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19. April 2010 von Spiegelfechter
ein Gastbeitrag von Marshall Auerback. Übersetzung aus dem Englischen: Lars Schall.
Der Euro dürfte, nach kurzzeitiger Erholung, nachhaltig schwach bleiben, da die beschlossenen Rettungsmaßnahmen aller Wahrscheinlichkeit die Defizite der Euro-Staaten größer werden lassen und somit die möglichen Zahlungsprobleme der Euroraumländern noch weiter verschärfen.
Die allgemeine deutsche Haltung hierzu ist, dass eine Zahlungsunfähigkeit von, sagen wir, Kalifornien genauso wenig die Überlebensfähigkeit des Dollar bedroht, wie die griechische Zahlungsunfähigkeit den Euro. Allerdings besitzen die Vereinigten Staaten von Amerika auch eine nationale geldpolitische Autorität, die auf die wachsenden Zahlungsschwierigkeiten der Bundesstaaten durch Dollarschöpfung und selektive Verteilung der Steuereinnahmen an die Bundesstaten reagieren kann. Eine vergleichbare geldpolitische Instanz gibt es im Euroraum nicht.
Obwohl man Griechenland bisher durchaus als das ?Lehman?-Problem der Europäischen Währungsunion bezeichnen konnte, lässt das vor kurzem verkündete Rettungspaket eher einen Vergleich mit Bear Stearns zu. Durch Bears ?Rettung? im März 2008 sah es anfangs so aus, als ob es den weltweiten Finanzmärkten möglich sei, eine Krise in dem durch Vermögenswerte gesicherten Wertpapiermarkt zu verhindern. In Wirklichkeit verlagerte sie die Probleme lediglich nach hinten, da die zugrunde liegenden strukturellen Probleme, die die Krise überhaupt erst hervorriefen, ungelöst blieben. Die Kreditkrise, die im August 2007 begann, beinhaltete das Versagen der Liquiditäts- und Solvenz-Risiko-Systeme gleichermaßen. Die daraufhin einsetzende Gefrierstarre enstand, weil die nachfolgende Pleite von Lehman und der Kollaps von AIG die (durch jahrelange Bailouts aufgebaute) Erwartung der Märkte zerstörte, dass es einen ultimativen Marktregler geben würde, der schon stets mit diesen Wertpapierinstrumenten umzugehen verstünde.
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19. April 2010 von Spiegelfechter
Manch einer meiner Leser mag sich schon über meine letztwöchige Enthaltsamkeit gewundert haben ? aber keine Angst, der Spiegelfechter sitzt nicht hinter schwedischen Gardinen und die spätrömische Dekadenz ist bei mir leider auch noch nicht ausgebrochen. Ich verbrachte vielmehr auf Einladung der Deutschen Welle eine sehr nette und informative Woche in Berlin. Als deutschsprachiger Juror nahm ich am Juryentscheid für die Auszeichnung der besten Blogs weltweit ? den BOBs ? teil und schaute mir einmal das muntere Real-Life-Treiben der ?Netzgemeinde? auf der re:publica an. Mein Eindruck: Die deutsche Netzgemeinde wird langsam erwachsener, hängt hinter ihren internationalen Pendants aber immer noch meilenweit zurück.
Das größte Hobby der deutschen Blogger, sich mit den Mainstreammedien zu zoffen und darüber zu philosophieren, ob Blogger nun Journalisten sind und Journalisten überhaupt Blogger sein können, ist von außen betrachtet ungefähr so unterhaltsam wie die dogmatischen Kabbeleien sektiererischer Theologen. Ob Gott, Jesus und der Heilige Geist nun Hypostasen oder Substanzen sind, mag für Dogmatiker, die sich zeitlebens mit dieser Frage beschäftigen, ja interessant sein. Für moderne Netzdogmatiker ist es anscheinend die Blogger-Journalisten-Frage, der man sein Lebenswerk widmet ? außer den Beteiligten interessiert diese Frage aber sonst niemanden. Selbstverständlich fand diese dogmatische Diskussion auch am Rande der re:publica statt. Glücklicherweise konnte man ihr jedoch auch spielend aus dem Weg gehen und sich den wirklich wichtigen Fragen widmen, mit denen ich mich in den kommenden Wochen auch noch ausführlich beschäftigen werde.
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15. April 2010 von Spiegelfechter
Kann ? oder besser darf ? der Krieg heute noch die Fortführung von Politik mit anderen Mitteln sein? Sind bewaffnete Konflikte eine legitime Ultima Ratio? Diese Frage ist elementar und polarisiert und eignet sich somit hervorragend für eine kontroverse Debatte. Ich konnte meinen Freund und Kollegen Frank Benedikt vom Auto-Antropohag überreden, diese Debatte mit mir öffentlich auszutragen. Das klassische Pro-und-Contra im Blogformat, die einzige Bedingung war, sich auf 4.000 Zeichen zu beschränken. Bei Gefallen werden wir dieses Format gerne wiederholen, auch wenn es nicht all zu viele Themen gibt, bei denen wir derart unterschiedlicher Meinung sind. Die Leser sind natürlich aufgefordert, diese spannende Debatte im Kommentarbereich fortzuführen. Viel Spaß beim Vermehren der gewonnenen Einsichten.
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14. April 2010 von Spiegelfechter
ein Gastbeitrag von Uri Avnery
Ich traf vor zwei Wochen Salam Fayad, den palästinensischen Ministerpräsidenten, und war wieder beeindruckt von der Ruhe und Bescheidenheit, die von ihm ausgehen.
Gewöhnlich treffe ich ihn bei Demonstrationen, wie den am Trennungszaun bei Bilin. Auch dieses Mal gab es nur die Gelegenheit für ein flüchtiges Händeschütteln und ein paar höfliche Worte.
Wir erschienen gemeinsam am ?Tag des Bodens? in einem kleinen Dorf nahe Qalqilya, dessen Name nur wenigen bekannt ist: Izbat-al-Tabib. Das Dorf entstand 1920, und die Besatzungsbehörden erkennen seine Existenz nicht an. Sie wollen es zerstören und sein umfangreiches Land der nahen jüdischen Siedlung Alfei Menasche zuschlagen.
Wir waren umgeben von einer großen Gruppe respektabler Persönlichkeiten ? den Bürgermeistern der benachbarten Dörfer und Offiziellen der Parteien, die zur PLO gehören, und natürlich auch von den Dorfbewohnern. Ich konnte nur vom Rednerpult aus zu ihm reden. Ich bat ihn dringend, die Zusammenarbeit zwischen der palästinensischen Führung und dem israelischen Friedenslager zu stärken, eine Zusammenarbeit, die seit den Morden an Yasser Arafat und Faisal Husseini geschwächt wurde.
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12. April 2010 von Spiegelfechter
Wer in diesem Frühjahr einmal durch die Fußgängerzonen einer Provinzstadt geht, dem wird aufgefallen sein, dass neuerdings Goldankaufstuben wie Pilze aus dem Boden schießen. Seitdem jeder Teenager sein Zweit-iPhone, samt dazugehörigem Schufa-Eintrag, sein Eigen nennt, scheinen sich Handyverträge nicht mehr so gut zu verkaufen ? Grund genug, die Bude dicht zu machen und nun auf Goldankauf umzusatteln. Vielleicht steckt dahinter ja auch ein tieferer Sinn: Um die Handyschulden zu bezahlen, kann Klein-Kevin den Goldschmuck seiner Oma versetzen ? so was nennt man dann wohl lebenszeitbegleitendes Kundenmanagement. Aber was wollen die verkrachten Existenzen, die hinter dem Tresen hocken, eigentlich mit dem ganzen Gold?
Die Antwort findet sich im Internet. Surft man Seiten an, die ? sagen wir es mal vorsichtig ? eine etwas unorthodoxe Sicht auf die Welt im Allgemeinen und finanzwirtschaftliche Fragen im Besonderen haben, schreien einem diverse Banner entgegen: ?KAUFT GOLD!? Ja gerne, aber warum? Die Antwort findet sich in den Begleittexten: Die Weltwirtschaft kollabiert, Geld ist aus Papier und somit nichts wert und die Finanzeliten hätten es nur darauf abgesehen, uns wie eine Weihnachtsgans auszunehmen. Dahinter steckt ja sicher ein Körnchen Wahrheit, aber warum kaufen die Finanzeliten dann nicht das schöne Gold? Oder sind sie es, die das Gold verkaufen? Man weiß so wenig.
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