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  • Wenn die Breite an der Spitze schmaler wird

    geschrieben am 29. September 2015 von Jens Berger

    sich nur 30 Prozent der Bevölkerung für Fußball interessieren, ist dieser Sport auf irgendeine Weise in unser aller Leben omnipräsent. Live-Übertragungen an jedem Wochentag auf einem der vielen Fernsehkanäle. Prominente Fußballspieler in jedem Werbeblock jedes Senders und jeder Zeitschrift. Keine Nachrichtensendung ohne irgendeine Meldung aus dem oder rund um das Medienspektakel Fußball. Man mag den Fußball lieben oder hassen, ihn aufregend, langweilig oder nervig finden – sich ihm völlig entziehen, vermag keiner von uns. Weder medial noch finanziell.

    Jens Berger widmet sich auf den 256 Seiten seines Buches „Der Kick des Geldes“ – nicht nur – der Deutschen liebstem Hobby, dem Fußball. Doch schnell wird klar, wenn Berger über Strategien und Taktiken schreibt, geht es weniger um Spielsysteme, Mannschaftsaufstellungen, kontrollierte Offensive oder Forechecking. Es dreht sich um ökonomische Strategien und Taktiken, die den Wirtschaftszweig Fußball immer fester im (Würge-)Griff haben. Denn der große Fußball ist immer weniger das, was gerade die Freunde des runden Leders in der Verträumtheit ihrer eigenen, fußballerischen Jugenderinnerungen oder aus den großen Erzählungen der Alten über Rahn und Puskás, Seeler und Pelé, Beckenbauer und Lato, ja selbst Matthäus und Maradona mit ihm verbinden. Damit hat das heutige Mega-Event Fußball nur noch am Rande gemein. Doppelpässe und Übersteiger, Dropkick- und Volleyschüsse bilden nur das schmückende Beiwerk, sie sind die Garnitur auf der Schlachteplatte Fußball. Fußball ist inzwischen nicht nur ein Spiel FÜR Milliarden – vor allem ist es auch ein Spiel MIT Milliarden.

    Jens Berger rollt das Geschäft mit und um den Fußball in seiner vollen Breite auf. Egal ob deutsche Bundesliga, englische Premier League, spanische Primera División, europäische Champions League oder FIFA-Weltmeisterschaft. Und er leuchtet in so ziemlich alle dunklen Ecken, die den Fußballsport allerorts umgeben. Nebenbei räumt er mit so manchem Mythos auf, der immer noch das Denken der Fans beherrscht. Die Zuschauer im Stadion als wichtigste Zielgruppe der Vereine? Nur ein Nebenprodukt. Fast noch wichtiger sind die Trikotverkäufe einzelner Fußballidole, die in der Spitze weltweit millionenhafte Auflagen erreichen. Sie beglücken damit zwar die jeweilige Ausrüsterfirma und auch den Verein mit Einnahmen in Millionenhöhe, die vielen Näherinnen in den Armutsregionen rund um den Globus hingegen sehen davon so gut wie nichts. Sie erhalten für ihre Arbeit nur ein paar Cent pro Schuh. Supermoderne Stadien, welche die Bundesligisten mit ihren Millionenetats selbst finanzieren? Weit gefehlt. Stattdessen lassen hohe Zuschüsse von Ländern oder ansonsten klammen Kommunen, Ausfall-Bürgschaften oder dubiose Kreislaufgeschäfte wie beim Kölner Stadion uns alle dafür bezahlen – ohne dies zu wollen, ja sogar ohne dies überhaupt zu wissen. Oder weiß der „gemeine Aachener von der Straße“ wirklich, wieviel Geld ihn persönlich der Bau und der Betrieb des „Tivoli“ gekostet hat und immer noch kostet?

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    #BILDnotwelcome – Wie Deutschlands Hetzblatt aus dem Flüchtlingselend Kapital schlagen will

    geschrieben am 18. September 2015 von Jens Berger

    Es gibt Ideen, die sind so grotesk, dass man sich langsam ernsthaft fragt, ob die Welt um einen herum nun völlig durchgedreht ist. Die Idee, dass ausgerechnet Springers Hetzblatt BILD eine Solidaritätskampagne für Flüchtlinge veranstaltet, gehört zweifelsohne dazu. An diesem Wochenende sollten, so der ebenso groteske, wie geniale, Plan der BILD, sämtlich Fußballklubs der ersten und zweiten Bundesliga mit Aufnähern auf dem Trikots auflaufen, auf denen neben dem „WIR HELFEN“ Slogan auch noch das Logo der BILD und des Sponsors Hermes prangen – eine Werbekampagne für BILD, bei der das Flüchtlingselend Mittel zum Zweck ist. Offenbar hat BILD diesmal jedoch den Bogen überspannt. Angefangen mit dem FC St. Pauli haben sich aktuell bereits sechs Zweitligisten öffentlich geweigert, an der BILD-Werbekampagne teilzunehmen und auch die großen Erstligaklubs sehen sich einem massiven Fanprotest ausgesetzt. Gut so! Seltsamerweise verliert jedoch niemand ein kritisches Wort über die Verantwortlichen dieser unsäglichen Aktion: Den Profifußballverband DFL.

    Es wäre natürlich löblich, wenn der Profifußball seine gesellschaftliche Rolle stärker dafür nutzen würde, um Fremdenfeindlichkeit und den Ursachen für Flucht und unfreiwilliger Migration die rote Karte zu zeigen. Viele Klubs tun dies auch seit Jahren – allen voran die von BILD so scharf kritisierten Kiezkicker vom FC St. Pauli. Es spräche auch gar nichts dagegen, wenn die Bundesligaklubs an einem Spieltag einmal die Werbung von ihren Trikots nehmen und durch einen Slogan gegen Fremdenfeindlichkeit ersetzen würden. Die DFL dafür hat alle Möglichkeiten in der Hand und die nötigen Mittel besitzt der steinreiche Profifußballverband ohnehin. Eine Vorlage dafür gab es bereits in der Saison 1992/1993, als sämtliche Klubs am letzten Vorrundenspieltag als Reaktion auf die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen in einem Trikot mit dem Slogan „Mein Freund ist Ausländer“ antraten. Diese Aktion war wohlgemerkt eine Aktion des DFB. Doch diese Zeiten sind vorbei. Seit 2001 trägt nicht mehr der DFB, sondern der Profiklubverband DFL die Verantwortung für die beiden obersten Ligen.

    In der Saison 2012/2013 startete auch die DFL eine Trikotaktion gegen Fremdenfeindlichkeit und für Integration mit dem Slogan „Geh Deinen Weg“ – bereits diese Aktion war keine reine Fußballinitiative, sondern ein Gemeinschaftsprojekt des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger und der Telekom. Im Vorstand der Deutschlandstiftung Integration, die „Geh Deinen Weg“ initiierte, saß auch eine stellvertretende Chefredakteurin der BILD, die diese Kampagne aktiv begleitete. Die aktuelle Kampagne „WIR HELFEN“ ist sogar eine reine BILD-Kampagne, bei der sogar das Logo der BILD mit auf den Kampagnen-Aufnähern zu sehen ist. BILD engagiert sich gegen Fremdenfeindlichkeit? Selten so gelacht. Da könnte Hecker & Koch auch eine Charityaktion für Kriegswaisen starten. Warum schaffen es eigentlich die DFL nicht, eine eigene Aktion zu starten? Eine Aktion ohne Beteiligung der BILD? Es ist eine Schande, das der wohl zweitreichste Ligaverband der Welt sich von einer fragwürdigen Boulevardzeitung eine Kampagne aufschwatzen lässt.

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    Die Flüchtlingskrise ein Sommermärchen?

    geschrieben am 14. September 2015 von Jens Berger

    Man ist von SPIEGEL Online ja einiges gewohnt, aber die aktuelle Flüchtlingskrise als „schönes Sommermärchen“ zu bezeichnen, ist schon besonders starker Tobak, der selbst auf der nach unten offenen Niveau-Skala von SPON einen neuen Tiefpunkt darstellt. Wieder einmal zeigt sich: Der momentane Flüchtlingsstrom wird von einigen Medien als „Event“ wahrgenommen und vor allem als deutsche Nabelschau betrieben. Diese Medien scheinen mit der Ernsthaftigkeit der Flüchtlingsproblematik intellektuell überfordert zu sein. Wehe, wenn das Pendel erst einmal umschlägt.

    „Schön war´s, das Sommerrefugeemärchen“ – so leitet SPON-Ressortleiter Roland Nelles seinen dümmlichen Kommentar zur Wende in der Berliner Flüchtlingspolitik ein. „Sommermärchen“ – das ist natürlich eine direkte Anspielung auf die mediale Inszenierung der in Deutschland 2006 ausgetragenen Fußballweltmeisterschaft. Damals waren die Medien ja ganz überrascht darüber, dass Deutschland durchaus ein guter Gastgeber für eine derartige Veranstaltung sein kann und die internationalen Besucher nicht mit Baseballschlägern aus seinen „national befreiten Zonen“ verjagt. Die momentan überwältigende Hilfsbereitschaft vieler Menschen an den Flüchtlingsaufnahmestellen und –unterkünften soll also nun eine Neuauflage des „Sommermärchens“ sein? Wir sind nicht Heidenau! Wir sind weltoffen, freundlich und solidarisch! Wir, wir, wir.

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    Die FAZ und ihre „Reichen-Verteidigung“

    geschrieben am 11. September 2015 von Jens Berger

    Es gibt Artikel, bei denen man gar nicht mehr aus dem Staunen herauskommt. Der gestern veröffentlichte FAZ-Artikel „Luxus ist den Reichen fremd“ von Patrick Bernau gehört zweifelsohne dazu. Für Bernau ist die Welt – wie stets bei ihm – vollkommen in Ordnung. Luxus? Gibt es nicht. Und wenn, dann ist dies eine kaum wahrnehmbare Ausnahme. „Die reichen Deutschen“ geben laut Bernau ihr Geld nicht für „Boote, Diamanten oder teure0 Restaurants“, sondern „bemerkenswert pragmatisch“ aus. Als Quelle dieser ungewöhnlichen Erkenntnis gibt Bernau die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Bundesamts für Statistik aus. Das ist drollig, werden bei eben dieser Erhebung doch sämtliche Haushalte mit einem Nettoeinkommen von mehr als 18.000 Euro pro Monat gar nicht erst erfasst. Welche statistischen Aussagen über „Reiche“ will Bernau also aus einem Datenpool treffen, in dem gar keine „Reichen“ vorhanden sind?

    Die „Reichen“ von denen Bernau spricht, sind Haushalte mit einem Einkommen zwischen 5.000 und 18.000 Euro, das oberste Einkommensfünftel der nach oben abgeschnittenen Datenmenge – schaut man sich die EVS genau an, sieht man auch schnell, dass der untere Einkommensbereich innerhalb dieser Gruppe im Datenpool massiv überrepräsentiert ist. Wir reden hier also über Haushalte, die beispielsweise so aussehen könnten:

    a.) Das Lehrerehepaar mit drei kleinen Kindern, das bei Besoldungsstufe A14 auf ein Jahresbruttoeinkommen – je nach Dienstalter – zwischen 88.000 und 111.000 Euro kommt und damit netto in der Gruppe von Bernaus „Reichen“ liegt.
    b.) Die alleinstehende Chefsekretärin (56.000 Euro brutto), die zusammen mit ihrem Sohn, der sich in der Ausbildung (12.000 Euro brutto) befindet und ihrer Rente beziehenden Mutter (12.000 Euro brutto) in einem Haushalt zusammenlebt.

    Sicher sind dieser beiden Beispielhaushalt nicht arm, aber würden Sie sie als reich bezeichnen? Ganz sicher nicht. Und dass diese Haushalte nicht unbedingt verdächtig sind, ihr Geld für Yachten, Diamantenkolliers oder 5-Gänge-Menus im Sternetempel auszugeben, versteht sich eigentlich von selbst. Auch Patrick Bernau dürfte diese Erkenntnis nicht überraschen und das Ganze wäre wohl auch keinen Artikel im FAZ-Wirtschaftsressort wert. Etwas anderes sieht es natürlich aus, wenn man diese Haushalte durch einen Trick für „reich“ erklärt und ihr Ausgabenverhalten als statistisch repräsentatives Ergebnis für die Schicht der „Reichen“ verkauft und dem Ganzen auch noch den seriösen Stempel des Bundesamtes für Statistik verpasst.

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    G36-Affäre – Nichts ist so, wie es scheint

    geschrieben am 09. September 2015 von Jens Berger

    Gestern gab Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bekannt, dass ihr Ministerium das G36 als Standardgewehr der Bundeswehr aussortiert und nun eine europaweite Ausschreibung für ein Nachfolgemodell startet. Öffentliche Kritik an dieser Entscheidung blieb aus. Kein Wunder, schließlich gilt das G36 seit zwei Jahren in der öffentlichen Wahrnehmung als „Pannengewehr“. Eine Neuausschreibung scheint somit begründet. Doch das ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Sobald man ein wenig hinter die Kulissen schaut, stößt man auf einen undurchdringlichen Nebel aus Medienkampagnen, Täuschungen, Halbwahrheiten und Lügen. Die Story hinter der Story ist brisant. Doch leider sieht es nicht so aus, dass wir die Hintergründe je erfahren werden. Die G36-Affäre ist vor allem ein Musterbeispiel für kollektives Medienversagen.

    Fassen wir zunächst einmal die „offizielle Version“ der G36-Affäre zusammen. Medienberichten zufolge gab es beim Bundeswehreinsatz in Afghanistan Probleme mit „Überhitzungsschäden“ beim Sturmgewehr G36, das als Standardgewehr der Bundeswehr in einer Auflage von 175.000 Stück in der Truppe im Einsatz ist. Daraufhin startete die Bundeswehr interne Prüfungen, die zu einem vernichtenden Urteil kamen – bei hohen Außentemperaturen und hoher Belastung durch schnelle Schussfolge soll das Trefferbild des G36 so miserabel ausgefallen sein, dass es als Einsatzwaffe untauglich erscheint. Eine Nachbesserung würde kaum Abhilfe verschaffen, daher sei das Verteidigungsministerium im Grunde gezwungen, das nun schon 20 Jahre alte Modell auszumustern und ein neues Standardgewehr auszuschreiben. Von der Leyen präsentiert sich in dieser Version als harte Aufklärerin, die alte Seilschaften zwischen dem Ministerium und dem G36-Hersteller Heckler & Koch offenlegt und im Sinne des Steuerzahlers und der Bundeswehrsoldaten neue Wege geht. So „schön“ sich diese Geschichte anhört, sie scheint von vorne bis hinten erfunden zu sein.

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