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  • Die FAZ und der “Verschwörungsjournalismus”

    geschrieben am 09. Dezember 2014 von Jens Berger

    Heute wollte es die FAZ offenbar allen Kritikern an ihrer Ukraine-/Russland-Berichterstattung so richtig zeigen. Im Artikel „Ist halt so, ist die Wahrheit!“ versucht sich FAZ-Autorin Anna Prizkau in einer Art Reportage über die neue Friedensbewegung. Was dabei herausgekommen ist, ist jedoch ein Pamphlet, dem man förmlich anmerkt, das es hier um weit mehr geht als „nur“ um eine Reportage über eine neue Bewegung. Prizkau geht es auch um die Ehre der FAZ und des „Qualitätsjournalismus“. Doch diesen Kampf um die Ehre verliert Frau Prizkau – sie macht die Sache nur noch schlimmer.

    Man kann der neuen Friedensbewegung ja durchaus einige – meist in der Vergangenheit liegende – Fehler vorwerfen. Aber das, was Anna Prizkau in der FAZ macht, hat mit Journalismus nun wirklich nicht das Geringste zu tun. Da wird alles aus dem erweitern Umfeld der Friedensbewegung in einen Topf geschmissen und ohne Sinn und Verstand zu einem boshaften Brei vermischt, der reaktionär und fad schmeckt. Wie man sieht, liegt Pedram Shahyar mit seinem „McCarthy-Vergleich“ goldrichtig.

    Wäre Frau Prizkau in den späten Sechzigern aktiv gewesen, hätte sie sicher auch über die „langhaarigen Gammler“ gezetert, die auf ihren „Klampfen“ Liedgut zum Besten geben, das dem feingeistigen Geschmack der FAZ-Schreiberin nicht mundet. Anders ist die reaktionäre Passage über den „Info-Rapper“ nicht zu deuten. Man kann solche Musik mögen oder auch nicht – ich mag sie beispielsweise nicht. Die Häme, die hier jedoch aus jeder Zeile tropft, ist peinlich und fällt auch auf die Autorin zurück. Die Montagsdemos haben ja in der Tat ihre Probleme, sich glaubhaft von rechter Unterwanderung zu distanzieren. Sie sind aber – und das liest man in FAZ und Co. nie – links. Das ist ja eigentlich auch logisch – wie sollte eine rechte Bewegung von rechts unterwandert werden?

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    Streiken macht sich bezahlt

    geschrieben am 05. Dezember 2014 von Jens Berger

    Kaum nutzen die Lokführer und die Piloten mal ihr Streikrecht, schon ist Deutschland in heller Aufregung. „Wird Deutschland zum Streikland?“ fragt die ARD und liefert die Antwort gleich tendenziös mit. Um das zaghafte Aufflammen des Kampfwillens der Arbeitnehmer im Keim zu ersticken, bastelt die Bundesregierung derweil bereits am „Tarifeinheitsgesetz“. Wenn man sich jedoch einmal die Zahlen anschaut, stellt man schnell fest, dass in kaum einem anderen Industrieland so wenig gestreikt wird, wie in Deutschland. Und dies ist volkswirtschaftlich kein Segen, sondern ein Fluch.

    Deutschland ist kein Streikland und war dies auch nie. Ein Blick auf die Zahlen zeigt jedoch auch, dass die Streiklust der deutschen Arbeitnehmer in den letzten Jahrzehnten stark rückläufig ist. Die letzten wirklich großen Streiks fanden Mitte der 1980er statt, als die IG Metall für die 35-Stunden-Woche streikte. Doch selbst in den streikfreudigeren 1970ern und 1980ern belegte Deutschland im internationalen Vergleich einen der letzten Plätze – nur die japanischen Arbeitnehmer waren in den 1980ern noch friedlicher als ihre deutschen Kollegen.

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    Junkers 315-Milliarden-Euro-Luftnummer

    geschrieben am 27. November 2014 von Jens Berger

    „315 Milliarden Euro: Junckers Mega-Investitionsplan wird noch etwas größer“, doch diese Zahl „könnte sogar noch höher ausfallen“, denn sie „sei nur konservative Schätzung“ – so war es gestern auf SPIEGEL Online zu lesen. Und auch fast alle anderen großen Medien griffen diese Zahl auf und plapperten nach, was Juncker und die EU-Kommission vorplapperten. Ein weiteres Beispiel für das kollektive Versagen der Medien, das Albrecht Müller gestern anprangerte. Sobald man nur ein wenig hinter die Kulissen blickt, stellt sich schnell heraus, dass Junckers gigantische Luftnummer nicht mehr als ein gigantischer PR-Trick ist.

    Europas Wirtschaft steckt in einer Dauerkrise, die Massenarbeitslosigkeit grassiert und der Politik sind die Hände gebunden. Die privaten Haushalte sind durch Arbeitslosigkeit, Lohnkürzungen und schärfere Kreditvergaberichtlinien der Banken nicht in der Lage, die Wirtschaft anzukurbeln. Und wo der Absatz stagniert, sieht auch die Wirtschaft keinen Grund zum Investieren. Positive Impulse vom Weltmarkt sind auch nicht zu erwarten – nicht nur Europa, sondern auch die USA, Japan und China leiden unter einer globalen Konjunkturdelle. Um die Wirtschaft anzukurbeln und die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen wären gerade jetzt staatliche Investitionen bitter nötig. Doch da die Staaten sich durch die Schuldenbremsen selbst auferlegt haben, kein zusätzliches Geld in die Hand zu nehmen, ist kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

    Keine Frage, es wäre eine sehr gute Nachricht, wenn die EU denn tatsächliche eine größere Geldmenge in die Hand nehmen würde, um die Wirtschaft vor allem in den besonders betroffenen Staaten in der Peripherie anzukurbeln. 315 Mrd. Euro wären da ein echter Befreiungsschlag. Doch leider sind diese 315 Mrd. Euro eine bloße Wunschvorstellung, fern ab jeder realistischer Betrachtung.

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    Zwischenruf!

    geschrieben am 14. November 2014 von Jens Berger

    Es gibt Tage, da fühlt man sich als Blog-Co-Betreiber eher so, als betreibe man einen Kindergarten für Verhaltensgestörte. Der heutige Tag zählt dazu. Da gibt sich mein Kompagnon Tom die Mühe und führt mit dem Finanzjournalisten Lars Schall ein längeres Interview und wie reagiert das Publikum? Mit einer infantilen Beschimpfung des Spiegelfechter-Teams. Warum? Weil der „böse“ Lars Schall sich auch mit 9/11 beschäftigt und das Leitthema des Interviews die FED ist. Und die FED ist, das wissen wir ja alle, ein Thema, mit dem sich nur böse Verschwörungstheoretiker und Querfrontler beschäftigten. Ja habt Ihr sie noch alle? Hat einer der „Kritiker“ sich das Interview eigentlich angehört? Wohl kaum, denn die ersten Schmähkritiken kamen schon wenige Minuten, nachdem das Video online gestellt wurde. Und da das Interview stolze 62 Minuten dauert, schaffen es selbst Hochbegabte im Schnellvorlauf nicht, die Inhalte des Interviews aufzunehmen.

    Da verwundert es auch nicht, dass die Qualität der Kritik sich auf Kindergartenniveau befindet. Ihr sprecht mit dem bösen Lars, dann lese ich Euch nicht mehr … Frei nach Hagen Rether sage ich dazu: Na toll Du Honk, dann bleib doch wo der Pfeffer wächst und lese nur noch Blogs, die Dir nach dem Maul schreiben. Von derart ignoranten und intoleranten Lesern möchte zumindest ich nicht gelesen werden.

    Wer ein Blog betreibt und Kollegen interviewt hat auch eine gewisse Gastgeberrolle. Ich selbst kenne Lars Schall seit Jahren und er ist mir stets als fairer, korrekter und kompetenter Kollege in Erinnerung geblieben. Das heißt nicht, dass ich mit all seinen Thesen und Positionen übereinstimme. Beileibe nicht. Auch einige Aussagen im Interview von Tom mit Lars teile ich ausdrücklich nicht – so kann ich beispielsweise die Rolle, die Lars dem Goldpreis zumisst noch nicht einmal im Ansatz verstehen. Aber dafür sind solche Interviews schließlich auch da! Wer will schon ein Interview hören, in dem der Interviewte ausschließlich das sagt, was man eh schon zu wissen glaubt und selbst genau so sieht? Einige Leser scheinen ausschließlich solche Interviews lesen/hören/sehen wollen. Nur kein Widerspruch! Nur keine Debatte! Nur nicht Nachdenken! Und dann immer schön ad personam. Was der Interviewte sagt, wird nicht nicht einmal zur Kenntnis genommen, wenn er in Verdacht steht, mit den Falschen im Bund zu stehen. Nicht Diskutieren, sondern Diskreditieren lautet das Motto.

    Das ist sowas von arm. Niemand ist gezwungen, das Angebot wahrzunehmen, das wir Euch regelmäßig vorsetzen. Wer es mit seinem „Gewissen“ nicht vereinbaren kann, Meinungen und Positionen zu tolerieren, die von der eigenen Position abweichen, der findet im großen Internet doch sicherlich auch Seiten, die besser zu ihm passen. Adieu! Wer es für unmöglich hält, dass man sich Journalisten unterhält, die auch für Medien arbeiten, die man selbst nicht zu seinen Favourites zählt, der soll dann auch bei seinen Favourites bleiben … der Spiegelfechter will nicht dazu zählen. Wir wollen die Debatte! Die Debatte um Themen! Jeder, der hier über Themen debattieren will, ist herzlich willkommen. Der Rest soll bitte schweigen.

    Euer Jens Berger

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    Worum geht es im GDL-Streik eigentlich?

    geschrieben am 07. November 2014 von Jens Berger

    Einige Leser haben uns gestern geschrieben, dass sie trotz der beiden Artikel „Ich bin ein GDL-Versteher!“ und „Aus den Zeilen tropft Hass“ immer noch nicht richtig verstanden haben, für was die GDL eigentlich streikt. In einigen Fällen kam dabei auch der aus den Medien bekannte Begriff „Machtkampf“ vor. Um hier ein wenig mehr Klarheit zu schaffen, versuche ich zunächst mit eigenen Worten noch einmal den Hintergrund zu erläutern. Als Anhang veröffentlichen wir dazu noch eine Zuschrift unseres Lesers Erik Jochem, in der das komplexe Thema allgemeinverständlich erklärt wird.

    Um den Hintergrund des GDL-Streiks zu verstehen, ist es zunächst wichtig, die Begriffe Tarifeinheit und Tarifpluralität zu definieren. Die Tarifeinheit wird im Kern durch den Satz „Ein Betrieb, ein Tarif“ beschrieben. Der Grundsatz der Tarifeinheit wird vor allem dann bemüht, wenn es aus verschiedenen Gründen innerhalb eines Betriebes mehrere gültige Tarife gibt. In einem solchen Fall wurde bis 2010 von den Arbeitsgerichten der Fall nach dem Grundsatz der „Spezialität“ behandelt: Danach gilt der Tarifvertrag, der dem Betrieb räumlich und fachlich am nächsten steht. Diesem Zwang zur Tarifeinheit hat das Bundesarbeitsgericht jedoch im Jahre 2010 unter Berufung auf die im Grundgesetz zugesicherte Koalitionsfreiheit abgeschafft. Heute gilt stattdessen der Grundsatz der Tarifpluralität, nach dem in einem Betrieb verschiedene Tarifverträge gestattet sind. Ein Arzt kann also z.B. nach dem Tarifvertrag von ver.di oder nach dem Tarifvertrag des Marburger Bundes entlohnt werden – je nachdem, in welcher Gewerkschaft er ist.

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