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  • Admati, Anat und Hellwig, Martin: The bankers´ new clothes

    geschrieben am 21. Juni 2013 von Jens Berger

    von Helge Peukert*

    In drei Teilen und 13 Kapiteln legen die beiden Autoren auf rund 200 Seiten bei der renommierten Princeton University Press ein bald auch auf Deutsch erscheinendes Buch vor, dessen Untertitel: „Was läuft falsch im Bankensektor und was ist dagegen zu tun“ ihr Anliegen kurz und treffend umreißt. Das Buch wurde mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht und mit Spannung erwartet, was nicht verwundert: Anat Admati, Professorin für Finanzwirtschaft und Ökonomie an der Stanford Graduate School of Business und u.a. neben Simon Johnson Mitglied des Peterson Institute for International Economics in Washington D.C. und Martin Hellwig, Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn und (stellvertretender) Vorsitzender des beratenden Ausschusses des European Systemic Risk Boards, sind anerkannte Mainstream-Ökonomen und ausgewiesene finanzwissenschaftliche Fachleute.

    Umso überraschender dürfte für viele Leser die kaum zu überbietende Deutlichkeit und Härte ihrer Kritik im Vorwort kommen: Das Finanzsystem sei entgegen aller Beschwichtigungen und nationalen, europäischen und internationalen Reförmchen genauso fragil wie vor der Finanzkrise. Auf beiden Seiten des Atlantiks überwiegen Lobbyismus und ideologische Voreingenommenheit. Schuld an fehlendem Reformeifer seien natürlich die Regulierung ablehnende Finanzindustrie, aber auch die Wissenschaft, die Politik, die Regulatoren und die Medien, die die Konfrontation mit ihr scheuen. Auch kritisieren sie, dass die Diskussion um eine Neugestaltung meist von Fachleuten hinter verschlossenen Türen stattfindet und der Öffentlichkeit suggeriert wird, es handele sich hier um nur schwer verständliche Zusammenhänge. Die Autoren deuten dies als Ergebnis bisher erfolgreicher Lobbyarbeit und ihres Aufbaus einer einschüchternden Fassade durch vermeintliche Spezialisten gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Niemand soll wie in H. Chr. Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“, auf das der Titel des Buches anspielt, auf die Geldhäuser zeigen und rufen: Ihr habt ja gar keine Kleider an, d.h. offen aussprechen, dass die Finanzinstitute fast kein risikoabsorbierendes, als Stoßdämpfer dienendes (Eigen)Kapital haben (müssen). Mit ihrem Buch, das sich an eine nichtprofessionelle, breite Leserschaft wendet, wollen sie den Schleier lüften, denn entgegen aller interessenbedingten Geheimniskrämerei gilt: „Banking is not difficult to understand“ (S. XI). Sie gehen so weit zu behaupten, dass nur der öffentliche Druck der Zivilgesellschaft zu sinnvollen Reformen führen könne. Ihr Beitrag erhebt aber auch einen wissenschaftlichen Anspruch, der sich in 130 Seiten für Endnoten und das Literaturverzeichnis eindrucksvoll dokumentiert.

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    #Neuland – Willkommen im Klub

    geschrieben am 20. Juni 2013 von Jens Berger

    Die Netzgemeinde amüsiert sich königlich über Angela Merkels #Neuland-Zitat. Willkommen im Klub. Auch in wirtschaftspolitischen Fragen jagt bei der Kanzlerin ein #Neuland das nächste.

    Mit dem Satz, “das Internet ist für uns alle Neuland” hat es Angela Merkel geschafft, zum viralen Thema der Woche zu werden, Zurecht erntet Mutti zur Zeit kübelweise Spott und Häme aus den sozialen Netzwerken.

    Aber warum diese Aufregung? Galt die Kanzlerin denn je als “Digital Native”? Dass das Netz für sie Neuland ist, dürfte eigentlich noch nicht einmal Hardcore-Jungunionisten ernsthaft überraschen. Und dass sie uns alle dabei vereinnahmt – nun ja, so ist Mutti nun einmal.

    Wenn ich mein defektes Auto zum Bäcker bringe und der mir entgegnet, dies sei für ihn Neuland, so darf mich dies nicht ernsthaft wundern. Anders sieht es aus, wenn mir meine KFZ-Werkstatt die gleiche Antwort gibt. Wer sich über #Neuland echauffiert, sagt damit zwischen den Zeilen, dass er der Kanzlerin auf diesen Gebiet irgendwelche Kompetenzen zugetraut hätte. Und das ist – nun ja – naiv. Schon bald wird jedoch sicher auch dem letzten “Netzaffinen” klar sein, dass die Kanzlerin auch in netzpolitischen Fragen schlussendlich nur eine schwäbische Hausfrau ist.

    Da kann man nur sagen: Willkommen im Klub, liebe Netzgemeinde. Wir, die “Ökonomieaffinen” hatten schon unzählige #Neuland-Erlebnisse. Seit Muttis Bekenntnis zum volkswirtschaftlichen Ideal der Schwäbischen Hausfrau vergeht kaum ein Monat, an dem die Kanzlerin nicht unter Beweis stellt, dass nicht nur das Netz, sondern auch die Volkswirtschaft für sie absolutes Neuland ist. Das nimmt jedoch leider kaum mehr jemand wahr. Warum eigentlich?

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    Neue Banken braucht das Land

    geschrieben am 20. Juni 2013 von Jens Berger

    „Wie viel Bank braucht der Mensch?“, so lautet der Titel von Thomas Frickes neuem Buch. Was sich auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Ratgeberliteratur und Hochglanzprospekt der Commerzbank anhört, hat es jedoch in sich. Hinter dem eher spröden Titel verbirgt sich nicht nur ein Leitfaden zur Regulierung des Finanzsystems, sondern nebenbei auch noch eine grandiose Analyse über das Scheitern des Dogmas effizienter Finanzmärkte. Für die Qualität des Buches steht schon der Name Thomas Fricke, der als Journalist und ehemaliger „Chefökonom“ der Financial Times Deutschland regelmäßigen Lesern unserer Hinweise des Tages sicherlich ein Begriff sein dürfte.

    Die Welt könnte so schön sein, wenn Milton Friedman doch nur Recht behalten hätte. Milton Friedman, der heute als Vordenker des Neoliberalismus gilt, war fest beseelt von der Idee, dass eine Entfesselung des Finanzsystems die westliche Welt in eine so noch nie dagewesene andauernde Phase des Wohlstands kapitulieren würde. Leider hatte Friedman jedoch auf ganzer Ebene unrecht. Wie Thomas Fricke im ersten Teil seines Buches darlegt, haben sich Friedmans Versprechungen in ihr exaktes Gegenteil verwandelt. Auch für Leser, die bereits mit der Grundthematik vertraut sind, bietet Fricke dabei stets ein paar interessante und durchaus nicht marktkonforme Gedankengänge, die man nicht unbedingt jeden Tag in der Zeitung liest, die aber dennoch auf der Hand liegen.

    Die Märkte, die Fricke beschriebt, sind weder effizient, noch selbstregulierend oder gar allwissend. Stattdessen seien sie vom Herdentrieb und prozyklischem Verhalten charakterisiert. Wohltuend in Frickes Analyse ist, dass seine Kritik nicht an der Oberfläche bleibt und das menschliche Versagen einiger Finanzhasardeure oder gar die Gier als Hauptverantwortliche an den Pranger stellt, wie es andere Analysten gerne tun. Frickes Kritik trifft den Glauben an effiziente Finanzmärkte und das „Schwäbische-Hausfrauen-Theorem“ (Fricke) vielmehr im Kern.
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    Freihandelsstudie – Scharlatanerie im pseudowissenschaftlichen Gewand

    geschrieben am 18. Juni 2013 von Jens Berger

    „Deutschland winken 180.000 neue Jobs“ – so frohlockte am gestrigen Tag eine Überschrift bei SPIEGEL Online, als das reichweitenstärkste deutsche Onlinemedium – wie gewohnt vollkommen unkritisch – Zahlen und Satzfragmente aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU nachplapperte. Schaut man sich besagte „Studie“ jedoch einmal genauer an, weiß man nicht, ob man über dieses merkwürdige Elaborat nun lachen oder weinen soll. Was im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung da von Hans-Werner Sinns ifo-Institut zusammengeschrieben wurde, hat mit der „sehr guten bis exzellenten Leistungen in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung“, die dem ifo-Institut von der Leibniz-Gesellschaft attestiert werden, nichts zu tun. Es handelt sich vielmehr um einen fortgeschrittenen Fall von Scharlatanerie, dessen Aussagekraft gegen Null geht.

    Freihandel schafft Wachstum und Wohlstand – so lautet seit Jahrhunderten das Mantra der markliberalen Wirtschaftswissenschaften. Um den Freihandel zu fördern, sollen daher nicht nur die Zollschranken, sondern auch sämtliche so genannte „Handelshemmnisse“ abgebaut werden. In grauen Vorzeiten, als alleine Deutschland noch von 1.800 Zollgrenzen zerteilt wurde und jeder Flecken seine eigenen Maß- und Gewichtseinheiten hatte, hatten diese Forderungen durchaus ihren Sinn. Im 21. Jahrhundert gibt es jedoch vor allem im transatlantischen Handel, um den es hier geht, kaum Handelshemmnisse. Die Zölle betragen im Schnitt weniger als 3% und die meisten Branchen haben auch einheitliche Reglementarien. Ausnahmen bestätigen hier freilich die Regel. Würden beispielsweise die USA demnächst die vergleichsweise laschen EU-Zulassungskriterien für Medikamente adaptieren, wäre dies für die europäische Pharmaindustrie so, als ob Geburtstag und Weihnachten auf einen Tag fallen. Umgekehrt würden die amerikanischen Agrarkonzerne jubeln, wenn die EU ihre Richtlinien für „Genmais“, „Hormonrindfleisch“ und „Chlorhühner“ abschaffen würde. Ein solcher Freihandel würde zweifelsohne einzelnen Konzernen zu noch mehr Wachstum und Wohlstand verhelfen, die Verbraucher dies- und jenseits des Atlantiks würden dies jedoch ein wenig anders sehen. Dabei versteht es sich von selbst, dass ein Freihandel, bei dem die Konzerne sich hüben wie drüben an den jeweils strengeren Richtlinien zu orientieren hätten, noch nicht einmal diskutiert wird. Ein solcher Freihandel würde schließlich Wachstum und Wohlstand vernichten und das wollen wir ja alle nicht. Oder?

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    Wir retten nicht die Griechen, sondern die Banken

    geschrieben am 17. Juni 2013 von Jens Berger

    Dass ein Großteil der „Rettungsgelder“ für Griechenland nicht bei den Griechen, sondern bei den Banken landet, ist für informierte Leser nicht unbedingt neu. Genaue Zahlen waren dazu bislang jedoch nicht bekannt, was angesichts der Haftungsrisiken für die Steuerzahler der Eurozone und der 188 Mitgliedsstaaten des IWF eigentlich ein handfester Skandal ist. Attac Österreich hat nun in mühevoller Detailarbeit nachgerechnet, an wen die nunmehr 207 Milliarden Euro eigentlich geflossen sind, die von den Eurostaaten, ihren Rettungsschirmen und dem IWF dem griechischen Staat als „Rettungskredite“ überwiesen wurden. Das Ergebnis ist erschütternd – nach den Berechnungen von Attac landeten fast 170 Milliarden Euro, das sind 77% der Kredite, direkt oder indirekt beim Finanzsektor.

    Die Ergebnisse der Attac-Studie im Detail:

    - 58,2 Milliarden (28,1 Prozent) wurden für die Rekapitalisierung griechischer Banken verwendet – anstatt den zu großen und maroden Sektor nachhaltig umzustrukturieren und die Eigentümer der Banken für deren Verluste haften zu lassen.

    - 101,3 Milliarden (49 Prozent) kamen Gläubigern des griechischen Staats zugute. Davon wurden 55,44 Milliarden verwendet, um auslaufende Staatsanleihen zu bedienen – anstatt die Gläubiger das Risiko tragen zu lassen, für das sie zuvor hohe Zinsen kassiert hatten. Weitere 34,6 Milliarden dienten dazu, die Gläubiger für den Schuldenschnitt im März 2012 zu gewinnen. 11,29 Milliarden wurden im Dezember 2012 für einen Schuldenrückkauf eingesetzt, bei dem der griechische Staat Gläubiger beinahe wertlose Anleihen abkaufte.

    - 46,6 Milliarden (22,5 Prozent) flossen in den griechischen Staatshaushalt oder konnten nicht eindeutig zugeordnet werden.

    - 0,9 Milliarden (0,4 Prozent) gingen als griechischer Beitrag an den neuen Rettungsschirm ESM.

    Quelle: Attac Österreich

    Woher stammen die Gelder?

    Das Prinzip der vermeintlichen Rettung Griechenlands verläuft nach einem ganz einfachen Schema. Der griechische Staat ist bekanntermaßen hoch verschuldet. Ein Großteil dieser Schulden besteht aus festverzinslichen Anleihen. Griechenland hat den Nennwert dieser Anleihen zum Tag X von den Gläubigern ausgezahlt bekommen und muss nun – je nach Laufzeit der Anleihen – jedes Jahr einen bestimmten Prozentsatz des Nennwertes (die Zinsen) an die Gläubiger auszahlen. Am Ende der Laufzeit der Anleihen muss Griechenland dann freilich auch noch den Nennwert zurückzahlen. Auch die Rettungsgelder, die nach Griechenland flossen, funktionieren nach diesem Prinzip.

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