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  • Frontschweine wie wir

    geschrieben am 07. Dezember 2015 von Gastautor

    atochavon Roberto J. De Lapuente

    Man ist doch ein klein wenig bescheidener geworden. Jetzt liegt der Verteidigungswall der deutschen Interessensgrenze nicht mehr, wie noch vor etwas mehr als einem Jahrzehnt, am fernen Hindukusch, jetzt liegt er gewissermaßen direkt an der europäischen Peripherie. In Syrien. Und die Bundeswehr ist verfassungsgemäß als Verteidigungsarmee mit dabei. Sie verteidigt dort nicht weniger als unsere Freiheit, unsere Art zu leben. Sie ist dort auch für mich unterwegs – so jedenfalls sagen es die Befürworter des Einsatzes, wenn man die uniformierten Damen und Herren nicht mit einem solidarischen »Hurra!« verabschiedet. Sie bringen damit die Undankbarkeit ins Spiel und wollen so die Kriegsgegner diskreditieren. Denn da schickt man extra Personal nach Syrien, damit wir leben können wie immer sie es von uns wollen, und dann sind wir nicht mal mit dem Herzen dabei. Für die Falken ist das selbstverständlich eine Schande. Also möchte ich an dieser Stelle mal meinen Dank aussprechen: Vielen herzlichen Dank, dass ihr nun so geschickt daran arbeitet, mich zu einem Opfer terroristischer Anschläge zu machen. Dankeschön, dass wir nun alle Anschlagsziele desillusionierter Hardliner sein dürfen.

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    Ein Brief aus Frankreich

    geschrieben am 07. Dezember 2015 von Jens Berger

    Der Sozialwissenschaftler Götz Eisenberg, den sicher viele Spiegelfechter-Leser von seinen tollen Artikeln auf den NachDenkSeiten kennen, hat einen Brief von der in Frankreich lebenden Schriftstellerin Birgit Vanderbeke bekommen. Götz Eisenberg und Birgit Vanderbeke haben uns die Erlaubnis erteilt, diesen spannenden Text bei uns abzudrucken. Viel Spaß beim Vermehren der gewonnen Einsichten.

    Lieber Götz Eisenberg,

    hier haben wir also den Ausnahmezustand, der zunächst nur für drei Monate beschlossen wurde, inzwischen aber für sechs weitere Monate gelten soll und sich scheußlich anfühlt.

    Morgen sind Regionalwahlen, und ab übermorgen wird flächendeckend der Front National in die Verwaltungen einziehen, die sich mit allen möglichen Themen der französischen Infrastruktur zu befassen haben, nur ausgerechnet nicht mit der „nationalen Sicherheit“.

    Zu diesem Thema habe ich mir die letzten Wochen heftig den Kopf zerbrochen, einfach um herauszukriegen, was genau passiert ist, und ich bin zu folgender Diagnose der Wirklichkeit gekommen:

    Am 13. November haben ein paar junge Männer aus den französischen Banlieues und einem Brüssler „Problem“-Vorort in Paris ein Massaker angerichtet (zwei der im Bataclan Getöteten waren Freunde unseres Sohnes, sie waren mit ihrem vierjährigen Kind und der Großmutter im Konzert gewesen, und alle drei Erwachsenen sind erschossen worden, das Kind wurde vier (!) Stunden nach dem Attentat lebendig unter den Leichen seiner Angehörigen entdeckt).

    Die jungen Männer hatten Kontakt zum Daesh, der vorwiegend im Irak, in Syrien und im Libanon unterwegs ist und unter anderem von Freunden der westlichen Welt, also Frankreichs, Europas sowie der USA finanziert wird, nämlich von Saudi-Arabien und Katar, außerdem indirekt von der Türkei, die seine Rohöl-Exporte ermöglicht.

    Frankreich wurde Minuten nach dem Attentat in den Kriegszustand versetzt (natürlich nicht gegen seine Vororte, mit denen es allerdings Krieg führt, wenngleich einen, der nicht erklärt worden ist), verstärkt seine militärischen Operationen in Syrien und bittet andere europäische Länder um Beistand, woraufhin Deutschland in nachbarschaftlicher Solidarität eine militärische Unterstützung für den Krieg in Mali anbietet (das war noch vor dem Radisson-Attentat). Das klingt logisch, weil alles, was in Pariser Vororten geplant wird, unmittelbar mit Mali zusammenhängt. In Mali gibt es außer Gold, vermutlich Öl, Uran und seltenen Erden leider nichts zu holen, also handelt es sich dort um einen heldenhaften Krieg um westliche Werte seitens der Franzosen, der unbedingt unterstützenswert ist.

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    Das Märchen vom heiligen Mark

    geschrieben am 04. Dezember 2015 von Jens Berger

    Nein, was waren wir alle gerührt. Am Dienstag verkündeten Facebook-Chef Mark Zuckerberg und dessen Frau Priscilla Chan via Facebook nicht nur die Geburt ihres Töchterleins Max, sondern auch gleich noch eine vermeintlich edle Tat, die – darin sind sich die Medien einig – ihres gleichen sucht: 99% des Zuckerberg-Vermögens, und das sind laut Zuckerberg immerhin 45 Milliarden Dollar, sollen über die Jahre hinweg in eine Gesellschaft namens Chan Zuckerberg Initiative gehen; eine angeblich gemeinnützige Stiftung, deren Ziel es sein soll, die Welt zu retten. Ach, wie herzergreifend und das kurz vor Weihnachten. Leider ist nichts davon wahr. Das Märchen vom heiligen Mark ist vielmehr eine vorweihnachtliche PR-Nummer, die ihresgleichen sucht. Von Jens Berger

    Wer sagt denn, dass es auf SPIEGEL Online keine Märchen zu lesen gäbe? Unter der Überschrift „Deutschlands ehrlose Erben“ bekam man dort gestern folgendes zu lesen:

    „Bei Familie Zuckerberg im kalifornischen Menlo Park war diese Woche schon Bescherung. Mark Zuckerberg, Chef von Facebook, nahm die Geburt seines ersten Kindes zum Anlass, fast sein ganzes Vermögen zu verschenken. Und zwar an die Allgemeinheit: 99 Prozent seiner Firmenanteile, Börsenwert derzeit etwa 45 Milliarden Dollar, sollen in den nächsten Jahren für wohltätige Zwecke ausgegeben werden. Lediglich ein Prozent behält Zuckerberg für seine Familie und Töchterchen Max zurück“.

    An diesem Absatz ist so ziemlich alles falsch, sogar der Wohnsitz der Familie Zuckerberg, die eigentlich die Familie Chan-Zuckerberg ist und nicht in Menlo Park, sondern in Palo Alto lebt. Aber das sind nur Kleinigkeiten. Wichtiger ist, dass es beispielsweise nicht zutrifft, dass Zuckerberg „fast sein ganzes Vermögen verschenkt“ hätte. Er hat vielmehr zusammen mit seiner Frau eine Absichtserklärung abgegeben, zu Lebzeiten 99% seiner Facebook-Aktien aus dem Privatvermögen in ein Firmenvermögen zu transferieren. Alles schön langsam und peu à peu. In den nächsten Jahren will er beispielsweise Aktien im Wert von maximal einer Milliarde Dollar umschichten. Die neue Vermögensverwaltung der Chan-Zuckerbergs trägt den Namen Chan Zuckerberg Initiative LLC – wobei das Kürzel LLC für Limited Liability Company steht, dem US-Pendant der deutschen GmbH. Gemeinnützig ist daran erst einmal nichts. Und bis Zuckerbergs Lebzeiten beendet sind, wird er natürlich weiterhin bestimmender Großaktionär von Facebook bleiben. Dabei ist es unerheblich, ob er die Aktien direkt oder indirekt über die LLC hält, die er natürlich ebenfalls voll kontrolliert.

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    Gebt uns Euer Geld, auf Eure Spende kommt es an!

    geschrieben am 02. Dezember 2015 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Die ganz treuen Leser werden es bemerkt haben: in diesem Jahr haben wir insgesamt weniger beim Spiegelfechter geschrieben als beispielsweise 2014.

    Wie kommt das? Liegen wir meist faul in der Gegend rum, spielen mit unseren iPhones (oder anderem neumodischem Kram) und lassen den Lieben Gott einen guten Mann sein? Nein, keinesfalls! Wir sind fleißig wie die Bienen, müssen aber auch Geld verdienen und schreiben daher vornehmlich dort, wo Bargeld lacht (freuen wir uns darüber, so lange es noch Bargeld gibt).

    In unserer Brust schlagen zwei Herzen: einerseits spüren wir die wirtschaftlichen Pulsschläge in unseren Adern, die uns regelmäßig daran erinnern, dass wir Brötchen und Butter und Marmelade und all diese Dinge kaufen müssen.

    Andererseits wollen wir den zahlreichen Fans und Freunden des Spiegelfechters natürlich auch eine Freude machen und ganz tolle, anspruchsvolle und ausgewogene Artikel schreiben … Moment, nein, ausgewogen wollen wir ja gar nicht sein, schließlich haben wir eine Meinung, hinter der wir auch stehen!

    Wie auch immer, in diesem Jahr wollen wir Euch mal wieder mit einem vorweihnachtlichen Spendenaufruf beglücken. Wann, wenn nicht zur Weihnachtszeit , stehen unsere Chancen besser, etwas von Euren Talern abzustauben?

    Wie Ihr oben schon gesehen habt, könnt Ihr einfach PayPal nutzen, um uns eine kleine Freude zu machen. Wenn Ihr aber eher Freunde der klassischen Überweisung seid, schreibt einfach an unsere Mailadresse „redaktion@spiegelfechter.com“ eine kleine Mitteilung mit dem Betreff „Her mit der Kontoverbindung!“

    Wenn wir mit dem Zählen des Geldes fertig sind (wir hoffen natürlich, dass das ordentlich lange dauert), werden wir im kommenden Jahr versuchen, wieder mehr Artikel zu publizieren.

    Um es mit einem großen deutschen Politiker zu sagen (immerhin 1,93 m, da kann man schon von echter Größe sprechen): Ehrenwort!

    DANKE sagen wir schon jetzt, und zwar aus vollem Herzen
    Tom und Jens

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    Agenda 2018 – der SPIEGEL nippt vom Gift, das er selbst jahrelang verspritzt hat

    geschrieben am 02. Dezember 2015 von Jens Berger

    Dass die goldenen Zeiten beim SPIEGEL schon längst vorbei sind, ist in Branchenkreisen kein Geheimnis. Die Auflage des Print-SPIEGEL ist seit Jahren ebenso kontinuierlich rückläufig, wie dessen Anzeigeneinnahmen. SPIEGEL Online ist zwar – rein quantitativ – ein Erfolgsmodell, kann jedoch auch nicht genügend Geld verdienen, um die Rückgänge der Print-Ausgabe zu decken. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau. Auch im „Krisenjahr“ 2014 konnte die SPIEGEL-Gruppe eine Umsatzrendite von fast 10% erzielen. Für andere Medienunternehmen wäre dies eine Erfolgsmeldung. Nicht so für den elitären SPIEGEL. Dort hat man – kein Witz – offiziell die „Agenda 2018“ ausgerufen und will in den klassischen Bereichen jede fünfte Stelle, also insgesamt 150 Vollzeitstellen, streichen. Der SPIEGEL beherzigt also „endlich“ selbst, was er jahrelang der Gesellschaft vorgepredigt hat – den Gürtel enger schnallen und sicher geglaubte Besitzstände aufzugeben. Doch das ist nur die halbe Story, denn der SPIEGEL ist ebenfalls ein Abbild der Gesellschaft und Mitarbeiter ist nicht gleich Mitarbeiter. So steht zu befürchten, dass auch beim SPIEGEL nicht die „großkopferten“ Elite-Journalisten, sondern die ohnehin schon benachteiligten Mitarbeiter zweiter Klasse vor die Tür gesetzt werden.

    Um das Phänomen SPIEGEL zu begreifen, ist es unerlässlich, sich die in der Medienbranche wohl einmaligen Besitzverhältnisse des SPIEGEL vor Augen zu halten. SPIEGEL-Gründer Rudolf Augstein hatte 1974 die Hälfte des Unternehmens an seine Mitarbeiter abgegeben. Seitdem hält die Spiegel Mitarbeiter KG als nicht ganz so stiller Teilhaber des Verlags 50,5% der Anteile und hat bei allen wichtigen Entscheidungen ein Mitspracherecht. Dieses Konstrukt sorgt auch dafür, dass die rund 740 Mitarbeiter, die Mitglied der KG sind, auch zur Hälfte am Gewinn beteiligt sind. In guten Jahren betrug die Gewinnbeteiligung rund 25.000 Euro pro Jahr und diese üppige Prämie war nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen eines Vergütungs- und Privilegienmodells, das nicht nur in der Verlagsbranche einmalig ist. Die Anekdoten reichen dabei vom Porsche in der Tiefgarage bis zur Anzeige am Schwarzen Brett in den Verlagsräumen, in der SPIEGEL-Mitarbeiter ihre 13-Meter-Yachten zum Verkauf anboten, da sie für sich selbst ein schöneres Modell gefunden hatten.

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