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25. Juli 2010 von
Spiegelfechter
ein Gastbeitrag von Wolf Wetzel
»Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat einen Besuch deutscher Kampftruppen in der nordafghanischen Unruheprovinz Baghlan aufgrund von Gefechten der Bundeswehr mit den radikal-islamischen Taliban kurzfristig abgesagt. Der CSU-Politiker war bereits vom Feldlager Kundus aus mit dem Hubschrauber auf dem Weg zu den Soldaten der Schnellen Eingreiftruppe, als ihn die Nachricht von den Kämpfen erreichte. Auf Empfehlung des Kommandeurs der Truppe kehrte er um.« TAZ vom 16.7.2010
Der lange Marsch
»Über den ›umgangssprachlichen Krieg‹ ist es einige Wochen und sieben getötete Soldaten später nur noch ein kleiner rhetorischer Schritt, bis sich die Bundesrepublik im 61. Jahr ihrer Existenz im ›Krieg‹ befindet. Ausgerufen von einem 38 Jahre alten Gebirgsjäger der Reserve. (…) Guttenberg kann sogar von Krieg sprechen – und die Republik atmet auf.« FR vom 22.4.2010
In einem Land, das gerade einmal vor einem halben Jahrhundert die Welt in Schutt und Asche gelegt hat, ist die Erleichterung, die auch die Frankfurter Rundschau packt, schierer Hohn. Mehr noch: Sie ist feige und verlogen! Warum braucht man für diese herbeigesehnte, herbei geschriebene Erleichterung auch noch die Republik als menschliches Schutzschild?
Wenn irgend etwas in dieser Republik einigermaßen stabil ist, dann die seit Jahren große Mehrheit derer, die diesen Krieg ablehnen!
Wenn also irgend jemand erleichtert ist, dann ist es eine milliardenschwere Minderheit, die in Afghanistan weder Deutschland verteidigt, noch die Demokratie aufbaut, sondern Krieg führt.
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12. Juli 2010 von
Spiegelfechter
Aus und vorbei – bis vor kurzem bestanden noch vage Hoffnung, dass der Westen seinen Krieg für Brunnen, Schulen und Frauenrechte am Hindukusch vielleicht doch noch gewinnen könnte. Diese Hoffnungen wurden jedoch nun durch einen echten Scoop von People´s Daily hinweggefegt. People´s Daily ist das offizielle Parteiorgan der Kommunistischen Partei Chinas und von daher über jeden Zweifel erhaben. Chinas tapfere Journalistenbrigade konnte sich in mühevoller Kleinarbeit Einblick in das Wunderwaffenprogram der Taliban verschaffen und berichtet nun in der internationalen Freitagsausgabe von der ultimativen Weiterentwicklung auf dem Feld der asymmetrischen Kriegsführung: Die “Terroraffen” der Taliban.
Operation Banane
Während die USA etliche Milliarden Dollar in die militärische Forschung stecken, reichen den smarten Gotteskriegern bereits ein paar Bananen und ein wenig Erdnussbutter, um die letzte verbliebene Supermacht in die Knie zu zwingen. Mit diesen Wundermitteln haben es die Taliban nach Informationen einer britischen Nachrichtenagentur, die von People´s Daily anonym zitiert wird, geschafft, heimischen Affen in der Grenzregion Waziristan die Benutzung von AK-47-Sturmgewehren und leichten Maschinengewehren vom Typ Bren beizubringen. Aber damit nicht genug – die klugen Affen vom Hindukusch können sogar Freund und Feind unterscheiden.

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06. Juli 2010 von
Spiegelfechter
In George Orwells Roman 1984 führen die Supermächte begrenzte Kriege an der Peripherie. Diese Kriege sind fortwährend, sie sind der Normalzustand, auch wenn die Berichterstattung der gleichgeschalteten Medien immer wieder den Frieden als erwünschten Endzustand in greifbare Nähe rückt. In 1984 dient der fortwährende Krieg an der Peripherie der Herrschaftssicherung der Eliten. Um Kritik am Krieg zu untergraben, wird er in der Propaganda als alternativlos dargestellt – “Krieg ist Frieden”.
Der Krieg des Westens in Afghanistan wird nun bereits seit neun Jahren geführt. Auch wenn ein Sieg nie greifbar war und die Situation heute genauso hoffnungslos ist, wie in den Jahren zuvor, sprechen Politik und Medien regelmäßig von Frieden und Stabilität als Endzustand, der in greifbarer Nähe läge. Da der Glaube an den Endsieg der Demokratie und der Freiheit am Hindukusch jedoch in der Öffentlichkeit schwindet, wechselt auch die Politik langsam ihre Rhetorik. Der neue Oberbefehlshabende Petraeus spricht bereits von einem „fortwährenden Krieg“ und auch Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg stimmt die deutsche Nation bereits auf einen Paradigmenwechsel und ein deutlich längeres Engagement am Hindukusch ein. Krieg ist Frieden.
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24. Juni 2010 von
Spiegelfechter
Die Demission von Stanley McChrystal ist ein unwürdiges Kapitel im Washingtoner Polittheater. Was kann man General McChrystal vorwerfen? Einiges: McChrystals Strategie in Afghanistan scheint auf ganzer Linie gescheitert zu sein. Er ist beratungsresistent, dickköpfig und unflexibel – ein sperriger, alter Knochen, der an der Herkules-Aufgabe scheiterte. McChrystal ist auch in einen echten Skandal verwickelt. Wider besseres Wissen gab er an, dass der ehemalige Football-Star Pat Tilman unter seinem Kommando vom Feind erschossen wurde – Tilman wurde allerdings durch seine eigenen Kameraden getötet. Anstatt diesen Fall von Friendly Fire zu untersuchen, verlieh McChrystal dem “Helden” postum den Silver Star. Es gäbe einige Gründe, warum “Stan the Man” abgelöst werden sollte – der berühmt-berüchtige Rolling-Stone-Artikel “The Runaway General” gehört jedoch nicht dazu.
Obamas Scheitern
Tief in seinem Herzen ist Barack Obama ein Gegner der amerikanischen Kriege im Mittleren Osten. Allerdings ist er nicht in der Position, den Krieg in Afghanistan mit einem schmachvollen Abzug zu beenden. Ein Präsident ist nicht in der Lage, eine politische Entscheidung zu fällen? An dieser vermeintlichen Machtlosigkeit ist Obama jedoch selbst schuld. Bereits in seinem Präsidentschaftswahlkampf sprach er zwar von einer “Exit-Strategie”, koppelte diese jedoch an einen militärischen Erfolg. Was sollte er auch machen? Hätte er den Abzug ohne vorherigen Erfolg propagiert, wäre er von den Medien und der politischen Konkurrenz gegrillt worden und nie Präsident geworden. Obamas Plan von einem schnellen Abzug, bei dem die letzte verbliebene Weltmacht ihr Gesicht wahrt, löst sich jedoch in diesen Stunden im Sande Afghanistans auf.
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14. Juni 2010 von
Spiegelfechter
Afghanistan sitzt auf Rohstoffen im Wert von fast einer Billionen US$? Da ist den Pentagon-Strategen ein echter Scoop gelungen. Der Krieg in Afghanistan hat nunmehr seit Jahren einen toten Punkt erreicht. Selbst eingefleischte Falken glauben nicht mehr an den “Endsieg” des Westens am Hindukusch. Die groß angekündigte Offensive im Süden verläuft mehr als schleppend, die Verluste der westlichen Allianz mehren sich. Der Juni 2010 könnte als verlustreichster Monat in die Annalen des Kriegs in Afghanistan eingehen – in diesem Jahr sind bereits mehr westliche Soldaten gefallen, als in den ersten drei Kriegsjahren zusammen. Was die bröckelnde Heimatfront braucht, sind gute Nachrichten. Aber woher sollte solch eine gute Nachricht kommen?
Jeder Spin-Doctor weiß, dass die besten “guten Nachrichten” diejenigen sind, die man sich selbst ausdenkt. Das kriegsmüde Volk glaubt nicht mehr an die Demokratisierung Afghanistans? Wir können mit Brunnen, Frauenrechten und Schulen nicht mehr punkten? Dann schwenken wir doch um auf die Köhler-Taktik und machen dem kriegsmüden Volk klar, dass der Krieg letztendlich unseren Reichtum mehrt. Anders als der Irak ist Afghanistan nun aber nicht unbedingt für sprudelnde Quellen schwarzen Goldes bekannt und es ist auch nicht eben einfach, Afghanistan als kommendes Paradies der Sweat-Shops oder gar als lukrativen Absatzmarkt zu verkaufen. Haben wir nicht noch irgendwelche alten Rohstoffanalysen im Schreibtisch, die wir ein wenig “aufsexen” können? Aber natürlich! Die New York Times veröffentlichte diesen PR-Gag mit Freude und heute sprangen auch die deutschen Qualitätszeitungen völlig unkritisch auf den Zug mit auf.
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