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    An dieser Stelle stehen hier normalerweise Leseempfehlungen mit einem Link auf Amazon. Da Amazon, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, offenbar ein überaus unsozialer Konzern ist, der sich an den Schwächsten der Gesellschaft bereichert, hat sich der SPIEGELFECHTER entschlossen, die Zusammenarbeit mit Amazon mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Es ist natürlich klar, dass dieser Boykott mit spürbaren finanziellen Einbußen verbunden ist. Wir würden uns daher freuen, wenn Ihr unsere Unabhängigkeit durch eine kleine Spende unterstützen könntet.
  • Den Worten ein Gewissen …

    geschrieben am 15. Dezember 2011 von Frank Benedikt

    Von Frank Benedikt

    Eine Rezension von Roberto De Lapuentes Buch “Auf die faule Haut”

    Unbequem! Das ist der erste Gedanke, der dem Leser wohl unwillkürlich in den Sinn kommt, wenn er De Lapuentes Buch erstmalig zur Hand nimmt. So erging es jedenfalls dem Rezensenten, der das Büchlein (es sind ja nur 157 Seiten) zwei Mal – mit einem halben Jahr Abstand – gelesen hat. Und mit “unbequem” ist beileibe nicht nur gemeint, daß die darin enthaltenen Texte dies nun für bestimmte Gruppen dieser Gesellschaft wären. Wer nur das darin zu erkennen vermag, hat weit gefehlt, beschäftigt sich der Autor doch mit unserer ganzen Gesellschaft und ihrer Sprache – also auch mit uns, den Lesern.

    In 19 “Skizzen und Essays” (so der Untertitel) setzt sich De Lapuente mit so unterschiedlichen Themen wie Entfremdung und Geworfenheit, den Problemen eines Migrantensohns, dem Antagonismus in der deutschen Kultur oder auch dem Konsumismus als dem “wahren Sieger” der konkurrierenden Systeme Kapitalismus und Kommunismus auseinander. Den eigentlichen Mittel- wie Höhepunkt des Buches bildet ein über 40 Seiten langes Essay zum Thema Sprache, das sich zwischen allgemeiner Linguistik, Sprachphilosophie und Sprachkritik bewegt. Dabei kritisiert der Autor auch deutlich  zunehmende Verschleierung oder Beschönigung von Tatsachen und Sachzusammenhängen durch Worthülsen und inhaltsleere ‘Neoliberal Speech’. Eine von ihm erwünschte Präzision des Ausdrucks, wie sie in früheren Zeiten noch möglich und üblich war, ist einer Art Orwellschem “Neusprech” gewichen, das ein differenziertes und kritisches Betrachten gesellschaftlicher Zustände kaum noch gestattet.

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    Deutsche Missstände: Zu ihrer Entstehung und Überwindung – Einblicke in Ursachen, Theorie und Praxis

    geschrieben am 13. Dezember 2011 von Gastautor

    Eine Rezension der heute bei Suhrkamp erschienenen zehnten und letzten Folge “Deutsche Zustände”

    von Thorsten Hild

    Deutsche Zustände, Folge 10, heißt der heute erschienene, letzte Band einer zehnjährigen Forschungsreihe. Der Titel, so verrät der Herausgeber, Wilhelm Heitmeyer, Leiter des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld, ist bei Heinrich Heine entlehnt.

    Unter dem Titel “Französische Zustände” hatte Heine aus seinem Pariser Exil für die Augsburger Allgemeine Zeitung geschrieben. Heines Ziel: “Das Verständnis der Gegenwart.” Sein Motiv: “Wenn wir es dahin bringen, dass die große Menge die Gegenwart versteht, so lassen die Völker sich nicht mehr von den Lohnschreibern der Aristrokratie zu Hass und Krieg verhetzen.”

    Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

    Hass ist ein diffuses Gefühl, in dem häufig Ängste, Verletzung, Ausgrenzung und Aussichtslosigkeit ihren Ausdruck finden. Darum geht es auch in der Untersuchung zur “Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit”. Das ist der offizielle Name der Langzeitstudie, der aufgrund seiner Sperrigkeit sicherlich zurecht nicht als Titel für die Buchausgabe verwendet wurde. Dem daraus ableitbaren Anspruch auf Allgemeinverständlichkeit wird das Buch, trotz der Komplexität der Untersuchung, auch im Text gerecht.

    “Was denken die Menschen? Wie verändern sich ihre Einstellungen? Welche Erfahrungen machen sie? Wie nehmen sie die Dinge wahr und wie verarbeiten sie ihre Eindrücke? Und nicht zuletzt: Welche Folgen hat das für schwache Gruppen in dieser Gesellschaft?” So beschreibt Heitmeyer zusammenfassend den Gegenstand und Fokus der Deutschen Zustände.

    Der größte Erfolg gegen die im Buch aufgezeigten deutschen Missstände, so dann auch der Gedanke, der sich bei mir während der Lektüre einstellte, wäre sicherlich gegeben, wenn die Medien ihm genausoviel Aufmerksamkeit schenken würden wie dem Buch Sarrazins. Die Medien und Sarrazin aber sind selbst Teil der in den Deutschen Zuständen aufgezeigten Missstände.

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    Auf Spurensuche im Villenviertel

    geschrieben am 30. August 2011 von Gastautor

    Ein spannendes Buch zu einem wichtigen Thema

    ein Gastartkel von Axel Weipert

    Hartz IV, Rütlischule, Altersarmut – die Liste ließe sich beliebig verlängern. Viel wird geredet und geschrieben über die Unterschicht in diesem Land. Da streiten Politiker monatelang über die Frage, ob der Regelsatz für Arbeitslose um fünf Euro steigen soll oder nicht. Und darüber, ob man nun Asylsuchenden lieber Bargeld gibt oder Lebensmittelgutscheine. Aber wie sieht es eigentlich am anderen Ende der sozialen Hierarchie aus? Was machen denn die Millionäre? Wie sehen sie sich, ihren Reichtum und die Gesellschaft? Christian Rickens hat sich seit Jahren mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt – herausgekommen ist dabei ein Buch: Ganz oben. Wie Deutschlands Millionäre wirklich leben.

    Es liegt natürlich auf der Hand, dass es sich dabei um ein hochpolitisches Thema handelt. Auch wenn der Autor in erster Linie beschreiben will und konkrete Schlussfolgerungen eher zurückhaltend skizziert. Knapp und pointiert liefert Rickens zu Beginn eine Bewertung von Reichtum in der Geschichte – von Aristoteles über die Scholastik bis hin zu katholischer Soziallehre und Marxismus. Auch die Sichtweisen der großen Religionen werden dargestellt.

    Im Stil einer Reportage reiste er quer durch die Republik und traf eine ganze Reihe von Reichen und Superreichen. Er stellt deren Lebenswirklichkeit dar, ihren biografischen Hintergrund und ihre Weltbilder. So gelingt es ihm, anhand konkreter Beispiele ein anschauliches und differenziertes Bild dieser Menschen zu entwerfen. Im Anschluss an die aus der Marktforschung bekannten Sinus-Milieus teilt der Autor die von ihm porträtierten Millionäre in verschiedenen Gruppen ein: u.a. Konservative, Intellektuelle, Bodenständige, aber auch Neureiche finden sich in dem Buch. Einige von ihnen, etwa der Drogeriekettenbesitzer Götz Werner, dürften dem Leser bekannt sein. Allesamt aber haben sie eines gemeinsam: Sie verfügen über ein Vermögen von mehr als einer Million Euro und gehören damit zu dem reichsten Hundertstel unserer Gesellschaft.

    Kein einziger von ihnen glaubt, seinen Reichtum nicht verdient zu haben. Der eine hat ihn über Jahrzehnte aufgebaut, der andere ist dank einer pfiffigen Idee schnell aufgestiegen. Wieder andere – übrigens statistisch gesehen die Mehrheit der Vermögenden – hat einen Großteil davon ererbt. Aber selbst diese sehen sich als rechtmäßige Eigentümer. Schließlich hätten sie den Besitz erhalten und vermehrt. Als Angestellter wird dagegen kaum einer solche Vermögenswerte anhäufen können – ihr Anteil an diesem exklusiven Zirkel beträgt gerade einmal acht Prozent. Überhaupt fällt auf, dass die Millionäre meistens ein ganz anderes Bild von sich selbst haben als der Rest der Gesellschaft. Das beginnt bei dem Chef einer Drückerkolonne, der allen Ernstes behauptet, seinen Kunden Gutes zu tun. Das geht weiter bei dem Trigemavorsitzenden, der sich in geradezu peinlichen Werbespots selbst auf die Schulter klopft ob seiner ausschließlich in Deutschland angesiedelten Produktion, intern aber ausgesprochen autoritär agiert und unter Tarif bezahlt. Und das zeigen auch die zahlreichen Stiftungen, die aktuell einen bemerkenswerten Boom erleben.

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    Rezension: Inside Steuerfahndung

    geschrieben am 08. Juni 2011 von Spiegelfechter

    Die Deutsche Steuergewerkschaft schätzt, dass in Deutschland jedes Jahr 30 Milliarden Euro Steuern in betrügerischer Absicht hinterzogen werden. Einem Heer von 86.000 Steuerberatern stehen gerade einmal 2.600 Steuerfahnder entgegen. Jeder dieser Steuerfahnder erwirtschaftet im Schnitt jedes Jahr eine Million Euro für den Fiskus. Wer nun denkt, dass die Steuerfahndung, die gleichzeitig Verbrechen bekämpft und dem Staat Milliardeneinahmen verschafft, politische Protektion genießen würde, der irrt. Im Gegenteil – wie die Hessische Steuerfahnder-Affäre zeigt, wendet sich der Staat manchmal sogar mit allen nur denkbaren Mitteln gegen erfolgreiche Staatsdiener, die der Macht zu nahe kommen. Frank Wehrheim war einer dieser Frankfurter Steuerfahnder, die der Macht zu nahe gekommen sind. Sein Buch „Inside Steuerfahndung“ ist zugleich ein anekdotenreicher und erschreckender Einblick in das weitgehend unbekannte Feld der Steuerfahndung sowie in die hessische Steuerfahnder-Affäre, es ist gleichzeitig auch eine Abrechnung mit der Politik.

    Wenn Frank Wehrheim am Beginn seines Buches feststellt, dass Steuerhinterziehung in Deutschland gesellschaftsfähig ist, muss man ihm leider zustimmen. Die Fälle, die Wehrheim in seinem Buch vorstellt, haben jedoch nichts mit kleinen Schummeleien, wie beispielsweise dem großzügigen Aufrunden der Entfernungskilometer bei der Pendlerpauschale, zu tun, sondern mit Straftaten, bei denen es um mindestens sechsstellige Summen geht und die größtenteils mit einer hohen kriminellen Energie begangen werden. Die Täter, denen Wehrheim in seiner 28jährigen Tätigkeit als Steuerfahnder begegnet ist, haben vordergründig nur eins gemeinsam – sie gehören der Gruppe der Top-Verdiener an und halten es für selbstverständlich, Gesetze zu brechen und damit die Gemeinschaft zu schädigen.

    Steuerhinterziehung als Volkssport der Top-Verdiener

    Streng genommen hat Frank Wehrheim zwei Bücher geschrieben. Während er in der zweiten Hälfte des Buches ausführlich auf die hessische Steuerfahnder-Affäre eingeht, beschreibt er in der ersten Hälfte die alltägliche Routine der Steuerfahndung. Anekdotenreich schildert er dabei zahlreiche Fälle von mehr oder weniger durchdachten Betrügereien einer wohlsituierten Minderheit. Als Beispiel weniger durchdachter Betrügereien sei Wehrheims Beispiel des mittelständischen Handwerksmeisters genannt, der jahrelang seine Bücher frisiert hatte und dessen Frau ihn bei der Steuerfahndung anzeigte, als er mit einer jüngeren Geliebten durchbrannte. Auch wenn man vielleicht ein wenig Mitleid mit dem untreuen Schwerenöter haben mag, sollte man auch bedenken, dass er insgesamt eine dreiviertel Millionen Euro an den Fiskus nachzahlen musste. Oder um es anders auszudrücken: Die „doppelte Buchführung“ des Handwerksmeisters hatte immerhin das Volumen, um davon über Jahre eine volle Lehrerstelle zu finanzieren.

    Dank Wehrheims zahlreicher Anekdoten, wie beispielsweise die von der hysterischen Ehefrau, die vor seinen Augen die Buchhaltung „verspeist“, stellt die erste Hälfte des Buches ein kurzweiliges und unterhaltsames Psychogramm einer wohlsituierten Schicht dar. Über die NTG-Affäre (das hessische Unternehmen NTG half Pakistan bei dessen Atomprogramm), die COOP-Affäre, die Flick-Affäre und die hessische Parteispenden-Affäre kriegen Wehrheims Schilderungen jedoch auch einen zunehmend politischen Hintergrund, der schließlich in der hessischen Steuerfahnder-Affäre gipfelt.

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    Kunst am Samstag: Durch den Kopf gegangen

    geschrieben am 28. Mai 2011 von Gastautor

    “The Wise Man got a cool company” – ein Gastartikel von Jürgen Beck

    Eine Begegnung mit dem Düsseldorfer Künstler Ingo Bätzel auf dem 1. Kölner Blogger Kongress im Kunsthaus Rhenania

    Wenn einer gerade erst mal 70 Jahre jung geworden ist und einen Rückblick wagt, dann ist ihm dabei sicherlich einiges durch den Kopf gegangen. So auch dem Düsseldorfer Künstler, Designer und Creative Director Ingo Bätzel. Seine Gedanken, Bilder und Zeichnungen hat er in einem aufwendigen Kunstband mit dem Titel „Durch den Kopf gegangen“ publiziert.

    Präsentiert wurden Exponate und Texte aus dem Werk auf der politischen Kunstausstellung des „1. Kölner Blogger Kongress“ der vom 11. bis zum 13. Februar im Kölner Kunsthaus Rhenania stattfand. Ganz nebenbei ist er der Kurator der kleinen, aber feinen Ausstellung gewesen, die nicht nur als Ambiente den Kongress räumlich in einen gelebten Kunstsalon verwandelte, sondern selbst ein Statement der bildenden Kunst zur Krise der Demokratie gewesen ist.

    Es sind die Alten, die als Zeitzeugen erlebter Geschichte der Jugend etwas zu erzählen haben. Stephane Hessel fordert als über 90 Jähriger auf „Empört Euch“. Sein kleines Büchlein ist ein Bestseller und hat viele junge Menschen begeistert. Man spürt einfach, dass da keine rhetorischen Worthülsen weiße Blätter besudeln, sondern hinter der Botschaft Personen stehen, die authentisch sind. Das kommt an. Das ist eine erstaunliche Erkenntnis in einer Zeit jahrzehntelangen Jugendwahns und eines von einschlägig einfältigen Politikern und Ökonomen der Versicherungswirtschaft angezettelten angeblichen Krieges der Generationen. Wenn es jemand ehrlich meint, kann es gar kein Generationenproblem geben. Das macht Hoffnung.

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