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  • Sparkassen, Strafzinsen und andere Merkwürdigkeiten – ist das schon Kampagnenjournalismus?

    geschrieben am 18. Mai 2016 von Jens Berger

    whistle_01Ein auf Krawall gebürsteter bayerischer Sparkassenpräsidenten denkt laut über „Strafzinsen“ für Privatkunden nach und die Medien sind aus dem Häuschen. Das Thema Negativzinsen scheint aktuell das Thema Inflation als Lieblingsaufreger für deutsche Finanzjournalisten abgelöst zu haben; und wie beim Thema Inflation wird leider auch beim Thema Negativzinsen viel Unsinn geschrieben. Wer beispielsweise im Kontext angedachter „Verwahrgebühren“ von einer Enteignung der Sparer fabuliert, sollte sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ob er den richtigen Job ergriffen hat. Selbst wenn die Banken die Negativzinsen voll durchreichen geht es für den durchschnittlichen Sparer nämlich um weniger als 40 Cent pro Monat – wie viel Kontoführungsgebühren zahlen Sie doch gleich?

    Gemäß eines schönen Zitats funktioniert das klassische Banking nach der 3-6-3-Methode: Gib Deinen Kunden 3% Zinsen auf ihre Einlagen, verlange 6% für einen Kredit, mach um Drei Feierabend und geh dann Golf spielen. Würden alle Banker so handeln; uns wären die ganzen Crashs, Krisen und milliardenschweren Rettungspakete erspart geblieben. Aber bleiben wir bei diesem vereinfachenden Modell: Was hat sich seit dem Beginn der Niedrigzinsära substanziell daran geändert? Heute kriegen Kunden 0% Zinsen und gut abgesicherte Kredite kosten rund 3% Zinsen. Der Unterschied beträgt also heute wie damals rund drei Prozent und dies können Sie ruhig auch auf andere Jahrzehnte übertragen: Ein gut abgesicherter Kredit kostete schon immer rund drei Prozent mehr als es als Einlage für Festgeld von der Bank gibt. Diese Differenz deckt zum Einen das Ausfallrisiko und trägt zum Anderen einen Teil der Kosten: Schließlich kosten auch ganz normale „Schalterbeamte“, Geldautomaten und Filialen Geld – es muss ja nicht immer der gieriger Anlageberater oder der zockende Broker sein, den es bei kleineren Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken ja ohnehin nicht gibt.

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    Die Glyphosat-Zulassung könnte zu einer Nagelprobe für die Europäische Union werden

    geschrieben am 13. Mai 2016 von Jens Berger

    whistle_01Wenn sich Mitte nächster Woche der zuständige Fachausschuss der Europäischen Kommission trifft, um über die Wiederzulassung der Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat für weitere neun Jahre zu entscheiden, könnte dies ein politisches Erdbeben auslösen. Bereits jetzt kündigt sich – auch dank der SPD – an, dass es im zuständigen Fachausschuss der EU-Kommission keine qualifizierte Mehrheit für die Wiederzulassung geben wird. Die Kommission selbst ist jedoch nicht an das Votum des eigenen Fachausschusses gebunden. So droht aus dem Wiederzulassungsverfahren des laut WHO möglicherweise krebserregenden Glyphosats eine Posse deutscher Lobbyhörigkeit und ein Fanal antidemokratischer Prozesse auf EU-Ebene zu werden. Wenn Sie ein Zeichen setzen wollen, dann sollten Sie noch schnell die Petitionen von Campact und dem BUND mitzeichnen.

    Glyphosat ist die Hauptkomponente einer ganzen Reihe von Unkrautvernichtern. 1974 wurde die Chemikalie vom US-Konzern Monsanto als Breitbandherbizit patentiert. Doch dieses Patent ist längst abgelaufen, heute produzieren fast alle größeren Agrarchemie-Konzerne Unkrautvernichter auf Basis von Glyphosat – darunter auch die deutschen Multis Bayer und BASF. Fast 40% der deutschen Ackerfläche wird mit glyphosathaltigen Chemikalien besprüht und sogar im Baumarkt ist die Substanz für alle Hobbygärtner frei verfügbar. Das ist durchaus verständlich, da Glyphosat aus ökonomischer Sicht durchaus seine Vorteile hat: Wenn der Bauer seinen Acker mit Glyphosat besprüht, sterben alle oberirdischen Teile sämtlicher Pflanzen ab – nur spezielle genmanipulierte Nutzpflanzen überleben, deren Saat der Bauer natürlich auch von Monsanto und Co. bekommt. Gift und Nutzpflanze im Komplett-Sorglos-Paket – doch sorglos ist Glyphosat ganz sicher nicht.

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    Aufruf: Mithilfe für Buchprojekt gesucht!

    geschrieben am 29. April 2016 von Jens Berger

    Liebe Leser der NachDenkSeiten, aktuell arbeite ich an einem neuen Buchprojekt. Diesmal soll es um das Gesundheitssystem in all seinen Facetten und mit all seinen Fehlentwicklungen gehen. Natürlich werden auch diesmal wieder Auszüge aus dem Buch exklusiv auf den NachDenkSeiten erscheinen. Doch bis das Buch fertig ist, brauche ich noch ein paar Informanten, Gesprächspartner und „Whistleblower“. Helfen Sie mir bitte, so dass ich ein Buch schreiben kann, das auch was bewegen kann.

    Wenn Sie einer der folgenden Gruppen angehören und mir entweder im Rahmen eines Telefongesprächs oder eines persönlichen Treffens interessante Geschichten, Einblicke oder Erfahrungen aus dem Gesundheitssystem mitteilen können, dann melden Sie sich doch bitte per E-Mail bei mir – gerne auch verschlüsselt[*]. Ihre Informationen werden selbstverständlich absolut vertraulich behandelt und wenn sie ins Buch eingehen, grundsätzlich anonymisiert.

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    Europas Rechtsruck, die Flüchtlingskrise und die politische Linke … Zeit für eine unaufgeregte Debatte

    geschrieben am 27. April 2016 von Jens Berger

    whistle_01Noch vor wenigen Monaten träumten progressive Geister von einer linken Revolution in Europa. Nach dem Wahlsieg der Syriza war gemäß der damaligen Umfragen auch ein linker Regierungswechsel in Spanien und Portugal in greifbarer Nähe. Und wenn der Süden erst einmal aufgewacht ist und beweist, dass es sehr wohl eine sinnvolle Alternative zur neoliberalen Alternativlosigkeit gibt, wird sicher auch der Norden seine Fehler erkennen und aufwachen. So, die zugegebenermaßen naive Vorstellung. Es kam jedoch ganz anders. Kaum standen die Syrer vor den Toren Wiens erzitterte das Abendland und wählte nicht linke, sondern rechte Parteien. Deutschlands AfD und Österreichs FPÖ sind die Gewinner der Flüchtlingskrise, während die politische Linke unter die Räder kommt. Warum kann die politische Linke in Zeiten der Flüchtlingskrise keine Wähler mehr für sich gewinnen? Und warum begeht sie immer wieder strategische Fehler, mit denen sie die Wähler den Rechten vor die Flinte treibt?

    Das Thema „Flüchtlinge“ ist sicher von Natur aus kein Thema, mit dem die politische Linke einen Blumentopf gewinnen kann. Dabei ist die Flüchtlingsproblematik eigentlich gut geeignet, um linke Politik darzustellen. Dies fängt bereits bei den Fluchtursachen an. Sowohl der afrikanische Wirtschaftsflüchtling als auch der syrische oder afghanische Kriegsflüchtling sind schlussendlich auch Opfer einer fehlgelenkten, rechten Politik der Europäischen Union und der USA; einer Politik, die die politische Linke dies- und jenseits des Atlantiks scharf kritisiert.

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    Panama Papers – nicht Jahrhundertscoop, sondern Jahrhundertflopp

    geschrieben am 05. April 2016 von Jens Berger

    Heute morgen fragte ich in den Hinweisen des Tages noch rhetorisch, was denn nun mit den Datensätzen aus Panama geschieht, die weltweit in den Medien hochgejazzt werden. Nach einigen Antworten kundiger Leser scheint sich zu bestätigen, was ich bereits zuvor gemutmaßt habe: Schon bald treiben unsere lieben Medien die nächste Sau durchs Dorf und die Kunden von Mossack Fonseca müssen sich keine Sorgen machen. Nach momentanem Kenntnisstand werden noch nicht einmal die jeweiligen Steuer- und Strafverfolgungsbehörden Einblick in die Daten bekommen. Wie der Guardian bereits meldete, respektieren die beteiligten Medien und Institutionen also die Privatsphäre der Briefkastenunternehmer. Die eigentlichen Dunkelmänner sitzen demnach in den Redaktionen der beteiligten Medienkonzerne. So sind die Panama Papers vor allem eins – ein Fanal für Whistleblower, brisante Daten nicht exklusiv an Medienkonzerne zu vergeben, sondern Enthüllungsplattformen wie Wikileaks zu benutzen.

    Was haben Sie aus den Panama Papers gelernt? Dass afrikanische, russische, ukrainische und asiatische „Eliten“ korrupt sind? Geschenkt, das sollte sich eigentlich auch ohne Panama Papers bereits herumgesprochen haben. Sicher, es ist immer gut, wenn Stories über derartige Verdunklungsmaschinerien im internationalen Finanzsystem die Runde machen und zumindest für wenige Tage auch politisch debattiert werden. Dass den Debatten keine politischen Schritte folgen, gehört dabei ebenfalls zur festen Choreographie. In der nächsten Woche geht es bereits wieder um ein anderes „Thema des Tages“ und bereits in einem Monat weiß niemand mehr, wie Mossack Fonseca eigentlich geschrieben wird. Dies sind feste Rituale in unserer Aufmerksamkeitsökonomie, an denen wir nicht rütteln können und es wäre unfair, sich nun ausgerechnet die Panama Papers herauszusuchen, um diese sinnfreien Rituale zu hinterfragen.

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