Direkt zum Inhalt

  • Suchen

  • RSS Feeds

  • Letzte Kommentare

  • Saudi-Arabien – der große Brandstifter am Golf

    geschrieben am 05. Januar 2016 von Jens Berger

    Saudi-Arabien bricht vermeintlich grundlos einen Konflikt mit Iran vom Zaun. Wie so oft geht es dabei vor allem um Ablenkung. Sowohl nach außen (Syrien, Jemen) als auch nach innen (Massenhinrichtungen) schlägt Saudi-Arabien seit ein paar Monaten wild um sich. Die Wüstenmonarchie ist sicherlich der rückständigste und von so etwas wie Freiheit und Menschenrechten am weitesten entfernteste Staat der Welt – eine lupenreine Despotie, die geistig im Mittelalter steckengeblieben ist und um die sich kein Mensch scheren würde, wäre Saudi-Arabien nicht zugleich größter Erdölförderer und damit steinreich. Doch eben diese vermeintliche Stärke droht das Land und seinen brüchigen inneren Frieden durcheinander zu bringen. Die Zeiten der hohen Ölpreise sind nämlich erst einmal vorbei und das steinreiche Saudi-Arabien kann es sich plötzlich nicht mehr leisten, Stabilität zu kaufen. Der ehemalige Stabilitätsanker der Region ist in äußerste Instabilität geraten und droht schon bald zu kollabieren. Es könnte zum Jahresbeginn wohl kaum eine schlechtere Nachricht geben.

    Früher war zwar auch am Persischen Golf nicht alles besser, aber doch vieles deutlich einfacher. Zu Zeiten der saudischen Könige Faisal, Chālid und Fahd war Saudi-Arabien dem Klischee nach die Tankstelle der Welt, die sich – wenn überhaupt – vor allem mittels Scheckbuch-Diplomatie international engagierte. Oberflächlich gesehen mag das zwar sogar zutreffen, wer jedoch an liebgewonnenen Klischees festhält, wird die aktuellen Ereignisse auf der arabischen Halbinsel und darüber hinaus nicht verstehen.

    Schutzgeld für den Islam

    Streng genommen erblickte das „moderne“ Saudi-Arabien im Jahre 1973 das Licht der Welt. Als Reaktion auf die US-Unterstützung für Israel im Yom-Kippur-Krieg verstaatlichte die Dynastie der al-Sauds zwischen 1973 und 1980 den ehemals amerikanischen Öl-Monopolisten Aramco – und da Saudi-Arabien eine der letzten absolutistischen Monarchien ist, heißt dies nichts anderes, als dass die al-Sauds sich das Ölreichtum des Landes selbst unter die Nägel rissen. Von diesem Zeitpunkt an betreibt das saudische Königshaus eine äußerst interessante Scheckbuch-Politik, mit der die offensichtlichen Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit der Herrscherfamilie gekittet werden sollen. Auf der einen Seite feiern saudische Prinzen mit Alkohol, Drogen und europäischen Callgirls ausgelassene Orgien am Cap d´Antibes oder in Marbella. Auf der anderen Seite sieht sich die Dynastie der al-Sauds jedoch auch als oberste klerikale Instanz der wohl extremsten ultrakonservativen Form des Islam – des Wahabismus. Auf der einen Seite unterstützt Saudi-Arabien die USA in ihrem Kampf gegen den Terror und kämpft auch selbst gegen den IS und die Muslimbrüderschaft an. Auf der anderen Seite gilt Saudi-Arabien jedoch auch als größter und bedeutendster Sponsor des religiösen Extremismus, des Islamismus und des islamitischen Terrorismus. Wie passt das Alles zusammen?

    Weiterlesen auf den NachDenkSeiten

    40 Kommentare

    Alle Jahre wieder …

    geschrieben am 24. Dezember 2015 von Jens Berger

    Liebe Leser,

    es gab eine Menge zu berichten im Jahr 2015. Es ging um Krieg, um Wirtschaft, um Menschenrechte, Flüchtlinge und die Gelassenheit der “Ewigen Raute”. Im kommenden Jahr wird vieles Schlimmer werden – doch wer an das Gute glaubt, hofft darauf, dass einiges besser wird.

    Wir vom Spiegelfechter wünschen Euch ein frohes Fest und einen guten Rutsch! Wir möchten auch gleich die Gelgenheit nutzen, uns bei Euch für Eure Treue und für Eure Spenden zu bedanken. Wer noch nicht gespendet hat, kann das gerne nachholen … hier steht, wie´s geht.

    Ein Blog ist lebendiges Medium, ohne Euch wäre der SPIEGELFECHTER nichts. Die Kommentare sind das Salz in der Spiegelfechtersuppe – auch wenn die Suppe am Ende manchmal ein wenig zu salzig ist ;-)

    Feiert schön und nutzt die freien Tage, um das Leben zu genießen. Da wir trotz ausgiebiger 10 Minuten-Recherche im Netz nichts “lustiges” oder “besinnliches” oder gar “lustig besinnliches” finden konnten, um unser Blog zu Weihnachten mit fremden Federn zu schmücken, von uns aber dennoch erwartet wird, dass wir zu Weihnachten irgendetwas tolles Multimediales bringen, schicken wir Euch halt mit dem Weihnachtslied eines talentierten älteren Engländers ins Fest:

    Frohe Weihnachten wünschen Eure Spiegelfechter,
    Jens und Tom

    61 Kommentare

    Die Ente vom finnischen Grundeinkommen

    geschrieben am 09. Dezember 2015 von Jens Berger

    „Die finnische Regierung bereitet offenbar ein monatliches Grundeinkommen für jeden Erwachsenen vor“, so schrieb es die FAZ am Montag unter der Überschrift „800 Euro Grundeinkommen – für jeden“. Der Focus ging gestern noch einen Schritt weiter und machte aus dem „offenbar“ der FAZ eine Tatsache:„Finnland hat angekündigt, ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger einzuführen“. Der Independent, der Telegraph, Forbes, CNN und viele andere Größen der internationalen Medienwelt verbreiteten ebenfalls diese Meldung, deren einzige „Quelle“ offenbar der Onlinedienst Quartz war. Papageienjournalismus in Reinkultur. Natürlich überschlugen sich auch die sozialen Medien und auch wir von den NachDenkSeiten bekamen zum Thema einige Leserzuschriften. Leider machte sich keines der zahlreichen großen Medienhäuser daran, diese Story einmal zu überprüfen. Das war ein großer Fehler. Gestern äußerte sich nämlich auch die finnische Sozialversicherungsanstalt, die den Berichten zufolge federführend an der Umsetzung des Grundeinkommens arbeiten soll, zu den Meldungen: Alles Quatsch, so das Fazit der Pressemeldung der Kela. Und das ist wohl auch gut so für die allermeisten Finnen, denn der abgedruckte „Plan“ ist nicht nur eine waschechte Ente, sondern auch eine hanebüchene Eselei.

    Zum Thema „Grundeinkommen“ sind auf den NachDenkSeiten zahlreiche meist kritische Artikel erschienen. So setzte ich mich beispielsweise 2012 mit den „Konstruktionsfehlern des Grundeinkommen“ auseinander. In diesem Artikel beschäftige ich mich auch ausführlich mit der Finanzierung des Grundeinkommens; ein Thema, das ich beim finnischen Modell erst gar nicht anschneide.

    In Finnland wird das Thema „bedingungsloses Grundeinkommen“ schon seit den 1980ern debattiert. Dort sind es vor allem die Grünen, die dieses Thema immer wieder auf die Tagesordnung heben wollen. Auch die in Finnland regierenden Konservativen und die mitregierende wirtschaftsliberale Zentrumspartei sind im Grundsatz Freunde des Grundeinkommens. Nur Gewerkschaften und Sozialdemokraten lehnen das Grundeinkommen kategorisch ab. Warum?

    Weiterlesen auf den NachDenkSeiten

    171 Kommentare

    Ein Brief aus Frankreich

    geschrieben am 07. Dezember 2015 von Jens Berger

    Der Sozialwissenschaftler Götz Eisenberg, den sicher viele Spiegelfechter-Leser von seinen tollen Artikeln auf den NachDenkSeiten kennen, hat einen Brief von der in Frankreich lebenden Schriftstellerin Birgit Vanderbeke bekommen. Götz Eisenberg und Birgit Vanderbeke haben uns die Erlaubnis erteilt, diesen spannenden Text bei uns abzudrucken. Viel Spaß beim Vermehren der gewonnen Einsichten.

    Lieber Götz Eisenberg,

    hier haben wir also den Ausnahmezustand, der zunächst nur für drei Monate beschlossen wurde, inzwischen aber für sechs weitere Monate gelten soll und sich scheußlich anfühlt.

    Morgen sind Regionalwahlen, und ab übermorgen wird flächendeckend der Front National in die Verwaltungen einziehen, die sich mit allen möglichen Themen der französischen Infrastruktur zu befassen haben, nur ausgerechnet nicht mit der „nationalen Sicherheit“.

    Zu diesem Thema habe ich mir die letzten Wochen heftig den Kopf zerbrochen, einfach um herauszukriegen, was genau passiert ist, und ich bin zu folgender Diagnose der Wirklichkeit gekommen:

    Am 13. November haben ein paar junge Männer aus den französischen Banlieues und einem Brüssler „Problem“-Vorort in Paris ein Massaker angerichtet (zwei der im Bataclan Getöteten waren Freunde unseres Sohnes, sie waren mit ihrem vierjährigen Kind und der Großmutter im Konzert gewesen, und alle drei Erwachsenen sind erschossen worden, das Kind wurde vier (!) Stunden nach dem Attentat lebendig unter den Leichen seiner Angehörigen entdeckt).

    Die jungen Männer hatten Kontakt zum Daesh, der vorwiegend im Irak, in Syrien und im Libanon unterwegs ist und unter anderem von Freunden der westlichen Welt, also Frankreichs, Europas sowie der USA finanziert wird, nämlich von Saudi-Arabien und Katar, außerdem indirekt von der Türkei, die seine Rohöl-Exporte ermöglicht.

    Frankreich wurde Minuten nach dem Attentat in den Kriegszustand versetzt (natürlich nicht gegen seine Vororte, mit denen es allerdings Krieg führt, wenngleich einen, der nicht erklärt worden ist), verstärkt seine militärischen Operationen in Syrien und bittet andere europäische Länder um Beistand, woraufhin Deutschland in nachbarschaftlicher Solidarität eine militärische Unterstützung für den Krieg in Mali anbietet (das war noch vor dem Radisson-Attentat). Das klingt logisch, weil alles, was in Pariser Vororten geplant wird, unmittelbar mit Mali zusammenhängt. In Mali gibt es außer Gold, vermutlich Öl, Uran und seltenen Erden leider nichts zu holen, also handelt es sich dort um einen heldenhaften Krieg um westliche Werte seitens der Franzosen, der unbedingt unterstützenswert ist.

    Den Artikel weiterlesen »

    63 Kommentare

    Das Märchen vom heiligen Mark

    geschrieben am 04. Dezember 2015 von Jens Berger

    Nein, was waren wir alle gerührt. Am Dienstag verkündeten Facebook-Chef Mark Zuckerberg und dessen Frau Priscilla Chan via Facebook nicht nur die Geburt ihres Töchterleins Max, sondern auch gleich noch eine vermeintlich edle Tat, die – darin sind sich die Medien einig – ihres gleichen sucht: 99% des Zuckerberg-Vermögens, und das sind laut Zuckerberg immerhin 45 Milliarden Dollar, sollen über die Jahre hinweg in eine Gesellschaft namens Chan Zuckerberg Initiative gehen; eine angeblich gemeinnützige Stiftung, deren Ziel es sein soll, die Welt zu retten. Ach, wie herzergreifend und das kurz vor Weihnachten. Leider ist nichts davon wahr. Das Märchen vom heiligen Mark ist vielmehr eine vorweihnachtliche PR-Nummer, die ihresgleichen sucht. Von Jens Berger

    Wer sagt denn, dass es auf SPIEGEL Online keine Märchen zu lesen gäbe? Unter der Überschrift „Deutschlands ehrlose Erben“ bekam man dort gestern folgendes zu lesen:

    „Bei Familie Zuckerberg im kalifornischen Menlo Park war diese Woche schon Bescherung. Mark Zuckerberg, Chef von Facebook, nahm die Geburt seines ersten Kindes zum Anlass, fast sein ganzes Vermögen zu verschenken. Und zwar an die Allgemeinheit: 99 Prozent seiner Firmenanteile, Börsenwert derzeit etwa 45 Milliarden Dollar, sollen in den nächsten Jahren für wohltätige Zwecke ausgegeben werden. Lediglich ein Prozent behält Zuckerberg für seine Familie und Töchterchen Max zurück“.

    An diesem Absatz ist so ziemlich alles falsch, sogar der Wohnsitz der Familie Zuckerberg, die eigentlich die Familie Chan-Zuckerberg ist und nicht in Menlo Park, sondern in Palo Alto lebt. Aber das sind nur Kleinigkeiten. Wichtiger ist, dass es beispielsweise nicht zutrifft, dass Zuckerberg „fast sein ganzes Vermögen verschenkt“ hätte. Er hat vielmehr zusammen mit seiner Frau eine Absichtserklärung abgegeben, zu Lebzeiten 99% seiner Facebook-Aktien aus dem Privatvermögen in ein Firmenvermögen zu transferieren. Alles schön langsam und peu à peu. In den nächsten Jahren will er beispielsweise Aktien im Wert von maximal einer Milliarde Dollar umschichten. Die neue Vermögensverwaltung der Chan-Zuckerbergs trägt den Namen Chan Zuckerberg Initiative LLC – wobei das Kürzel LLC für Limited Liability Company steht, dem US-Pendant der deutschen GmbH. Gemeinnützig ist daran erst einmal nichts. Und bis Zuckerbergs Lebzeiten beendet sind, wird er natürlich weiterhin bestimmender Großaktionär von Facebook bleiben. Dabei ist es unerheblich, ob er die Aktien direkt oder indirekt über die LLC hält, die er natürlich ebenfalls voll kontrolliert.

    Weiterlesen auf den NachDenkSeiten

    99 Kommentare
    Seite 9 von 122« Erste...891011...2030...Letzte »