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    geschrieben am 17. Juni 2013 von Joerg Wellbrock

    Vorhin erreichte uns folgende, wirklich spannende Mail:

    Hallo,

    Hätten Sie Interesse einen Gastbeitrag auf Ihrer Website zu veröffentlichen, der einen Text-Link zurück zu der Website unseres Kunden beinhaltet?
    Unser Kunde ist ein namenhafter Online Casino Anbieter.
    Der Artikel ist gut geschrieben, informativ, unterhaltsam und einzigartig, und ich wäre auch bereit, Ihnen einen Obulus für die Platzierung zu bezahlen.
    Ist das eventuell von Interesse für Sie?

    Mit freundlichen Grüßen,
    XY ungelöst

    Wir waren geneigt, auf das tolle Angebot einzugehen, entschieden uns dann aber doch dagegen:

    Guten Tag,

    leider haben wir schon so viele Casino-Artikel auf unserem Blog, dass ein weiterer womöglich negative Auswirkungen auf unsere Themenvielfalt hätte.

    Wir können Ihr Angebot daher nicht in Anspruch nehmen.

    Gewürfelte Grüße,
    Tom W. Wolf

    6 Kommentare

    Open Thread – Zensus 2011 und die offenen Fragen

    geschrieben am 31. Mai 2013 von Spiegelfechter

    Liebe Leser,
    heute wurden endlich die ersten Ergebnisse zum Zensus 2011 veröffentlicht. Offiziell leben nun 1,5 Millionen Menschen weniger in Deutschland als bislang angenommen.

    Dazu schreibt der Statistiker Gerd Bosbach (vor der Veröffentlichung):

    1. Die Bevölkerungszahlen sind wichtig für Finanzausgleiche (u.a. auch europaweit), Sitze im Bundestag, Landtag, Bundesrat, …, Planung von Versorgeeinrichtungen, Gehälter hoher Beamter und vieles mehr.
    2. Die Erfassung mit einer Stichprobe in 2011 war überfällig und eine riesige Arbeit in Konzeption + Durchführung. Deshalb dank an das Amt.
    3. Aus den unter 1 genannten Fakten ist klar, dass es große Interessen gibt, die regionale Bevölkerungszahl “positiv zu runden”. Z.B. in den nicht allen Verdächte auf eine Melderegisterleiche sofort nachgegangen wird. Dieser Effekt war schon bei der letzten totalen Volkszählung 1987 in Westdeutschland zu beobachten und führt prinzipiell auch jetzt noch zu einer zu hohen Zahl.
    4. Verwunderlich ist, dass ab 2003 mit Modellrechnungen zur Entwicklung bis 2050 und 2060 sehr viel Wirbel veranstaltet wurde. Immerhin musste man aufgrund des Zensustestes 2001 erwarten, dass die existierende Bevölkerung um 1 bis 2 Millionen überschätzt wurde. Und diese falschen Daten wurden wissentlich als Rechengrundlage genommen! Hier bin ich auf eine Erklärung des StaBu gespannt.
    5. Wenn die Bevölkerung kleiner als angenommen ist, gilt das auch für die errechnete Lebenserwartung (höhere Sterbewahrscheinlichkeiten, da Nenner kleiner). Hier muss das Bundesamt schnell liefern.
    6. Es handelt sich hier nicht um eine “Schrumpfung Deutschlands”, sondern eine Korrektur schon lange existierender Fehler. Wir waren schon lange weniger in Deutschland und das war nicht das Problem. In der meisten Zeit haben nicht Menschen sondern Arbeits- und Ausbildungsplätze für die weniger Menschen gefehlt. (Beleg: Rund ein Viertel aller Melderegisterleichen waren beim Zensustest in NRW schon aus der Zeit vor 1987!!!)

    Die Ergebnisse des Zensus ziehen noch einen ganzen Rattenschwanz von offenen Punkten nach sich:

    - Wenn die Bevölkerungszahl und v.a. die Altersgruppen bislang falsch angegeben wurden, stimmt auch die offizielle Lebenserwartung nicht, da dann die Sterbetafeln ebenfalls nicht korrekt sind.

    - Wenn die Lebenserwartung niedriger ist, als bislang angenommen, stimmen auch diverse Prognosen nicht mehr. Dazu zählen auch die Prognosen zum Rentensystem und eigentlich alle Prognosen, die mit dem Schlagwort „demographischer Wandel“ versehen wurden.

    - In einem geringeren Maßstab hat dies auch Auswirkungen auf die Rechenmodelle der Lebensversicherungen und Privatrenten. Denn wenn die Lebenserwartung geringer ist, als angenommen, sind auch die ausgezahlten verrenteten Prämien zu gering und die Margen der Anbieter zu hoch.

    Ein hoch interessantes Thema, wie ich finde, das ich hier gerne zur offenen Diskussion stelle.

    25 Kommentare

    Konsumklima: Wir verkaufen uns glücklich

    geschrieben am 24. Mai 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat mal wieder ihre vermeintlich repräsentativen Zahlen zum Konsumklimaindex vorgelegt. Demnach freuen sich die Deutschen über eine gute Konjunktur und haben richtig Lust, Geld auszugeben. Liest man die Zusammenfassung der GfK, könnte die Befragung auch in einem Paralleluniversum stattgefunden haben.

    Der „Spiegel“ titelt „Deutschen kaufen gegen die Krise an“, die Tagesschau schreibt „Lieber kaufen als sparen“. Und die GfK selbst bezeichnet die Stimmung der Deutschen in Sachen Konsum als „weiterhin sehr gut.“ Das macht sie übrigens alle Jahre wieder. Im Jahr 2009 war es allerdings der Einzelhandel, der mit der Betrachtung nicht einverstanden war. Die negativen Umsatzzahlen der Branche ließen Einzelhändler ziemlich sauer werden, als die GfK das Konsumverhalten der Deutschen lobte. Doch die ließ sich davon nicht beeindrucken und fragte munter weiter die Menschen, um ihren Konsumklimaindex zu ermitteln. 2011 kam die Gesellschaft zu dem Ergebnis, „positive Konjunktur- und überaus erfreuliche Arbeitsmarktzahlen stärken die Planungssicherheit der Konsumenten, die gerade bei größeren Anschaffungen eine wichtige Rolle spielt.“
    Heute, im Jahr 2013 liest sich das ähnlich. Die Deutschen sind Optimisten, daran ändern auch internationale Krisen nichts. So kommt die GfK zum Schluss, dass die Verbraucher „ihr Augenmerk in erster Linie auf die guten und stabilen Rahmenbedingungen in Deutschland gerichtet“ haben. „Eine auf hohem Niveau befindliche Beschäftigung, gute Tarifabschlüsse sowie eine sinkende Inflation stützen die gute Stimmung.“ Den Artikel weiterlesen »

    59 Kommentare

    Die Unmöglichkeit reinen Lebens

    geschrieben am 17. Mai 2013 von Gastautor

    von Roberto Delapuente

    oder Wer atmen will, macht sich schuldig.

    “Muss der Handelnde schuldig werden, immer und immer? Oder, wenn er nicht schuldig werden will, untergehen?”, fragt Monika Maron in Stille Zeile Sechs und bezieht sich auf Ernst Toller, den politischen Schriftsteller und einer der führenden Köpfe der Münchner Räterepublik, dessen leitmotivische Frage dies gewesen sei. Tollers Thema war für viele Jahre die Diskrepanz zwischen dem was sein soll und dem was wird, zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Ideal und dem Zwang, im irdischen Sachzwang zu leben. In einen Brief an Stefan Zweig schreibt Toller, dass “das Absolut-Gute, das Paradies auf Erden” kein Gesellschaftssystem schaffen wird, “… es handelt sich einzig darum, für das relativ beste, das der Mensch finden und verwirklichen kann, zu kämpfen”.

    Wer nicht untergehen will, der macht sich schuldig. Philosophisch gesehen ist Existenz auch immer Schuldkomplex. Wir Lebenden sind beständige Schuldner an anderen. Dass Überleben dort, wo andere nicht überlebten, Schuldfragen aufwirft, wissen wir spätestens seit Auschwitz. Doch nicht erst Überleben führt dort hin, schon das Dasein ohne unmittelbarer Gefährdung schafft Schuld. Das ist Teil menschlicher Konditionierung, das ist ontologische Prämisse. Und das systemübergreifend. In einem System wie diesem aber, in dem man zwar alles über Arbeit definiert, in dem aber Arbeitskraft wenig wert ist, weil sie möglichst billig zu haben sein soll, gibt es keine Nischen mehr, in der man sich Schuldfreiheit auch nur einbilden könnte. Die Existenz darin bedeutet immer und überall schwerste Schuld. Ausflüchte gibt es kaum. Und gerade die politische Linke, die die systematische Schuldfrage stellt, kommt hier ins Straucheln, weil deren Protagonisten ja auch existieren wollen und sich damit selbst schuldig machen müssen.

    Das fängt bei Amazon an, geht über den Fleischkauf im Supermarkt oder Discounter, bis hin zur Inanspruchnahme unterbezahlter Minijobber, die uns im Lokal, als Boten an der Haustüre oder am Krankenbett begegnen. Wir schlucken Medizin, die in der Dritten Welt erprobt werden und die dort kaum vertrieben wird. Unsere Existenz ist Schuld. Sie ist es in diesem System bedeutungsvoll – und sie wäre in jedem anderem auch vorhanden, vielleicht nur anders gewichtet, etwas weniger ausgeprägt oder geschickter getarnt.

    Weiterlesen auf ad sinistram

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    Veranstaltungshinweis Wuppertal: Jens Berger – Der Staat ist keine schwäbische Hausfrau

    geschrieben am 14. Mai 2013 von Spiegelfechter

    In Kooperation mit “die börse”, Kommunikationszentrum Wuppertal und eingeladen von attac Wuppertal
    Mittwoch, 22. Mai, um 19:30 Uhr
    Eintritt Frei! Herzliche Einladung!
    Ort: In der Börse, Roter Saal (erster Stock), Wolkenburg 100

    Der Staat ist keine schwäbische Hausfrau

    In den aktuellen Diskussionen zur Haushalts- und Wirtschaftspolitik wird von Seiten der Regierungen und der Wirtschaft gerne das Bild der schwäbischen Hausfrau im Sinne „guten Wirtschaftens“ gebraucht. Mit den Phrasen, dass der Staat nur so viel ausgeben könne, wie er einnimmt, und „wir“ sowieso über „unsere“ Verhältnisse lebten, wird der Öffentlichkeit suggeriert, ein Gemeinwesen sei so leicht zu handhaben wie ein Privathaushalt. Dazu wird gerne der Begriff des Sparens verwendet. Was im privaten Wirtschaften sicherlich sinnvoll sein kann, führt bei Übertragung auf ganze – untereinander abhängige – Volkswirtschaften zu einem verkürzten bzw. falschen Handeln.

    Insbesondere im Angesicht der Finanz- und Eurokrise, die in Wirklichkeit nichts anderes darstellt als eine Bankenrettungskrise, gewürzt mit einer jahrzehntelangen einseitigen Steuerpolitik zugunsten von Reichen und Unternehmen und zu Lasten der Mittelschicht und erst recht sozialer Randgruppen. Wenn jede und jeder im Sinne eines neoliberalen Wettbewerbstaates spart, entfaltet das Sparen eine zerstörende Wirkung auf jede Volkswirtschaft. Dies zeigt ein Blick auf die mediterranen EU-Staaten – insbesondere nach Griechenland –, in denen immer neue Sparpakete zur Befriedigung der internationalen Gläubiger verheerende, längst überwunden geglaubte soziale Verwerfungen verursachen. Es ist eine Frage der Zeit, bis auch die deutsche als stärkste Volkswirtschaft der EU letztlich nicht von solchen Auswüchsen verschont bleiben wird.

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