Direkt zum Inhalt

  • Suchen

  • RSS Feeds

  • Letzte Kommentare

  • Arbeitslosigkeit für Dummies: Leicht erklärt

    geschrieben am 02. April 2014 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf
    DummiesFoto: Wikipedia

    Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales will komplexe Sachverhalte auch einfacher gestrickten Menschen schmackhaft machen. Deshalb hat es den „Leitfaden in Leichter Sprache“ verfasst. Das ist wirklich nett, auch wenn nicht immer sofort alles deutlich wird. Und dass leichte Sprache noch ein bisschen leichter wird, wenn man das Wort groß schreibt, ist zumindest noch nicht bewiesen. Aber sei’s drum. Schauen wir uns doch mal ein bisschen um …

    Es beginnt mit einem „Herzlich Willkommen!

    Das ist erst mal eine feine Geste, auch wenn das Willkommen hier hätte klein geschrieben werden müssen. Aber hey, klammern wir uns nicht an Kleinigkeiten, weiß doch eh keiner, der es liest. Widmen wir uns lieber der „Leichten Sprache“. Die hat es in sich und macht aus dem Bundesministerium gleich mal ein Bundes-Ministerium. Was genau der Bindestrich erleichtern soll, erschließt sich dem Außenstehenden nicht auf den ersten Blick. Auf den zwei, dritten und vierten Blick übrigens auch nicht.
    Ok, jetzt aber zur Sache!

    Zunächst wird abgeklärt, wie diese komische URL überhaupt zustande kommt (die URL ist übrigens das, was immer da oben steht, das, wo immer mit „www“ anfängt, oder mit „http“ oder „https“ oder solche Sachen, wird aber so leider nicht erklärt) .

    Jedenfalls schreibt das Bundes-Ministerium:

    Sie sind auf der Internet-Seite vom Bundes-Ministerium für Arbeit und Soziales.
    Die Abkürzung ist: BMAS.
    Darum heißt die Seite auch www.bmas.de
    Wir sind für viele verschiedene Bereiche in der Politik da.
    Das sind unsere wichtigen Aufgaben:
    Viele Menschen sollen Arbeits-Plätze haben.
    Und niemandem soll es schlecht gehen.

    Das ist doch schon mal richtig gut! Arbeits-Plätze sind für viele da. Trotzdem kann eine anschließende Erläuterung nicht schaden, deshalb schreibt das Bundes-Ministerium weiter:

    Das bedeutet:
    Wir sind dafür da, dass alle Menschen in Deutschland zusammen halten.
    Und es muss Hilfen geben, dass alle Menschen überall dabei sein können.

    Halten wir fest: Alles Menschen müssen zusammenhalten und überall dabei sein können. Was genau das mit den Arbeitsplätzen zu tun hat, ist nicht hundert-prozen-tig klar, aber wenn viele Menschen Arbeit haben und es niemandem schlecht geht, dann sind eben alle zusammen dabei. Oder so.

    Der nächste Satz ist nur verwirrend, wenn man unkonzentriert ist. Er lautet:

    Wir wollen, dass es wenige Menschen ohne Arbeit gibt.

    Man muss wissen, dass das nur der Vervollständigung dient, denn oben steht ja schon, dass viele Menschen Arbeits-Plätze haben sollen. Da ist es nur konsequent und irgendwie folgerichtig, wenn nur wenige keine Arbeits-Plätze haben. Jetzt wird es dann aber doch etwas komplex:

    Und alle Menschen sollen die Möglichkeit haben, eine Arbeit zu finden.

    Also jetzt doch alle? Waren es eben nicht noch wenige, die keine Arbeits-Plätze bzw. viele, die Arbeits-Plätze haben sollen? Nein, da kann man schon mal rein geraten, in diese kleine rhetorische Falle. Viele Menschen sollen sollen Arbeits-Plätze haben, während gleichzeitig wenige Menschen Arbeits-Plätze nicht haben sollen, aber suchen dürfen in jedem Fall alle Menschen einen Arbeits-Platz. Gar nicht so leicht, diese Leichte Sprache.

    Um was es ganz konkret geht, wird ziemlich offensichtlich, wenn man Leicht weiter liest:

    Dafür machen wir vieles in Deutschland und Europa.
    Das sind unsere wichtigsten Aufgaben.
    Diese sind für viele Menschen in Deutschland wichtig.

    Was genau „vieles“ ist, dürfte für den geneigten Leser dann noch zu schwierig sein. Aber die wichtigen Aufgaben sind für viele Menschen in Deutschland wichtig. Oder doch für alle? Oder für wenige nicht? Es kommt wohl auf den Blickwinkel an.

    Jedenfalls ist das Bundes-Ministerium wirklich bemüht. Es schreibt:

    Wir versuchen, diese schweren Themen leicht zu erklären.“
    So können die meisten Menschen die Internet-Seite lesen.
    Darum gibt es auch diesen Teil in Leichter Sprache.

    Deutsche Sprache, Leichte Sprache.

    Nachtrag:
    Es geht mir bei diesem Text keinesfalls darum, Menschen mit Lese- oder Rechtschreibschwierigkeiten zu veralbern! Ich habe viele Jahre als gelernter Erzieher mit Menschen gearbeitet, die Behinderungen hatten (auch wenn ich nicht weiß, ob das heute noch der politisch korrekte Begriff ist).
    Vielmehr möchte ich aufzeigen, dass man beim Bundesarbeitsministerium weder in “schwerer” noch in “leichter” Sprache etwas Sinnvolles oder gar Nachvollziehbares kommuniziert.

    Nachtrag II:
    Wer sich die Seite einmal genauer anschauen will, wird hier fündig.

    Den Artikel weiterlesen »

    83 Kommentare

    Nach Hamburger Krawallen: Davidwache wird zur Gefahrenzone erklärt

    geschrieben am 07. Januar 2014 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Rubrik:Satire

    Nach den Hamburger Krawallen ist noch immer unklar, wer angefangen hat. Während sich Demonstranten mit den Worten „So ist Revolution eben“ äußerten, sprachen Polizeivertreter von „irre vielen Durchgeknallten“. Die werden inzwischen auch in der Davidwache vermutet, die aus Sicherheitsgründen zur Gefahrenzone erklärt wurde.

    Der Senat ist offenkundig um Aufklärung der Vorfälle in Hamburg bemüht. Nachdem es im Schanzenviertel zu heftigen Ausschreitungen gekommen war und die Polizei kurzerhand den ganzen Stadtteil sowie St. Pauli und Altona zur Gefahrenzone erklärte, ist nun auch die Davidwache ins Visier der Behörden geraten.

    Bis auf Weiteres dürfen Zivilisten in der Davidwache Personen- und Zimmerdurchsuchungen durchführen, wenn ihnen ein Polizeibeamter nicht ganz geheuer vorkommt. Auch wenn mit der Uniform etwas nicht stimmen könnte, sind Überprüfungen vorgesehen, eine Maßnahme, die von den Bürgern begeistert aufgenommen wurde. Den Artikel weiterlesen »

    37 Kommentare

    Einmal Nachrichten ohne alles, bitte!

    geschrieben am 11. Dezember 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Rubrik:Satire

    Nachrichten mit Niveau? Kein Problem, die gibt es jeden Tag. Aber eben auch kleine Ausreißer, die man nun wirklich nicht braucht.
    Hier ein paar Fundstücke:

    EX-PLAYMATE (32) VOR GERICHT
    Hat sie Geschenke vom Bierkönig nicht versteuert?
    (Bild.de vom 11.12.2013)

    Ja, hat sie oder hat sie nicht? Und was sagt der 90-jährige Bierkönig dazu? Wer ist der Kerl überhaupt? Fragen internationalen Ausmaßes.

    SECHSJÄHRIGER VON DER SCHULE GEFLOGEN
    Übertriebener geht es nicht: Ein Sechsjähriger wirft seiner Mitschülerin einen Handkuss zu. Dafür wird er vom Unterricht suspendiert – wegen sexueller Belästigung
    (N24 vom 11.12.2013)

    Der kleine Racker hat es eben zu weit getrieben, das hat er nun davon! Außerdem war er vorher dabei beobachtet worden, wie er beim Pinkeln auf dem Jungen-Klo an seinem Lümmel rumgespielt hat und dabei unanständige Lieder auf Russisch sang. Den Artikel weiterlesen »

    24 Kommentare

    Beckenbauer findet in Katar alles heraus, was wichtig ist

    geschrieben am 11. November 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf


    Rubrik: Satire

    Franz Beckenbauer war in Katar, um sich die Fußballplätze, das Wetter und die Arbeitsbedingungen dort anzusehen. Zurück kam er mit weitreichenden Erkenntnissen, die nicht nur das Balltreten betreffen.

    Sklaven in Katar? Vor der Fußall-WM? Das wollte der Kaiser genau wissen und spannte seine Pferde vor die Kutsche, um vor Ort nach dem Rechten zu schauen. Und tatsächlich, nix da mit Sklaven. Beckenbauer konnte nirgends welche finden und sagte vor Journalisten: „Ich habe noch keinen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Ich weiß nicht, woher diese Berichte kommen. Ich war schon oft in Katar und habe deshalb ein anderes Bild, das glaube ich realistischer ist.“
    Das ist natürlich richtig, ein realistisches Bild kann sich nur der Kaiser machen. Außer ihm bestenfalls noch Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß.
    Das mit den Arbeitern wäre also geklärt, aber der Kaiser brachte noch mehr mit nach Deutschland.

    Weil das Wetter so schön war, blieb Beckenbauer ein wenig länger und unterhielt sich mit einem Scheich über dies und das. Dabei erfuhr er, dass die Amerikaner niemanden abhören. Beckenbauers Begründung: „Wenn die Amerikaner das wollten, können sie aus jedem alles rausprügeln, was sie wissen wollen. Warum sollten sie also jemanden abhören? Das ist unrealistisch.“
    Wo er recht hat …

    Beckenbauer äußerte sich auch zu anderen Themen. Zum Beispiel zum Hunger in der Welt. Wo er auch hingefahren sei, nirgends hätte er hungernde Menschen gesehen: „In meinen Hotels – egal, in welchem Land – war immer für alle etwas zu essen da. Diese ganze Panikmache mit dem Welthunger ist für mich völlig aus der Luft gegriffen.“
    Befragt nach seiner Gläubigkeit, antwortete der Kaiser wörtlich: „Natürlich gibt es Gott, wir unterhalten uns oft. Die letzten beiden Male war auch der Weihnachtsmann dabei. Ich kann das realistisch einschätzen, die beiden existieren und sie mögen Fußball und den FC Bayern.“
    Den Weihnachtsmann kenne Beckenbauer übrigens schon sehr lange. Er habe ihn schon zu seiner aktiven Zeit als Fußballer mit leckeren Vitaminpillen versorgt.
    Klingt realistisch.

    44 Kommentare

    Post an Wagner

    geschrieben am 07. November 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Franz Josef Wagner ermuntert seine “Bild”-Leser, ihm Mails zu schreiben. Das hab ich dann mal getan, denn auch wenn in den letzten Tagen und Wochen viel Unsinn über Edward Snowden gesagt und geschrieben wurde, Wagner schafft es, der Niveaulosigkeit eine völlig neue (sehr erschreckende) Dimension zu geben.
    Vor meiner Mail veröffentliche ich hier den Wortlaut von Wagners Gekritzel, um zu verhindern, dass man sich auf die Seite des Schmierfinks begeben muss.
    Aber er freut sich ganz sicher über ganz viele Mails! (fjwagner@bild.de)

    ———————————————————————————————————————————
    Lieber Edward Snowden,

    Darf ich Ihnen erklären, warum Sie kein Asyl in Deutschland bekommen.

    Sie bekommen kein Asyl, weil wir Amerika sind. Wir sind es, seit Amerika uns vor den Nazis befreit hat.

    Ja, vielleicht sind Sie der Gandhi des Internet, der Lech Walesa des Netzes.

    Aber ich liebe Amerika.
    Die Musicals.
    Elvis.
    Miami, New York.

    Ich entscheide mich immer für Amerika. Amerika war meine Heimat, mein Dach.

    Amerika ist mir lieber als Putin. Armer Mensch im Niemandsland. Ich hoffe, dass Sie jemand da rausholt. Die UNO, die Menschenrechtsorganisationen. Für Amerika ist Snowden ein Verräter, für uns ist er ein Held.

    Wie schön wäre es, wenn der Whistleblower glücklich in einem Bauernhaus lebt mit einer Freundin, die vielleicht schwanger wird. Und sie ein Kätzchen haben und alles gut wird.

    Herzlichst,

    F. J. Wagner

    ———————————————————————————————————————————
    Lieber Franz Josef Wagner,

    darf ich Ihnen mal erklären, warum Edward Snowden kein Asyl in Deutschland bekommt?

    Weil wir es mit einer Regierung zu tun haben, die nicht den Arsch in der Hose hat, sich mutig zu positionieren. Weil – den Gedanken Volker Kauders wiedergebend – die Amerikaner womöglich nicht mehr mit uns reden wollen, wenn wir nicht brav bleiben (obwohl sie ja sowieso lieber zuhören als reden).

    Herr Wagner, wie kommen Sie darauf, dass wir Amerika sind? Wir sind Papst (gewesen), wir sind Bielefeld, wir sind oft betrunken und auch im Sommer meist blass. Aber wir sind nicht Amerika!
    Es ist auch wirklich toll, dass Sie Musicals mögen, dass Sie Elvis-Fan sind und Miami und New York lieben. Aber in der Sache Edward Snowden ist das ungefähr so wichtig wie saure Milch, die auf einer Heizung steht.

    Sie entscheiden sich also immer für Amerika, Herr Wagner. Amerika war Ihre Heimat und Ihr Dach ist es auch noch. Aha! Sie wissen aber schon, dass jedes Dach auch mal einen Schaden haben kann, oder?

    Übrigens, Herr Wagner, Amerika ist ein Land. Putin ist ein Mann. Nur fürs Protokoll, so funktionieren Vergleiche nicht. Das ist, als würden Sie sagen, dass Ihnen Nutella besser als Bergsteigen schmeckt. Merken Sie es? Ist irgendwie albern, oder?

    Kraulen Sie ein bisschen Kätzchen, Herr Wagner. Und bitte, machen Sie es mit beiden Händen. Dann können Sie kein Unheil auf irgendwelchen Tastaturen anrichten.

    Hochachtungsvoll,
    Jörg Wellbrock

    81 Kommentare

    Seite 1 von 41234