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  • Ruhe in Frieden, SPD

    geschrieben am 12. November 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Nach meinen Briefen an Edward Snowden und den alten Haudegen Franz Josef Wagner ist es mir ein Bedürfnis, ein paar Zeilen an die SPD zu richten. Snowden hat nicht geantwortet. Leider. Wagner auch nicht. Erfreulicherweise! Bei der SPD ist es mir schlicht wurscht, ob sie es tut oder nicht.

    Liebe SPD,

    es geht Dir nicht gut. Du siehst ausgemerkelt aus, wirkst kraftlos und hast irgendwie nichts mehr zu sagen. Nur Mitleid kann ich dafür nicht empfinden, nicht die Spur davon. Es gibt Menschen, die geraten ohne Schuld in missliche Situationen. Diese Menschen haben mein Mitgefühl. Aber was Du machst, liebe SPD, kann ich nur als die bewusste Zerstörung Deiner ehemals starken Charakterzüge bezeichnen. Du bist eine Schande, leider lässt es sich nicht anders ausdrücken.

    Ich weiß gar nicht mehr so genau, wann Dein Weg nach unten begann, weg von der Sozialdemokratie, hin zu immer mehr Neoliberalismus und sozialer Kälte. Ganz sicher hatte Gerhard Schröder großen Anteil daran, dass Du seit Jahren in den letzten Zügen liegst. Jetzt, da Du Dich auf die neue Große Koalition vorbereitest, hast Du Dein Leben im Grunde längst verwirkt. Vielleicht auch deshalb fällt es der CDU so leicht, Dich in jede beliebigen Richtung zu drängen. Du wirkst wie eine leblose Hülle, die im Meer treibt – ohne jegliche Kontrolle über das eigene Handeln, ohne Widerstandskraft, ohne den Willen, etwas zu verändern. So kann man als Partei keine Politik machen, so kann man sie nur machen lassen.

    Liebe SPD, Du hättest – selbst mit diesem desaströsen Wahlergebnis bei der Bundestagswahl – in Deutschland etwas verändern können. Nicht das große Ganze, aber kleine Dinge. Dafür hättest Du allerdings in die Opposition gehen müssen. Dafür hättest Du Dich mit Forderungen der Linkspartei auseinandersetzen müssen, die Dir – hättest Du es getan – vermutlich zu weiten Teilen ziemlich bekannt vorgekommen wären. Du hättest auf Posten verzichten müssen. Aber Du hast es nicht getan. Weil sie – diese Posten – für Dich das große Ganze sind. Es geht Dir nicht um die Menschen, um politische Forderungen, darum, dass es besser wird in diesem Land. Es geht Dir um Dich, um Deine Karrieren, um Geld und Macht. Du liegst so falsch damit!

    Ein paar Köpfe von Dir werden sich einbilden, dass durch die Große Koalition etwas gewonnen wäre. Ein paar Köpfe von Dir werden durch sie tatsächlich etwas gewinnen. Aber Du als Partei, als eine Partei mit Geschichte, wirst verlieren. Du wirst immer tiefer in die Bedeutungslosigkeit abtauchen, reglos und träge in der Masse der Christdemokraten treiben, und Du wirst auch noch die letzten Prinzipien verraten, die übrig geblieben sind.
    Da ist noch eine kleine Hoffnung, die Deiner Basis gilt, liebe SPD. Sie kann die Große Koalition und damit das vielleicht grauenvollste Debakel Deiner Geschichte verhindern. Vielleicht tut sie es. Hoffentlich tut sie es. Ich fürchte allerdings, Du wirst Mittel und Wege finden, das zu verhindern.
    Und dann war’s das mit Dir wohl endgültig.

    Desillusionierte Grüße,
    Jörg Wellbrock

    144 Kommentare

    Beckenbauer findet in Katar alles heraus, was wichtig ist

    geschrieben am 11. November 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf


    Rubrik: Satire

    Franz Beckenbauer war in Katar, um sich die Fußballplätze, das Wetter und die Arbeitsbedingungen dort anzusehen. Zurück kam er mit weitreichenden Erkenntnissen, die nicht nur das Balltreten betreffen.

    Sklaven in Katar? Vor der Fußall-WM? Das wollte der Kaiser genau wissen und spannte seine Pferde vor die Kutsche, um vor Ort nach dem Rechten zu schauen. Und tatsächlich, nix da mit Sklaven. Beckenbauer konnte nirgends welche finden und sagte vor Journalisten: „Ich habe noch keinen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Ich weiß nicht, woher diese Berichte kommen. Ich war schon oft in Katar und habe deshalb ein anderes Bild, das glaube ich realistischer ist.“
    Das ist natürlich richtig, ein realistisches Bild kann sich nur der Kaiser machen. Außer ihm bestenfalls noch Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß.
    Das mit den Arbeitern wäre also geklärt, aber der Kaiser brachte noch mehr mit nach Deutschland.

    Weil das Wetter so schön war, blieb Beckenbauer ein wenig länger und unterhielt sich mit einem Scheich über dies und das. Dabei erfuhr er, dass die Amerikaner niemanden abhören. Beckenbauers Begründung: „Wenn die Amerikaner das wollten, können sie aus jedem alles rausprügeln, was sie wissen wollen. Warum sollten sie also jemanden abhören? Das ist unrealistisch.“
    Wo er recht hat …

    Beckenbauer äußerte sich auch zu anderen Themen. Zum Beispiel zum Hunger in der Welt. Wo er auch hingefahren sei, nirgends hätte er hungernde Menschen gesehen: „In meinen Hotels – egal, in welchem Land – war immer für alle etwas zu essen da. Diese ganze Panikmache mit dem Welthunger ist für mich völlig aus der Luft gegriffen.“
    Befragt nach seiner Gläubigkeit, antwortete der Kaiser wörtlich: „Natürlich gibt es Gott, wir unterhalten uns oft. Die letzten beiden Male war auch der Weihnachtsmann dabei. Ich kann das realistisch einschätzen, die beiden existieren und sie mögen Fußball und den FC Bayern.“
    Den Weihnachtsmann kenne Beckenbauer übrigens schon sehr lange. Er habe ihn schon zu seiner aktiven Zeit als Fußballer mit leckeren Vitaminpillen versorgt.
    Klingt realistisch.

    44 Kommentare

    Mehr Demokratie wagen?

    geschrieben am 10. November 2013 von Thorsten Beermann

    Von Thorsten Beermann.

    willy brandt

    Erst vor wenigen Tagen, am 28. Oktober, jährte sich der Ausspruch dieses Satzes aus der ersten Regierungserklärung von Willy Brandt zum 54. Mal. Auch wenn man durchaus streiten kann, ob und in welchem Umfang Brandt dieser Prämisse gerecht geworden ist oder in seiner Zeit gerecht werden konnte, hallt diese Forderung bis heute nach und scheint sich besonders in der jüngeren Vergangenheit erneut zu verstärken.

    Auch in den Kommentarspalten des Spiegelfechters ist immer wieder die Forderung nach mehr direkter Demokratie zu lesen, statt die Bevölkerung in ihrer Teilhabe an den Entscheidungsprozessen auf Wahlen zu beschränken. Die Rolle des „Stimmviehs“, das alle vier Jahre eine Regierung bestimmen dürfte, deren Zusammensetzung an der tatsächlichen Politik fast nichts ändere, wird weit links wie weit rechts nahezu wortgleich kritisiert.

    Den Artikel weiterlesen »

    37 Kommentare

    40 Sekunden Sprecher-Leiden

    geschrieben am 08. November 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Artikel vorzulesen und aufzunehmen, ist irre einfach. Einerseits. Andererseits will die Zunge manchmal nicht so wie der Kopf. Oder umgekehrt.
    Wie auch immer, von meinem letzten Artikel habe ich mal ein paar kleine Versprecher rausgeschnitten. Damit Ihr sehen, oder besser: hören könnt, dass Sprecher es auch nicht immer leicht haben.

    Viel Spaß!

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    Niemand hat die Absicht, eine PKW-Maut einzuführen

    geschrieben am 08. November 2013 von Jens Berger

    Im Wahlkampf gab sich die „Teflon-Kanzlerin“ Angela Merkel redlich Mühe, jede auch nur ansatzweise konkrete Aussage zu vermeiden. In einem Punkt gelang ihr dies bekanntlich nicht: „Mit mir wird es keine PKW-Maut geben“, so Merkel. Nahezu zeitgleich polterte jedoch Horst Seehofer aus dem fernen München, dass er keinen Koalitionsvertrag unterzeichnen würde, in dem die PKW-Maut nicht enthalten sei. Eine CDU-SPD-Koalition unter Ausschluss der CSU wäre zwar rechnerisch möglich. Wesentlich wahrscheinlicher ist es jedoch, dass Angela Merkel umkippt und ihre einzige konkrete Wahlkampfaussage Lügen straft. Schön für Horst Seehofer, schlecht für die Bürger.

    Was soll die PKW-Maut überhaupt bringen? Auf diese simple Frage gibt es verschiedene Antworten. Aus Umweltschutz-Gesichtspunkten wäre es freilich wünschenswert, den PKW-Verkehr einzuschränken. Doch dies wäre, wenn es denn nur über eine Gebühr zur Straßenbenutzung reguliert würde, sozial ungerecht und würde darauf hinauslaufen, das Millionen Niedrigverdiener, Erwerbslose und Rentner die Opfer wären. Ökologisch und ökonomisch sinnvoll wäre es hingegen, die Alternativen zum Individualverkehr zu stärken. Doch dafür hat man ja angeblich kein Geld und die Deutsche Bahn ist zudem bereits voll und ganz damit ausgelastet, sich global aufzustellen. Wer in Katar und Russland Milliarden investiert, kann nun einmal dem deutschen Bürger keine bessere Alternative zum Individualverkehr anbieten. Dabei ist die Deutsche Bahn ein lupenreines Staatsunternehmen. Man kann also durchaus sagen, dass es politisch gewollt ist, die Alternativen zum Individualverkehr auch weiterhin zu schwächen. (Nicht nur) Diejenigen, die sich vor einer PKW-Maut drücken wollen oder müssen, würden also bei Einführung einer PKW-Maut zu einem großen Teil auf die Bundes- und Landesstraßen ausweichen – was sowohl ökologisch, als auch ökonomisch eindeutig kontraproduktiv wäre.

    Weiterlesen auf den NachDenkSeiten

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