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  • Wurst macht Krebs? Von Korrelationen und Kausalitäten

    geschrieben am 28. Oktober 2015 von Jens Berger

    Die zur WHO gehörende internationale Krebsforschungsagentur IARC hat sich in dieser Woche mit einer steilen These aus dem Fenster gehängt: „Wurst macht Krebs“, so die verkürzte These der Gesundheitsstatistiker, die sogleich von allen großen Medien aufgegriffen wurde – Panikmache inklusive. Ob Wurst wirklich krebserregend ist, lässt sich durch die Metastudie der IARC nämlich überhaupt nicht sagen. Aus den Daten lässt sich allenfalls schließen, dass Menschen, die sehr viel verarbeitete Fleischprodukte verzehren, statistisch häufiger bestimmte Krebsarten bekommen. Das ist ein großer Unterscheid, der jedoch im alltäglichen Empörungswahn der Medien untergeht.

    Statistik ist ein Minenfeld. Mit Hilfe der Statistik kann man wissenschaftliche Aussagen untermauern. Man kann jedoch auch wissenschaftliche Aussagen produzieren, die einer ernsthaften Prüfung nicht standhalten. Wer sich kritisch mit der Materie auseinandersetzen will, sollte dabei zunächst den Unterschied zwischen einer Korrelation und einer Kausalität kennen. Eine Korrelation liegt dann vor, wenn man aus gemessenen Daten einen nachweisbaren, also statistisch signifikanten, Trend herauslesen kann. So gibt es beispielsweise eine klare Korrelation zwischen der Körpergröße einer Person und deren Gewicht – je größer man ist, desto schwerer ist man im statistischen Durchschnitt auch. Eine Kausalität wiederum liefert einen wissenschaftlich haltbaren Grund für diesen statistischen Trend. Wer größer ist, hat auch mehr Körpermasse und ist daher auch schwerer – dies ist eine recht eindeutige Kausalität. Doch nicht immer passen Korrelation und Kausalität so schön zusammen.

    So gibt es beispielsweise auch eine regional „statistisch hoch signifikante“ Korrelation zwischen der Anzahl der Störche und der Geburtenrate. Monokausal müsste man nun daraus schließen, dass der Storch die Babys bringt, was natürlich Unfug ist. Stattdessen herrscht hier eine sogenannte dritte, die Fachleute sprechen von einer „konfundierten“, Variable vor – die Struktur der Region. In ländlichen Regionen ist die Zahl der Störche größer als in städtischen Regionen und gleichzeitig bekommen Menschen in ländlichen Regionen statistisch gesehen mehr Kinder als in städtischen Regionen. Die Korrelation ist klar, die Kausalität kommt bei diesem Beispiel erst, wenn man um die Ecke denkt.

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    Die Flucht vor der Realität

    geschrieben am 26. Oktober 2015 von Jens Berger

    Auf Einladung des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker trafen sich an diesem Wochenende die Staatschefs von zehn EU-Staaten und den drei Balkanstaaten Albanien, Mazedonien und Serbien. Heraus kam ein 17-Punkte-Plan, der unter anderem vorsieht, dass auf der Balkanroute Internierungslager für 100.000 Flüchtlinge gebaut werden. Die Ursachen der Flucht waren in Brüssel mal wieder kein Thema und auch zum Thema Finanzierung gab es keine ernsthafte Diskussion. Wieder einmal agiert die EU an der Realität vorbei – und zwar meilenweit.

    Um den EU-Mini-Gipfel zu bewerten, ist es zunächst einmal sinnvoll, sich die Wünsche und Motive der Beteiligten vor Augen zu führen. Auch wenn die Flüchtlinge selbst bei den Verhandlungen nicht Subjekt sondern Objekt waren und sind, stehen sie doch im Mittelpunkt der gesamten Debatte. Ginge es nach ihnen, wäre es natürlich primäres Ziel, die Fluchtursachen abzuschaffen. Dies steht nicht auf der politischen Tagesordnung. Sekundäres Ziel für die Flüchtlinge ist es daher, dass sämtliche Länder ihrer Transitroute die Grenzen öffnen und sie in das Land durchwinken, in dem sie Asyl beantragen wollen – meist sind dies Deutschland und Schweden. Deutschland wiederum hat jedoch kein Interesse an Flüchtlingen und somit auch kein Interesse an einem „Durchwinken“. Schon immer wünschte sich die Regierung in Berlin, dass weniger Flüchtlinge das Land erreichen und die Drecksarbeit des Internierens, Aussortierens und Abschiebens möglichst bereits weit vor der deutschen Südgrenze von anderen Staaten vorgenommen wird. Dies ist schließlich Kern des Dublin-Verfahrens, das die EU-Asylmodalitäten regelt. Davon ist übrigens auch die aktuelle Regierung nie abgewichen, auch wenn der rechte Flügel von CDU und CSU dies gerne so darstellen. Aller freundlichen Außendarstellung zum Trotz hat Angela Merkel nie „die Grenzen für Flüchtlinge geöffnet“. Sie hat lediglich die normative Kraft des Faktischen akzeptiert, indem sie Dublin für syrische Kriegsflüchtlinge einseitig außer Kraft gesetzt hat.

    Sicher, ein großer Teil der Deutschen hat Sorgen wegen der gewaltigen Flüchtlingsströme. Deutschland ist jedoch – Pegida und allen Unkenrufen zum Trotz – auch ein in Kern empathisches Land. Man will weder Robbenbabys noch Flüchtlinge leiden sehen und wenn dies doch unvermeidlich ist, dann bitte in einem Land, über das man sich selbst voll des gerechten Zorns moralisch erheben kann. Dies ist übrigens auch der Eckpfeiler der europäischen Asylpolitik – die humanitären Probleme werden an die Peripherie in Ungarn, Lampedusa und Lesbos ausgelagert, so dass wir mit uns im Reinen sind und in Sonntagsreden Solidarität predigen können. Wenn es also heute im besten Neusprech um „besseren Informationsaustausch“ und ein „gemeinsames Management der Migrationsströme“ geht, dann geht es doch eigentlich darum, die Flüchtlinge bereits auf ihrer Transitroute festzusetzen und die Drecksarbeit an die Transitstaaten auszulagern.

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    Die Ehre des DfB ist gerettet – der Spiegelfechter veröffentlicht weltexklusiv den Beweis!

    geschrieben am 22. Oktober 2015 von Jens Berger

    Der schändliche Angriff des SPIEGELs auf die Ehre der Männer, die das Sommermärchen erst möglich machten, stellt sich als infame Lüge heraus. Dem Spiegelfechter liegt ein exklusives Dokument vor, das ihm aus vertraulichen Quellen zugespielt wurde.

    From: Sepp Blatter (blatter@fifa.org)
    To: Kaiser Franz (kaiser@dfb.de)
    Date: 29. January 2002
    Subject: 250 Millionen Franken warten auf Dich!!!

    Lieber Kaiser Franz,
    meine Name ist Josef Blatter und ich bin Geschäftsmann bei ein große international Sportverband. Bei der letzten Kassenprüfung habe ich festgestellt, dass mein Vorgänger die unglaubliche Summe von 250 MILLIONEN SCHWEIZER FRANKEN auf einen Sperrkonto mit dem Namen Kaiser in Lagos, Nigeria gebucht hat. Leider komme ich nicht an das Geld. Aber Du kannst mir helfen. Für nur eine kleine Bearbeitungsgebühr kann ich das Konto Kaiser auf ihren Namen umschreiben. Ich behalten dann mein Anteil in Höhe von ein Drittel vom Geld und der Rest kannst Du behalten. Bitte sag mir schnell, ob Du mitmachen wollen.

    Dein
    Josef Blatter
    Lagos, Nigeria

    Diese Mail dürfte die Verwirrung auflösen und Wolfgang Niersbach den Rücken stärken. Niersbach stützt das exklusive Dokument auch in seiner aktuellen Presseerklärung:

    Im Januar 2002 stellte die FIFA einen Zuschuss von 250 Millionen Schweizer Franken in Aussicht. Dafür musste aber eine Art Gebühr von 10 Millionen an die FIFA gezahlt werden.

    Nun wissen wir es alle. Der DfB ist auf einen alten Trick der Nigeria-Connection hereingefallen. Damit sollte die Sache vom Tisch sein.

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    Märchenhafte Aufregung über das gekaufte Sommermärchen

    geschrieben am 19. Oktober 2015 von Jens Berger

    Die gesamte Presselandschaft war an diesem Wochenende in Aufregung. Der SPIEGEL will nämlich in seiner aktuellen Titelstory herausgefunden haben, dass Deutschland seine Sommermärchen-WM 2006 märchenhaft gekauft haben soll. Ist dies eine Sensation? Nein, eine Sensation wäre es, wenn herauskäme, dass ausgerechnet Deutschland „seine“ WM nicht gekauft haben sollte. Dennoch sind die SPIEGEL-Recherchen interessant und brisant, da sie neue Details zu den finanziellen Machenschaften des DFB aufdecken. Auch wenn die Schlussfolgerungen des SPIEGEL nicht sonderlich überzeugend sind, stellen sich durch die Recherchen neue Fragen, die eigentlich nur eine denkbare Schlussfolgerung gestatten – die aktuelle DFB-Führung muss geschlossen zurücktreten.

    Um was geht es da eigentlich?

    Als Deutschland im Jahre 2000 die Austragungsrechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 vom Fifa-Exekutivkomitee zugesprochen bekam, war die Entscheidung denkbar knapp. Nachdem die Bewerber Marokko und England in den ersten Abstimmungsrunden ausgeschieden sind, standen in der letzten Runde Deutschland und Südafrika zur Wahl. Fest auf deutscher Seite standen dabei (mehr oder weniger) lediglich die acht Delegierten des europäischen Fußballverbandes UEFA, während die sechs Delegierten der amerikanischen Verbände, die vier Afrikaner und Fifa-Präsident Blatter klar auf Seiten Südafrikas standen. Getreu der Fifa-Abstimmungsregeln, nachdem bei einem Patt die Stimme des Präsidenten doppelt zählt, brauchte Südafrika also nur noch eine „Wackelstimme“. Als potentielle Kandidaten dafür galten die vier asiatischen Delegierten und der Neuseeländer Charlie Dempsey, der den ozeanischen Verband repräsentierte. Das Ergebnis ist bekannt: Alle vier Asiaten stimmten für Deutschland und Dempsey, der eigentlich eine Weisung hatte, für Südafrika zu stimmen, verließ aus vollkommen ungeklärten Gründen vor der letzten Abstimmungsrunde Zürich und wart nie wieder bei der Fifa gesehen. Später sprach er von einem „nicht auszuhaltenden Druck“, der auf ihn ausgeübt wurde und von Morddrohungen, was er jedoch später widerrief. Deutschland bekam die WM und Dempsey nahm sein Geheimnis 2008 mit ins Grab. So weit die weitestgehend bekannte Vorgeschichte zum „Sommermärchen“.

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    Rendite mit der Flüchtlingskrise? Ein zynischer Vorschlag der Weltbank will dies ermöglichen

    geschrieben am 13. Oktober 2015 von Jens Berger

    Nicht nur in Deutschland sind die Kosten für die Flüchtlingskrise ein Politikum. Vor allem für Staaten wie den Libanon, Jordanien und die Türkei stellen die Mio. Kriegsflüchtlinge aus Syrien eine gigantische finanzielle Herausforderung dar. Noch nicht einmal die direkten Hilfsprogramme sind aktuell ausreichend finanziert. Auf den indirekten Kosten bleiben die betroffenen Staaten ohnehin sitzen. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat die Weltbank sich einen ganz besonderen Plan ausgedacht: Künftig sollen die betroffenen Staaten über die Weltbank Anleihen herausgeben, die von privaten Investoren, also Banken, Versicherungen und Fonds, erworben werden und deren Rückzahlung von den „Geberländern“ garantiert wird. Das hört sich nicht nur zynisch an, sondern ist auch im höchsten Maße zynisch.

    Alleine die Türkei (zur Zeit 2,1 Mio. syrische Flüchtlinge) hat bislang nach eigenen Angaben rund sechs Mrd. Dollar für die direkte Bewältigung der Flüchtlingskrise aufbringen müssen. Gemessen an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspräche dies auf Deutschland übertragen einer Summe von 26 Mrd. Dollar. Nicht nur was die Kosten angeht, wird die Türkei dabei weitestgehend allein im Regen stehen gelassen. Bislang hat Ankara lediglich Beihilfen in Höhe von 417 Mio. Dollar bekommen – davon nur 165 Mio. Dollar von der EU. Noch dramatischer sieht es in den ohnehin armen Nachbarstaaten Libanon und Jordanien aus, die mit 1,1 Mio. bzw. 630.000 syrischen Flüchtlingen am Rande ihrer Leistungsfähigkeit stehen.

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