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  • Amazon und Du – Macht und Ohnmacht des Verbrauchers

    geschrieben am 18. Februar 2013 von Jens Berger

    Die ARD-Dokumentation „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ hat vielen Menschen die Augen geöffnet. Für das Internet-Versandhaus ist die Reportage über ausländische Leiharbeiter, die in Deutschland wie Sklaven gehalten werden, ein PR-Gau. Der „Shitstorm“, der momentan in den sozialen Netzwerken über Amazon hinwegzieht, ist gewaltig. Amazon duckt sich weg und spielt auf Zeit – der Konzern weiß, schon morgen wird wahrscheinlich bereits die nächste Sau durchs virtuelle Dorf getrieben. Es ist an der Zeit, dass der Verbraucher seinen Kompass neu justiert und sich endlich der Macht bewusst wird, die er nicht nur in den Händen, sondern vor allem in seiner Brieftasche hält.

    Amazon ist ein Musterbeispiel für einen multinationalen Konzern, der sich schon längst der sozialer Verantwortung entzogen hat. Der aktuelle Skandal ist dabei nur ein weiteres Teil in einem großen Puzzle. Amazon zahlt seinen Mitarbeitern rund 20% weniger als seine Mitbewerber, die Mitarbeiter werden meist nur befristet eingestellt, es herrscht eine „Hire-and-Fire-Mentalität“, Leistungsdruck und ständige Kontrollen gehören zum Alltag. Bereits vor mehr als einem Jahr geriet Amazon in die Schlagzeilen, als herauskam, dass man großflächig Erwerbslose ohne Lohn in „Eingliederungsmaßnahmen“ für sich arbeiten ließ – selbstverständlich wurden die Erwerbslosen nicht übernommen und Amazon ließ sich so einen ordentlichen Teil der Lohnkosten direkt aus den Kassen der Bundesagentur für Arbeit zahlen. Dies brachte damals für die NachDenkSeiten das Fass zum Überlaufen, so dass wir uns gezwungen sahen, unsere Geschäftsbeziehungen zu Amazon einzustellen.

    In Deutschland kontrolliert Amazon zwischen einem Fünftel und einem Viertel des Online-Versandhandels und erwirtschaftete im letzten Jahr einen Erlös in Höhe von 6,5 Mrd. Euro. Diese Marktmacht nutzt Amazon, um Mitbewerber zu schädigen und Rendite auf Kosten der Anbieter und Verlage einzufahren. Über ein äußerst kreatives Firmenkonstrukt mit einem Pro-Forma-Firmensitz in Luxemburg schafft es Amazon zudem, nicht nur die Steuern auf die Gewinne auf nahezu null Prozent zu drücken, sondern unterläuft zudem die deutsche Umsatzsteuer – statt 19% an den deutschen Fiskus führt Amazon lediglich 3% an den luxemburgischen Fiskus ab. Die Liste der Vergehen Amazons ließe sich mühelos verlängern.

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    252 Kommentare

    Die Pressefreiheit und der Hohn vom „Relevanzversprechen“

    geschrieben am 18. Februar 2013 von Jens Berger

    Ein Gastkommentar von Jörg Wellbrock

    Wann stirbt eigentlich mal wieder eine Zeitung? Und warum ist Deutschland bei der Pressefreiheit um einen Platz nach hinten gerutscht? Sind unsere Zeitungen womöglich nicht unabhängig? Natürlich sind sie das nicht.

    Nachdem vor einigen Monaten die „Financial Times Deutschland (FTD)“ und die „Frankfurter Rundschau (FR)“ ihre Löffel abgegeben haben, bleibt eine Medienlandschaft, die so frei und unabhängig ist wie ein Löwe im Zoo. Das hat allerdings nichts mit dem Verschwinden der beiden Zeitungen zu tun, es war vorher bereits so.

    Die Berichterstattung über Deutschlands Zeitungssterben war übersichtlich, und schuld am Desaster waren in den Augen vieler Print-Redakteure vorrangig die Online-Medien. Neben dem Internet waren es aber auch die Leser selbst, die ihren Anteil am Zeitungssterben haben sollen (mehr dazu weiter unten). Aber Qualität setzt sich letztlich durch, weiß zumindest Kai Diekmann von der „Bild“. „Guter Journalismus“, so der Springer-Angestellte, „wird immer überleben, egal, auf welcher Oberfläche er die Menschen erreicht“. Dass dieses oberflächliche Statement ausgerechnet aus der „Bild“-Redaktion tönte, mag amüsieren. Die „Oberfläche“, auf der die Menschen erreicht werden, verdient jedoch Aufmerksamkeit. Man könnte sie auch als „Werbefläche“ bezeichnen.

    Giovanni di Lorenzo verspricht Relevanz

    Wir erinnern uns noch an die theatralischen Betrachtungsweisen von Giovanni di Lorenzo, der bestürzt und betroffen vom Ende der „FTD“ und der „FR“ war. Gleichzeitig nutzte er die günstige Gelegenheit, um auf den hauseigenen „Qualitätsjournalismus“ der „Zeit“ hinzuweisen, der Ausdruck von „Vielfalt, Ernsthaftigkeit und Unabhängigkeit“ sei. Zur Sicherheit – man weiß ja nie, wofür es gut sein könnte – erfand di Lorenzo noch das Wort „Relevanzversprechen“. Das mutet schon etwas bizarr an, denn wenn die „Zeit“ ein Versprechen abgibt, das die Relevanz ihrer Nachrichten kundtut, ist das in etwa so, als würde ein Milchbauer garantieren, dass seine Milch von Kühen stamme. Eine Zeitung sollte immer zum Ziel haben, nach Relevanz zu berichten. Das Versprechen kann zu denken geben.

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    21 Kommentare

    NDS Videopodcast 13/05 Auswege aus der Eurokrise

    geschrieben am 15. Februar 2013 von Jens Berger

    In diesem Videopocast beantworten die NachDenkSeiten Fragen ihrer Leser. Heute geht es um Auswege aus der Eurokrise.

    45 Kommentare

    Steinbrück versus Raab: Das nächste Fettnäpfchen?

    geschrieben am 14. Februar 2013 von Jens Berger

    Ein Kommentar von Jörg Wellbrock

    Auf ein Kanzlerkandidatenduell mit Stefan Raab hat Peer Steinbrück keine Lust. In der Öffentlichkeit kommt das nicht gut an. Und Edmund Stoiber wird sich freuen. Macht Steinbrück wieder einmal alles falsch?

    Maybritt Illner, Peter Kloeppel oder Frank Plasberg – das waren bisher die gängigen Namen, wenn es um die Fernsehduelle der Kanzlerkandidaten ging. Jetzt ist ein neuer Name im Spiel. Die ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber äußerte Gefallen daran, dass Stefan Raab das Duell leiten könnte. Und biss damit bei Peer Steinbrück auf Granit. „Politik ist keine Unterhaltungssendung“, sagte der SPD-Mann und musste daraufhin reichlich Prügel einstecken.

    Schlag den Steinbrück

    Im bisherigen Wahlkampf ist Peer Steinbrück nun wirklich nicht gerade durch positive und wahlwerbewirksame Aktionen aufgefallen. Die Diskussionen über Honorare, der Debatte über den „PeerBlog“ (mit dem Steinbrück selbst plötzlich überhaupt nichts zu tun gehabt haben will) und nicht zuletzt seine politischen Ankündigungen haben dazu geführt, dass seine Widersacherin Angela Merkel vor allem eines machen musste: nichts. Es reichte völlig aus, den Peer machen zu lassen, denn wo immer Fettnäpfchen warten, war er stets zur Stelle, um mit reichlich Dynamik herein zu treten. Und jetzt will der Steinbrück auch noch in die Programmgestaltung von ProSiebenSat 1 eingreifen.

    Steinbrück und die Meinungsfreiheit

    Edmund Stoiber meinte es nur gut, als er Stefan Raab für die Moderation des Kanzlerduells vorschlug. So jedenfalls stellt er es dar. Schließlich sei die Zahl der Nichtwähler so sehr in die Höhe geschnellt, dass man eingreifen und nach Wegen suchen müsse, um gerade junge Menschen wieder für Politik zu begeistern. Mit Raab sollte das gehen, meint der Bayer. Dass er Beiratsvorsitzender der Münchner ProSiebenSat.1 Media AG ist, geschenkt. Und dass Stoiber selbst im Jahr 2005 die Einladung zu Raab im Zusammenhang mit der Bundestagswahl abgelehnt hatte, ebenfalls: geschenkt. Dass ProSiebenSat 1 nun aber darauf einen Angriff auf die Freiheit der Medien bastelt, ist dann doch sehr gewagt. Der Sender lasse sich nicht vorschreiben, wer die Moderation übernehmen würde. Ein Sprecher fügte hinzu, dass Raab durch seine zwei Sendungen bewiesen habe, ein ernstes Interesse am Thema Politik zu haben. Außerdem sei „Steinbrück kneift vor Raab“ sicherlich kein Slogan, den Steinbrück sich wünschen würde.

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    46 Kommentare

    Open Thread: 30 Stunden bei vollem Lohnausgleich

    geschrieben am 14. Februar 2013 von Jens Berger

    Liebe Leser,

    auf Anregung einer Leserzuschrift möchte Euch hier das Thema “30 Stunden bei vollem Lohnausgleich” zur offenen Diskussion anbieten.

    Hintergrundinformationen:

    Offener Brief an die Vorstände der Gewerkschaften, Parteien, Sozial- und Umweltverbände und Kirchenleitungen in Deutschland

    Heiner Flassbeck – „Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich“ – Warum werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht?

    Leider habe ich nicht die Zeit, mich ausführlich mit diesem Thema zu beschäftigen und ehrlich gesagt auch nicht die Lust, mich freiwillig in das nächste Minenfeld zu begeben. Zumal ein eigener Artikel auch überflüssig wäre, da Heiner Flassbeck eigentlich bereits alles Wesentliche gesagt hat.

    liebe Grüße,
    Euer Spiegelfechter, Jens Berger

    162 Kommentare

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