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  • Die Pressefreiheit und der Hohn vom „Relevanzversprechen“

    geschrieben am 18. Februar 2013 von Spiegelfechter

    Ein Gastkommentar von Jörg Wellbrock

    Wann stirbt eigentlich mal wieder eine Zeitung? Und warum ist Deutschland bei der Pressefreiheit um einen Platz nach hinten gerutscht? Sind unsere Zeitungen womöglich nicht unabhängig? Natürlich sind sie das nicht.

    Nachdem vor einigen Monaten die „Financial Times Deutschland (FTD)“ und die „Frankfurter Rundschau (FR)“ ihre Löffel abgegeben haben, bleibt eine Medienlandschaft, die so frei und unabhängig ist wie ein Löwe im Zoo. Das hat allerdings nichts mit dem Verschwinden der beiden Zeitungen zu tun, es war vorher bereits so.

    Die Berichterstattung über Deutschlands Zeitungssterben war übersichtlich, und schuld am Desaster waren in den Augen vieler Print-Redakteure vorrangig die Online-Medien. Neben dem Internet waren es aber auch die Leser selbst, die ihren Anteil am Zeitungssterben haben sollen (mehr dazu weiter unten). Aber Qualität setzt sich letztlich durch, weiß zumindest Kai Diekmann von der „Bild“. „Guter Journalismus“, so der Springer-Angestellte, „wird immer überleben, egal, auf welcher Oberfläche er die Menschen erreicht“. Dass dieses oberflächliche Statement ausgerechnet aus der „Bild“-Redaktion tönte, mag amüsieren. Die „Oberfläche“, auf der die Menschen erreicht werden, verdient jedoch Aufmerksamkeit. Man könnte sie auch als „Werbefläche“ bezeichnen.

    Giovanni di Lorenzo verspricht Relevanz

    Wir erinnern uns noch an die theatralischen Betrachtungsweisen von Giovanni di Lorenzo, der bestürzt und betroffen vom Ende der „FTD“ und der „FR“ war. Gleichzeitig nutzte er die günstige Gelegenheit, um auf den hauseigenen „Qualitätsjournalismus“ der „Zeit“ hinzuweisen, der Ausdruck von „Vielfalt, Ernsthaftigkeit und Unabhängigkeit“ sei. Zur Sicherheit – man weiß ja nie, wofür es gut sein könnte – erfand di Lorenzo noch das Wort „Relevanzversprechen“. Das mutet schon etwas bizarr an, denn wenn die „Zeit“ ein Versprechen abgibt, das die Relevanz ihrer Nachrichten kundtut, ist das in etwa so, als würde ein Milchbauer garantieren, dass seine Milch von Kühen stamme. Eine Zeitung sollte immer zum Ziel haben, nach Relevanz zu berichten. Das Versprechen kann zu denken geben.

    Noch bemerkenswerter ist jedoch das Schlagwort „Unabhängigkeit“. Um die ist es wahrlich nicht gut bestellt, das hat auch die Herabstufung Deutschlands in der Liste der Pressefreiheit gezeigt, die von „Reporter ohne Grenzen“ erstellt wird. Di Lorenzo sollte sich vielleicht angesprochen fühlen, immerhin war er es, der ein paar Monate zuvor versucht hatte, seinen Kumpel Karl-Theodor zu Guttenberg wieder in die Sphären der Macht zu bringen, ganz im Sinne der Unabhängigkeit, versteht sich. Zu der zählt laut Chefredakteur – und jetzt kommen wir der Sache schon näher – im Übrigen auch ein gesundes Maß an betriebswirtschaftlicher Kalkulation. Er nennt das journalistisch fein ausjustiert „die Grenze zwischen notwendigem Kostenmanagement und … Substanzverlust“. Mit anderen Worten: Ohne Anzeigenkunden läuft nichts bei deutschen Zeitungen, auch nicht bei der „Zeit“. Und dass die wiederum Einfluss darauf nehmen können, was tatsächlich „relevant“ ist, haben nicht nur die „Reporter ohne Grenzen“ festgestellt und in ihr Ranking einfließen lassen. Der wachsende Einfluss von PR ist nur einer der Gründe, der Deutschland einen Platz nach hinten hat fallen lassen. Das könnte man als freilich nicht so dramatisch bezeichnen, wenn man bedenkt, dass Andorra (Platz 5) und Liechtenstein (Platz 7) neu in die Liste gerückt sind. Doch Platz 17, oder 16, oder auch 19, das ist nicht der Punkt. Entscheidend ist die Tendenz, und die führt weiter zu den Plätzen nach unten. Insbesondere, weil die Anzeigenkunden immer stärkeren Druck ausüben können.

    Der „Spiegel“ gibt dem Leser die Schuld

    David Böcking von „Spiegel Online“ hat nach dem Ende von „FTD“ und „FR“ kurzerhand die moralische Keule herausgeholt und sie seinen Lesern gleich einer Feuerwaffe an die Stirn gehalten. Er schrieb im Dezember 2012, das Zeitungssterben sollte auch „Nicht-Journalisten“ beunruhigen. Die Vielfalt des Informationsangebots sei in Gefahr, und wie wichtig Print-Medien sind, unterstrich Böcking mit der Klarstellung, dass man nur einen Blick in Google-News werfen müsse, um zu wissen, dass die wirklich wichtigen Nachrichten von den gedruckten Medien kämen. Keinesfalls – das war ihm wichtig an dieser Stelle – von Bloggern, „die vor einigen Jahren schon als die Zukunft des Journalismus galten“. Denen fehlten schließlich die Mittel, um überhaupt etwas bewegen zu können, darüber müsse sich der Leser im Klaren sein. Allerdings sollte dem Online-Redakteur doch eigentlich klar sein, dass Google in erster Linie die News etablierter Zeitungen listet, alternative Anbieter schaffen es meist gar nicht erst, von der Google-News-Liste erfasst zu werden. Mit dem sogenannten „Qualitätsjournalismus“ hat das herzlich wenig zu tun.

    Wo kommen eigentlich T-Shirts und guter Journalismus her?

    Nachdem Böcking ein wenig herum geeiert ist, kommt er auf den eigentlichen Punkt und vergisst dabei das Wesentliche. Zunächst lobt er die Leser, die sich in anderen Lebensbereichen interessiert zeigen. Sie wollen wissen, woher ihre T-Shirts kommen oder ob der Kaffee, den sie morgen trinken, fair gehandelt wird. Dann – so der Redakteur – sollten sie sich doch bitte schön auch mal fragen, woher gute Nachrichten kommen. Von guten Journalisten nämlich, und die kosten Geld. Und das muss irgendwo herkommen. Werbung sei keine gute Idee, die Menschen würden nicht zufällig immer häufiger Werbeblocker verwenden. Also müssten die Leser zahlen, ganz einfach. Damit die Print-Medien unabhängig bleiben. Doch die Leser zahlen nicht für Unabhängigkeit. Sie zahlen eben doch für Werbung.

    Einfalt statt Vielfalt

    Wie es um die Vielfalt der Print-Medien steht, wird deutlich, wenn man bedenkt, dass nur vier Konzerne über 60 Prozent des Zeitschriftenmarktes dominieren. Lediglich zehn Verlagsgruppen geben gut 55 Prozent aller Tageszeitungen in Deutschland heraus. Und sowohl in den Zeitschriftenläden als auch im Netz haben sich die Mainstream-Medien mit Macht und Geld etabliert. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Online-Redakteur des „Spiegel“ in einem Nebensatz Bloggern abspricht, etwas bewirken zu können, er muss das wohl so sehen. Genauso wenig, wie es überrascht, dass Böcking zwar schreibt, die Leser sollten sich Gedanken über die Herkunft von Nachrichten machen, dabei aber unerwähnt lässt, dass nicht selten die Anzeigenkunden selbst für die Nachrichten verantwortlich sind. Im Bericht von „Reporter ohne Grenzen“ wurde mit Sorge darauf hingewiesen, dass immer häufiger durch Unternehmen bezahlte Beiträge zumindest zu einer Vermengung von Werbung und Inhalten führen. In dem Bericht heißt es: “Oft werden kommerzielle Inhalte dabei bewusst nicht als Werbung gekennzeichnet, sondern als journalistische Beiträge getarnt oder mit diesen vermischt, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen.” Der Grund für die Entwicklung ist ebenfalls bei „Reporter ohne Grenzen“ nachzulesen. Immer mehr Redaktionen werden schlicht geschlossen, Vollredaktionen befinden sich im freien Flug nach unten. Dadurch wird es für die Unternehmen einfacher, Einfluss zu nehmen. Schließlich sind die Personaldecken bei vielen Zeitungen inzwischen so dünn, dass von Unternehmen beigesteuerte Artikel gern genommen werden. Dabei ist klar: Je größer der Anzeigenkunde ist, desto größer sind seine Einflussmöglichkeiten. Und die nutzt er gern, um über den Weg vermeintlich journalistischer Artikel seine Werbebotschaft zu verkünden. Vielleicht meinte Giovanni di Lorenzo ja auch dieses Prinzip, als er vom „Relevanzversprechen“ sprach.

    Jörg Wellbrock

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    Tags: Medien
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    21 Kommentare:

    1. schwitzig schrieb am 18. Februar 2013 um 09:17 - Permalink

      Tja, wozu Gleichschaltung, wenn’s doch Gleichkaufung gibt? Wie? Das Ergebnis ist dasselbe? Kann nicht sein, denn Geschichte wiederholt sich nicht! :-)
      Ausserdem ist der Kapitalismus nicht zyklisch.
      Und die Erde ist eine Scheibe!

      Ihr UNGLÄUBIGEN!

    2. Tags Medien schrieb am 18. Februar 2013 um 09:22 - Permalink

      Also zusammengefasst: Werbung böse, Geld nehmen böse, Boulevardisierung böse, effiziente Redaktionsstrukturen böse, PR böse, Konzentration böse, Selbstbewusstsein gegenüber der neuen Konkurrenz aus dem Internet böse. Wie genau stellst Du Dir nun vor, dass Zeitungen Geld verdienen sollen bzw. ihre Kosten unter Kontrolle bekommen sollen? Selten einen so inkohärenten und unkonstruktiven Artikel beim Spiegelfechter gelesen.

      • Mod schrieb am 18. Februar 2013 um 10:11 - Permalink

        Also ich bin zwar wieder mal nicht gefragt worden aber ich versuche trotzdem eine konstruktive Antwort. Die örtliche Tageszeitung bei mir versucht seit Jahren den Schwund der Abonnenten mit Werbekampagnen wie 10 oder 14 Exemplare jeden Tag gratis keine Vertragsbindung und Unverbindlich. Da ich die Zeitung seit Jahren kenne und einzelne Exemplare immer noch im Familienbesitz sind, bestand die einzige Bedingung darin, das man am Ende der 10 oder 14 Tage von denen angerufen wird um natürlich im besten Fall ein Abo abzuschließen.

        Als ich denen die Gründe nannte weshalb ich sie nicht abonnieren wollte, das waren Internet und fehlender Informationsgehalt und manipulative Berichterstattung der Zeitweise sogar den Lokalteil dieser Zeitung, genau wie bei vielen anderen Zeitungen auch, befallen hatte, stimmte mir die Redaktion zähneknirschend aber lächelnder weise und voll umfangreich zu und bedankte sich freundlich für das Gespräch. Die wissen selber in welcher Misere sie sich herein gesteuert haben. Arme kaufen nicht.

        Die Presse hat die im Grundgesetz verbrieften Rechte als Säule der Demokratie leichtfertig verspielt und sind zum Teil des Problems geworden.

        • R_Winter schrieb am 18. Februar 2013 um 11:12 - Permalink

          Es gab eine Alternative im lokalen Pressebereich, aber der Zug ist abgefahren und kann nicht mehr gestoppt werden:
          Qualität und direkte Kommunikation mit den Lesern.

          Die lokalen und regionalen Medien sind den Weg des schwäbischen Landwirtes gegangen, der seiner Kuh jeden Tag ein Halm weniger gab und dann klagte:
          “Jetzt hatte ich sie bei einem Halm pro Tag und jetzt ist das undankbare Tier gestorben”. (“Merkel-Prinzip” genannt)

          Die lokale Presse hat inhaltlich und personell über Jahre abgebaut und unterscheidet sich noch kaum von den kostenlosen Anzeigenblättern. Die Kommunikation mit den Lesern ist meistens total eingestellt wurden und die ehemaligen Verleger haben als Einnahmequelle das Lokalradio mit niedrigstem Informations- und Unterhaltungsniveau, sowie Abzocke über Telefon-Gewinnverteilungsspiele erschlossen.

          Mit Todesanzeigen-Lesern und einer alten Leserschaft werden sie sterben (müssen).

      • schwitzig schrieb am 18. Februar 2013 um 10:46 - Permalink

        @Tags Medien

        Wie genau stellst Du Dir nun vor, dass Zeitungen Geld verdienen sollen bzw. ihre Kosten unter Kontrolle bekommen sollen?

        Das System der ÖR war durchaus eine positive Idee. Die Umsetzung … nun, gut … – aber die Idee dahinter kann bei Politikerresistenter Umsetzung eine unabhängige Presse ermöglichen.

        Selten einen so inkohärenten und unkonstruktiven Artikel beim Spiegelfechter gelesen.

        Ah, das übliche Argument des Vollpfostens: Man darf erst dann Fehler kritisieren, wenn man deren Lösung parat hat.

      • Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf schrieb am 18. Februar 2013 um 10:50 - Permalink

        Weder ist Werbung böse – so lange sie auch klar als solche zu erkennen ist – noch “Geld nehmen”. Aber die großen Worte auf die Unabhängigkeit der Printmedien entsprechen einfach nicht der Realität.
        Und Blogs als bedeutungslos abzutun, ist nicht etwa selbstbewusst, sondern herablassend.

    3. R_Winter schrieb am 18. Februar 2013 um 09:56 - Permalink

      Also müssten die Leser zahlen, ganz einfach.

      Ja, der “Leser” zahlt und zwar nicht nur im Print-Pressebereich – er “zahlt” überall:
      - Banken-Spekulationsbereich
      - Rundfunk- und Fernsehbereich
      - Mobilfunkbereich
      - Energiebereich
      - PRV + PKV
      - usw.
      Wir leben nun einmal in einer Gesellschaft des “bedindungslosen” Gewinnstrebens und dieses ist der Grund des Vertrauensverlust der Stiefel leckenden Regierung, der gierigen Finanzwirtschaft, der manipulierten Medien und sie wissen es, darum steigen sie auf “Unterhaltung” um, denn damit lässt sich neben viel Geld verdienen, auch das eigentliche Ziel verschleiern.

      Wir werden von den 0,1% regiertet, manipuliert und die Medien sind
      nur EIN Hilfs-Bereich.
      So ist es.

    4. Vogel schrieb am 18. Februar 2013 um 10:57 - Permalink

      Böcking … schreibt, die Leser sollten sich Gedanken über die Herkunft von Nachrichten machen …

      Vielleicht isses das? Die Leser machen sich Gedanken und kommen drauf: Das will ich mir nicht mehr antun!

      So ging’s mir jedenfalls. Nach 39 Jahren SPIEGEL und 35 Jahren KStA hatte ich den Kanal restlos voll! Alternativen sehe ich nur noch beim SF, NDS, Feynsinn & Co. sonst nirgendwo!

    5. Lemmy Caution schrieb am 18. Februar 2013 um 11:10 - Permalink

      Diesem Zeitungs-Bashing fehlt das Fundament.
      In Zeiten von relativen Wohlstand in der Republik ist nur eine Minderheit derart interessiert an Politik, dass sie wirklich zahlreiche komplexere politische Texte überhaupt lesen. Die Mehrheit greift in der Auswahl des Print-Mediums ohnehin zur Bild-Zeitung oder verwandten.

      Diesem Herumreiten auf der Eigentums-Konzentration an Printmedien auf der Linken, steht der Verdacht der Rechten gegenüber, dass die Mehrheit der Journalisten privat eher linken Überzeugungen folgen und dieses “Gift” ins Blatt tragen.

      Die Minderheit der politisch Überzeugten informiert mich heute sowieso stark im Internet. Die meisten aus dieser Gruppe lesen in dieser globalisierten Welt ohnehin vielsprachlich und poly-ideologisch. Da macht der Kauf einer Zeitung einfach keinen Sinn mehr, allein schon wegen dem aufgeblähten Papier-Müll. Da haben die Zeitungen schon recht, dass ihnen zur Zeit infolge des Leserverhaltens einfach der ökonomische Boden weggezogen wird.

    6. gerhardq schrieb am 18. Februar 2013 um 12:31 - Permalink

      Das Problem der Medien ist ihre mangelnde Unabhängigkeit.
      Und wer nicht unabhängig ist, der kann auch nicht objektiv informieren – so einfach ist das.

      Ich würde für eine wirklich objektive Zeitung auch Geld bezahlen. Ich habe beispielsweise die deutsch Ausgabe der LE MONDE diplomatique abonniert. Und diese vor allem aus zwei Gründen:
      1. Sie zeigen mir eine andere Sichtweise der Welt
      2. Sie hat sehr wenig Werbung (vor allem für sich selbst)

      Ich würde auch eine deutsche Zeitung abonnieren, wenn ich denn eine passende finden würde. Die Zeit und die FAZ hatte ich mal abonniert, aber dann wegen der immer stärkeren Orientierung am medialen Mainstream wieder gekündigt. Leider unterliegen alle deutschen Zeitungen (immer noch) dem Besatzungrecht, so daß eine wirkliche Kritik und Aufarbeitung der politischen Weltlage nicht zu erwarten ist. Meiner Meinung nach machen unsere Medien eine Theatervorstellung für die Öffentlichkeit, aber ohne Tiefgang und Wirkung. Die Leser merken das und wenden sich ab.

      Die Voraussetzung für eine freie Presse ist neben der wirtschaftlichen Unabhängigkeit auch die Freiheit der Meinung. Letzteres ist in Deutschland nicht gegeben!

    7. OAlexander schrieb am 18. Februar 2013 um 16:36 - Permalink

      Einige wenige Fakten:

      Der Niedergang der Zeitungen setzte bereits vor dem Anbeginn des Internetzes ein; auch “Broadsheets” (sog. “seriöse” Zeitungen) versuchten sich per noch grösseren Bildern auf dem Titel etc. für ein grösseres Publikum interessant zu halten.

      Fundamental wurden Probleme aber in der Tat durch das Internetz – und zwar weniger wegen schwindender Käuferzahl – ein relativ unbedeutendes Problem – sondern wegen dem monumentalen Einkommensverlust der durch das Fernbleiben von Stellen- und Kleinanzeigen – den ”Rivers of Gold”, wie das in Australien jemand formulierte – entstand.

      Dass Zeitungen schon früher nur, vornehmlich parteipolitisch ausgerichteter, “Mainstream” waren, merke ich nur mal an. Nur hat es damals keiner als solches bemerkt. Es gab, ausser Fernsehen, nämlich quasi keine Alternativquellen für Nachrichten. Man las damals auch nicht jeden Tag 15 verschieden Zeitungen, sondern meist nur eine, oder zwei.

      Als These biete ich an, dass Zeitungen spätestens dann sowas von gestern sein werden wie Buschtrommeln , Telegramme und Morsecode, wenn was heute Pads genannt wird durch nur mehr etwa 100 Gramm wiegende Tampons ersetzt wird, die hoffentlich auch biegbar-flexibel sind auch auch leicht im Bett und auf Klos gelesen werden können. Fünf Jahre, oder acht Jahre?

      Journalismus auf breiterer Ebene wird dann nur noch durch Fernsehsender finanzierbar sein. Nachrichtenanbieter werden als solches numerisch stark reduziert – mit allen Konsequenzen.

      Blogger wie Jens Berger und Blogs wie die Naaaachdähhhnksaaiten werden auch in Zukunft nichts bewegen und Feigenblätter für Pluralismus bleiben. sie werden eher noch weniger Beachtung finden, da es weniger Medien geben wird die sie aufgreifen und ihnen damit Leser zuführen.

      Um den Bloggern noch eine Empfehlung mit auf den Weg zu schicken: es gibt zwei erfolgreiche Blogs auf der Welt, nämlich Huffington und Salon. Die haben zum einen keinen Langweilernamen, und haben auch ein breiteres Inhaltsspektrum. Leute kaufen sich eine Zeitung nicht wegen der Politik, sondern wegen des Sportteils oder Promistories.

    8. Peer Steinbock schrieb am 18. Februar 2013 um 17:29 - Permalink

      Ich kann den Spiegelfechter lesen, die Nachdenkseiten, (noch) die FR, den Freitag, die Junge Welt, das Neue Deutschland. Und andere. Und Bücher.
      Zur Pressefreiheit gehört aber auch, diese Organe nicht zu lesen, sondern andere oder gar nichts.

    9. HHarlekin schrieb am 18. Februar 2013 um 17:53 - Permalink

      Ähm, nein, “Peer Steinbock”, die Behauptung

      Zur Pressefreiheit gehört aber auch, diese Organe nicht zu lesen, sondern andere oder gar nichts.

      ist nicht zutreffend.
      Ihre Entscheidung, Spiegelfechter, Nachdenkseiten, Bücher oder wasauchimmer NICHT zu lesen, fällt unter Ihre persönliche Entscheidungsfreiheit.
      Dieser Kontext hat aber mit “Pressefreiheit” nichts zu tun. Daß Sie solche Medien – wie aus manchen Ihrer Kommentare hervorzugehen scheint – für linksverbohrt osä halten, und dies auch öffentlich äußern dürfen, fällt unter “Meinungsfreiheit”, wiederum Ihr gutes Recht, sogar ein Grundrecht.

      Pressefreiheit jedoch ist ein hierzulande verfassungsmäßig garantiertes Grundrecht, das Presse und Medien, also Journalisten garantiert, ihrem Beruf frei von Zensur nachgehen dürfen. (Art. 5 GG).

      Leider haben das viele Journalisten “vergessen” (um nicht schärfer zu formulieren), und u. a. darum gehts auch in dem obigen Artikel.

      Grüße

      • Peer Steinbock schrieb am 18. Februar 2013 um 19:34 - Permalink

        Welche Einschränkungen der Meinungsfreiheit oder der Pressefreiheit gibt es in Deutschland? Ich bitte um Aufklärung.

        • HHarlekin schrieb am 18. Februar 2013 um 19:49 - Permalink

          ???

        • Rainer N. schrieb am 18. Februar 2013 um 19:54 - Permalink

          Die “Schere im Kopf” der Redaktionen!

          Die Angst, Werbeeinnahmen zu verlieren, wenn man über ortsansässige Firmen mal schlechte Tatsachen verbreitet.

          Abmahnanwälte – siehe Lindner

          Reicht das erst einmal?

    10. Gero von Randow schrieb am 19. Februar 2013 um 09:35 - Permalink

      Sie schreiben:

      Giovanni di Lorenzo “… nennt das journalistisch fein ausjustiert „die Grenze zwischen notwendigem Kostenmanagement und … Substanzverlust“. Mit anderen Worten: Ohne Anzeigenkunden läuft nichts bei deutschen Zeitungen, auch nicht bei der „Zeit“. Und dass die wiederum Einfluss darauf nehmen können, was tatsächlich „relevant“ ist, haben nicht nur die „Reporter ohne Grenzen“ festgestellt und in ihr Ranking einfließen lassen.”

      Das ist perfide.

      Erstens: Ihre Wendung “mit anderen Worten” ist ein rhetorischer Trick. Denn in dem Zitat wird mitnichten die Werbung angesprochen, es geht um Kosten. Also geht es nicht um Einnahmen, sondern um Ausgaben. Das wird Ihnen nicht entgangen sein. Um so schlimmer.

      Zweitens: Dass Anzeigenkunden “wiederum Einfluss darauf nehmen können, was tatsächlich „relevant“ ist, haben nicht nur die „Reporter ohne Grenzen“ festgestellt” – ja, richtig, nur haben die “Reporter ohne Grenzen” das nicht auf die ZEIT bezogen. Ihr “wiederum” ist ein weiteres rhetorisches Scharnier, Zusammenhänge zu konstruieren.

      Disclaimer: Giovanni di Lorenzo ist mein Chef.

      • Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf schrieb am 19. Februar 2013 um 10:48 - Permalink

        Als “Trick” empfinde ich eher die Tatsache, dass weder von der “Zeit” noch vom “Spiegel” oder wem auch immer klar ausgesprochen wird, wie wichtig Anzeigekunden sind und dass sie oft Einfluss auf journalistische Inhalte haben.

        Wenn allerdings die “Zeit” von sich sagen kann, nicht von der Gunst kräftig zahlender Anzeigekunden abhängig zu sein, dann beeindruckt mich das natürlich sehr.

    11. Marc schrieb am 19. Februar 2013 um 11:41 - Permalink

      Die logische Konsequenz wäre also eine Zeitung, die alleine von denen finanziert wird, die unabhängigen Journalismus wollen: Den Lesern.

      Nur wieviel wollen die bezahlen, dass die Redakteure – abgesehen von arbeiten am Wochenende und am Abend – sich nicht noch was durch Nebenjobs was dazuverdienen müssen/wollen? 40.000 Euro pro Nase und Jahr? Und wie viele Redakteure, Verwaltungsmitarbeiter, Rechtsabteilung etc. plus freie Mitarbeiter wollen die Leser finanzieren? Auch auf die Gefahr hin, dass es nur einen Skandal pro Jahr zum Aufdecken gibt?

      • Mod schrieb am 19. Februar 2013 um 12:31 - Permalink

        Die Konsequenz in einer Marktwirtschaft ist das diese Zeitungen dann auch nicht mehr von den Bürgern/Lesern gekauft werden. Wenn Journalismus nicht mehr Unabhängig ist hat das immer zu Kriegen und Terror o.ä. geführt, deswegen bekam er in Deutschland sogar verbriefte Rechte ins Grundgesetz gemeisselt und selbst die nahm er (der Journalismus) nicht mehr Wahr und so konnten als erstes die Arbeitnehmerrechte verhökert werden und mit ihnen die Gleichgewichte die sich auch am Lohn festmachten, dieser Journalismus hat zur Verarmung ganzer Gesellschaftsteile geführt die dann in der logischen Konsequenz die Zeitung mangels Bares nicht mehr kaufen. Dabei sind wir wieder in Kriege geschlittert die unsere Werte erst in Jugoslawien gefährdet sahen, dann am Hindukush verteidigen wollten und mittlerweile kommt der Krieg immer näher. Die Symbiose aus Politik und käuflicher Berichterstattung und deren Wirkung hat sich seit Julius Streicher auch nicht geändert, im Gegenteil und deswegen haben wir jedes Recht manipulative Berichterstattung an den Pranger zu stellen, wir sind als Bürger dazu sogar verpflichtet! Es geht um mehr als eine Zeitung.

    12. Klaus schrieb am 19. Februar 2013 um 16:31 - Permalink

      Vermischung von PS und redaktionellen Artikeln? Soll das erst heute so sein? Ich denke nicht!

      Schon vor 13 Jahren (ca. 2000) hab ich mitbekommen, wie der PR-Artikel der Firma für die ich arbeite, von einer regionalen Tageszeitung zu einem redaktionellen Interview umgearbeitet wurde. Die haben einfach immer passende Fragen vor die einzelnen Aussagen des PR-Materials gestellt. Und schon war ein Interview mit dem Marketing-Chef der Firma geführt, welches dann nur noch autorisiert werden musste.

      So läuft das halt, wenn die Medien immer mehr Geld abwerfen sollen. Das sind einfach Kostenoptimierungen, wie sie bei jedem anderen Unternehmen auch durchgeführt werden. Die Qualität wird gedrückt, um die Margen zu vergrößern.

      Ich lese von den Artikeln meist nur noch die Überschriften und schauen dann in die Foren. Das ist dann wenigstens etwas Unterhaltsam. Man kann mittlerweile nur noch in Blogs interessante und relevante Informationen finden. Die Pressemedien schreiben nur noch Müll, den ich mir nicht mehr länger antue.


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