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  • Gastärzte – ein weiteres Symptom der Krankheit namens Privatisierung

    geschrieben am 14. November 2012 von Spiegelfechter

    Nach aktuellen Zahlen der Bundesärztekammer haben im letzten Jahr 3.039 ausländische Ärzte ihren Job in Deutschland aufgenommen – die meisten davon waren Krankenhausärzte. Nach Angaben des Deutschen Krankenhausinstituts sind momentan rund 5.500 Stellen für Krankenhausärzte nicht besetzt. Schuld daran sei der Fachkräftemangel, so raunt es aus dem Blätterwald. Doch wie so oft springen die Kommentatoren hier zu kurz. Im letzten Jahr verließen nämlich auch 3.410 Ärzte Deutschland. Alleine mit dem negativen Wanderungssaldo der letzten vier Jahr hätte man jede offene Stelle besetzen können. Grund für die Ärzteknappheit ist nicht der Fachkräftemangel, sondern die mangelnde Bereitschaft des Gesundheitssystems, seine Mitarbeiter ordentlich zu bezahlen und für angemessene Arbeitsbedingungen zu sorgen. Leidtragende dieser Entwicklung sind nicht nur die Patienten, sondern vor allem auch die ausländischen Ärzte selbst, die oftmals schlechter bezahlt werden als die bereits outgesourcten Krankenhaus-Putzfrauen.

    Der europäische Arbeitsmarkt ist frei und weitestgehend dereguliert. Wer in seinem Heimatland keinen Arbeitsplatz bekommt oder nur Angebote hat, die zu schlecht bezahlt sind und zu schlechte Arbeitsbedingungen aufweisen, kann meist ohne große Probleme einen Job im europäischen Ausland annehmen – vorausgesetzt, der Bewerber verfügt über ausreichende Sprachkenntnisse und es besteht eine echte Nachfrage nach seinen Fähigkeiten. Diese Freizügigkeit wird vor allem von Krankenhausärzten auch gerne genutzt. So arbeiteten zum Jahreswechsel 2012 insgesamt 28.355 ausländische Ärzte in Deutschland. Hinter den Österreichern belegen dabei die Griechen, Rumänen, Russen und Polen die Plätze zwei bis fünf. Schon heute reiben sich die Krankenhausbetreiber angesichts der Eurokrise freudig die Hände, bieten doch vor allem Griechenland und Spanien ein vorzügliches Personalreservoir für potentielle Neuzugänge, die bereit sind, auch zu schlechten Konditionen in Deutschland anzuheuern.

    Weiterlesen auf den NachDenkSeiten

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    Tags: Gesundheitssystem
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    1. Hiob geht um « … Kaffee bei mir?

    70 Kommentare:

    1. Mod schrieb am 14. November 2012 um 10:18 - Permalink

      Das macht dann auch Sinn und wenn wie geschehen die Patienten für die Lohnabschlüsse in den Kliniken heran gezogen, ohne das sie davon in Kenntnis gesetzt werden, wirds m.M. Kriminell.

      “Fragebogen” Patientenbefragung, und es geht um die Verbesserung der Qualität in angeblich allen Bereichen des Krankenhauses, aber weit gefehlt, es dient einem anderen Zweck:

      “Wir orientieren die Bezahlung an Leistungen im Führungskräftebereich durch entsprechende Zielvereinbarungen. Wir sagen zum Beispiel: Wir haben das Ziel, dass bei Patientenbefragungen die Werte im nächsten Jahr um so und soviel Prozent besser werden, und wenn ihr das erreicht, bekommt ihr einen Bonus und eben mehr Geld.”

      http://www.ungesundleben.org/privatisierung/index.php/Helios_Kliniken

      Der Anästhesist nennt sich jetzt “Medizinische Assistenten für Anästhesie” und das sind ganz normale Pflegekräfte die 200 Stunden Schulung hinter sich haben. Diese dürfen anstelle des Narkosearzt den Patienten ins Reich der Träume führen, ob und wie die Patienten da wieder raus kommen lernt die Pflege quasi von alleine, im günstigsten Fall erfährt es auch der Patient.

      Gesundheit darf nicht Privatisiert werden als höchstes Gut eines jeden Einzelnen.

      1000 Entlassungen durch den Hauseigenen Subunternehmer, als Druckmittel für über 5000 Beschäftigte, wo leben wir eigentlich?

      http://arbeitsunrecht.de/?p=513#more-513

      • der Herr Karl schrieb am 14. November 2012 um 12:16 - Permalink

        @Mod
        “Gesundheit darf nicht Privatisiert werden”

        Man (Blogs des linksliberalen Spektrums) sollte sich mal gemeinsam darüber unterhalten, welche Bereiche nicht privatisiert werden dürften. Und dann diese gemeinsam aufgestellten Forderungen schwarz auf weiss den Politikern unter die Nase halten. Zum Beispiel durch immer mehr aufgeklebte Plakate (als Vorstufe zu Demonstrationen).
        [mehr dazu auf Flatterwatsch.de]

        • Heldentasse schrieb am 14. November 2012 um 15:17 - Permalink

          Das wird diese Politiker bestimmt ganz stark beeindrucken! ;)
          Vielleicht wäre aber ein Protestschreiben an den/die zuständige MdL/MdB/ MdEP gerade in Wahlkampfzeiten wirksamer? Das könnte auch für andere öffentliche Infrastrukturen, die zum Verkauf bzw. dieses PPP anstehen gelten, wie z.B. die ebenso wichtige Wasserversorgung. Ein Beispiel

          • der Herr Karl schrieb am 14. November 2012 um 15:24 - Permalink

            @Heldentasse
            “Das wird diese Politiker bestimmt ganz stark beeindrucken! ;)”

            Es kommt auf die Menge (Anzahl) und die Dauer an.
            Ausserdem: Das Eine tun und das Andere nicht lassen…

      • Frau Lehmann schrieb am 14. November 2012 um 15:22 - Permalink

        Hallo, Mod,

        ja, wo leben wir eigentlich? In einer marktkonformen Demokratie und einer Leistungs-, sprich Wettbewerbsgesellschaft würde unser aller Kanzlerin samt Gefolge euphemistisch antworten.

        Es fällt mir immer schwerer, dafür überhaupt noch Worte zu finden. Das ist doch alles nur noch krank. Wohl dem, der es selber nicht ist oder wird.

        Gesundheit darf nicht Privatisiert werden als höchstes Gut eines jeden Einzelnen.

        Richtig, dürfte nicht. Keine einzige soziale Aufgabe dürfte privatisiert werden, würde ich gerne noch hinzufügen wollen.
        Ich mache zur Zeit eine Crash-Zusatz-Ausbildung (neben meinem Beruf), darf eine Belegarbeit schreiben, Praktikumsstunden nachweisen (obwohl ich diese Aufgaben bereits ausübe) und erhalte dafür ein Zertifikat (das mit Sicherheit nur in Thüringen bekannt und anerkannt sein wird). Bezahlt wird das dann nicht extra, aber ich darf mich dann “Expertin” nennen und Aufgaben und Verantwortung übernehmen für Bereiche, für die andere studiert haben. So wird auch im öffentlichen Dienst Fachpersonal eingespart.
        [Um allen eventuellen Vorurteilen zuvorzukommen: Ich bin nicht verbeamtet ;)]

    2. Heldentasse schrieb am 14. November 2012 um 10:29 - Permalink

      Well roared lion!

      Wir haben uns und unsere Gesellschaft bereits derart den Mechanismen eines freien Marktes unterworfen, dass wir nun die Rendite unserer Ideologie kassieren. Noch ist es nicht zu spät, das Ruder rumzureißen.

      Nur wie groß ist die Wahrscheinlichkeit dafür in absehbarer Zeit demokratische Mehrheiten zu erlangen? M.E. besteht dafür in D. – da die Sozen und die Grünen überwiegend genauso marktorientiert sind wie Schwarz/Gelb – überhaupt kein Anlass zur Hoffnung. Im Gegenteil, das große Zähneklappern wird erst noch losgehen wenn der Fiskalpakt und die Schuldenbremse ihre Wirkungen voll entfalten, dann nämlich wird in meinen Augen erst mal so “richtig” privatisiert werden weil es dazu (mal wieder) überhaupt keine Alternativen geben wird.

      • Wolli schrieb am 15. November 2012 um 21:49 - Permalink

        Genau so wird es kommen.
        Und genau das ist politisch so gewollt.
        mfg
        WW

    3. schwitzig schrieb am 14. November 2012 um 11:34 - Permalink

      @SF

      Warum sind in Deutschland keine schwedischen Verhältnisse möglich? Warum duldet die Gesellschaft in einem der modernsten und reichsten Länder der Welt, dass die Qualität einer elementaren Daseinsvorsorge wie dem Gesundheitssystem derart vor die Hunde geht? Warum akzeptieren wir, dass Krankenhäuser nicht mehr nach qualitativen Maßstäben geführt werden, sondern nur noch einzig und allein Renditeobjekte sind, bei denen eine kleine, ohnehin schon wohlhabende Schicht, die sich Eigentümer nennt, 15% Rendite anstrebt? Auf diese Fragen kann es keine zufriedenstellende Antwort geben.

      Doch, es kann:
      Egal wie sehr unser “Gesundheits”system ausgepresst wird: Unsere 1% Oberschicht hat und nutzt die Möglichkeit, sich dennoch die besten Ärzte und Rahmenbedingungen mit dem Geld der 99% zu kaufen.
      Wasserträger, Speichellecker und Mietmäuler wie Merkula, anderes Politiker-Gesockse und die Schmutzbuckel aus der “Finanzwirtschaft” kriegen durch unsere 1% Ethikbefreiten genug Bröckchen zugeworfen, so dass sie mit dem Schwanz wedeln bzw. den Schwanz wedeln und agieren, wie sie angewiesen wurden.

      • Spiegelfechter schrieb am 14. November 2012 um 14:11 - Permalink

        Unsere Oberschicht muss bei einem Notfall aber auch von Billigärzten operiert werden, wenn der Herr Chefarzt gerade auf dem Golfplatz oder am Cape d´Antibes weilt ;-)

        • Shitop schrieb am 14. November 2012 um 14:59 - Permalink

          Die sind doch alle privat versichert mit garantierter Chefarzt-Behandlung. Die mucken nicht auf. Ok, derzeit fallen einige aus der Oberschicht gerade vom Pferd. Das kann aber auch am Wetter und nicht am Gehalt des Arztes liegen.

        • schwitzig schrieb am 15. November 2012 um 08:42 - Permalink

          @SF
          Klar, aber das glauben die nicht. Schön auch gerade in München zu sehen: Der Stromausfall läßt auch die Schickeria in Aufzügen stecken.
          Die Leistungsträger gröhlen dann natürlich, dass das unerhört und eine Schande sei und sind gleichzeitig derart Geschichtsvergessen und strunzdumm, dass sie nicht realisieren, dass das unter anderem durch das neoliberale Schleifen der Infrastruktur erst möglich war.
          Die Geschichte der Klassengesellschaften ist eine Geschichte der überraschten Gesichtsausdrücke, die sich zeigen, wenn am Ende des jeweiligen Kapitalismuszyklus zu weit gegangen wurde und die, die nichts mehr zu verlieren haben, dafür sorgten, dass ein paar Schuldige und ein Riesenhaufen Marionetten ein verkürztes Dasein als Quittung für ihre Leistung bekommen.

    4. rainer schrieb am 14. November 2012 um 14:16 - Permalink

      …die ganze politische Oberschicht mindestens ab Landrat müsste dringend von der Bevölkerung an den Laternenpfählen aufgeknüpft werden….dann wäre wenigstens mal für eine gewisse Zeit mal wieder Ruhe….

      • der Herr Karl schrieb am 14. November 2012 um 15:15 - Permalink

        @rainer
        Genau das hatte sich Pol Pot wohl auch gedacht…

        [Revolution oder Reformation? Flatterwatsch.de]

      • Anton Chigurh schrieb am 14. November 2012 um 19:51 - Permalink

        ….super – wann treffen wir uns ?
        Ich bin sofort dabei !!
        Es gibt ganz bestimmt sehr viele griechische, spanische oder portugiesische Freunde, die uns überaus behilflich sein werden.
        Es ist schlichtweg zum Kotzen: diese Länder im Süden werden zuerst in die Armut getrieben, und dann nimmt man ihnen auch noch alle jungen Hoffnungsträger, die diese Länder wieder aufbauen könnten, nachdem sie zuerst ausgesaugt wurden.
        Zustände wie in Griechenland heute findet man eigentlich nur noch in einem Land, das gerade einen Krieg verloren hat.

        • Wolli schrieb am 15. November 2012 um 21:53 - Permalink

          Nach einem verlorenen Krieg wissen die Menschen warum sie in der Sch…e leben.

          • der Herr Karl schrieb am 16. November 2012 um 10:55 - Permalink

            Nach einem Krieg ist immer vor einem Krieg.
            Nach einer Revolution ist immer vor den Korruptionsskandalen.

    5. r77 schrieb am 14. November 2012 um 15:06 - Permalink

      ach, immer diese jammerei von medizinern! 2009 euro netto? also aus meinem ex-studentischen bekanntenkreis haben alle mediziner sofort nach dem studium die besten wohnungen der stadt bezogen und pflegen einen wesentlich kostspieligeren lebenswandel als andere absolventen. deren eltern, oft niedergelassenen ärzten, leisten sich alles mögliche, jammern aber rum, dass sie ab märz wegen budgetbeschränkung nur noch draufzahlen. ständig droht die schließung der praxis, aber am ende kaufen sie sich noch ein pferd fürs töchterchen. das jammern lernen ärzte irgendwie schon im studium, diese gehirnwäsche bekommen sie wohl schon vom anatomie-prof verpasst. ich glaube dieser fdp-klientel nichts. laut schreiender egoismus.

      wenn das gesundheitswesen nicht privatisiert wäre, würden sie vermutlich noch weniger verdienen, was das problem der auswanderung und landärztemangel noch verschärfen würde. der verleich mit us- oder schweizgehältern ist eigentlich nicht möglich, da man dort auch höhere lebenshaltungskosten hat. wenn man nicht grad im kansas leben will.

      sollen die doch auswandern, denen der geldbetrag auf dem lohnzettel so wichtig ist.

      • Karla schrieb am 14. November 2012 um 19:12 - Permalink

        … ständig droht die schließung der praxis, aber am ende kaufen sie sich noch ein pferd …

        Hier geht es aber nicht um niedergelassene Ärzte, sondern um die Situation in Krankenhäusern. Das Wort steht in den ersten 5 Zeilen gleich dreimal. Allgemein meint der Begriff “Privatisierung des Gesundheitswesens” auch nicht den Freiberufler-Status der Niedergelassenen, sondern die Privatisierung von Kliniken.

    6. Oppi schrieb am 14. November 2012 um 15:35 - Permalink

      Marktwirtschaftliches Denken und Handeln widerspricht mitunter der Forderung, dass jeder zu einem bestimmten Gut ausreichenden Zugang haben muss. Die einfache Folgerung daraus ist, dass alle Dinge, die für ein menschenwürdiges Leben notwendig sind (Gesundheit, Bildung, ein Minimum an Wohnraum, Produktion von Grundnahrungsmitteln, Strom, Wasser, Gas, Heizöl etc) keinesfalls allein in private Hand gelegt werden dürfen, weil es sonst immer einen gewissen Anteil der Bevölkerung gibt, der bei der Verteilung hinten runterfällt.

      Aber mach das mal einer den “marktkonformen Demokraten” von der rotschwarzgrüngelben Einheitspartei klar.

      • Mada schrieb am 14. November 2012 um 17:28 - Permalink

        Hallo Oppi,

        nicht nur der marktkonformen Einheitspartei muß man das klar machen, auch den Wirtschaftstheoretikern!
        Ich studiere gerade nebenberuflich Personalmanagement. Natürlich ist das ganze BWL-lastig und natürlich ecke ich mit 27 Jahren Berufserfahrung an, wenn ich im hochschuleigenen Forum die Realität als Konsequenz der reinen Lehre aufzeige.
        Kürzlich habe ich die verantwortlichen Wissenschaftler und Lehrenden aufgefordert, mindestens mal auf die Gefahren und Mißbrauchsmöglichkeiten der Arbeitgeber am Beispiel von Lohnvergleichen (brancheninterne Lohnabsprachen) in unserer ach-so-schönen neoliberalen Welt hinzuweisen.
        Als Antwort bekam ich “Es ist schön, wenn Sie eine eigene Meinung haben, es ist aber nicht Aufgabe dieses Fachbereichs, auf moralisch oder soziale Bedenken hinzuweisen. Es geht hier um die “rein” betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkte. Ihre Bedenken gehören eher in die Fächer Volkswirtschaft oder Wirtschaftsethik”. Klasse, gell?
        Selbst diejenigen, die die Mechanismen unterrichten sollen und neutral Vor- und Nachteile aufzeigen sollten, kennen nur einen Weg: die alleinseligmachende reine Lehre vom ewigen Wirtschaftswachstum, dem viel zu regulierten Deutschland und dem Outsourcing als Totschlagkeule.

        Gruß
        Mada

        • Oppi schrieb am 15. November 2012 um 19:46 - Permalink

          Lustig. Ich hatte Volkswirtschaft im Nebenfach, da hiess es auch immer nur “wir kümmern uns hier um Optimierung der Gesamtrente, Verteilungsgerechtigkeit ist nicht unsere Baustelle” …

    7. Vogel schrieb am 14. November 2012 um 15:59 - Permalink

      Schuld daran sei der Fachkräftemangel, so raunt es aus dem Blätterwald.

      Wer nicht adäquat entlohnen will (nicht nur Inschenjöre u. a. auch der ganze Sozialbereich) erntet Fachkräftemangel. Eines der wenigen “Probleme” auf die es eine Antwort gibt!

      Nach 31 Jahren Berufstätigkeit im Gesundheitsbereich – und privater Tangierung mit selbigem – weiß ich wovon ich rede.

    8. alexios schrieb am 14. November 2012 um 18:00 - Permalink

      Neben dem Fachkräftemangel im Sozialwesen gibt es vor allem auch eine starke Fachkräfte-Migration und -Fluktuation, nicht nur, weil Arbeitgeber sich als Schinder erweisen, sondern auch weil immer schlechtere Modalitäten bei öffentlichen und privaten Trägern neue Anreize schaffen.

      Ich spreche in Berlin mittlerweile in diesem Zusammenhang offen von Sozialsystem- oder Sozialmißbrauch, den der Staat öffentlich finanziert und billigend unterstützt. Es geht hier bei Trägern zu wie andernorts bei den Heuschrecken: Projekte kassieren, Mitarbeiter rein stecken, Mitarbeiter wieder raus durch Mobbing und andere Verfahren und das Geld ist verdient. Ob die Projekte Sinnvolles abwerfen ist ihnen völlig egal.

      Jugendamt, Jobcenter und Sozialamt drücken alle Augen zu, Hauptsache es geht in einem gewissen Rahmen billig. Außerdem: Das Geld ist ja eh da und muss für diese Ressorts ausgegeben werden, wir leben schließlich in einer Demo- äh Verzeihung Bürokratie.

    9. Folkher Braun schrieb am 15. November 2012 um 00:42 - Permalink

      Moin,

      meine Lebens- und Immobilienpartnerin war 20 Jahre in der Altenpflege bei Caritas und AWO tätig, dabei in AWO- Zeiten auch acht Jahre als Betriebsrat. Was da abgeht an Korruption, Ausstieg aus Tarifverträgen, inkompetente Geschäftsführer, insbesondere anderswo entsorgte SPD- Hansels, das spottet jeder Beschreibung. Besonders schlimm ist, dass die Betriebsratskollegen bei der hiesigen Verdi- Ortsverein- Residenz regelmäßig abgewimmelt wurden. Anders gesagt: an SPD- AWO geht eine Gewerkschaft nicht dran. Es wird Zeit, dass auch im DGB mal aufgeräumt wird.

    10. André B. schrieb am 15. November 2012 um 07:00 - Permalink

      Eines ist auch klar: Hier bei uns in der Provinz wären die Krankenhäuser schon längst geschlossen, würden nicht massiv Osteuropäer eingestellt. Meiner Erfahrung nach machen die ihre (vermutlich schlecht bezahlte) Arbeit gar nicht schlecht. Auch die Deutschkenntnisse können sich sehen lassen. Natürlich wäre ein staatliches Gesundheitssystem anzustreben. Dieser Traum (der in der DDR Realität war) ist aber gründlichst ausgeträumt. Börsennotierte Unternehmen (z. B. Rhön Klinikum AG) geben den Ton an. Hoffnung auf Besserung? Gar keine! Armes Deutschland.

    11. Martin Hedler schrieb am 15. November 2012 um 09:07 - Permalink

      Warum überhaupt erlauben, dass irgendwo privat gewirtschaftet wird? Jeder hier ist der Meinung, dass der Staat besser wirtschaftet als Privatpersonen.

      Das ist auch einleuchtent: Durch zentrale und monopolistische Strukturen sind die Verwaltungsausgaben gering und es fallen keine Marketingkosten an. Alles ist genormt, was die Transaktionskosten minimiert. Da die Lenkung und Planung durch demokratisch gewählte Vertreter erfolgt und ggf. einzelne Sachfragen demokratisch entschieden werden, wird immer genau das produziert was das Volk will. Ebenso werden die Angestellten gut bezahlt und die Arbeitsbedingungen sind gut.

      Sowohl ökonomisch als auch sozial ist die zentralstaatlich gelenkte Wirtschaft besser als das dezentrale privatwirtschaftliche Chaos, mit Ausbeutung, riesigen Werbungs- und Vertriebsausgaben, unzähligen einzelnen Verwaltungen, ständigen Pleiten und Neugründungen, was zu Unsicherheit und Belastungen jedes Einzelnen führt.

      Warum werden hier aber immer nur wenigen Bereiche (Gesundheit, Bildung, …) ausgewählt, die der Marktlogik entzogen werden sollen und nicht gleich der richtige Schritt gegangen die Wirtschaft ganz dem Privaten zu entziehen.

      • Umdenker schrieb am 15. November 2012 um 13:54 - Permalink

        Weil ein Grossteil der Menschen denkt, dass es dann automatisch wieder Zustände wie im Realsozialismus (der aber eigentlich ein Staatsmonopolkapitalismus war) gibt und sich nichts anderes als die schon vorhandenen Wirtschaftssysteme vorstellen kann. Man hat halt keine Visionen mehr oder verbrämt diese als “dann solle man lieber zum Arzt gehen.

        Technischer Fortschritt, ja bitte. Aber in sozialwissenschaftlichen Bereichen ist man scheinbar der Ansicht es geht nicht mehr besser (alternativlos und so) und deshalb müssen wir beim aktuellen System bleiben, quasi als Naturgesetz. Nach dem Prinzip müssten wir dann aber eigentlich noch im Mittealter sein, aber wozu das eigene Gehirn einschalten, reflektieren und sich öfter mal anstatt “was kostet es denn” die Frage stellen “was wäre denn langfristig sinnvoll”.

        Ich weiss auch nicht wie man diese Barriere aufbrechen soll. Wie soll man etwas sehen, wenn man gar nicht darüber nachdenkt, dass es etwas anderes geben könnte? Hier wäre ja sozusagen die zwingende Voraussetzung vieles gelernte komplett über den Haufen zu werfen (und damit meine ich nicht naturwissenschaftliche Grundprinzipien, aber selbst da haben sich manche Thesen als falsch erwiesen). Ich sehe selbst bei Herr Berger immer wieder die Tendenz nicht über den Tellerrand zu schauen und bestimmte Prinzipien als unumstösslich, da angeblich der Mensch nur so ticken kann, zu definieren.

        Also ich bin dabei, wenn wir endlich den Schritt ins 21.Jh unternehmen wollen. Da muss man aber wie gesagt den Geist ziemlich entrümpeln und sich von bestimmten Denkweisen lösen (Nationalitäten, Rassen, Definition von “Leistung”, -ismen, Ideologien, usw.) Klingt alles jetzt sehr allgemein, aber ich will ja gar nicht an den Symptomen doktern und einen Aufschub herstellen, indem ich einfach nur wieder eine bessere Ressourcenverteilung (also die sog. soziale Marktwirtschaft wie sie noch in den 70/80er Jahren gedacht war) herstelle. Ich glaube es ist ziemlich naiv dies als Lösung aller unserer Probleme zu sehen. Aber um nicht mir selbst zu widersprechen, wenn es denn so sein sollte, dann würde ich mich dem nicht verschliessen. Besser als wie es jetzt abläuft wärs allemal.

      • Peleo schrieb am 15. November 2012 um 14:40 - Permalink

        Also, ich weiß nicht. Dann müsste man um Deutschland eine Mauer bauen. Auch wenn das Arbeitsplätze schaffen würde – ich bin skeptisch…

      • Am_Rande schrieb am 15. November 2012 um 16:22 - Permalink

        Ich glaube, es war Johannes Gross, der einmal angemahnt hat, ironische/sarkastische/zynische Texte sollten im Deutschen am Besten durch eine aufrecht stehende Kursivschrift gekennzeichnet werden, da der Teutsche Michel so seine Schwierigkeiten mit solchen Texten hat. Es freut mich, dass „Martin Hedler“ bewußt/unbewußt dem Ratschlag von Herrn Gross gefolgt ist. :-)

        • Martin Hedler schrieb am 15. November 2012 um 17:46 - Permalink

          Eine gewisse Ironie muss ich schon zugeben :-). Aber ich bin auch wirklich an Antorten auf die Frage interessiert, warum Personen den Staat als guten Bewirtschafter nur in “bestimmten” Bereichen sehen und nicht in allen.

          • T-Fighter schrieb am 15. November 2012 um 18:42 - Permalink

            Ein Soldat ist nicht unbedingt ein guter Bauer.

          • Karla schrieb am 15. November 2012 um 19:34 - Permalink

            Es ist schon etwas seltsam, im Zusammenhang mit Krankenhäusern (oder auch Bildungseinrichtungen) überhaupt von “bewirtschaften” zu sprechen. Ein Krankenhaus ist doch keine Kneipe. Vielleicht meinten Sie: Warum ist vielen Menschen nicht wohl bei dem Gedanken, dass bestimmte Einrichtungen privatisiert werden, obwohl sie im Allgemeinen wenig oder nichts gegen die Privatwirtschaft einzuwenden haben? Ich denke, es hängt damit zusammen, dass die meisten Menschen vom Gefühl her die Welt einteilen in Dinge, die man für Geld kaufen kann, und solche die man nicht für Geld kaufen kann. Das ist für die meisten so selbstverständlich, dass man es gar nicht begründet, und deshalb mag Ihnen vermutlich auch niemand ernsthaft antworten. Es ist halt ein Unterschied, ob eine Porzellanmanufaktur dicht macht, weil sich die Produktion nicht mehr rechnet, oder ob eine Klinik die Kinderstation schließt, weil sich die Behandlung von Kindern nicht rechnet.

            Es ist außerdem etwas realitätsfern (offen gesagt sogar unsinnig), im Gesundheitswesen von “zentralstaatlich gelenkter Wirtschaft” einerseits und “dezentralem privatwirtschaftlichen Chaos” andererseits zu sprechen. Gerade die Gesundheitsindustrie ist ein Beispiel für sehr weit fortgeschrittene Monopolisierung, und umgekehrt kann man dezentrales Chaos wahrscheinlich auch im staatlichen Gesundheitswesen beobachten (u.a. wegen der vielen Verwaltungsebenen). Dazu kommt, dass der private Teil der Gesundheitsindustrie in nicht besonders Vertrauen erweckender Weise mit “dem Staat” verbandelt ist.

          • Oppi schrieb am 15. November 2012 um 19:54 - Permalink

            Ich sehe den Staat nicht als besseren Wirtschafter. Fakt ist aber nunmal, dass der Staat keine Liquiditätsprobleme kennt (wenn er nicht grade blöd ist und sich freiwillig dem Joch der Finanzmärkte unterwirft wie wir es im Euro tun, da müsste halt mal was geschehen), und somit nicht allein profitorientiert wirtschaften muss. Im Gegenteil kann er anderen Anforderungen an sein Handeln Priorität über die schwarzen Zahlen einräumen, beispielsweise “jeder Mensch muss ausreichend Zugang zu Grundnahrungsmitteln / Heizung / einem gewissen minimalen Wohnraum / medizinischer Versorgung / Bildung o.ä. haben, weil das unser Anspruch an eine Gesellschaft ist in der es sich zu leben lohnt”. Er erfüllt diese Aufgaben sich nur sehr selten effizienter als private Akteure – das kann ihm aber gleichzeitig auch egal sein. Und wenn er sich dieser Tatsache bewusst wird, statt genau wie die Raubtierkapitalisten wie ein Löwe um jeden Euro zu kämpfen, kann er so vielen Menschen den Zugang zu diesen Gütern ermöglichen, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Und das muss nunmal sein – auf die eine oder andere Art.

            • Martin Hedler schrieb am 16. November 2012 um 06:58 - Permalink

              Danke für Ihre Antworten. Sie haben weitere Gründe genannt, warum der Staat Güter bereitstellen sollte (kein Liquiditätsproblem, keine Profitorientierung, die Menschen fühlen sich wohler, der Zugang bedarf keines Geldes und ist mehr Menschen möglich) .

              Dadurch rückt die Frage noch stärker in den Vordergrund, warum denn überhaupt noch nicht-staatlich, also privat Güter produziert und angeboten werden sollten?

            • Oppi schrieb am 16. November 2012 um 16:01 - Permalink

              Einerseits führt das (normalerweise nur in der Privatwirtschaft nennenswert vorhandene ;) ) Streben nach erhöhter Effizienz natürlich zu technologischem Fortschritt und generell zu Innovationen, ist also wünschenswert. Der Staat ist ja auch nicht dazu da, mit den eingenommenen Steuern und weiteren neugeschöpften Geldern jedem Menschen eine Vollausstattung mit irgendwelchen Luxusgütern bereitzustellen. Ich denke schon, dass es eine Gesellschaft einschläfert, wenn niemand eine Notwendigkeit sieht, sich bzw seinen Lebensstandard durch härteres Arbeiten zu verbessern. Nur die Absicherung nach unten sollte durch den Staat gewährleistet sein, und zwar auf einem Level das deutlich höher liegt als das heutige Hartz IV Niveau.
              Ausserdem ist der Staat selbst nach der neoliberalen Theorie dazu da, “Marktversagen” zu verhindern. Darunter fallen ganz eindeutig die momentan ausufernden Strom- und Benzinpreise, um nur mal Beispiele zu nennen. Natürlich richten sich diese nach den Regeln des Kapitalismus, nach Angebot und Nachfrage. Aber das Problem ist, dass die Nachfrage hier nicht vom Preis abhängt, sondern eine Konstante ist. Wir können auf Strom und Benzin nicht verzichten, und wären mehrheitlich zu einem Leben ohne diese Güter gar nicht mehr in der Lage. Die Gesellschaft würde ohne sie zusammenbrechen. Somit haben wir keine Möglichkeit, durch Nichterwerb eine Preissenkung zu erzwingen, egal wie hoch die Preise steigen. Gleiches gilt für Grundnahrungsmittel, Wohnraum und dergleichen. Die Anbieter können die Preise beliebig diktieren – wir müssen kaufen oder erfrieren/verhungern/wieder mit Kerzen Licht machen/ egal wohin mit dem Rad fahren.

              Wenn wir auf nicht lebensnotwendige Güter zurückkommen, ist die Sache eben anders gelagert. Hier funktioniert das Gesetz von Angebot und Nachfrage, weil ein Nachfrager bei zu hohem Preis nicht kaufen wird, und ein Anbieter den Preis senken wird, wenn er nicht genug verkauft. Da braucht es keinen Staat der eingreift und lenkt.

            • Martin Hedler schrieb am 16. November 2012 um 21:16 - Permalink

              Da der Staat einen großen Teil der Grundlagenforschung betreibt, sehe ich nicht, warum er weniger innovativ sein sollte. Auch das Effizienzargument kann ich nicht nachvollziehen. In Ihrem vorherigen Kommentar schrieben Sie ja auch, dass Effizienz dem Staat egal sein könne.

              Warum sollte der Staat auch nur eine Grundsicherung anbieten, wenn er bei Übernahme aller Aufgaben allen ein gutes Leben ermöglichen könnte?

              Ihr Hinweis auf Marktversagen ist wieder nur ein weiteres Argument dafür den Markt komplett durch den Staat zu ersetzen. Warum sollten wir trotzdem immer noch Bereiche dem chaotischen Mechanismus von Angebot und Nachfrage überlassen (der sowieso nicht so ideal funktioniert wie in de Theorie)?

              Da braucht es keinen Staat der eingreift und lenkt.

              Was würde es schaden?

            • T-Fighter schrieb am 17. November 2012 um 02:51 - Permalink

              Wenn die Politiker die richtigen Management-Strukturen einbauen, dann spricht ökonomisch nichts dagegen alle Unternehmen zu verstaatlichen und in SOEs zu verwandeln.

              Die Problematik bei der Sowjet-Wirtschaft war eine praktische 100% Top-Down-Strategie ohne Sanktions- und Anreizmechanismen, sodass der nötige Feedback ausblieb. Außerdem fehlten Mechanismen, die neue Unternehmen hätten auf den Weg bringen können.

              Wer funktionierende strategische Wirtschaftsplanung sehen möchte sollte chinesische SOEs, koreanische Chaebols oder japanische Keiretsus betrachten. (Chaebols und Keiretsus sind privat, aber de facto staatlich kontrolliert.) Die haben einfach die Aufgaben auf untere Einheiten delegiert und die Anfangskonzerne gegeneinander antreten lassen.

              Wobei deren Wirtschaften immer noch an einen funktionierenden KMU-Aufbau arbeiten. Vielleicht sollte jemand mal eine asiatische KfW-Bank vorschlagen..

            • T-Fighter schrieb am 17. November 2012 um 03:01 - Permalink

              Obwohl KMU-Banken vermutlich nicht reichen werden und man zusätzlich Staatsinkubatoren und die Berufsausübung hinsichtlich der Qualifikation regulieren müsste a la Meisterbriefe oder Zertifikate..

      • schwitzig schrieb am 16. November 2012 um 07:59 - Permalink

        @Martin Hedler

        Warum werden hier aber immer nur wenigen Bereiche (Gesundheit, Bildung, …) ausgewählt, die der Marktlogik entzogen werden sollen und nicht gleich der richtige Schritt gegangen die Wirtschaft ganz dem Privaten zu entziehen.

        Eigentlich ganz einfach:
        Lebensnotwendig; Güter, die jeder braucht:
        Sollte staatlich sein, da nur ein Staat gewährleisten kann, dass damit keine Gewinne erzielt werden. Solbald Gewinne erzielt werden, handelt es sich um Epressung, denn in dem Fall wird immer eine Notlage des einen zum Vorteil des anderen ausgenutzt.

        Braucht man nicht zum Leben (an die neoliberalen Religioten: Leben, nicht ÜBERleben!):
        Kann auch profitorientiert sein – also auch privat.

        Zum Thema Gesundheitswesen:
        Wenn es “ökonomischen Gesetzen” – also Regeln, die wir selbst frei erfunden haben – unterworfen wird, muss eine Rentabilitätsabschätzung für den jeweiligen Patienten stattfinden. Auf Deutsch: Kann ich Profit aus dem Überleben des Patienten ziehen und ist der ROI hoch genug? Wenn nicht, muss ich den Patienten verrecken lassen.

        Das ist die Ethik der neoliberalen Spinner. Ein paar tausend Jahre menschliche Entwicklung haben zu antiempathischen Ethikkrüppeln geführt.

        • Martin Hedler schrieb am 16. November 2012 um 08:36 - Permalink

          @schwitzig:

          Lebensnotwendig; Güter, die jeder braucht:
          Sollte staatlich sein [...]

          Braucht man nicht zum Leben [...]:
          Kann auch profitorientiert sein – also auch privat.

          Die Bereitstellung nicht lebensnotwendiger Güter kann privat (profitorientiert) erfolgen, muss aber nicht. Es gibt also keinen Grund, dass Güter durch Private bereitsgestellt werden. Im Gegenteil: Wir bekommen durch die Profitorientierung viele Nachteile (Ausbeutung, schlechte Qualität, …).

          Wieso nehmen wir das in Kauf, wo wir doch mit dem Staat eine wesentlich bessere Alternative an der Hand haben?

          • Peleo schrieb am 16. November 2012 um 09:16 - Permalink

            Lebensnotwendig; Güter, die jeder braucht:
            Sollte staatlich sein [...]

            Der Bauer darf also sein Gemüse nicht mehr auf dem Wochenmarkt verkaufen, sondern muss sie bei einer LPG abliefern – nein, die ist ja noch halb-privat, also nicht-staatlich. Importierte Nahrungsmittel werden über eine staatliche HO verteilt. Beamte entscheiden also, was und wieviel ich essen soll oder darf? Das kann nicht Euer Ernst sein.

            • schwitzig schrieb am 16. November 2012 um 09:52 - Permalink

              @Peleo

              Der Bauer darf also sein Gemüse nicht mehr auf dem Wochenmarkt verkaufen, sondern muss sie bei einer LPG abliefern

              Was ist das denn mal wieder für eine dümmliche Polemik? Natürlich darf “der Bauer” das, aber es muss auf der anderen Seite genügend staatliche Unternehmen geben, damit die Bürger ihr Essen nicht von Deinem “Bauern” kaufen müssen, sondern können, wenn sie das wollen.
              Da muss Dein “Bauer” eben besseres als die Grundversorgung bieten.

          • schwitzig schrieb am 16. November 2012 um 09:56 - Permalink

            @Martin Hedler
            “Private” sind nicht “böse”. Es muss nur sichergestellt sein, dass niemand “Private” braucht, um Menschenwürdig zu leben. Andernfalls sind “Private” nichts anderes als legale Erpresser – mal extrem, mal etwas ethischer ausgerichtet.

          • Umdenker schrieb am 16. November 2012 um 10:05 - Permalink

            Die Bereitstellung nicht lebensnotwendiger Güter kann privat (profitorientiert) erfolgen, muss aber nicht. Es gibt also keinen Grund, dass Güter durch Private bereitsgestellt werden. Im Gegenteil: Wir bekommen durch die Profitorientierung viele Nachteile (Ausbeutung, schlechte Qualität, …).

            Wieso nehmen wir das in Kauf, wo wir doch mit dem Staat eine wesentlich bessere Alternative an der Hand haben?

            Ich möchte etwas anmerken, da ich nicht sicher bin ob diese Trennung unwillkürlich geschieht oder ihr mit “Privat” oder “Staat” einfach nur bestimmte Formen des Wirtschaftens meint. Wenn man nämlich von beiden Begriffen mal die Abstraktion wegzieht, dann befinden sich dahinter in beiden Fällen einfach nur handelnde Menschen. Zudem sehe ich die dargestellte Trennung auch immer mehr verwaschen, da durch bestimmte politische Lehren der letzten Jahrzente auch Akteure im sog. “Staat” profitorientierte Entscheidungen treffen. Wenn man also z.B. den sog. Sozialstaat so “billig” wie möglich machen will, wie unterscheidet es sich dann reel von “Privat”?

            Es geht doch eher darum, dass wir uns (und zwar egal ob Staat oder Privat) von unseren eigenen geschaffenen Werten entfernen (weil man damals germekt hat was passiert, wenn man Freiheit als die Freiheit des Stärkeren, also Vermögenderem, versteht). Da spielt es eher eine untergeordnete Rolle ob z.B. $Unternehmen in Bangladesch von unterbezahlten, minderjährigen, 14h-Tag schiebenden Arbeitern Waren produzieren lassen, welche auch in Deutschland verkauft werden dürfen und wären diese Waren hier produziert gegen zig Gesetze im eigenen Land verstossen würden, aber zwecks angeblicher wirtschaftspolitischer Realitäten toleriert wird. Oder ein Staat, welcher Menschen am von uns gesetztem Existenzminimum (abgeleitet aus der Notwendigkeit zur Wahrung der Menschenwürde und sozialer Teilhabe) auch noch Einsparungen im Sinne von “Sanktionen” aussprechen darf und somit selbst gegen die Verfassung verstößt.

            Im ersten Fall müsste man konsequenterweise (ja, auch wenn es Arbeitsplätze und Gewinne und was weiss ich “kostet”) solchen Unternehmen das Handeln in Deutschland verbieten bis sie nachweisen können, dass sie nach unserem Wertemaßstab wirtschaften (ja, damit wären nicht mehr so tolle Redinten für einige Wenige möglich, aber ist ja auch nicht Sinn der Sache) und im zweiten Fall müsste eigentlich ein Verfassungsschutz (der leider seinem Namen nicht wirklich gerecht wird) eingreifen und einzelne Akteure oder gar die ganze Regierung seines Amtes entheben oder zumindest eine Frist setzen, bis wann sie diese Missstände abzuschaffen haben, sonst fliegen sie raus. Es ist ja nicht so, als hätten wir die rechtlichen Grundlagen nicht, wir wenden sie nur so gut wie nie an. Dabei scheint es gefühlt so zu sein, dass je mehr Kapital (also ergo Macht) hinter solchen Prozessen steckt, desto weniger wird auf rechtsstaatliche Prinzipien geachtet. Denn wäre es so, dann würde sich die Frage von “Privat” oder “Staat” gar nicht erst ergeben, da es wie erwähnt nur um handelnde Personen geht, die sich nicht an die von uns akzeptierten und in diesem Land in Gesetze (ja gar die höchsten in Form der GG) geflossenen Regeln halten. Wenn die Ideologie (oder eher Religion) des Profits alle anderen Werte unterminiert, dann können wir die Gewaltenteilung aufheben, die Wahlen, die Verfassung, usw. denn sie wird ja sowieso kaum noch beachtet. Kurz gesagt, dann haben wir schon längst keine Demokratie mehr.

            Nicht “Staat” oder “Privat” ist in meinen Augen das Problem, sondern die unterschiedlichen Maßstäbe der Anwendung des Rechtsstaats bei bestimmten Akteuren (also nix von wegen “vor dem Gesetz sind alle gleich”).

          • Martin Hedler schrieb am 16. November 2012 um 12:37 - Permalink

            Ob nun böse oder nicht, ändert nichts daran, dass in der Marktwirtschaft ein Profit erwirtschaftet werden muss. Dieser führt zu höheren Preisen und/oder zu schlechteren Arbeitsbedingungen und demnach zu einem geringeren Gesamtwohlstand, als bei staatlicher Produktion.

            Da es das Ziel des Staates ist (sein sollte), den Wohlstand seiner Bürger zu erhöhen, sollte die Produktion doch in allen Bereiche staatlich erfolgen und nicht nur in einigen wenigen.

            • Karla schrieb am 16. November 2012 um 13:14 - Permalink

              Sie reden über den Staat, als wäre der ein höheres Wesen. In Wirklichkeit stehen dahinter auch nur Menschen. Oft genug eben auch solche, die ihre Position dazu ausnutzen, nicht den Wohlstand der Bürger im Allgemeinen zu erhöhen, sondern den einer Clique im Speziellen. Der Glaube an den Staat als höheres Wesen führt genau so in die Irre, wie der Glaube an die allwissende Macht der Märkte.

            • Martin Hedler schrieb am 16. November 2012 um 14:28 - Permalink

              @Karla
              Ich sage nicht, dass der Staat (bzw. die Menschen die innerhalb seiner Institutionen arbeiten) das absolut beste Ergebnis liefern würde. Ich sage nur, dass das staatliche Ergebnis besser wäre als das des Marktes (also der Menschen, die in dieser Struktur handeln).

              Ich vermute, davon gehen Sie auch aus. Sie wollen nicht, dass z.B. Kliniken über den Markt bereitgestellt werden (“Dinge, die man für Geld kaufen kann”), sondern lieber durch den Staat (“solche die man nicht für Geld kaufen kann”). Warum? Nicht weil Sie glauben, dass der Staat eine höheres Wesen sei, sondern weil Sie davon überzeugt sind, dass das staatliche Ergebnis besser ist, als das des Marktes (nicht perfekt, aber besser als die Alternative).

              Ich frage jetzt, warum wir nur bessere Kliniken wollen und nicht auch andere bessere Unternehmen? Jeweils immer im Vergleich zur Alternative Markt/Privat.

            • Karla schrieb am 16. November 2012 um 15:33 - Permalink

              @Martin Hedler

              Warum? Nicht weil Sie glauben, dass der Staat eine höheres Wesen sei, sondern weil Sie davon überzeugt sind, dass das staatliche Ergebnis besser ist, …

              Nein! Das ist nicht der Grund. Es hat mit Geld zu tun, genauer gesagt mit einer Funktion des Geldes, die wir ihm gewohnheitsmäßig zugestehen. Geld hat u.a. die Funktion, den Wert von Dingen zu quantifizieren. Wir machen uns aber meistens nicht klar, dass das nur näherungsweise möglich ist, in vielen Fällen ganz passabel, in anderen weniger, und in wieder anderen eben gar nicht. Nun ist es aber so, dass Geld das Schmiermittel der Markwirtschaft ist. Es kann sich wahrscheinlich niemand vorstellen, dass Markwirtschaft ohne Geld funktioniert. Wenn ich sage, dass bestimmte Bereiche den Prinzipien der Marktwirtschaft nicht unterworfen werden sollen, dann meine ich damit, dass es dort um Dinge geht, deren Wert nicht in Geld gemessen werden kann. Natürlich brauchen wir auch im Gesundheitswesen Geld (als “Tauschmittel”), aber seine Bewertungsfunktion verliert es dort. Wenn ein OP-Team in vierstündiger Operation das Leben eines Menschen rettet, wie viel ist die Arbeitsstunde des Operateurs dann wert? Wie viel die Arbeitsstunde des Anästhesisten, wie viel die Stunde der OP-Schwester? Wenn sie den Patienten am Ende nicht durchbringen, ist der Wert der Arbeitsstunde dann null? Weil die “natürliche Bewertung” hier versagt, muss der Wert gewissermaßen willkürlich festgelegt werden, also den Kräften des Marktes entzogen.

              Ich sehe es einfach so, dass die Marktwirtschaft einen begrenzten Gültigkeitsbereich hat. Der neoliberale Trend, die Existenz von Grenzen in Abrede zu stellen, bringt als Gegenreaktion mit sich, dass manche bezweifeln, dass es überhaupt einen Gültigkeitsbereich gibt. Ich halte das für falsch. Die Physiker haben schließlich auch nicht die Newtonsche Mechanik über Bord geworfen, als klar wurde, dass sie “nur” eine Näherung ist und eigentlich Quantenmechanik und Relativitätstheorie gelten. Dafür ist die Newtonsche Mechanik “im Alltag” einfach zu praktikabel, und ähnlich gilt das für die Marktwirtschaft auch.

            • Martin Hedler schrieb am 16. November 2012 um 15:48 - Permalink

              @Karla
              Danke, dass Sie sich die Mühe machen, mir so ausführlich zu antworten. Dennoch bin ich immer noch nicht schlauer. Sie haben erneut dargelegt, warum der Staat Leistungen (eben medizinische) bereitstellen soll. Davon brauchen Sie mich nicht zu überzeugen. Die Frage war doch die nach den Vorteilen des Marktes.

              Der Markt sei in anderen Bereichen praktikabler? Warum sollte das so sein? Was heißt “praktikabler”?

            • Karla schrieb am 17. November 2012 um 10:22 - Permalink

              @Martin Hedler
              Sie haben Recht, “praktikabel” allein reicht zur Begründung nicht aus, warum das eine besser ist als etwas anderes. Ich würde Sie gern dazu bewegen, Ihre ursprüngliche Frage “privat vs. Staat” aufzugeben (viele Kommentatoren haben Argumente geliefert, warum das nicht die Konfliktlinie ist). Fragen Sie doch bitte lieber “Wenn wir zu der Überzeugung gelangt sind, dass die Prinzipien der Marktwirtschaft in bestimmten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens nicht angewendet werden sollen (weil wir sonst einen falschen Bewertungsmaßstab anlegen würden), warum sagen wir dann nicht gleich, lasst uns dieses “andere Bewertungssystem” für alle Bereiche, einschließlich der Wirtschaft anwenden?”

              Sie sehen schon, ich mache einen Unterschied zwischen “Gesellschaft” und “Wirtschaft”. Die Wirtschaft ist nur ein Teil der Gesellschaft. Das “andere Bewertungssystem”, das für Bereiche wie Gesundheit und Bildung gelten sollte, ist natürlich ein moralisches. Ihr Vorschlag würde also darauf hinauslaufen, dass wir die Welt der Waren und des Konsums nach moralischen Maßstäben bewerten müssten! Es gäbe “gute” und “schlechte” Waren. Meine Mutter ist beispielsweise der Ansicht, dass Schwarzbrot besser ist als Weißbrot. Oder, wenn ich mit meinem Freund durch die Stadt gehe, dann spielen wir manchmal “Wenn ich König von Deutschland wär”, d.h., wir sagen Sachen, die wir verbieten oder reglementieren würden (amerikanische Fingernägel, schlechte Bücher, das Abspielen von deutschen Schlagern in Verkaufseinrichtungen). Das ist natürlich nur ein Spiel, aber stellen Sie sich das mal im Ernst vor: es wäre Diktatur. Oder, wenn es keine Diktatur wäre, weil basisdemokratisch ausdiskutiert würde, was guter und richtiger Konsum ist, dann würden wir solange quasseln, bis wir merken, dass gar nicht mehr genug zum Konsumieren da ist.

              Es gibt jetzt schon starke Tendenzen, Konsum moralisch zu bewerten. Den Vogel hat mal wieder unser Bundespräsident abgeschossen, der unlängst “gegen die Gier” wetterte. Er erwähnte die Banker, aber wer nun meinte, dass sich der BP per Erleuchtung zum Kapitalismuskritiker gewandelt hätte, wurde sofort eines Besseren belehrt, denn Herr Gauck geißelte auch die Gier der einfachen Leute: Warum kauft jemand in Europa Jeans für 10 Euro? Gute Frage eigentlich, Herr Gauck, aber leider wollte er die Antwort gar nicht wissen. Sinn der Frage ist allein die moralische Bewertung dieses offensichtlichen “Fehlverhaltens”, und hastdunichtgesehn ist aus dem armen Menschen ein schlechter Mensch geworden. Manche haben eben die Moral für sich gepachtet.

              Kurz: So viel Moral hat kein Mensch, dass er sie auf ALLES anwenden könnte. Und das ist gut so, weil es einen zwingt, sich Gedanken darüber zu machen, was wirklich wichtig ist. Konservative nennen das gern “Werte”, naja.

            • Martin Hedler schrieb am 19. November 2012 um 12:09 - Permalink

              @Karla
              Das mit den verschiedenen Bewertungssystemen verstehe ich nicht. Worin liegen die Unterschiede? Ist die Bewertung nicht immer subjektiv?

              Warum sollte der Staat zwar in der Lage sein, “moralische” Entscheidungen über Millionen Medikamente, Therapien, Pflegeanwendungen und medizinische Geräte oder Bildungsinhalte, -methoden und -mittel zu treffen aber plötzlich bei wesentlich banaleren Dingen versagen?

              Konkreter: Wir vertrauen dem Staat die Entschiedungen über Millionen von Leben an, wenn er darüber bestimmt welche Medikamente oder Behandlungen verboten oder erlaubt sein sollen (und damit wer leben darf und wer nicht), aber glauben nicht daran, dass er ebenso vernünftige Enscheidungen über Bleistiffte und Kugelschreiber trifft?

              aber stellen Sie sich das mal im Ernst vor: es wäre Diktatur.

              In den wichtigen und kritischen Bereichen, wie eben medizinische Versorgung und Bildung und Erziehung wird diese staatliche Lenkung befürwortet und wenn es um weniger wichtiges geht, ist es Diktatur?

              Oder, wenn es keine Diktatur wäre, weil basisdemokratisch ausdiskutiert würde, was guter und richtiger Konsum ist, dann würden wir solange quasseln, bis wir merken, dass gar nicht mehr genug zum Konsumieren da ist.

              Dafür gibt es ja demokratisch gewählte Vertreter und Mehrheitsenscheidungen, um zu Ergebnissen zu kommen.

    12. leslie schrieb am 15. November 2012 um 13:12 - Permalink

      Die Ärzte(nicht die Band) sind das kleinere Übel.

      Die Abschaffung der Gesundheit
      http://www.spiegel.de/spiegel/a-260671.html

      Und OT aber hammerhart.
      Verschwörungen sind plötzlich hip!
      http://blog.fefe.de/?ts=ae5a08cc

      Die Kommentare bei Youtube!!

      Mfg

      • GrooveX schrieb am 15. November 2012 um 15:43 - Permalink

        welche kommentare? die ‘das wird man ja wohl noch sagen dürfen, ohne gleich antisemit geschumpfen zu werden’-kommentare?

        es macht sich immer mehr breit, wie ein schimmelpilz überzieht es alle möglichen foren, blogs, kommentarräume und politischen instanzen.

        • GrooveX schrieb am 15. November 2012 um 15:45 - Permalink

          bevor es ein anderer schreibt: aber wenn es doch wahr ist?!

          • Frau Lehmann schrieb am 15. November 2012 um 16:35 - Permalink

            Aber wenn es doch von der Realität längst eingeholt wurde?
            Das Schlimme ist doch, dass eigentlich nichts mehr unvorstellbar ist angesichts der Realität.

            • GrooveX schrieb am 15. November 2012 um 22:02 - Permalink

              endlich, das zdf – gerade eben im heute journal – widmet der npd einen längeren beitrag, wohl ausgewogen, mehr als sie der die linke zugestehen würde und im tenor, so schlimm sind die ja gar nicht mehr. ähm, wann war der neunte november nochmal? weisst du, wenn die realität vom deutschen wesen überrollt wird, dann ist es gut, nicht da(bei) zu sein.

            • Frau Lehmann schrieb am 15. November 2012 um 23:36 - Permalink

              @GrooveX
              Und wieder wird als Normalität einer demokratischen Gesellschaft verkauft, was ein Skandal sein sollte. Wir sollen wohl gewöhnt werden. Dazu passt auch der Schwerpunkt des neuen Terrorismusabwehrzentrums: Ausländer-, Linksextremismus und Spionage.
              Von wem nochmal gingen die letzten als terroristisch zu bezeichnenden Anschläge aus? Wer waren die Opfer?
              Wir sind doch schon dabei. Und ich frage mich, wohin denn, wenn ich das nicht will?

      • Frau Lehmann schrieb am 15. November 2012 um 16:31 - Permalink

        @ leslie
        Zur “Abschaffung der Gesundheit”:
        Wischmeyer hat in einer seiner Satiren ja schonmal eine “Geschäftsidee” für alle “Kassenpatienten” eröffnet: sich als Ersatzteillager zur Verfügung zu stellen. Je jünger man dann zu Tode kommt desto lukrativer. Da kann man zumindest eine kurze Zeit lang das Geld verprassen, bevor man dann bei einem “Unfall” ums Leben kommt und “verwertet” werden kann. Sorry, nicht meine Idee. Ich bin definitiv nicht so arg geschäftstüchtig, Aber wahrscheinlich bin ich auch krank und es gibt inzwischen ein Medikament dagegen oder entsprechende “Experten”, die mich gegen Bezahlung auf Linie bringen können.
        Womit ich beim zweiten Thema wäre: Alles nur Verschwörungstheorie. Was nicht sein darf, das nicht sein kann … oder so. Wenn wir alle so lange wir leben gesund wären und dann “einfach” sterben würden – dann… ja dann… gäbe es wahrscheinlich andere Geschäftsideen. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt. Ich bin auch nicht kreativ. Blöd aber auch.

    13. alexios schrieb am 15. November 2012 um 19:45 - Permalink

      So ganz auf die Realität ist es nicht, was hier teilweise steht. Es gibt schließlich die Möglichkeit einerseits ein Transparenzsiegel zu erwerben und daneben eine gGmbH zu betreiben. So könnte man sehr wohl, wenn da nicht gewisse Faktoren wären, privat wirtschaften und dennoch unter dem Banner der Gemeinnützigkeit.

      - Die Probleme sind im Einzelnen: Ungenügende Selbstkontrolle dieser Betriebe
      - Verstrickung verschiedener Gesellschaften in einander
      - Ausnutzung des Staates dieser Gesellschaften, um Geld zu sparen
      - Gerade bei den Kleinen fehlende Tarifsysteme, keine oder schwache Betriebsräte

      Mit anderen Worten: Korruption und Umverteilung ist das allgegenwärtige Problem, die Frage nach Strukturen, ob privat oder staatlich, ist im Grunde zweitrangig.

    14. Peleo schrieb am 16. November 2012 um 11:36 - Permalink

      es muss auf der anderen Seite genügend staatliche Unternehmen geben

      Das entspricht ungefähr der Idee der Gemeinwirtschaft. Eigentlich meine Idealvorstellung. Nur leider ist die in D gescheitert: Co-op, Neue Heimat, Bank für Gemeinwirtschaft, alle pleite. Offenbar konnten sie es nicht besser als die Privaten.

      Unfähigkeit, Korruption und Nepotismus gibt es im privaten und im staatlichen Sektor. Bei staatlichen Unternehmen geht das aber zu Lasten der Allgemeinheit.

      • rheinhold2000 schrieb am 16. November 2012 um 20:37 - Permalink

        die gemeinnützige baugenossenschaft bei der ich wohne kanns aber besser als die privaten, während die heuschrecken hier ganze stadteile verkommen lassen und man bei beschwerden bestenfalls in einer telefonischen warteschleife landet hält meine baugenossenschaft ihre häuser im ganzen stadtgebiet erstklassig in schuss. um die nachbarin die fast hundert ist kümmert sich ein sozialarbeiter der genossenschaft und wenn ich mal was reklamiere kann ich 100% sicher sein das es noch am gleichen tag repariert wird. günstig ist die wohnung auch noch.
        und so gibts ne menge genossenschaften die sehr gut funktionieren.
        übrigens ist karstadt pleite gegangen.
        ein beispiel dafür das aktiengesellschaften nie funktionieren.

    15. HHarlekin schrieb am 16. November 2012 um 12:27 - Permalink

      “Unfähigkeit, Korruption und Nepotismus gibt es im privaten und im staatlichen Sektor.”

      Oh ja.

      “Bei staatlichen Unternehmen geht das aber zu Lasten der Allgemeinheit.”

      Und bei den Privaten nicht?
      Wenn z. B. ein privates Unternehmen durch Unfähigkeit und Korruption oder einfach nur durch Verdrängung im Markt verschwindet zahlt wer das Arbeitslosengeld 1 und später 2 für die ehemaligen Mitarbeiter?

      Je größer ein Unternehmen desto größer die Wahrscheinlichkeit staatlicher Unterstützung nicht erst im Untergang, sondern bereits im Falle einer Schlagseite. (z. B. Bankenrettungsschirm)
      Die zahlt wer?

      Z. B. Finanzkrise: Kurzarbeitergeld und Abwrackprämie zahlt/e wer?

      Prämien/Subventionen für Industrieansiedlungen an Firmen und Konzerne zahlt wer?

      Ausgleich für Einnahmenverlust durch z. B. Senkungen von Unternehmen betreffende Steuern und Abgaben trägt wer?

      Subventionen für alle möglichen Wirtschaftsbereiche zahlt unterm Strich wer?

      Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Die “Allgemeinheit” ist immer mit im Boot
      (Was in enem funktionierenden Gemeinwesen normalerweise auch kein Problem ist, für die Erledigung sinnvoller staatlicher Aufgaben zahlen wir Steuern und Abgaben.).
      Es ist ein weitverbreiteter Trugschluß, zu glauben, in der privaten Wirtschaft auftretende Probleme hätten grundsätzlich keine finanziellen Folgen für das Gemeinwesen. Im Gegenteil: Auch wenn keine Probleme auftreten ist die Allgemeinheit vielfach mit im Spiel.

      Grüße

      • Peleo schrieb am 16. November 2012 um 13:30 - Permalink

        Alles richtig. Weiß ich. Aber dazu kommt bei rein staatlichen Unternehmen noch das Risiko, das bei einer funktionierenden Marktwirtschaft die Eigentümer tragen.

        Ausgangspunkt der Debatte war doch die Forderung von Martin Hedler, überhaupt keine Privatwirtschaft mehr zu erlauben und alles dem Staat zu übertragen. O heilige Einfalt!

        Die Gemeinwirtschaft ist – leider – in Deutschland im Moment kaum ein Thema. Auf kommunaler Ebene aber gibt es sie noch, in Form der städtischen Wohnungsgesellschaften. Immer mehr Gemeinderäte, vor allem linke, aber auch sozialdemokratiesche, haben aus den neoliberalen Verirrungen gelernt und stärken sie gegen die Privatisierungsgelüste der “bürgerlichen” Parteien.

        Im Bankensektor sind ja die Sparkassen so etwas wie eine staatliche Bank. Die Konditionen sind aber nicht besser als anderswo, auch Unternehmen werden gelegentlich hängen gelassen und in die Pleite geschickt, ganz wie bei den Kapitalisten. Die Genossenschaftsbanken sind in vielerlei Hinsicht da besser. Überhaupt verdient der Genossenschaftsgedanke eine Stärkung. Aber Genossenschaften sind keine “staatlichen Unternehmen”.

        • Karla schrieb am 16. November 2012 um 14:20 - Permalink

          Aber dazu kommt bei rein staatlichen Unternehmen noch das Risiko, das bei einer funktionierenden Marktwirtschaft die Eigentümer tragen.

          Bei einer funktionierenden Marktwirtschaft sollten eigentlich immer die Eigentümer das Risiko tragen. Was wir aber nun zur Genüge erfahren haben, ist, dass die Gemeinschaft u.U. auch dann das Risiko trägt, wenn ein privatwirtschaftliches Unternehmen crasht. Entscheidend ist allein die Größe: Too big to fail. Privatwirtschaftliche Unternehmen dürften deshalb niemals so groß werden, dass sie “too big” sind. Wenn es sich aber (aus welchen Gründen auch immer) nicht verhindern lässt, dass ein Unternehmen “too big” wird, dann sollte man die Konsequenz ziehen, und die Besitzfrage mit dem Risiko in Einklang bringen.

          Umgekehrt haben staatliche Großunternehmen das Problem, dass für den einzelnen Eigentümer das Eigentum so abstrakt ist, dass er sich bestimmt nicht als Unternehmer sieht und deshalb angepieselt ist, wenn er für das Risiko einzustehen hat. Meine Schlussfolgerung daraus ist genau das, was du am Ende schreibst, nämlich dass der Genossenschaftsgedanke eine Stärkung verdient. Es wäre bestimmt eine gute Idee, nicht immer nur auf die gescheiterten Varianten zu verweisen, sondern mal zu schauen, wo und unter welchen Bedingungen Genossenschaften funktionieren, bzw. was die Gründe für das Scheitern waren.

          • Peleo schrieb am 16. November 2012 um 19:51 - Permalink

            @ Karla

            Genossenschaften

            erleben derzeit ein Revival, vor allem bei der Energieerzeugung aus Wasserkraft, Wind und Sonne. Das ist erfreulich, aber noch viel zu wenig. Der große Vorteil gegenüber Kapitalgesellschaften: es gibt keine Machtkonzentration, jeder “Genosse” hat nur eine Stimme. Die Genossenschaftsbanken sind deshalb auch kaum von der Bankenkrise betroffen, nur ihre Zentrale hat auch ein bisschen Casino spielen wollen.
            Dagegen haben die viel staatsnäheren Sparkassen mit ihren Landesbanken voll mitgemischt. Das sollte zu denken geben.

            Der Idee der Gemeinwirtschaft ist aber eine andere, Träger waren vor allem die Gewerkschaften. Nicht profitorientierte Unternehmen (Bank, Wohnungsbau, Lebensmitteleinzelhandel) sollten am Markt den Standard setzen, so dass die gewinnorientierten Konkurrenten nicht zu sehr abzocken können. Vermutlich ähnlich wie

            @ schwitzig

            das oben meint, vielleicht erklärt er das noch.

            Der Grund für ihr Scheitern waren unfähige und/oder korrupte Manager, soviel ich weiß. Ich würde aber gern mehr darüber wissen. Ich habe das hier schon mehrfach angesprochen in der Hoffnung, dass ein “Experte” das aufgreift. Bisher leider ohne Resonanz.

            • Heldentasse schrieb am 16. November 2012 um 20:34 - Permalink

              Genossenschaften erleben derzeit ein Revival, vor allem bei der Energieerzeugung aus Wasserkraft, Wind und Sonne. Das ist erfreulich, aber noch viel zu wenig.

              Immerhin ein Anfang. Wie es im positiven Sinne weiter gewirtschaftet werden könnte beschreibt diese Artikel:

              Der Umbau der kapitalistischen Wirtschaftsweise zu einer Solidarischen Postwachstumsökonomie (siehe Abbildung) auf Basis von Gemeingütern ist daher entscheidend. Dieser Umbau basiert auf sozialen Basisinnovationen, die in Nischen entstehen, geschützt vor dem Markt und vor der Intervention des Staates. Solche Nischen verbinden (1) gleichberechtigte Kooperation und (2) eine solidarische Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Gesellschaft mit (3) demokratischer Selbstverwaltung. Beispiele dafür sind Energiegenossenschaften, die baskische Megakooperative Mondragon, genossenschaftliche Regionalökonomien wie in der italienischen Region Emilia Romagna oder der brasilianische Solidarökonomiesektor.

              Solidarische Postwachstumsökonomie – ein Set von Alternativen zur Vielfachkrise

    16. Heldentasse schrieb am 17. November 2012 um 12:46 - Permalink

      @Karla

      Ihr Vorschlag würde also darauf hinauslaufen, dass wir die Welt der Waren und des Konsums nach moralischen Maßstäben bewerten müssten! Es gäbe “gute” und “schlechte” Waren.

      Natürlich gibt es keine gute oder schlechte Objekte, allerdings gibt es verantwortungsvolle bzw. unverantwortliche Menschen die gewisse Objekte oder Dienstleistungen je nach Grad ihrer menschlichen Verantwortung (bzw. Verkommenheit) einsetzten oder ablehnen/ bekämpfen.

      Ganz simple Beispiele für Verantwortungslosigkeit:
      - Menschen die Kinderarbeit in Kauf nahmen um preisgünstig an Waren ran zu kommen
      - Menschen die wissentlich Lohndumping bei Dienstleistern (z.B. Krankenhäusern) in kauf nehmen
      - Menschen die andere Menschen wirtschaftlich ausbeuten
      - Menschen die Waffen in Krisengebiete verkaufen
      - Menschen die Soldaten ohne UN Mandat in ein mögliches Kriegsgebiet schicken
      Weitere Beispiele sind legion!

      Fazit: Ich denke wir brauchen unbedingt eine moralisch/ ethische Werteskala auch in der Wirtschaft! Was man im übrigen auch studieren kann, siehe z.B. hier.

      • Karla schrieb am 17. November 2012 um 20:51 - Permalink

        @Heldentasse
        Dass wir unbedingt eine ethische Werteskala in der Wirtschaft (Wirtschaftsethik) brauchen, sehe ich genauso, und der Martin, dem ich geantwortet hatte, bestimmt auch. Martin und ich haben nur anscheinend unterschiedliche Ansichten, was genau die Funktion der Wirtschaftsethik sein soll. Meiner Meinung nach soll die Wirtschaftsethik die Grenzen der Marktwirtschaft definieren und Regeln dafür aufstellen, was zu tun ist, wenn diese Grenzen überschritten sind. Martin dagegen sagt (wenn ich ihn richtig interpretiere), dass die Marktwirtschaft doch lieber gleich durch diese “anderen Regeln” ersetzt werden sollte, wenn man erkannt hat, dass sie kein so universell gültiges Prinzip ist, wie diejenigen behaupten, die die Meinungshoheit in unserem schönen Land haben.

        Ich weiß, dass meine Position für manche nach Herumdoktern an einem kranken System aussieht. Es ist aber trotzdem meine Meinung. Das viel größere Problem ist doch, dass es hierzulande im Grunde überhaupt nicht möglich ist, über Dinge wie Moral (oder gar Wirtschaftsethik) zu sprechen. (–> Gutmenschen, Kommunisten, Sozialromantiker … Spinner!)

        • Heldentasse schrieb am 18. November 2012 um 10:10 - Permalink

          @Karla

          Danke für die Resonanz, ich denke wir liegen mit unseren Ansichten nicht so furchtbar weit auseinander, nur:

          Meiner Meinung nach soll die Wirtschaftsethik die Grenzen der Marktwirtschaft definieren und Regeln dafür aufstellen, was zu tun ist, wenn diese Grenzen überschritten sind.

          Das sehe ich ein wenig anders. M.E. müssen (idealerweise) die absoluten Grenzen der Wirtschaft durch Gesetze und Verträge definiert werden, die (idealerweise) durch einen demokratischen Konsens zu standen kommen. Mit Ethik (von ēthos = „Charakter, Sinnesart“) hat das unmittelbar nichts zu tun, denn es gibt durchaus(!) wirtschaftliche Kunstrute die zwar den Gesetzten entsprechen, aber durch und durch unethisch sind. (Aktuelles Beispiel dazu: Legale Steuertricks – Google, Apple, Starbucks und Co.)

          Auf das Fußballspiel übertragen entspräche das Spiel dem wirtschaftlichen Handeln der Konkurrenten auf den Märkten, die Fußballregeln sind analog zu den einschlägigen Gesetzen denen die Marktteilnehmer unterliegen, der Sportgeist und die sportliche Fairness wäre demnach die u.U. schwer greifbare Wirtschaftsethik.

          Mein Fazit: Ethik – wenn sie denn wahrhaft sein soll -greift immer und nicht nur in den Grenzbereichen.

          Gruß


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