An dieser Stelle stehen hier normalerweise Leseempfehlungen mit einem Link auf Amazon. Da Amazon, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, offenbar ein überaus unsozialer Konzern ist, der sich an den Schwächsten der Gesellschaft bereichert, hat sich der SPIEGELFECHTER entschlossen, die Zusammenarbeit mit Amazon mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Es ist natürlich klar, dass dieser Boykott mit spürbaren finanziellen Einbußen verbunden ist. Wir würden uns daher freuen, wenn Ihr unsere Unabhängigkeit durch eine kleine Spende unterstützen könntet.
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14. Dezember 2011 von Spiegelfechter
Ein wunderbares Interview, wie ich finde. Was allerdings weniger an den Interviewern, sondern an dem Interviewten liegt. Warum schaffen es eigentlich die öffentlich-rechtlichen Fernsehstationen nicht, ein solches Stück hinzubekommen? Im Vergleich zur “Premium-Talkshow” von Günther Jauch, für die wir Gebührenzahler pro Minute 4.487 Euro zahlen müssen, ist dieses ehrenamtlich geführte Interview mit Schramm schon fast ein wahrer Segen. Über die dümmlichen Fragen am Ende schaue ich mal gnädig hinweg ;-)
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02. Dezember 2011 von Spiegelfechter
Heute möchte ich Euch einmal ein ambitioniertes Blogprojekt aus der Nachbarschaft vorstellen. Ich stehe schon länger mit Axel Weipert von “Das Dossier” in Kontakt und nutze die Seite selbst regelmäßig zur Information. Für mich ist es dabei besonders interessant, dass Axel und seine Kollegen sich nicht “nur” auf die gerade aktuellen und viel diskutierten Themen stürzen, sondern auch Themen, die nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen, einen breiten Raum geben. Axel bat mich, auch den Lesern des Spiegelfechters einmal “das Dossier” näher zu bringen. Dem komme ich natürlich gerne nach und präsentiere ich Euch hier eine kurze Vorstellung der Seite, die Axel selbst geschrieben hat.
Eine Verbindung von Journalismus und Blogosphäre schaffen
DAS DOSSIER startet einen Relaunch
Seit Jahren schon gibt es – auch hier beim Spiegelfechter – eine Debatte über die Rolle der Blogosphäre: Wie wichtig ist sie als Informationsquelle und zur Meinungsbildung? Kann und soll sie den herkömmlichen Journalismus ersetzen? Wir als Redaktion von das Dossier haben uns auch darüber Gedanken gemacht. Unsere Antwort lautet: Es geht nicht um ein Entweder-Oder, sondern um die sinnvolle Zusammenführung. Das ist eines der Kernanliegen unserer Seite, die wir in den letzten Monaten gründlich umgebaut haben.
2011 zeigte eine neue Qualität in der Beschleunigung des Nachrichtengeschäfts: ständig aktualisierte Newsticker-Meldungen zu umwälzenden Ereignissen wie den Revolutionen im arabischen Raum, dem Reaktorunglück von Fukushima und den neuesten Pleitekandidaten im Euro-Raum ließen Journalisten und deren Leser bisweilen schwindelig werden. Einen Kontrapunkt zu der daraus entstehenden Flut an Informationen will das journalistische Web-Portal das Dossier bieten, indem hochwertige Analysen und Hintergrundinformationen zum Weltgeschehen gesammelt und aufbereitet werden. Das Konzept zeichnet sich durch eine Gegenüberstellung von klassischem Journalismus und Blogosphäre aus. Die thematische Erfassung der Beiträge in Dossiers erlaubt dem Leser einen gebündelten Überblick zu dem Geschehen nach aktuellen Ereignissen, Themen und Regionen.
Wer denkt, die Massenmedien würden durch ihre Simulation von Meinungspluralität tatsächlich auf die Gegenöffentlichkeit eingehen, irrt gewaltig. Der Siegeszug des Internets und der sozialen Netzwerke ist am ehesten mit der Erfindung des Buchdrucks zu vergleichen. Vor Gutenbergs revolutionärer Entwicklung besaß die katholische Kirche de facto das Monopol für gedrucktes Wissen. Dank der Buchdrucktechnik konnte fortan jedermann, der genug Geld hatte, sein Wissen und seine Meinung verbreiten, um den kostenaufwändigen Druck eines Buches oder einer Zeitung zu finanzieren. Erst das Netz demokratisierte die Publizistik, in dem es wirklich jedermann die Möglichkeit verschaffte, andere Menschen an seinen Gedanken in schriftlicher oder audiovisueller Form teilhaben zu lassen. Dass die finanzstarken Massenmedien den Verlust ihres Meinungsmonopols nicht einfach so hinnehmen würden, war klar – sie hatten schließlich aus den Fehlern der katholischen Kirche gelernt.
Von daher überrascht es keineswegs, dass die Massenmedien versuchen, sich durch die Simulation der Leserpartizipation und des Zulassens von Meinungspluralität einen aufklärerischen, modernen Anstrich zu verpassen. Ein marodes Haus, dessen Fundament bröckelt, bleibt jedoch auch dann marode, wenn man ihm neue bunt gestrichene Fensterläden verpasst. Blickt man hinter die Kulissen, stellen sich die „Modernisierungsmaßnahmen“ der Massenmedien schnell als potemkinsche Dörfer dar.
Nehmen wir doch einmal das besucherstärkste Onlinemedium als Beispiel. Sicher, SPIEGEL Online hat sich durch seine neue Rubrik „Die Kolumnisten“ den Anstrich eines Mediums gegeben, das Meinungspluralität zulässt. Aber wie weit geht diese „Meinungspluralität“? Georg Dietz und Sibylle Berg schreiben über „weiche Themen“, ihre Kolumnen schrammen hart an der Grenze zur Belanglosigkeit vorbei und reihen sich damit mühelos in den „Panorama-Teil“ des Mediums ein. Auf so etwas muss man nicht näher eingehen. Sascha Lobos Kolumne ist zweifelsohne interessant – da aber eigentlich niemand, der sie überhaupt versteht, je großartig anderer Meinung als Lobo war oder ist, hält sich die aufklärerische Wirkung ohnehin in Grenzen, zumal sein Themenspektrum auch eng umrissen ist und allenfalls von „Netzjunkies“ als „hartes Thema“ verstanden wird. Bleiben Jan Fleischhauer und Jakob Augstein.
In seiner aktuellen Kolumne im Spiegel stellt Sascha Lobo eine bemerkenswerte Behauptung auf: Facebook sei nur das Symptom eines um sich greifenden Trends, die Privatsphäre neu zu definieren und Informationen aller Art zu verknüpfen und öffentlich zu machen. Er postuliert eine Umkehrung bisheriger Paradigmen: nicht mehr alles, was nicht öffentlich ist sei privat, sondern alles was sei öffentlich, was nicht explizit als privat markiert wird. Das bedeutet, dass wenn man Facebook einfach aus der Welt entfernte (meinetwegen mit einem Schwung von Gandalfs Zauberstab), sich an der Entwicklung selbst nichts ändern würde. Ich stimme dieser Ansicht zu, aber von ihr ausgehend erscheint mir etwas völlig anderes bedeutsam: Menschen verknüpfen mehr und mehr Informationen zu ihrem eigenen, individuellen und sehr persönlichen Netz. Die Funktion ist gerade auch das tägliche Zurechtfinden im Internet. Beispiel gefällig? Man liest einige Blogs regelmäßig, darunter die NachDenkSeiten, und nutzt deren Hinweise des Tages als Hauptquelle der Orientierung im Nachrichtendschungel.
Dieses Verhalten lässt sich natürlich beliebig verkomplizieren. Auf Facebook teilt man mit gleichgesinnten Links zu Artikeln, man hat vielleicht bestimmte Twitter-Feeds mit entsprechenden Hinweisen abonniert und einen mehr oder minder gut ausgebauten Feedreader. Das Resultat aber bleibt sich gleich: eine vergleichsweise stark gefilterte Auswahl an Artikeln, die den Präferenzen des Lesers entspricht. Trotz oder gerade wegen des relativ großen Angebots an Meinungsseiten im Internet tritt so eine Fragmentierung ein. Der Anstoß hierfür kam, das soll nicht verhehlt werden, von den traditionellen Medien selbst: ihre vollkommen unkritische Jubelstimmung während der Agendazeit, in der eine stromlinienförmige Ausrichtung praktisch aller Redaktionen am neoliberalen Reformmainstream erfolgte, provozierte eine Gegenreaktion, die in den NachDenkSeiten ihren wohl bekanntesten Ausdruck fand. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass Albrecht Müller einer, wenn nicht der Gründervater der “Gegenöffentlichkeit” war.