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  • Die Logik des Systems

    geschrieben am 19. November 2013 von Gastautor

    von Emran Feroz

    Vor Kurzem wurde der US-amerikanische Anonymous-Aktivist Jeremy Hammond zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Dem 28-Jährigen wurden zahlreiche Hackangriffe vorgeworfen, die er bereits im vergangenen Jahr gestand. Mit Gerechtigkeit hat das Urteil wenig zu tun, denn während ein junger Mann nun für lange Zeit ins Gefängnis muss, machen Wallstreet-Spekulanten, Mörder und Anzug tragende Psychopathen weiterhin die Welt unsicher.

    Die nächsten zehn Jahre wird Jeremy Hammond in einer Gefängniszelle verbringen. Zu diesem Urteil, kam ein New Yorker Gericht vor einigen Tagen. Als Unwissender könnte man meinen, Hammond wurde des Totschlags, der schweren Körperverletzung oder eines bewaffneten Raubes schuldig gesprochen. Doch mit einer solchen Annahme liegt man meilenweit daneben. Der 28-jährige politische Aktivist, der unter anderem bei der allseits bekannten Anonymous-Gruppe aktiv gewesen ist, beging seine Straftat am Schreibtisch. Sein Tatwerkzeug war kein Messer und auch keine Pistole, sondern lediglich sein Laptop.

    Im Jahr 2011 drang Hammond in die Server der geostrategischen Denkfabrik Stratfor ein. Der private, US-amerikanische Think Thank ist nicht nur für seine geopolitischen Analysen und Berichte bekannt, mit denen massenmediale Nachrichtenhäuser weltweit, umstrittene Chemieunternehmen sowie Rüstungskonzerne beliefert werden, sondern auch für seine Nähe zu Geheimdiensten. Nicht umsonst wurde Stratfor in der Vergangenheit unter anderem als „Schatten-CIA“ oder als „unkontrolliert arbeitender Geheimdienst“ bezeichnet.

    Durch das Handeln von Jeremy Hammond wurden unter anderem Millionen von privaten E-Mails kopiert und an Wikileaks weitergeleitet. Des Weiteren wurden eine Kundenliste mit 4.000 Einträgen – Statfor legt besonderen Wert auf die Anonymität seiner Kunden – veröffentlicht. Dadurch wurde bestätigt, dass sich unter den Hauptprofiteuren des Think Thanks hauptsächlich die weltweite Elite der Kriegstreiber, Ausbeuter und Geheimdienstler befindet.

    Der Höhepunkt von Hammonds Aktion war der Zugriff auf mehr als 10.000 unverschlüsselte Kreditkartennummern – allesamt von Stratfor-Kunden – durch diese er mindestens 700.000 US-Dollar in Bewegung setzte und an verschiedenen verschiedenen Hilfsorganisationen überwies. Durch diesen Hackangriff wurde Hammond zu einer Art „Cyber Robin Hood“, den man in Internet- und Aktivistenkreisen dementsprechend feierte.

    Ein Jahr später wurde Jeremy Hammond vom FBI festgenommen und gestand seine Tat. Nun, ein weiteres Jahr später, fiel das Urteil. Zum Schluss der Verhandlung gab der 28-Jähirge ein beeindruckendes Statement ab, in dem es um Unterdrückung, Ausbeutung, Krieg und Rassismus geht. Es ist ein Statement, welches vor allem Beifall verdient, denn ein jeder klar denkende Mensch wird darin keinen Satz finden, der nicht den Tatsachen entspricht und dem man nicht zustimmen könnte.
    (volles Statement hier: http://www.sparrowmedia.net/2013/11/jeremy-hammond-sentence/)

    Ein junger Mann muss für ein ganzes Jahrzehnt ins Gefängnis, weil er aufgrund seiner Überzeugung gehandelt und jene enttarnt hat, die für weitaus schlimmere Verbrechen verantwortlich sind. Natürlich ist das Stehlen von Kreditkartendaten strafbar, doch dem Gericht und all den anderen „Würdenträgern“, die hinter diesem Urteil stehen, geht es in keinster Weise darum. Für sie liegt lediglich die Tatsache im Fokus, dass Hammond das System – ihr System – angegriffen hat und damit erfolgreich war. Demnach ist das Urteil in erster Linie eine Abschreckung für Nachahmer. Immerhin kommt jeder Robin Hood, egal ob er es nun auf Kriegsunternehmer, Finanzspekulanten, korrupte Politiker oder Geheimdienstler abgesehen hat, ungelegen.

    Aus diesem Grund werden auch Whistleblower, Hacktivisten, Aktivisten und wie sie alle bezeichnet werden verfolgt. Die Liste ist bekannt und lang. Ob nun Assange, Manning, Snowden, oder Hammond, jeder der an Wahrheiten, Fakten und Tatsachen interessiert ist, ist den Anzugträgern, Fünf-Sterne-Generälen und Lobbyisten ein Dorn im Auge. Hammond hat sich strafbar gemacht, er hat das Gesetz gebrochen. Doch wann wird dieses Gesetz gegen jene angewendet, die per Knopfdruck ganze Dörfer auslöschen oder die in einer Nacht einen ganzen Staat und dessen Bevölkerung mittels ihrer größenwahnsinnigen Spekulationen in den Ruin treiben? Gilt dieses Gesetz überhaupt für diese Menschen oder stehen ist darüber? Sind alle Menschen gleich vor dem Gesetz oder sind manche gleicher?

    Diese fragwürdige Gesetzeslogik ist schon längst alltäglich und so gut wie „normal“ geworden. Sie wird nicht mehr hinterfragt, sondern schweigend akzeptiert. Auf dieselbe Art und Weise werden auch andere Tatsachen einfach so hingenommen. Jeremy Hammond wurde in einem Land verurteilt, in dem man einen Schwarzen Menschen auf offener Straße ermorden kann und im Nachhinein dafür freigesprochen wird, während ein Aktivist, der keinen einzigen Menschen verletzt hat, ins Gefängnis muss. Währenddessen prahlt das Staatsoberhaupt dieses Landes damit, wie viele Menschen er schon getötet hat. Seitens der Medien wird nichts davon kritisiert. Stattdessen konzentriert man sich auf die altbekannten Feindbilder. Dies grenzt nicht nur an Totalitarismus, sondern ist genau das und nichts anderes.

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    Obama: Der mit dem Tod prahlt

    geschrieben am 06. November 2013 von Gastautor

    von Emran Feroz

    Es ist nicht allzu lange her, als Barack Obama mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde. Warum der US-Präsident einen solchen Preis nicht verdient hat, wurde in den letzten Jahren immer wieder deutlich. Nun hat er auf geschmacklose Art und Weise nochmal einen drauf gesetzt.

    „Ich bin echt gut darin, Menschen zu töten.“ – Diese Aussage stammt nicht von irgendeinem Auftrags- oder Serienmörder, sondern von keinem anderen als Barack Obama. Jener Barack Obama, der vor einigen Jahren noch von „Change“ sprach und damit weltweit die Massen begeisterte. Jener Barack Obama, der stets vor den Kameras lächelt und sich als eloquenter und charismatischer Staatsmann präsentiert. Jener Barack Obama, der 2009 mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde.

    Während es zahlreiche berühmte Zitate des US-Präsidenten gibt, scheint dieses hier zu den unbekannteren zu gehören. Erstmals zu finden ist es in einer neuen Biografie Obamas, die den Titel „Double Down: Game Change 2012“ trägt und gerade erst veröffentlicht wurde. Dass solch eine Aussage gefallen ist, ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs.

    Immerhin ist hier die Rede von jenem Barack Obama, der gleich nach seiner Amtseinführung eines seiner wichtigsten Wahlversprechen brach, indem er die Pforten des Folterlagers auf Guantánamo weiterhin offen ließ. Damit begann die lange Liste der ehrlosen Taten. In Anbetracht der gegenwärtigen Umstände liegt der Fokus auf einer Tat, die sich hunderte Male wiederholt hat. Es geht nämlich um die Drohnen-Angriffe des werten Herrn Nobelpreisträgers, die ihn mittlerweile zum „Drohnen-König“ gemacht haben. Im Laufe seiner Amtszeit hat Obama sie so oft genehmigt wie kein anderer US-Präsident. Immer wieder und wieder hat er per Signatur gemordet.

    Und genau damit hat auch diese abscheuliche Aussage zu tun, um die es nun geht. Obama ließ sie angeblich im vergangenen Jahr vor seinen Beratern fallen. Das Thema waren natürlich auch damals die illegalen Drohnen-Morde, die von zahlreichen Mainstream-Medien immer noch als „umstritten“ relativiert werden. Tatsächlich ist daran jedoch nichts „umstritten“. Genauso wenig wie andere (Massen)morde nicht umstritten, sondern Fakt sind, sind es auch jene des US-Präsidenten.

    Tausende von Menschen sind den US-amerikanischen Drohnen-Angriffen bis jetzt zum Opfer gefallen. Unter ihnen befinden sich unzählig viele Zivilisten. Wie viele es nun letztendlich sind – man liest immer wieder Zahlen im drei- bis vierstelligen Bereich – wird man wohl nie erfahren. Kein Wunder, denn vor Ort zeigt niemand Interesse.

    Ob es eines Tages UN-Inspekteure in die Berge Waziristans oder in die Wüste Jemens verschlägt, um dort US-amerikanischen Verbrechen zu klären, ist eher abwegig. Das Szenario in diesen Regionen ist so gut wie immer dasselbe. Man feuert per Knopfdruck auf vermeintliche Terroristen (nach US-Gesetz ist jede männliche, volljährige Person als „feindlicher Kämpfer“ einzustufen“) und tötet damit nicht selten Kinder, Frauen und Greise.

    Und seien wir mal ehrlich, seit wann darf man andere Personen, selbst wenn es sich dabei um Kriminelle oder Terroristen handelt, einfach ohne jegliches Gerichtsverfahren in die Luft jagen? Welches Recht gestattet ein solches Vorgehen? Die Antwort ist bekannt. Deshalb ist jeder einzige Drohnen-Angriff ein Verbrechen. An Verbrechen kann man sich auch beteiligen. In diesem Fall liegt eine Beteiligung vor, wenn man den Mördern, sprich, den Drohnen-Piloten in Langley, Washington und anderswo, die Koordinaten von Zielen liefert. Demnach wäre unter anderem der deutsche Bundesnachrichtendienst der Mordbeteiligung schuldig.

    Selbstverständlich wird auch diese Tatsache hierzulande totgeschwiegen. Auf dieselbe Art und Weise wird Obamas Aussage ignoriert. Eine ekelerregende und abscheuliche Aussage, die jegliches Niveau unterschritten hat. Eine Aussage, die eines Menschen nicht würdig ist, sondern die Charakteristiken eines Psychopathen aufweist.

    Für viele Menschen mögen das harte und womöglich sogar gehässige Worte sein. Vor allem naive Transatlantik-Fans und politisch korrekte Parteisoldaten, die sich lieber um irgendwelche diplomatischen Beziehungen scheren, anstatt um Menschenleben, sehen dies so. In solchen Fällen wird oft und gerne die Anti-Amerikanismus-Keule geschwungen. Von Fakten – egal ob von Guantánamo bis hin zu Manning oder von all den Kriegsverbrechen bis hin zu Snowden – will man nichts wissen.

    Egal wo man hinschaut, dieser Zustand gehört hierzulande zum traurigen Alltag. Aus diesem Grund kann selbst so etwas Abartiges klein geredet oder gar völlig ignoriert werden. Wer darauf aufmerksam macht oder einfach laut aufschreit, wird verspottet, ausgelacht und lächerlich gemacht. Die Wenigsten können es nachvollziehen, wie man sich fühlt, wenn Landsmänner und -frauen von irgendwelchen Anzug tragenden Fanatikern und Psychopathen ermordet werden. Sie wissen nicht, wie es ist, wenn in der Heimat Bomben auf Hochzeitsgesellschaften regnen und dabei noch nicht gegründete Familien komplett ausgelöscht werden. .

    Auch jemand wie ich hätte unter ihnen sein können. Der Junge in Kunduz, der durch den Befehl eines deutschen Oberst starb oder das Mädchen in Waziristan, welches durch einen Drohnen-Angriff bis auf das Unkenntliche entstellt wurde, sie alle sind ich. Der Gedanke, dass man selbst nur des Glückes Willen im fernen Europa lebt, während „dort“ – in der Heimat – die eigenen Brüder und Schwestern – als etwas anderes könnte ich sie gar nicht bezeichnen – sterben, begleitet einen ständig.

    Das Mindeste, was man für sie tun kann, ist, seine Stimme zu erheben und für jene zu sprechen, für die niemand spricht. Aus diesem und aus keinem anderen Grund ist jemand, der das Leben dieser Menschen zur Hölle gemacht hat, indem er ihre Väter, Mütter, Kinder und Großeltern per Unterschrift hinrichtet und damit im Nachhinein noch prahlt, nichts weiteres, als ein Mörder.

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    Merkel: Regierungsbildung spätestens 2017 abgeschlossen

    geschrieben am 04. Oktober 2013 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Rubrik: Satire

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf


    Die CDU wünscht sich eine zügige Regierungsbildung, um in Deutschland, in Europa und auch sonst möglichst überall auf der Welt in das Politikgeschehen eingreifen zu können. Daher finden nach den heutigen Sondierungsgesprächen weitere Treffen statt. Diese sind für den 31. Dezember 2013 , den 2. Mai 2014, den 27. Februar 2015 und den 1. Januar 2016 geplant. Danach soll die Regierungsarbeit bald beginnen.

    SPD und Grüne haben sich gleichermaßen mit dem Fahrplan einverstanden erklärt, wobei die Grünen äußerten, dass sie sich auch deshalb sehr über dieses Zeitfenster freuen, weil sie sich personell, inhaltlich und philosophisch neu aufstellen wollen. Dies gelte beispielsweise für die Kleiderordnung oder die Anordnung des parteiinternen Stuhlkreises. Auch die FDP zeigte sich entzückt und will die Zeit nutzen, um ihre Position beim Mindestlohn wiederholt zu justieren. Nachdem sie praktisch im Kollektiv arbeitslos wurde, denken viele Liberale über eine Lohnuntergrenze auf einer ganz neuen Ebene nach.

    Nur Bundespräsident Joachim Gauck äußerte sich unwirsch über die Dauer der Sondierungsgespräche. Gegenüber der „Welt“ sagte Gauck: „Deutschland hat international ein hohes Maß an Verantwortung zu tragen. Durch die Gespräche, die länger dauern als ich vorgeschlagen hatte, sind zahlreiche deutsche Militäreinsätze gefährdet.“ Gauck forderte, zumindest die Waffenexporte in der nächsten Zeit drastisch zu erhöhen, um den militärischen Verpflichtungen nachzukommen.
    Kanzlerin Merkel ließ durch einen Sprecher an Gauck übermitteln, dass sie seinen Einwand ernst nehme. Wörtlich sagte die sie: „Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden.“

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    Mit Sicherheit nicht?

    geschrieben am 20. September 2013 von Gastautor

    Wie ein buddhistischer Mönch einen Rat gab, der länger wirkte als erwartet.

    Ein Sommermärchen von Christoph Jehle

    Zum Ende des diesjährigen Sommers bekommt das Sommermärchen vom 22. August eine Fortsetzung. Ich war mit einer der ersten Maschine frühmorgens von Udon Thani nach Bangkok geflogen, wo ich vom Inlandsflughafen zum internationalen wechseln musste, was etwa einen Kilometer Fußmarsch durch eine mehr oder weniger klimatisierte Glasröhre bedeutete. Zum Glück ging es dann gleich weiter nach Beijing und von dort sollte ohne lange Wartezeit weitergehen nach Ulan Bator in der Mongolei.

    Es war ein ziemlich buntes Völkchen, das da in Beijing auf den Flieger wartete. Neben Philippinos, die auf dem Weg zu einer der neu eröffneten Minen unterwegs saßen türkische Textilfabrikanten, die nach Möglichkeiten für gewinnbringende Investitionen suchten. Die Einreise am Flughafen war ziemlich formlos. Weil gerade die Einreiseformulare ausgegangen waren, ging Alles ziemlich schnell und unbürokratisch. Nachdem am Tag zuvor Premierminister Enchsaichan zurückgetreten war, weil sein Reformeifer wohl ein wenig erlahmt war, kam schon auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt die Diskussion auf, wie sich die Mongolei jetzt weiter entwickeln würde. Ich sprach leider kein Wort der Landessprache und wusste nur, dass man die mongolische Schrift von oben nach unten schreibt, was kein Schreibprogramm am PC unterstützte, weswegen die meisten Texte in kyrillischer Schrift abgefasst wurden. Ich hatte aber das Glück am Flughafen von einem Taxi abgeholt zu werden, dessen Fahrer seine Übersetzerin dabei hatte, die englisch am heimischen Fernseher lernte und nun jede Gelegenheit nutzen wollte, ihre Sprachkenntnisse anzuwenden. Da mein Anschlusszug erst am Abend losfahren sollte, hatte ich mir für den Tag einen Führer organisiert, der mir ein wenig von der Hauptstadt der Mongolei zeigen sollte. Dass mein Tour Guide fließend Deutsch sprach, hatte mich auf den ersten Blick verblüfft. Wie viele Andere seiner Altersgruppe war er in der DDR aufgewachsen, wo seine Eltern damals studierten. Auch sonst stieß man auf Schritt und Tritt auf deutsche Spuren. Die meisten Schokoriegel kamen aus deutscher Produktion und seit einem guten Jahr gab es mit Khan Bräu auch ein auf deutsche Art gebrautes Bier in Ulan Bator. In Erinnerung blieb mir jedoch vor Allem, dass Ulan Bator zumindest damals eine der staubigsten Hauptstädte der Welt war.

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    Giftgaseinsatz in Syrien – gibt es wirklich keine Zweifel?

    geschrieben am 29. August 2013 von Jens Berger

    Während die UN-Inspektoren noch bis Montag Zeit haben, den vermeintlichen Giftgaseinsatz vom 21. August in den Vororten der syrischen Hauptstadt Damaskus zu untersuchen, ist für die USA und die NATO bereits jetzt alles klar. Für US-Vizepräsident Biden gibt es „keine Zweifel“ daran, dass es sich um einen Giftgaseinsatz handelte und das dieser völkerrechtswidrige Angriff vom syrischen Regime ausgeführt wurde. Auch Großbritannien und Frankreich sind sich ihrer Sache sicher und warten nur noch auf den Startschuss zum lange geplanten Militäreinsatz in Syrien. Zweifel an der US-Version werden auch in den deutschen Massenmedien nicht geäußert. Gibt es denn wirklich keine Zweifel? Doch, wenn man sich abseits der Massenmedien informiert, stößt man unweigerlich auf eine ganze Schar von Indizien, die gegen die „offizielle“ US-Version sprechen. Man fühlt sich dabei unweigerlich an die Propaganda im Vorfeld des Kosovo- und des Irakkrieges erinnert.

    Wer hatte ein Motiv?

    In jedem mehr oder weniger guten Krimi fragen sich die Ermittler immer als Erstes, wer denn ein Motiv für das aufzuklärende Verbrechen hatte. Welches Motiv sollte beispielsweise der syrische Diktator Bashar al-Assad haben, in der letzten Woche, fast exakt ein Jahr nachdem US-Präsident Obama den Einsatz von chemischen Waffen als „rote Linie“ festgelegt hat, diese „rote Linie“ zu überschreiten? Militärisch sah die Situation für die Regierungstruppen im nunmehr zweieinhalb Jahre andauernden syrischen Bürgerkrieg noch nie so gut aus wie heute. Nachdem die Regierungstruppen im Juni einen strategisch wichtigen Sieg bei Kusseir erzielen konnten, befinden sich die Rebellen landesweit in der Defensive. Ein Einsatz von Giftgas würde den Regierungstruppen in einer solchen Situation keinen militärischen Vorteil bringen – erst recht nicht in den Vororten von Damaskus, in denen die Rebellen ohnehin auf zunehmend verlorenen Posten standen und offenbar bereits Kapitulationsverhandlungen im Gange waren.

    Auch auf der politischen Ebene ist kein Motiv für einen Giftgaseinsatz der Regierungstruppen auszumachen. Hinter den Kulissen soll es in den letzten Monaten zu ernsthaften Spannungen zwischen Saudi-Arabien und den USA gekommen sein, da die USA immer stärkere Zweifel daran haben, ob eine Unterstützung der islamistischen Rebellen tatsächlich in ihrem Interesse sein kann. Al-Assad weiß, dass ein solches Kriegsverbrechen die NATO-Mächte und die arabischen Staaten nur enger zusammenschweißen würde, seinen eigenen Verbündeten Russland in die Defensive bringt und womöglich sogar einen Militärschlag der NATO provoziert.

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