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  • Bewusstlosigkeit, Amnesie, Lüge – mehr bleibt nicht

    geschrieben am 24. Februar 2011 von Spiegelfechter

    ein Gastartikel von Sven Haenke

    Die BILD verkündet, dass bei ihrer Teflon-Abstimmung 87% der Bürger wollen, dass Guttenberg im Amt bleibt. Interessant ist, dass derzeit das wichtigste Argument für Guttenbergs Verbleib im Amt die Zustimmung der Bevölkerung ist. In vielen Medienberichten wurde das Thema der mit teilweise sehr fragwürdigen Methoden gemessenen Beliebtheit sehr stark in den Vordergrund gestellt. Es wurde in einigen Umfragen sehr früh über ein Thema abgestimmt, über dessen sachliche Hintergründe die Bürger in weiten Teilen noch nicht ausreichend informiert sind.

    Derzeit behauptet der Verteidigungsminister, er habe zwar Fehler gemacht und diese auch zugegeben. Er habe jedoch nicht absichtlich betrogen. Die Universität Bayreuth hat zu dem Thema „absichtlicher Betrug“ oder „versehentliche Fehler“ noch keine Stellungnahme abgegeben. Sie wird zu Recht in dieser wichtigen Frage Fachleute urteilen lassen müssen.

    Nun stellt sich die Frage, ob Guttenberg, an dieser Behauptung, die er jetzt gleichsam zur Entscheidungsfrage gemacht hat, festhalten kann.

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    172 Kommentare

    Guttenberg bedankt sich bei der BILD

    geschrieben am 23. Februar 2011 von Spiegelfechter

    Ergänzung zum Artikel Die Pro-Guttenberg-Kampagne im Zwielicht

    Wie die Financial Times in ihrer morgigen Ausgabe melden wird, beabsichtigt das Verteidigungsministerium schon im nächsten Monat eine Werbekampagne für neue Rekruten zu schalten. Diese Kampagne soll pikanterweise exklusiv in den Springer-Medien BILD, Bild am Sonntag und den dazugehörigen Online-Angeboten laufen. Zum Volumen dieser Kampagne machte das Ministerium keine Angabe.

    Wenn man diese Meldung mit der tapferen Pro-Guttenberg-Berichterstattung der BILD-Zeitung in Verbindung setzt, ist dies ein handfester Skandal, der eine parlamentarische Untersuchung erfordert. Der Verdacht, Baron zu Guttenberg könnte sich auf diese Art und Weise bei der BILD-Zeitung für deren treue Unterstützung seiner Person bedanken, liegt förmlich auf der Hand. Warum schaltet die Bundeswehr ihre Kampagne nicht in anderen – kritischeren – Medien, die ebenfalls von der Zielgruppe gelesen werden?

    Dieser Vorgang ist einer Bananenrepublik würdig. In einer transparenten Demokratie dürfen solche Fälle von Korruption und Amtsmissbrauch nicht passieren. Wenn Baron zu Guttenberg sich denn schon bei der BILD erkenntlich zeigen will, so kann er dies gerne tun – aber aus seinem Privatvermögen und nicht mit Steuergeldern.

    Jens Berger

    200 Kommentare

    Die Pro-Guttenberg-Kampagne im Zwielicht

    geschrieben am 23. Februar 2011 von Spiegelfechter

    Die BILD-Zeitung ist ja bereits seit längerem für ihre innige und unverbrüchliche Freundschaft zum ehemaligen Unions-Shooting-Star Karl-Theodor zu Guttenberg bekannt. Egal, was zu Guttenberg vorgeworfen wird, die BILD steigt für den adeligen Hoffnungsträger des Neokonservatismus in den Ring. Selbstverständlich macht sich die BILD auch in bester Nibelungentreue bei der Verteidigung des Selbstverteidigungsminister stark, seit er durch seine abgeschriebene Dissertation ins Sperrfeuer der öffentlichen Kritik geriet. BILD ist das Blatt des Volkes. Was das Volk eigentlich will, schert zwar die BILD nicht. Dafür legt die BILD aber größtes Interesse darauf, dass das Volk will, was die BILD will. Nur will das Volk leider trotz massiver BILD-Propaganda dem ehemals beliebtesten Politiker Deutschlands offenbar nicht länger die Stange halten. In einer Online-Umfrage der BILD, an der sich – laut BILD-Angaben – sensationelle 619.000 Leser beteiligt haben, stimmen 55% der Leser dafür, dass zu Guttenberg zurücktreten soll. Nur 36% folgen der BILD-Meinung, er mache seinen Job gut. Sogar in Springers Guttenberg-Fan-Postille vertritt also die Mehrheit der Leser offenbar die Meinung, Guttenberg solle zurücktreten. In anderen Medien, wie beispielsweise tagesschau.de, fällt die Guttenberg-Ablehnung noch deutlich größer aus.

    Was nicht passt, wird passend gemacht

    Natürlich würde die BILD gerne schreiben, dass das Volk bis zum bitteren Ende mehrheitlich treu hinter Guttenberg steht – nur fehlen ihr dafür ganz offensichtlich die Daten. Wenn schon die eigene Leserschaft online anderer Meinung ist, so muss man halt offline fragen. Genau das tut die BILD-Zeitung heute groß angelegt via Titelseite. “Heute stimmt Deutschland ab! Der Guttenberg-Entscheid!” Interessierte können ihre Stimme per Telefon (kostenpflichtig), Fax (kostenpflichtig) oder per Brief (kostenpflichtig) abgeben – die Stimmabgabe über das Netz oder per E-Mail ist nicht vorgesehen. Was nicht passt, wird passend gemacht. Wenn es also schon nicht mit den “normalen BILD-Lesern” klappt, dann sollte es doch gefälligst mit den Lesern, die dumm genug sind, für eine Umfrage auch noch Geld auszugeben, wohl besser klappen. Um die Leser auch auf die richtige Stimmgabe einzuschwören, trommelt die BILD natürlich in der gleichen Ausgabe wieder einmal kräftig für ihren Helden und suggeriert dabei – sachlich falsch -, dass hier die Meinung der Mehrheit des Volks gegen die Meinung der Politik und der Medien stünde. Wobei es schon mehr als paradox erscheint, dass sich die BILD offensichtlich selbst nicht zu den Medien rechnet. Spannend ist jedoch die Frage, was die BILD mit dem Ergebnis des großen “Guttenberg-Entscheids” machen wird, wenn das Votum nicht im Sinne der BILD ausfallen sollte.

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    288 Kommentare

    Ein Cable aus Kairo

    geschrieben am 23. Februar 2011 von Spiegelfechter

    Gestern wurde ich per Mail auf ein Cable aufmerksam gemacht, dass kürzlich vom Telegraph veröffentlicht wurde und in dem die US-Behörden sich über die US-Reise eines ägyptischen Aktivisten austauschen. Dieses Treffen fand im Dezember 2008 in New York statt und wurde von verschiedenen privaten Sponsoren und dem US-Außenministerium unterstützt.

    Dabei sei angemerkt, dass solche internationalen Treffen keine Ausnahme sind und es häufiger passiert, dass Demokratie-Aktivisten aus Diktaturen, die vom Westen unterstützt werden, ausgerechnet von den Außenministerien dieser Länder zum Erfahrungsaustausch eingeladen werden. Ich selbst hatte im letzten Jahr das Vergnügen, auf einer Veranstaltung des auswärtigen Amtes vor einer internationalen Blogger-Gruppe (es war auch ein Vertreter aus Ägypten eingeladen) über das politische Web 2.0 in Deutschland zu referieren und im Rahmen der Veranstaltung auch Hintergrundgespräche mit den Gästen zu führen, die erstaunlicherweise mit mir mehr Überschneidungspunkte hatten als mit dem Auswärtigen Amt. Von daher kann ich die Überschrift des Telegraphs (“Geheime US-Dokumente enthüllen Unterstützung für Demonstranten”) auch nicht so recht nachvollziehen, zumal aus dem Cable klar hervorgeht, dass der eingeladene Aktivist alles andere als zufrieden mit der Politik der USA und der involvierten NGOs ist:

    xxxxxxxxxxxx asserted that Mubarak derives his legitimacy from U.S. support, and therefore charged the U.S. with \”being responsible\” for Mubarak’s \”crimes.\”
    He accused NGOs working on political and economic reform of living in a \”fantasy world,\” and not recognizing that Mubarak — \”the head of the snake\” — must step aside to enable democracy to take root.

    Ginge es nur um diesen Besuch, wäre das Cable wertlos und nichtssagend. Doch es enthält eine Passage, die hochinteressant ist und den meisten Expertenstatements diametral widerspricht:
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    37 Kommentare

    Aufrüsten im Kampf um die virtuelle Meinungshoheit im Netz

    geschrieben am 22. Februar 2011 von Spiegelfechter

    Geleakte Mails eines amerikanischen IT-Sicherheitsdienstleisters legen nahe, dass Spezialisten bereits an Softwarelösungen arbeiten, mit denen die Diskussion in sozialen Netzwerken manipuliert werden soll

    Regelmäßige Leser von Blogs, Foren und Internetseiten, deren Artikel ausgiebig von Lesern kommentiert werden, kennen die Situation: Da hat die Mehrheit der Kommentatoren im weitesten Sinne zu einem Konsens gefunden und plötzlich kommt ein einsamer Kommentator daher und argumentiert mit Inbrunst gegen die virtuelle Meinungshoheit an.

    Oft handelt es sich bei diesen Kommentatoren um gelangweilte Menschen, die sich ganz einfach einen Spaß daraus machen, die Kontraposition zu übernehmen und die Mehrheit zu ärgern. Es ist allerdings auch bekannt, dass PR-Agenturen und politische Vorfeldorganisationen professionell in sozialen Netzwerken verdeckt unterwegs sind, um für Unternehmen Öffentlichkeitsarbeit zu leisten oder politischen Einfluss auf Online-Diskussionen zu nehmen.

    Meist lässt der professionelle Hintergrund dieses “Astroturfings” jedoch zu wünschen übrig und die Betreiber von Onlineplattformen erkennen relativ schnell, ob es sich bei den Kommentatoren um reale Personen oder sogenannte “Sockenpuppen” handelt. Solange hinter jeder virtuellen Person eine reale Person steckt, sind solche virtuellen Guerilla-Kriege auch relativ kostenintensiv, da wirklich professionelle Schreiber nicht auf 400-Euro-Basis arbeiten, und der technische Aufwand, eine virtuelle Identität zu erstellen, die nicht bereits nach kurzer Zeit vom Betreiber enttarnt und gesperrt wird, relativ zeitaufwendig ist.

    Wenn der Kampf um die Meinungshoheit im Netz erfolgreich sein will, muss die Zahl der virtuellen Agitatoren hoch, ihr Hintergrund “sauber” und ihr Zusammenspiel perfektioniert sein. Eine einzelne Person kann nur schwer die Mehrheitsmeinung drehen, zumal viele Mitläufer, die sich an der Mehrheitsmeinung ausrichten, Widersprüche gegen die Mehrheitsmeinung oft instinktiv ablehnen. Wenn beispielsweise die übergroße Mehrheit Stimmung gegen den aufgeflogenen Plagiator Guttenberg macht, können ein paar versprengte Jungunionisten die Diskussion nicht mehr drehen.

    Wenn die Zahl der Verteidiger allerdings größer ist als die der Angreifer, und die Verteidiger kunstvoll argumentativ Ping-Pong spielen, so entsteht beim unbedarften Leser der Eindruck einer ausgeglichenen Diskussion ohne eine echte Meinungshoheit. Bei abstrakten oder komplexeren Themen kann man mit einer kleinen Armee von Sockenpuppen auch ohne weiteres eine Meinungshoheit simulieren, die es so nicht gibt, und dabei neutrale oder thematisch uninformierte Leser auf seine Seite ziehen.

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