weltsicht. (Nun gut, mag ja sein, daß „Weltsicht“ für manche eine Geschmacksfrage ist: „Politik mal anders“ bewerben ja auch die „Piraten“, sozusagen – realiter dann doch nur optische Täuschung.) Hilfreich ist somit eine „Ideologie“, die die reale Welt im Zusammenhang wahrnehmen läßt.

            Nun noch ein kleines Wort zu Heiner Flassbeck. Ist Flassbeck ein Ideologe (jetzt im tendenziösen Sinne gebraucht)? Ist er gar ein linker Ökonom? Eigentlich nicht. Heiner Flassbeck ist Ökonom. Abgesehen davon, daß er humorig ist, die freie Rede beherrscht und einen offenen Geist hat, also kultiviert ist.

            … dafür deutlich besser belegt: …

            Ha, ha! Der (ungewollte Witz – [Humor ist eben vielfach Glückssache]) ist wirklich gut! … Schon mal die Frage reflektiert: An wen wendete sich Flassbeck und an wen wendete sich Sinn?!

            Interessieren würde mich jetzt noch: Wo sehen Sie argumentativ das Gleiche bei Flassbeck und Sinn, und wo sehen Sie das, „für ihren Geschmack“ Ideologische an Flassbecks Aussagen, Herr Magicdrummer? Okay, er gebraucht so alberne Sprüche wie „Schuldensünder“ oder „aus der Eurozone schmeißen“ nicht – die gebraucht Herr Sinn. Aber werden dadurch, daß Flassbeck das nicht tut, seine Aussagen schon „ideologisch“?

            Und erzählen Sie mir doch bitte von Ihrer „linken Sicht“, Sie schreiben ja:

            … Wenn uns quasie “der Feind” so wertvolle Information verschafft, aus der es auch eine linke Lösung gibt, warum habe ich hier nur noch das Gefühl irgendwelche SPD-Träumereien zu lesen.

            Das weiß ich übrigens auch nicht, Herr Magicdrummer, was Sie für Gefühle haben: oder sind die für Sie auch eine … Geschmacksfrage. Und welche ideologische Brille („nach Ihrem Geschmack) haben Sie auf, wenn Sie von „Feind“ (wenn auch in An- und Abführungszeichen gesetzt, aber „linke Lösungen“ setzten Sie ja nicht in solche) sprechen?
            Und seien Sie gewiß, Herr Magicdrummer, ich kann mit der SPD nichts anfangen. Ich argumentiere auch nicht „ideologisch“ (im tendenzösen Sinne). Zwar habe ich schon mal in einem anderen Threat einen kleinen Einblick gegeben, in das, was ich für richtig hielte. Allerdings bin ich kein Utopist – mir reichte es schon, erkennte man die Notwendigkeit eines Sozialen Rechtsstaates an – übrigens im Interesse einer arbeitsteiligen Wirtschaft: i.e. Marktwirtschaft. ;)))

            Mit freundlichen Grüßen, Joachim Endemann

            • Magicdrummer schrieb am 11. September 2012 um 01:34 - Permalink

              Auch beim zweiten Posting erkenne ich in ihrem Text nur, dass sie keine Argumente und den Vortrag nicht verfolgt haben. Schuldensünder aus der Eurozone zu werfen ist CSU-Denken, was ja von Sinn als finanziell viel zu teuer entlarvt wird. Deutschland exportiert Waren gegen die eigene Euros und Sinn ist sich da mit Flassbeck einig, dass mehr Importe schlauer wären, da der Euro mit nichts gedeckt ist. Wenn mir jemand 100 Euro schuldet und ich leihe ihm noch mal 100, habe ich nichts bei gewonnen, wenn er 30 Euro tilgt und mir für 70 Euro was abkauft.

            • Joachim Endemann schrieb am 11. September 2012 um 23:41 - Permalink

              @ Magicdrummer

              Auch beim zweiten Posting …

              Das zweite war nicht beabsichtigt – das Upload dauerte ungewöhnlich lang, so nahm ich noch zwei kleine grammatische Glättungen vor und klickte dann auf „Kommentar abgeben“, das führte zur Doppelung.

              „Schuldensünder“

              (der Gebrauch des „Begriffs“ ist Ausdruck für ein ausgetrocknetes Hirn) fällt irgendwo zu Beginn (8., 9. oder 10.‘ – und ohne Bezugnahme auf die „CSU“).

              „Aus der Eurozone schmeißen“

              kommt gegen Ende des Sinn‘schen Sermons, also dort, wo seine „Lösungsvorschläge“ versteckt sind.

              Für mein Verständnis ist insbesondere der Gebrauch solcher „Begriffe“ bezeichnend: sie sagen alles über die ideologische Ausrichtung desjenigen aus. Und gebraucht jemand solche in seiner Rede (ohne sie kenntlich zu machen), sinkt bei mir die Neigung gegen null, denjenigen ernst zu nehmen.
              Das heißt dessen „Ideologie“ funktioniert nur unter der Voraussetzung, daß diese durch „Leitplanken“ eingehegt ist. Fehlen solche (und in der lebendigen Praxis fehlen solche immer!), läuft dessen Ideologe in die Irre. Die Frage ist dann: Wer läuft mit? Ein paar „Leitplankenbedürftige“ bloß, oder gar ganze Volkswirtschaften?

              Ein Internet-Kommentar gibt relativ treffend wieder, wo ich Leute à la Sinn verorte:

              Man muss schon negativ eingestellt sein um Herrn Sinn verstehen zu können. Die grundlegende Frage zu diesem Themenkreis betrifft […] alle sogenannten Finanzexperten, die immer hinterher wissen wie etwas hätte vermieden werden können. Wo waren denn die Warnungen von Herrn Sinn vor der Finanzkrise? Ich habe rund zwanzig Jahre im Finanz- und Kapitalanlage-Bereich als Systemberater gearbeitet und keine Warnungen wahrnehmen können. Nach dem Zusammenbruch vieler Banken waren die Experten plötzlich da und haben […] genau “gewusst” warum es dazu kommen musste. Das konnte ich aber dann auch.

              Wer konstruktive Lösungen nicht mag (und solche haben Leute à la Flassbeck zu bieten, nicht solche à la Sinn, die können bloß eins: auf andere als die „schuldigen Sünder“ weisen) stelle sich schon mal auf destruktive ein:

              … ich plädiere jetzt für eine schockartige Auflösung der EWU. Oder dafür, daß Deutschland die EWU sofort verläßt (dessen Machtelite hat nichts aus Fehlern gelernt und wird offensichtlich niemals aus Fehlern lernen). Alles andere ist chronifiziertes Siechen eines der besten Wirtschafts- und Lebensräume der Welt!

              Denn lieber Schrecken mit, als Schrecken ohne Ende. Und was macht man dann? – Mein Tip: Kragen hochschlagen.

              Mit keineswegs freundlichen Grüßen, Joachim Endemann

          • Spiegelfechter schrieb am 10. September 2012 um 09:01 - Permalink

            Ja, der große Professor Sinn *hüstel*
            Nach dem, was Du hier so schreibst, wundert es mich nicht, dass Du ihn für “nobelpreisverdächtig” hältst ;-)

            Wagenknechts populistischer Ausflug wird nicht unkommentiert bleiben – aber da bin ich fair und warte erst einmal ab, was sie zu ihrer Verteidigung vorbringt. Ich schließe es zumindest aus, dass sie selbst glaubt, was sie da in den letzten Wochen so von sich gibt.

            • Magicdrummer schrieb am 10. September 2012 um 20:18 - Permalink

              Ohne die Analyse von Herrn Sinn würden die Kosten eines Euro-Austritts sicherlich deutlich geringer eingeschätzt und es gäbe viel mehr Befürworter. Dank Sinn kann man das Gerede von Herrn Hankel als unverantwortlich abqualifizieren und da die Targetsalden dank ihm doch halbwegs bekannt sind, wird diese Meinung auch kaum mehr vertreten. Da gab es schon für viel weniger einen Nobelpreis in Ökonomie. Er seziert die Ungleichgewichte im Euroraum mit mehr als genug Zahlenmaterial, welches für sich selbst spricht und jeder kann eigene Schlüsse ziehen. Wer Sinn ignoriert, sollte jedenfalls besser die Klappe halten.

              Wagenknecht weiß nunmal auch zu gut, das ihr Ziel von Sozialstaat nur mit wirtschaftlicher Stärke und viel Geld finanzierbar wäre und das jede Milliarde an Eurorettungsgeld dann in diesem Lande fehlt. Die Kosten der HRE-Rettung wird heute auf deutlich über 20 Mrd. Euro geschätzt, echtes Steuergeld. Aber das wird noch ein Witz im Vergleich zur Euro-Rettung, gerade was da noch im Bezug auf Spanien und Italien auf uns zurollt. Und es gibt auch genug begründete Zweifel ob diese ganzen Rettungsmaßnahmen überhaupt ihren Zweck erfüllen und nicht sogar das Gegenteil. Das sieht doch zu sehr nach Benzin als Löschmittel aus und wenn die Bürgschaften dann auch mal fällig werden, wird es ungemütlich in Deutschland.

            • Mod schrieb am 10. September 2012 um 22:00 - Permalink

              “Er seziert die Ungleichgewichte im Euroraum mit mehr als genug Zahlenmaterial”

              das werde ich ihnen und dem Herrn Sinn Morgen widerlegen, hatte schon bei erster Sichtung des Videos Beklemmung angesichts der, oder besser seinen Zahlen und wer Sinn ignoriert ist zumindest Unabhängig bei Sinnen. Also bis Morgen, schlafen sie gut!

          • Mod schrieb am 10. September 2012 um 13:23 - Permalink

            Nobelpreise haben auch Arafat und Kissinger bekommen, die Toten die denen zum Opfer vielen würden die Preisvergabe evt. anders betrachten? Mahatma Ghandi hat dagegen noch keinen bekommen, muss wohl an den Regeln für die Vergabe des Nobelpreises liegen. Die Leistungen des H.W.Sinn sind zwar nicht direkt Tödlich, nur dümmlich und er wäre tatsächlich Prädestiniert für einen Preis. Der Gauck zum Beispiel bekommt bestimmt auch noch einen Preis falls er noch Platz zwischen den anderen Preisen hat, Geiz ist Geil und billig liegt im Trend.

            Das Video für Umsonst erfüllt seinen Zweck, viel Rauch um nichts und jemand der den deutschen Unternehmen im Ausland zugesteht über Umweltverschmutzung den Profit zu steigern, wird an den sozialen Standards wie Kinderarbeit bestimmt auch nichts zu bemängeln haben. Er (H.W.Sinn) wird ja auch von Industrie und Wirtschaft bezahlt, zum Video kann ich nur nochmals darlegen das Sinn mit keinem Wort die Namen der Bankräuber oder den Tathergang benennt, heiße Luft für auch Umsonst, denn sonst wäre der Lösungsweg erkennbar. Ist wie die aktuelle Diskussion über die Rente, Volksverarschung.

          • schwitzig schrieb am 10. September 2012 um 18:20 - Permalink

            @Magicdrummer

            einzig geniale Analyse zur Eurokrise hat Hans Werner Sinn gebracht, absolut nobelpreisverdächtig.

            Naja, Alfred Nobel musste mit seinem Namen ja auch schon für Wirtschafts”wissenschaften” herhalten – einer Wissenschaft, die er nicht für eine Wissenschaft hielt.
            Vielleicht gibt’s ja demnächst auch den Nobelpreis für Widerwärtige Mietmäuler. Da ist die Sinnkrise sicherlich ganz vorne dabei.

          • cervisia buxum schrieb am 10. September 2012 um 22:46 - Permalink

            Du meinst jetzt aber nicht diesen Hans Werner Sinn?

            http://wirtschaftswunder.ftd.de/2012/07/05/schlimmste-stammtischokonomie/

            http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/ezb-bailout-hans-werner-sinns-steile-these/4277154.html

            • T-Fighter schrieb am 11. September 2012 um 00:03 - Permalink

              Storbeck (von dem ich mal absolut gar nichts halte und diejenigen, die was von ihm halten, für Idioten halte) hat in seinem Beitrag anscheinend den Target2-Mechanismus nicht verstanden. Schlechtes Beispiel.

              Der zweite Artikel ist wiederum nutzlos. Der Ökonomenaufruf bezog sich auf die gemeinsame Haftung der europäischen Banken und nicht die Gläubigerbeteiligung, für die auch die Kritiker sind.

              Genialer “Konter”.

              Haha.

            • T-Fighter schrieb am 11. September 2012 um 00:14 - Permalink

              Sorry für den Ton. Aber Olaf Storbeck hat in der gesamten Target2-Diskussion und seine Kritik zum Ökonomenaufruf auf seinen Blog so dermaßen versagt, dass ich bei der Erwähnung des Namens die Krise kriege..

            • cervisia buxum schrieb am 11. September 2012 um 09:31 - Permalink

              Ich vermute mal, du blendest leider einfach die dir unerwünschten Aspekte aus. Selbst wenn Storbeck ein Idiot sein sollte, es bleibt die Tatsache, dass Sinn für die Aussagen rund um Target, um die es im von Magicdrummer verlinkten Video geht, international zerrissen wurde, und zwar von allen möglichen Ökonomen.

              Der Ökonomen-Aufruf mag evtl. nicht direkt etwas mit Target zu tun haben, dennoch hat sich Sinn auch hier wieder richtig in die Nesseln gesetzt.

              Ich erinnere mich dunkel an einen Skandal rund um ein Buch von ihm, in dem er in einer zentralen Grafik Exporte und Importe vertauscht hatte und im Text aber dennoch auf genau diese Grafik Bezug nahm. Das ist unter Ökonomen sicherlich ganz großes Aua Aua Aua. Ich stelle mir das so vor, als würde ein Informatiker bei Hexadezimalzahlen mit dem Wert 0xG rechnen. Oder als würde ein Bäcker versuchen, mit Mörtel ein Brot zu backen. Und dieser Mann spielt sich als die große Kapazität für solche Themen auf und füllt Vorträge, die in mehrere Hörsäle übertragen werden müssen, um die Zahl der Hörer abzufangen. Von den ständigen Fernsehauftritten ganz zu schweigen.

              Mit anderen Worten: Ich möchte hier gerne den Ruf Sinns demontieren, den er ganz offensichtlich zu unrecht trägt.

            • schwitzig schrieb am 11. September 2012 um 10:09 - Permalink

              OT: @cervisia buxum

              Oder als würde ein Bäcker versuchen, mit Mörtel ein Brot zu backen.

              Völlig OT, aber da musste ich doch glatt an den Scherz in Berlin denken, wo 2006 ein paar kreative Künstler eine runde Betonkugel wie einen Fußball anmalten und Fußballbegeisterte Mitbürger diesen vermeintlichen Fußball seiner Bestimmung zuführen wollten … :-)

            • Mod schrieb am 11. September 2012 um 12:43 - Permalink

              gebrochene Knochen das Ende?, die Prognose das der auferlegte Sparkurs genau das Gegenteil erreicht, ist auch in China angekommen:

              “Dem Exportweltmeister macht die Schwäche der Europäischen Union zu schaffen, seinem wichtigsten Handelspartner. Dort stecken viele Länder wegen der Schuldenkrise in der Rezession – also das BIP geht zurück, statt zu wachsen.”

              Griechenland konnte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal erneut um knapp 25% senken, Quelle junge Welt.

            • HHarlekin schrieb am 11. September 2012 um 13:43 - Permalink

              @cervisia buxum
              Zu SINN-Krisen und anderen ideologischen Warmluft-Spendern:

              Der Sinn hatte vor rund 10 Jahren seine dicke Schwarte “Ist Deutschland noch zu retten?” auf den Markt geworfen. Darin war diese legendäre Import-Export-Verwechslung enthalten.
              Bofinger hat das damals genüßlich aufbereitet. ;-)

              Die Nachdenkseiten haben später vielfach Bezug darauf genommen.

              Damit hatte sich “Deutschlands klügster Professor” (BILD) in der eigenen Branche auf breiter Front lächerlich gemacht.
              In diesem Buch stand aber noch sehr viel mehr indiskutables Zeug, z. B. seine These, daß es in “auf den Binnenmarkt überhaupt nicht ankomme”, sowie ausführlich vorgetragene menschenverachtende GeSINNung, wie weg mit dem Sozialsystem, weg mit den Gewerkschaften, und “jeder müsse für jeden Lohn arbeiten, so niedrig er auch sei, denn die Lohnhöhe würde am Markt gebildet” … etc … (Seine Thesen hatten damals als neoliberaler Lautsprecher auch Einfluß auf Schröders “Agenda 2010″)

              Ich weiß seit Lektüre dieses Buches, wie ich Sinn einzuschätzen habe. Diese ganzen kruden Thesen, die er damals für Deutschland postulierte, hat er mittlerweile auch schon mehrfach für Europa recycelt … usw … usf …

              Sinn ist vor allem ein wirtschaftsliberaler Ideologe. Wenn man sich das klar macht, weiß man auch so manche (scheinbare) Kehrtwende richtig einzuordnen.

              Nobelpreis für Sinn? Ich lach mirn Ast! :-D

              Grüße

          • Joachim Endemann schrieb am 10. September 2012 um 23:47 - Permalink

            Noch ein Wort zu TARGET2 und ein paar abschließende Anmerkungen:

            Äußerung der Bundesbank zur sogenannten Taget2-Problematik

            Monatsbericht der Bundesbank für 03/2011:

            [Kasten auf Seiten 34f.]

            Die Entwicklung des TARGET2-Saldos der Bundesbank

            Im vergangenen Jahr sind die grenzüberschreitenden Forderungen
            der Bundesbank, zu denen statistisch auch die
            Forderungen an die EZB rechnen, transaktionsbedingt um
            netto 163 Mrd € gestiegen. Ein wesentlicher Teil davon,
            nämlich 147½ Mrd €, ging auf eine Ausweitung des TARGET2-
            Saldos zurück. Ende 2010 belief sich der Forderungsbestand
            der Bundesbank aus TARGET2 auf 325½ Mrd €. Dieser besteht
            ausschließlich gegenüber der EZB.
            Auffällig ist, dass ein systematischer und außerordentlich starker
            Anstieg der TARGET2-Forderungen bei der Bundesbank erst
            2007 eingesetzt hat.
            In den Jahren davor wiesen die deutschen
            TARGET2-Positionen im Verlauf wechselnde Vorzeichen auf und
            hielten sich überwiegend in einem überschaubaren Rahmen.
            …

            Ursache für den Anstieg

            Der steile Anstieg des TARGET2-Saldos der Bundesbank seit 2007 ist maßgeblich auf die Anspannungen am Geldmarkt und die
            Probleme im Bankensektor innerhalb des Euro-Raums zurückzuführen.
            In den Jahren vor der Finanzkrise haben sich die
            grenzüberschreitenden Zahlungen Deutschlands weitgehend
            ausgeglichen.
            In der Zahlungsbilanz fungierte insbesondere
            die (kurzfristige) Netto-Auslandsposition der Kreditinstitute als
            eine Art „Ausgleichsventil“. Da wegen der Überschüsse in der
            Leistungsbilanz und häufigen Netto-Kapitalimporten im Wertpapierverkehr
            regelmäßig die Zahlungseingänge überwogen,
            waren im kurzfristigen Kreditverkehr der Banken in den meisten
            Jahren Mittelabflüsse (Netto-Kapitalexporte) zu verzeichnen.
            Kurzfristig auftretende TARGET2-Postionen bauten sich somit
            durch private Kapitalflüsse rasch wieder ab.
            Dies änderte sich in der Finanzkrise. Während deutschen Banken
            durch den Zahlungsverkehr der Nichtbanken und eigene
            Geschäfte der Tendenz nach weiter Gelder aus dem Ausland
            zuflossen, waren sie krisenbedingt weniger bereit und teilweise
            auch nicht in der Lage
            , diese am Interbankenmarkt an ausländische
            Institute auszuleihen. Statt dessen führten sie – jedenfalls
            im Aggregat – nach und nach ihre Refinanzierungsgeschäfte bei
            der Bundesbank zurück. Lag beispielsweise das auf deutsche Institute
            entfallende Refinanzierungsvolumen Anfang 2007 noch
            bei 250 Mrd €, so ist diese Position bis Ende 2010 auf 103 Mrd €
            zurückgegangen. Umgekehrt erhalten Banken in einer Reihe
            anderer EWU-Länder seitdem verstärkt Zentralbankgeld über
            das Eurosystem.
            Die bei den nationalen Zentralbanken aufgelaufenen
            TARGET2-Salden spiegeln demnach auch die seit dem Beginn
            der Finanzkrise
            veränderte Verteilung der Refinanzierungsgeschäfte
            im Euro-Raum wider. Erleichtert wurde dies durch die
            reichliche Liquiditätsbereitstellung des Eurosystems infolge der
            Vollzuteilung aller Gebote in den Refinanzierungsgeschäften
            seit Oktober 2008, die zum Ziel hatte, den Verwerfungen am
            Geldmarkt entgegenzuwirken. Eine darüber hinausgehende
            Liquiditätsschaffung durch TARGET2 ist aber nicht möglich, da
            das in sich geschlossene System lediglich der Übertragung von
            Liquidität dient.

            Die Salden werden sich in dem Maße wieder abbauen, in dem
            die Anspannungen an den Geldmärkten abklingen und sich die
            Lage in den nationalen Bankensystemen entspannt
            . Allerdings
            ist die Unsicherheit insbesondere in den Peripherieländern der
            EWU immer noch groß, sodass eine rasche Rückführung derzeit
            nicht zu erwarten ist.

            Risiken aus der TARGET2-Forderung

            Für die Bundesbank ergibt sich aus dem Anstieg ihrer TARGET2-
            Verrechnungssalden unmittelbar keine Veränderung ihrer Risikolage.
            Diese ist unabhängig von den TARGET2-Postionen und
            ergibt sich durch die in der Liquiditätsbereitstellung des Eurosystems
            enthaltenen Risiken.
            Durch die Ausweitung der Refinanzierungsgeschäfte
            und die Anpassungen im Sicherheitenrahmen
            während der Finanzkrise ist das Eurosystem insgesamt gesehen
            zwar durchaus zusätzliche finanzielle Risiken eingegangen; dies
            geschah jedoch durch eine bewusste Entscheidung des EZB-Rats,
            um die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems unter erschwerten
            Bedingungen zu erhalten.
            Ein Verlustfall tritt nur dann ein, wenn ein Geschäftspartner des
            Eurosystems ausfällt
            und die von ihm hinterlegten Sicherheiten
            bei ihrer Verwertung trotz der vom Eurosystem angewandten
            Risikokontrollmaßnahmen nicht den vollen Wert der damit abgesicherten
            Refinanzierungsgeschäfte einbringen. [Der Verlustfall] trifft immer
            das Eurosystem als Ganzes, unabhängig davon, bei welcher
            nationalen Zentralbank er sich materialisiert.
            Die Lasten eines
            solchen Ausfalls würden entsprechend dem Kapitalschlüssel auf
            die nationalen Zentralbanken verteilt. Mit anderen Worten: Die
            Risikoposition der Bundesbank wäre unverändert, wenn der
            ausgewiesene positive Verrechnungssaldo aus TARGET2 nicht
            bei der Bundesbank, sondern in gleicher Höhe bei einer anderen
            Notenbank des Eurosystems anfiele.

            Quelle: Bundesbank Monatsbericht 3/11

            Fettungen und in eckige Klammersetzungen von mir.

            Das heißt eine Währungsunion ist eine Währungsunion und eine Finanzkrise ist eine Finanzkrise.
            Wer die Bedingungen für das lege-artis-Funktionieren einer solchen Union bei ihrer Einführung ignoriert, wird früher oder später mit den aus dieser Ignorierung resultierenden Konsequenzen konfrontiert – da kann’er noch so jammernd von sich weg auf, z.B., die „Griechen“ weisen.

            Und wer nicht die richtigen Konsequenzen aus dem Offensichtlichgewordensein der Finanzkrise 2007 ziehen wollte (zur Erinnerung: insbesondere Deutschland war es, das eine nationalstaatliche und keine EWU-weite Rettung der Banken wollte – und das in einer Währungsunion – [bei einer solchen Krise!]), darf sich nicht wundern, wenn ihm der ganze (wesentlich mit zu verantwortende) Klumpatsch vor die Füße gekippt wird – wenn’s zum schließlichen Scheitern der EWU kommt!

            Noch einmal:

            > … Der steile Anstieg des TARGET2-Saldos der Bundesbank seit 2007 ist maßgeblich auf die Anspannungen am Geldmarkt und die
            Probleme im Bankensektor innerhalb des Euro-Raums zurückzuführen.
            In den Jahren vor der Finanzkrise haben sich die grenzüberschreitenden Zahlungen Deutschlands weitgehend ausgeglichen. …

            Das heißt die Fehlkonstruktion der EWU und die Finanzkrise sind die primären Probleme – die Staatsverschuldung ist sekundär. Das heißt ich löse primäre Probleme nicht durch Sparabsicht in einem sekundären Problemfeld, verstärke sie aber, entpuppt sich eine solche Sparabsicht als Verschuldungsturbo!

            Kann es da noch die Frage sein, wer die nächsten 20 Jahre schweigen sollte?

            ^Jo_Cit^

          • Mod schrieb am 11. September 2012 um 10:23 - Permalink

            Die Krise ist Zum Teil eine Staatsverschuldung zum anderen eine Sektoren-Verschuldung der Industrien

            Das Zocken auf dem Bau und Immobiliensektor in Spanien hatte ich schon beschrieben, der Spiegelfechter brachte das auf die richtige Größe:

            http://www.spiegelfechter.com/wordpress/8294/spanien-und-die-brandstifter-eine-hausgemachte-krise

            Sinnsche ungefähre Originalzitate in Kursiv,

            darauf folgen; 25% Zinsen für Staatsanleihen in Griechenland 1990 -2005.

            Aber zurück auf Los,

            Der Euro-Rat (90ger Jahre) beschließt: “2002 kommt der Euro” – 1997-98 Festlegung der Umrechnungskurse, 1998 virtuelle Einführung des Euros, 2002 Euroeinführung und die Renditen für Staatsanleihen in Griechenland zielen ab 2009 auf über 30%. Griechenland kam als Nachzügler 2001 in die EU..

            Wenn die Zinsen für Griechenland 1990 schon bei 25% lagen, weshalb sind 30% in 2009 ein Problem?, es wird zu einem Problem weil Herr Sinn die Gründe für die immense Verschuldung Griechenlands verschweigt, wenn Zocker zocken und da wurde gezockt damit die Beitrittskriterien erfüllt wurden und die Rückzahlung der Kredite von Privat-Banken für und von Griechenland in weiter Ferne gelegt und die Raten auf dem Papier Minimal waren, was dann schließlich zu den Beitrittskriterien führte.

            Besonders Sinnig ist dieser Satz,

            Wenn die Lasten zu Groß sind dann glauben die Kapitalmärkte das die Schulden nicht zurückgezahlt werden

            Glauben die Kapitalmärkte das wirklich?, dann müssen wir die Regeln ändern und die Aufsichtsinstrumente wieder aktivieren die vorher auch Erfolgreich waren, weshalb die Abgeschafft wurden erschließt sich nur, – wenn wir es Bankraub nennen.

            Diese Zinskonvergenz waren verlockend man kann sich natürlich prima Verschulden” (..) “die Staatsausgaben wachsen weil mehr Staatsbedienstete eingestellt wurden und die Gehälter wurden erhöht

            Die Staatsausgaben in den verschuldeten Ländern sind also Gewachsen weil mehr Staatsbedienstete eingestellt wurden oder die Gehälter erhöht wurden? Das ist Lächerlich wie die Rüstungsindustrie in G beweist und Aktuell sind die Probleme bei der Erhebung von Steuern in diesem Land unverändert. Weshalb die Verantwortlichen für den enormen Rüstungshaushalt in G noch nicht Eingesperrt wurden, oder die Verkäufer von Rüstung aus Deutschland das Ritterkreuz bekommen, wir werden es (womöglich nie) erfahren.

            Entente Cordiale, Nachgetragen: Wir sind wieder wer.

            “Die von der DGAP gewählte Bezeichnung “Entente Cordiale” verweist auf das Bündnis, das Frankreich und Großbritannien 1904 schlossen, um – mit Blick auf das bedrohlich erstarkende Deutsche Reich – ihre globalen Interessen abzugleichen und sich in Europa gemeinsam gegen die zunehmende deutsche Dominanz zur Wehr zu setzen. Das neue französisch-britische Bündnis resultiert aus der Erkenntnis, dass die europäische Politik mittlerweile maßgeblich von Berlin diktiert wird.(..) dabei kann Paris gegen Berlin immer weniger bestehen. Dies gilt nicht nur für die Waffenproduktion, sondern auch für die militärische EU-Interventionspolitik.”

            http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58422

    3. R_Winter schrieb am 7. September 2012 um 14:00 - Permalink

      Wieder keine Lösung der Euro-Krise. Das OMT-Programm verlängert das Leben eines zu Tode geweihten, bis die Banken auch das letzte Blut aus den Adern gesaugt haben, nur verkennen sie, das sie dann selber sterben werden.

      Da fragt man sich, ob die Herren Journalisten überhaupt gelesen und verstanden haben, was die EZB plant. Statt den Leser aufzuklären, wird er lieber generalstabsmäßig verdummt und – was noch schlimmer ist – verängstigt.

      Warum sollte die Mehrzahl der Journalisten geistig mehr im Kopf haben, als die Politiker der Regierungsparteien und die der Durchwinkparteien SPD + Grünen?

    4. Vogel schrieb am 7. September 2012 um 14:45 - Permalink

      ist es der EZB auch beim OMT-Programm nur gestattet, Anleihen am Finanzmarkt, also am Sekundärmarkt, zu kaufen.

      Also die Phynanzer bleiben weiter vorne im Boot und machen sich risikolos die Taschen voll. Alles bleibt weitestgehend beim Alten *uff_Schweiß_von_der_Stirn_wisch* … dann iss ja lles gut!

      • Spiegelfechter schrieb am 7. September 2012 um 15:28 - Permalink

        Eingeschränkt. Es lohnt sich nun nicht mehr auf fallende Kurse bei Anleihen der Schutzschirm-Länder zu wetten.

    5. Vogel schrieb am 7. September 2012 um 15:02 - Permalink

      @Jens
      Wenn das stimmt (daran sollte kaum Zweifel bestehen):

      Diese Konditionalität, die direkt aus der Feder der Bundesbank zu stammen scheint, …

      dann könnte auch stimmen:

      … Enttäuschung der Finanzmärkte, die sich eine Politik in ihrem Sinne, d.h. ein Anwerfen der Notenpresse nach amerikanischem Vorbild, erhofften und von Frau Merkels ewigem Zögern wieder einmal enttäuscht worden seien. Frau Merkel habe allein die deutschen Interessen im Blick und mache daher den Aufkauf der Staatsschulden durch die Europäische Notenbank von Auflagen abhängig, die de facto auf ein deutsches Diktat gegenüber den Ländern Südeuropas hinauslaufen würden. Auf diese Weise versuche Deutschland die Niederlage des letzten Krieges durch den Einsatz seiner übermächtigen Wirtschaft wettzumachen, um das nie aus den Augen verlorene Ziel auf diese Art zu erreichen: die Einigung Europas nach deutschem Diktat und Willen.

      (von hier, Hervorhebung von mir)

      Bleibt es also bei “unserem” €uro?

      • Spiegelfechter schrieb am 7. September 2012 um 15:31 - Permalink

        Der zitierte Satz ist schon korrekt – ja. “Unser” €uro ist gehört genau so “uns”, wie “unsere” D-Mark. So what? Es geht nicht um technische Fragen, sondern ums Allgemeinwohl.

        • Vogel schrieb am 7. September 2012 um 15:42 - Permalink

          Dein zitierter Satz ja selbstverfreilich … und das “unser” €uro bezog sich auf das zweite Zitat: Unser €uro als unser Kampfinstrument.

          Und jetzt: So what?

          • Spiegelfechter schrieb am 7. September 2012 um 15:54 - Permalink

            Nee, ich meinte schon den zweiten von Dir verlinkten und fett markierten Satz, obgleich mir nicht klar ist, ob der Autor hier Friedman zitiert oder seine eigene Interpretation weitergibt. Wie dem auch sei – am Rest des verlinkten Artikel stimmt einiges nicht, aber ich habe jetzt Wochenend *g* und mache mir nicht die Mühe, das haarklein zu begründen ;-)

            • Vogel schrieb am 7. September 2012 um 17:13 - Permalink

              Okee, Jens, dem WoE geschuldet, Du hast nur quer gelesen ;-)

              Die, auch in meinen Augen, falschen Aussagen des Autors sind seine Wiedergabe der Stratfor/Friedman, also deren/dessen Argumente. Wenn ich den Autor richtig verstehe, sagt er doch im Wesentlichen
              das, was Du hier auch sagst – nicht zu letzt auch dort, wo er Freidman recht gibt -, wenn auch mit tlw. anderen Argumenten bzw. anderen Aspekten … denen jeweils noch eine ganze Menge zuzufügen ist
              – aber dann wäre der Post ein Buch geworden.

              Gegen die Feststellungen …

              So wurde seit den 90er Jahren das Einverständnis zwischen Nord- und Südeuropa zerstört. Denn der Handel ist seitdem nicht länger für alle Beteiligten gleich vorteilhaft. Die Deutschen haben gewonnen,
              was der Süden verlor. Dieser muss ihnen für ihre Industrieprodukte nun immer mehr durch die globale Konkurrenz entwertete Waren liefern. Der ökonomische Sinn der Gemeinschaft ist außer Kraft
              gesetzt, nämlich die allmähliche Angleichung der Einkommen und materiellen Lebensbedingungen. Mögen George Friedmans Anwürfe gegen Deutschland auch noch so anrüchig sein, ich sehe nicht, wie
              man Deutschland von der Schuld freisprechen kann, durch seinen unbedachten Eintritt in den Globalisierungsprozess – also seine leichtfertige Nachahmung des von den USA vorgegebenen
              Wirtschaftsmodells – die Einheit Europas in Frage gestellt zu haben. [...] Es ist die deutsche Exportpolitik, welche den ökonomischen und damit letztlich auch den politischen Sinn der Union beschädigt.
              Erst dadurch erhält auch die Schuldenmisere ihr ganzes Gewicht, denn die einbrechenden Einnahmen der südlichen Länder machen es diesen so gut wie unmöglich, die Schuldenlast zu begrenzen. Die
              gemeinsame Währung wäre heute nicht in so akuter Gefahr, hätte ein unbeschränkter Freihandel die Länder des Südens nicht dem Druck der globalen Märkte ausgesetzt und sie dadurch immer weiter
              ins Hintertreffen gebracht. [...] Statt sich der US-amerikanischen Liberalisierung anzuschließen, hätte das nördliche Europa seine südlichen Nachbarn durch Zölle schützen müssen. Natürlich hätte
              Deutschland dann auch mit einer Beschränkung seiner eigenen außereuropäischen Exporte rechnen müssen. Aber damals wäre davon nur ein Viertel des deutschen Außenhandels betroffen gewesen.
              Das war und ist der Preis, den der Norden für die europäische Einheit erbringen muss. Bis heute hat Deutschland diesen Preis nicht zahlen wollen.

              … kann man imho nur wenig einwenden, oder? Es interessiert mich, was Du dazu sagst. Es ist ja nicht nur der Wegfall aller vernünftigen Kontrollmechanismen über die Phynanzer und die Banken, imho also zum Thema gehörig.

    6. Karl Heinrich schrieb am 7. September 2012 um 16:27 - Permalink

      Die ach so furchtbare Konditionalität ist doch Pipifax:

      Die EZB habe zwar mehrfach die Konditionalität ihrer in Aussicht gestellten Hilfen unterstrichen, auf der Homepage des bereits existierenden Rettungsschirms EFSF zu den Bedingungen finden sich aus Sicht von Commerzbank-Analyst Ralph Solveen aber nicht mehr als wachsweiche Formulierungen. Demnach fordert die EZB von Euro-Krisenländern nicht die Unterwerfung unter ein hartes Reformprogramm, dass von den Rettungsschirmen verordnet wird. “Die EZB könnte sich auch mit dem Einräumen einer erweiterten vorsorglichen Kreditlinie (ECCL) durch EFSF/ESM zufrieden geben, die für das betroffene Land mit wesentlich geringeren Auflagen verbunden ist”, erklärte Commerzbank-Volkswirt Solveen.

      Es gibt hier einfach eine einheitliche Linie (der heillosen Retter) Draghi, Monti, Merkel, Schäuble etc. pp. Und dann muten die beiden Letztgenannten den Kritikern auch noch solche Schizophrenien zu wie ‘Wir unterstützen Draghi und Weidmann’.
      Es gibt keinerlei parlamentarische Vertretung für diejenigen, die nicht für dieses irrsinnige Retten sind, das ist das Schlimmste.

      • R_Winter schrieb am 7. September 2012 um 16:57 - Permalink

        Sprechen wir hier über OMT oder EFSF? Oder ist es fast gleich?
        Es geht den Rettern nicht ums “retten”, sondern um das Sicherstellen von Geschäftsbanken-Vorteilen. OMT ist ein weiteres Kürzel, dass kaum einer erklären kann, aber die Vorteile bei der Vermögensverteilung bei den Spekulaten-Kreisen erhält.

    7. egghat schrieb am 7. September 2012 um 18:40 - Permalink

      Hallo Jens, ich dachte mir, dass du das so interpretierst. Und auch, dass ich das anders sehe ;-)

      Es gibt eine Konditionalität, zwischen ESM (Politik) und EZB. D’accord. Aber dieser Zusammenhang ist locker. Streng ist es nur in eine Richtung: Die EZB darf nicht kaufen, wenn Land nicht unter ESM-Herrschaft steht. Er ist aber in der anderen Richtung locker und zwar auf zwei Arten: a) Die EZB kann kaufen, muss aber nicht. b) Der ESM kann kaufen, muss aber nicht.

      Bei a) kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass die EZB auch kauft, wenn das Land unter den ESM geschlüpft ist. Auch wenn das nicht sicher ist. Aber ich würde gerne die Politiker mal hören, wenn die EZB dann nicht kauft.

      Bei b) wird es interessant. Denn nirgendwo steht, dass der ESM ausgeschöpft sein muss, bevor die EZB einspringt. Nirgendwo steht, dass der ESM auch nur einen einzigen Cent in die Hände nehmen muss. Es könnte also sein, dass die ganze Last an der EZB hängen bleibt. Es könnte daher auch sein, dass die “ESM-Genehmigung” eine reine Alibiveranstaltung wird. Also die EU-Politiker einfach “jeden” reinlassen und ein paar alberne Auflagen erteilen. Dann aber selber keinen Cent in die Hand nehmen müssen und die Arbeit der EZB überlassen.

      Vielleicht übersehe ich in diesem Szenario etwas, aber IMHO ist die Kopplung zwischen ESM und EZB/OMT gar nicht so klar und eindeutig, wie aktuell getan wird …

      http://egghat.tumblr.com/post/30993092337/faq-zu-omt-dem-neuen-aufkaufprogramm-der-ezb

      Was meinst du?

      • Spiegelfechter schrieb am 9. September 2012 um 09:50 - Permalink

        Hallo Jens, ich dachte mir, dass du das so interpretierst. Und auch, dass ich das anders sehe ;-)

        Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, ist einer von ihnen überflüssig.
        Churchill

        Es gibt eine Konditionalität, zwischen ESM (Politik) und EZB. D’accord. Aber dieser Zusammenhang ist locker. Streng ist es nur in eine Richtung: Die EZB darf nicht kaufen, wenn Land nicht unter ESM-Herrschaft steht. Er ist aber in der anderen Richtung locker und zwar auf zwei Arten: a) Die EZB kann kaufen, muss aber nicht. b) Der ESM kann kaufen, muss aber nicht.

        So weit so richtig …

        Bei a) kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass die EZB auch kauft, wenn das Land unter den ESM geschlüpft ist. Auch wenn das nicht sicher ist. Aber ich würde gerne die Politiker mal hören, wenn die EZB dann nicht kauft.
        Bei b) wird es interessant. Denn nirgendwo steht, dass der ESM ausgeschöpft sein muss, bevor die EZB einspringt.

        Der Unterschied ist folgender: Die EZB darf nur auf dem Sekundärmarkt kaufen, der ESM sollte nicht auf dem Sekundärmarkt tätig sein (dann wäre das Kapital schnell verpulvert). Aufgabe des ESM ist es vielmehr, bei weiterhin bestehendem Marktversagen, auf dem Primärmarkt tätig zu werden bzw. ihn ganz zu ersetzen.

        Es ist richtig. Durch OMT ist es zumindest wahrscheinlicher geworden, dass weniger ESM-Mittel zum Einsatz kommen. Und auch dies sollte “konservative” Kritiker am ESM und an Draghi eigentlich beschwichtigen.

        Nirgendwo steht, dass der ESM auch nur einen einzigen Cent in die Hände nehmen muss. Es könnte also sein, dass die ganze Last an der EZB hängen bleibt.

        Nur dann, wenn die Anleihen am Primärmarkt zu vernünftigen Zinsen weggehen. Hätte die EZB einen festen Zinskorridor vorgegeben, wäre das sogar möglich. Nun besteht aber immer noch ein Restrisiko: Interveniert die EZB? Und wenn ja, bei welchem Kurs?

        Es könnte daher auch sein, dass die “ESM-Genehmigung” eine reine Alibiveranstaltung wird.

        Zu hoffen wäre es.

        Was meinst du?

        Grundsätzlich sind Deine Gedanken sehr richtig, die Unterscheidung zwischen Primär- und Sekundärmarkt bleibt jedoch als Unsicherheitsfaktor.

    8. Michael Weik schrieb am 7. September 2012 um 19:10 - Permalink

      Mittlerweile werben Mitarbeiter des IWF für die Umstellung des FIAT-Geldsystems auf 100 % Money von Irvin Fisher. Dieses Konzept wurde weiterentwickelt zum VOLLGELD.
      Bei Umstellung auf Vollgeld wäre ein Abbau der Staatsverschuldung inclusive. Mehr erfahren Interessierte bei
      http://www.monetative.de

    9. Cheops schrieb am 7. September 2012 um 19:19 - Permalink

      Auch diese neue Nummer wird nicht helfen, weil die Wurzel das Kunstprodukt Euro ist, der auf Wunsch der europäischen Wirtschaft eingeführt wurde, damit die besser rechnen kann.
      Den am Leben zu halten, wird weiter Unsummen kosten, weil der nie zu Ende gedacht wurde und jeder Spekulant an ihm sein Freude hat.

    10. Michael Weik schrieb am 7. September 2012 um 20:09 - Permalink

      Cheops – Fatalismus hilft nicht weiter.

    11. smukster schrieb am 7. September 2012 um 23:12 - Permalink

      Dann sollten wir ihn heute zu Ende denken und die fehlenden Elemente ergaenzen: koordinierte Wirtschafts- und Steuerpolitik, Bankenunion, Finanzausgleich. Wie in einem Staat mit einer Waehrung. Alle Staaten hatten sich vom Euro Vorteile erhofft – tatsaechlich geholfen hat er der (v.a.) dt. Exportindustrie.

      @Jens:
      Was ist eigentlich mit Asmussen und Weidmann, spielen die “good cop, bad cop”?

      • Spiegelfechter schrieb am 9. September 2012 um 09:53 - Permalink

        Was ist eigentlich mit Asmussen und Weidmann, spielen die “good cop, bad cop”?

        Ich glaube eher, dass sich beide in ihrer Rolle gefallen. Hier der Notenbanker der Herzen und da der grenzenlose Opportunist und Karrierist, den ein “Geschwätz von gestern” ja noch nie ernsthaft interessiert hat.

    12. Lemmy Caution schrieb am 8. September 2012 um 03:05 - Permalink

      Vielen Dank an den Egghead, insbesondere auch für seinen verlinkten Blog-Eintrag.

      Aus meiner Sicht: Meine Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, hat nicht aufgeregt mit den Armen gefuchtelt und laut foul geschrien, d.h. sie hat diese Zentralbank-Finanzierung gewisser übermässiger spanischer und italienischer Schulden implizit abgesegnet. Ein deutscher Beamter namens Weidemann hat Autsch gesagt, ein aus Merkels Sicht wohl sehr genehmes Zugeständnis an gewisse wir-deutschen-bibbern-vor-der-inflation Folklore. Merkel vertraut darin, dass die Regierungen Italiens und Spaniens ein Agenda 2010 gerichtetes Reform-Programm angefangen haben und fortsetzen werden. Und zwar eins mit deutlich schärferen sozialen Kosten als bei uns selbst. Die Lohnstückkosten in Spanien und Italien entwickeln sich deutlich nach unten, während die deutschen steigen. Es ist nicht klar, um dies genügt, um für ein hinreichend ebenes Spielfeld für innereuropäischen Handel und Entwicklung zu sorgen. Kommt die Frau damit durch, wird sie für mich als die zweit-größte bundesrepublikanische Kanzlerin seit Konrad Adenauer in die Geschichte eingehen.
      Es mag in 5 bis 8 Jahren ein kleines Inflations-Problem geben, das wir dann mit ein bischen Rezession löschen, aber solange Spanien und Italien auf ihrem aktuellen Kurs politisch fortschreiten und Frankreich nicht völlig antagonistisch zu Deutschland losgeht… es könnte klappen. Die deutschen Unternehmen und Arbeitnehmen werden sich dann mit wesentlich kompetitiveren südeuropäischen und übrigens auch britischen Unternehmen konfrontiert sehen.

      Sie spielt ein Zuckerbrot- und Peitsche Pokerspiel. Das macht sie technisch wirklich gut.

      Bestimmt gibt es viele in die Mühlen der großen Politik geratene Süd-Europäer. Aber die leiden aus meiner Sicht eher an den Fehlern ihrer vorherigen Regierungen.

      • Mod schrieb am 8. September 2012 um 12:27 - Permalink

        @Lemmy Caution, “Merkel vertraut darin, dass die Regierungen Italiens und Spaniens ein Agenda 2010 gerichtetes Reform-Programm angefangen haben und fortsetzen werden. Und zwar eins mit deutlich schärferen sozialen Kosten als bei uns selbst.”

        ist geschehen, Portugal macht den Anfang und senkt mit einem Zug die Löhne aller Beschäftigten.

        https://www.google.de/search?q=portugal+senkt+alle+l%C3%B6hne&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a

      • Karl Heinrich schrieb am 8. September 2012 um 13:05 - Permalink

        Lemmy, Italien hat eine Rentenreform gemacht, und alles andere wird nichts. Griechenland hat seinen aberwitzig überdimensionierten Beamtenapparat nicht reduziert und ist dazu auch nicht bereit. All die Rettungsgelder wollen die dortigen Regierungen doch nur haben, damit sie eben möglichst wenig ändern müssen. Das ist aus der Sicht der Politiker auch völlig rational. Dieses Geschacher bringt nichts, außer dass es die etwas sparsamer wirtschaftenden Länder ärmer macht. Es wäre eindeutig besser, einen Weg zu finden, auf dem die Länder ohne Fremdbestimmung ihre Strukturen selber definieren können!

        • Lemmy Caution schrieb am 8. September 2012 um 16:42 - Permalink

          @Mod: Danke, weiss ich. Bin regelmässiger El Pais Online Leser.
          @Karl Heinrich: Italien gelingt es insbesondere auch, die bestehenden Steuergesetze besser durchzusetzen. Hät ich denen gar nicht zugetraut und ich mag sie dafür sehr. Afaik wird das italienische Primärdefizit für dieses rezessive Jahr auf 0,5% geschätzt. Für die, die das nicht wissen sollten: Primärdefizit bedeutet Staatshaushalt ohne Schuldendienst.
          Italien besitzt starke regionale Unterschiede. Ich vertraue stark darauf, dass Nord-Italien kein Interesse an einer Währung mit hyperinflationären Tendenzen hat. Und Nord- und Ost-Europa sowieso nicht. Alles andere halte ich für unverantwortliche, populistische und selbstgerechte Panik-Mache.
          Schaut man auf die größte Verschuldungskrise der letzten 50 Jahre, haben praktisch alle lateinamerikanischen Staaten – ausser dem Chavernment (bitte diesen Austritt nicht kommentieren, is nich Thema) – ihre Schuldensituation heute besser im Griff als 90% der EU Mitglieder. Nur sehr oft auf Kosten einer zu stark gesteigerten sozialen Ungleichheit, mit deren Rückführung die sich nach wie vor sehr, sehr schwer tun, u.a. auch weil gewisse einflußreiche Kreise diesen Irrsinn für Normalität halten.
          Das Ziel, eine Region mit vergleichsweise niedrigen Gini Koeffizienten zu bleiben, darf Europa bei den von mir sehr begrüßten Konsolidierungsbemühungen um die Staatsfinanzen in keinem Fall aus dem Blickfeld verlieren. Never ever.

      • smukster schrieb am 8. September 2012 um 22:57 - Permalink

        Theoretisch ist das wohl der Plan, ja. Kann nur leider praktisch nicht funktionieren, und das nicht nur, weil viel zu schnell “reformiert” wird und damit schwere politische und soziale Verwerfungen ausgeloest werden. Wie viele Jahre sollen die 30% Arbeitslosen ohne Sozialhilfe in Spanien stillhalten und auf bessere Zeiten warten? Oder sollen sie alle nach D usw. auswandern?

        Merkel wird eher als die Kanzlerin in die Geschichte eingehen, die das europaeische Projekt zu Grabe getragen hat. In den Koepfen vieler Menschen ist “Europa” schon abgehakt, nur noch negativ besetzt. Das laesst sich nicht so schnell wiedergutmachen.

      • Spiegelfechter schrieb am 9. September 2012 um 10:00 - Permalink

        Es bleibt abzuwarten, ob die Lohnstückkosten in D tatsächlich höher als die Inflation steigen werden. Du übersiehst aber ein weiteres Risiko am Merkel-Kurs: Grundsätzlich hast Du ja Recht, dass die Lohnstückkostenschere sich schließen muss. Wenn die “Schließbewegung” im Süden allerdings zu schnell vonstatten geht, kann dies die dortigen Volkswirtschaften aus dem Gleichgewicht bringen. Nicht ursächlich, sondern als Nebenwirkung. Spanien und Italien sind weitaus mehr als Exportnationen, sie sind sehr starke Binnenwirtschaften. Die Austerität ist hier nur sehr, sehr gering dosiert, risikoarm. Momentan wird jedoch “Austerität” in einer Dosis verschrieben, die dazu geeignet ist, die gewünschten Wirkungen (sinkende Lohnstückkosten) in keinem Verhältnis zu den ungewünschten Nebenwirkungen (Massenarbeitslosigkeit, Zusammenbruch der Staatsfinanzen, Wegbrechen der Nachfrage) erscheinen zu lassen.

        Dosis sola venenum facit – und die Dosis ist ganz eindeutig zu hoch!

        • Lemmy Caution schrieb am 9. September 2012 um 12:38 - Permalink

          Seh ich wie Du. Hab ich schwerste Bedenken bezüglich der Nebenwirkungen, Jens.

    13. Spezialdemokrat schrieb am 8. September 2012 um 14:40 - Permalink

      Kann mir mal jemand erklären, was die Kürzung von Löhnen und Renten und die Prekarisierung der Völker zur Genesung des Finanzwesens beitragen soll?
      Mööönsch, is ja doll! Da bekomme ich schon seit Jahren weniger Gehalt, habe die Aussicht, mit 67 verarmt, zerlumpt und halb verhungert bei der Tafel reinschneien zu müssen, aber die Staatsschulden und Irrsinnsspekulationen der Finanzmafia verschwinden dadurch wie durch Zauberhand.
      Na, da hunger’ ich doch glatt ‘ne Runde freiwillig!

      Re Bazooka:
      Es ist nicht nur so, dass die Europäer eine Bazooka mit Ladehemmung in der Hand halten. Sie benützen das Rohr auch noch verkehrt herum und knallen sich damit selber ab.

      • Spiegelfechter schrieb am 9. September 2012 um 10:06 - Permalink

        Kann mir mal jemand erklären, was die Kürzung von Löhnen und Renten und die Prekarisierung der Völker zur Genesung des Finanzwesens beitragen soll?

        Klar, obgleich das Wort “Prekarisierung” hier nicht passt, da dies nicht erwünscht sein kann. Momentan haben wir das Problem, dass die Deutschen (und ein paar andere) viel zu wenig verdienen und viel zu produktiv sind. Daher hat D auch einen so hohen Außenhandelsüberschuss. Im Süden sind die Löhne stärker gestiegen als hierzulande, weshalb dort die Produktivität wesentlich geringer ist. Daher haben diese Länder auch ein Außenhandelsdefizit.

        In einer “normalen” Welt wäre dies kein Problem. Die Mark würde auf-, Lira und Peseta abwerten. Die Lohnsteigerungen im Süden würde dadurch von der Inflation aufgefressen werden und die Wettbewerbsfähigkeit würde sich (bei gleicher technischer Entwicklung!) angleichen.

        Innerhalb des Euros fällt dieses Korrektiv jedoch aus und es gibt zwei Lösungen:
        a) Eine Angleichung der Produktivität, höhere Löhne hier, niedrigere (relativ) dort
        b) Eine dauerhafte Transferunion, wie z.B. innerhalb der USA oder innerhalb Deutschlands

    14. hotte im paradies schrieb am 8. September 2012 um 14:41 - Permalink

      @ Lemmy Wem sollen dann die kompetitiveren italienischen und spanischen Unternehmen noch etwas verkaufen, wenn alle den Gürtel enger schnallen? Einem neuen europäischen Land auf der Rückseiten des Mondes vermutlich. Außerdem stellt sich die Frage ob Deutschland nicht sofort eine Agenda 2020 durchzieht sollte sich die Wettbewerbsfähigkeit der südlicheren Länder im Vergleich zu unserer verbessern. Du scheinst doch sehr auf dem Holzweg zu sein.

      • Lemmy Caution schrieb am 8. September 2012 um 16:54 - Permalink

        hotte,

        tatsächlich entwickelt sich der spanische Exportsektor in dieser Krise sehr gut (http://es.wikipedia.org/wiki/Econom%C3%ADa_de_Espa%C3%B1a#Las_exportaciones_crecen_en_forma_sostenida). Dynamisch ist insbesondere auch der Export in Schwellenländer in Ostasien und Lateinamerika. Für Italien erwarte ich eine ähnliche Entwicklung, ohne das jetzt suchen zu wollen.
        Ich mag auf dem Holzweg sein, argumentiere aber zumindest nachdem ich mich ein wenig über die empirischen Realitäten informiert habe.

        • smukster schrieb am 8. September 2012 um 22:36 - Permalink

          Die USA wollen ebenfalls mehr exportieren. Und x andere Staaten auch. Das kann schwerlich funktionieren, ausserdem haben Spanien und Italien keine so beruehmten und begehrten Produkte wie D anzubieten (bin da nicht stolz drauf – es ist fuer mich eher erschreckend festzustellen, WIE gut der Ruf der dt Industrie weltweit ist, habe das schon in zahlreichen Laendern erlebt – der Preis ist gar nicht unbedingt entscheidend, es koennten ruhig hoehere Loehne gezahlt werden!). Ein paar Staaten koennen vom Export (dh. auf Kosten Anderer) leben, ein ganzer Kontinent nicht.

          • Lemmy Caution schrieb am 8. September 2012 um 23:04 - Permalink

            haben Spanien und Italien keine so beruehmten und begehrten Produkte wie D anzubieten

            Spanien und Italien haben sehr wohl exportfähige Unternehmen. In Nord-Italien und im Baskenland gibts ähnliche mittelständische Hidden Champions wie in Deutschland. Spanische Telekom- Unternehmen und Banken sind im Wachstumsmarkt Lateinamerika sehr präsent. Endesa ist ein sehr potentes Energie-Unternehmen. Es gibt in Spanien und Italien halt im Schnitt weniger dieser Unternehmen als in Deutschland.
            “keine so berühmten und begehrten Produkte” liest sich leicht wie ein chauvinistisches Vorurteil.

          • Spiegelfechter schrieb am 9. September 2012 um 10:08 - Permalink

            Oh, da täuscht Du Dich aber. Vor allem Italien ist ein harter Konkurrent von Deutschland und in vielen Exportbranchen sehr konkurrenzfähig.

            • R_Winter schrieb am 9. September 2012 um 10:31 - Permalink

              @Spiegelfechter

              Italien ist in der Tat sehr konkurrenzfähig.
              Beispiele sind hier die Voll-Automatisierung der Sport-Schuh-Industrie in Fern-Ost (ja, die wird massiv betrieben, trotz der sehr niedrigen Löhne in Fern Ost) und Südamerika. Mit einer Ausnahme liegt hier Italien weit vorne.
              In Bereich der kreativen Textilindustrie (Gewebe) liegt Italien fast zu 100% vorn.
              Es lassen sich viele Beispiele finden.
              Monti / Merkel und der ESM werden Italien nicht auf die Knie drücken können.

            • Mod schrieb am 9. September 2012 um 11:24 - Permalink

              Moin und etwas OT, TV-Tipp auf Phoenix, jetzt “Im Dialog” mit Prof. Köhler! Europa und wohin wir steuern.

    15. der Herr Karl schrieb am 8. September 2012 um 15:56 - Permalink

      Laut Klemens Kindermann (Themen der Woche, Deutschlandfunk, 08.09.2012) wurde mit dem OMT die Büchse der Pandora geöffnet.

      • Karla schrieb am 8. September 2012 um 16:42 - Permalink

        Klemens Kindermann bezeichnet als Büchse der Pandora die Tatsache, dass infolge der Anleihenkäufe die Löhne steigen werden. Das wäre natürlich schrecklich…
        Allerdings ist mir rätselhaft, wie er auf diese Idee kommt, wo doch die Staaten, deren Anleihen gekauft werden, sich allerlei Bedingungen unterwerfen müssen, und es deutet überhaupt nichts darauf hin, dass diese Bedingungen irgendwelche Lohnerhöhungen in der nächsten Zeit zulassen. Im Gegenteil.

        Witzig finde ich die Überschrift über Kindermanns Beitrag: “EZB schürt Inflationsangst”.

        • Lemmy Caution schrieb am 8. September 2012 um 16:58 - Permalink

          Unverantwortliche, unnötige und zivilisationszersetzende Panikmache. Am besten man lacht über solche Würste.

          • Karla schrieb am 8. September 2012 um 17:11 - Permalink

            Mit Sicherheit. Ich hab sein Bild gesehn.

        • smukster schrieb am 8. September 2012 um 22:29 - Permalink

          Pawlowscher Reflex.

    16. hotte schrieb am 8. September 2012 um 20:35 - Permalink

      Hallo Lemmy, ich verstehe nicht wie das funktionieren soll. Wenn jetzt die Spanier auf den Export setzten muss jemand diese Exporte aufnehmen, D kann das nicht sein den es will ja Exportweltmeister bleiben. Dieses Land das noch zu benennen ist hat dann in ein paar Jahren die Probleme die S und I heute haben. Die Exporte nach Asien und Lateinamerika bringen defakto nichts, weil die ihre Währung abwerten können und damit einen Wettbewerbsvorteil durch niedrige Löhne wieder zerstören. Genau das hat Deutschland in den 90igern versucht und es hat nie funktioniert. Aber gut vielleicht sehe ich irgendetwas nicht. Vielleicht siehst du aber auch nicht das aufstehen in einem Kino langfristig allen schadet trotz kurzfristig besserer Sicht.

      • Lemmy Caution schrieb am 8. September 2012 um 22:54 - Permalink

        Hier sind die monatlichen Exportdaten Spaniens von 2010 bis Juli 2012.
        http://www.tradingeconomics.com/spain/exports
        Sie zeigen eine eindeutig nachhaltig positive Entwicklung.
        Das gleiche steht auch in dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel.
        Selbst in meiner kleinen Ecke in der Wirtschaft ähnelt die Realität eher “Fluch der Karibik Teil 2″ als die extrem vereinfachenden mechanistischen Vorstellungen, die Du als Welterklärung anbietest.

        • hotte im paradies schrieb am 8. September 2012 um 23:47 - Permalink

          Steigende Exporte bei steigender extremer Arbeitslosigkeit sind also für Sie eine positive Entwicklung. Gut das Sie nur in einer “kleinen Ecke” der Wirtschaft tätig sind und da Pirat spielen.

          • Lemmy Caution schrieb am 9. September 2012 um 07:46 - Permalink

            hotte,

            u r right
            Du hast Recht.

            Liebe Grüße

            Lemmy

            • hotte im paradies schrieb am 9. September 2012 um 07:59 - Permalink

              Lemmy,

              Se bastasse una bella canzone.

              MFG

              Hotte

    17. Joachim Endemann schrieb am 8. September 2012 um 23:42 - Permalink

      @ DerFranzose _ unter # 1

      … Dieser Handwerker … ist derjenige der Arbeitsplätze schafft …

      Sehr geehrter Herr DerFranzose,

      ich weiß, daß kleine und mittlere Betriebe insbesondere große Schwierigkeiten haben, wenn sie auf dem sogenannten Binnenmarkt tätig sind.
      Allerdings muß man sagen, daß jeder Unternehmer seinen Gewinn dann in der Tat verdient hat, wenn er das Risiko einer unternehmerischen Tätigkeit eingeht.
      Im übrigen ist es nicht so, daß ein Unternehmer mal eben Arbeitsplätze „schafft“. Das tut jeder privatrechtliche Unternehmer nur, wenn er sich davon etwas verspricht. Sinnvoll ist es dann insbesondere, wenn er Mitarbeiter nicht bloß als Kostenfaktoren ansieht.

      Sehr geehrter Herr DerFranzose, richten Sie Ihrem (auf dem Binnenmarkt tätigen) Handwerker freundliche Grüße von mir aus und fragen Sie ihn folgendes:

      1. Wovon macht er seine Investitionen (bzw. Mitarbeitereinstellung) abhängig: von dem Gewinn, den er am Ende seiner letzten Abrechnungsperiode hatte oder von dem, den er erwartet?

      2. Sieht er einen Zusammenhang zwischen der schlechten Gesamtlohnentwicklung (bezogen auf alle Branchen also) in den letzten 15 Jahren und der praktisch unveränderten Binnennachfrage seit Ende der 90er Jahre bis heute?

      3. Sieht er einen Zusammenhang zwischen der praktisch unveränderten Binnennachfrage (seit Ende der 90er Jahre bis heute) und der politisch gewollten Einführung des größten Niedriglohnsektors (bezogen auf den entwickelten Teil Europas) in Deutschland?

      4. Ist er der Meinung, daß seine Neigung, jemanden einzustellen, gefördert würde, müßte er weniger Steuern zahlen?

      5. Glaubt er, daß, bezahlte er weniger Steuern und blieben die Löhne weiterhin gering, ihm eine weitere Erleichterung, jemanden wieder entlassen zu können, helfen würde, wenn gleichzeitig die Zentralbank weiterhin nur den Blick auf Preisstabilität haben darf?

      6. Kann er sich vorstellen, daß eine stetige Kaufkraftentwicklung (nicht die statistisch durchschnittliche, sondern konkret die der Masse der Lohnabhängigen), die Nachfrage nach seiner angebotenen Arbeit, für ihn nachhaltig berechenbar machte?*

      * „Stetige Kaufkraftentwicklung“ meint stetig flächendeckende (also für alle Branchen) Lohnentwicklung entsprechend der Produktivitätsentwicklung (der Gesamtwirtschaft) + Inflationsausgleich.

      7. Kann er sich vorstellen, daß die soziale Bindung (u.a. Kündigungsschutz nach entsprechender Karenzzeit) der Mitarbeiter an seinen Betrieb, diese besser arbeiten läßt, als sozial ungebundene Mitarbeiter?

      8. Wundert er sich darüber, daß immer dann, wenn von Wirtschaftsaufschwung die Rede ist, primär die Exportwirtschaft gemeint ist?

      9. Sieht er einen Zusammenhang zwischen stagnierender Binnennachfrage der letzten 12 Jahre und explosionsartiger Entwicklung der Exporte in diesem Zeitraum?

      10. Hält er eine solche Auseinanderentwicklung für richtig?

      11. Sieht er einen Zusammenhang zwischen höherer Staatsverschuldung auf der einen Seite und höherer Konzentration des Privatvermögens auf der anderen Seite?

      12. Hält er es für normal, daß das Gros der Unternehmer sich nicht mehr verschuldet, um Investitionen zu tätigen, bzw. daß sie diesbezüglich gar sparen?

      13. Hält er es für Ausdruck von Kompetenz, fordert nicht nur jemand eine „Schuldenbremse“ für Staaten, wenn gleichzeitig die privaten Haushalte und die Unternehmerhaushalte sparen, sondern diese Forderung auch noch umgesetzt wird?

      14. Glaubt er, daß dies keine Auswirkungen auf seine Gewinnerwartung haben wird?

      15. Ist er stolz darauf, daß Deutschland Dauerexportweltmeister ist?

      16. Freud er sich, daß er auf dem Binnenmarkt dieses Dauerexportweltmeisters tätig sein kann?

      17. Hat er den Eindruck, daß die deutsche „Elite“ versteht, wie „Gesamtwirtschaft“ funktioniert und was die Funktion einer Währungsunion ist, also weiß, was in der aktuellen Situation zu tun ist?

      Mit freundlichen Grüßen, Joachim Endemann

      • DerFranzose schrieb am 9. September 2012 um 01:44 - Permalink

        Sehr geehrter Herr Endemann,

        vielen Dank für Ihre anregenden Fragen auf die ich sehr gerne eingehen möchte.

        Bevor ich auf Ihre Fragen eingehe, möchte ich Ihre folgende Vorbemerkung kommentieren:

        Allerdings muß man sagen, daß jeder Unternehmer seinen Gewinn dann in der Tat verdient hat, wenn er das Risiko einer unternehmerischen Tätigkeit eingeht.
        Im übrigen ist es nicht so, daß ein Unternehmer mal eben Arbeitsplätze „schafft“. Das tut jeder privatrechtliche Unternehmer nur, wenn er sich davon etwas verspricht. Sinnvoll ist es dann insbesondere, wenn er Mitarbeiter nicht bloß als Kostenfaktoren ansieht.

        Also das ist doch eine Binsenweisheit. Als Unternehmer gibt man immer Geld aus um Geld zu verdienen. Deswegen sind die einfachen Mitarbeiter zuerst immer ein Kostenfaktor. Denn ich stelle ja nur dann Leute ein wenn ich ein Gewinn erzielen kann. Gute und Leistungsfähige Mitarbeiter hingegen sind nicht mehr Kostenfaktor, sondern Erfolgsfaktor. Letztere will ich immer haben weil sie die Arbeitsabläufe beschleunigen. Diese Gruppe bekommt auch zumeist ein sehr gutes Gehalt. Nur so kann man sie am Unternehmen langfristig binden.

        Aber zu Ihren Fragen:

        1. Wovon macht er seine Investitionen (bzw. Mitarbeitereinstellung) abhängig: von dem Gewinn, den er am Ende seiner letzten Abrechnungsperiode hatte oder von dem, den er erwartet?

        Immer von dem was er erwartet.

        2. Sieht er einen Zusammenhang zwischen der schlechten Gesamtlohnentwicklung (bezogen auf alle Branchen also) in den letzten 15 Jahren und der praktisch unveränderten Binnennachfrage seit Ende der 90er Jahre bis heute

        Ist ihm egal.

        3. Sieht er einen Zusammenhang zwischen der praktisch unveränderten Binnennachfrage (seit Ende der 90er Jahre bis heute) und der politisch gewollten Einführung des größten Niedriglohnsektors (bezogen auf den entwickelten Teil Europas) in Deutschland?

        Die Politik kann keine Löhne festlegen.
        Denn wieviel ich einem bezahlen kann/will hängt von meinen Erwartungen und besonders von der Qualität der Arbeitskraft ab. Alleine der Unternehmer entscheidet ob er einstellt oder nicht, entlassen muss oder nicht

        4. Ist er der Meinung, daß seine Neigung, jemanden einzustellen, gefördert würde, müßte er weniger Steuern zahlen?

        Eindeutiges JA. Aber wichtiger ist der Abbau von Bürokratrie.

        5. Glaubt er, daß, bezahlte er weniger Steuern und blieben die Löhne weiterhin gering, ihm eine weitere Erleichterung, jemanden wieder entlassen zu können, helfen würde, wenn gleichzeitig die Zentralbank weiterhin nur den Blick auf Preisstabilität haben darf?

        Er will nicht entlassen. Das will Grundsätzlich kein Unternehmer.
        Preisstabilität ist hingegen sehr wichtig. Aber man kann sich ja von der staatlich angezettelten Geldentwertung schützen indem man Immobilien oder auch Gold kauft.

        6. Kann er sich vorstellen, daß eine stetige Kaufkraftentwicklung (nicht die statistisch durchschnittliche, sondern konkret die der Masse der Lohnabhängigen), die Nachfrage nach seiner angebotenen Arbeit, für ihn nachhaltig berechenbar machte?*

        Er kann seine Dienstleistung in aller ersten Linie durch Qualität und Leistung steigern. Denn nur hier hat er unmittelbaren Einfluss. Er kann nur Verkaufen wenn seine Angebot gut ist.

        7. Kann er sich vorstellen, daß die soziale Bindung (u.a. Kündigungsschutz nach entsprechender Karenzzeit) der Mitarbeiter an seinen Betrieb, diese besser arbeiten läßt, als sozial ungebundene Mitarbeiter?

        Er geht immer davon aus dass die Arbeiter gut arbeiten. Es liegt auch in der Natur des Unternehmers ein langfristige Beziehung aufzubauen.

        8. Wundert er sich darüber, daß immer dann, wenn von Wirtschaftsaufschwung die Rede ist, primär die Exportwirtschaft gemeint ist?

        Relevanz?
        Er hat immer Nachfrage. Sein Geschäft läuft stetig und gut, schon immer. Er macht ja auch was spezielles da Badewannen oft kaputt gehen. Seine Warteliste ist in der Spitze 2 Monate lang. Ab da lehnt er neu Aufträge ab, bzw für die Kunden zu lange Wartedauer.

        9. Sieht er einen Zusammenhang zwischen stagnierender Binnennachfrage der letzten 12 Jahre und explosionsartiger Entwicklung der Exporte in diesem Zeitraum?

        Für ihn gegenstandslos.
        Meinen Sie die Exporte nach Griechenland,Italien und Co.? Da wurde viel auf Kredit finanziert.

        10. Hält er eine solche Auseinanderentwicklung für richtig?

        Wenn Leute zuviel Kredit nehmen und es dann nicht zurückzahlen können? Da hat der Gläubiger aber Pech gehabt, ausser er ist eine Bank. Die haben ja Dank “Alternativlosigkeit” ein risikolose Geschäft. Der Staat sorgt schon dafür. Das findet er nicht nur unrichtig, sondern eine Bankrotterklärung einer zivilisierter Gesellschaft.
        Die Gelddrucker und Kreditvergeber Hand in Hand mit dem Staat. Unheimliche Allianz.

        11. Sieht er einen Zusammenhang zwischen höherer Staatsverschuldung auf der einen Seite und höherer Konzentration des Privatvermögens auf der anderen Seite?

        Ja, Der Staat macht ja Schulden, Die Zentralbank druckt das Geld, schenkt es denn Banken, die verleihen es, risikolos. Geht es schief, zahlt der Staat. Das Geld bekommen dann die Banken und Ihre Eigentümer zurück. Die werden reicher, der Steuerzahler ärmer. Deswegen ist ja Gelddrucken IMMER eine Umverteilung von unten nach oben. Hier scheint es aber einig zu geben die das Gegenteil ernsthaft glauben

        12. Hält er es für normal, daß das Gros der Unternehmer sich nicht mehr verschuldet, um Investitionen zu tätigen, bzw. daß sie diesbezüglich gar sparen?

        Also viele Unternehmen haben Schulden. Und Investitionen werden nur dann getätigt wenn die Aussichten gut sind.

        13. Hält er es für Ausdruck von Kompetenz, fordert nicht nur jemand eine „Schuldenbremse“ für Staaten, wenn gleichzeitig die privaten Haushalte und die Unternehmerhaushalte sparen, sondern diese Forderung auch noch umgesetzt wird?

        Grundsätzlich sollte der Staat überhaupt keine Schulden machen und sich zu 100% aus Steuereinnahmen finanzieren. Das Geld können Unternehmer besser investieren

        14. Glaubt er, daß dies keine Auswirkungen auf seine Gewinnerwartung haben wird?

        Für Ihn keine Auswirkung.

        15. Ist er stolz darauf, daß Deutschland Dauerexportweltmeister ist?

        Er ist stolz auf seine Arbeit und auf seine Kinder.

        16. Freud er sich, daß er auf dem Binnenmarkt dieses Dauerexportweltmeisters tätig sein kann?

        Er freut sich in Deutschland leben zu dürfen.

        17. Hat er den Eindruck, daß die deutsche „Elite“ versteht, wie „Gesamtwirtschaft“ funktioniert und was die Funktion einer Währungsunion ist, also weiß, was in der aktuellen Situation zu tun ist?

        Die Elite bestimmt. Sie klatscht über Draghi. Alle läuft nach Plan.

        • Cholerix schrieb am 9. September 2012 um 11:54 - Permalink

          Mal über das Brett vorm Kopf hinausgeblickt, läßt sich zu dem Thema folgendes feststellen:

          Wenn der Herr Badewannenspezialist nicht alle Nachfrage befriedigen kann, dann gibt es in der Regel mindestans einen weiteren Badewannenspezialisten.

          Somit haben wir beispielsweise zwei Unternehmen mit jeweils – nehmen wir die ominöse 10 – zehn Mitarbeitern, die zu erträglichen Konditionen beschäftigt sind. Sie genießen vielleicht sogar Tariflohn und Kündigungsschutz.

          Die Realität sieht so aus, daß es immer Nachfrageschwankungen gibt und nicht alle Beschäftigten jeden Tag bis zur absoluten Erschöpfung arbeiten. Dieses können beide Unternehmen aber zum jetzigen Zeitpunkt ausgleichen und über das Jahr gesehen, für alle Beteiligten ein entsprechendes Ergebnis erzielen.

          Bekommt jetzt Unternehmer A die Möglichkeit, Nachfragespitzen über besonders günstige Arbeitskräfte zu befriedigen, dann nimmt er Unternehmer B schlicht und ergreifend Aufträge weg und der kommt im Durchschnitt eben nicht mehr auf oben erwähntes Ergebnis.

          Am Ende des ersten Schrittes haben wir also einen Laden mit 10 Beschäftigten und 5 Hiwis, der andere Laden hat nur noch 5 Beschäftigte. Insgesamt kein einziger Arbeitsplatz mehr, aber wir haben einen Teil in Hiwis umgewandelt.

          Irgendwann sind wir bei ganz vielen Hiwis, die sich immer weniger Badewannen leisten können. Dann fangen wir an, dem Badewannenspezialisten Steuern zu schenken…

          …an was erinnert uns das jetzt?

    18. Folkher Braun schrieb am 9. September 2012 um 01:35 - Permalink

      Moin.

      Zu 1: Es wird nicht mehr investiert, sondern gemietet oder geleast, Transporter, Baumaschinen, Bohrhämmer etc., denn der Laden wirft in der Regel so wenig ab, und das so unregelmäßig, dass Eigenkapital kaum noch gebildet wird. Und neues Personal?- Kommt aus den östlichen Nachbarländern und arbeitet auf eigene Rechnung.

      Zu 2: Klar, denn die Nachfrage ist rückläufig, nimmt man nicht Aufträge “schwarz” an, wenn sie nicht gleich an Nachbarschaftshilfe und Profi- Schwarzarbeit verloren gehen soll.

      Zu 3: Logisch, denn die Niedriglöhner waren früher auch Kunden.

      Zu 4: Es wird nicht mehr eingestellt. Und es wird nicht mehr ausgebildet.

      Zu 5: Gute Handwerker entlässt man nicht. Die Frage ist, ob man sie auf Dauer beschäftigen kann, Steuern hin oder her.

      Zu 6: Kann er nicht, die Situation ist Handwerkern gar nicht mehr geläufig.

      Zu 7: Kann er, denn wenn er noch gute Leute hat, behält er die solange es irgendwie geht.

      Zu 8 – 10: Interessiert nicht. Auftragslage vor Ort ist wichtig.

      Zu 11: Klar. Denn die Aufträge aus dem Mittelstand brechen weg. Oder hat jemand schon mal Leiharbeiter ein Einfaminlienhaus in Auftrag geben sehen?

      Zu 12: Macht er ja selber.

      Zu 13: Nein.

      Zu 14: Die Auswirkungen hat er längst.

      Zu 15 – 18: Nein.

      19: Er freut sich auch nicht, dass es Aufträge aus größen Firmen oder den ÖD zunehmend nur noch gegen Tangenti gibt.

      20: Er freut sich hingegen, wenn seine Nachkommen als Jungmeister in Kanada oder Australien sich dumm und dämlich verdienen.

      21: Und hofft, dass die ihn, wenn er Rentner ist, finanziell unterstützen, weil er nur den Mindestbeitrag zahlen konnte.

      22: … und so weiter.

    19. Lemmy Caution schrieb am 9. September 2012 um 12:29 - Permalink

      Neben der Tatsache, dass ich die EZBisiserung der Stabilisierungsbemühungen von Spanien und Italien as we know it für einen Fortschritt gegenüber dem ESM halte, gibts natürlich noch was.

      Es sollte mal genau geprüft werden, welche Maßnahmen in den Krisenländern nun umgesetzt wurden und welche Gruppen sie wieweit getroffen haben. Und dann sollen sich die deutschen Bungalow Bills (Zitat aus Song aus Weißen Album der Beatles) einmal überlegen, ob sie dann immer noch mehrheitlich der Meinung sind, dass da “härter durchgegriffen” werden sollte.

      Und auch die mittel- bis langfristigen Folgen der italienischen und spanischen Gesellschaften der Maßnahmen.
      In Chile ist der ihre Verschuldungskrise heute lange Geschichte. Makroökonomisch ist Chile heute eins der stabilsten Länder der Welt… Sozial ist es das Land mit der 11. ungerechtesten Einkommensverteilung der Welt, mit gewohnheitsmässig ignorierten Arbeitsrecht, mit einem die Ungleichheit zementierenden Bildungssystem, mit 20 bis 50% Rendite pro Jahr Möglichkeiten in dunkle Geschäfte im Bildungssystem für die kleinen eingeweihten Kreise, etc, etc. Und einer jungen Generation, die heute 25 Jahre nach “Überwindung der Krise” endlich gemerkt hat, dass diese “Stabilisierungsmaßnahmen” ihre Lebensmöglichkeiten in einem heute an sich wirklich nicht mehr armen Land massivst einschränken.
      Schocktherapie ist nicht besonders treffend. Der feuchte, ejakulierende Traum von Jaime Guzman (try google, whoever cares) einer neuen Gesellschaft lieferte makroökonomische “Lösungen” aus der Verschuldungskrise. Für 80% wurde dies zu einem klebrigen Alptraum, aus dem man sich nun jetzt beginnt und ich sage hoffentlich beginnt zu befreien. Und das wird mehr als 20 Jahre dauern. Gegen starke Widerstände von einflussreichen Leuten, die den z.T. aberwitzigen Zustand gewisser chilenischer Spielregeln für eine prima Idee und sogar zukunftsweisend für die menschliche Spezies halten. Auch sozialistischen Präsidenten wie Michele Bachelet und Ricardo Lagos fehlte in ihrer Regierungszeit der Impetus zu notwendigen Kurskorrekturen, ebenso wie der Präsidentschaft Bachelets 2014 bis 2018. Es ist verdammt schwierig, den sumpfigen Ayn Rand Planet zu verlassen, wenn das Raumschiff der großen Politik einmal dort gelandet ist. Dies auch als Warnung an Europa.

      Es darf nicht vergessen werden, dass makroökonomische Stabilität ein Mittel zum Zweck ist, nämlich einer Lebensrisiken auch absichernden, chancen-eröffnenden, hoffnungsfrohen und hinreichend gerechten Gesellschaft. Es ist kein Selbstzweck.

      Soldiarität mit den heutigen Protestmärschen zum Anlass des Sonntags vor dem Jahrestag des Putsches eines Geisteskranken im Jahre 1973. Viele seiner eifrigsten Claqueure vor 40 Jahren sind ja heute Minister. Insbesondere auch mit dem Marsch der vermummten Anarchisten um 18:00 Uhr auf der Alameda von Stgo de Chile. Ist zwar strategisch ein Fehler, aber ich würd vermutlich wie sie agieren, steckte ich in ihrem Leben. Ausserdem haben sie die intelligentesten und humorvollsten Twitter-Feeds und tumblrs (http://paisdementira.tumblr.com/)

    20. susi bibelmaus schrieb am 9. September 2012 um 13:27 - Permalink

      Schade das sich keiner von Beginn an einmal die Mühe gemacht hat all die über die Jahre hinweg verteilten Einzelepisoden von Gipfeln- Beschlüssen- Vertragsbrüchen und neu geschaffenen Fakten chronologisch aufzuarbeiten. Jetzt fasst am Ende jener „Verschwörung“ des Europäischen Hausbaus, jetzt wird dem einen oder anderen sicher der Blick klarer auf das, was einigen wenigen von Beginn an wussten: Ein Reich- ein Geld und eine Stimme.
      .
      Jetzt fasst am Ende des Projektes Europa brauch keiner mehr zu denken es gäbe noch juristische Mechanismen die das Setzen des Schlusssteines im Haus Europa verhindern! Das erwartete Urteil wird wieder nicht anders zu erwarten als rein rhetorisch so derart zweideutig sein, so wiedermal anwidernd juristisch penibel komplex und vor allem wird es auch wieder eines sein: weder Fisch noch Fleisch!
      .
      Wer wirklich der Auffassung ist ein paar verkleidete Juristen mit purpurnen Umhängen könnten sich noch gegen ohnehin unabänderliches stemmen, wird an diesem kommenden Tag zu tun haben das Urteil (wenn es überhaupt gesprochen wird, denn schon jetzt gibt es wieder Meldungen die jenen Urteilstag in weitere Ferne schieben!) durchzuarbeiten und damit zu tun haben all die eventuelles und kleinen Hürden und ja abers und bedenken und für und widers und ja und neins und.vor und zurücks . und und… und – juristisch korrekt zu deuten. Es wird sich zwar wie immer heftig gesträubt, doch die Hand streckt sich schon dem neuen Herrn entgegen.
      .
      Und immer wieder ein sehr gutes Beispiel für die Redlichkeit unserer Lenker und Retter ist jenes schon legendär gewordene Video das zufällig von einem Kamerateam mitgeschnitten wurde. Stichwort: Schäuble heimlich gefilmt (http://www.youtube.com/watch?v=26Ka1ZAmY74)
      .
      .
      susi

    21. Joachim Endemann schrieb am 9. September 2012 um 17:43 - Permalink

      @ DerFranzose _ Antwort auf #17

      Sehr geehrter Herr DerFranzose,

      schön, daß Sie Ihren Handwerke so schnell schon um Antwort bitten konnten (meine Fragen hatte ich am 8. Sept. um 23:42 gestellt, Sie hatten seine Antwort schon am 9. September um 1:44 retourniert – toll!).

      Ihr Handwerker ist also „stolz auf seine Kinder“? Das ist grundsätzlich in Ordnung. Aber ist das nicht normal? (Oder ist er erst seit kurzem auf seine Kinder stolz und war es früher etwa nicht? Wichtiger finde ich persönlich allerdings, daß sie geliebt werden – auch wenn man schon mal die Stirn in Falten legen müßte, wenn sie Dummheiten machen. …

      Aus Ihrem Betrag unter #1:

      … Wenn Du ein Betrieb mit zB 10 Leuten hast und eigentlich noch 2 Leute einsetzen könntest weil das Geschäft grade gut läuft, aber Angst hast es könnte nach einer Weile wieder Abwärts gehen, dann wirst um Zweifel keinen einstellen weil die Kündigungshürden gross sind. …

      Ihre Kenntnis von den realexistierenden Arbeitsverhältnissen in D ist gelinde gesagt unzureichend.

      Aus Ihrem Betrag unter #1:

      … Ich kenne da zB ein Handwerker der sich auf die Reparatur von Badewannen spezialisiert hat. Er meinte er könnte locker 5 Leute mehr einstellen, so gross ist manchmal die Nachfrage. Er hat aber Angst dass wenn es mal lau ist, dann muss er die Leute ja weiterhin bezahlen. Da ihm das Risiko zu gross ist. Lieber arbeitet er mit seinem kleine Stammpersonal und geht zeitig Segeln.

      Aus Ihrem Beitrag unter #17, dort zu „Frage 8“:

      Er hat immer Nachfrage. Sein Geschäft läuft stetig und gut, schon immer. Er macht ja auch was spezielles da Badewannen oft kaputt gehen. Seine Warteliste ist in der Spitze 2 Monate lang. Ab da lehnt er neu Aufträge ab, bzw für die Kunden zu lange Wartedauer.

      Und jetzt beide:

      … Ich kenne da zB ein Handwerker der sich auf die Reparatur von Badewannen spezialisiert hat. Er meinte er könnte locker 5 Leute mehr einstellen, so gross ist manchmal die Nachfrage. Er hat aber Angst dass wenn es mal lau ist, dann muss er die Leute ja weiterhin bezahlen. Da ihm das Risiko zu gross ist. Lieber arbeitet er mit seinem kleine Stammpersonal und geht zeitig Segeln.
      … Er hat immer Nachfrage. Sein Geschäft läuft stetig und gut, schon immer. Er macht ja auch was spezielles da Badewannen oft kaputt gehen. Seine Warteliste ist in der Spitze 2 Monate lang. Ab da lehnt er neu Aufträge ab, bzw für die Kunden zu lange Wartedauer.

      Sie erkennen den Widerspruch? Sie erkennen also Ihre eigene Unglaubwürdigkeit?

      Teilzitat aus dieser Passage:

      … Er hat aber Angst dass wenn es mal lau ist, dann muss er die Leute ja weiterhin bezahlen. Da ihm das Risiko zu gross ist.

      Sehen Sie, Herr DerFranzose, so ist das mit Binsenweisheiten:

      Eigens Zitat aus #17:

      … Allerdings muß man sagen, daß jeder Unternehmer seinen Gewinn dann in der Tat verdient hat, wenn er das Risiko einer unternehmerischen Tätigkeit eingeht. …

      Und zwar nur dann hat der den verdient! Das heißt Ihr Handwerker ist kein Unternehmer. Man nennt solche Leute nur aus Gewohnheit so. Aus Gewohnheit nennt man das hier auch Demokratie.

      Die anderen Punkte will und muß ich nicht kommentieren. Ihre Antworten bestätigen bloß erneut, was jeder wissen kann, so er will: Die aktuelle deutsche Politik ist genau aus dem Grund so armselig, da zu viele der Entscheidungsträger den Badewannenblick Ihres Handwerkers haben:betriebswirtschaftliche Blickverengung, wo Blickweitung, wo also Denken in historisch fundierten Zusammenhängen ein absolutes Muß ist, um gesamtwirtschaftlich, und damit per se einzelwirtschaftlich und auf diese Weise überhaupt gesellschaftlich, und damit insbesondere auch bezogen auf eine Währungsunion, erfolgreich zu sein.

      Abschließend noch eine Empfehlung an Ihren Handwerker, kann‘er sich mal ansehen und anhören, wenn’er nich grad Segeln is, immerhin wird er ja für seine Rente irgendwie vorgesorgt haben … (Das Video hat zwar eine Länge von ca. 1:14, aber es lohnt _ es ist von März, d.h. sein Titel: „Wege aus der Euro-Krise“, könnte heute nicht mehr gewählt werden, inhaltlich ist es sozusagen ein historisches Dokument. Diesbezüglich danke übrigens an cervisia buxum, der/die hatte nämlich in seinem/ ihrem Beitrag unter #2 darauf aufmerksam gemacht.)

      So, Herr DerFranzose, Sie sind entlassen und brauchen nun nicht weiterzulesen.

      Mit freundlichen Grüßen, Joachim Endemann

      Eine Zentralbank-Bazooka ist eine Bazooka und ein Zentralbank-Bazookchen ist ein Bazookchen. Wollte Herr Draghi wählen? Unwahrscheinlich, neoliberales Denken ist ihm vertraut. Das EZB-Bazookchen bewirkt genau das, was im neoliberalen Plan liegt („Der ökonomische Putsch“ ): Finanzsektor wird gestützt, die Staaten (und damit die Bevölkerungen dieser Staaten), die in den „Genuß“ dieser „Stützungsaufkäufe“ kommen müssen, begeben sich ins neoliberale Joch (und damit in erster Linie die Bevölkerungen dieser Staaten) ( Das heißt ein/e Staat/Staatengemeinschaft, der/die nicht seine/ihre Bürger, sondern seine/ihre Banken rettet, macht neoliberal alles richtig!). Eine konstruktive Euro-Rettung sieht anders aus.
      Das heißt ich plädiere jetzt für eine schockartige Auflösung der EWU. Oder dafür, daß Deutschland die EWU sofort verläßt (dessen Machtelite hat nichts aus Fehlern gelernt und wird offensichtlich niemals aus Fehlern lernen). Alles andere ist chronifiziertes Siechen eines der besten Wirtschafts- und Lebensräume der Welt!

      ^Jo_Cit^

    22. Beate schrieb am 9. September 2012 um 18:01 - Permalink

      Heute im Presseclub.

      Der Vertreter der FAZ: “Auch nach dem Einschreiten der EZB ist die Eurokrise nicht vorbei. Die eigentliche Ursache ist eine Staatsschuldenkrise.”

      Der Abbau des Sozialstaates muß nicht mehr begründet werden.

      Die Gehirnwäsche war erfolgreich.

      Man sollte wirklich nichts mehr tun, um den Gang der Dinge aufzuhalten.

      In der Tat ist der Anleihekauf der EZB, die Umschuldung von privaten Forderungen auf alle Schultern.

      Die EZB fordert zur Gegenfinanzierung die Verarmung des kleinen Mannes.

      Stellen wir uns dem NICHT entgegen.

      Stellen wir lieber die Produktion auf die Bedürfnisse weniger (denen mit Kaufkraft) um.

      Die EZB ist nicht dazu da, diese Tatsache zu verschleiern!

    23. jopeter schrieb am 11. September 2012 um 07:35 - Permalink

      Die Bazooka garantiert den Banken, Verluste zu verstaatlichen und durch Demontage des Sozialstaats zu finanzieren.


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