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  • Das „Glasfaserspiel“: Wie wird es sein, wenn unser Verhalten „gemacht“ wird?

    geschrieben am 11. Juli 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Die Folgen der weltweiten Überwachung von Menschen sind in den letzten Monaten fast nonchalant übergangen worden. Obwohl das Ausmaß der aufgedeckten Aktivitäten jeden überraschen, schockieren und verängstigen sollte, ging es in der allgemeinen Berichterstattung hauptsächlich um Schuldzuweisungen und Zahlenwerk. Angeregt durch einen Artikel von Patrick Breitenbach erlaube ich mir ein kleines Gedankenspiel. Eines, das mit Spaß jedoch nicht viel zu tun hat, sondern in mir das kalte Grausen auslöst.

    In den letzten Wochen sprach alle Welt von Edward Snowden. Über das, was er aufgedeckt hat und über die Frage, ob er ein Held oder Verbrecher ist. Immer stärker wurde der Whistleblower in die Ecke eines Verbrechers gestellt, die „Bild“ ging sogar so weit, ihm (durch die übelst riechende Blume) aktive Unterstützung internationaler Terroristen vorzuwerfen. Das mag ein extremes Beispiel sein, doch es macht deutlich, dass sich nur wenig mit dem auseinandergesetzt wurde, was Snowden offengelegt hat.
    Dann machte die mediale Berichterstattung einen Schwenk. Nun stand im Raum, wer von wem was wusste, wessen Geheimdienste oder Regierungen Kenntnis von den Aktivitäten der Regierungen oder Geheimdienste (oder beidem) anderer Länder hatten und haben. Was da stattgefunden hat, wirkte eher wie Kompetenzgerangel als der Versuch, etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Es mag spannend sein, in Erfahrung zu bringen, was die Bundesregierung wusste, was sie billigte oder unterstützte (wenngleich es nahe liegt, dass sie bestens informiert war). Dennoch lässt die Berichterstattung einen wichtigen Punkt weitgehend unbeachtet. Denn sie beleuchtet fast unterkühlt die technischen Möglichkeiten, zeigt aber nicht auf, was das für die Menschen bedeutet. Beschatten, beobachten, ausspähen, abhören, Daten sammeln, all das wird jetzt und in Zukunft weitreichende Konsequenzen haben. Konsequenzen, die womöglich gravierender sind als man sich heute vorstellt. Menschen können durch Manipulation von Daten so sehr beeinflusst werden, dass sich ihre Biographien verändern bzw. von außen verändert werden. Und was heute hier und da als harmlose Datensammlung durchgeht, kann morgen vermeintliche „Terroristen“ entlarven. Ohne dass die davon etwas ahnen, geschweige denn terroristische Straftaten begehen. Dazu mehr weiter unten im „Glasfaserspiel“. Den Artikel weiterlesen »

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    Jede Zumutung ist Arbeit

    geschrieben am 10. Juli 2013 von Jens Berger

    oder Aus der Gosse des Arbeitsmarktes
    ein Gastartikel von Roberto Delapuente

    Der Roman Faktotum könnte als Dokument der heutigen Arbeitswelt durchgehen. Könnte. Es gibt nur ein Problem. Er ist schon aus dem Jahr 1975 und beschreibt die Situation der arbeitenden Unterschicht im Amerika der Vierzigerjahre. Na ja, und er stammt zudem vom Dirty Old Man, der ja nicht jedermanns Geschmack ist.

    Charles Bukowkis Alter Ego Henry Chinaski hangelt sich von Job zu Job. Meist arbeitet er für einige lausige Mücken. Kündigungsfristen oder gar -schutz gibt es nicht. Dafür Blut, Schweiß und Tränen. Und Bosse, die ihre Belegschaft als Arbeitssklaven verbraten. Chinaski arbeitet in Lagern oder fährt Sachen durch die Gegend, tut das, was keiner machen will – und das ist fast alles. Alles was anstrengend ist, stinkt, entwürdigt oder gefährlich ist. Er ist ein Allestuer, ein Faktotum. Unterbezahlt und desillusioniert.

    Dieser Arbeitswelt der US-amerikanischen Vierzigerjahre gleicht sich unsere Zeit und unser Arbeitsmarkt immer mehr an. Man fliegt und kommt schnell wieder unter. Man wird gehiret und gefiret. Einen Scheißjob findet man immer wieder, es wird im unteren Segment des Arbeitsmarktes nur selten im Vorleben bei anderen Arbeitgebern geforscht. Bosse sind froh, wenn sie jemanden finden, die den Mist erledigen, den sonst keiner machen will. Heute fährt man Pakete aus und schleppt sie in den achten Stock, morgen schon zieht man sich ein Lagerregal hoch, um nach irgendwelchen Kunststoffblenden zu sehen.

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    Google und Facebook – gefährliche Datenkraken oder Blender? Ein Selbstversuch

    geschrieben am 09. Juli 2013 von Jens Berger

    Mittlerweile dürfte es sich bereits bis zum arglosesten Internetnutzer herumgesprochen haben, dass die Dienste der beiden Internetgiganten Google und Facebook im großen Maßstab Nutzerdaten speichern und zu einem Profil zusammenfügen, das von ihnen vor allem zu Werbezwecken genutzt wird. Welche Daten dieses Profil erhält, lässt sich über die gut versteckte Selbstauskunftsfunktion dieser Dienste in Erfahrung bringen. Das Ergebnis lädt dabei zunächst zum Schmunzeln ein. Erst beim zweiten Blick offenbart sich die Gefahr der gesammelten Daten – vor allem dann, wenn Geheimdienste Zugriff auf die Daten haben.

    Es gibt eine goldene Regel für Internetdienstleistungen, die leider nur wenigen Nutzern wirklich bekannt ist: Kostet ein Dienst nichts, dann bist Du die Ware. Der Umkehrschluss ist hierbei übrigens leider nicht gestattet, auch kommerzielle Dienste handeln oft mit den Daten ihrer Nutzer. Facebook generiert pro Jahr Werbeeinnahmen in Höhe von fast sechs Milliarden US$, womit statistisch durch jeden Nutzer rund fünf US$ Werbeeinnahmen generiert werden. Google nimmt rund 50 Mrd. US$ pro Jahr durch die Vermarktung von Werbeflächen ein.

    Das Pfund, mit dem Google und Facebook am hart umkämpften Werbemarkt wuchern können, ist die Möglichkeit, personalisierte Werbung zu vermarkten. Was nutzt es einem Anbieter von Seniorenreisen, wenn seine Werbung Teenagern gezeigt wird und was sollen reifere Surfer mit Werbung für Klingeltöne anfangen? Google und Facebook gehen jedoch noch weiter und versprechen ihren Werbekunden, dass deren Werbung nicht nur zielgruppengerecht, sondern auch interessenspezifisch eingeblendet wird. Wer sich im Netz beispielsweise häufig über Norwegen informiert, ist natürlich genau der richtige Werbekunde für Anzeigen für Direktflüge nach Oslo oder Ferienhäuser am Sognefjord. Wie gut diese interessenspezifische Werbung funktioniert, sieht man auf der Suchmaschine von Google, bei der bezahlte Anzeigen recht präzise zu den verwendeten Suchbegriffen eingeblendet werden.

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    Die Kosten vermeintlicher Sicherheit

    geschrieben am 08. Juli 2013 von Gastautor

    eine “Gastglosse” von Christoph Jehle

    Sicherheit gebe es nur auf Kosten der Freiheit, titelte das Münchner Magazin, das die Fakten beschwört und vorgeblich an die Leser denkt, am 5.7.2013. und suggeriert damit, dass man Sicherheit mit dem Verlust von Freiheit erreichen könne. Man will Sicherheit gewährleisten durch Freiheitsbeschränkung und stellt fest, es gehe nicht ohne Kontrolle. Man müsse schließlich Informationen abgreifen, die zu Kriminellen und Terroristen führten. Wer Sicherheit bieten wolle, müsse Einblick nehmen in die Kommunikation potenzieller Täter und komme damit am unbescholtenen Bürger nicht vorbei. Unter bewusstem Verzicht auf die klassische Unschuldsvermutung erfolgt hier eine Beweislastumkehr, die jeden, der sich in der Rechweite der Kontrolleure befindet, praktisch permanent auffordert, seine Unschuld zu belegen. Wer weniger Kontrolle fordere, müsse auch mit weniger Sicherheit zufrieden sein. Wahrscheinlich war die damalige DDR noch kein wirklich sicherer Staat, weil die Überwachung offensichtlich noch nicht so perfektioniert war.

    Die Mehrheit der Bevölkerung reagiert bislang noch ziemlich gelassen auf die Datensammelei, streut sie doch ihre Daten freigebig unter das Volk und ärgert sich höchstens über Unmengen von personalisierter Werbung im realen und im virtuellen Briefkasten. Dass die Informationen hinter den Kulissen mit zahlreichen anderen Daten verknüpft und bewertet werden, fällt dem Einen oder Anderen vielleicht mal auf, wenn er bei seiner Bank deutlich schlechtere Konditionen bekommt als jemand, der über eine bessere Adresse, einen besseren Vornamen oder einen glücklicheren Geburtstag verfügt.

    Gerade bei den Verknüpfungsergebnissen und deren Bewertung handelt es sich um Informationen, von welchen die Meisten gar nicht ahnen, dass es sie gibt und die damit überhaupt nicht einschätzen können, welche Bedeutung diese Daten haben.

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    Edward Snowden – ein Freund, ein guter Freund …

    geschrieben am 06. Juli 2013 von Jens Berger

    Nun haben sich auch Daniel Ortega und Nicolás Maduro im Fall Snowden zu Wort gemeldet. Der Präsident Venezuelas bot dem NSA-Whistleblower Asyl im „Vaterland von Bolívar und Chávez“ an, um ihn „von der imperialistischen Verfolgung Nordamerikas“ zu bewahren. Wunderbar, aber warum ist Maduro diese Idee nicht drei Tage früher gekommen, als er mit seinem Regierungsflugzeug in Moskau war? Die Südamerikaner entdecken ihre Freundschaft für Snowden immer dann, wenn sie sich sicher sein können, dass er weit weg ist und dies auch bleibt. Auch die EU-Staaten sind gewiss kein sicherer Hafen für Snowden, da seine Dokumente nicht nur die Machenschaften der NSA, sondern auch die Machenschaften der europäischen Geheimdienste bloßlegen. Daran haben auch einige mächtige Personen in Berlin und Pullach nicht das geringste Interesse. Edward Snowden hat viele mächtige Feinde, während seine vermeintlichen Freunde sich bislang größtenteils als Maulhelden erwiesen haben.

    Der Fall Edward Snowden ist seit heute um eine Posse reicher. Nach dem beschämenden Luftraum-Zwischenfall vom Mittwoch dieser Woche haben nun auch die Staatschefs von Nicaragua und Venezuela ihr Herz für den jungen Whistleblower entdeckt. Warum erst jetzt, mag man da fragen. Die Antwort liegt zumindest zum Teil auf der Hand. Auch Nicolás Maduro weilte die erste Hälfte der letzten Woche in Moskau (und Minsk). Hätte er Snowden drei Tage vorher Asyl angeboten, hätte er den Whistleblower gleich mit nach Venezuela nehmen können – die Regierungsmaschine gilt im internationalen Recht als Staatsgebiet des betreffenden Landes. Nun sitzt Snowden ohne gültige Reisepapiere im Transitbereich des Moskauer Flughafens und hat keine Chance nach Venezuela zu kommen.

    Es ist auffällig, dass sich die Großzügigkeit (und Großmäuligkeit) der Präsidenten südamerikanischer Länder mit linksgerichteter Regierung stark davon abhängt, wie wahrscheinlich es ist, dass Edward Snowden tatsächlich irgendwann einmal vor der Tür steht. Als Snowden noch im fernen Hong Kong war, gefiel sich beispielsweise der ecuadorianische Präsident Rafael Correa noch als mutige Stimme Südamerikas, die den USA die Stirn bieten will. Dass sein Botschafter in London ihn beim Wort nehmen würde und Edward Snowden die nötigen Reisepapiere ausstellte, mit denen er von Hong Kong nach Moskau kam, konnte Correa ja nicht ahnen. Nun bestand nämlich die reale „Gefahr“, dass Snowden via Havanna ins schöne Quito kommt. Fluchs widerrief Correa die Reisepapiere, distanzierte sich in aller Form von seinem Botschafter in London und dessen Dauergast Julian Assange und zog sein vorheriges Asylangebot zurück. Ohne Reisepapiere kann Snowden Moskau nicht verlassen. Wenn es Daniel Ortega oder Nicolás Maduro mit ihrem Asylangebot ernst meinen würden, hätten sie Snowden auch die nötigen Reisepapiere ausgestellt, um nach Nicaragua oder Venezuela zu kommen. Beides ist jedoch nicht der Fall und Ortega und Maduro wissen genau warum.

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