Was macht eigentlich … Trupoli?

06. November 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Wir erinnern uns: In einem Beitrag im August dieses Jahres warf ich einen kritischen Blick auf eine hippe frisch angekündigte Web 2.0 Politikplattform mit dem Namen „Trupoli“, die durch sehr selbstbewusste Eigendarstellung auf sich aufmerksam machte.

Als offizieller Starttermin der Politik-Community und –Bewertungsplattform war der 1. Oktober vorgesehen. Dieser Termin ist schon lange verstrichen, aber mittlerweile befindet sich Trupoli seit zwei Wochen in einer „geschlossenen“ Beta-Phase und alles ist (wie sollte es auch anders sein) natürlich superdupertoll, wenn man dem Aufsichtsratsvorsitzenden Olaf Jacobi Glauben schenken mag. Anfang November soll Trupoli nun endlich fertig sein - wir sind gespannt.

Trupoli tritt mit dem Slogan „Mehr Demokratie und transparente Politik“ an, das ist ein hehrer Anspruch, nur leider lässt die Intransparenz von Trupoli selbst die Hoffnungen schwinden, dass dieser Slogan ernst gemeint sein könnte. Die “offensichtlich” professionell aufgezogene Plattform, die 12 Mitarbeiter beschäftigt und in bester Münchener Citylage residiert, hat freilich ein Business-Modell - nur von Luft und Liebe leben weder die Mitarbeiter, noch der Vermieter und nur mit Werbeeinnahmen ist eine solche Plattform auch nicht finanzierbar.

In einem Interview mit dem Gründerblog der Wirtschaftswoche umreißt CEO Zumpe das Geschäftsmodell von Trupoli:

„Kern unseres Geschäftsmodells ist Meinungsforschung. Wir wollen die Meinung der Bürger an Politiker liefern in Form differenzierter Analysen und Studien. [] Wir beschäftigen professionelle Meinungsforscher, um das Ganze auf solide Beine zu stellen. Außerdem haben wir, wenn die Plattform etabliert ist, eine Datenbasis, die es in der Größe noch nicht gibt.“

Das hört sich ja spannend an, worüber wollen die Meinungsforscher denn solide Auskunft geben, wenn Trupoli seine Datenschutzerklärung wirklich einhalten will? Jeder, der sich auch nur ansatzweise mit Meinungsforschung auseinandergesetzt hat, weiß, dass willkürliche Daten ohne Angaben anhand derer man Rückschlüsse auf die Repräsentativität der Primärdatenbasis anstellen kann, wertlos sind. Die „Analyse“ „Von 5.000 Besuchern finden 258 Besucher Kurt Becks neue Frisur toll“ hat keinen Wert für die SPD. Ohne Basisdaten, wie Alter, Geschlecht, Wohnort, Schulbildung und am besten auch das Haushaltseinkommen, können solche Rohdaten nicht zu brauchbaren Sekundärdaten aufbereitet werden. Wird Trupoli diese Daten bei der Registrierung abfragen? Werden Pop-ups die User zu separaten Umfragen weiterleiten, die diese Daten erheben? Das kann allerdings jede Seite und dies wäre nicht die riesige Datenbasis von der Zumpe spricht – wir sind gespannt.

Dass CEO Zumpe vor seinem Trupoli-Engagement als Projektmanager der Politikberatungsfirma des „umtriebigen“ Horst Teltschik tätig war, hatte ich im letzen Artikel bereits ausgeführt. In Blogs, die meinen Beitrag verlinkt haben, bezeichnete Zumpe dies als „goldfolienverpackte Verschwörungstheorie“. Er stellt dort fest „vieles [in meinem Artikel] [sei] inhaltlich falsch und das was richtig ist, [sei] für Trupoli irrelevant oder in irgendwelche Zusammenhänge hineinkonstruiert. Grade Verbindungen zu irgendwelchen Konzernen und Old Boys Netzwerken und weiß der Geier was noch sind zusammengereimt und aus der Luft gegriffen.”

Auf meine Aufforderung, den Vorwurf der „goldfolienverpackten Verschwörungstheorien“ gerade zu biegen, ist Zumpe natürlich nicht eingegangen. Es hätte auch unangenehme Fragen geben können. Warum beispielsweise residiert die Trupoli AG im gleichen teuren Bürogebäude, in dem auch Zumpes „ehemaliger“ Arbeitgeber Horst Teltschik mit seiner Politikberatungsfirma „Teltschik Associates“ ansässig ist? Warum hat ein so finanzstarkes Web 2.0 Unternehmen keinen eigenen Telefonanschluss, sondern ist unter einer Nebenstellennummer von „Teltschik Associates“ zu erreichen? Warum muss sich Trupoli einen Fax-Anschluss mit Herrn Teltschik teilen?

Teltschik Associates GmbH
Theatinerstrasse 14
80333 München
Fon.: +49 (0) 89 / 89 32 78 – 0
Fax: +49 (0) 89 / 89 32 78 – 10

Trupoli AG
Theatinerstr. 14
80333 München
Telefon: 089/893278-90
Telefax: 089/893278-10

Die Verbindungen zu „irgendwelchen Konzernen und Old Boys Netzwerken und weiß der Geier was noch sind [also] zusammengereimt und aus der Luft gegriffen“ Herr Zumpe? So so - wir sind gepannt.

Das alles ist ja nicht per se verwerflich, sondern leider sogar üblich. Aber mit dem Anspruch „Transparenz“ zu bringen, ist es sicher nicht zu vereinbaren. Sowohl die Contentlieferanten aka Blogger, die auf Trupoli etwas schreiben sollen, als auch die User, die sich dort engagieren, wären sicher dankbar, wenn der Nebel etwas gelichtet würde. Aber vielleicht wäre auch genau dies das Ende der Glaubwürdigkeit von Trupoli – wir sind gespannt.

p.s.: Schönen Dank an die Kommentatoren, die mich auf die “sachdienlichen Hinweise” gestoßen haben.

Jens Berger

Bildnachweis: Screenshot “Trupoli.com”, Region*Muenchen.de, Shops-Muenchen.de

Kategorie: Allgemein, Medien | 46 Kommentare

Work in progress [Update]

18. Oktober 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Wie Ihr unschwer erkennen könnt, stellt der Spiegelfechter gerade eben sein Layout um. Eigentlich wollte ich das auf einer Zweitinstallation machen und das fertige Layout dann übernehmen. Dieser Plan ist so gnadenlos gescheitert, dass auch das alte Layout “zerschossen” wurde. Drum habe ich die Umstellung vorgezogen und werkele am “lebenden Blog”. Bitte habt Verständnis, dass die To-do Liste noch lang ist, und noch nicht alles wie gewohnt funktioniert. Bis Samstag wird aber alles fertig sein.

Für Anregungen und Kritik wäre ich (wie immer) dankbar. Und sollte jemand wissen, wie man ohne große Programmierkenntnisse aus einem zweispaltigen Layout ein dreispaltiges macht … bitte melden ;-)

Update: Das Layout steht jetzt einigermaßen … nochmals Danke Tar!. Da ich gleichzeitig auf WP 2.3 aktualisiert habe, sind aber noch zwei Probleme offen.

- WP leitet nach “Post”-Befehlen nicht wieder auf die Seite weiter. Z.B. bei den Kommentaren - nach Abschicken des Kommentars leitet WP nicht korrekt weiter und man sieht nur eine blanke Seite. Der Kommentar wird allerdings korrekt abgeschickt. Im Admin-Bereich sieht es genau so aus. Woran kann das liegen?

- Der WYSIWYG-Editor funktioniert unter Firefox nicht

Hat irgendwer eine Idee?

Kategorie: Allgemein | 62 Kommentare

Money for nothing (and chicks for free)

20. August 2007 von Achel - Drucken

Als ich neulich durch die Printmedienlandschaft blätterte, erinnerte ich mich an ein altes Lied aus fernen Zeiten, dargeboten von den Dire Straits. „Money for nothing“ so der Name des künstlerischen Machwerks. Und passender ist folgende Meldung nicht zu überschreiben. „Die Parteien der großen Koalition wollen mehr Geld – Ausrufezeichen“.

Der Wahlkampf naht mit großen Schritten. In den Fußgängerzonen wird man bald wieder von Parteisoldaten dieser oder jener Gesinnung belagert und mit Wahlbestechungsmitteln wie Luftballon, Kugelschreiber oder ähnlichem Tand bombardiert. Denn derartige schnöde Dinge sind außerordentlich wichtig, wenn den Politikern die Argumente ausgehen und der Passant die ebenso hohlen wie austauschbaren Phrasen einfach nicht mehr hören mag.

Doch auch derlei Billigkram kostet Geld. Es ist also kein Zufall, dass die große Koalition noch schnell eine Erhöhung der staatlichen Zuschüsse für die Parteien um 15 Prozent auf 153 Millionen Euro beantragt. Der Gesetzentwurf soll bereits nächstes Jahr in Kraft treten. Schon erstaunlich wie schnell manches doch gehen kann, während die Parteien sich bei anderen existenziellen Dingen im Höchstfall darauf einigen, innerhalb der nächsten 20 Jahren noch einmal über das entsprechende Thema nachzudenken.

Warum überhaupt wollen die Parteien mehr Geld? Ganz einfach, ein Grund ist das Verbot von Schwarzen Kassen. Unter Helmut Kohl und Roland Koch, (der ja nachweislich nie nichts mit schwarzen Kassen zu tun hatte, und sowieso diese Wortkombination noch nie nicht nirgends gehört hat und sowieso war der Kanther schuld und Koch weiterhin Ministerpräsident…) florierte dieses wunderbare System und das Geld floss munter in die Parteientaschen und Wahlkämpfe.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass zum Beispiel die SPD seit dem Jahr 2002 rund 145.000 Mitglieder verloren hat, und die CDU immerhin 50.000. Jetzt könnten sich die Parteivorderen mal hinsetzen und überlegen, was sie denn falsch gemacht haben, wenn so viele ihnen den Rücken zukehren, eine lange Nase machen, aus der Partei austreten. Doch das würde ein Mindestmaß an Selbstkritik erfordern, was gerade in Wahlkampfzeiten völlig indiskutabel ist. Ein Paradebeispiel für dese Gesinnung ist die künftige Schatzmeisterin der SPD, Barbara Hendricks, die in der „Rheinischen Post“ folgende Worte vor sich her plapperte: „Wenn die Bürger sich entschließen, sich nicht als Mitglieder zu engagieren, wird dies zumindest zum Teil durch öffentliche Mittel ausgeglichen werden müssen.“ Richtig, denn das Volk ist nicht nur Wahlvieh, sondern auch Goldesel. Dank des Aufschwungs, für den die große Koalition aber auch nichts kann.

Da die Politik im und aus Prinzip nur die Hausaufgaben erledigt, die ihr von der Wirtschaft gestellt werden, sollte eben diese Wirtschaft auch die Parteien bezahlen. So wie in den USA. Über dem Teich wird nicht einmal so getan, als ob das Volk irgendwas zu sagen hätte. Die Politiker bekommen ihr Geld von den großen Konzernen und belasten damit nicht den Staatshaushalt. Daher können die Amis mit den Steuergeldern viele schöne Dinge machen, zum Beispiel Kriege führen. Dass die Brücken standfest beleiben, dafür reicht die Kohle allerdings auch nicht.

Mit der Forderung nach mehr Geld stellt sich die große Koalition zudem mal wieder außerordentlich ungeschickt an. Denn die kleinen Parteien wie die Grünen, FDP oder Die Linken können sofort groß herumkrakelen, wie dreist eine solche Forderung doch eigentlich sei und „mit uns wird man das nicht durchsetzen können“. Tja, braucht man auch nicht. Denn egal wie die anderen stimmen, die SPD und die CDU haben die Mehrheit, der Gesetzentwurf kommt also durch. Und die kleinen Parteien erhalten ebenso mehr Geld. Stehen aber moralisch besser da, was will man mehr.

Und übrigens, der Geldregen käme nicht nur den etablierten Parteien zugute, sondern auch netten Vereinigungen wie der NPD. Herzlichen Glückwunsch.

Achel

p.s.: Wie SPON schreibt, ist die “Initiative” anscheinend vorerst gestorben … und, wie immer, will es wieder einmal keiner gewesen sein.

Bildnachweis: Alle Montagen Spiegelfechter (CC), Titanic

Kategorie: Allgemein, Glosse | 19 Kommentare

Hilfe!

26. Juli 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Heute wende ich mich mit einem technischen Problem an alle Coder, Hacker, Admins, Webmaster, Informatiker und sonstige Personen, die Ahnung von einer Materie haben, von der ich stets nur Bahnhof und Bratkartoffel verstehe.

Mein Blog mailt nicht mehr :-(

Ich gebe ja zu, ich frickel gerne an Sachen rum, von denen ich keine Ahnung habe - aber diesmal habe ich nichts gemacht … Cross my heart and hope to die! Auch mein Webhoster (Goneo) behauptet, man hätte dort nichts gemacht, was mit diesem Fehler in Verbindung stehen könnte. Folgendes ist passiert:

- Nachdem ich am 17.7 den “Tour de Farce”-Artikel eingestellt habe, war meine Seite für ca. 2 Stunden nur bei ca. jedem dritten Aufruf erreichbar, in zwei Drittel aller Fälle gab es einen “Fehler 500 - Internal Server Error”, welcher teilweise auch für Teilbereiche des Admin-Panels in Wordpress angezeigt wurde. Nachdem der Spuk vorbei war, lief anscheinend alles wieder reibungslos.

- Anscheinend, denn ich musste feststellen, dass Wordpress seitdem keine Mails mehr verschickt. Weder administrative Benachrichtigungen über Kommentare, noch Newsletter oder die von Usern abonnierten Kommentarmeldungen. Noch nichtmals das Datenbankbackup wird per Mail versandt.

- Verzweifelt und planlos habe ich zunächst Wordpress neu installiert, was auch nichts änderte. Daraufhin habe ich mit SMTP-Plugins experimentiert, was allerdings ebenfalls keinen Erfolg brachte - nur die Backup-Mails wurden zugestellt, sonst nix.

Ich bin mit meinem Küchenlatein am Ende. Vielleicht hatte ja einer der mitlesenden Blogger bereits ein ähnliches Problem oder jemand, der in Sachen Technik fitter ist, als ich, hat eine Idee?

Danke im Voraus!

Jens Berger

Kategorie: Allgemein | 21 Kommentare

Der Spiegelfechter im Interview

24. Juni 2007 von Spiegelfechter - Drucken

 

Kompletter Artikel auf Krit.de

Kategorie: Allgemein | 4 Kommentare

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Wie würdest Du bei einem Referendum über den "Vertrag von Lissabon" abstimmen?

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  • COPOKA @CHR, #40 Aus meiner Sicht bietet sich eine Alternative, die die Bedingungen ebenfalls erklären könnte. Dann...
  • COPOKA @SF Jö, capice. Ich wollte ‘priono’ nur noch darauf hinweisen, dass Windows auf den Clients zwar...
  • Spiegelfechter @COPOKA Nee, es geht um die Client-Systeme und nicht um den Server. Das WP ein Leck hat ist klar, aber...
  • COPOKA @SF Na ja, wordpress läuft ja unter Linux ;) Das Sicherheitsleck war ja nicht auf deinem PC. Es sei denn,...
  • Spiegelfechter @alle Diskutanten Leider komme ich erst am WE dazu, mir die Beweisdokumente des FBI näher...
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