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  • Regierungs-PR und Pseudojournalismus auf Kosten der Gebührenzahler

    geschrieben am 27. September 2011 von Jens Berger

    Als der CNN-Mann Peter Arnett im Jahre 1997 als erster westlicher Journalist den Terrorfürsten Osama Bin Laden interviewen durfte, musste er zuvor seine Fragen schriftlich vorlegen. Um unangenehme Nachfragen zu verhindern, sorgte bin Ladens PR-Abteilung dafür, dass während des gesamten Interviews kein Dolmetscher vor Ort war. So kam es, dass Arnett das Interview seines Lebens führte, ohne zu verstehen, was sein Gegenüber sagte und ohne dass er in der Lage gewesen wäre, an interessanten Punkten nachzuhaken. Da hatte es Günther Jauch an diesem Sonntag mit Angela Merkel schon bedeutend einfacher, immerhin sprechen sie beide die gleiche Sprache. Dennoch machte Jauch von seinem Recht, Nachfragen zu stellen und an interessanten und kontroversen Punkten nachzuhaken, keinen Gebrauch. Jauch fühlte sich offensichtlich wie Arnett gebauchpinselt, dass er ein 60-minütiges Exklusivinterview mit einer Person führen durfte, die ansonsten keine Exklusivinterviews gibt. So verkam die Sendung zu einer faden PR-Veranstaltung für die Bundeskanzlerin und markierte dabei einen neuen Tiefpunkt im öffentlich-rechtlichen Reigen der journalistischen Minderleistungen.

    Diese Politfiguren dürfen dann in den öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten bei den Klofrauen Christiansen und Illner ihre Sprechblasen entleeren. Und wenn bei der intellektuellen Notdurft noch was nachtröpfelt, dann können sie sich bei Beckmann und Kerner an der emotionalen Pissrinne unter das Volk mischen.
    Georg Schramm

    PR beim Grüßaugust

    Wenn sich die Kanzlerin dazu entschließt, eine Talk-Show durch ihre exklusive Anwesenheit zu adeln, verbindet sie dies stets mit einem ganz konkreten Ziel. Ihre beiden letzten Exklusivauftritte bei Anne Will und Maybrit Illner liegen nun bereits zwei Jahre zurück und waren fester Bestandteil in Merkels PR-Offensive im Superwahljahr 2009. Dass Will und Illner nicht über höfliche Belanglosigkeiten und artig vorgelesene Steilvorlagen für die Wahlkämpferin hinauskamen, konnte damals wie heute Kenner der Materie nicht wirklich überraschen. Die großen Abendtalkshows der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zeichnen sich seit jeher durch ihre bedingungslose Kritiklosigkeit an den Mächtigen aus und ihre kärtchenhaltenden Impresarios gefallen sich offenbar gut in der Rolle des netten Grüßaugusts.

    Weilter auf den NachDenkSeiten

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    Da geht er hin…

    geschrieben am 26. September 2011 von Thorsten Beermann

    ein Gastartikel von Thorsten Beermann

    Der Papst war da. Wer die letzten zwei Wochen nicht in einer Höhle ohne Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet verbracht hat, kann das kaum übersehen haben. Bereits im Vorfeld versuchten die Medien nahezu unisono eine nationale Begeisterung herbei zu schreiben und sämtliche Kritiker (besonders die Bundestagsabgeordneten, die angekündigt hatten, der Rede fern zu bleiben) als Querulanten und Miesmacher darzustellen. Im Nachhall mehren sich langsam die kritischen Stimmen. Die allerdings kommen überwiegend von Gastautoren. In den Redaktionen und von den regelmäßigen Kolumnenschreibern wird mindestens ebenso emsig versucht, ein positives Fazit der Visite zu ziehen, auch wenn Ratzinger genau das Gegenteil von dem von sich gegeben hat, was die Menschen hören wollten und was ihrer Lebenswirklichkeit entsprochen hätte. Man muss ihm, um es mit ihm aufzunehmen, nicht mal die Missbrauchsfälle vorwerfen, auch wenn man es könnte, da seine Beteiligung an der Vertuschung mittlerweile als gesichert angesehen werden kann. Nein, an dieser Stelle sollen tatsächlich nur die Inhalte durchleuchtet werden. Wie könnte ein ehrliches Fazit dieses Besuchs ausfallen?

    Schöne Bilder, doch was steckt dahinter?

    Die Bilder der Andachten in Berlin und Freiburg sind, je nach Standpunkt, Dokumente wunderbarere religiöser Eintracht oder fürchterlicher Indoktrination junger Menschen. Die Befürworter von Papst und Besuch sehen allein in den Besucherzahlen schon einen Beleg der Notwendigkeit von Religion und Kirche allgemein und eine Zustimmung zu diesem Papst und seinen Inhalten im Besonderen. Das wäre allerdings in etwa so, als würde man anhand der Verkaufszahlen nachweisen wollen, dass Britney Spears eine überdurchschnittlich begabte Musikerin ist.

    Näher an der Wahrheit dürfte sein, dass der Großteil der schon anlässlich des Weltjugendtages 2005 zur „Generation Benedikt“ erklärten Jugendlichen, so weit sie ihrem Oberhaupt überhaupt ernsthaft zugehört haben sollen, im Alltag (zum Glück) wenig bis keine Bedeutung beimisst. Der Papstbesuch ist ein Event, ein Feiern einer gemeinsamen (Sub-) Kultur und das bestätigen einer gemeinsamen Identität oder zumindest eines Identitätsaspekts, wie auf einem Rockfestival oder einer Sport-Großereignis. Alle diese Erlebnisse mögen einem ein paar Tage frischen Schwung geben, doch letztendlich kehrt man zurück in sein normales Leben und hängt das Pilgergewand genau so in den Schrank zurück wie das Bandshirt oder den Fanschal.
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    119 Kommentare

    Warum Eurobonds?

    geschrieben am 23. September 2011 von Jens Berger

    Wie wir aus zahlreichen Zuschriften wissen, gibt es bei unseren Lesern ein großes Interesse am Thema Eurobonds. Zeit, sich dieses Thema einmal ausführlicher anzunehmen, zumal viele klassische Medien sich bei der Berichterstattung nicht eben mit Ruhm bekleckern und verschiedene Interessengruppen gezielt Desinformation streuen.

    Der Status quo

    Jedes Euroland ist selbst für die Ausgabe seiner Anleihen verantwortlich. In Deutschland ist beispielsweise die Finanzagentur im Auftrag des Finanzministeriums für das Schuldenmanagement des Bundes zuständig. Vereinfacht stellt sich das folgendermaßen dar: Das Finanzministerium sagt, zu welchem Zeitpunkt der Bund Geld benötigt und die Finanzagentur versteigert die Bundesanleihen so, dass sie zeitlich mit den anderen Zahlungsverpflichtungen des Bundes abgestimmt sind. Bei der Versteigerung erhalten die Bieter den Zuschlag, die den jeweils höchsten Kurswert versprechen, der mit der niedrigsten Verzinsung einhergeht. Sämtliche Euroländer haben vergleichbare Mechanismen, um Käufer für ihre jeweiligen Anleihen zu finden.

    Zu welchem Zins Anleihen ausgegeben werden, hängt somit einzig und allein von der Bereitschaft der Käufer ab. Die „goldene Regel“ der Kreditvergabe besagt, dass ein höheres Risiko mit einem höheren Zins einhergeht. Nicht erst seit der Einführung des Euros gilt die Bundesanleihe aufgrund ihres geringen Risikos als Benchmark für andere Anleihen. In Finanzkreisen wird daher auch vom sogenannten „Bund-Spread“ gesprochen – also der Zinsdifferenz einer Anleihe zur jeweils vergleichbaren Bundesanleihe. Vor der Finanzkrise lag dieser „Bund-Spread“ für südeuropäische Anleihen meist nur bei geringen 20 bis 30 Basispunkten – das bedeutet, dass Länder wie Spanien oder Italien lediglich 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte höhere Zinsen als Deutschland zahlen mussten.

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    Bildnachweis: Der wunderbare Cartoon stammt vom wunderbaren Klaus Stuttmann

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    Empörte Ökonomen (IX und X)

    geschrieben am 23. September 2011 von Gastautor

    Dt. Übersetzung: Gerhard Rinnberger

    Fehlbehauptung #9: Der Euro ist ein Schutzschild gegen die Krise

    Der Euro soll einen Schutzschirm gegen die globale Finanzkrise darstellen. Schliesslich hat der Wegfall der Wechselkurse zwischen den europäischen Währungen einen zentralen Faktor von Instabilität ausgeschaltet. Aber der Euro hat uns nicht geschützt: Europa ist tiefgreifender und für einen längeren Zeitraum hinweg von der Krise betroffen als der Rest der Welt. Dies ist darauf zurückzuführen, wie diese Währungsunion geschaffen wurde.

    Seit 1999 hat die Eurozone ein relativ schwaches Wachstum erlebt und ein zunehmendes Auseinanderdriften der Staaten hinsichtlich Wachstum, Inflation, Beschäftigung und Aussenhandelsungleichgewicht. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen der Eurozone neigen dazu, ähnliche makroökonomische Maßnahmen auf Länder anzuwenden, die sich in unterschiedlichen Lagen befinden, und haben das Missverhältnis im Wachstum zwischen den Mitgliedsstaaten verstärkt. In den meisten Staaten, insbesondere den größeren, regte die Einführung des Euro, im Gegensatz zu den Versprechungen, kein Wachstum an. In anderen Staaten hat ein solches Wachstum stattgefunden, allerdings zum Preis von Ungleichgewichten, die sich als schwer abzufangen erwiesen haben. Monetäre und fiskalische Orthodoxie, flankiert vom Euro, haben die gesamte Last der Anpassung dem Faktor Arbeit aufgebürdet. Insgesamt wurden eine Flexibilisierung der Arbeit und maßvolle Lohnabschlüsse vorangetrieben, der Anteil der Einkünfte abhängig Beschäftigter am Gesamteinkommen wurde geringer und die Ungleichverteilung wurde vergrößert.

    Sieger in diesem Rennen nach unten war Deutschland, das in der Lage war, riesige Aussenhandelsüberschüsse auf Kosten seiner Nachbarn, und vor allem seiner Beschäftigten zu erzielen. Deutschland hat niedrige Arbeitskosten und Sozialleistungen eingeführt, was diesem Land gegenüber seinen Nachbarn, die ihre eigenen Beschäftigten nicht so übel behandeln konnten, einen Wettbewerbsvorteil verschafft hat. Der deutsche Aussenhandelsüberschuß ist für das Wachstum in anderen Ländern nachteilig. Zahlungs- und Handelsbilanzdefizite der einen sind nur das unvermeidliche Gegenstück zu den Überschüssen der anderen Mitgliedsstaaten. Generell gesagt waren die Mitgliedsstaaten nicht in der Lage, eine koordinierte Strategie zu entwickeln.

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    22 Kommentare

    Staatsfinanzierung als Subvention des Finanzsektors

    geschrieben am 22. Juni 2011 von Jens Berger

    Ein Leser stellte uns neulich die Frage, warum Staaten sich eigentlich über die Märkte finanzieren? Diese Frage ist mehr als berechtigt und es gibt keine zufriedenstellende Antwort, die diese Praxis rechtfertigen würde. Wenn sich die Euroländer mit den selben Konditionen wie die Banken direkt über die EZB finanzieren würden, könnte der deutsche Bundeshaushalt jedes Jahr 25 Mrd. Euro einsparen. Auch Griechenland hätte, statt mit immer neuen Krediten seine Kreditzinsen zu finanzieren, realistische Chancen, seine Schuldenproblematik wieder in den Griff zu bekommen. Die Macht der Ratingagenturen würde mit einem Federstrich marginalisiert werden. Warum stellt sich die Politik eigentlich nicht so kluge Fragen wie unsere Leser?

    Die öffentlichen Hand der Bundesrepublik Deutschland hat einen Schuldenstand von rund 2.000 Mrd. Euro. Diese Schulden setzen sich aus Anleihen verschiedener Laufzeiten zusammen – wenn eine Anleihe ausläuft, wird eine neue Anleihe im gleichen Volumen aufgelegt und über die Finanzagentur an den Märkten platziert. Der größte Anteil der Anleihen wird von Banken und Versicherungen gehalten – teils in Portfolien von Lebensversicherungen oder Fonds, teils als Eigenanlage der Finanzdienstleister.

    Ein sehr lukratives Geschäft für Banken

    Für die Banken ist dies nicht nur ein relativ sicheres, sondern vor allem sehr lukratives Geschäft. Das Geld für die Staatsanleihen leihen sie sich bei der EZB zum Leitzins von 1,25%. Die gekauften Anleihen können sie dann bei der EZB als Sicherheit hinterlegen, um sich für andere Finanzmarktgeschäfte frisches Geld zum Leitzins zu leihen. Ohne nennenswerte Eigenleistung kassieren die Banken bei diesem Geschäft somit die Differenz zwischen dem Leitzins und dem Nominalzins der Staatsanleihe.

    Da Bundesanleihen zu den sichersten Finanzinstrumenten auf dem Markt gehören, sind sie relativ bescheiden verzinst. Wenn man sich das Geld für die Anleihen für 1,25% leihen kann, sind allerdings auch die momentanen Renditen von rund 2,5% eine äußerst lukrative Investition – vor allem dann, wenn man die Anleihen zu 100% als Besicherung für Refinanzierungsgeschäfte bei der EZB hinterlegen darf und somit fast keinen einzigen Cent der Kundeneinlagen dafür aufwenden muss.

    Für die Bundesrepublik ist dies jedoch ein schlechtes Geschäft. Das Geld, das sie sich über die Märkte leiht, stammt ohnehin fast ausschließlich von der EZB. Würde sich beispielsweise der Bund das Geld direkt von der EZB leihen, müsste er anstatt des momentanen Zinsdienstes in Höhe von 38 Mrd. Euro pro Jahr bei 1,25% lediglich 13,6 Mrd. Euro zahlen. Die Differenz in Höhe von 24,4 Mrd. Euro stellt somit eine indirekte Subvention des Finanzsektors dar.

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