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  • Wenn Recht zu Unrecht wird …

    geschrieben am 25. Februar 2009 von Jens Berger

    ?In dubio pro reo ? im Zweifel für den Angeklagten?. Dieser vielzitierte Rechtsgrundsatz gilt zwar für das Strafrecht, im Arbeitsrecht wird er allerdings durch die Möglichkeit einer ?Verdachtskündigung? explizit außer Kraft gesetzt. Nicht der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer beweisen, dass dieser eine Tat begangen hat, die eine fristlose Kündigung rechtfertigt, sondern der Arbeitnehmer muss seine eigene Unschuld beweisen ? was in vielen Fällen kaum möglich ist. Dies allein nötigt dem gesunden Menschenverstand bereits ein hohes Maß an Unverständnis ab. Wenn eine ?Verdachtskündigung? aufgrund eines nicht nachweisbaren Bagatelldelikts ausgesprochen wird, wandelt sich das Unverständnis in Entsetzen. Wenn es in einem solchen Falle dann auch noch offensichtlich ist, dass es dem Arbeitgeber keinesfalls um das Bagatelldelikt als solches geht, sondern um die Entfernung einer unliebsamen Mitarbeiterin, die sich nicht alles gefallen ließ, wird aus dem Entsetzen blanke Wut. Einen solchen Fall stellt die Kündigung der Kassiererin Barbara ?Emmely? E. durch den Einzelhandelskonzern ?Kaiser´s Tengelmann? dar. Die 50jährige Berlinerin, die sich in 31 Jahren Betriebszugehörigkeit nie etwas zuschulden kommen ließ, wird beschuldigt, Pfandgutscheine im Werte von 1,30 Euro veruntreut zu haben. Doch im Fall ?Emmely? geht es nicht nur um 1,30 Euro ? es geht darum, Mitarbeiter zu Duckmäusern zu machen, die sich alles gefallen lassen. Barbara E. bewies Courage und ließ sich nicht kleinkriegen ? das wurde ihr zum Verhängnis.

    Das Recht ist auch für die Schwachen da. Das ist ein selbstverständlicher Satz. Aber das Selbstverständliche ist leider nicht selbstverständlich.
    Heribert Prantl

    Schlägt hier das Herz?

    Barbara E. wird als resolute, emanzipierte Frau mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit beschrieben. Seit 1977 lebt und arbeitet sie im Berliner Plattenbau-Bezirk Hohenschönhausen. Nach der Wende wurde die DDR-Kaufhalle, in der sie arbeitete, vom westdeutschen Einzelhandelsriesen Tengelmann übernommen, der mit dem Slogan ?Hier schlägt das Herz? wirbt. Tengelmann beschäftigt alleine in seinen 6.011 deutschen Supermärkten über 88.000 Mitarbeiter und macht über 14 Mrd. Euro Umsatz im Jahr. Die Tengelmann-Gruppe ist sehr profitabel, ihre Besitzer, die Familie Haub, wird in der Forbes-Liste der Milliardäre mit einem Familienvermögen von 7,8 Mrd. US$ gelistet. So reich wird man im ?hart umkämpften? Einzelhandel natürlich nur, wenn man seinen Mitarbeitern Hungerlöhne zahlt, ihre Arbeitnehmerrechte selbst in die Hand nimmt und das Herz schon mal an anderer Stelle schlagen lässt. Stundenlöhne von 5,20 Euro, wie sie bei Tengelmanns Textil-Discounter KiK gezahlt werden, helfen der Familie Haub, ihren Rang in der Forbes-Liste zu verteidigen. Für die Mitarbeiter reicht es dann nicht einmal für eine kleine Wohnung im Plattenbau. Dafür müssen sie dann auch schon Verständnis haben. Haben sie es nicht, weht in ihnen schnell ein sehr kalter Wind ins Gesicht. Dies musste auch Barbara E. erfahren.

    Die großartige »Gleichheit vor dem Gesetz« verbietet den Reichen wie den Armen, unter Brücken zu schlafen, auf den Straßen zu betteln oder Brot zu stehlen.
    Anatole France

    In ihrer Kaiser´s Tengelmann Filiale arbeiten 36 Mitarbeiter, von denen Ende 2007 noch zehn gewerkschaftlich organisiert waren. Acht Mitarbeiter folgten dem Ruf der Gewerkschaft Verdi und zogen im letzten Winter mit Pfeifen und Transparenten über den Alex zum Brandenburger Tor. So viel ?fehlgeleitetes? Engagement wird bei Tengelmann nicht gerne gesehen. Die acht ?Querulanten? wurden zu Einzelgesprächen mit der ?Distrikt-Managerin? und der Filialleiterin gebeten, in denen man an den ?Teamgeist? appellierte. Sieben Verkäuferinnen verstanden den Wink mit dem Zaunpfahl und reihten sich wieder in die Herde ein, nur Barbara E. blieb standhaft und war fortan das schwarze Schaf der Kaiser´s Tengelmann Filiale Berlin-Storchenhof. Sie folgte auch weiterhin dem Ruf der Gewerkschaft und streikte ? das war zwar ihr gutes Recht, wer aber in unserem System auf sein Recht pocht, muss leider auch die Konsequenzen fürchten.

    ?Emmely? gegen die Tengelmänner

    An ihrem Arbeitsplatz wurde Barbara E. fortan gemobbt. Man sprach nicht mehr mit ihr, ihre Schichten wurden auf die Spätstunden und die Samstage gelegt, ihren Urlaub sollte sie verschieben. Aber Barbara E. gab nicht etwa klein bei, sondern schaltete den Betriebsrat ein. Tengelmann erhöhte den Einsatz und läutete die nächste Eskalationsstufe ein. Am 25. Januar wurde sie zur Taschenkontrolle gebeten, ihr Spind wurde gefilzt. Angeblich soll sie drei Tage zuvor zwei Pfandbons bei ihrem eigenen Einkauf eingelöst haben, die ihr nicht gehörten. Die Aufnahmen der Überwachungskamera, die entscheidende Hinweise geben könnten, werden nach drei Tagen gelöscht, sodass es keine Beweismittel gab, die Barbara E. entlasten könnten ? welch merkwürdiger Zufall. Ein Bon hatte den Wert von 48 Cent, der andere war 82 Cent wert ? zusammen 1,30 Euro. Für einen Konzern mit einem Umsatz von nur 24 Mrd. Euro ist dies freilich eine existenzielle Bedrohung. Grund genug, sofort eine fristlose Kündigung auszusprechen – das Vertrauensverhältnis sei so sehr gestört, dass an eine weitere Beschäftigung nicht zu denken sei.

    Zwei Pfandbons im Wert von 1,30 Euro, die entgegen der geschäftsinternen Praxis nicht gegengezeichnet wurden bei einem protokollierten Einkauf auf eigene Rechnung? Einem Einkauf, den sie direkt bei ihrer ?internen Gegnerin?, der tengelmanntreuen Filialleiterin hat abrechnen lassen? Warum sollte eine Mitarbeiterin 31 Jahre Berufserfahrung und ihre materielle Zukunft für 1,30 Euro aufs Spiel setzen? Noch dazu bei einem ?Delikt?, das herauskommen muss? Mit gesundem Menschenverstand lassen sich diese Fragen nicht beantworten. Tengelmann brauchte aber keinen gesunden Menschenverstand, sondern einen Kündigungsgrund ? und den hatte man nun ?gefunden?.

    Das höchste Recht ist oft das höchste Übel

    In Deutschland spielt es nämlich keine Rolle, wie hoch die Summe eines ?entwendeten? Gegenstandes ist, den man ?veruntreut?. Der dringende Verdacht auf eine Veruntreuung stellt einen gerichtsfesten Kündigungsgrund dar. Dabei kann es sich um eine Stück Bienenstich vom Vortag handeln, das 1984 einer Bäckerverkäuferin zum Schicksal wurde, oder um einen längst abgelaufenen Becher ?Müller-Milch? im Werte von 59 Cent, den ein Filialleiter einer Bäckerei trank, anstatt ihn wegzuschmeißen. Die Höhe des Schadens spielt keine Rolle, wenn es um das Vertrauen geht. Zumindest bei Niedriglohnbeziehern ist dies so. Die Vorstände der Landesbanken, die ? teils unter kriminellen Vorsatz ? Milliarden Steuergelder verzockt haben, wurden freilich nicht fristlos gekündigt, sondern mit den berühmt-berüchtigten millionenschweren ?golden Parachutes? (goldene Fallschirme) ins Zivilleben entlassen.

    Das Landesarbeitsgericht Berlin gab der Tengelmann-Gruppe nun in zweiter Instanz recht und schloss per Dekret sogar eine Berufung aus ? wogegen nun allerdings Barbara E. und ihr Rechtsbeistand klagen wollen. Verhandlungsführend war die Richterin Daniele Reber ? sie hält neben ihrer richterlichen Tätigkeit auch Referate für Führungskräfte, die von der ?Forum – Institut für Management GmbH? abgehalten werden. Wie hoch ihr Honorar bei solchen Veranstaltungen ist, die pro Teilnehmer auch schon mal über 1.300 Euro kosten, bleibt verständlicherweise im Dunkeln. Ob dies, und der Umstand, dass die ?Forum – Institut für Management GmbH? auch Seminare unter dem Titel ?So beenden Sie effektiv Arbeitsverhältnisse? abhält, in denen auch Tipps gegeben werden, ?wie man ´Unkündbare´ kündigt?, ihre richterliche Unvoreingenommenheit beeinträchtigt, muss ein jeder wohl für sich selbst beantworten. Das Arbeitsgesetz in Deutschland ist ein Arbeitgebergesetz. Von Arbeitgebern wie der Tengelmann-Gruppe wird es eingesetzt, um die Mitarbeiter zu Duckmäusern, Mitläufern und Denunzianten zu erziehen. Die Politik hat mit ?Hartz-IV? auch gleich die passende Begleitmusik aufgelegt. Wer kritisch ist und gegen den Strom schwimmt, muss sich warm anziehen. Von Niedrigstlöhnen lassen sich in Berlin nicht einmal die Heizkosten bezahlen, aber dafür gibt es ja warme Pullis.

    Die privaten Mächte der Wirtschaft wollen freie Bahn für ihre Eroberung großer Vermögen. Keine Gesetzgebung soll ihnen im Wege stehen. Sie wollen die Gesetze machen, in ihrem Interesse, und sie bedienen sich dazu eines selbstgeschaffenen Werkzeugs, der Demokratie, der bezahlten Partei.
    Oswald Spengler

    Wie soll der Bürger seiner Wut über solche Fälle freien Lauf lassen? Natürlich sollte man die Märkte der Tengelmann-Gruppe, Kaiser?s Tengelmann, Plus, OBI, KiK und TEDi, boykottieren. Reden wir mit ihnen in der einzigen Sprache, die sie verstehen ? und ?Unternehmer? wie die Familie Haub verstehen nur eine Sprache, die des Geldes. Nur dumm, dass die Konkurrenz von Tengelmann auch nicht besser ist. ALDI gehört der Familie Albrecht ? 35 Mrd. Euro Familienvermögen. Metro, Real, Media-Markt, Saturn und Galeria Kaufhof gehören zur Metro-Gruppe, deren Eigentümer die Familien Haniel (7,2 Mrd. Euro), Schmidt-Ruthenbeck (4,6 Mrd. Euro) und Otto Beisheim (4,9 Mrd. Euro) sind. Lidl und Kaufland gehören Dieter Schwarz (11 Mrd. Euro). Schlecker gehört der gleichnamigen Familie (2,6 Mrd. Euro). Karstadt, KaDeWe und Wertheim gehören zum Imperium der Madeleine Schickedanz (3,9 Mrd. Euro). Das Who is Who der deutschen Milliardärsszene ist im Bereich Einzelhandel vertreten, dem Sektor, der wie kaum ein anderer von Niedriglöhnen und Einschränkungen bei Arbeitnehmerrechten gekennzeichnet ist. Diese illustre Runde hat den Gewerkschaften den Krieg erklärt. Union-Busting für den Profit – Barbara E. ist ein weiteres Opfer in diesem Krieg.

    Das Gesetz ist das Eigenthum einer unbedeutenden Klasse von Vornehmen und Gelehrten, die sich durch ihr eignes Machwerk die Herrschaft zuspricht.
    Georg Büchner

    Als Hintergrund die (auf YouTube vierteilige) Dokumentation “Die Billigheimer”:




    Jens Berger

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    Kachingle – eine Chance für den Online-Journalismus

    geschrieben am 19. Februar 2009 von Jens Berger

    Alle Jahre wieder keimt bei den Online-Ablegern großer Printmedien die Diskussion auf, wie man die Online-Leser zur Kasse bitten könnte. Der Online-Journalismus steckt zweifelsohne nicht nur in einer Sinn- sondern vor allem in einer wirtschaftlichen Krise. Die Werbeeinnahmen sind karg und ohne den speziellen Content, der von der eigentlichen Hauptverwertungsschiene ?Print? abfällt, könnte wohl kaum ein größeres Nachrichtenangebot im Internet überleben. Die Symbiose von Print und Online ist allerdings problembeladen. Je mehr Inhalte kostenlos online verfügbar sind, desto geringer ist der Mehrwert eines Print-Abonnements. Für die U-Bahn, den Zug, den Flieger oder den Freizeitgenuss unter freiem Himmel sind die gedruckte Zeitung und das gedruckte Magazin zwar konkurrenzlos, rückgängige Auflagezahlen zeigen jedoch, dass das allein nicht reicht. Jeder Leser, der von Print zu Online wechselt, mindert die Einnahmen der Medienkonzerne. Nicht nur die wegfallenden Verkaufserlöse stellen dabei ein Problem dar, sondern vor allem die geringeren Werbeeinahmen. Werbung, die einen Onlineleser erreicht, wird wesentlich schlechter bezahlt, als Werbung im Printbereich. Werbeblocker á la Addblock, die von erfahrenen Internetnutzern verwendet werden, sind für die Contentanbieter ebenfalls nicht eben von Vorteil.

    Unabhängig von der ideologischen und programmatischen Ausrichtung eines Blattes, steht der wirtschaftliche Aspekt oben auf der publizistischen Agenda. Auch wenn eine Zeitung oder eine Online-Seite in Sachen Renditeerwartung nicht unbedingt mit den magischen Produkten der Finanzjoungleure konkurrieren muss, so sollte sie doch zumindest eine schwarze Null schreiben. Auch Journalisten müssen Miete zahlen und ihren Kindern was zu essen kaufen ? viele idealistische Netzbewohner vergessen das immer wieder nur all zu gerne. Auch Blogs können ihre Relevanz im Medienspektrum nur dann gegen die professionelle Konkurrenz aus dem Print-Bereich verbessern, wenn sie zumindest teilweise professionell arbeiten können. Zeitaufwändige Recherchen, Telefonate oder gar Reisen kosten Geld, und nicht jeder Bürgerjournalist in spe kann es sich leisten, so viel in sein Hobby zu investieren. Das Ehrenamt ist eine schöne Sache, nur ist es elitär.

    Insofern stehen SPIEGEL-ONLINE und der Blog um die Ecke prinzipiell vor dem gleichen Problem. Beide versuchen es allerdings auf verschiedene Art und Weise zu lösen. Während SPIEGEL-ONLINE sich von seinen Werbekunden für jeden Klick der User bezahlen lässt, setzen viele Blogs und alternative Internetmedien auf freiwillige Spenden. Das führt dazu, dass Medien á la SPIEGEL-ONLINE sich dem Boulevard annähern und sinnfreie Klickorgien provozieren ? ein spärlich bekleidetes B-Promi-Küken produziert nun einmal mehr Klicks, als eine aufwändige Recherchearbeit eines Auslandskorrespondenten. Journalistisch ist dies freilich ein Offenbarungseid, wirtschaftlich erscheint dies allerdings nur logisch. Blogs und alternative Medien sind hingegen darauf ?angewiesen?, Qualität zu liefern ? denn für Klickorgien und spärlich bekleidete B-Promi-Küken spendet glücklicherweise niemand.

    Die Spendenbereitschaft hat allerdings auch ihre Grenzen. Ein qualitativ hochwertiges Internetformat, das pro Tag drei bis vier ausgesuchte Artikel von freien Journalisten oder guten Bloggern bringt, wäre in Deutschland auf diese Art und Weise schwer zu finanzieren. Eine Art ?Asia-Times? für deutsche Leser, die sich kritisch mit außen-, wirtschafts- und sozialpolitischen Themen auseinandersetzt, könnte sich auf Spendenbasis schwerlich finanzieren. Werbekunden sind auch nicht sonderlich an solchen ?subversiven? Erzeugnissen interessiert. Dort treiben sich nun einmal nicht die Premiumkunden herum ? jung, konsumgeil und trendaffin. Ein solches Projekt ließe sich zur Zeit wohl nur über Mäzene realisieren und die sind bekanntlich rar.

    Micro-Payment oder Abomodelle funktionieren in der Masse nicht. Nur exklusive Angebote, wie z.B. Stratfor, oder Angebote für eine äußerst betuchte Leserschaft, z.B. das Wallstreet Journal, können so etwas realisieren. Viele Leser sind zwar prinzipiell bereit, einen bescheidenen Obolus für Inhalte zu entrichten, die gefallen. Dies darf allerdings weder auf ein Abonnement noch auf Bezahlcontent hinauslaufen, den man erst nach der Zahlung zu Gesicht bekommt ? beides wird, das zeigt die Vergangenheit, vom Leser nicht angenommen. Die Krise der großen Verlagshäuser könnte jedoch zu einer Entwicklung führen, die allen Seiten gefallen könnte ? Bloggern, freien Journalisten und auch den großen Medienkonzernen selbst. Eine solche eierlegende Wollmilchsau könnte dem kalifornischen Start-Up Unternehmen Kachingle geglückt sein.

    Wenn der Dienst einst realisiert werden sollte, gestaltet er sich als freiwilliger Bezahldienst für Online-Inhalte. Der zahlungswillige Leser kann dann einen freiwilligen Monatsbetrag für seine Inhalte veranschlagen ? im vorgestellten Modell sind dies 5 US$. Diese Summe wird dann an die Seiten ausbezahlt, die den Dienst implementiert haben, und die der jeweilige Leser für unterstützenswert hält und auch besucht. Dazu ein Beispiel: Heinz Müller möchte gerne auch die Seiten unterstützen, die er häufig liest. Er wird Mitglied bei Kachingle und richtet dort einen Dauerauftrag über 5 Euro im Monat ein. Das Modell wird von SPON, den Nachdenkseiten und dem SPIEGELFECHTER unterstützt ? alle drei haben den Kachingle-Button auf ihren Seiten. Müller surft im Monat 25 mal bei SPON vorbei, 20 mal bei den Nachdenkseiten und 5 mal beim SPIEGELFECHTER. Nur bei den Nachdenkseiten und beim SPIEGELFECHTER drückt Müller auf den Kachingle-Button, um die Seiten als ?unterstützenswert? zu markieren. Durch sein Surfverhalten kriegen die Nachdenkseiten 20 Credits, der SPIEGELFECHTER 5 Credits und SPON geht leer aus, da Müller SPON nicht mag und daher den Kachingle-Button von SPON auch links liegen ließ. Am Ende des Monats werden die Credits nun eingelöst, die Nachdenkseiten bekommen vier Euro und der SPIEGELFECHTER einen Euro, während SPON natürlich in die Röhre guckt. Wenn Müller sich nun über den schwarzen Humor des SPIEGELFECHTERS aufregt und die Seite entweder nicht mehr besucht, oder den Kachingle-Button auf dem SPIEGELFECHTER deaktiviert, stoppt automatisch die Zahlung ? im letzteren Falle sogar, wenn Müller hin und wieder die Seite besucht (natürlich nur, um sich aufzuregen). Natürlich gibt es nicht nur Müllers, sondern auch Meiers, die SPON mögen. Den Besucherzahlen nach gibt es mehr Meiers als Müllers und das ist auch der Grund, warum die großen Medienkonzerne ebenfalls an Kachingle interessiert sind.

    Kachingle ist ein durchdachtes Konzept, das fair ist. Niemand wird von den freien Inhalten ausgesperrt, wer zahlen will, kann dies unbürokratisch und einfach machen. Vor allem hat Kachingle natürlich dann ein großes Potential, wenn es von den ersten großen Medienkonzernen angenommen wird. Wenn der Dienst eine größere Anzahl von Nutzern hat, wird er sicher von vielen Internetseiten implementiert werden. Ein großes Fragezeichen bleibt jedoch: Wie geht Kachingle mit den Nutzerdaten um? Während die großen Medienkonzerne bekanntlich keine Probleme damit haben, das Surfverhalten der User auszuspionieren, ist so etwas für Blogs und alternative Medien ein rotes Tuch. Wenn Kachingle ein schlüssiges Datenschutzkonzept beinhalten sollte, könnte es in der Tat den Online-Journalismus revolutionieren.

    P.s.: Auch der SPIEGELFECHTER finanziert sich über Spenden und freut sich über jede milde Gabe. Bei Bedarf gibt es auch gerne die Kontonummer – eine kurze Mail genügt.

    Jens Berger

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    Flügel aus Wachs

    geschrieben am 19. Februar 2009 von Jens Berger

    Die Schaefflers haben am großen Rad gedreht und sind dabei unter die Räder gekommen. Die Firma steht vor der Pleite. Der Staat sollte ihrem Hilferuf trotzdem nicht folgen

    Elisabeth-Maria Schaeffler und ihr Sohn Georg F. W. gehören zu den glücklichen 55 Personen in Deutschland, die sich laut Forbes-Liste Milliardäre nennen dürfen. Damit dies auch künftig so bleibt, muss nun der Steuerzahler einspringen und den Schaefflers finanziell unter die Arme greifen. Tut er dies nicht, droht der Schaeffler-Gruppe nach Darstellung der IG-Metall in absehbarer Zeit die Insolvenz.

    Die Schaefflers haben zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt am großen Rad gedreht und sind dabei selbst unter die Räder gekommen. Nur noch die große Politik kann mit Hilfe von Steuergeldern den Einfluss der Familie Schaeffler im eigenen Unternehmen sichern. Einst galt die Schaeffler-Gruppe als Musterbeispiel für die Deutschland AG. Gegründet 1946, gewachsen mit dem Wirtschaftswunder, mittelständisch, inhabergeführt, Weltmarktführer.

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    Sie sterben, wir lachen!

    geschrieben am 19. Februar 2009 von Jens Berger

    Die Darwin-Awards sind eine zynische Angelegenheit. Sie werden postum an Zeitgenossen verliehen, die ihre Gene auf besonders dämliche Art und Weise aus dem Genpool entfernen. Seit 1994 werden skurrile Fälle, die von den Betreibern der Webseite auf Authentizität überprüft werden, ausgezeichnet. In diesem Jahr konnte der brasilianische Priester Adelir Antonio de Carli den Hauptpreis abräumen. Der 51jährige Geistliche wollte den Rekord im “Cluster-Ballonfliegen” aufstellen. Dabei setzt man sich auf einen Stuhl, der an mehrere kleine Heliumballons befestigt ist. De Carli hatte sich zum Ziel gesetzt, 19 Stunden auf seinem Stuhl über Brasilien zu fliegen. Dabei verließ er sich nicht nur auf Gottes Gnade, sondern legte sich auch hochprofessionelle Ausrüstung zu. Fallschirm, wasserfeste, warme Kleidung, eine Schwimmweste, ein Satellitentelefon, und sogar einen GPS-Empfänger, mit dem er im Notfall seine Position hätte durchgeben können. De Carli hob ab und ward nie mehr gesehen. Nachdem er mit seinen 1.000 Ballons 6.000 Meter Flughöhe erreicht hatte, brach der Kontakt zur Bodenstelle ab. Später meldete er sich über sein Satellitentelefon beim Rettungsdienst, konnte aber nicht seine Position durchgeben, da er offensichtlich nicht wusste, wie man den GPS-Empfänger bedient. Bevor man ihm weiterhelfen konnte, war der Akku des Telefons leer. Wochen später konnten Teile de Carlis´ von einer Ölplattform 100 km vor der brasilianischen Küste gefunden werden. Seine Gene hat er damit erfolgreich und hinlänglich skurril aus dem Genpool entfernt. Aber auch de Carlis´ Vorgänger haben/hatten durchaus ihren Unterhaltungswert.

    In der Wüste Arizonas herrscht unter einigen Waffenliebhabern die Unsitte vor, Riesenkakteen als Zielscheiben für ihre Schießübungen zu missbrauchen. Um die Kakteen zu schützen, stellte der Staat Arizona dieses seltsame Freizeitvergnügen unter Strafe ? uneinsichtige Pistoleros riskieren eine Geldstrafe bis zu 100.000 US$, und eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. Dies alles konnte allerdings den 27jährigen David nicht davon abhalten, seinen Freunden imponieren zu wollen. Mit seinem Gewehr schoss er zwei Schneisen in den unteren Teil einer rund 6 Meter hohen Kaktee. Sein letztes Wort war ?Timber!?, was so viel heißt wie ?Baum fällt!?. Die Kaktee fiel ? auf David, und begrub ihn unter sich.

    Eine weitere amerikanische Unart ist das Dynamit-Fischen. Eine Handgranate oder ein anderer Sprengkörper ? und man kann sich das lästige Angeln ersparen. Man sollte die explosiven Anti-Fisch-Waffen allerdings in sicherer Entfernung zum eigenen Boot verwenden. Der 29jährige David aus Illinois und sein Freund wußten dies anscheinend nicht. Durch eine plötzlich aufziehende starke Windböe wurde ihr Boot direkt über die ins Wasser geworfenen Dynamitladung getrieben. Der Rumpf des Aluminiumbootes wurde aufgerissen und das Boot sank. Davids Freund konnte an Land schwimmen, David allerdings konnte überhaupt nicht schwimmen und ertrank.

    Nicht nur Dynamit-Fischen ist gefährlich. Fische lassen sich auch durch Strom töten. Ein ordentlicher Stromstoß und schon kann man die leckere Beute mit einem Netz einsammeln. Das hatte auch ein 43jähriger Ukrainer in der Nähe von Kiew vor. Um mit einem maritimen Mahl den ersten Todestag seiner Schwiegermutter zu feiern, ging er mit einem blanken Verlängerungskabel an den nahen Fluss und vollzog sein listiges Handwerk. Leider vergaß er, den Strom abzustellen, bevor er sich die Beute aus dem Wasser holte. So teilte er das Schicksal der Fische und starb an einem [elektrischen] Schlag.

    Einen schönen Abend wollten sich Carol und Mark in ihrem Heim in Washington machen. Um sich zu entspannen, inhalierten sie Lachgas. Das aus Zahnarztpraxen bekannte Narkotikum ist bekannt für seine entspannende Wirkung. Carol und Mark hatten allerdings übersehen, dass Lachgas in Zahnarztpraxen natürlich nicht pur, sondern mit Luft vermischt angewendet wird. Carol und Mark mischten ihr Lachgas natürlich nicht mit Luft. Man fand sie mit Atemmasken auf ihrem Gesicht ? die angeschlossenen Gasflaschen waren leer. Mark arbeitete vor seinem Tod seit 10 Jahren als Rettungsarzt bei der Washingtoner Feuerwehr. In einer Pressemeldung rühmte ein Sprecher der Feuerwehr den Toten mit den Worten ?Er war einer unser bestausgebildetsten und fähigsten Kräfte? ? für die Bürger Washingtons mag dies nicht sonderlich sonderlich beruhigend klingen.

    Wenig Glück mit den Verlockungen des weiblichen Geschlechts hatte auch ein 29jähriger in einer Rotlichtbar in Phillipsburg. Vor lauter Übermut schleckte er die mit speziellem Klebstoff befestigten Pailletten vom Leib einer Tänzerin und erstickte. Der Polizei gegenüber sagte die Tänzerin: ?Ich bin im Traum nicht auf die Idee gekommen, dass er die Dinger essen würde ? ok, er war ziemlich betrunken.?

    Alkohol und Schneemobile sind eine tödliche Kombination – wenn dann auch noch ein Hase dazukommt, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Eine Gruppe betrunkener Wintersportler entdeckte bei ihrem Ausflug einen Hasen. Aus Jux und Dollerei wollten sie ihn fangen, was aufgrund des Alkoholpegels allerdings nur dazu führte, dass sie sich ineinander verkeilten. Nur ein Schneemobilfahrer war geschickt genug, die Fährte aufzunehmen. Der Hase, clever wie eh und je, flüchtete in Richtung eines Highways. Sich seiner Sache sicher, beschleunigte Mr. Snowmobil auf Höchstgeschwindigkeit. Dadurch muss ihm entgangen sein, dass der Hase nicht auf, sondern unter den Highway flüchtete. Ein lauter Knall und eine Explosion folgten – der Schneemobilfahrer war mit Höchstgeschwindigkeit in den Eingang eines “Krötentunnels” gerast. Der Hase überlebte mit einem Schrecken in den Knochen …

    Betrunken waren auch zwei Möchtegernpiloten in Chilliwack, Kanada. Nach etlichen Drinks kamen sie auf die glorreiche Idee fliegen zu wollen – mit einem gestohlenen Flugzeug vom nahen Flughafen. Es ist überflüssig, zu erwähnen, dass keiner der beiden Bruchpiloten je in einem Cockpit saß. Immerhin schafften sie es, die kleine Maschine in die Luft zu bringen und ein paar Ehrenrunden über der schlafenden Kleinstadt zu drehen. Mit dem Landen klappte es allerdings nicht so gut. Sie suchten sich einen Grünstreifen neben dem breiten Highway der Stadt aus, vergaßen dabei allerdings, dass über diesem Highway Stromleitungen gespannt sind. Das kostete sie zunächst das Leitwerk, und dann das Leben. Das Flugzeug rammte mit der Nase in den Boden. Über den Wolken ist die Freiheit zwar grenzenlos, aber auf dem Boden endet sie abrupt.

    Überirdische Leitungen sind auch indirekt für das frühzeitige Ableben zweier weiterer Darwin-Preisträger verantwortlich. Eine amerikanische Telefongesellschaft ließ ihre überirdischen Leitungen unterirdisch neu verlegen. Dafür wurde in einer amerikanischen Provinzstadt eine kleine Strasse aufgerissen – eine Fahrbahn war freigegeben, die andere wurde abgesperrt, da dort bereits ein Graben ausgehoben wurde. Dies veranlasste zwei Hillbillies, sich einen seltsamen Spaß zu leisten. Auf dem abendlichen Weg in ihre Stammkneipe versetzten sie die Absperrung, so dass die Fahrbahn gesperrt war, und der Graben offen lag. Nur dumm, dass sie ihren eigenen Scherz vergaßen, während sie sich betranken. Auf der Rückfahrt fuhren sie mit stark überhöhter Geschwindigkeit – und stark erhöhtem Alkoholpegel – in besagten Graben und starben noch am Unfallort. Wer anderen eine Grube gräbt …

    Seine Liebe zum Automobil wurde dem 68jährigen Gerhard zum Verhängnis. In einem Stau blieb er mit seinem schönen Porsche Cayenne auf einem Bahnübergang stehen. Als sich die Schranken senkten, wusste Gerhard, dass nur noch eine heldenhafte Aktion seinen Porsche retten könne. Gerhard stieg aus seinem Luxusvehikel aus, und rannte auf den Schienen in Richtung des ankommenden Zuges. Das letzte, was man von ihm sah, war wildes Gestikulieren. Zumindest seinen Porsche konnte er retten. Die eingeleitete Notbremsung nach dem Aufprall sorgte dafür, dass der Porsche mit weniger Schäden davonkam als sein Besitzer.

    Eines Tschechen Schicksal war es, dass er im Physik-Unterricht wohl geschlafen hat. Als im letzten Jahr die Stahlpreise explodierten, verdienten sich viele findige Schrotthändler eine goldene Nase. Dies spornte auch einen Mann im tschechischen Zatec an. In einem stillgelegten Werk fand er seine persönliche Goldmine in einem Fahrstuhlschacht. Um an das massive stählerne Halteseil zu kommen, stieg er auf die Kabine des Fahrstuhls, und machte sich an die schweißtreibende Arbeit. Als er endlich mit seiner Metallsäge das Seil durchkappte, setzte sich der Aufzug in Gang und zerschellte am Boden des Schachts – schnell und tödlich. Ob der Mann durch den Sturz, oder durch das herabfallende schwere Metallseil getötet wurde, ist nicht bekannt.

    Ein australischer Kung-Fu Schüler schenkte in den 90ern den weisen Worten seines Lehrers ein wenig zuviel Glauben. Nach einer Übungsstunde, in der er offensichtlich gute Fortschritte gemacht hatte, lobte ihn der Lehrer mit den Worten ?Nun bist Du so weit, dass Du wilde Tiere mit bloßen Händen töten könntest?. Der Schüler nahm den Lehrer beim Wort und brach nachts in den Melbourner Zoo ein. Ob es zwischen ihm und den Löwen zu einem Zweikampf nach allen Regeln der Kampfkunst kam, ist nicht bekannt ? Tierpfleger fanden seine Überreste am nächsten Morgen im Löwengehege. Zwischen den Fingern fanden sie Haare, die der Mähne eines Löwen entstammten.

    Wenig Glück mit Raubkatzen hatten auch die zwei Inder Rai und Tiwari. Beseelt von religiösem Eifer wollten sie einen Tiger im Zoo von Kalkutta ehren. Um diese hochehrenwerte Handlung vorzunehmen, überwanden sie den Sicherheitszaun des Zoos und tänzelten auf einen 13jährigen bengalischen Tiger namens ?Shiva? zu. Um den Tiger zu huldigen, hängte ihm Rai einen Kranz aus Ringelblümchen um den Hals ? so viel Ehre war dem Tiger wohl nicht genehm, er griff Rai an und verbiss sich in ihn. Sein Freund Tiwari legte alle Verehrung beiseite und attackierte den Tiger mit Fußtritten um Rai zu retten. Die Katze entledigte sich des tretenden Verehrers mit einem Biss in den Hals …

    Ein 34jähriger Australier hatte eine tödliche Vorliebe ? alte Lastwagen. Um in den Besitz eines Original-Motors eines alten Bedford-Trucks zu kommen, brach er nächtens in eine Glas-Recycling-Firma ein und machte sich an die Arbeit. All zuviel schien er aber nicht von Lastwagen zu verstehen. Er legte sich unter den Wagen und begann zu schrauben. Irgendwann hatte er sein Ziel erreicht, und der Motorblock, der so schwer ist, dass es eigentlich drei Mann benötigt, um ihn anzuheben, zerquetschte den Motordieb in spe. Der Firmeninhaber sagte der Polizei: ?Er hätte nur fragen müssen ? ich wollte den alten Laster eh verschrotten. Er hätte ihn mitnehmen können.?

    Schlechte Erfahrungen mit der Unterseite von Lastwagen musste auch der 34jährige James Burns aus Alamo/Michigan machen. Um herauszufinden, woher die seltsamen Geräusche seines Trucks kommen, hängte er sich unter dem Fahrzeug ein und bat einen Freund, den Truck zu fahren. Auf seinem Horchposten muss Burns sich mit seiner Kleidung in einem beweglichen Teil verfangen haben. Sein Freund fand ihn tot ? um die Antriebsachse gewickelt.

    Der 39jährige Anwalt Garry war begeistert von der Sicherheitsverglasung seines Büros im ?Dominion Bank Tower? im kanadischen Toronto. Um auch seine Gäste von der erstaunlichen Stabilität der Fenster zu begeistern, sprang Garry schon mal gerne mit Anlauf gegen seine gläsernen Büroaußenwände. So auch beim Besuch einer Studentengruppe. Dummerweise zerbrach diesmal das Fenster und man fand Garry im Hof des Wolkenkratzers wieder ? 24 Stockwerke tiefer. Seinen Vorgesetzten zufolge war Garry eines der besten und cleversten Mitglieder ihrer Kanzlei.

    Wenige Meter entfernt stürzte sich ein paar Monate später der 55jährige Stefan aus dem 23. Stockwerk unfreiwillig in den Tod. Er wollte auf dem Balkon seines Appartements in Toronto den Vogelkasten reinigen. Stefan stellte sich dabei auf einen Bürostuhl mit Rollen ? keine gute Idee, wie sich zeigte.

    Zu viele Kriminalfilme hat wohl ein Insasse des Allegheny County Gefängnisses in Pittsburgh gesehen ? ein hochmodernes Gefängnis, das von außen eher an einen Wolkenkratzer erinnert. Er knotete sich aus Bettlaken ein 30 Meter langes Seil und schaffte es, in einem der obersten Stockwerke ein Fenster aus Sicherheitsglas zu zerbrechen. Es ist zwar nicht bekannt, ob er bei seinem Ausbruchsplan die verwunderten Autofahrer auf der Hauptverkehrsstrasse vor dem Gefängnis miteingeplant hatte, die seinen hollywoodreifen Ausbruchsversuch mit Interesse verfolgten. Mit Sicherheit hatte er aber die Höhe des Gebäudes nicht mit eingeplant ? das Ende des Seiles baumelte 30 Meter über dem Erdboden. Seinen Fehler bemerkte der Flüchtling allerdings nicht. Er hatte nämlich ebenfalls nicht mit eingeplant, dass sein Seil aus Bettlaken von den scharfen Glaskanten des zerbrochenen Fensters zerschnitten werden könnte. Als er fiel, waren noch 50 Meter zwischen ihm und dem harten Asphalt.

    Skurril mutet auch der Tod eines 50jährigen Jägers aus Upstate New York an. Während einer Zigarettenpause fand sein Jagdhund einen schönen, großen Knochen. Doch der Jäger missgönnte seinem Hund das Vergnügen. Wie Hunde aber so sind, dachte auch besagter Jagdhund nicht im Traum daran, die Beute seinem Herrchen auszuhändigen. Der Jäger packte sein geladenes Gewehr am Lauf und machte Jagd auf seinen Hund. Dabei wedelte er wie wild mit seiner geladenen “Keule”. Als er schließlich dem Hund einen Schlag verpassen wollte, löste sich ein Schuss und traf den Jägersmann tödlich in den Unterleib. Zumindest der Hund kam ohne Schaden aus der Sache heraus.

    Deutsche Hunde sind da konsequenter. Ein 51jähriger Jäger wurde im Schwarzwald von seinem Hund erschossen. Die Polizisten fanden Hund und Gewehr im Wagen des Jägers ? das Gewehr ragte aus dem geöffneten Fenster heraus, Laufrichtung Herrchen. Ob der Hund im Tierheim Sicherheitsverwahrung bekam, ist allerdings nicht bekannt.

    Man sollte Nachrichten nicht nur verfolgen, sondern auch versuchen, sie zu verstehen. Die Missachtung dieses Grundsatzes wurde einer Dänin zum Verhängnis. Über Dänemark zog im Winter 1999 einer der schlimmsten Stürme des Jahrhunderts. Das dänische Fernsehen brachte eine Sondersendung zu diesem Thema. Da das Fernsehbild der wagemutigen Dänin durch den Sturm gestört war, sie aber keinesfalls die Sondersendung über den Sturm verpassen wollte, stieg sie aufs Dach und richtete die Antenne neu aus – der Sturm erledigte den Rest.

    Zwei unfreiwillige Selbstmordattentäter in Israel wurden Opfer von zeitlicher Konfusion. Im Jahre 1999 stellte Israel die Winterzeit eine Woche vor dem normalen Termin um. Diese ?zionistische Zeit? galt natürlich nicht für die stolzen Palästinenser im Westjordanland. Davon wussten allerdings die beiden palästinensischen Fahrer nichts, die die Autobomben an ihr Ziel bringen sollten. Sie hatten ihre Uhren ordnungsgemäß umgestellt und starben auf dem Weg zu ihrem Zielort.

    To be continued ;-)

    Jens Berger

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    In Zeiten des Krieges

    geschrieben am 15. Februar 2009 von Jens Berger

    Nestor Machno und die “Machnowschtschina”- eine fast vergessene Episode aus der russischen Revolution

    Der Anarchismus hat eine lange Tradition in Russland, und auch zwei seiner bedeutendsten Theoretiker, Pjotr Kropotkin und Michail Bakunin stammen von dort. Weniger bekannt ist, dass auch einer seiner wichtigsten “Praktiker” dort, bzw. in der Ukraine wirkte. Während der Revolutionswirren 1917-21 organisierte Nestor Machno eine anarchistische Bewegung und kämpfte gegen Zaristen wie Bolschewiki.

    Als im Jahre 1905 in Russland revolutionäre Unruhen ausbrachen, wurde der damals fünfzehnjährige Nestor Machno zum Freiheitskämpfer. Machno, Sohn eines armen Bauern, der kurz nach seiner Geburt verstarb, begann zu diesem Zeitpunkt verbotene sozialistische Literatur zu lesen und verteilte Flugblätter. Kurze Zeit später schloss er sich in seiner Heimatstadt Guljaj-Pole einer anarcho-kommunistischen Gruppe an, die sich durch Terrorakte gegen Fabrikbesitzer und Kaufleute und die Verteilung illegaler Druckschriften schnell einen Namen machte. Machno wurde während dieser Zeit mehrfach verhaftet ? nach einer Verhaftung im September 1907 verbrachte er zehn Monate in Untersuchungshaft und wurde erst entlassen, als ein Fabrikant die geforderte Kaution bezahlte. Kaum wieder auf freiem Fuß, kämpfte Machno weiter ? mindestens zwei Polizisten fielen Anschlägen der Gruppe zum Opfer. Im August 1908 wurde Machno im Vorfeld eines Bombenattentats auf die Polizeistation in Guljaj-Pole von verhafteten Mitstreitern verraten und im Jahre 1910 zusammen mit 14 weiteren Angeklagten wegen mehrfachen Mordes zum Tode verurteilt. Aufgrund seiner Jugend wurde seine Strafe in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt, die er in einem Moskauer Gefängnis verbüßen sollte. Eigentlich wäre er nach Sibirien verschickt worden, aber seine Mutter konnte erfolgreich an die Gnade der Behörden appellieren, da Nestor Machno bereits in jungen Jahren schwer an Typhus erkrankte und ein Arbeitslager in Sibirien sein sicherer Tod gewesen wäre.

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