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  • Diether Dehm über Xavier Naidoo: „Am Ende regiert nur noch Angst!“

    geschrieben am 25. November 2015 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

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    Als der NDR entschieden hatte, Xavier Naidoo zum European Song Contest nach Stockholm zu schicken, war die Folge ein Sturm der Entrüstung. Homophob sei Naidoo, antisemitisch und ein Verschwörungstheoretiker obendrein. Kurz darauf knickte der NDR ein und verkündete, die Entscheidung rückgängig zu machen.

    Was muss ein Künstler mitbringen, um für Deutschland bei ESC aufzutreten? Das ist die Frage, die laut und deutlich nach der Nominierung Naidoos diskutiert wurde. Dabei gab es keine Schonung für den Sänger, der gern polarisiert und provoziert. Der Druck wuchs, an allen Ecken wurde Songzitate und öffentliche Äußerungen herausgekramt, die belegen sollten, dass Xavier Naidoo keinesfalls zum ESC fahren dürfe.

    Diether Dehm (MdB, Die Linke) sieht das anders. Für ihn ist Naidoo ein streitbarer Künstler, der zu Unrecht derart im Kreuzfeuer stand. Dehm sagt, es gehe in erster Linie um Kunst. Aber auch um Angst. Deswegen, so Dehm, wurde Naidoo aus dem Rennen genommen.

    Das ganze Gespräch mit Diether Dehm gibt es hier (einfach aufs Bild klicken, um das Interview zu hören):

    DIE_LINKE_Bundesparteitag_10._Mai_2014-37

    ——————————————————————————————————————————

    Titelbild: Željko Joksimović – Wikimedia Commmons
    Diether Dehm-Foto: Blömke/Kosinsky/Tschöpe – Wikimedia Commmons

    54 Kommentare

    Abschuss eines russischen Kampfjets – Die Türkei und Russland spielen mit dem Feuer

    geschrieben am 24. November 2015 von Jens Berger

    Noch ist es unklar, ob der am heutigen Morgen von der Türkei über syrischem Gebiet abgeschossene Jagdbomber vom Typ Suchoi Su-24 zuvor den türkischen Luftraum verletzt hat. Das türkische Militär behauptet dies, russische Stellen dementieren jedoch eine Verletzung türkischen Luftraums mit Nachdruck. So lange keine der beiden Seiten Beweise vorlegt, kann man über die Ursachen und Motive nur spekulieren. Die Entwicklungen, die sich in der Abschussregion in den letzten Tagen abgespielt haben, ergeben jedoch recht eindeutige Indizien dafür, dass die Türkei mehr und mehr aktiv in den Bürgerkrieg in Syrien eingreift und dabei offenbar auch das russische Militär als Feind ansieht. Wenn ein NATO-Mitglied offen militärisch gegen Russland vorgeht, ist dies eine brandgefährliche Situation. Russland ist jedoch in diesem Zusammenhang kein reines Opfer, da die russische Luftwaffe offenbar auch aktiv gegen die syrischen Verbündeten der Türkei vorgeht. Die NATO und allen voran Deutschland sollten nun so schnell und so massiv wie möglich Druck auf die Türkei ausüben. Ansonsten könnte die Situation außer Kontrolle geraten.

    Die Absturzstelle der russischen Su-24 befindet sich in einer Region, die von der turkmenischen Minderheit* in Syrien als Bayirbucak bezeichnet wird. Bayirbucak liegt nur wenige Kilometer nördlich der syrischen Hafenstadt Latakia, vor deren Toren sich die von der russischen Luftwaffe genutzte Basis Khmeimim befindet. Bayirbucak ist jedoch auch heiß umkämpft und aktuell Kriegsgebiet. Seit Oktober führen dort die syrischen Regierungstruppen von Westen aus eine Offensive gegen die in der östlichen Hälfte der Region befindlichen turkmenischen Milizen durch. Wie das Internetportal Eurasia News am 19. November unter Berufung auf lokale Quellen meldete, haben die Regierungstruppen in der letzten Woche eine erfolgreiche Großoffensive gestartet. Ein wichtiger Faktor für die jüngsten Erfolge der Regierungstruppen sei demnach die Luftunterstützung durch die russische Luftwaffe.

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    236 Kommentare

    Ich distanziere mich nicht vom Terrorismus!

    geschrieben am 15. November 2015 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

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    Warum auch?
    Sich von etwas zu distanzieren, setzt voraus, dass vorher eine Nähe oder Distanzlosigkeit vorhanden war. Zum Terrorismus hatte ich nie Nähe. Ich verabscheue ihn, egal, ob rechts, links oder religiös motiviert. Dementsprechend verabscheue und verurteile ich auch den Terror, der bei den Anschlägen in Paris ausschlaggebend war. Distanzieren muss ich mich aber nicht von diesen Anschlägen. Es gab ja keine Nähe, ich war weder Täter noch Unterstützer. Und wer auch immer sich dieser Tage zu Paris äußert, tut das nicht in Form von Distanzierungen, sondern durch Verurteilung der Taten.
    Aber wenn ich ein Muslim wäre, was wäre dann? Dann müsste ich mich also ganz offiziell vom Terrorismus distanzieren?
    Wieso denn bitte das?

    Was in Paris geschehen ist, ist grausam. Schrecklich. Unmenschlich. Genauso wie das, was jeden Tag auf der Welt in vergleichbarem oder noch schlimmerem Maßstab passiert, ohne dass es mediale Beachtung findet. Und es wäre schäbig, würde man die Folgen des einen Terroranschlages mit denen eines anderen vergleichen. Denn Terror ist Terror, er muss verurteilt werden!

    Nahezu alle Muslime verurteilen den Terrorismus ebenfalls. Den in Paris. Und den anderswo, der im Namen des Islam verübt wird. Weil Terror nicht zum Islam gehört! Noch mal, zum Mitschreiben: weil Terror nicht zum Islam gehört.

    Gab es eigentlich eine massenhafte Distanzierung vom Christentum zum Terror, als Anders Behring Breivik seine unfassbaren Taten verübt hat?
    Distanzieren sich alle Männer von Vergewaltigung und Mord, weil es vorrangig Männer sind, die solche Taten begehen?
    Nein, und das wäre auch unsinnig. Es ist allgemeiner Konsens, dass Terroristen eine extreme Form von Überzeugungstätern darstellen, deren Motive mit denen eines vernunftbegabten Menschen nicht vereinbar sind. Deswegen verurteilen wir auch kollektiv Terroranschläge, wenn sie passieren.

    Wirklich kollektiv? Nein, eben nicht, das ist ein großes Problem. Wenn ich Sprüche höre wie „Das war ein Anschlag auf unsere Werte“ oder „Dieser Angriff galt uns allen“, dann spüre ich den bitteren Beigeschmack, der sich in diese Aussagen mischt. Denn dieses „Wir alle“ schließt Muslime kategorisch aus. Wir alle, das sind Männer, Frauen, Angestellte, Selbstständige, Schwule, Lesben, Christen, Atheisten, aber eben keine Muslime. Die sind „die anderen“, von denen erwartet wird, dass sie sich distanzieren vom Terror. Was, wie bereits erwähnt, eine Nähe zum Terrorismus unterstellt. Der Generalverdacht, dass Muslime Terroristen sind, hat sich im Laufe der letzten Jahre kontinuierlich aufgebaut, er wurde forciert durch die Medien und die Politik. Das ist schlimm. Aber es geht noch schlimmer.

    Denn die Anschläge von Paris werden jetzt nicht nur genutzt, um eine völlig sinnlose Vorratsdatenspeicherung zu rechtfertigen oder die Installation von noch mehr Kameras im öffentlichen Leben zu erklären. Sie werden darüber hinaus missbraucht, um die Flüchtlingsdebatte anzuheizen. So twitterte CSU-Hardliner Markus Söder: „#ParisAttacs ändert alles. Wir dürfen keine illegale und unkontrollierte Zuwanderung zulassen.“
    Das ist an Widerwärtigkeit kaum zu überbieten. Es stellt nicht nur alle Muslime unter Generalverdacht, was schon völlig absurd ist. Es suggeriert zudem, dass nicht Menschen in größter Not als Flüchtlinge zu uns zu kommen versuchen, sondern Terroristen. Dabei flüchten die Menschen, die bei uns Schutz suchen, selbst vor dem Terror. Sie jetzt mit dem Stempel „Terrorist“ auf eine Stufe mit den Attentätern in Paris (oder anderswo) zu stellen, ist schlicht pervers. Die Tatsache, dass bei einem der Terroristen ein syrischer Pass gefunden worden und er Flüchtling gewesen sein soll, ändert daran nichts, aber auch rein gar nichts.

    Jeder terroristische Anschlag ist ein Anschlag auf den Wert der Menschlichkeit. Und all jene, die diese Menschlichkeit für sich in Anspruch nehmen und verteidigen wollen, sollten das gemeinsam tun. Unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung.

    Nachtrag: Das Buch „Angst ums Abendland“ von Daniel Bax nähert sich dem Thema Islamfeindlichkeit auf sehr unaufgeregte und informative Weise. Es ist im Westendverlag erscheinen und eine Leseempfehlung wert.

    434 Kommentare

    Sollen kleine Kinder aus dem Netz verschwinden?

    geschrieben am 12. November 2015 von Gastautor

    Eine Gastglosse von Christoph Jehle

    Darf man Kinderbilder in Social Media wie Facebook posten oder sollte man darauf im Interesse der Kinder besser verzichten, wie dies derzeit ein Aufruf der Polizei NRW in Hagen bei Facebook fordert?

    Mit dem Aufruf „Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co zu posten! – Auch Ihre Kinder haben eine Privatsphäre!“ polarisierte die Polizei in Hagen in den vergangenen Tagen bei Facebook und erreicht damit eine beachtliche Medienresonanz.

    Handelt es sich dabei um den berühmten Sturm im Wasserglas oder sind es schin vorauseilende Konsequenzen aus der neuen deutschen Willkommenskultur? Offensichtlich nicht, denn Bilder von Flüchtlingskindern waren nicht das Thema des Posts, sondern kritisiert wurden – für die Jahreszeit eher deplatziert- Schnappschüsse kleiner Kinder am Strand oder nackt badend im Planschbecken. Man bemängelt, dass die Bilder von den Kleinsten nicht selten für jedermann sichtbar seien, also völlig ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen bei den Privatsphäre-Einstellungen online gestellt würden. Wer jetzt jedoch annimmt, dass die Privatsphäre-Einstellungen einen 100%igen Schutz vor unbefugten Einblicken bieten würden, kennt das Netz nur schlecht.

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    Der „DFB-Skandal“ offenbart ein massives Glaubwürdigkeitsproblem der Medien

    geschrieben am 10. November 2015 von Jens Berger

    Gerade in bildungsbürgerlichen Kreisen gilt es ja als schick, über „Fußball-Themen“ die Nase zu rümpfen. Das ist erstaunlich. Schließlich offenbart der aktuelle DFB-Skandal über die eigentlichen skandalösen Vorgänge hinaus doch auch ein massives Glaubwürdigkeitsproblem der Medien. Noch vor wenigen Tagen haben sich zwei Urgesteine der Branche wie ein Tiger für ihre guten Freunde beim DFB in den Ring gestürzt. Heute sehen Alfred Draxler von der BILD und Helmut Markwort vom Focus aus wie begossene Pudel. Die Glaubwürdigkeit, die sie in bestimmten Kreisen hatten, ist dahin. Fraglich ist jedoch, ob das Publikum aus diesem Vorfall lernt und die Glaubwürdigkeit der großen Medien generell in Frage stellt.

    „So war es wirklich: Sommermärchen nicht gekauft!“ – unter dieser vielsagenden Überschrift verteidigte Sport-BILD-Chef Alfred Draxler noch am 22. Oktober seine guten Freunde aus dem Fußball-Business. Grundlage von Draxlers Einschätzung war dabei etwas, dass der „Journalist“, der auch bei BILD federführend kommentierend tätig ist, selbst als „Intensiv-Recherche“ bezeichnet:

    Darum habe ich in den vergangenen Tagen eine Intensiv-Recherche angestellt, bei der mir zugute kam, dass ich handelnde Personen wie Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach, Günter Netzer, Fedor Radmann seit Jahren gut kenne, teilweise sogar sehr gut kenne. Sie haben lange und intensiv mit mir gesprochen.

    Das Ergebnis dieser seltsamen Art von Recherche fasste Draxler in einem denkwürdigen Satz in Großbuchstaben zusammen: „ICH BIN MIR BEWUSST, DASS ICH MIT DIESEM ARTIKEL MEINE REPUTATION ALS JOURNALIST UND REPORTER AUFS SPIEL SETZE.“ Ist die Reputation erst ruiniert, schreibt es sich ganz ungeniert. Im Laufe der Zeit musste Draxler notgedrungenerweise kräftig zurückrudern. In einem heute erschienen BILD-Kommentar schreibt er: „Ich hätte es mir nie vorstellen können. Ich habe immer daran geglaubt, dass wir die WM 2006 auf saubere Art bekommen haben […]Unterschrieben hat dieses Papier mein langjähriger Freund FRANZ BECKENBAUER!!“ Man mag schon fast Mitleid mit dem armen Herrn Draxler bekommen, der nun entdeckt, dass seine alten Kumpel ihm bei seiner „Intensiv-Recherche“ nicht die Wahrheit gesagt haben. Aber wie war das mit der Reputation? Wie kann ein Journalist Reputation für sich in Anspruch nehmen, der seiner ureigenen Arbeit nicht nachgeht und stets nur das nachplappert, was seine hochkarätigen Freunde ihm „unter vier Augen“ vorplappern?

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