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  • Die FAZ und ihre „Reichen-Verteidigung“

    geschrieben am 11. September 2015 von Jens Berger

    Es gibt Artikel, bei denen man gar nicht mehr aus dem Staunen herauskommt. Der gestern veröffentlichte FAZ-Artikel „Luxus ist den Reichen fremd“ von Patrick Bernau gehört zweifelsohne dazu. Für Bernau ist die Welt – wie stets bei ihm – vollkommen in Ordnung. Luxus? Gibt es nicht. Und wenn, dann ist dies eine kaum wahrnehmbare Ausnahme. „Die reichen Deutschen“ geben laut Bernau ihr Geld nicht für „Boote, Diamanten oder teure0 Restaurants“, sondern „bemerkenswert pragmatisch“ aus. Als Quelle dieser ungewöhnlichen Erkenntnis gibt Bernau die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Bundesamts für Statistik aus. Das ist drollig, werden bei eben dieser Erhebung doch sämtliche Haushalte mit einem Nettoeinkommen von mehr als 18.000 Euro pro Monat gar nicht erst erfasst. Welche statistischen Aussagen über „Reiche“ will Bernau also aus einem Datenpool treffen, in dem gar keine „Reichen“ vorhanden sind?

    Die „Reichen“ von denen Bernau spricht, sind Haushalte mit einem Einkommen zwischen 5.000 und 18.000 Euro, das oberste Einkommensfünftel der nach oben abgeschnittenen Datenmenge – schaut man sich die EVS genau an, sieht man auch schnell, dass der untere Einkommensbereich innerhalb dieser Gruppe im Datenpool massiv überrepräsentiert ist. Wir reden hier also über Haushalte, die beispielsweise so aussehen könnten:

    a.) Das Lehrerehepaar mit drei kleinen Kindern, das bei Besoldungsstufe A14 auf ein Jahresbruttoeinkommen – je nach Dienstalter – zwischen 88.000 und 111.000 Euro kommt und damit netto in der Gruppe von Bernaus „Reichen“ liegt.
    b.) Die alleinstehende Chefsekretärin (56.000 Euro brutto), die zusammen mit ihrem Sohn, der sich in der Ausbildung (12.000 Euro brutto) befindet und ihrer Rente beziehenden Mutter (12.000 Euro brutto) in einem Haushalt zusammenlebt.

    Sicher sind dieser beiden Beispielhaushalt nicht arm, aber würden Sie sie als reich bezeichnen? Ganz sicher nicht. Und dass diese Haushalte nicht unbedingt verdächtig sind, ihr Geld für Yachten, Diamantenkolliers oder 5-Gänge-Menus im Sternetempel auszugeben, versteht sich eigentlich von selbst. Auch Patrick Bernau dürfte diese Erkenntnis nicht überraschen und das Ganze wäre wohl auch keinen Artikel im FAZ-Wirtschaftsressort wert. Etwas anderes sieht es natürlich aus, wenn man diese Haushalte durch einen Trick für „reich“ erklärt und ihr Ausgabenverhalten als statistisch repräsentatives Ergebnis für die Schicht der „Reichen“ verkauft und dem Ganzen auch noch den seriösen Stempel des Bundesamtes für Statistik verpasst.

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    G36-Affäre – Nichts ist so, wie es scheint

    geschrieben am 09. September 2015 von Jens Berger

    Gestern gab Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bekannt, dass ihr Ministerium das G36 als Standardgewehr der Bundeswehr aussortiert und nun eine europaweite Ausschreibung für ein Nachfolgemodell startet. Öffentliche Kritik an dieser Entscheidung blieb aus. Kein Wunder, schließlich gilt das G36 seit zwei Jahren in der öffentlichen Wahrnehmung als „Pannengewehr“. Eine Neuausschreibung scheint somit begründet. Doch das ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Sobald man ein wenig hinter die Kulissen schaut, stößt man auf einen undurchdringlichen Nebel aus Medienkampagnen, Täuschungen, Halbwahrheiten und Lügen. Die Story hinter der Story ist brisant. Doch leider sieht es nicht so aus, dass wir die Hintergründe je erfahren werden. Die G36-Affäre ist vor allem ein Musterbeispiel für kollektives Medienversagen.

    Fassen wir zunächst einmal die „offizielle Version“ der G36-Affäre zusammen. Medienberichten zufolge gab es beim Bundeswehreinsatz in Afghanistan Probleme mit „Überhitzungsschäden“ beim Sturmgewehr G36, das als Standardgewehr der Bundeswehr in einer Auflage von 175.000 Stück in der Truppe im Einsatz ist. Daraufhin startete die Bundeswehr interne Prüfungen, die zu einem vernichtenden Urteil kamen – bei hohen Außentemperaturen und hoher Belastung durch schnelle Schussfolge soll das Trefferbild des G36 so miserabel ausgefallen sein, dass es als Einsatzwaffe untauglich erscheint. Eine Nachbesserung würde kaum Abhilfe verschaffen, daher sei das Verteidigungsministerium im Grunde gezwungen, das nun schon 20 Jahre alte Modell auszumustern und ein neues Standardgewehr auszuschreiben. Von der Leyen präsentiert sich in dieser Version als harte Aufklärerin, die alte Seilschaften zwischen dem Ministerium und dem G36-Hersteller Heckler & Koch offenlegt und im Sinne des Steuerzahlers und der Bundeswehrsoldaten neue Wege geht. So „schön“ sich diese Geschichte anhört, sie scheint von vorne bis hinten erfunden zu sein.

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    Infografiken – Ungleich, ungleicher, Deutschland

    geschrieben am 08. September 2015 von Jens Berger

    Das DIW hat wieder einmal einen Blick auf die Vermögensverteilung geworfen. Im Diskussionspapier 1502 werfen die Autoren einen Blick auf die Vermögensverteilung in den Eurostaaten Deutschland, Frankreich, Spanien und Griechenland. Um Datenlücken im obersten Bereich der Vermögensskala zu schließen, haben die Forscher auch diesmal wieder auf externe Daten, wie beispielsweise die „Top-500-Liste“ des Manager Magazins zurückgegriffen. Die Veröffentlichung bestätigt die Befunde, die ich bereits in meinem Buch „Wem gehört Deutschland?“ ausführlich dargelegt habe: In keinem anderen modernen Industrieland ist die Verteilung des Volksvermögens derart ungleich wie in Deutschland. Dies zeigen auch die Infografiken, die ich zum DIW-Papier erstellt habe.

    Von den vier untersuchten Ländern weißt Deutschland den mit großem Abstand größten Anteil des Volksvermögens auf, der in den Händen einiger weniger Reicher liegt. Fast zwei Drittel des Volksvermögens befinden sich hierzulande im Besitz der obersten zehn Prozent der Haushalte (gemessen am Vermögen). In Frankreich ist es „nur“ rund die Hälfe, in Spanien und Griechenland sogar noch weniger. Je weiter man sich auf die oberste Spitze der Vermögensskala konzentriert, desto größer ist ist der Vorsprung der Deutschen „Superreichen“ im im internationalen Vergleich. Während in Griechenland dass oberste Promille, also die „Superreichen, weniger als 5% des Volksvermögens besitzt, beträgt der Anteil der deutschen „Superreichen“ fast ein Fünftel des Volksvermögens.

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    probono Interview: Jens Berger – Der Kick des Geldes

    geschrieben am 08. September 2015 von Jens Berger

    Es lebe König Fussball. Es lebe der Sport!
    Im neuen probono Interview spricht unser Finanzjournalist Lars Schall mit Jens Berger über den Wirtschaftsfaktor Fussball.

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    Böse Ungarn, gute Deutsche?

    geschrieben am 04. September 2015 von Jens Berger

    „Hell-Deutschland“ zeigt sich von seiner besten Seite. Hunderte freiwillige Helfer empfingen am München Hauptbahnhof mit offenen Armen einen der wenigen Flüchtlingszüge, die es aus dem fernen Budapest nach Deutschland geschafft haben. Gutes Deutschland! Auf der anderen Seite verweigern die ungarischen Behörden Tausenden Flüchtlingen am Budapester Westbahnhof die Weiterfahrt und leiten die Flüchtlingszüge nicht nach Deutschland, sondern in Auffanglager in der ungarischen Provinz. Ungarns rechtspopulistischer Präsident poltert derweil in Brüssel und erklärt die Flüchtlingskrise zu einem deutschen Problem. Böses Ungarn! Doch so einfach, wie es sich auch die meisten Medien machen, ist es nicht.

    Auch wenn dies heutzutage kein deutscher Politiker öffentlich zugestehen würde – die momentan oberflächlich nur schwer zu verstehende Flüchtlingspolitik Ungarns entspricht eins zu eins den europäischen Gesetzen. Den Gesetzen, die vor allem Deutschland über Jahre hinweg gefordert und schlussendlich auch durchgesetzt hat. Wer den ungarisch-serbischen Grenzzaun und die aktuellen Geschehnisse am Keleti-Bahnhof verstehen will, muss zunächst wissen, was die Dublin-Verordnung ist. 1997 trat in der EU das sogenannte Dubliner Übereinkommen in Kraft, das im Grundsatz besagt, dass ein Asylbewerber in dem EU-Land Asyl beantragen muss, in dem er als erstes EU-Boden betreten hat. Wenn man sich einmal die Landkarte anschaut, kann man sich schon denken, welches Land damals das größte Interesse an „Dublin“ hatte – das zentral gelegene Deutschland, das sich auf diese Art und Weise juristisch vor größeren Mengen an Flüchtlingen drücken konnte, die schon damals naturgemäß vor allem in den Staaten mit EU-Außengrenzen, allen voran Italien und Griechenland, zum ersten Mal europäischen Boden betraten.

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