Ratschläge vom Klempner
geschrieben am 08. Oktober 2009 von Spiegelfechter
Wirtschaftsexperten bereiten den angekündigten „Reformen“ der schwarz-gelben Regierungskoalition schon jetzt öffentlich den Weg, um den neuen Kurs hoffähig zu machen
Die Koalitionsverhandlungen von Union und FDP hatten noch nicht begonnen, da setzte in den Medien ein alt bekanntes Rauschen ein. „Wirtschaftsexperten“ ließen ihre Ratschläge in die öffentliche Debatte tröpfeln.
Da forderte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, die Rücknahme der Rentengarantie. Da plädierte Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) für eine Agenda 2015, warnte vor Korrekturen an der rot-grünen Umbaupolitik und erklärte die Rente mit 67 zur verteidigungswürdigen „Vernunft“. Da wünschte sich Thomas Straubhaar vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut eine Mindestsicherung statt Mindestlohn und die „Grundsanierung der Sozialsysteme“. Da verlangte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, „in drei Jahren muss der Staat wieder raus sein aus dem privaten Bankensektor“.
Im Mittelalter tingelten Scharlatane von Hof zu Hof, sagten die Zukunft aus Tierinnereien voraus. Heute tingeln „Wirtschaftsexperten“ durch die veröffentliche Meinung, prognostizieren konjunkturelle Entwicklungen und geben Ratschläge, wie die Wirtschaft anzukurbeln sei. Dabei verfolgen sie meist das Interesse der Unternehmer. Das wäre in einer pluralistischen Gesellschaft nicht weiter schlimm – dumm nur, dass sowohl die Politik als auch der Wähler die Expertisen nur allzu oft für neutral und wissenschaftlich fundiert halten.
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Der Artikel ist treffend und zeigt doch das Problem nicht auf: Manipulation der Meinungen durch die Medien.
Die so genannten Experten wissen in der Regel, was auf uns zukommt, aber sie sind anhängige Arbeitnehmer. Die Meinungen der wenigen unabhängigen Experten werden von den Medien bewußt verschwiegen. Manipulation durch Weglassen – dieses ist das eigentlich Problem.
Was die “Wirtschaftsexperten” dort so sagen ist bei näherem Hingucken gar nicht so weit her geholt. Im Gegenteil: die Rentengarantie zum Beispiel zementiert eine solidarische Einbahnstraße sondergleichen. In einem immer älteren Deutschland bringt es eben Wählerstimmen, wenn man die Renten per Gesetz für monoton steigend erklärt. Mit Solidarität hat das aber nichts zu tun und wurde demnach auch von SPD-Größen wie Steinbrück scharf kritisiert.
Die angesprochene “Grundsanierung der Sozialsysteme” ist vor dem Hintergrund immer höher werdender Staatsverschuldung auch nicht verkehrt. Wer Wohlstand (oder wie die Linkspartei im Wahlkampf “Reichtum für alle”) heute verspricht, sollte das nicht auf Pump von morgen tun. Denn auch das hat mit Solidarität nichts zu tun. Irgendjemand muss die Suppe eben auslöffeln und es werden sicher die kommenden Generationen sein. Als Mittzwanziger zähle ich mich durchaus dazu.
Im Übrigen gibt es auch genug “Wirtschaftsexperten”, die die von Union und FDP angestrebten Steuersenkungen ablehnen, gerade wegen der drohenden Neuverschuldung. Die Vereinfachung des Steuersystems an sich wäre da schon sinnvoller, denn auch hier kann momentan von Gerechtigkeit nicht die Rede sein. Eine Anpassung des einen Steuersatzes hier, des anderen Freibetrages dort hilft eben irgendwann nicht mehr weiter. Der Wurm steckt klar im System und das schon seit Jahrzehnten. Wer also Diskussionen über grundlegende Veränderungen wie Bedingungslosen Grundeinkommen und Kulturflatrate nicht scheut, sollte sich auch mal an der Flat Tax und anderen Ideen probieren, denn auch dort gibt es viel Potential an Gleichstellung und Gerechtigkeit zu entfalten.
Abschließend ein bisschen Optimismus: Am Tag nach der Wahl wurden der Bundesrepublik vier Jahre der sozialen Kälte vorausgesagt. Das mag sein. Aber man darf nicht vergessen, dass wir bei der gleichen Argumentation schon weitaus mehr Jahre der sozialen Kälte hinter uns haben.
Was mich viel mehr verbluffte – ich nahm es am Rande aus Radio wahr, dass die Koalitionäre schon munter über neue/gewünschte GG-Änderungen schwafeln.
Ist denn dafür nicht die 2/3-Mehrheit erforderlich?
Schon komisch.
Connections to spiegelfechter.com dauerte bei mir gute 2 Minuten!
^^
Im drittletzten Absatz: “Wer die Kapelle bezahlt, bestimmt nicht nur, welche Lieder gespielt wird, sondern auch, wer die Musik intoniert. ” – müsste entweder “welches Lied” oder “welche Lieder gespielt WERDEN” heißen.
#1
Die Medienmanipulation wird ja zum Glück vortrefflich durch die NachDenkSeiten aufgedeckt. Blogger können ja wohl auch arbeitsteilig vorgehen.
http://www.nachdenkseiten.de/?p=3751
Die Heinis Wirtschafts”experten” lassen sich ja auch gerne mal als Wissenschaftler ansprechen. Wesentlich für eine Wissenschaft ist die Überprüfbarkeit ihrer Aussagen – sie wird an ihren Prognosen gemessen. In den Naturwissenschaften gibt es dafür das gute alte Experiment, andere Disziplinen experimentieren halt in Denkmodellen und überprüfen diese an der Wirklichkeit.
In Bezug auf unsere Wirtschaftsjungs und -mädels gibt es da zwei Schlussfolgerungen, die sich nicht ausschließen:
a) Ökonomie ist eine Wissenschaft, unsere Adepten sind allerdings alle hundsmiserable Wissenschaftler.
b) Ökonomie ist von vornherein nichts weiter als Spökenkiekerei, vergleichbar der Astrologie bzw. [in der Wirksamkeit vorgeschlagener Lösungen] der Homöopathie.
Es ist schon sehr seltsam, wenn gegen staatliche Eingriffe gewettert, gleichzeitig aber eine Mindestsicherung – nicht ein bedingungsloses Bürgereinkommen! – gefordert wird. Was ist das denn Anderes als eine Subvention für sich nicht selbst tragende Unternehmen/Branchen? Der Mindestlohn ist eben keine soziale Wohltat, sondern ein notwendiger Schutz gegen die Ausplünderung des Steuerzahlers, denn er sorgt dafür, dass die Unternehmen ihre eigenen Kosten tragen.
Ein ebenso großes wie weitgehend unbekanntes Problem der Wirtschaftswissenschaften liegt in der Notwendigkeit der Vereinfachung. So bauen die Modelle auf dem Homo oeconomicus auf, der stets rational handelt. Niemand kann allerdings außerhalb des Modells davon ausgehen, dass die Marktteilnehmer ausschließlich rational handeln.
Die Wirtschaftswissenschaften sind eigentlich eher der Philosophie zuzuordnen. Wieviel Gewicht hätten die Herren in den Talkshows wohl, wenn sie als Philosophen angekündigt würden ?
Das ist ja schade. Was passiert denn mit diesem Euro? ;-)
Das kannst du besser, seriöser. Den Arbeitnehmerentgelten stehen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen gegenüber. Erstere sind von 2000 bis 2008 um 19 Prozent gestiegen, letztere um 54 Prozent. Das war im internationalen Vergleich Trend und hat nichts mit deutschen Wirtschaftswissenschaftlern zu tun.
Nee, das ist Folge eines grundlegenden Wandels des Arbeitsmarkts, nämlich durch – schlagwortartig – Computer, Chinesen- und Frauenfleiß ;-) Die Politiker und die vermaledeiten deutschen Wirtschaftswissenschaftler hätte man allesamt auf die Malediven auf Dauerurlaub schicken können, das hätte wenig geändert.
Diese Leute könnten mit deinem “arbeitgebernah” gar nichts anfangen. Du bist in den ziemlich verknarsteten Strukturen der 80er gefangen.
Harald Uhlig ist übrigens der Ansicht (Ein Wunsch an Merkel und Westerwelle: Experten statt Dilettanten), dass wir im Gegenteil zu wenig an Ökonomen-Konsultation haben.
Hallo Jens
Wollte dich nur darauf aufmerksam machen das noch eine Fehlermeldung oben erscheint wenn man auf Forum klickt:
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Ansonsten viel Erfolg weiterhin.
@ Karl Heinrich / 9
Was du nicht sagst! Trend. Weiß du was dieser Trend war? Der Kommunismus war tot, dann konnten die raffgierigen, rücksichtlosen und moralisch degenerierten Reichen zurück zu dem sozialen Genozid des 19. Jahrhunderts.
Fachlich ausgedrückt, wir hatten also in den letzten Jahrzehnten eine nie dagewesene Produktivitätssteigerung, so dass die Arbeitslosigkeit steigen musste. Siehst du, wie du keine Ahnung hast, wovon du sprichst. (Oder du lügst bewusst.) Die Produktivitätssteigerung nach dem Krieg war doppelt so stark, wir hatten aber keine Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit ist die Folge der neoliberalen Wirtschaftspolitik, die eigentlich die Arbeitslosigkeit nur erhöhen und nicht beseitigen kann und will.
Die neoliberale Theorie ist mehr als ein Jahrhundert alt. Was bist also du! Du bist – wie man damals über den neoliberalen Scharlatan und Faschisten Hayek gespottet hat – einer der
“Dinosaurier, die noch gelegentlich, offenbar immun gegen die natürliche Selektion, über die Szene stolzieren.”
Die Wirtschafts”wissenschaften” sind nichts Anderes als die Ersatzreligion unserer Tage – Rechtfertigungsversuche für die reale Verteilung (ökonomischer, monetärer) Macht:
http://www.manwithahorn.de/2009/02/science-contd.html
Was immer sie jedenfalls sind, Wissenschaft im eigentlichen, engeren Wortsinne sind sie nicht:
http://www.manwithahorn.de/2009/02/science.html
Das eigentliche Problem ist in meinen Augen nicht einmal die relativ offensichtliche Unzureichbarkeit der vertretenen Thesen, sondern das Beharren auf denselben selbst im Angesicht anders lautender Evidenz – und eigentlich gibt es nur anderslautende Evidenz:
http://www.manwithahorn.de/2009/10/in-kuhnian-reality-we-might-be-fucked.html
Was stört wird mitunter eben ausgeblendet durch Wunschdenken und Morgenstern’schen “Realismus”: “…weil nicht sein kann was nicht sein darf.” Und weil man viel zu verlieren hat oder das jedenfalls denkt.
@ 2 Philipp von Weitershausen:
Warum behaupten die Neoliberalen immer, “Vereinfachung” hätte etwas mit Gerechtigkeit zu tun? Das ist doch auch nur eine der in der veröffentlichten Meinung immer wieder wiederholten Parolen, um “den Stammtisch” zu überzeugen, und die eigene Ideologie zu verbergen, dass z.B. die Progression böse, da umverteilend und “leistungshemmend” sei.
Und das du einer Flat Tax “viel Potential an Gleichstellung und Gerechtigkeit” zugestehst, kann ich wohl nur als Zynismus verstehen. Die passt jielleicht ja noch irgendwie in das neoliberalen “Leistungsgerechtigkeits”-Konzept, aber “Gleichstellung”. Also bitte!
@ 8 ul
Sehr richtig. Ich halte solche stark vereinfachenden Modelle wie die des homo oeconomicus auch nicht für seriöse Wissenschaft, sondern als Mittel, neoliberale Ideologie, denn nichts als Ideologie sind solche Konzepte, durchzubringen.
@ 9 Karl-Heinz
Er wandert z.B. in die private Sparquote und in einen Anwachs hoher Vermögen.
Aber die deutschen Wirtschaftswissenschafter legitimieren solch eine Umverteilung von unten nach oben (z.B. “das ist international so üblich”).
Nein, das ist auch die Folge gewollter “Liberalisierungen” auf dem Arbeitsmarkt, wie der Vereinfachung der Leiharbeit und der gezielten Verbreiterung des Niedriglohnsektors.
Auch die, die für Arbeitgeber- oder arbeitgeberfinanzierte Institute arbeiten?
@ 2 – Philipp von Weitershausen
Sie schreiben:
“Was die “Wirtschaftsexperten” dort so sagen ist bei näherem Hingucken gar nicht so weit her geholt. Im Gegenteil: die Rentengarantie zum Beispiel zementiert eine solidarische Einbahnstraße sondergleichen. In einem immer älteren Deutschland bringt es eben Wählerstimmen, wenn man die Renten per Gesetz für monoton steigend erklärt. Mit Solidarität hat das aber nichts zu tun und wurde demnach auch von SPD-Größen wie Steinbrück scharf kritisiert.”
Sie sprechen von der “solidarischen Einbahnstraße”. Aus dem Munde eines Neoliberalen klingt dieser Terminus mehr als heuchlerisch! Im übrigen darf ich Sie darauf hinweisen, daß die sog. Rentengarantie nur die nominale Rentenhöhe betrifft. Die realen (d.h. inflationsbereinigten) Renten können sehr wohl sinken (wie dies in fast allen Jahren seit Ende der 90er Jahre geschehen ist).
Aus meiner Sicht gehörte Steinbrück zu den besten Wahlkämpfern von Schwarz-Gelb. “Sozialdemokrat” Steinbrück hat die SPD stets nur als Krarriererampe missbraucht. In den Medien wurde er gerade deswegen hochgejubelt, weil er sich häufig auf Kosten der SPD profilierte.
Siehe auch den NachDenkSeiten-Beitrag vom 23. September 2009: “Steinbrück fährt weiter Entlastungsangriffe – und die Medien verbreiten es kritiklos”.
http://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=4213
Zuerst mal eine kurze Bestandsaufnahme: ZF, Schaeffler, SKF, Bosch, Mercedes, Voith, König und Bauer, und und und. Alle oben genannten “Globalplayer” sind seit Monaten in Kurzarbeit. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht. Wie von diesen Tatsachen heraus ein Aufschwung kommen soll, bleibt mir völlig schleierhaft. Realitätsfremde Traumtänzer, die auch Wirtschaftsexperten genannt werden, labern inzwischen den ganzen Tag nur noch gequirlten Quark³ – Hauptsache, man/frau hat sein “Expertenwissen” weitergegeben. Ein hochrangiger Wirtschaftsliberaler in den USA sprach sogar schon von “unbekannten Unbekannten-Komponenten”, um dem “Pöbel” die Wirtschaftskrise zu erklären. Diese Damen und Herren sind ein definitiver Fall für die geschlossene Anstalt – Sicherheitsverwahrung sollte angeordnet werden.
Fakt ist: Wir haben doch in Deutschland gar keine Experten, geschweige von irgendwelchen “Wirtschaftsexperten”. Die lügen doch nur im Auftrag der Regierung und/oder des Wahrheitsministeriums, um die Stimmung (?) zu heben bzw., um sie zu retten. Das ging bisher auch immr so.
Aber: Am Vorabend der größten Depression aller Zeiten geht das Lügen, Täuschen und Tricksen eben nicht mehr so einfach. Weil es nämlich keinen Aufschwung (mehr) geben wird. Das System ist am Ende. Ab jetzt geht es nur noch bergab. Und wohl dem, der Ackerland und Saatgut besitzt!
http://www.ariva.de/Die_groesste_Depression_aller_Zeiten_c3050729
Beati monoculi in terra caecorum!
@12 Markus
Ich halte es genauso für zynisch, gegen Konzepte aufgrund irgendeiner assoziierten Ideologie zu wettern. Das selbst zeugt nämlich von ideologischer Verblendung. Für mich spielen Zahlen und Fakten die entscheidende Rolle.
Ein Fakt ist z.B., dass wer kann sich in Kapitalgesellschaften flüchtet, am besten noch ins Ausland. Hüben und drüben gelten dann Flat Taxes von 25% (so ist die Abgeltungssteuer in Deutschland) oder weniger (Ausland). Wer wie die meisten Leute kein Vermögen zum Anlegen hat, sondern ganz normal arbeitet, zahlt hier brav nach der Progression und kommt i.d.R. bei mehr als 25% Steuersatz raus. Wo ist da die Gleichstellung?
Natürlich machen es sich die Liberalen zu einfach, wenn sie “Vereinfachung=Gerechtigkeit” behaupten. Aber umgekehrt ist es genauso naiv, zu glauben, dass das jetzige System die richtigen Anreize für Besserverdiener setzt.
@ 15 Momo
Ich weiß nicht, womit Sie mich mehr beleidigen wollen: indem sie mich einen Neoliberalen oder einen Heuchler nennen? Scherz beseite, ich halte die solidarische Einbahnstraße für real und kann Ihnen versichern, dass ich es ernst meine. Als jemand, der vor kurzem begonnen hat, in die Rentenkasse einzuzahlen, sehe ich mich schon jetzt auf dem Idiotensessel. Unsere Generation darf schön einzahlen, ganz gleich wie sich unsere Löhne entwickeln werden. Und da sieht’s ja nicht gerade rosig aus, wie Sie in ihrem anderen Kommentar ganz zutreffend festgestellt haben (Stichwort Kurzarbeit z.B.). Also Kurzarbeit ja, kürzere Renten nein? Ergibt für mich keinen Sinn, zumindest nicht wenn wir von Solidarität sprechen wollen.
Und dann ist da noch die demographische Entwicklung, vor der die Rentengarantie einfach mal die Augen verschließt. Nennen Sie mich einen Pessimisten, wenn ich es nicht tue. Ich nenne es Realismus.
@ Philipp von Weitershausen
Mein Tipp: Weniger den neoliberalen Schwachsinn lesen und mehr mit eigenem Kopf denken. Veruch etwa diese Fragen zu beantworten:
- Warum ist es in dem Kapitalismus nach dem Zweiten Weltkrieg, wo die „Anreize“ mehrfach oder mehr10fach kleiner waren, doppelt so starkes Wachstum und Produktivitätswachstum gegeben hat?
- Warum die japanischen Manager, die nicht selten nur ein paar Prozent von dem verdienen, was die amerikanischen, leistungsfähiger sind als die letzteren?
Unter den „Anreizen“ verstecken und verteidigen die raffgierigen, kriminellen und verlogenen Reichen ihr postkommunistisches System des sozialen Genozids. Das ist alles. Das ist die einzige Wahrheit. Ich kann dir übrigens etwas über den Neoliberalismus „für Eilige“ vorschlagen:
http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/steuerung.php?tbch=ba&schp=neolib
@ 19 Systemfrager
Deine erste Frage mit dem Zweiten Weltkrieg verstehe ich nicht ganz. Hab das Gefühl der Satz ist inkomplett :).
Das mit den japanischen Managern ist eine interessante Frage. Ich weiß nicht, wie “Leistungsfähigkeit” gemessen wird. Aber es gibt in der Tat spannende wissenschaftliche Untersuchungen zu Motivation und Belohnung. Das Ergebnis ist meist, dass Leute in komplizierten Tätigkeiten (z.B. Manager) nicht unbedingt besser arbeiten, wenn Sie eine große Belohnung (z.B. einen Bonus) zu erwarten haben. Siehe z.B. folgenden interessanten Vortrag: http://www.ted.com/talks/dan_pink_on_motivation.html
Ich glaube allerdings, wir geraten hier jetzt ein bisschen off-topic. Ich weiß auch nicht ganz, was ich mit den Vorwürfen des Neoliberalismus anfangen soll. Ich hab noch nichtmal ne Ahnung, was das genau bedeuten soll. Ich habe in meinem ersten Kommentar lediglich davon gesprochen, dass ich “Diskussionen über grundlegende Veränderungen wie Bedingungslosen Grundeinkommen und Kulturflatrate” spannend finde, und ich bei diesen Diskussionen das Steuersystem nicht unbedingt ausklammern würde (wäre beim BGE auch unklug). Die Flat Tax bietet sich aus Gleichstellungsgründen an (wie ich oben anhand der Abgeltungssteuer erklärt habe), muss aber nicht die Antwort aller Antworten sein. Jedenfalls ist mir die Ideologie dahinter ziemlich egal. An partei- oder ideologiepolitischen Grabeskämpfen bin ich nicht interessiert.
@8, @ul :
Soweit ich das aus den Wirtschafts-Vorlesungen richtig im Kopf habe, modelliert der Homo Oeconomicus gar nicht den konkreten, einzelnen Marktteilnehmer, sondern den durch Mittelung entstandenen. Die Argumentation war mein Erinnerung nach in etwa:
“Der einzelne Marktteilnehmer würde sich zwar durchaus in seinem Entscheidungsverhalten irrational verhalten, in der Summe würde sich das aber gegenseitig wieder ausgleichen, von daher wär der Homo Oeconomicus als Modell wieder richtig.”
Diese Argumentation erschien mir etwas suspekt, mir fehlten und fehlen allerdings die Kenntnisse in Stochastik und den zugrundeliegenden Modellen um jetzt mit dem Finger draufzuzeigen wo das nicht stimmt. Wär nett, wenn jemand mit mehr Sachkenntnis als ich das mal genauer auseinandernehmen könnte.
@ Philipp von Weitershausen
Das geht nicht. Es geht immer um Werte und Interessen. Die lassen sich aber weder logisch noch empirisch klären. Man kann zB logisch und empirisch klären, welche sozialen Unterschiede mehr Wirtschaftswachstum, Produktivitätswachstum und Beschäftigung bringen.
Hätten die Neolberalen Recht, dann wäre Südamerika in den letzten Jahrhunderten der ökonomisch erfolgreichste Kontinent . Und da sind wir schon wieder bei den “Anreizen”.
Zusammenhang: Ungleichheit % Wohlstand siehe auch:
Franz Radermacher, Balance oder Zerstörung
“Er wandert z.B. in die private Sparquote und in einen Anwachs hoher Vermögen.”
Und darüber in Investitionen, wird also doch wieder ausgegeben.
Lohnveränderungen führen ceteris paribus erstmal nur dazu, dass die eine Partei eines Arbeitsverhältnis mehr und die andere weniger hat. Weder verschwindet etwas, noch kommt etwas dazu. Was der eine mehr hat und mehr ausgeben kann, hat der andere weniger und kann er weniger ausgeben. Allerdings verändern sich Preisverhältnisse. Wenn Arbeitskraft in Deutschland teurer wird, wird sie unattraktiver im Vergleich zu ausländischen Arbeitskräften und zu Kapital. Das wird tendenziell zu einer Substitution und zu weniger inländischer Beschäftigung führen. Je nach Elastizität könnte eine Lohnerhöhungen sogar zu weniger “Konsumnachfrage” führen, wenn die Lohnverluste im Zuge der Beschäftigungsverlustes größer sind als die Lohngewinne der verbliebenden Beschäftigten durch den höheren Lohn.
Wer Andersdenkende derart hochtrabend abqualifiziert wie der Spiegelfechter sollte selbst nicht nur Schmalspurökonomie á la “jeder Euro, der in den Taschen der Arbeitnehmer fehlt, kann nicht ausgegeben werden”, bei der nicht mal um die erste Ecke gedacht wird, abliefern. Da scheinen mir die “Klempner” doch immer noch höher qualifiziert zu sein als irgendso ein Schreiberling. ;)
@Stefan Balker #23
Ihre Einschätzungen sind so genau, wie die Bauernregeln bei der Wettervorhersage.
Wir haben in der EU keine Binnengrenzen und trotz nur 25% Lohnhöhe im Osten der EU, steigt z.Z. die Arbeitslosigkeit dort um 25% und mehr gegen 2008. Die Konsumnachfrage ist dort y-o-y um 29% zusammen gebrochen.
Sie gehören scheinbar auch zu den so genannten Wirtschaftsexperten, die ihr Wissen aus der Betrachtung einer Kristallkugel holen.
@ Stefan Balker
Da dachte ich mir. Sihe mal da, der hat was im Kopf. Und dann kommt es:
Geht es dir wirklich gut?
Genau so habe ich mir schon immer einen neoliberalen Klempner vorgestellt. ;-)
@ R_Winter / 24
Nein, nein – ich bitte Sie! Das kann nicht sein. Niemals! Was die modernen „Experten“ verbreiten stinkt – logisch und moralisch – und zwar hunderte von Stundenkilometer gegen den Wind. Eine Kugel? Das kann bitte keine Kugel sein. Völlig ausgeschlossen! Das können nur Tierinnereien aus dem späten 19. Jahrhundert sein. Die hieße Spur führt zu einem (fast und hätte gern) Dampflokingenieur Walras und einem doch Dampflokingenieur Pareto.
Ja ja, genau, der Erste auch ein gescheiterter Romancier und der Letzte, das ist der Mussolinis Ehrenminister. ;-)
@Philipp von Weitershausen
Sie können uns sicher die Rentenformel erklären.
Da sie sich mit dem Thema objektiv auseinandergesetzt haben.
Sie wissen auch um wieviel % Real die Durchschnittsrente in den letzten 10 Jahren gesunken/gestiegen ist?
Welches Interesse hat ein heute 40jähriger seine eigene zu erwartende Rente zu kürzen?
@27 Beate
Gegenfrage: Sie kennen doch auch sicherlich den demographischen Wandel, der schon mitten unter uns ist? Und warten wir ersteinmal ab, bis die geburtenstarken Jahrgänge der 60er Jahre in die Rente gehen und nur die Rente nur noch von den post-Pille Generationen getragen wird. Auch der Generationenvertrag ist keine Einbahnstraße. Jedenfalls passen für mich Rentengarantie und Kindermangel nicht unbedingt zusammen.
(P.S.: Interessante Broschüre des Stat. Bundesamtes zum Thema Geburtenentwicklung: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Fachveroeffentlichungen/Bevoelkerung/BroschuereGeburtenDeutschland,property=file.pdf)
@ Philipp von Weitershausen
Wenn aber der Produktionsausfall durch die nicht geborenen Kinder
der Rente nach dem Umlageprinzip fehlen wird,
warum würde uns dieser Produktionsausfall nicht
auch für die private Rente fehlen.
Kennst du eine neoliberale intellektuelle Bestie, die dies erklären könnte?
Vielleicht ist unsere einzige Hoffnung Stefan Balker: Er ist auf dem besten Wege Addieren und Subtrahieren zu beherrschen.
x
@Stefan Balker
Interessant.
Welchen Zeithorizont legt ein Unternehmer für seine Planungen zugrunde?
Soll er jezt Produktionskapazitäten angesichts des schwachen Pfund nach GB verlagern?
Wie schätzen sie die Kosten für Währungssicherungen Derivate in den nächsten 10 Jahren ein?
Hat sich nicht alles verändert, dramatisch?
Sogar die FDP muss sich dem Bundesverfassungsgericht beugen.
Und erhöht das Kindergeld.
Da das Existenzminimum erhöht werden muss, wird es weniger Steuereinnahmen geben.
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1047161/
Mindestlöhne oder Kombilöhne.
Was wird sich durchsetzen?
Denken sie an die Schuldenbremse?
Welche Auswirkungen haben höhere Mehrwertsteuern auf den Absatz?
Wie soll ein Unternehmer , dies in seinen Planungen für die nächsten 10 Jahre berücksichtigen?
@ Philipp von Weitershausen
Da Sie ja in Rentensachen liberaler Experte sind, ist Ihnen sicher bekannt, daß aus der Rentenkasse von 1957 – 2002 700 Mrd. € (ungerechnet) entnommen wurden.
Details sind zu entnehmen:
Rentenklautabelle
http://www.bohrwurm.net/Rentenklautabelle.htm
Was würden die “Liberalen” sagen, wenn aus privaten Versicherungen ein ähnlicher Betrag einfach entnommen würde? Sie würden wie jetzt bei der HRE klagen. Wenn dieser Betrag nicht für Renten fremde Leistungen entnommen wäre, würde die durchschnittlich Rente heute statt 1000 € 1200€ und mehr betragen. Die Verbrechen an zukünftige Rentnergenerationen sind im Kreis der Regierungen, der Gewerkschaften und der Arbeitgeberverbände zu suchen.
Die Laberei um Generationengerechtigkeit ist gesteuert von der Versicherungswirtschaft und ihren Helfern (nützlichen Idioten – frei nach Lenin). Kein Wunder: Overhead + Gewinn bei Privaten 20%, Rentenkasse 4%.
PS.: In USA haben die Privaten 380 Mill. € für PR-Aktionen ausgeben, um die sozialen, staatlichen Reformen von Obama abzuwürgen.
Und was “spenden” diese Kreise in Deutschland?
@32 R_Winter
Ich habe weder behauptet, liberal zu sein, noch bin ich ein Experte. Den “Rentenklau” werde ich mal studieren, das klingt interessant, vielen Dank für den Link. Ansonsten finde ich es etwas bequem und kurzsichtig, das Problem der “Generationengerechtigkeit” als reine Laberei der Versicherungslobby darzustellen. Die Zahlen (z.B. die des Statistischen Bundesamtes) sprechen m.E. für sich. Dabei will ich es auch bewenden lassen und klinke mich hiermit aus der Diskussion aus. Vielen Dank.
Am besten gefällt mir immer die allmittägliche Börsenberichterstattung bei welcher der Kommentator immer genau weiß warum der Dow oder DAX um ein paar Punkte rauf oder runtergegangen sind. Da die Gründe so gut wie immer schon am Vorabend klar auf der Hand lagen, hätte ich das eigentlich schon gerne dann erfahren. Aber eben.
Es ist fraglich, ob die Wirtschaftswissenschaft den Namen wirklich verdient. Sie bringt nur wenig beliebig replizierbare Ergebnisse hervor. Jüngst wurde sogar die als unumstösslich geltende Milton Friedman Regel von der Geldmengenexpansion zu Inflation Ratio von der Praxis widerlegt. Auf eine Geldmengenexpansion von über 10% folgte eben keine Inflation.
Ohne mich hier in langer Abhandlung zu vertiefen sein einmal auf die Grundlagen eines Staatswesens zurückverwiesen. Ein Staatswesen hat nicht irgendwelchen Ideologien zu folgen, einem Kommunismus, Sozialismus, Kapitalismus oder sonstwas zu dienen. Selbst Demokratie ist kein Selbstläufer.
Es gibt hier Grundlagen, die vor allem ihre Basis in einer wenig beachteten, aber dennoch sehr respektablen Wissenschaft haben die auch replizierbare Ergebnisse zeitigt: der Anthropologie. Diese gibt beispielsweise Auskunft darüber, dass der Mensch sehr komfortabel in einer hierarchisch gegliederten Gesellschaft lebt und bereit ist dem Kaiser und seinen Unterkaisern Privilegien und sonstige Vorteile zuzugestehen.
Das heisst aber auch, dass der unterste in der Hierarchie von der beute mehr als abgenagte Knochen bekommt – ungeachtet seiner eigenen Produktivität. Ansonsten geht die Gemeinschaft des Gemeinwesens kaputt. Verrat und Kriminalität nehmen zu. Auch dem schwächsten eine Teilnahme an der Gemeinschaft zu ermöglichen ist Teil einer menschlichen Eigenschaft die nicht nur menschlich ist, sondern auch vielen anderen spezies zu eigen ist: Altruismus. Das hat wahrscheinlich unter anderem etwas damit zu tun, weil auch die schwächeren im Konflikt mit anderen Stämmen und Spezies einen Beitrag leisten können. Wie auch immer: In einem Meta-Stamm wie einer Nation ist es nicht mehr eine Sache grosszügig einen Knochen mit Fleisch abzutreten, sondern eine Gemeinschaftsaufgabe allen Mitgliedern des Gemeinwesens eine vollwertige Teilnahme an diesem zu ermöglichen.
Dank Technologie und Innovation brauchen wir für Jagen und Sammeln nicht mehr de vollen 16 Mitglieder der Stammesgruppe, sondern nur mehr sechs. Von den anderen 10 machen einige eher unnötige Sachen wie Wandmalereien und Poesie, andere werden gar nicht mehr gebraucht. Wir können also die Jagd- und Sammelaufgaben aufteilen, so dass wieder mehr teilnehmen und alle bekommen in etwa die selbe Menge Fleisch, oder wir sagen den unnötigen “ihr kriegt Fleisch mit mehr Knochen als der Rest”. Wie auch immer, es muss aufgeteilt werden.
In unserer modernen Gesellschaft hat der Staat die Aufgabe das in unser aller Namen zu regeln. er darf dabei nicht ausgrenzen, und er darf auch nicht vortäuschen, dass die die nicht zum Jagen und Sammeln notwendig sind selbst daran schuld sind.
Damit haben wir einmal halbwegs rational erklärt, dass der Staat die Generalverantwortung für gerechte Verteilung hat. Es sei durchaus anerkannt, das die Organisatoren von Jagd und Sammeln durchaus zusätzliche Anerkennung verdienen, ebenso wie die die sich sonstwie besonders hervortun. dies wird auch allgemein gerne gewährt, nur, muss sich das alles in gewissen Grenzen bewegen, da sonst das Gemeinwesen zumindest intern rebelliert. Darum haben Gesellschaften mit weiten Einkommensscheren auch höhere Kriminalität, etc.
Essentiell, die Marktwirtschaft ist ein Erfüllungsgehilfe eines Gemeinwesens, aber nicht mehr. Marktwirtschaft ist ein Belohnungssystem das darauf basiert Individuen zu motivieren einen möglichst großen Beitrag zum Gesamtvermögen der Gemeinschaft zu leisten um ein bestmögliches Auskommen für alle zu erreichen. In einer demokratischen Gesellschaft, ist es also die Aufgabe des Staates den Ertrag aller Individuen unter allen gleichberechtigten Mitgliedern – es sind ja alle gleichberechtigt, da Demokratie – so aufzuteilen, dass alle hinreichend teilhaben. Kein Individuum wäre ohne die Restgesellschaft überlebensfähig.
Ich hoffe, mit diesem Beitrag einige ungestellte Fragen ideologiefrei beantwortet zu haben und freue mich, wenn sich der eine oder andere vielleicht mal über die Grundlagen menschlicher Existenz als solches Gedanken macht.
@Systemfrager #11
Mach mal halb lang; die Produktivität pro Stunde steigt in der Industrie immer rasant. In 10 Jahren um etwa ein Drittel, gesamtwirtschaftlich nur um ein Achtel.
Das ist ja der Punkt: Es haben nicht die wackeren deutschen Industriearbeiter von dunklen Mächten ihren Lohn gekürzt bekommen. Sondern es sind zahllose Jobs abgebaut worden, und die Arbeitnehmer drängen in den Dienstleistungssektor, wo sie sich mit kleinerem Lohn begnügen müssen.
Politisch wird man das – als einzelner Staat – kaum ändern können. Es nutzt auch nichts, sich diesbezüglich – wie der Spiegelfechter – dauernd irgendwelche Strohmänner zum Eindreschen aufzubauen.
@21 Aphyx
Dass dir
suspekt erscheint liegt auf der Hand. Das würde wohl auch jeder so sehen. Also, wir basteln uns ein Wirtschaftsmodell, Teil 2:
Wir nehmen weiterhin an, dass der Homo Oeconomicus ist nicht nur rational handelt, sondern auch über (vollständige) Information verfügt. Und schon ist das (Modell)Problem gelöst. Das ist ja dass tolle an Modellen: Wenn´s nicht passt, wird´s passend gemacht.
Das Problem sind aber nicht die Modelle und Annahmen, die nötig sind um sich über so etwas komplexes wie Volkswirtschaften überhaupt als Ganzes Gedanken machen zu können. Das Problem liegt eher darin, dass wir diese Modelle und Prognosen mit der Realität verwechseln. Und die meisten merken dass noch nicht mal. Da erschein dann ein Gutachten von den fünf “WirtschaftsWeisen“, Ausmaß Telefonbuch, das kein Mensch liest. Das Telefonbuch beginnt mit einer Kurzzusammenfassung, die lesen alle. Dann kommen die nächst längeren Zusammenfassungen. Spätestens die zehnseitige liest bestenfalls noch ein streberhafter Klugscheißer im Wirtschaftswinisterium, der seinem Chef zeigen will, was für ein Hecht er doch ist. Im schlimsten Fall ist er es.
Schmöckert man in den 1000 Seiten des eigentlichen Gutachtens, findet man Dinge, die in den Zusammenfassungen komischerweise ziemlich kurz gekommen sind. Binnennachfrage zum Beispiel. In der Zusammenfassung wird daraus auf wundersame Weise immer Konkurrenzfähigkeit.
Wenn Wissenschaft und Politik aufeinandertreffen geht es nicht mehr um richtig oder falsch, nicht mehr um überprüfbar/unüberprüfbar. Es geht um die Deutungshoheit.
@ 17 Philipp von Weitershausen:
Ok, wie wäre s z.B. dann damit: offensichtlich entspricht eine progressive Besteuerung zumindest dem Gerechtigkeitsvorstellungen vieler Deutschen. Wie wäre es bspw. mit einer progressiven Kapitalsteuer?
Ich glaube außerdem nicht, dass noch mehr “Anreize für Besserverdiener” das ist, was Deutschland im Augenblick braucht. Ein großes Problem ist die fehlende inländische Nachfrage, v.a. bei kleineren und mittleren Einkommen. Außerdem reichen Anreize für Besserverdiner alleine nicht aus, damit diese dann auch notwendige Investitionen tätigen.
@ 21 Aphyx:
Kann dir das anbieten ;-) :
Die Theorie des Homo oeconomicus ist ein Erklärungsmodell menschlichen Handelns, das oft in der rational choice- Theorie (und in der neoklassischen Wirtschaftstheorie) angewandt wird. Der Homo oeconomicus bezeichnet einen idealtypischen Akteur, der eigeninteressiert und rational handelt, seinen eigenen Nutzen maximiert, auf Restriktionen reagiert, feststehende Präferenzen hat und über (vollständige) Information verfügt. Er geht nach dem Minimaxprinzip vor, indem er den Mitteleinatz minimieren und den Nutzen maximieren möchte.
(Vgl.: Stephan Franz: Grundlagen des ökonomischen Ansatzes: Das Erklärungskonzept des Homo Oeconomicus; in: W. Fuhrmann (Hrsg.), Working Paper, International Economics, Heft 2, 2004, Nr. 2004-02, Universität Potsdam; Lamnek, Siegfried: homo oeconomicus, in: Reinhold, Gerd/ Lamnek, Siegfried/ Recker, Helha (Hrsg.): Soziologie-Lexikon, 3., überarb. und erw. Auflage, München/ Wien/ Oldenburg 1997, S. 266.)
@ Markus
Ja, homo oeconomicus ist eine Abstraktion (== etwas-was-nicht-in-der-Realität-so-vorkommt). Zweifellos. Es gibt aber keine Wissenschaft die ohne Abstraktionen auskommen kann – die exakten Naturwissenschaften mit Sicherheit nicht. Fazit:
Homo oeconomicus lässt sich als eine nicht „ganz glückliche Abstraktion“ der WiWi unendlich lange kritisieren, aber dem Neoliberalismus (== Neoklassik) wird man damit nicht Weh tun. Wir dürfen den Neoliberalen nicht einen solchen Gefallen erweisen.
@ 39 Systemfrager:
Naja, für mich ist dieses Modell auch als Abstraktion nicht sinnvoll. V.a., dass die Neoliberalen (und Anhänger der neoklassischen Lehre) einfach glauben wollen, dass der Mensch ausschließlich egoistisch für seinen eigenen Nutzen handelt, ist für mich eben ein ideologisches (und nicht empirisches) Argument.
@ Markus
Natürlich, da sind wir uns sehr schnell einig. Nur, es gibt so viel Unsinn (oder Extra-Unsinn – da das ganze Paradigma ein Unsinn ist), den man bei den Neoliberalen anfechten kann, so dass wir uns, sagen wir es so: nicht besonders intensiv mit dem homo oeconomicus beschäftigen brauchen oder sollen.
Einspruch!
Keine der drei genannten Personen ist ein Nobelpreisträger!
Dieser Fehler ausgerechnet in einem solchen Artikel, in dem die Beherrschung der öffentlichen Darstellung/Meinung wirtschaftlicher Probleme und Politik durch eine kleine Clique Neoliberaler Wortführer beklagt wird, ist schon ein böser Fauxpas.
Zur Erklärung: Es gibt die Nobelpreise in den “Disziplinen” Physik, Chemie, Medizin/Physiologie, Literatur und Friedensbemühungen. Einen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften gibt es nicht.
1969, also mitten in der Epoche, wo die Neoliberalen die Machtübernahme in der Wirtschaftspolitik im globalen Maßstab planten und angingen, war die Etablierung dieses falschen Nobelpreises eine der genialsten Täuschungsaktionen der Geschichte.
Mit diesem Preis sollten die lächerlichen, sogenannten Wirtschaftswissenschaften den Ritterschlag erhalten und damit quasi über jeden Verdacht erhaben werden. Dabei disqualifizieren sich diese “Wissenschaften” schon allein durch dadurch, daß sie auf einem unhaltbaren Modell, dem “Homo oekonomicus” aufbauen. Und sie scheitern daher zwangsläufig auch regelmäßig an der Aufgabe, von einem definierten Zustand des Beobachtungsgegenstandes ausgehend, dessen zukünftige Entwicklung vorherzusagen. Eine Übung, die in jeder ernstzunehmenden Wissenschaft Grundvoraussetzung für die Anerkennung einer wissenschaftlichen Theorie ist.
Albert Einsteins Ruhm begann zB. mit dem Tag, an dem durch eine Beoabachtung des Planeten Merkur während einer totalen Sonnenfinsternis dieser Plantet nicht an der Stelle am Himmel erschien, wo er tatsächlich war, sondern gemäß der allgemeinen Relativitätstheorie an einem von Einstein vorhergesagten, anderen Punkt. So sehen echte Wissenschaften aus!
Der sogenannte Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften heißt tatsächlich “Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel” – ausgelobt und finanziert von der schwedischen Reichbank. Um die Täuschung perfekt zu machen, sind die Preisgelder mit denen der echten Nobelpreise identisch, meist wird er in direkter Folge der Bekanntgabe der Nobelpreise verkündet (womit auch den “Wirtschaftswissenschaften” scheinbar die höchste aller Preis-Wertungen zukommt), es sind teilweise die gleichen Gremien mit der Bestimmung der Preisträger beschäftigt (die schwedische Akademie der Wissenschaften) und überreicht wird er in derselben Veranstaltung vom schwedischen König, in der auch die echten Nobelpreise (mit Ausnahme des Friedensnobelpreises) übergeben werden. Die Alfred-Nobel-Stiftung hat damit aber nichts zu tun.
Das ist der größte PR-Coup aller Zeiten auf diesem Gebiet! Schade, daß immer noch soviele darauf hereinfallen. In dem Zusammenhang ist es jedoch mehr als peinlich.
@29 / Systemfrager:
“Wenn aber der Produktionsausfall durch die nicht geborenen Kinder
der Rente nach dem Umlageprinzip fehlen wird,
warum würde uns dieser Produktionsausfall nicht
auch für die private Rente fehlen.”
Systemfrager, ich könnte Dich knutschen. Treffer, versenkt.
Dazu kommt natürlich noch, daß die privaten Rententräger eine fette Rendite obendrauf rechnen, die auch irgendwoher kommen muß (nach meinen Quellen ungefähr 20 Prozentpunkte, also wenn sie 5% weiterreichen, müssen sie 25% erzielen).
@Philipp von Weitershausen: machen Sie sich mal mit dem “Mackenroth-Phänomen” vertraut. Sehr interessante Lektüre, die einem bezgl. der Rentenproblematik die Augen öffnet.
Kurze Zusammenfassung:
Effektiv versorgt die arbeitende Generation immer a) die Kinder und b) die Rentner durch die Herstellung von Gütern und die Bereitstellung von Dienstleistungen. Sind genügend Güter / Dienstleistungen verfügbar, läuft es nur auf die Problematik der angemessenen Verteilung hinaus.
Natürlich wird seitens der interessierten Finanzindustrie kräftig Wind gemacht! Da gibt es viel Geld zu verdienen.
Aber mal ganz nüchtern gefragt: wenn man die Rentner nicht mehr ernähren, kleiden und unterbringen will (nicht kann – können können wir!), was ist die Alternative?
Mit der Rente ist es im Grunde ganz einfach. JEDE Versorgung von Alten in der Gesellschaft erfolgt nach dem Umlageprinzip.
Es mag den einen oder anderen überraschen, aber Rentner essen Brot, das HEUTE gebacken wurde, kaufen sich Kleidung, die im JETZT hergestellt wurde, wohnen in Häusern, die ganz echt hier rumstehen, ja, sie schauen sogar das Fernsehprogramm von heute! Immer und zu allen Zeiten wurden Menschen, die nicht produktiv waren, seien es Alte, Kinder, Schüler, Studenten oder Arbeitsunfähige, von den Leistungen mitversorgt, die AKTUELL von denen erzeugt wurden, die diese Leistungen vollbringen konnten.
Die spannende Frage ist also, warum wir die Finanzierung dieser Versorgung, wenn wir schon auf dieses Vehikel zurückgreifen müssen, nicht ebenfalls als Umlage organisieren können sollen?