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17. Mai 2013 von Joerg Wellbrock
Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf
Der demografische Wandel wird seit langem intensiv diskutiert. Scheinbar nimmt er einen fast unheimlichen Einfluss auf alles, was heute passiert und in der Zukunft geschehen wird. So ein wichtiges Thema musste dann auch für den „Demografiegipfel“ der Bundesregierung herhalten, die daraus ein hohles Theater machte. Die Rede Angela Merkels zu Beginn des Gipfels macht das deutlich.
Neu ist das Gerede um den demografischen Wandel (umgangssprachlich auch als demografischer Faktor bezeichnet, obwohl damit ein Teil der Rentenformel gemeint ist) nicht. Wie Prof. Dr. Gerd Bosbach in einem Interview mit der Tagesschau deutlich machte, befürchtete schon Konrad Adenauer im Jahr 1953, die Deutschen könnten aussterben. Und auch wenn man noch weiter zurückblickt, begegnet man immer wieder der Angst vor dem Ungleichgewicht zwischen jungen und alten Menschen. Dennoch gibt es die Deutschen noch immer. Aber wir haben Probleme. Und ein Großteil davon ist auf den demografischen Wandel zurückzuführen, so hört und liest man immer wieder. Merkels Rede auf dem Demografiegipfel bot dröge Einblicke und ließ wichtig Fakten außen vor. Den Artikel weiterlesen »
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04. März 2013 von Joerg Wellbrock
Von Jörg Wellbrock
In der Debatte um die sogenannte Homo-Ehe zeichnet sich ab, dass Angela Merkel vor der Schwesternpartei CSU einknickt. Statt klar Stellung zu beziehen und sich bei dem Streit um die gleichgeschlechtliche Ehe eindeutig zu positionieren, druckst die Kanzlerin herum – und formuliert ein knackiges Jein.

Mit Horst Seehofer wird es eine Gleichstellung von homosexuellen Paaren nicht geben. Der Mann aus Bayern hat sehr klar formuliert, dass mit ihm weder das Ehegattensplitting noch die Volladoption von Kindern machbar ist. Man werde den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts folgen, das ist aber auch alles. Das klingt nach Kampfstimmung, und Seehofer ist nicht der Einzige, die richtig gallig ist. Kurz zuvor hatte sich Volker Kauder gemeldet und darüber geklagt, wie ungerecht die Welt ist. Gemeint war das Bundesverfassungsgericht, Kauder beklagte sich rührend darüber, dass es doch nicht sein könne, immer wieder durch die Richter vorgeführt zu werden. Alleine steht der arme Mann mit seiner Meinung nicht. Und genau das macht offensichtlich der Kanzlerin zu schaffen.
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18. Dezember 2012 von Spiegelfechter
Angela Merkel ist beim Volk beliebt. Die Medien haben ihr das realitätsferne Image der „Mutti“ verliehen, die sich treusorgend aber stets auch mit der gebotenen Strenge um ihre Familie kümmert. So etwas kommt bei den Wählern offensichtlich an und Merkel gibt sich auch redlich Mühe, dieses Image nicht dadurch zu zerstören, dass sie auch einmal sagt, was sie denkt. Ausnahmen von dieser Regel sind rar. Eine solche Ausnahme stellt das Interview dar, dass Merkel zu Beginn der Woche der britischen Financial Times gegeben hat.
„Wenn Europa heute sieben Prozent der Weltbevölkerung ausmacht, etwa 25 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet und damit 50 Prozent der weltweiten Sozialkosten finanzieren muss, dann ist es offensichtlich, dass es künftig sehr hart arbeiten muss, um seinen Wohlstand und Lebensstil zu erhalten. Wir alle müssen aufhören, jedes Jahr mehr auszugeben als wir einnehmen.“
Angela Merkel in der Financial Times
Wie definiert die Kanzlerin eigentlich „Wohlstand“? Der Duden definiert „Wohlstand“ als „Maß an Wohlhabenheit, die jemandem wirtschaftliche Sicherheit gibt“ und trifft damit den Kern. Nimmt man Frau Merkel wörtlich, gefährdet demnach das Sozialsystem die soziökonomische Sicherheit der Bevölkerung. Das ist freilich absurd, doch Angela Merkels ökonomisches Weltbild war auch in der Vergangenheit stets von Absurditäten durchzogen – man muss hier nur an die „schwäbische Hausfrau“ als volkswirtschaftliches Leitbild denken. Angela Merkel begeht hier gleich zwei Denkfehler.
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21. Mai 2012 von Gastautor
ein Gastartikel von Gilda Sahebi
Was für hehre Worte aus dem Munde der Bundeskanzlerin. So wie Erfolge gemeinsam gefeiert würden, so seien auch Niederlagen „gemeinsame Niederlagen“, also auch die „bittere und schmerzhafte Niederlage“ (Merkel) nach der NRW-Wahl. „Gemeinsame Niederlage“? Wohl kaum.
Denn während derselben Pressekonferenz gelang es Angela Merkel einmal mehr, sich in einem Maße von ihrer eigenen Partei zu distanzieren, dass sie von keiner politischen Niederlage der CDU tangiert zu sein scheint. Zum einen hätte die Niederlage „ganz klar mit der SPD-Spitzenkandidatin“ zu tun. Außerdem habe sie den Spitzenkandidaten Norbert Röttgen zwar gerne unterstützt; am Ende des Tages aber wüssten die Menschen, “dass es um eine Landtagswahl geht und dass ich dort nicht zur Wahl stehe”. Hier ich, die beliebte Bundeskanzlerin, dort ihr, die zunehmend erfolglose CDU. Zwei Tage später schließlich entließ sie Röttgen aus dem Amt des Umweltministers.
Welche Möglichkeiten hätte sie sonst gehabt? Sie hätte den Weg gehen können, den Gerhard Schröder sieben Jahre zuvor gegangen war: Dieser hatte nach mehreren verlorenen Landtagswahlen und schließlich der Niederlage in NRW unmittelbar Neuwahlen verkündet, da das Wahlergebnis “die politische Grundlage für die Fortsetzung unserer Arbeit in Frage gestellt” habe. Dass Merkel über derartige Konsequenzen auch nur nachgedacht hätte, scheint allzu abwegig. Die Kanzlerin würde nichts tun, was ihre Macht gefährdet. Merkel sieht am Horizont bereits die Ampel aufleuchten – mit Wolfgang Kubicki und Christian Lindner eine reale Machtoption für SPD, Grüne und FDP; Neuwahlen könnten das frühzeitige Ende ihrer Kanzlerschaft bedeuten.
Also dann doch der andere Weg: Einen Sündenbock suchen, Röttgen aus dem Kabinett werfen und damit jegliche Diskussion um ihre politische Führung im Keim ersticken. Machtpolitisch ein genialer Schachzug, wenn auch „herzlos, gefühllos und rücksichtslos“ (Heribert Prantl) – denn: Mit Röttgens Entlassung hat Merkel gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Eine dieser „Fliegen“ ist Horst Seehofer.
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27. Februar 2012 von Stefan Sasse
Von Stefan Sasse
Als 2005 die ersehnte wie erwartete “bürgerliche Mehrheit” nicht zustandekam und die Union stattdessen mit der SPD koalieren musste, während die LINKE erstmals mit rund 8% in den Bundestag einzog, schien das Zeitalter der Bürgerlichen beendet und die besonders von Oskar Lafontaine viel bemühte “strukturelle linke Mehrheit” Realität zu sein. Nur die geradezu frappante Schwäche der SPD 2009 war es, die das anachronistisch wirkende Bündnis von CDU und FDP erlaubten, und der rapide Verfall der Freidemokraten seither, der Aufstieg der Grünen und die leichte Morgenluft, die die Gabriel-SPD zu schnuppern glaubt scheinen die “bürgerliche Koalition” endgültig zu einem Betriebsunfall der Geschichte zu machen. Die Zukunft gehört offensichtlich anderen Konstellationen. Trotzdem wurden alle, die auf eine Änderung der Politik gehofft hatten, bislang bitter enttäuscht. Eine viel bemühte Erklärung dafür ist der Doppelverrat von SPD und Grünen, die sich von ihren Wählern abwandten und ihnen quasi den Agenda-Dolch in den Rücken stießen. Genau diese Interpretation aber geht an einigen Tatsachen vorbei. Es gibt keine strukturelle linke Mehrheit. Es gibt eine strukturelle bürgerliche Mehrheit. Die einzige derzeit dezidiert nicht bürgerliche Partei, die im Bundestag sitzt, ist die LINKE, und sofern bis 2013 nicht noch ein Wunder passiert wird sie gegenüber ihrem Wahlergebnis von 2009 deutlich verlieren. Die verzweifelte Inanspruchnahme des Etiketts “bürgerlich” durch die Union und besonders die FDP verdecken, welche Erklärungskraft das Wort tatsächlich besitzt.
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