Simulierter Journalismus
geschrieben am 30. Dezember 2012 von Spiegelfechter
ein Gastartikel von Michael Lohmann
Der Anspruch der Medien, wichtige und verlässliche Informationen über die Politik zu vermitteln, wird oft nur durch rhetorische Tricks aufrechterhalten.
Da den meisten Bürgern der direkte Zugang zur Politik fehlt, brauchen sie die Medien, um etwas über Gesetzesvorhaben und die politischen Akteure zu erfahren. Die Medien rechtfertigen ihre Preise bzw. Gebührenzahlungen durch den von ihnen gebotenen Mehrwert. Sie beanspruchen für sich, ihrem Publikum wichtige und verlässliche Informationen über das politische Geschehen zu vermitteln. Diese Informationen sollen weder auf Gerüchten noch auf reinen Vermutungen beruhen. Ihr Wahrheitsgehalt soll abgesichert sein durch methodische Recherche. Nicht immer können die Medien diesen Anspruch auch einlösen. Mal fehlen Zeit und Geld für eine echte Recherche, mal gibt das Thema nichts her. In solchen Fällen nutzen manche Journalisten rhetorische Tricks, mit denen sie einen Qualitätsjournalismus lediglich simulieren. Im Folgenden möchte ich einige dieser Tricks am Beispiel des Artikels „Graf Zahl“ aus der Süddeutschen Zeitung vom 10./11. November 2012 aufzeigen. In diesem Seite-Drei-Artikel, der sich mit den Aussichten Steinbrücks als Kanzlerkandidat beschäftigt, kommen folgende rhetorische Mittel zum Einsatz:
• Vermutungen werden wie unumstößliche Wahrheiten formuliert. Auf die Herleitung der Vermutungen wird verzichtet.
• Mit dem Einsatz dramatisierender Metaphern wird der Eindruck erzeugt, dass die beschriebenen Ereignisse von großer Bedeutung für die weitere Politik sind. Damit erheben die Autoren den Anspruch, wichtige Informationen erarbeitet und angeboten zu haben.
• Durch die einseitige Rückführung des Handelns von Politikern auf ihre Gefühle und ihren Charakter suggerieren die Autoren, dass deren Tun durch stabile und dauerhafte psychologische Dispositionen bestimmt ist. Auf dieser Basis entwickeln sie vermeintlich plausible Zukunftsszenarien.
Wenn ich im Folgenden einige Aussagen über Steinbrück als unbegründet zurückweise, dient dies nicht der Verteidigung des SPD-Kanzlerkandidaten. Vielmehr möchte ich die Idee des mündigen Lesers, der auf der Grundlage verlässlicher Informationen selber urteilt, stark machen gegen einen Journalismus, der manchmal nur noch vorgibt, Journalismus zu sein.
Die Botschaft: Steinbrücks vermeintliche Abhängigkeit von dem linken SPD-Flügel
In „Graf Zahl“ beleuchten Nico Fried und Susanne Höll die Situation des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Dessen Image hatte unter der öffentlichen Debatte um seine teilweise fünfstelligen Vortragshonorare gelitten. Die Autoren behaupten, dass auch innerhalb der SPD Zweifel an Steinbrücks Eignung als Kandidat gewachsen seien. Deshalb, so Fried und Höll unter anderem, sei er nun auf die Unterstützung der Parteilinken angewiesen. Auch wenn der Kandidat eigentlich kein Freund des linken Flügels sei, werde er diesen Leuten einst große Zugeständnisse machen müssen, als Gegenleistung für ihre Unterstützung. Außerdem sehen Fried und Höll die Gefahr, dass die Parteilinke Steinbrücks missliche Lage ausnützen würden, um ihrem Gegner zu schaden. Das gelte vor allem für Ralf Stegner, einem erklärten Feind Steinbrücks. Steinbrück müsse deshalb mit größeren Schwierigkeiten rechnen, sowohl im Wahlkampf als auch als möglicher Kanzler:
Stegner und Steinbrück sind sich seit Jahren spinnefeind. Sie hatten sich überworfen, weil, kurz gesagt, einer den anderen für den Niedergang der SPD verantwortlich machte. Und vermutlich auch, weil zwei notorische Besserwisser sich per se nur schwer vertragen können. Stegner sperrte sich bis zum Sommer gegen einen Kandidaten Steinbrück. Nun sagt er, der Ex-Finanzminister sei für die Kanzlerin der „härteste Gegner“, und er, Stegner, wolle ihm ins Kanzleramt helfen […]
Zu Beginn seiner Kandidatur hatte Steinbrück von seiner Partei eine gewisse Beinfreiheit erbeten. Das war an jene gerichtet, von denen er fürchtete, sie wollten ihn einmauern. Solche wie Stegner. Heute könnten ihm diese Leute mehr Beinfreiheit geben, als ihm lieb wäre: Sie könnten ihm den Boden unter den Füßen wegziehen. Jetzt steht er in ihrer Schuld. Wenn aus Steinbrück nochmal was wird, werden sie ihm die Rechnung präsentieren. Das kann ihn noch teuer zu stehen kommen.
Die Autoren behaupten also, dass Steinbrücks gegenwärtige Unterstützungsbedürftigkeit einst weitreichende Folgen für ihn haben werde. Weil er Forderungen der Parteilinken erfüllen werden müsse, wird er einen Großteil seiner Politik nicht realisieren können. Das zumindest kann man als Leser so interpretieren aus dem Vorwissen heraus, dass Steinbrück kein Mann des linken SPD-Flügels ist. Damit scheint die Prognose der Süddeutschen Zeitung tatsächlich eine bedeutsame Nachricht zu sein. Der Wähler muss schließlich wissen, was er von einem denkbaren Kanzler Steinbrück zu erwarten hat. Wer Steinbrücks politische Konzepte befürwortet, könnte nun zu dem Schluss kommen, dass seine Stimme letztlich vergeudet sei.
Die rhetorischen Tricks
1. Thesen werden als Wahrheiten formuliert und nicht diskutiert
Welche Informationen hat die zitierte Passage dem Leser zu bieten? Es zeigt sich, dass diese Passage vor allem eine Lageeinschätzung ist, die auf den Deutungen der Autoren beruht. Fried und Höll beschreiben, wie sich Steinbrücks Abhängigkeit von der Unterstützung der Parteilinken auf seinen Wahlkampf und seine eventuelle Kanzlerschaft auswirken kann und werde. Die von ihnen behaupteten Auswirkungen können selber nicht unmittelbar beobachtet werden. So gibt es keinen handfesten Hinweis auf die „Schuld“ Steinbrücks gegenüber den Linken. Die Verpflichtung zu Gegenleistungen für die Hilfe ist eher etwas, was in den Köpfen der Beteiligten existiert. Der Artikel kann zumindest keinen Vertrag zwischen Steinbrück und seinen Unterstützern als Materialisierung dieser Verpflichtung heranziehen. Die Behauptung der „Schuld“ ist daher eine Deutung, die die Autoren nur durch Schlussfolgerung auf Grundlage einer Reihe von Einzelbeobachtungen gewinnen können. Gleiches gilt für die anderen Aussagen der Passage: Ob Personen miteinander verfeindet sind oder nicht, kann niemand wirklich wissen. Dazu müsste man das Gefühlsleben dieser Personen kennen, das aber prinzipiell unzugänglich ist. Dass „solche wie Stegner“ dem Kandidaten schaden können („den Boden unter den Füßen wegziehen“), kann auch nur aus Angaben der Handlungsoptionen Stegners und der Folgen dieser Aktionen für Steinbrück hergeleitet werden.
Betrachtet man die Passage aus dieser Perspektive, fallen gleich drei rhetorische Tricks auf: Die Vermutungen der Autoren werden nicht als solche gekennzeichnet. Stattdessen formulieren sie sie als Tatsache. Die für die Herleitung notwendigen Einzelbeobachtungen konkreter Handlungen, Handlungsoptionen und -grenzen konkreter Personen fehlen weitestgehend. Insgesamt verzichten Fried und Höll auf die Herleitungsarbeit, die es dem Leser ermöglichen würde, die Schlussfolgerungen der Autoren nachzuvollziehen. Durch diese Tricks erzeugen die Autoren den Anschein sicheren Wissens. Indem sie die Unvollkommenheiten ihrer Aussagen verbergen und der Diskussion entziehen und indem sie ihre Thesen als Tatsachen darstellen, tun sie so, als gäbe es keinen Grund für Zweifel und Skepsis. Wie gelingt das?
Erstens werden Annahmen so formuliert, dass sie wie unstrittige Tatsachen klingen. Die Autoren behaupten schlicht, dass Stegner und Steinbrück verfeindet seien. Diese Behauptung wird nicht weiter relativiert. Nach Fried und Höll ist es einfach so. Dadurch verbergen sie den Annahme-Charakter ihrer Aussage. Wer dem Leser mitteilen wollte, dass er nicht über vollständig gesichertes Wissen verfügt, würde dies mit Zusätzen wie wie „Wir nehmen an, dass…“ oder „Wir glauben, dass…“, tun. Fried und Höll verzichten darauf. Ihre Aussage wirkt daher auf dem ersten Blick, als wüssten die Autoren auch zweifellos, was sie behaupten.
Zweitens gehen Fried und Höll äußerst sparsam mit Belegen für ihre Thesen um. Für ihre Annahme, Steinbrück sei der Linken gegenüber zu weitreichenden Zugeständnissen verpflichtet, führen sie in ihrem Text nicht einen einzigen stützenden Fakt an. Der Leser erfährt eigentlich gar nichts. Was fordert die Linke konkret von Steinbrück? Gibt es eine Vereinbarung über den Umfang der Gegenleistungen und wie sieht diese Vereinbarung aus? Wie verbindlich ist diese Vereinbarung für Steinbrück? Erst die Antworten auf diese Fragen würden eine echte Basis für ein Urteil über Steinbrücks Verpflichtungen bilden. Vor allem hätte auch der Leser die Möglichkeit, das Urteil der Autoren kritisch zu prüfen und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Aber weil derartige Einzelbeobachtungen weggelassen werden, muss der Leser die Behauptung der Autoren entweder schlicht glauben oder ebenso unbegründet zurückweisen. Das einzige, was der Leser wirklich weiß, ist, dass Fried und Höll diese Schuld Steinbrücks behaupten.
Drittens vermeidet der Text jede Herleitungsarbeit. Für die Behauptung der Feindschaft ziehen die Autoren immerhin noch zwei Beobachtungen heran: Beide Personen würden sich wechselseitig vorwerfen, der SPD geschadet zu haben. Außerdem seien beide als Besserwisser generell nicht zu einem harmonischen Miteinander in der Lage. Diese Aussagen werden aber nicht als Argumente benutzt. Das geht auch nicht, weil die behauptete Feindschaft nicht als Annahme kenntlich gemacht wird. Erst dann hätte sich für die Autoren die Notwendigkeit ergeben, diese Annahme argumentativ plausibel zu machen. Aber Herleitung und Argumentation provozieren stets auch Kritik. Einzelne Argumente könnten sich nach einer Prüfung als falsch erweisen. In diesem Fall könnten Leser die These der Autoren als nicht haltbar verwerfen. Deshalb stellen skeptische Leser die Aussagen der Autoren von Anfang an unter den Verdacht möglichen Irrtums. Darunter leidet die Autorität der Journalisten als Vermittler wichtiger und richtiger Informationen. Sie haben nur noch eine Meinung von vielen. Dagegen erhöht ein Verzicht auf die Diskussion und Herleitung der These die Wahrscheinlichkeit, dass Leser die Aussagen des Textes als wahr akzeptieren.
2. Dramatisierende Metaphern erzeugen den Eindruck bedeutsamer Nachrichten
Fried und Höll prognostizieren, dass Steinbrück seine politische Unabhängigkeit verlieren werde, weil er dem linken Parteiflügel weitreichende Zugeständnisse machen werden müsse:
Jetzt steht er in ihrer Schuld. Wenn aus Steinbrück nochmal was wird, werden sie ihm die Rechnung präsentieren. Das kann ihn noch teuer zu stehen kommen.
Damit erhebt ihr Artikel den Anspruch, dem Leser Bedeutsames mitzuteilen. Schließlich muss jeder Steinbrück-Sympathisant für sich herausfinden, ob sich eine Wahl der SPD unter diesen Umständen wirklich noch lohnt oder nicht. Allerdings wird dieser Eindruck dramatischer Auswirkungen von Steinbrücks gegenwärtiger Lage vorrangig durch vage Metaphern erzeugt. Fakten bieten die Autoren dagegen nicht.
Metaphern sind bildhafte Vergleiche. Sie sind keine Abbildungen der Wirklichkeit. Eine Eigenschaft eines realen Gegenstandes wird hervorgehoben durch einen Vergleich mit einem anderen Gegenstand. Diese Eigenschaft ist damit nicht präzise durch Beobachtungen oder Messungen beschrieben. Sie wird durch das gedankliche Bild eines anderen Gegenstandes lediglich symbolisiert. Deshalb muss der Leser solche Metaphern erst interpretieren, will er genauer wissen, was sie benennen. Metaphern wecken beim Leser eine Reihe von Vorstellungen. Aber nicht jede Metapher weckt die ganze Bandbreite von Vorstellungen. Man kann die mögliche Vielfalt der Assoziationen des Lesers durch die Wahl der jeweiligen Metapher einschränken und in eine bestimmte Richtung lenken. Fried und Höll haben in der zitierten Passage solche Bilder gewählt, die die Vorstellung weitreichender Konsequenzen für Steinbrück besonders nahelegen. Ihre Metaphern dienen damit der Dramatisierung des Verhältnisses zwischen Steinbrück und dem linken Parteiflügel.
„In der Schuld stehen“ steht hier synonym für die Verpflichtung Steinbrücks, den Unterstützern ihre Hilfe durch Gegenleistungen zu vergelten. Aber diese Redewendung sagt nichts über den Charakter der Verpflichtung aus. Der Leser erfährt durch diese Worte nicht, ob es eine mündliche oder schriftliche Vereinbarung gab und ob über konkrete Kompromisse verhandelt worden ist oder nicht. Ist diese „Schuld“ nur eine moralische oder ist sie in Verträgen festgelegt? Das weiß der Leser zunächst nicht. Aber in ihrer Aneinanderreihung legen die Worte „Schuld“, „Rechnung“ und „teuer“ vor allem die Assoziation finanzieller Schulden nahe. Rechnungen kommen über einen Vertrag zustande. Verträge schaffen Rechtsverbindlichkeit. Theoretisch lassen sich unbezahlte Rechnungen einklagen und durch Gerichtsbeschluss eintreiben. Der Schuldner kann die Zahlung aufschieben, aber er kann ihr nicht ausweichen. Hinter der Rechnung steht das Drohpotenzial der Staatsgewalt, die die Ansprüche des Gläubigers gegen den Schuldner durchsetzt.
Politische Forderungen werden nicht durch Rechnungen erhoben. Rechnungen beschreiben allein ausstehende Geldzahlungen. Das Wort „Rechnung“ ist daher erkennbar eine Metapher. Sie suggeriert, dass die Forderungen der Parteilinken so stark verbindlich sind, als würde es sich dabei um ihnen rechtmäßig zustehendes Geld handeln. Folgt man dieser Assoziation, dann muss Steinbrück also einem starken Druck unterliegen, die Erwartungen der Linken zu erfüllen. Anderenfalls hätte er Sanktionen zu befürchten, die ihn genauso hart und sicher treffen würden wie den finanziellen Schuldner die Vollstreckung per Gerichtsbeschluss. Der Vergleich der Verpflichtungen Steinbrücks mit finanziellen Schulden sorgt damit für einen dramatischen Eindruck: Die Parteilinke habe dank der Honorardebatte eine große Macht über einen künftigen Kanzler Steinbrück.
Genaueres Nachfragen könnte zu einem differenzierten Bild der Verhältnisse führen, so dass die Dramatik in sich zusammenfällt. Wer wirklich wissen will, wie verbindlich Steinbrück der Parteilinken verpflichtet ist, muss nach ihrem innerparteilichen Verhandlungsgewicht fragen. Nur wenn dieses groß genug ist, kann diese Gruppe auch die Verletzungen von Absprachen wirksam bestrafen. Möglich wäre dies etwa durch die Verhinderung von durch einen Kanzler Steinbrück angestrebten Parteitags- oder Bundestagsbeschlüssen. Dazu muss eine Gruppe aber über so viele Delegierte oder Abgeordnete verfügen, dass kein Beschluss ohne sie eine Mehrheit finden kann. In diesem Fall besäße die Parteilinke ein gehöriges Drohpotenzial, um die Gegenseite zur Erfüllung ihrer Forderungen zu zwingen. Wie viele Delegierte und Abgeordnete der linke Flügel einst stellen wird, ist vom Bundestagswahlergebnis abhängig. Das kann derzeit niemand voraussagen. Daher kann auch niemand so genau wissen, wie viel Verhandlungsgewicht die Linke einem Kanzler Steinbrück gegenüberstellen kann.
Ohnehin haben Fried und Höll die Frage nach dem innerparteilichen Einfluss vermieden. Wie hoch ist der Anteil an Linken in der Partei und ihren Führungsgremien gegenwärtig? Sind sie aktuell wirklich so wichtig, wie der Artikel es nahelegt? Es ist vorstellbar, dass es in der SPD noch andere, weitaus größere Gruppierungen gibt, von deren Unterstützung der Kanzlerkandidat stärker abhängig ist als von der der Linken. In diesem Fall würden die Forderungen des linken Flügels weniger ins Gewicht fallen als der Artikel es behauptet. Fried und Höll gehen einer solchen Relativierung der Dramatik aus dem Wege, indem sie andere wichtige innerparteiliche Unterstützergruppen gar nicht erst erwähnen. Insgesamt scheinen die Autoren jede Relativierung zu scheuen, indem sie auf Fakten und Argumente zur Stützung ihrer Behauptungen verzichten. Sie belassen es dabei, durch Metaphern Vorstellungen weitreichender Folgen zu wecken. Aber nur so funktioniert die behauptete Abhängigkeit Steinbrücks von den Parteilinken überhaupt als „Story“. Jede Differenzierung und Abschwächung der These der Autoren würde die Bedeutung des mitgeteilten „Wissens“ schmälern.
In der zitierten Passage gibt es weitere Beispiele einer Dramatisierung durch suggestive Metaphern. So statten Fried und Höll den Steinbrück-Gegner Stegner mit großer Handlungsmacht aus:
Heute könnten ihm diese Leute mehr Beinfreiheit geben, als ihm lieb wäre: Sie könnten ihm den Boden unter den Füßen wegziehen.
„Den Boden unter den Füßen wegziehen“ ist ebenfalls lediglich eine Metapher für eine starke Einwirkung auf jemanden. Diese Person verliert dadurch den Halt und fällt. Für den Leser bleibt offen, was er sich unter Steinbrücks Fall vorstellen muss. Er bekommt jedoch das Gefühl, dass Stegner in der Lage sei, Steinbrück massiv zu schaden. Steinbrück wirkt stark gefährdet. Doch auch in diesem Fall haben die Autoren es unterlassen, nach den konkreten Handlungsmöglichkeiten und -grenzen von Ralf Stegner zu fragen. Was kann er wirklich tun, welche Eingriffe kann Stegner vornehmen? Macht ist keine mysteriöse Substanz, sondern besteht aus sehr konkreten Handlungsoptionen, die sich auch beschreiben lassen. Fried und Höll vermessen diese Macht nicht. Dagegen setzen sie eine Metapher ein, die die Macht Stegners besonders groß erscheinen lässt. Das aber bleibt letztlich nur Behauptung, die guter Journalismus erst belegen oder herleiten müsste als gültig.
3. Vorhersagen werden abgesichert durch die Psychologisierung des Politikerhandelns
Mit der Behauptung, Stegner könne Steinbrück massiv schaden, entwerfen Fried und Höll ein Zukunftsszenario. Im ungünstigsten Falle werde Stegner seinen Rivalen gar zu Fall bringen. Damit ist der Herausforderer Merkels ein Kandidat auf Abruf. Er ist nur solange das Gesicht der SPD, wie Stegner es zulässt. Wieder erheben die Autoren also den Anspruch, sehr Wichtiges über Steinbrücks Handlungsspielräume auszusagen.
Aber auch dieser Anspruch fußt auf rhetorischen Tricks. Erstens wird Stegner durch die Behauptung der Feindschaft zu Steinbrück ein starkes Interesse daran unterstellt, seine Macht über Steinbrück auch auszunutzen. Dadurch gewinnt das Szenario von Fried und Höll an scheinbarer Plausibilität. Es scheint Stegner nicht nur möglich zu sein, seinem Feind zu schaden. Stegner wird es hochwahrscheinlich auch wollen. Diese hohe Wahrscheinlichkeit gewinnen Fried und Höll dadurch, dass sie das Handeln beider Politiker ausschließlich auf deren Gefühle zurückführen. Diese Gefühle beschreiben sie als „Feindschaft“. Zweitens behaupten sie diese Gefühlslage als stabil, weil beide Politiker aufgrund ihrer Persönlichkeitsmerkmale nur Feinde und nichts anderes sein können.
3.1. Unterstellung von Handlungsmotiven und Interessen auf der Basis von Gefühlen
Fried und Höll beschreiben die Beziehung zwischen Stegner und Steinbrück als von Emotionen geprägt:
Stegner und Steinbrück sind sich seit Jahren spinnefeind.
Schon das „spinnefeind“ signalisiert eine sehr starke gegenseitige Abneigung. Die Autoren verzichten auf eine ausführlichere Darstellung des Verhältnisses beider Politiker zueinander. Die Behauptung der Feindschaft legt dem Leser aber schon eine bestimmte Art es Umgangs beider Personen miteinander nahe.
Feinde stehen einander unversöhnlich gegenüber. Sie sind nicht einfach nur politische Gegner. Als solche könnten sie sich durchaus als Menschen respektieren und wertschätzen. Jede gegen den Gegner gerichtete Aktion stünde vorrangig im Dienst der Durchsetzung der „richtigen“ Politik gegen die „falsche“. Der Kampf politischer Gegner kann emotionslos geführt werden, aus strategischen Erfordernissen heraus. Feinde jedoch sehen in jeder Tat des Anderen einen persönlichen Angriff. Ihr Ziel ist nicht primär die Durchsetzung einer Sache, sondern tendenziell die Vernichtung des Feindes. Sie bekämpfen keine Idee, sondern eine Person. Wo sich ihre Wege kreuzen, wird es also immer Auseinandersetzungen geben, die auch eskalieren können. Feindschaft ist, weil sehr emotionsgeladen, dominant. Diese Gefühle bestimmen den Umgang der Feinde miteinander so stark, dass für nüchternes Kalkül oder für geschäftsmäßige Übereinkünfte kein Platz mehr ist. Stimmen diese Assoziationen, dann müssen Stegner und Steinbrück stets einander bekämpfen, weil sie nicht in der Lage sind, sich um einer Sache willen zusammenzuraufen. Daraus folgt aber auch, dass beide Personen jede Gelegenheit nutzen würden, einander zu schaden. Fried und Höll behaupten, dass Stegner diese Chance gegenwärtig habe. Die Beschreibung seines Verhältnisses zu Steinbrück als Feindschaft legt nahe, dass er auch ein starkes Interesse habe. Daher erscheint es dem Leser sehr wahrscheinlich, dass Stegner irgendwann gegen Steinbrück losschlagen müsse.
Natürlich ist das meine Interpretation des Charakters von „Feindschaft“. Die Autoren schlagen ihrerseits aber keine eigene Deutung vor. Außerdem verzichten sie auf jegliche Differenzierung bei der Darstellung der Beziehung beider Politiker. Differenzierungen wären aber möglich. Diese könnten aber die Gültigkeit des Szenarios der Bedrohung Steinbrücks durch „solche wie Stegner“ untergraben.
Die Verhältnisse von Menschen zueinander lassen sich nach dem Grad emotionaler Intensität in verschiedene Typen unterteilen. Desinteresse und Distanziertheit wären Beziehungen mit niedriger Intensität. Eine mittlere emotionale Aufladung findet sich bei wechselseitiger Sympathie oder Antipathie. Liebe und Freundschaft einerseits, Hass und Feindschaft andererseits sind stark emotionale Beziehungen. Angesichts dieser Abstufungen emotionaler Intensität ist die Frage erlaubt, wie stark das Gefühl wechselseitiger Ablehnung im Falle von Steinbrück und Stegner tatsächlich ist. Die Existenz verschiedener Beziehungstypen zwingt zu Rechtfertigungen des Urteils im konkreten Fall. Dazu muss man Kriterien entwickeln, wann ein Verhältnis als Feindschaft und wann nur als Antipathie einzuordnen ist. Anhand dieser Kriterien muss das tatsächliche Verhalten der der Politiker beobachtet werden. Diese Beobachtungen werden mit den Kriterien abgeglichen. Anschließend kann man argumentativ herleiten, warum man ein Verhältnis als Feindschaft und nicht als einen anderen Beziehungstyp beschreibt. Fried und Höll argumentieren jedoch nicht. Sie behaupten die Feindschaft schlicht als Tatsache. Zwar ziehen auch sie einige wenige Beobachtungen heran, um ihre Behauptung zu stützen. Sie zitieren dazu die gegenseitigen Vorwürfe beider, der Partei durch ihre Politik geschadet zu haben. Aber Fried und Höll ignorieren die Möglichkeit, dass diese Kritiken möglicherweise auch zu einem Beziehungstyp mit weniger starker Gefühlsaufladung passen könnten. Stattdessen formulieren sie ihre Aussage so, als sei die Einordnung als Feinschaft unstrittig.
Das ist zweckmäßig für ihr Szenario der Bedrohung Steinbrücks durch Stegners Angriff. Denn in Beziehungen mit geringerer emotionaler Intensität wären die Gefühle nicht der einzige Antrieb des Handelns. Es ist durchaus denkbar, dass beide einander nicht leiden mögen und dennoch beherrscht genug sind, um zugunsten eines Wahlsiegs der SPD zusammenzuarbeiten. In dieser Beziehung wären die Personen freier, auch nüchternen Sachinteressen zu folgen. Dadurch wäre ihr Handeln aber auch weniger vorhersehbar. Entsprechend wäre es den Journalisten unmöglich, ihren zukünftigen Umgang miteinander vorherzusagen. Das Verhältnis zwischen Steinbrück und Stegner wäre dann längst nicht mehr so dramatisch. Der Kanzlerkandidat würde auch nicht in der beschworenen Gefahr schweben.
3.2 Behauptung stabiler Verhaltensmuster aufgrund des Charakters von Personen
Niemand kann wissen, wie Menschen sich zukünftig verhalten werden. Der skeptische Leser könnte einwenden, dass Stegner und Steinbrück angesichts des gemeinsamen Ziels eines Wahlsieges ihrer Partei miteinander Frieden schließen können. In diesem Falle müsste Steinbrück keinen vernichtenden Schlag Stegners befürchten. Solchen Einwänden begegnen Fried und Höll, indem sie die Feindschaft der beiden Politiker als unausweichlich darstellen. Den Autoren zufolge können Stegner und Steinbrück nicht anders, als miteinander verfeindet zu sein. Sie stützen ihre Vorhersage künftiger Auseinandersetzungen zwischen beiden ab durch die Annahme einer psychologischen Disposition zur wechselseitigen starken Ablehnung. Feindschaft gilt ihnen als dauerhaftes Prinzip der Beziehung zwischen diesen Politikern. So erscheinen Vorhersagen für die Zukunft auch berechtigt.
Das gelingt ihnen durch die Aussage, dass beide verfeindet sein, auch weil zwei notorische Besserwisser sich per se nur schwer vertragen können.
Die Feindschaft wird demnach auf die Persönlichkeitstruktur Steinbrücks und Stegners zurückgeführt. Es sind ihre ureigensten Charaktereigenschaften, die dafür sorgen, dass sie miteinander nicht auskommen können. Beide sind sie Besserwisser. Dass diese Eigenschaft bei beiden stark ist, machen die Autoren mit dem Zusatz „notorisch“ deutlich. Sodann greifen Fried und Höll zu einer allgemeinen Regel, nach der Besserwisser sich prinzipiell nicht vertragen können. Dass diese Regel allerdings nicht mehr als ein theoretischer Lehrsatz ist, diskutieren die Autoren nicht. Sie formulieren diese Regel so, als gäbe es an ihr keinen begründeten Zweifel. Dieser Regel zur Folge können sich Steinbrück und Stegner nicht vertragen. Sie müssen verfeindet sein. Und da diese Feindschaft auf ihren jeweiligen Charakter zurückzuführen ist, suggerieren die Autoren, dass sie auch dauerhaft bestehen bleiben wird. Charaktereigenschaften sind widerständige Persönlichkeitsmerkmale, die sich nicht so schnell ändern lassen. Die durch sie angetriebene Feindschaft wird sich folglich auch in der näheren Zukunft nicht abkühlen.
4. Ausblick
Die hier untersuchte Passage steht exemplarisch für viele andere Medienbeiträge ohne echte Substanz. Wenn über die Zeitungskrise gesprochen wird, darf über derartige Qualitätsmängel nicht geschwiegen werden. Zeitungen sind nur dann lesenswert, wenn sie dem Leser einen Mehrwert bieten. Den haben sie freilich nicht, wenn sie einerseits Agenturmeldungen reproduzieren und andererseits auf Recherche verzichten und stattdessen Worthülsen feilbieten. Die Gefahr für Zeitungen kommt nicht aus dem Internet an sich, wie es mancher Printvertreter behauptet. Es sind eher kompetente Blogger, die zu einer Konkurrenz für die Zeitungen werden können. Oft informieren Blogger sachkundiger und kritischer als viele Zeitungen. Zeitungen, die überleben wollen, müssen sich deshalb der Qualitätsdebatte stellen.
Eine pauschale Medienschelte ist der Diskussion aber auch nicht zuträglich. Journalisten können nicht zaubern. Als ganz normale Menschen müssen sie sehen, was sie in Zeiten des Geldmangels der Redaktionen zu Papier bekommen. Es wäre deshalb sinnvoll, sich die Arbeitsbedingungen eines Zeitungsjournalisten mal näher anzuschauen. Beobachtungen des Alltags von Journalisten könnten helfen, die Verleger stärker in die Pflicht zu nehmen. Denn es würde für die Öffentlichkeit erkennbar werden, dass eine gute Zeitung ihren Preis hat. Auch für die Verlage.
Michael Lohmann


Völlig normale Vorgehensweise bei den National Liberalen. Marc Beise der ja aus dem gleichen Stallkommt wie Fried und Höll, hat dieses Vorgehen, frei von Fakten den Eindruck zu vermitteln mit Tatsache zu operieren, beinahe schon zur Kunstform erhoben.
Mittlerweile gibt uns Herr Kister, ebenfalls einer von der angeblich “links liberalen” SZ auch noch Kostproben dieses Vorgehens bei Gesellschaftsthemen. Siehe hier:
http://www.sueddeutsche.de/politik/schere-zwischen-arm-und-reich-die-maer-vom-untergang-der-mittelschicht-1.1561253
Andere Publikationen, wie SPON und natürlich die komplette Springerpresse haben übrigens nie anders agiert.
PS: Die Arbeitsbedingungen von Journalisten interessieren mich nicht. Schon gar nicht die von Höll und Fried… Wer sein Gewissen an der Eingangstür des Unternehmens abgibt hat bei mir immer verloren, ganz egal welche Tätigkeit er ausübt. Und wer sich, wie die Journalie, als 4. Gewalt im Staate aufführt, hätte eigentlich eine ganz besondere Verantwortung. Wird diese nicht wahrgenommen, so liegt ein eklatantes Versagen vor. Das Problem ist, dass schon wieder viel zu viele Jahre vergangen sind, dass ein solches Verhalten ernsthafte Konsequenzen nach sich gezogen hätte. Es wird Zeit das zu ändern.
So kann man das auch nicht sagen. Arbeitsbedingungen sollten immer ein Thema sein!
Übrigens gibt es diese Zeitungskrise so wie gerne behauptet (leider?) gar nicht, wie Thorsten Hild mit Fakten unterlegt beweisen konnte: http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/?p=7595
21.125.606 Exemplare (14.045.914 abonnierte Stücke) werden jeden Tag verkauft! Zeitungskrise sieht anders aus…
Gut, es waren mal 27 Mio Exemplare, aber von Krise kann angesichts solcher Zahlen keine Rede sein. Das Verlagsgeschäft ist nach wie vor hochlukrativ. Warum Redaktionen ausgedünnt werden, hat mit den üblichen Gewinnbestrebungen der Eigner zu tun. Warum sich eine teuere Redaktion leisten, wenn es mit weniger und billiger auch geht? Teure, am Ende sogar noch unabhängige Redaktionen (oh Schreck), könnten ja vielleicht sogar für das einseitige Profitstreben der Eigner unangenehme Fakten recherchieren…
Diesen Druck spüren Journalisten natürlich auch jeden Tag. Es gibt weit über 1.000 freie Jornalisten allein in Berlin, die auf Hartz-4-Niveau leben.
Journalisten sind eben auch nur Menschen; an ihnen einen besonderen moralischen Maßstab zu setzen, ist weltfremd. Auch für Journalisten gilt der einfache, aber sehr treffende Satz: “Erst das Fressen, dann die Moral”.
hast du meine nachricht lutz betreffend erhalten?
Qualitätsjournalismus kostet Geld und benötigt Zeit. Zwei Ressourcen die der Markt nicht hergibt. Nur wer schnell reagiert erhält Aufmerksamkeit. Nur wer Kosten drückt erhält gute Gewinnanteile.
Hinzu kommt, dass durch gute Recherche erbrachte Informationen den Interessen oder allein dem Weltbild von Anteilseignern und Anzeigenkunden entgegen stehen könnten. Und eben diese Gruppen haben eine viel größere Marktmacht als der Abonnent. Zumindest kurzfristig gedacht. Langfristige Überlegungen, wie die das ohne Abonnenten auch keine Anzeigen mehr verkauft werden können gehen im kurzfristigen Marktgeschehen unter.
Die Zeitungen sind Opfer ihres eigenen Marktverhaltens. Wie überall so läuft sich auch hier der “entfesselte Markt” selbst tot und erfindet sich dabei neu. Anstatt Qualitätsjournalismus gibt es nun eben Kampagnenjournalsimus oder einfach Meinungsjournalismus wie in obigem Beispiel: Kommentare, die als fundierte Artikel verkleidet sind.
Gekauft wird so was dann trotzdem. Die BILD hat das über Jahrzehnte vorgelebt.
OT:
Interessanter Hinweis von einem Altautonomen:
“Offiziell bestätigt. Augstein Antisemit Nr. 10 weltweit.”
https://www.taz.de/Jakob-Augstein/!108179/
[Fundstück beim Feynsinn]
Zur taz-Autorin, Cigdem Akyol, schrieb die “muslimische jugend”, welche schon in einem anderen Fall mit C. Akyol zu tun hatte:
“Es ist für uns bedauerlich, einen so schlecht recherchierten und so undifferenzierten Artikel sowie ein tendenziöses und jegliche Objektivität vermissendes Interview in einer in Deutschland so bedeutenden Tageszeitung wie der taz lesen zu müssen. Anhand einiger Kommentare zum Artikel auf der Internetseite der taz müssen wir zudem feststellen, dass es Menschen gibt, die alles glauben, was in der Zeitung steht. Hierbei wird deutlich, dass der Artikel von Frau Akyol und das Interview mit Frau Spuler-Stegemann geeignet sind, die Kluft zwischen Muslimen und Nichtmuslimen in Deutschland zu vertiefen, ohne das irgendein konstruktiver Beitrag von eine der beiden geleistet wird.”
http://www.mjd-net.de/wir-lassen-uns-nicht-abstempeln
Neulich blieb ich kurz bei den ZDF heute Nachrichten hängen.
Petra Gerster erklärte das ZDF zum meistgeschauten Sender 2012 und führte dann aus, dass die GEZ dafür nötig sei, weiter solches QUALITÄTSPROGRAMM zu bieten wie es jetzt auch der Fall sei. Die öffentlich rechtlichen stellen ja HÖCHSTE Ansprüche an die QUALITÄT ihrer Beiträge und um dies aufrecht zu erhalten müsse GEZ gezahlt werden.
Im nächsten Beitrag wurden Leute in Kaufhäusern gefragt, warum sie ihre Weihnachtsgeschenke eintauschen.
Ich habe dann wieder abgeschaltet.
@prophet
Hochwertige Realsatire :-).
Dass “meistgeschaut” und “Qualität” nicht das Selbe sind, sollte jedem klar sein, der sich die Einschaltquoten von RTL heranzieht und deren finanziellen Aufwand gegenüber stellt. ARD und ZDF spielen zwar tatsächlich in der selben Liga, was die Quoten betrifft, nicht aber, was die Kosten für die Produktion angeht.
ARD und ZDF investieren ihre, mit keinem anderen Land auch nur annähernd vergleichbaren, zur Verfügung stehenden Gelder nicht etwa in Qualität – sonst müssten sie z.B. einen Günther Jauch auf der Stelle entlassen (wie ihr eigener Fernsehrat selbst feststellte!) -, sondern meist in unglaublich aufgeblasenen Nonsense…
Wie kann es einen Ausweg aus dieser Medienmisere geben? Das ist eine Frage, die mich seit langer Zeit beschäftigt und auf die ich keine Antwort weiß. Es ist (für mich) ein Fakt, dass die Medien total versagen, aber es ist auch ein Fakt, dass das Publikum lieber “Bauer sucht Frau”, als eine (nach wie vor haufenweise vorhandenen) gute Doku auf Arte schaut. Wer ist wirklich Schuld an der Misere? Die Medien? Man könnte sie auch bei unserem Primatengehirn suchen…
Zunächst mal “Steinbrück fordert mehr Gehalt”, so stehts in meiner Sonntags-Zeitung, die evt. etwas Konservativ daher kommt aber im Netz wird das dann besser Formuliert, die Frankfurter Rundschau:
Setzt sich für Merkel ein: Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat der SPD, fordert ein höheres Gehalt für Bundeskanzler
Argumentiert wird das der oder die Kanzler/in in Deutschland nicht genügend an Gehalt bekommen bei den Leistungen für unser Land, dem widersprach Altkanzler Schröder denn:
“Politiker würden angemessen bezahlt”
In einem Kommentar unter dem Artikel schreibt ein Leser das erst nach der Dienstzeit “dicke Kohle” gemacht wird, als “Gasableser beim Putin” oder “als Juniorpartner bei Soros”schreibt er und die Frankfurter Rundschau berichtet von 17000 Euro Grundgehalt im Monat plus 1000 Euro Aufwandsentschädigung für den Kanzler, Staatssekretäre ca 11000 Euro und ein Minister um die 14000 Euro Monatlich, dazu kommen dann noch Spesen oder Aufwandsentschädigungen usw. das ist alles zwar nicht besonders Üppig, aber wir müssen ja alle den Gürtel enger schnallen. Wie ich gerade erfahren habe halten auch Politiker in schweren Zeiten und “angesichts einer möglichen Wahlniederlage” zusammen: Der Spiegel schreibt unter “Aktion Abendsonne”:
“Nach SPIEGEL-Informationen versorgen die Ressortchefs Rösler und Altmaier verdiente FDP- und CDU-Mitglieder mit Posten. Andere Mitarbeiter und der Personalrat sind empört.”
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/aktion-abendsonne-roesler-und-altmaier-verteilen-posten-a-875117.html
Sogar unsere Journalisten wie im Artikel deutlich wird haben zu kämpfen. Dabei würde ich das jetzt nicht unbedingt an der Darstellung des SPD Kanzlerkandidaten festmachen, bei einer ausgewogenen Berichterstattung wäre von DIE LINKE ab und zu dann auch mal was zu hören oder lesen, denn als einzige Partei die noch auf dem Boden von GG und Verfassung steht und damit einen wichtigen Beitrag für Deutschland zu leisten im Stande ist, wäre das doch wichtig?
Die im Jahr 2006 vorgenommen Änderungen im Presse-Kodex sprechen da eine deutliche Sprache, wenn Interesse besteht suche ich die gravierenden Erneuerungen und die sich daraus ergebenen Möglichkeiten mal heraus.
“Mehr Kohle für den Kanzler”, also wenn das nicht mal ein cooles Wahlkampfmotto ist, dann weiß ich es nicht, ich denke mal, den wähl ich ;-)
(…) von DIE LINKE ab und zu dann auch mal was zu hören oder lesen, denn als einzige Partei die noch auf dem Boden von GG und Verfassung steht (…)
Ach, da ist mir doch wohl was entgangen. Steht denn Die Linke nicht mehr unter Beobachtung des Verfassungsschutzes?
Na, das ist ja ´mal eine schöne Nachricht für das neue Jahr.
Die SED Nachfolge-Partei hat ihre eigenen Zeitungen: Junge Welt und Neues Deutschland. Wer Lust auf Realsatire hat, kann sich dort über die neuesten Winkelzüge der Strategen aus Ost-Berlin informieren. Immer lustig, aber das langt dann auch.
Von realer Politik sind die Typen möglichst fernzuhalten. Gut, im Osten gibts ein paar, die offenbar bei der Organisation der Müllabfuhr und anderer kommunaler Aufgaben keine allzu gravierenden Fehler machen.
Sollen sie sich als Gralshüter des 1949 vom Parlamentarischen Rat verkündeten Grund-Gesetzes gebärden. Weihrauch-umwaberte Symbolik liegt denen ohnehin näher als die Praxis.
Die Partei, die das tumbe Volk ins gelobte Land führen würde, wenn die nicht alle so total fies und gemein zur SED-Nachfolge-Partei wären.
Passt schon ;-)
´´SED Nachfolge-Partei´´
Hmmm,mir lieber als die NSDAP-Nachfolgeparteien.
Pest und Cholera halt.^^
Und nicht soviel saufen zum Neujahr.
Sonst vergesst ihr nur wieder,das alles teurer wird.
Und das ohne PDS. :-p
Mfg
du seierst manchmal einen so undifferenzierten trash ab^^
Aber in letzter Zeit tut er es in´s Körbchen, nicht mehr so wild durch die Gegend wie früher (und das war echt ganz schön früh).
Er rupft sich nach und nach die neoliberalen Blutegel von der Haut aber das Abtötungsmittel hat ein paar, besonders fest gesaugte, noch nicht ganz abfallen lassen.
Das wird noch mit Lemmy, denk an meine Worte.
Soso, unsere Verfassung ist also “Weihrauch-umwaberte Symbolik”.
Das drückt ja ein eindeutiges Demokratie(un)verständnis aus….
Guter Artikel.
Diese Art von “Waschmittelwerbung” (“NEU : Jetzt 15% sozialer”) ist in der Presse leider sehr häufig zu finden und überfordert den Leser in der Bewertung. Der Bürger liest, hört oder sieht dort, wo er vertrauen hat. Leider wird dieses Vertrauen immer wieder missbraucht. Die Verdrossenheit gegenüber den Medien ist berechtigt und so groß, wie gegen Parteien, Banken und Blogs.
Der Beitrag hilft, Artikel schneller sachlich zu analysieren – doch 99% “glauben” einfach – notgedrungen.
Alles schön und gut aber wenn das Vertrauen (des Bürgers) immer wieder missbraucht wird aber denen dennoch immer wieder neu vertraut, dann ist dieser (der Bürger) doch irgendwie, wie soll ich sagen … ziemlich blöd.
Du bleibst uns trotzdem noch eine Erklärung schuldig: Welche Not genau drängt denn den Bürger zu alledem?
Das hätte man auch kürzer sagen können:
Viel Meinung, wenig Fakten.
Ganz abgesehen vom “Spin” der jeweiligen Geschichte.
(Da ist ja jeder Pornofilm glaubwürdiger.)
Es geht nicht um die schlichte Behauptung, dass Medientexten oft der Inhalt fehlt. Es geht um die Art und Weise, wie Journalisten versuchen, diese Inhaltlosigkeit zu verschleiern. Ich denke schon, dass das interessant ist.
Erstens kann man daran erkennen, wie es um die Medien bestellt ist. Zweitens kann man selber kritisch lesen und aufpassen, dass man nicht leeren Aussagen auf den Leim geht. Es gibt gewiss genügend Leute, die den Behauptungen einer Zeitung zunächst glauben. Zumal diese Texte mitunter sehr suggestiv sind. Und dann ist da ein Eindruck im Kopf, den man nur mit Denkarbeit wieder korrigieren kann. Selbst, wenn man schon beim Lesen gemerkt hat, dass die Journalistenbehauptung gar nicht wirklich belegt ist. Das halte ich für ein ernstes Problem. Zumindest habe ich an mir selbst beobachtet, dass ich auf emotionaler Ebene Fried und Höll rechtgegeben habe und dann musste ich mich daran erinnern, dass sie ihre Behauptungen aus der Fantasie geschöpft hatten. Ich denke, ich bin nicht der Einzige, dem es so ergeht.
“Es geht nicht um die schlichte Behauptung, dass Medientexten oft der Inhalt fehlt. Es geht um die Art und Weise, wie Journalisten versuchen, diese Inhaltlosigkeit zu verschleiern. Ich denke schon, dass das interessant ist. ”
Die Frage wäre viel Interessanter wenn sie anders gestellt würde, etwa warum Journalisten versuchen mit inhaltslosen Medientexten die eigentlich wichtigen Informationen zu verschleiern? Dazu, bzw. um diese zu bringen benötigt man auch keine langen Texte mit vielen Zahlen wie sie auf ihrer Seite beschrieben haben. Die Agenda2010 wäre so nie von den Deutschen angenommen worden und 80 Jährige die arbeiten müssen weil sie ein ganzes Leben gearbeitet haben und jetzt durch die Politik der SPD nicht mehr über die Runden kommen, können sich keine Zeitungen mehr leisten, schon gar nicht solche, die für ihre Armut verantwortlich waren!
Sie schreiben bei Telepolis, Zitat: “Mit viel Geld kaufen sich Berufspolitiker das Medien-Know-how, um sich für öffentliche Auftritte zu schulen. Eine solche Professionalisierung haben die Piraten, aus Zeit- und Geldgründen und sicher auch aus Idealismus, noch nicht durchlaufen können.(..)
Das ist vielleicht eine Schauspielausbildung und hat mit Professionalisierung nur in dem Sinne etwas zu tun, als das diese Politiker dem Bürger dann als Schauspieler getarnt und Medienwirksam, etwas verkaufen wollen, was die Bürger aber gar nicht kaufen dürften, weil es doch um den Erhalt einer Gesellschaft geht, darum geht es doch? Dazu habe ich diesen Text gefunden der wunderbar beschreibt, warum wir allenfalls ein Recht auf marktkonformer Demokratie haben und auch bekommen werden wenn es so weiter geht!
http://www.sueddeutsche.de/kultur/2.220/thesen-gegen-die-auspluenderung-der-gesellschaft-kapitalismus-braucht-keine-demokratie-1.1255949
Ich denke, man muss unterscheiden zwischen manipulativen Artikeln und Verlegenheitstexten. Die von mir beschriebenen rhetorischen Tricks finden sich auch in vielen anderen Zeitungsartikeln. Das sind oft genug Artikel ohne größere politische Bedeutung. Ich habe hunderte analysiert in meiner Doktorarbeit und immer wieder ist der Mangel an Information verschleiert worden, um dem Leser investigativen Journalismus vorzugaukeln. Solche Texte sind dann doch eher Ausdruck der Krise der Zeitung.
Natürlich gibt es auch unmittelbare Manipulation. Das gilt für alle von PR-Agenturen entworfenen Texte, die manche Zeitung 1:1 übernimmt. Es gilt für eine Menge von Artikeln, die eine bestimmte Bewertung propagieren. Der aktuelle Focus wirbt z.B. mit der Behauptung, Steinbrück sei neuerdings ein Vorzeigelinker. Wir wissen, dass das Quatsch ist. Ich denke, auch die Focus-Leute wissen das. Deshalb ist dies wohl ein klarer Fall von Meinungsmache.
Beide Phänomene könnte man also in unterschiedlicher Richtung weiterverfolgen.
Bei einer unserer Lokalzeitungen, ging es so weit, dass man die Artikel mit der Adresse des Urhebers (aus versehen oder Dummheit) versehen hatte. Es wurde aber die Notbremse gezogen und diese Artikel-Urheber werden nicht mehr aufgeführt. Es lagen m.M. nach aber auch starke wirtschaftliche Interessen vor (kann ich nicht beweisen). Das Überleben von Lokalzeitungen wird mit dem zunehmenden Alter der Leser immer schwieriger.
Im Online-Bereich wurde jede Kommentierung eingestellt, da sich viele über die Dummheit und Fehler der Redaktion mokiert hatten. Die Kommentatoren waren der Redaktion in jeder Beziehung überlegen.
In der FAZ ist der umgekehrte Weg im Kommentarbereich eingeschlagen wurden und zwar unter zwei Bedingungen:
1. Klarname
2. Keine direkten Beleidigungen / Maßhalten in der Wortwahl.
Dann werden fast alle Kommentare (gleich welcher Meinung) veröffentlicht.
Hier wird es echt lebhaft. Wie lange noch?
Simulation oder nur Faulheit?
z.B die Berichterstattung über die Pisastudie.
Russland läßt seine Kinder lange Gedichte auswendig lernen.
Keiner der Journalisten, weder in den öffentlich-rechtlichen Medien noch in den angeblichen Qualitätsmedien Spiegel, FAZ, konnte mir erklären warum?
“Ironischerweise wissen Lehrer schon seit Hunderten von Jahren, dass die Gehirne der Kinder durch Übungen mit allmählich ansteigendem Schwierigkeitsgrad Schritt für Schritt ausgebaut werden müssen. Bis zur Mitte des zwangszigsten Jahrhunderts gehörte zu einer klassischen Bildung das Auswendiglernen langer fremdsprachiger Gedichte, die das akustische Gedächtnis (und damit das Denken in Sprache) trainierten.”
Doidge Norman, The brain that changes itself, Viking 2007.
In einem besseren Deutschland würden die Kinder in den Hauptschulen zehnmal so viel Mittel bekommen, wie die an den Gymnasien.
Susanne Höll da passt jedes SPD-Gesäss drauf.
Mit der sachlich zu argumentieren wäre verschwendete Zeit.
Es geht nur darum, aus der SPD-Nähe für den Leser Pseudoaktualität vorzugauckeln.
Also ich habe mein Volontariat vor 30 Jahren gemacht – nicht in München, sondern in HH. Mein Lehr-Redakteur aus der Politik hätte mir damals gesagt:
“1. Daraus machen wir jetzt mal drei Artikel
2. Einen Sachartikel in dem du gefälligst nur alle Fakten unkommentiert berichtest
3. Einen Kommentar, wo du deine Meinung auskotzen kannst und der Chef dann entscheidet, ob das so in Blatt kommt oder ein anderer schreibt.
4. Einen Artikel, den du jetzt noch nicht schreiben kannst, weil du noch gar nicht recherchiert hast. Und im Übrigen:
Der Artikel jetzt fängt schwach an, lässt dann aber stark nach.”
Gott ja, man kann das alles heute noch auseinandersoziologisieren und -psychologisieren. Letztlich ist es eine vom FInanzkapital gewünschte Mischung aus Unfähigkeit, Unkenntnis, Zeitmangel und Indoktrinatione (stattgefundener bei den Journalisten). Prinzipiell seit 10 bis 15 Jahren spätestens absolut nix Neues. Macht es aber natürlich nicht besser…
Der beste Artikel dieses Jahres im SF
Moin,
das ist halt die hohe Kunst des Journalismus heute: nichtwissend, nichtssagend und mit einem beliebigen Argumentationsbrei um sich werfend unter besonderer Berücksichtigung selbst erfundener sogenannter Fakten. Sehr schön dokumentiert auf suedwatch.de. Und solche Brei- Produzenten hat die SZ im Reichshauptstadt- Büro. O.k., das sind vermutlich Strafversetzungen. Denn das Geschwätz unserer Polit- Darsteller ist ja inhaltlich nicht anders.
Also suedwatch…. überholt aber selbst Broder rechtsaussen, Herr Braun.
In einem Land, in dem die BILD für die “Enthüllung” des Wulff-Skandals den höchsten Preis für investigativen Journalismus erhält, muss man sich die Frage stellen, ob der Anspruch, den der Artikel hier an die Medien stellt, überhaupt noch der Anspruch der auch sich “seriös” nennenden Medien ist. Schlimmer: Muss man sich die Frage überhaupt noch stellen?
Gut, dann hätte man doch darüber einen Artikel schreiben sollen, oder?
Beobachtungen des Alltags von Politikern könnten dann ja vielleicht auch helfen, die Politiker nicht nur besser zu verstehen, sondern die Konzernchefs besser in die Pflicht zu nehmen. Denn es würde für die Öffentlichkeit erkennbar werden, dass gute Poltik eben ihren Preis hat. Oder – nee – da hab ich wohl was verwechselt, befürchte ich.
Wenns denn so einfach wäre, wären wir nicht, wo wir sind.
Es trifft eben überall zu – wenn an allem gespart wird, nichts was kosten darf, leidet die Qualität, dennoch wird Nicht-Qualität als Qualität verkauft, ganz einfach, indem es so schön umschrieben wird, dass es wie Qualität klingt, auch wenns keine mehr ist.
@Frau Lehmann
Ich meinte das so: Beobachtet man den Alltag von Journalisten, kann man auch ermitteln, wieviel Zeit und Geld sie für ihre Arbeit haben bzw. nicht haben. Mit solchen Fakten könnte man die gegenwärtige Debatte um die Zeitungskrise etwas erden. Die Verlage weisen stets aufs Internet als die Wurzel allen Übels. Die Journalisten sind selber zu zaghaft, um die Missstände anzuprangern, jedenfalls nehme ich das an. Mit derartigen Fakten hätte man Argumente. Das Gleiche gilt für die Rhetorik, um die ich mich hauptsächlich bemüht habe. Auch sie ist ein Argument, um den Verlagen klar zu machen, dass sie selbst die Qualität untergraben und nicht das Internet.
@Michael Lohmann
Danke für Ihre Antwort.
Das versteh ich schon und das ist auch richtig. Ihre Analyse finde ich auch gelungen.
Es bleiben aber die Fragen:
Wer soll das denn den Verlegern so verklickern, dass sie entsprechend umdenken?
und
Ist den Verlegern denn überhaupt an dieser Qualität gelegen oder haben diese nicht ganz andere Intentionen?
Die Verleger werden sich nicht für die Qualität interessieren. Da bin ich pessimistisch. Aber die Diskussion führen sie ja nicht hinter verschlossenen Türen, sondern öffentlich. Sie haben also Zuschauer. Das geschieht nicht ohne Grund. Sie wollen ja auch Öffentlichkeit in ihrem Sinne herstellen. Eine informierte Öffentlichkeit kann aber mit den Argumenten der Verleger ganz anders umgehen. Gleiches gilt für andere Publizisten, die sich über Blogs oder Zeitungskolumnen an dieser Debatte beteiligen. So könnte ein entsprechender Druck aufgebaut werden.
Schließlich möchte ich auch noch dazu beitragen, die Rolle der Medien an sich mal zu hinterfragen. Nicht selten schwingen sich Leitartikler zu einer Instanz auf, die meint, über alles mögliche urteilen zu dürfen, so auch über Politik. Die Frage ist, was sie dazu legitimiert. Die Medien wirken zudem oft genug mit an Kampagnen oder lassen sich vor deren Karren spannen. Selbstkritik kommt nur selten auf. Ich möchte zeigen, dass es viel Grund für Selbstkritik gibt.
Ja, schön. Der Trend geht aber eben nicht zum Qualitätsjournalismus oder zum Zweitbuch. Man muss auch immer mit dem Material arbeiten, welches vorhanden ist. Und das wird zunehmend unbrauchbarer. Und so bekommt der Konsument eben auch genau den Journalismus den er verdient. Dass er ihn nicht mehr fressen will, hat eher mit einem allgemeinen Desinteresse an demokratischen Prozessen, denn mit den Unzulänglichkeiten des Journalismus zu tun. Die Bild wurde nicht erst gestern erfunden…
Es gehen ja auch nicht die Boulevardzeitungen zu Grunde, sondern gerade diejenigen, die zumindest im Ansatz die geforderte Qualität liefern (wollen) Aktuell sind das neben der FR und der FTD (an der man geradezu mustergültig sehen kann, dass Qualität KEIN Kriterium für wirtschaftlichen Erfolg ist) ja auch noch der Freitag und die JW unter… Leben und zwar recht angenehm, tun diejenigen, die dem gesunden Volksempfinden immer weiter Nahrung geben und Ressentiments und stupides Bashing betreiben, von SPON über die Welt bis zur FAZ. Der Rest säuft ab.
Da befruchten sich immer beide Seiten. Was erlauben sich Ingenieure sich massenhaft über Währungsfragen und komplexe volkswirtschaftliche Zusammenhänge auszulassen? Und dabei der festen Annahme zu sein, den Stein der Weisen gefressen zu haben? In jeder Kommentarzeile können Sie aber genau dieses Phänomen massenhaft bestaunen. Ganz genau wie der Leitartikler, der sich zur moralischen und intellektuellen Instanz aufschwingt und Gott der Welt die Lage der Nation zu erklären…
Ich kann mich @ola nur anschließen.
Welche breite Öffentlichkeit sollte das denn sein, die irgendeinen Verleger mit Argumenten unter Druck setzen könnte? Außerdem findet meiner Meinung nach eben keine öffentliche Diskussion über Qualität statt, jedenfalls nichts, was den Namen Diskussion verdiente, denn nur so hätte argumentativ begründete Kritik überhaupt eine Chance. Im Gegenteil, es wird öffentlich beschönigt, grob vereinfacht, verfälscht… – also gelogen – und das im Duktus und Habitus einer Allwissenheit.
Seit Jahren versuche ich erwachsenen Studierenden das kritische Lesen von Texten beizubringen, Manipulation durch Sprache zu erkennen. Das feedback: langweilig, anstrengend, nicht von Nutzen für die eigene Karriere. Meinungen, ja, die gibts, aber Argumente? Fehlanzeige. Kaum mehr als wiedergekäutes Halbwissen und Floskeln. In den lezten Jahren zeichnen sich selbst die im Abitur zu bearbeitenden Sachtexte durch die oben analysierte “Qualität” aus . Gelesen wird freiwillig kaum noch, auch nicht im Internet. Kein Interesse, an nichts, außer sich selbst und dem eigenen Vorankommen und daher auch auch kein Informationsbedürfnis, außer dem, was das eigene Denken und die eigene Arbeit erspart. Die Kurve dieser Tendenz steigt ganz steil nach oben.
Das alles sind Symptome. Über die kann und muss man sicher immer und immer wieder reden, aber die Ursachen werden damit in keiner Weise berührt.
Jupp gut gebrüllt Löwin. Weihnachten auch ohne Westpakete gut überstanden? Hallörchen sind ja auch nicht so schlecht, es muss ja nicht immer Milka sein^^
Grüße
” Die Journalisten sind selber zu zaghaft, um die Missstände anzuprangern, jedenfalls nehme ich das an”
Dann sollten sie, die Journalisten, den Beruf wechseln und Schauspieler werden.
Wenn wir nicht langsam anfangen das Internet als Informationsquelle zu nutzen und dabei müssen wir aufpassen weil es zur Desinformationsquelle verkommt dank Quote, weil eben die letzten aufrechten Journalisten bald nicht mehr so schreiben wollen wie sie eigentlich möchten, obwohl sie so schreiben könnten, wenn sie denn wollten, Herr Lohmann wenn es um Quoten geht ist der geneigte und desinteressierte Zuschauer bei RTL oder Satt besser aufgehoben, die haben uns ja auch bis hier hin geführt aber hier geht es um Länder und Kontinente!
Die Presse als Säule der Demokratie im GG verbrieft stellt sich also als sehr Unvorteilhaft heraus, was ist also zu tun?
Porn 2.0, schreib ich hier schon seit Jahren. Teils unter übelsten Beschimpfungen, vor allem zu Hochzeiten der Piratenpartei… Sie können das Medium ändern, aber nicht den Nutzer.
Das Internet ist eine große Blase und bringt wie alle Medien zuvor, genau das hervor was das Volk interessiert. Informationsbeschaffung, Anstrengung und Eigendenkleistung gehören nur bei einem ganz kleinen Kreis der Nutzer zu diesen Interessen. Einkaufen (möglichst billig) wichsen bis der Arzt die Entzündung behandeln muss, bild.de und tweets mit 160 Worten sind neben Kochrezepten wohl die beliebtesten Spielwiesen…
Porn 2.0? Deswegen suchen die Deutschen bei wiki so oft den G-Punkt?
http://toolserver.org/~johang/2012.html
Ein Volk auf falschen Fährten, es haperte schon im Bildungssystem seit Jahrzehnten und einfach wird das alles nicht, volle Zustimmung und jetzt breite ich mein Silvester und Feuerwerk zu, hochtechnisierte Chinaböller aus Polen mit dem letzten Rest vom Sturmgeschütz der Demokratie für die Trägerrakete sozusagen.
Die Eigenendleistung nach 13 Jahren FTD ist eine 13 Jahre überdauernde Kampagne, die ausschließlich in den roten Zahlen geführt wurde, Bertelsmann sei Dank! Es ist System..
http://www.youtube.com/watch?v=MTCCeXGxn_w
Damit ist alles gesagt, was guten Journalismus ausmacht!
Beste(r) ola:
Auch Reaktionäre haben mal zutreffende Einsichten, vor allem über Sozialdemokratens. Ich hatte nur die Kugel befragt, was die in Rede stehenden Herrschaften Schurnalisdens denn sonst so treiben. Da schien mir der Artikel über die Frau H. nicht gerade unzutreffend. Die Pöbelei von 00:01 nehme ich zur Kenntnis. Ich schlage vor, wir lassen das hier unkommentiert. Sollte das in diesem Ton weiter gehen: ich bin neben mod hier der zweite Bagger (vulgo excavator). Nur zur Kenntnis.
Was genau hat Ihnen bei meinem Beitrag von 00:01 denn nicht gefallen, Herr Braun? Eine Pöbelei jedenfalls konnte ich nicht entdecken, wohl aber eine klare und plastische Sprache. Eine Eigenschaft, das dem vergeistigten linken Milieu schon lange abhanden gekommen zu sein scheint. Übrigens auch ein Grund dafür, dass linker Journalismus nahezu bedeutungslos geworden ist. Tugendwächterei und verschwurbselte Ansagen helfen nicht dabei, die Dinge greifbar zu machen.
Is mir übrigens Wurscht, ob Sie hier den Hilfssheriff geben, das muss jeder mit sich selbst ausmachen.
Solange es keine anderen Medien in Deutschland gibt, werden wir uns weiter über die aufregen müssen, die es bereits gibt.
@Michael Lohmann
Vielen Dank für diese lesenswerte Analyse. Einen Aspekt möchte ich noch anführen:
Das sprachliche Niveau des “Graf Zahl”-Artikels ist meiner Ansicht nach auch erwähnenswert, denn es erinnert mich stark an den Stil der BILD-Zeitung, die traditionell mit vielen kurzen Hauptsätzen arbeitet, welche möglichst weniger als 13 Wörter haben. Auch die Wahl der Metaphern wirkt in ihrer Rustikaliät recht “volksnah” – also geeignet, bei dem Leser, der es nicht gewohnt ist, höhere Detailtiefe und Kausalketten zu erkennen und zu verarbeiten, ein einfaches +/-, gut/böse- bzw. entweder/oder-Bild entstehen zu lassen.
Daraus ergibt sich in Folge die Frage nach der Motivation der Autoren, die sicherlich über ein Bildungsniveau verfügen, das ihnen qualitativ hochwertigere Publikationen erlaubt.
Hä – was lese ich da?
Hat der Verfasser vielleicht schon mal eine Zeitung gelesen, Radio gehört oder vor der Glotze gesessen?
Wir werden da systematisch angelogen! Über angeblichen “Qualitätsjournalismus” kann man bei den korrupten Banditen im Mediengewerbe doch nur lachen.
Müsste uns jetzt nicht gerade die Vogelgrippe drohen oder die Schweinepandemie?
Ach so, das Tamiflu ist ausverkauft, Milliarden wurden verdient, jetzt ist gerade die verschärfte Klimakatastrophe angesagt, die Eisberge schmelzen jeden Sommer, wenn es warm wird, am Nordpol wie am Südpol. Wir müssen jetzt CO2-Steuern einführen und Klimazertifikate bei Goldmann-Sucks kaufen…
Im Zusammenhang sei auch gerne an den Jens Berger-Artikel Steinbrück und seine Nebeneinkünfte – Wie die Süddeutsche Zeitung politische Korruption verharmlost vom Oktober erinnert.
Die Süddeutsche ist klar von Ihrem Verleger Dirk Ippen als SPD-Parteigängerblatt positioniert worden. Das hat nichts mit einer klassischen Links- oder Rechtsausrichtung zu tun – das sind nur noch Denkschemen der Vergangenheit – sondern Vorspiegelung von Pluralismus, von Meinungsvielfalt. In diesem Sinne hat sich die SZ an der deutschlandweiten Medienkampagne zur Installierung Steinbrücks als SPD-Kanzlerkandidat beteiligt. Selbst das moralische Feigenblatt der SZ, Heribert Prantl, stellte zu diesem Behufe einen Artikel ein. Im Zusammenhang stelle ich gerne fest, dass die SZ jegliches Vorhandensein einer Redaktionslinie – etwas was gang und gäbe, und als solches auch nicht verächtlich ist – ableugnet. Im anglokeltischen Kulturkreis wird die Redaktionslinie jeweils durch einen im Wortsinne “Leit”-Artikel zum Äusdruck gebracht: “aus diesen Gründen, blah, blah blah, sind weir der Ansicht das Gauck und Steinbrück, oder wer auch immer die geeignetsten Kandidaten sind. Bei der SZ werden Leserkommentare, wie ansonsten unkritisch auch immer, die Sätze wie “möglicherweise die Unterstützung der SZ Redaktion” oder sowas beinhalten grundsätzlich dem Zensor anheim fallen.
Was die SZ nun mit Artikeln wie dem obigen bezweckt ist wohl, und zweifelsohne spekuliere ich hier, der Versuch ihrer linken Leserschaft zu erklären, dass Steinbrück zwar ein Paläoliberaler sein mag, aber er dennoch Kraft des Faktischen linke Werte vertreten muss. Damit möchte man wohl verhindern, dass einige den Urnen fernbleiben, oder gar, man hole schleunigst den Weihrauch, gar Linke oder sowas wählen.
Interessant im Zusammenhang auch, dass die SZ das Wort “glückssüchtig” in Kommentaren zu den herausragenden Leistungen unseres Bundespräsers, an dessen Installationskampagne die SZ ja auch beteiligt war, ebenso nicht gerne sieht. Da sei dann aber gerne erinnert, wie die SZ bei ihren Enthronungskampagnen gegen vuz Guttenberg und Wulff praktisch keine Grenzen bei der Zulassung von Leserkommentare kannte – weder inhaltlich noch geschmacklich. Da hat es sogar mir gegraust, und ich bin wirklich kein Fan von den beiden. Heribert Prantl hat übrigens vor ein paar Wochen Wulff wieder mit Heiligenschein versehen.
Manchmal erinnere ich mich an einen Artikel in einer Zeitung – kann mich wirklich nicht erinnern welche, der vor etwa 25 Jahren mal die zehn oder so “grössten Zeitungen der Welt” auflistete. Da war die Süddeutsche noch dabei, und auch der Sydney Morning Herald. Das waren weiland in der Tat höchstrespektable Publikationen. Nun, der Morning Herald wird per März zum “Tabloid”, also Boulevardformat abgemagert, bis er dann in ein paar Jahren, wenn es denn so lange dauert, wohl endgültig eingestellt wird. Das einstige Weltblatt Süddeutsche ist mittlerweile zu Provinzpostille degeneriert, und blieb damit auf Augenhöhe mit der Bayernmetropole München, der “Weltstadt mit Herz”, wie sie sich gerne nannte, die zu irgendwas wie Groß-Landshut verkommen ist. Lange wird wohl die SZ auch nicht mehr durchhalten, und beim globalen Zeitungssterben habe ich doch Zweifel ob sie noch ein Jahrzehnt als halbwegs eigenständige Publikation überleben wird, und nicht nur als Lokalteil eines deutschlandweiten Ippen-Blattes. Wie lange sich noch ein Blatt wie der Guardian jährliche Verluste von 50 Millonen Pfündern erlauben kann, darf bei der Gelegenheit auch gefragt werden.
Dass das Zeitungssterben bereits vor dem Anbeginn des Internets, und dem damit verbundenen Versiegen der “Goldenen Ströme” der Kleinanzeigen begann, ist ein anderes Thema.
Zum Thema: http://www.abc.net.au/tv/bigideas/stories/2010/09/14/3010063.htm – das Audio sollte genügen.
@OAlexander
Es ist eine Form ausgleichender Gerechtigkeit, wenn ausgerechnet jene “Journalisten”, die sich gerne das Etikett von “Qualitätsjournalismus” anheften, sich nach und nach wegneoliberalisieren und als Erbe eine Medienlandschaft auf BILD-Niveau hinterlassen, an der sie weder partizipieren, noch verdienen – also ihren Lebensunterhalt bestreiten – können :-).
In Griechenland ist “Journalist” (zu Recht) eine Beleidigung.
Unsere “Qualitätsjournalisten” haben sich selbst abgeschafft, denn wenn man keinen Arsch in der Hose hat, darf man sich nicht wundern, wenn da ständig ‘reingetreten wird.
Ja, das ist eine traurige Geschichte, wie sich die Qualitätsmedien entwickelt haben. Vom Motto des legendären Guardian Herausgebers C. P. Scott Comment is free, but facts are sacred ist nicht mehr viel übrig geblieben.
Heute dominieren auch bei den “seriösen” Abonnementszeitungen große Farbbilder zu Trivialthemen die Titelseiten. Diskussionen finden nicht statt, an ihre Stelle sind Kampagnen gerückt. Solange der Journalist dabei seinen Arbeitsplatz nicht sofort verliert arbeitet er doch gerne an seiner Abschaffung. Mitläufertum regiert die Welt.
Was mir bei der Süddeutschen auch noch arg sauer in kürzlicher Erinnerung ist, ist wie sie auf den Assange (“WikiLeaks”) gnadenlos eingeprügelt haben. Der hat ja eigentlich doch nur das gemacht, was eigentlich Aufgaben von Journalisten sein sollte: er hat Fakten veröffentlicht die für den Einzelnen kaum zugänglich waren. Peter Burghardt blieb mir dort als Oberschmierfink in “bester” Erinnerung. Der Mann hat erwiesen, dass er durchaus auch sehr vernünftig schreiben kann, was er aber zum Thema Assange abgeliefert hat, qualifiziert ihn bestens für die Aufnahme in die Chefredaktion von Der schwarze Kanal. Von mir einer der vielen heißen Kandidaten für den Karl-Eduard von Schnitzler-Medienpreis des Jahres.
Dir, lieber schwitzig, und meinen anderen hartgesottenenen Mitstreitern hier, wie den R_Winter von etwas weiter oben, und der Chefredaktion um Jens Berger die besten Wünsche zum Jahreswechsel! SPD-Werber Sasse ignoriere ich dabei mal.
Genau das meine ich, das Beispiel mit Wikileaks und Assange bringen es auf den Punkt und die Verfolgung durch die Justiz ist Beispielhaft für staatliches Handeln in Diktaturen oder solchen Staaten, die es noch werden wollen. Eine klare Ansage kommt von der Bundeszentrale für politische Bildung:
“Auf Dauer ist politisches Handeln in der Demokratie gegen die ö.M. nicht ungestraft möglich. Dabei ergibt sich für D, so wie für andere moderne Wohlfahrtsstaaten auch, das Dilemma, dass für die Lösung der zentralen innerstaatlichen und globalen Herausforderungen schmerzhafte Einschnitte in individuelle und gesellschaftliche Besitzstände und Ansprüche unabdingbar sind. Demokratische Politik wird in D. nur zukunftsfähig sein können, wenn sie nicht reaktiv an demoskopischen Momentaufnahmen ausgerichtet ist, sondern aktiv die öffentliche Meinungsbildung über die Lösungsansätze für die großen Herausforderungen der Zeit fördert.”
http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/handwoerterbuch-politisches-system/40341/oeffentliche-meinung?p=all
Dann wird noch beschrieben das sich selbst Diktaturen nicht halten können wenn sie nicht hin und wieder oder “in gewissen Abständen” durch Wahlen, Plebisziten also durch Scheinakklamationen auf die öffentliche Meinung beziehen können. Was benötigt ein Journalist denn noch um zu beschreiben was da gerade vor sich geht? Bald wird man nicht mehr so schreiben können, wie man eigentlich möchte und Verantwortlich ist die Presse die dieser Entwicklung den Boden bereitete. Kritik am Kurs der Regierenden in Europa, wird in Zukunft dann Zensiert und das ist durch die EU-Verträge ebenso legitimiert. Glaube ola schriebs vor ein paar Tagen: “”Am Ende dieser Entwicklung wird die vom Volke unkontrollierte und unreflektierte Dominanz der Großkonzerne stehen und zwar noch wesentlich brutaler als jetzt schon. Die Alternativen, gestaltende Politik, Demokratie usw nämlich, werden verbrannt und beerdigt sein und dann beginnen erst die lustigen Zeiten…”"
Prosit Neujahr allerseits!
Der 1.1.2013 ist soeben auf diesem Planeten eingetroffen (auf Samoa, eben auf DLF gemeldet).
“Der 1.1.2013 ist soeben auf diesem Planeten eingetroffen (auf Samoa, eben auf DLF gemeldet).”
Da verliere ich so langsam den Überblick, vor ein paar Tagen erst ein Weltuntergang und dann fängt das neue Jahr woanders schon viel früher an, was kommt wohl als nächstes?
allen Kommentatoren, Moderatoren, Redakteuren und Chefredakteuren einen guten Rutsch und ein glückliches neues Jahr!
Tja, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…
@ola
Danke der Nachfrage. Ich wills mal so sagen: Ich lebe noch und hab meine Sprache noch nicht ganz verloren. Und so ne “Süße” bin ich ernährungstechnisch gar nicht. So ‘n “echten” Bohnenkaffe hättest du aber mal rüberreichen können ;)
Komm gut ins Neue ( das ja so neu nicht sein wird)! Und für 2013 alle guten Wünsche!
@Mod
Auch Ihnen von mir die besten Wünsche fürs neue Jahr und herzliche Grüße!
@all
Guten Rutsch, alles Gute und verliert euch nicht im neuen Jahr!
“@all
Guten Rutsch, alles Gute und verliert euch nicht im neuen Jahr!”
Danke, auch so.
Außerdem hoffe ich, dass in der Nachbarschaft beim flatterich die “Meinungsmüllhalde” wieder aufgemacht wird. Ich fühl mich ausgesperrt.
Haha, hättest halt mit deiner Adresse rausrücken müssen, dann hätte ich dir feinste Bohne vom Aldi rübergetan. Wenn es der böse Grenzer nicht eingezogen hätte, wäre auch dir ein frohes Fest im westlichen Konsumrausch sicher gewesen. Oh Onko… (Heute tritt der “Grenzer” ja in Form eines unterbezahlten und völlig überarbeiteten Post Subunternehmers auf…)
Auch dir einen guten Rutsch und dem Rest der Gammelbande natürlich auch, sogar Lemmy, die “ein Mann Hayek Nachfolgepartei”, schließe ich in meine guten Wünsche mit ein.
Hayek war ein Idiot.
Ich bin eine Reinkarnation Willy Brandts ohne Kognak.
Die von mir am meisten verehrte Politiker(in) ist die Frau von Pepe Mujica, gefolgt von Pepe selbst und danach lange, lange nichts.
Wow Lemmy, was für ein Paar. Danke für diesen wertvollen Tipp!
Wüßten die Steinbrücks dieser Welt, dass die Menschen dieser Welt wüßten, dass es Politiker wie diese beiden gibt, bliebe ihnen nichts anderes übrig, als vor Scham im Erdboden zu versinken, und zwar jedes mal wenn sie ihr Maul aufreissen.
Aber leider hört man sonst nichts darüber, im Qualitätsblätterwald.
Kleine Korrektur: Mich hat das Leben und die Taten dieser Menschen gepackt, weshalb ich weiter recherchiert habe. Dabei fand ich heraus, dass El Mundo, eigentlich ein konservatives Blatt in Spanien, einen Bericht über deren Wirken gebracht hat. Respekt!
von mir erst mal an alle:
Na dann, Prost, GrooveX!
Schließe mich an.
Ebenso, ihnen Frau Lehmann und allen aufrechten Streitern für den Erhalt demokratischer Werte ein glückliches neues Jahr!
Vor allem Gesundheit wünsche ich allen !
Proooooooooooooooooooooooooooooooooooooooost !!!!!!!!!!!!!!!!!!
:)
Nicht nur Strom wird teurer,
auch das worin er fliesst.
http://blog.fefe.de/?ts=ae1ce578
Aber trotzdem frohes neues…^^
Mfg
nicht zu vergessen, das, was er auf deinen qm glas an der wand malt, auch. es wird einfach alles teurer. früher war das jammern, dass alles teurer wird, ein merkmal für spießertalk. heute ist man damit progressiv. da sieht man mal wieder…
Meine Meinung: Die Medien wissen sehr genau was sie tun, warum und wie. Im Mittelpunkt steht das eigene Überleben, die Eingebungen ihrer Eigentümer und “Konkurrenten” und deren “sonstigen” geschäftlichen Aktivitäten (siehe Bertelsmann-Konzern).
Zuallererst müssten sie ihre Finanzierung, Beteiligungen und deren Aktivitäten offen legen. Da sie das aber nicht tun, ist bereits schon offensichtlich, dass es ihnen gar nicht um Transparenz und unabhängige Berichterstattung geht.
Natürlich erwecken sie den Anschein einer solchen, das müssen auch, um ihr Klientel zu pflegen
Die einzelnen Methoden sind so vielfältig und von Psychologie durchdrungen, aber auch anpassungsfähig und klientelgerecht, dass man das im Einzelnen gar nicht auseinander nehmen kann und muss.
Die Medien sind nicht Unabhängig.
Sie waren vielleicht ein bißchen Unabhängig in ihrer Berichterstattung während des Ost-Westkonflikts, aber heute brauchen sie (Medien) dieses Kasperletheater nicht (der Konkurrent ist nämlich nicht mehr vorhanden) mehr.
Warum bezahlen wir dann GEZ?
@Truvor:
Die Medien waren nie unabhängig. Da wird heute immer noch an der “Spiegel”- Legende von 62 gestrickt, wo ein Magazin einen Verteidigungsminister zur Strecke gebracht hat. Der “Spiegel” wurde seitdem mit Anzeigen überschüttet, denn die Anzeigen- Käufer waren – zu Recht – der Meinung, die Leserschaft setze sich aus zunehmend wirtschaftlich selbstständigen Kleinbürgern zusammen, anders gesagt: Kaufkraft.
Heute ist das anders. Den Verleger interessiert die Leserschaft nicht die Bohne. Er versucht gegenüber den Anzeigenkäufern den Eindruck zu erwecken, sein Pamphlet sei eine “Marke”. Das hat man mit der FTD zehn Jahre versucht. Und die FR im Prinzip auch, obwohl sie schon Anfang der 70er Jahre ein totes Pferd war. Nur ist der heutige Leser deutlich besser organisiert, weil er sich in fünf Minuten via Internet alle wichtigen Nachrichten heranholen kann. Soll er dazu noch extra eine Papier- Zeitung kaufen? Statt sich aber mit dem Leser zu beschäftigen, schielt der Verleger immer noch auf den Anzeigenkunden. Obwohl der für kleines Geld heute eine schnucklige Werkszeitung in das Internet stellt, die x – mal häufiger heruntergeladen wird als sein – bezahlter – Artikel in der Regionalzeitung.
@ Folkher
Ich selber habe bis 2010 eine Zeitung im Abo gehabt, obwohl ich mich auch über das Internet informiert habe. Ich habe mich später aus Kostengründen gegen das Abo entschieden, aber auch, weil die Zeitung sich als informationsleer erwiesen hatte. Das war mir besonders 2009 sauer aufgestoßen, als Frau von der Leyen ihre Internetsperre durchzusetzen versuchte. Ich fand, dass ich durch Blogs durchgängig sachkundiger und den Ereignissen näher informiert worden bin als durch meine Zeitung, die bloß Agenturmeldungen replizierte. Und DAS ist für mich der Grund, die Zeitung überflüssig zu finden. Das Medium ist mir selber nicht so wichtig, ob Totholz oder Internet, mich interessieren Inhalte. Nur hatte meine Zeitung außerhalb des Lokalteils keine. Also war es auch kein Verlust, sie abzubestellen. Ich bekam das selbe in der Tat im Netz. Das muss aber nicht sein, denn eine Zeitung könnte eigenständig recherchieren und müsste daher mehr bieten können als Agenturmeldungen.
ARD Teletext, Nachrichten: Mittelstand erholt sich und 150 000 neue Stellen “sollen” geschaffen werden in 2013, es geht uns also wieder besser und die Prognosen sind gut, weil es 2012 ja auch nicht so schlecht war wie oft behauptet wird. Als Quelle wurde “Superillu” angegeben und die bezogen sich angeblich auf den DIHK, was die komplette Nachricht nicht unbedingt Wertvoller macht denke ich?
Wenn Parolen zur Information werden dann waren die Ursachen ebenfalls Parolen anstelle von Journalismus!?
ach gottchen, da hat der zuständige redakteur für teletext einfach nicht aufgepasst oder noch urlaub. das sieht doch eher nach einem typischen hilfskraftfehler aus, denn dass die ard sich im teletext auf die unausprechliche beruft, ähm, kann sonst wohl nur am 01.04. (die zensur) passieren.
Die Medienethik spielt in diesem Forum weder bei Autoren noch Kommentatoren keine Rolle mehr, wenn es um Krieg und Frieden geht. So macht etwa Jens Berger um solche Themen wie die (Kriegs)hetze gegen Syrien, Russland und China einen grossen Bogen.
“Links” heisst in diesem Forum, sich mit dem deutschen Wirtschaftssektor um einen möglichst grossen Anteil am gesamten produzierten Kuchen zu balgen.
Dieser Kuchen darf ruhig wachsen, indem der Wirtschaftssektor anderen Weltregionen ihre Produkte zu gedrückten Preisen abpresst. Die NATO-Militärmacht ist dabei das “market external” um die Einkaufspreise zu drücken und die Verkaufspreise zu erhöhen.
Was mir gegenwärtig auffällt ist der Medienhype wegen einer Vergewaltigung/Mord in Indien.
Die Bürgerproteste nehmen politische Dimensionen an (ich sah im Fernsehen Transparente dubioser indischer Kommunisten). In Indien scheint Vergewaltigung tatsächlich als soziales Problem öffentlich zu werden, indem sich das Land modernisiert und öffnet.
Was mich aber stört, ist der gleichgeschaltete 24-7-Medienhype ausgehend von CNN, Al Jazeera u. den üblichen Verdächtigen nach dem Handbuch der Color-Revolutionen in “unbotmässigen” Ländern.
Womit hat sich Indien im Westen unbeliebt gemacht? Andauernde Partnerschaft mit Russland…? Die falsche (nicht-abrahamitische) Religion ?
@ Findus
Bist Du nicht ein bißchen VT gefährdet ?
Begreife doch, dass die Leser von denen dieses Blog lebt vor allem eines wollen: Verschwörungstheorien, das heisst Antworten auf existentielle Fragen wie Krieg und Frieden die der simulierte Journalismus nicht beantwortet. Ja ich will Verschwörungstheorien zur Diskussion stellen, die sich bewahrheiten, z.B.
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/8734/griechenland-kauft-seine-anleihen-zuruck-europaischer-dilettantismus-in-reinkultur#comment-219126.
Deine Abkürzung VT klingt wie eine abgekürzte Krankheit, z.B. HIV, IC, indem Du das Wort “Verschwörungstheorie” nicht mal aussprichst. Die Abkürzung VT stammt aus dem Vokabular gleichgeschalteter Mainstream-Journalisten, deren simulierter Journalismus nichts mehr ist als die Extrapolation von bekanntem Wissen, dass sie einige Tage früher erfahren als der Rest von uns. Woran es denen mangelt, ist die Fähigkeit das Undenkbare zu denken und zu publizieren, dass ihnen ihre Quellen (Nachrichtenagenturen) noch nicht vergekaut haben.
Dieses Blog driftet immer mehr auf verteilungstheoretische links-rechts-Balgereien und deutsches Parteiengezänk hin, d.h. der Blog wird allmählich “linker” simulierter Journalismus ähnlich wie TAZ.
Dem Anliegen von @Findus kann ich folgen. Im Grunde ist der Erkenntnisstand der Blogger zumeist soweit fortgeschritten, dass Blog dieser Art (unter denen SF ein kulturvolles Exemplar ist) keinen nennenswerten Zugewinn darstellen. Bekanntes ständig zu wiederholen und umformulieren kann nicht das Anliegen der Blogger sein, denen aber mangels Werkzeuge und Strukturen nicht anderes vergönnt bleibt.
Aber was nützt es, wenn ich weiß, dass 9 von 10 Teilnehmer eines Blogs meine Meinung teilen. Dagegen würde es was nützen, wenn 90.000 oder 900.000 eine Meinung teilen, und diese Meinung dann öffenlichkeitswirksam vertreten und ausbauen könnten und dann auch Kampagnen außerhalb der virtuellen Welt führen könnten.
Ich wünsche von den Verantwortlichen der Blogs, dass sie überlegen, wie sie ihrer Blogger und deren Meinungsbildung, z.B. durch Abstimmungen zusammenschalten können. BVDW und Ad Networks machens vor. Wie wärs mit einem VBDB (Verband basisdemokratischer Blogs)? Als Verschwörung würde ich das dann aber nicht bezeichnen, weil eine solcher Verband ja nicht im Untergrund agieren muss.
Spiegelfechter “worth $4,617USD”.
http://www.alexa.com/search?q=spiegelfechter.com&r=site_siteinfo&p=bigtop: “Spiegelfechter.com is ranked 144,758 in the world (among the 30 million domains). This site is relatively popular among users in the Germany. It gets 94% from Germany.This site is estimated worth $4,617USD. ”
Wenn der Wert der Webseite tatsächlich nur $4,617USD Wert wäre, wäre der reine Kapitalertrag bei einer angenommenen Eigenkapitalrendite von 10% p.a. etwa 400 Dollar im Jahr.
Wieso hat Spiegelfechter einen so niedrigen Wert? Die Ads von Finanzdienstleistern etc flackern doch auf spiegelfechter.de – da müsste doch der finanzielle Wert der Seite ganz unironisch viel höher sein? Jedenfalls wurde die CPU meines PC heute wieder mal ganz durch die Flash-Werbung etwas gebremst. Der Geist (der Websteite) ist willig, doch das Flash ist schwach.
wenn ich für´s Geld bloggen würde, würde ich mit dem SF irgendwas falsch machen ;-)
Zum Abschluss der Diskussion dann dies: Die Revolution frisst ihre Kinder
http://www.jungewelt.de/2013/01-02/030.php
Der Ostsrürmer auf Abwegen. Recht so ihr Mietmäuler und Knechte, fresst euren eigenen Dreck.
danke, spiegelfechter, dass du mir erklärst was eine metapher ist.
wobei das heutzutage wohl tatsächlich notwendig ist, hmm.. aber so jemand wird sich dann doch nie im leben auf eine seite wie diese verirren. geschweige denn ein essay wie dieses hier lesen.
ein teufelskreis.
Ich finde es seit einigen Jahren sehr interessant, sich nach dem Lesen eines (Zeitungs-)Artikels zu fragen, was man tatsächlich Neues erfahren hat /”dazugelernt hat”.
Oft kommt es mir so vor, als ob ich den Zeitungsartikel auch selber hätte schreiben /zusammenspekulieren können..
Die Analyse in diesem Blog fand ich hingegen wertvoll.
Hier noch etwas zum “simulierten Journalismus”, Konformität der Medien:
“Das heißt andererseits nicht, dass der Mainstream keine abweichenden Meinungen zuläßt. Ganz im Gegenteil: das System lebt ja geradezu von seinem toleranten Image. Denn in einer Gesellschaft, die vorgibt, demokratisch zu sein, muss die Propaganda-Maschinerie gelegentlich auch mal abweichende Meinungen integrieren. Diese allerdings nur homöopathischen Wahrheitsdosen sollen quasi wie eine Impfspritze wirken: sie immunisieren die Öffentlichkeit, damit diese die engen Grenzen unserer Pressefreiheit nicht mehr wahrnimmt. So gesehen sind jene ehrlichen Artikel von Abweichlern, wie sie gelegentlich an die Oberfläche des Mainstream (des Hauptstroms des Presseflusses also) schwappen, ebenso entscheidend für ein geschmiertes Funktionieren der Propaganda-Maschinerie wie die große Masse an macht-affirmativen journalistischen Artikeln. Und so finden durchaus auch Dissidenten ihren Platz in der Pyramide (ein paar wenigstens) – was aber überhaupt nichts daran ändert, dass am Ende eine Medienlandschaft rauskommt, die die öffentliche Meinung so verformt, dass diese tendenziell eher den Zielen der Staats-/Konzern-Macht nützt.”
http://zmag.de/artikel/Verschwoerungsfreie-Konformitaet?searchterm=konformi