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  • Die (In)Kompetenz der AfD

    geschrieben am 29. Mai 2013 von Jens Berger

    Das Wahlprogramm der Alternative für Deutschland passt fasst auf einen Bierdeckel und lässt mehr Fragen offen, als es beantwortet. Vor allem wenn es um Thema abseits des Euros geht, gibt sich die AfD bemerkenswert wortkarg. Für eine Partei, deren „Nomenklatura“ vor allem aus – ansonsten sehr meinungsstarken – marktliberalen Ökonomen besteht, wirkt die zur Schau getragene Zurückhaltung eher ungewöhnlich. Doch dies hat seinen Grund. Sobald man ein wenig unter der Oberfläche gräbt und die AfD mit konkreten Fragen konfrontiert, zerfällt das Bild der vermeintlichen Wirtschaftskompetenz schnell zu Staub.

    Der Kollege Fabian Herzog wollte es wissen und fragte die AfD per Mail vier eigentlich einfache Fragen:
    1. Wie stehen Sie zur Rentenprivatisierung – Stichwort: Ersparnisse im Ausland?
    2. Haben die Lohnstückkosten für Sie etwas mit der Eurokrise zu tun?
    3. Hängen Geldmenge und Inflation für Sie direkt zusammen?
    4. Welches Steuermodell stellen Sie sich vor?

    Hier die Antwort einer Sprecherin der AfD*:

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    213 Kommentare

    Abenomics vs. Merkeltilismus – Japans drei Pfeile gegen die Krise

    geschrieben am 28. Mai 2013 von Jens Berger

    Japans neuer Premier Shinzō Abe beweist, dass es sehr wohl Alternativen zur deutschen Austeritätspolitik gibt. Sein wirtschaftspolitisches Programm der „drei Pfeile“, das nach seinem Schöpfer bereits „Abenomics“ genannt wird, ist dabei in so ziemlich allen Punkten ein nahezu exakter Gegenentwurf zur europäischen Antwort auf die Krise. Mit einer gewagten Kombination aus finanz- und wirtschaftspolitischen Stimuli will Japan seine Volkswirtschaft aus zwei Jahrzehnten Lethargie erwecken. Dies ist zweifelsohne ein Hasardspiel, dessen Erfolg vor allem von der künftigen Lohnentwicklung abhängt. Sollten die Abenomics sich als Erfolg herausstellen, könnten sie auch für Europa zum neuen Leitbild avancieren. Von Jens Berger

    Zum Thema: Paul Krugman: Japan the Model – Japan als Vorbild
    Joseph Stiglitz – Das Versprechen der Abenomics

    Verlorene Jahre

    Japan Krise geht nun schon in die dritte Dekade. Das Land konnte sich nie so recht vom Platzen einer gigantischen Spekulationsblase in den frühen 1990ern erholen. Durch die falschen politischen Antworten rutschte das Land 1995 in eine lang anhaltende Deflationsspirale. Der Ausbruch der Finanzkrise verschärfte die Deflation abermals. Im August 2009 betrug die Deflationsrate ganze 2,4%, ein niedrigerer Wert konnte bislang in keinem OECD-Land je gemessen werden. Die 1990er gingen als „verlorenes Jahrzehnt“ in die japanische Geschichte ein, die anhaltende Deflation sorgt jedoch dafür, dass auch die nächsten zwölf Jahre in jeder Hinsicht verlorene Jahre waren.

    Japans Hauptproblem ist die Deflation. Nach dem Platzen der Spekulationsblase und der Neubewertung der Vermögenswerte übten sich sowohl die Haushalte, als auch die Unternehmen und die Banken in Sparsamkeit. Aus der Konsumzurückhaltung der Haushalte resultierte ein Einbruch der Binnennachfrage, ein scharfer Rückgang der Auslastung des produzierenden Gewerbes und damit verbunden ein Rückgang der Investitionen, was in dieser Kombination wiederum zu sinkenden Löhnen und einer weiteren Konsumzurückhaltung führte. Die Deflationsspirale war in Gang gesetzt. In Erwartung sinkender Löhne und sinkender Preise horteten die Japaner ihr Geld, anstatt es auszugeben und auch die Zinsen erreichten schon bald die Nulllinie, ab der mit konventioneller Geldpolitik keine Impulse mehr gesetzt werden können.

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    59 Kommentare

    Ein nicht verstandenes Geschäftsmodell

    geschrieben am 27. Mai 2013 von Jens Berger

    Gerade eben erreichte mich folgende Zuschrift:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    gerne möchten wir Ihnen ein Kooperationsangebot für (Mobile-)Content-Syndication im Bereich Nachrichten unterbreiten.
    Mobiles Republic entwickelt News Applikationen für Smartphones.
    Die bekanntesten sind News Republic und Appy Geek. Wir erreichen weltweit ca. +300 Millionen Page Views pro Monat und haben über 2.5 Millionen User.
    In der beigefügen Präsentation finden Sie weitere Infos zu News Republic und den anderen Apps.
    Wir würden uns freuen, den Spiegelfechter als Content-Partner zu gewinnen.
    Insbesondere im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl möchten wir unseren Lesern weitere Nachrichten aus dem Politik Bereich anbieten, Ihr Blog würde sicherlich gut zu News Republic passen.
    Das wäre für Sie auch mit keinerlei Kosten verbunden. Die technische Integration erfolgt recht einfach über die Einbindung eines RSS-Feeds von Ihnen.
    Bei Fragen stehe ich per Email oder auch telefonisch zur Verfügung.
    Mit freundlichen Grüßen,
    W. S.

    Meine Antwort an Herrn S.:

    Lieber Herr S.,

    Sie schreiben, dass für uns mit Ihrem Angebot “keinerlei Kosten verbunden seien”. Das ist phantastisch und erinnert mich an das Geschäftsmodell, das ich letzte Woche meinem Bäcker vorschlug. Da – so finde ich – seine Brötchen sehr gut zu mir passen, schlug ich ihm vor, offizieller Backwaren-Partner des Spiegelfechters zu werden. Technisch wäre das recht einfach umsetzbar, indem er seine Brötchen jeden Tag in meinen Brotkasten einbindet. Ich versicherte ihm auch, dass damit für ihn selbstverständlich auch keine weiteren Kosten verbunden seien. Dennoch blickte er mich scheel an und schmiss mich aus seinem Laden. Ich weiß gar nicht warum?

    liebe Grüße,
    Jens Berger

    Antwort W.S.:

    Hallo Herr Berger,
    ich werde oft von potentiellen Content Partnern gefragt ob eine Integration in unsere Apps mit Kosten verbunden ist. Daher stelle ich den Punkt gerne gleich klar.
    Ihrer Email entnehme ich, dass Sie keinen Mehrwert darin sehen Ihre Inhalte über unsere Apps einer größeren Leserschaft zur Verfügung zu stellen.
    Das nehme ich hiermit zur Kenntnis.
    Sollten Sie in Zukunft doch Interesse an einer Zusammenarbeit haben, dann können Sie sich gerne wieder an mich wenden.
    Beste Grüße
    W.S.

    Meine Antwort:

    Das entnehmen Sie vollkommen korrekt. Mein Bäcker hat unverständlicherweise auch kein Interesse, seine Brötchen kostenlos einer größeren Esserschaft zur Verfügung zu stellen.

    beste Grüße
    Jens Berger

    25 Kommentare

    Der Staat ist keine schwäbische Hausfrau – Videopodcast zum Vortrag

    geschrieben am 23. Mai 2013 von Jens Berger

    Für Alle, die es interessiert: Hier die Videoaufzeichnung von meinem gestrigen Vortrag in Wuppertal:

    Die anschließende Frage- und Diskussionsrunde:

    Leider hat der Akku nicht lange genug ausgehalten, so dass das Video “nur” die die ersten 55 Minuten der m.W. ca. 90 Minuten langen Diskussion enthält. Mea culpa. Ich hätte nicht gedacht, dass ich fast drei Stunden Videomaterial aufnehmen muss – sonst hätte ich ein Netzkabel mitgenommen. Aufgrund der vergleichsweise langen Aufnahme habe ich das Video ausnahmsweise auch nicht in HD eingestellt. Bei der schummerigen Beleuchtung ist das aber zu verkraften und es kommt ja eh vor allem auf den Inhalt an ;-)

    P.s.: Die Folien zum Vortrag könnte ich Euch natürlich auch herunterladen.

    54 Kommentare

    An die Wand gefahren – Warum wir eine konstruktive Euro-Exit-Debatte brauchen

    geschrieben am 15. Mai 2013 von Jens Berger

    Der Euro war eine große Chance für Europa. Deutschland hat diese Chance jedoch nie begriffen. Ideologische Scheuklappen haben die Gemeinschaftswährung in eine tiefe Krise manövriert. Ohne eine 180°-Wende wird das Unternehmen „Eurorettung“ scheitern. Leider muss man sich jedoch auch eingestehen, dass es momentan keine Anzeichen für eine solche Wende gibt. Nun könnte nur noch eine europäische Palastrevolution den Euro retten. Vielleicht ist es jedoch dafür jedoch zu spät. Realistisch betrachtet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Euro die nächsten Jahre überlebt, nicht sonderlich groß. Da der politische und volkswirtschaftliche Schaden eines Euro-Zusammenbruchs epochal sein wird, brauchen wir nun eine konstruktive Debatte, wie ein Exit-Szenario aussehen könnte. Wer sich dieser Debatte verweigert, treibt die Menschen – gewollt oder ungewollt – in die Arme von neoliberalen Populisten, wie der Alternative für Deutschland.

    Die deutsche Politik hat sich leider als vernunftresistent erwiesen. Sie hat nie verstanden, dass die einseitige Exportfixierung Deutschlands in Kombination mit der vorangetriebenen Schwächung der Binnennachfrage durch Lohnkürzungen in einem gemeinsamen Währungsraum zu desaströsen Ungleichgewichten führen muss. Sie hat auch nie verstanden, wie wichtig es ist, diese Ungleichgewichte abzubauen. Selbst als der Eurozone in der Krise die Pistole an den Kopf gesetzt wurde, weigerte sich Deutschland eine „innere Aufwertung“ umzusetzen, bei der Deutschland durch eine Stärkung der Binnennachfrage seinen Außenhandelsüberschuss abbauen kann. Im Gegenteil: Im letzten Jahr erzielte die deutsche Volkswirtschaft den zweithöchsten Außenhandelsüberschuss der Geschichte – nur im Vorkrisenjahr 2007 lag der Wert noch höher. Dass Deutschland damit im nächsten Jahr zum dritten Mal in Folge gegen die Kriterien des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts verstößt, wird hierzulande noch nicht einmal wahrgenommen.

    Parallel dazu befinden sich die Volkswirtschaften der „Krisenländer“ im freien Fall, während die realwirtschaftliche Krise längst den Kern der Eurozone erreicht hat. Nach den Schätzungen der Frühjahrsprognose der EU-Kommission wird Deutschland neben dem kleinen Bankenstadtstaat Luxemburg in diesem Jahr das einzige Gründungsmitglied der EU sein, das überhaupt noch ein – wenn auch mageres – Wirtschaftswachstum erzielen kann. Die Eurokrise ist längst nicht mehr eine Krise der Europeripherie, auch wenn sie dort am verheerendsten wütet.

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