Ping-Pong Diplomatie

04. August 2008 von Spiegelfechter - Drucken

Kleine Ursachen können eine große Wirkung haben. Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann einen Orkan auslösen und das zufällige Aufeinandertreffen zweier unkonventioneller Sportler kann Weltgeschichte schreiben. Wäre der amerikanische Tischtennisspieler Glenn Cowan an einem Apriltag des Jahres 1971 im japanischen Nagoya nicht in den falschen Mannschaftsbus gestiegen, sähe die Welt heute anders aus und die Olympischen Spiele 2008 würden wahrscheinlich nicht in Peking ausgetragen werden. Die sogenannte „Ping-Pong Diplomatie“ zwischen der USA und China brach die Isolation des asiatischen Riesenreiches auf und ebnete neue Wege.

Nach Ende des chinesischen Bürgerkrieges 1949 übten die Kommunisten unter Mao Zedong im gesamten Festlandschina die Macht aus. Das von ihnen ausgerufene Staatsgebilde nannten sie “Volksrepublik China”. Die Bürgerkriegsgegner der Kuomintang beherrschten nur noch die Insel Taiwan und führten von dort die “alte” Republik China fort. Die kommunistische Volksrepublik China war im Jahre 1971 diplomatisch und wirtschaftlich komplett isoliert. Seit dem Ende des Bürgerkriegs ging die außenpolitische Alleinvertretung für das gesamte chinesische Festland an die Republik China über, die nur aber nur auf der Insel Taiwan faktisch Macht ausübte. Die Republik China hatte einen Platz in der UNO und übte das Vetorecht Chinas im UN-Sicherheitsrat aus. Wiederholte Initiativen von „Rotchinas“ einzigem Verbündeten, dem maoistischen Albanien, der VR China die Vertretungsansprüche in der UN zu übertragen, wurden vor allem durch die USA und ihre Verbündeten immer wieder vereitelt.

Die VR China war damals das, was man heute als „Schurkenstaat“ bezeichnen würde. Eine katastrophale Struktur- und Industriepolitik, euphemistisch „Großer Sprung nach vorn“ genannt, zeichnete für rund 30 Millionen Todesopfer verantwortlich, die meisten starben bei Hungersnöten. In dem zerrütteten Land wurde 1966 von Mao Zedong die „Kulturrevolution“ ausgerufen, eine innen- und strukturpolitische Kampagne, die den Staat komplett nach den Vorstellungen Maos formen und politische und intellektuelle Kritiker beseitigen sollte. Die Menschen- und Bürgerrechtssituation in der VR China war im Jahre 1971 auf einem Nullpunkt angelangt. Außenpolitisch sah es für die VR China kaum besser aus. Das militärische Engagement an der Seite der Nordkoreaner im Koreakrieg galt als offener Bruch mit den Vereinten Nationen. Im Vietnamkrieg unterstützten die Chinesen die kommunistischen Verbündeten aus Nordvietnam, mit dem die USA damals Krieg führten.

Zwei Jahre zuvor hatte die chinesisch-sowjetische Krise einen neuen Höhepunkt erreicht. Am Grenzfluss Ussuri kam es im Frühjahr zu offenen Gefechten, die Sowjets hatten mittlerweile 25 Divisionen an die chinesisch-sowjetische Grenze verlegt und drohten offen mit einem Einsatz von Nuklearwaffen gegen die chinesischen Atomforschungsanlagen. Mao erkannte 1971, dass er sich nicht gleichzeitig gegen die Sowjetunion und die USA stellen konnte. Eine Öffnung zu einer Seite war nötig und Mao sah in den USA – trotz des radikalen Antiamerikanismus und Antikapitalismus während der Kulturrevolution – das kleinere Übel. Die USA wiederum erkannten, dass es für ihre politischen Ziele in Asien von Vorteil sein könnte, wenn sie mit der VR China zusammenarbeiteten und auch die USA sahen in der Sowjetunion die größte Bedrohung. Vor allem der 1969 gewählte Präsident Nixon galt damals als Befürworter einer Annährungspolitik. Die Rahmenbedingungen für einen diplomatischen Durchbruch waren also vorhanden, dass es ausgerechnet „Ping-Pong“ sein sollte, was diesen Durchbruch ermöglichte, ist dennoch eine amüsante Fußnote der Weltgeschichte.

In den frühen 1960er Jahren war die VR China die Weltmacht des Tischtennis. Der dreimalige Weltmeister Zhuang Zedong war einer der wenigen Helden im kollektivistischen China. Während der Kulturrevolution war jedoch neben der Kultur auch der Sport verpönt und Zhuang durfte von 1966 bis 1969 nicht einmal trainieren. Die Tischtennisweltmeisterschaft im japanischen Nagoya im Jahre 1971 war das erste internationale Turnier, an dem die chinesischen Sportler wieder teilnehmen durften. Ein weiterer Teilnehmer dieser Weltmeisterschaften war der 19jährige Amerikaner Glenn Cowan – ein langhaariger Hippie, dessen Interessen neben dem Tischtennis Drogen und Frauen waren. Nach einer Trainingseinheit stieg Cowan versehentlich in den falschen Mannschaftsbus und war plötzlich von der chinesischen Mannschaft und deren Delegation umgeben, die ihn wie einen Außerirdischen anstarrten, ohne ein Wort zu sagen. Cowan wollte das Schweigen brechen, in dem er humorvoll bemerkte, dass seine langen Haare und sein Äußeres auch in den USA für Staunen sorgten. Auch nach der Übersetzung durch den ebenfalls anwesenden Teamdolmetscher entspannte sich die Situation nicht.

Zhuang Zedong, der große Star der Chinesen, hatte Mitleid mit dem seltsamen Amerikaner und wollte ein Zeichen für die Völkerverständigung setzen. Die chinesischen Sportler hatten vom chinesischen Premier Zhuo Enlai die Direktive „Zuerst die Verständigung, dann der Wettkampf“ mit auf den Weg bekommen und nach diesem Motto wollte Zhuang auch handeln. Dies war mitten in der Kulturrevolution, als die Amerikaner der Klassenfeind Nummer Eins waren, ein rebellischer Akt. Im Bus wurde Zhuang noch von Mannschaftskollegen zurückgehalten. Zhuang sagte seinen Mannschaftskollegen, der Staat USA sei vielleicht der Feind des Staates Chinas, aber ein amerikanischer Mensch sei deshalb nicht auch Feind eines chinesischen Menschen. Er wühlte in seiner Tasche und fand ein Seidenbild einer chinesischen Berglandschaft in seiner Tasche, dass er dem verblüfften Cowan schenkte. Der wollte sich revanchieren, fand aber nur einen Kamm in seiner Tasche –als Geschenk wäre dies eher peinlich gewesen.

Als der Bus am Stadion ankam, entging das seltsame „Pärchen“ natürlich nicht den Photographen und Reportern. Als Cowan Zhuang kurz darauf ein eigens gekauftes T-Shirt mit Peace-Zeichen und dem Slogan „Let it be“ schenkte, war die Story für die Presse perfekt. Die Bilder gingen um die Welt und Cowans bejahende Antwort auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, auch in China zu spielen, wurde auch von Zhuang gehört. Der schlug seiner Delegation vor, die US-Mannschaft auf eine Freundschaftstour nach China einzuladen. Die Idee wurde weitergeleitet und stieß zunächst auf taube Ohren. Premier Zhuo Enlai lehnte dieses Vorhaben strikt ab. Mao Zedong erreichten die Meldungen über das seltsame Zusammentreffen erst am letzten Tag der Weltmeisterschaften und er fand Gefallen an der Idee. „Dieser Zhuang ist nicht nur ein guter Tischtennisspieler, sondern auch ein guter Diplomat“ soll Mao gesagt haben. Letzte Hindernisse gab es aber noch aus den USA. Die Vorstellung, dass die ersten Amerikaner, die offiziell die VR China besuchen, „Schwarze“ und „opportunistische Hippies“ (O-Ton) sind, passte vor allem den Konservativen überhaupt nicht ins Bild und der Dialog mit den „Kommunisten“ aus China stand auch nicht eben hoch auf deren Agenda.

Die Reise wurde gegen alle Bedenken durchgeführt und war ein gigantischer Erfolg – in den chinesischen und in den amerikanischen Medien. Die Chinesen wurden ihrerseits von den Amerikanern eingeladen und die Politik erkannte auf einmal die Dialogbereitschaft der jeweils anderen Seite. Bereist zwei Monate später besuchte der damalige Sicherheitsberater Henry Kissinger Peking, beendete die Wirtschaftssanktionen, die seit 20 Jahren bestanden und führte Vorgespräche für die Planung eines Treffens auf höchster Ebene. Im Februar 1972 wurde Peking die höchste diplomatische Ehre zuteil: US-Präsident Richard Nixon besuchte Mao Zedong in Peking und leitete eine umfassende Entspannungspolitik ein. Während die Sowjets vor Wut schäumten, opferten die USA bereits im Oktober 1971 dafür sogar ihre Verbündeten auf der Insel Taiwan. Die VR China übernahm sowohl den Sitz bei den Vereinten Nationen, als auch den Vetoposten im Sicherheitsrat. Die VR China war damit „gezähmt“, sowohl außen- als auch innenpolitisch begann ab diesem Zeitpunkt eine lange Entspannungsphase. Als Mao 1976 starb, setzte sein Nachfolger Deng Xiaoping die Entspannungspolitik fort und führte die innen- und wirtschaftspolitischen Reformen durch, die die Grundlage schufen, dass China zu einer modernen Großmacht werden konnte.

Sähe die Weltgeschichte anders aus, wenn Glenn Cowan nicht in den falschen Bus gestiegen wäre? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Es gab ein beiderseitiges Interesse, sich politisch anzunähern. In der Weltpolitik spielen allerdings neben kalkulierten und rationalen Abwägungen auch Zeitfenster eine Rolle. Das Zeitfenster für die chinesisch-amerikanische Annährung stand 1971 weit offen und niemand weiß, wann es sich wieder geschlossen hätte, wären nicht zwei Tischtennisspieler durch dieses Fenster gestiegen. Glenn Cowan verfiel in den 1970er Jahren seiner Drogensucht, wurde psychisch krank und geriet in Vergessenheit. Er arbeite zunächst als Schuhverkäufer, lebte viele Jahre als Obdachloser am Venice Beach und verstarb 2004 bei einer Bypass-Operation. Zhuang Zedong wurde nach seiner Tischtenniskarriere Sportminister und wurde 1976 in der Spätphase der Kulturrevolution wegen „konterrevolutionärer Tätigkeiten“ inhaftiert. 1977 soll er versucht haben, sich in der Haft an seinem eigenen Gürtel zu erhängen. 1980 wurde er entlassen und seit 1985 trainiert er in Peking jugendliche Tischtennisspieler. In China ist sein Name immer noch sehr bekannt. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass der Superstar aus den individualistisch geprägten USA in allgemeine Vergessenheit geriet und einsam verstarb, während der Volkssportler aus dem Massenkollektiv VR China, in dem das Individuum nichts galt, immer noch berühmt und beliebt ist.

1979 wurde die VR China Mitglied des IOC und nahm 1984 in Los Angeles das erste Mal an Olympischen Spielen teil. Sehr zum Ärger der Sowjetunion, die die Spiele in Los Angeles boykottierte. 2008 veranstaltet die VR China zum ersten Mal die Olympischen Spiele. Eine neue Chance für eine neue „Ping Pong Diplomatie“, bei der der Sport die Türen öffnet. Dies wäre ohne die beiden Tischtennisrebellen wohl kaum möglich gewesen.

Jens Berger

Hintergrund:
Alexander Wolff und David Davids - Opening Volley

Bildnachweis (v.o.n.u.): The Legion Magazine, Andy Michelsen auf Now Public, China Pictorial Supplement/Courtesty of the ITTF, TIME Magazine

Kategorie: China | 18 Kommentare

Olympia und die Doppelmoral des Westens

02. August 2008 von Spiegelfechter - Drucken

Als das IOC im Sommer 2001 Peking den Zuschlag für die Austragung der 29. Olympischen Sommerspiele erteilte, sah man dies in China als große Chance, der westlichen Welt zu zeigen, was diese eigentlich längst weiß – China ist innerhalb von zwei Jahrzehnten vom rückständigen kommunistischen Entwicklungsland zu einer modernen Industrienation gereift, die es vermag, dank immenser Deviseneinnahmen „Wunder“ zu vollbringen. China wollte die westliche Welt durch technokratische „Wunder“ beeindrucken. Im Westen interessieren Bauwerke und Wirtschaftsleistungen aber weniger – im Gegenteil. Man betrachtet China mit einer großen Skepsis und einer Mischung aus Respekt, Angst und Misstrauen. Was der Westen von China erwartet, ist ein gesellschaftspolitisches „Wunder“ – die Transformation einer isolierten Parteidiktatur in eine offene, demokratische Gesellschaft und dies – wenn möglich – sofort.

Die Haltung des Westens gegenüber China erinnert an die Vorbehalte, die Vertreter des „Ancien Régime“ in vorrevolutionären Zeiten gegenüber den Emporkömmlingen des Bürgertums pflegten. Der steigende wirtschaftliche Einfluss und die zunehmende Macht werden zwar argwöhnisch respektiert, geschäftlich verkehrt man auch miteinander, die Mitgliedschaft in den exklusiven Klubs bleibt den „Emporkömmlingen“ jedoch verbaut. Dass China mit den Olympischen Spielen „100 Jahre nationaler Demütigung“ durch den Westen kompensieren kann, wie es der China-Experte Orville Schell einmal ausdrückte, ist unwahrscheinlicher denn je. Australien konnte mit den Olympischen Spielen 2000 einen gigantischen PR-Erfolg feiern, die Fußballweltmeisterschaft 2006 hat Deutschland mehr eingebracht als hunderte von PR-Kampagnen, aber in beiden Fällen konnte der Erfolg nur gelingen, weil die Botschaft auch über gewogene Kanäle an die Empfänger übermittelt wurde. Hätten britische Medien 2006 nicht über fröhliche und lockere deutsche Gastgeber berichtet, sondern über prügelnde Skinheads und umfassende Antiterrorgesetze, die die Bürgerrechte beschneiden – der PR-Effekt wäre ausgeblieben.

Wenn man die Berichterstattung im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking betrachtet, so stellt man schnell fest, dass sie überwiegend kritisch ist. Diese Kritik ist gerechtfertigt, die Unterdrückung der Meinungs- und Pressefreiheit, Internetzensur und der Umgang mit Dissidenten müssen scharf kritisiert werden. Wer allerdings keine „Wunder“ erwartet, sollte umfassender berichten und auch auf die Entwicklung eingehen. Eine Doppelmoral hilft hier niemandem – den Chinesen am allerwenigsten. Chinesische Dissidenten, wie beispielsweise Li Datong, weisen auf einen langsamen aber steten Wandel zum Positiven bei der Presse- und Meinungsfreiheit hin, während es den professionellen Menschenrechts-NGOs aus dem Westen nicht schnell genug gehen kann. Amnesty International spricht in diesem Zusammenhang von einer Konterkarierung der „olympischen Werte“, da es China nicht gelungen sei, den Forderungskatalog, den Amnesty im Vorfeld der Olympischen Spiele formuliert hat, umzusetzen. Der Katalog kann dabei durchaus als „Maximalforderung“ angesehen werden und niemand hatte ernsthaft geglaubt, dass er umgesetzt würde. Hat Amnesty im Vorfeld der Olympischen Spiele 1996 in Atlanta eine Abschaffung der Todesstrafe in den USA gefordert? Hat Amnesty eine Kampagne gegen Griechenland gestartet, da der griechische Staat 2004 in Athen ein 1,5 Mrd. US$ teures Bespitzelungssystem aufgebaut hat, das mit tausenden Überwachungskameras und versteckten Mikrophonen das komplette Umfeld der Olympischen Spiele überwacht hat? Griechische Intellektuelle sprachen damals von einem „Superpanopticon“, einem Freiluftgefängnis, in dem jeder und alles allseits von den Behörden überwacht wird. Die nächsten Olympischen Sommerspiele 2012 in London werden das griechische „Superpanopticon“ sogar noch übertreffen – was wird Amnesty sagen, werden Staatschefs der Eröffnungsfeier fortbleiben? Wobei die chinesische Nomenklatura das Fortbleiben des Rechtsstaatsfreundes Silvio Berlusconi durchaus als Realsatire verkaufen könnte.

Die Menschen- und Bürgerrechtslage in China ist freilich bedrohlicher, als sie in Athen 2004 war, oder in London 2012 sein wird. Aber ist dies überhaupt vergleichbar? Sowohl Griechenland, als auch Großbritannien sind westliche Demokratien, die die Wahrung der Menschen- und Bürgerrechte bei jeder Gelegenheit auf ihren Fahnen vor sich hertragen. Die Olympischen Spiele hatten und haben in beiden Ländern einen negativen Effekt. Über die Chimäre „internationaler Terrorismus“ wurde ein umfassendes Überwachungssystem etabliert, das an Orwells „1984“ erinnert. Chinas Maßnahmen zur Überwachung seiner Bürger sind nicht so „sophisticated“ wie die des Westens. Spitzel, die Telefongespräche abhören oder Journalisten observieren, sind aus westlicher Position anachronistisch. Die Athener Computersysteme, die tausende Privatgespräche, die von versteckten Mikrophonen aufgezeichnet wurden, nach „Schlüsselwörtern“ durchforsteten, sind für den Westen hingegen eine adäquate Maßnahme, um die Sicherheit von Sportgroßereignissen zu gewährleisten. Wenn „wir“ die Bürgerrechte auf dem Altar der Sicherheit opfern, so ist dies akzeptabel, da „wir“ es ja nur gut meinen. Wenn China dies tut, so ist dies inakzeptabel.

Dass Chinas Überwachungsstaat mit willfähriger Hilfe westlicher Unternehmen aufgebaut wurde, scheint die westliche Politik und die westlichen Medien nicht sonderlich zu stören. Ohne Unternehmen wie Google, Yahoo, Microsoft, Cisco oder Nortel wäre die chinesische Internetzensur nur schwer vorstellbar. Warum stellt die Bundesregierung nicht die Zusammenarbeit mit Unternehmen ein, die sich willfährig an der chinesischen Internetzensur beteiligen? Man belässt es lieber bei Lippenbekenntnissen, die tun niemand weh.

Der Sturm der Entrüstung über chinesische Zensur und Überwachung ist richtig! Wenn der Sturm der Entrüstung über westliche Zensur und Überwachung aber gleichzeitig ausbleibt, so ist dies höchst bedenklich. Diese Doppelmoral wird auch in China sehr genau wahrgenommen. Wenn Innenminister Schäuble demonstrativ der Eröffnungsfeier in Peking fernbleibt und „lageangepasst“ plant, zehn Tage später anzureisen, so ist dies nur noch grotesk. Der Minister, der stets den Vorreiter gibt, wenn es darum geht, im eigenen Lande Freiheit gegen “Sicherheit” einzutauschen, gibt den integeren Bürgerrechtsverteidiger? Applaus ist ihm sicher.

In einem Punkt sind sich nahezu alle China-Experten einig – die Olympischen Spiele könnten sich positiv auf das Verhältnis zu China auswirken und die chinesische Zivilgesellschaft stärken. Schaut man sich allerdings die teils harschen Abwehrreaktionen der chinesischen Bevölkerung gegen die unlautere westliche Medienkampage nach den Unruhen in Tibet im Frühjahr an, so mag man zweifeln, dass dies gelingen wird. Eine Neuauflage der Tibet-Kampagne während der Olympischen Spiele ist bereits seitens der vom Westen finanzierten Organisatoren angekündigt. China ist alles andere als perfekt – ein Staat mit vielen Fehlern, der sich langsam öffnet. Wenn der Westen der Meinung ist, er müsse den Versuch, „100 Jahre nationale Demütigung“ zu überwinden, mit neuen Demütigungen beantworten, so ist das Ergebnis vorherbestimmbar. Eine Stärkung der reaktionären Kräfte in China wäre die sichere Folge. Dies kann der Westen nicht wollen und dies wäre für China und seine Einwohner wohl die schlechteste aller denkbaren Folgen der Olympischen Spiele.

Dieser Artikel ist der erste einer geplanten Reihe über Peking 2008, die Rolle von Sport und Politik und die China-Berichterstattung in den Medien.

Jens Berger

p.s.: Bloggerin Lanu hat zurückgeschlagen und ruft auf, die Olympischen Spiele zu zensieren ;-)

Hintergrundinformationen und Lesetipps:
Brendan O’Neill - Double standards are no friend of freedom
Flora Zhang - China’s Olympic Crossroads: Orville Schell on Moving Beyond Old Wounds
CDT Interview Series: Chinese Journalists Talk About the Olympics, Tibet, and Cross-Cultural Understanding
Amnesty International Bericht - The Olympics countdown – broken promises

Artikel vom SPIEGELFECHTER zu diesem Thema:
Wohlfühlaktivismus
China-Bashing
Chinesische Kampfroboter
Olympiaproteste - sponsored by Germany
China und das Dalai-Dilemma

Bildnachweis (v.o.n.u.): Pixelmarx, Xinhua, Burmadigest, SPIEGELFECHTER

Kategorie: China, Medien, Stasi 2.0 | 62 Kommentare

Iran muss diplomatischen Rückschlag hinnehmen

29. Juli 2008 von Spiegelfechter - Drucken

Am 30. August wird im tadschikischen Duschanbe turnusgemäß das Gipfeltreffen der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) stattfinden. Die SCO ist ein regionales eurasisches Bündnis mit dem Ziel, die bilateralen Beziehungen zu stärken und in Wirtschafts- sowie Militär- und Sicherheitsfragen enger zu kooperieren. Der SCO gehören neben den großen Staaten China und Russland noch die postsowjetischen Staaten Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan an. Die Nachbarstaaten Indien, Iran, Mongolei und Pakistan haben bei der SCO Beobachterstatus. Lange galt es als wahrscheinlich, dass China und Russland in diesem Jahr Iran eine Vollmitgliedschaft anbieten würden. Wirtschaftlich würde dies durchaus Sinn machen, da chinesische und russische Unternehmen die Lücken gefüllt haben, die westliche Konzerne aufgrund der EU- und US-Sanktionen hinterlassen haben. Am Freitag trafen sich die Außenminister der SCO-Staaten bereits zu einem Arbeitstreffen, in dem die Agenda beschlossen wurde, über die Ende August in Duschanbe verhandelt werden soll – eine Vollmitgliedschaft Irans steht nicht auf dieser Agenda.

Viele Analysten waren sich sicher, dass China und Russland die Konfrontation mit dem Westen suchen würden, indem sie Iran enger in ihre Sicherheitsmechanismen integrieren würden. Eine SCO-Vollmitgliedschaft Irans wäre genau ein solcher Schritt. Iran würde bei den Atom-Verhandlungen der Rücken gestärkt und dem Westen würde auf dem Umweg über den UN-Sicherheitsrat jegliche völkerrechtliche Legitimität für eine militärische Option bereits im Vorfeld streitig gemacht. Sowohl für China als auch für Russland sind die Wirtschaftsbeziehungen zu Iran ein wichtiges Thema. China importiert signifikante Mengen seines Erdöls aus Iran, während chinesische Erdölkonzerne sich in Iran immer stärker engagieren. Für Russland ist Iran ein wichtiger Kunde von Rüstungsgütern und auch das zivile iranische Atomprogramm ist ohne russische Hilfe kaum vorstellbar, während russische Energiekonzerne auch in Iran ihr Geschäft ausweiten. Von besonderer Bedeutung für Russland ist auch Irans Position als Anrainer des Kaspischen Meeres. Neue Pipelines und Fördertürme können dort nur errichtet werden, wenn sich alle Anrainer auf gemeinsame Grenzen einigen; hier ist Russland auch auf die Zustimmung Teherans angewiesen.

Im Laufe des letzten Jahres hat sich die Konfrontation zwischen Iran und dem Westen verstärkt. Vor allem ein israelischer Angriff ist mittlerweile kein auszuschließendes Szenario mehr. Eine offene militärische Auseinandersetzung zwischen Israel und den USA auf der einen Seite und Russland oder China auf der anderen Seite, ist sowohl seitens der Chinesen, als auch seitens der Russen nicht gewünscht. Vor allem China hätte bei einer militärischen Eskalation sehr viel zu verlieren; kaum ein anderes Land ist derart von Ölimporten aus dem Persischen Golf abhängig und kaum ein anderes Land hätte bei einer Weltwirtschaftskrise durch explodierende Energiepreise so viel zu verlieren. Russland sucht derweil eine Neuorientierung seiner Außenbeziehungen und möchte langfristig eine Sicherheitsarchitektur zusammen mit dem Westen aufbauen – ein neuer Krieg im Mittleren Osten käme dabei eben so ungelegen wie ein tiefgreifender diplomatischer Konflikt mit dem Westen.

Es ist nicht bekannt, welches führende SCO-Mitglied gegen die Pläne, Iran die Vollmitgliedschaft anzubieten, opponiert hat – wahrscheinlich waren es sogar beide Staaten. China und Russland haben erkannt, dass Iran ernsthafter auf die Verhandlungspositionen des Westens eingehen muss, um einen möglichen Krieg zu verhindern - auch wenn diese in elementaren Teilen gegen internationales Recht verstoßen. Die normative Kraft des Faktischen scheint auf internationaler Ebene einmal mehr internationales Recht zu brechen. Dies hatte sich bereits seit längerer Zeit angekündigt. Die offiziellen Verlautbarungen aus Moskau in Richtung Teheran haben sich in den letzten Monaten spürbar abgekühlt – kritische Töne bestimmen mittlerweile den Dialog. Aus Peking ist sogar nur noch ein laut vernehmbares Schweigen zu hören. Iran hat offensichtlich seinen Status als Protegé zweier Vetomächte des Weltsicherheitsrates eingebüßt.

Für die Frage „Krieg oder Frieden“ ist dies allerdings keineswegs negativ zu bewerten. Sollten die USA ihr Angebot, ernsthaft mit Iran zu diskutieren wirklich ernst meinen, so tut sich hier eine einmalige Chance auf. Als neuer Vermittler zwischen Iran und dem Westen ist derweil die Türkei in den Ring gestiegen. Nach der letzten Verhandlungsrunde in Genf flogen sowohl der iranische Chefunterhändler Jalili, als auch der iranische Außenminister Mottaki, erst einmal nach Ankara, um sich mit dem türkischen Außenminister Babacan zu besprechen, der gleich im Anschluss nach Washington flog. Auch das lässt hoffen, ist die Türkei doch – anders als Russland – von beiden Seiten als „ehrlicher Makler“ in dieser Frage anerkannt. Die Türkei hat in den letzten Jahren eine sehr erfolgreiche Geheimdiplomatie mit Iran betrieben, als es um die Sicherheitsfragen im Nordirak ging. Als muslimischer Staat genießt die Türkei nicht nur bei Syrien, sondern auch bei Iran ein hohes Ansehen, während sie als westlicher Staat auch bei EU und USA ein hohes Ansehen genießt. Man hätte wohl kaum einen besseren Makler finden können.

Die Türkei hat ein lebhaftes Interesse an einem Erfolg der Verhandlungen. Ihre Position für den EU-Beitritt würde durch eine derartige diplomatische Glanzleistung spürbar Rückenwind bekommen und die Türkei hat ferner ein vitales Interesse an den iranischen Energieexporten. Die europäische Nabucco-Pipeline würde über türkisches Hoheitsgebiet verlaufen und der Türkei eine Schlüsselrolle als Energiekorridor für Europa bescheren. Gefüllt mit iranischem Erdgas wäre dies für Iran, die EU und die Türkei eine Win-Win Situation, während Russland – zum ersten Mal in diesem Jahrtausend – eine energiepolitischen Rückschlag hinstecken müsste. Die Äußerungen Irans in den letzten Tagen sind herzlich konstruktiv, der diplomatische Rückzieher Chinas und Russlands mag dabei auch eine Rolle spielen. Man kann nur abwarten, ob dies vom Westen auch goutiert wird.

Jens Berger

Hintergrund: M K Bhadrakuma - Snub for Iran eases nuclear crisis
Dmitry Kosyrev - ASEAN shows the way to SCO

Bildnachweis (v.o.n.u.): Wikicommons, Al Hayat, Der Standard

Kategorie: Ausland, China, Geopolitik, Great Game, Iran | 10 Kommentare

Wohlfühlaktivismus

05. Mai 2008 von Spiegelfechter - Drucken

Die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) holt derzeit zum ultimativen Rundumschlag gegen die Menschrechtsverletzungen in China aus. Die Geheimwaffe der lutherischen Public Relations-Kreuzritter ist ein schwarzes Silikonarmband. Darauf prangt als Aufdruck das aktuelle Motto („Olympia 2008“), eine Werbe-Psalm und das Logo der EKD („Passkreuz“) – so viel Corporate Identity muss schon sein. Früher waren solche „Awareness-Bracelets“ mal für eine kurze Zeit total hip, starben aber den schnellen Tod vieler Modegags. Nachdem die sporttreibenden Wohlfühlaktivismus-Pioniere Lance Armstrong und Thierry Henry in Kooperation mit dem Sportartikelhersteller Nike Silikonarmbänder gegen Krebs und Rassismus populär machten, sprangen nach und nach unzählige Anbieter von Wohlfühlaktivismus-Generika auf diesen Trend auf. Spätestens als dauergewellte Besucher von BAP-Konzerten mit einer „rot-gelb-lila-weißen“ Kombination an Silikonarmbändern herumliefen, um aller Welt zu signalisieren, sie solidarisierten sich mit schwulen, dunkelhäutigen Diabetikern und seien gleichzeitig gegen Armut, Krieg und schlechtes Wetter, war der Trend endgültig tot und die Gummibändsel wurden ökologisch sinnvoll dem Wertstoffkreislauf zurückgeführt. Wie die bereits totgesagten Cordhosen und Pilotensonnenbrillen, feiern nun aber auch die Silikonarmbänder dank der EKD ein sensationelles Comeback.

Dass die Kampagne ein voller Erfolg werden musste, war klar. Christen sind erfahren darin, ihre Gesinnung samt der frohen Botschaft durch Symbolik kundzutun. War es früher das Kreuz, so ist es heute der symbolische Fischaufkleber am Fahrzeugheck, der dem Hinterherfahrenden verkündet: „Vorsicht – Christ an Bord!“ Ähnlich entschlossen gehen die Christen nun gegen die gottlosen Parteikader in Peking vor. Das schwarze Silikonarmband signalisiert ihnen, dass sie eine dünne rote Linie überschritten haben und nun die gute Seite der Macht gegen sich stehen haben. Der engagierte Menschenrechtsfreund, der es sich nicht nehmen lassen will, die Olympischen Spiele am heimischen Fernsehapparat zu verfolgen, kann dies nun garantiert politisch korrekt mit einem ums Handgelenk getragenen Trauerflor tun. So billig war selbstgerechtes Seelenheil seit Ablassprediger Tetzels Zeiten nicht mehr zu haben. Das kleine Schwarze ist nämlich kostenlos, wenn auch nicht umsonst – dem engagierten Wohlfühlaktivisten wird (Gott sieht alles!) nahe gelegt, den virtuellen Ablasshandel durch eine Spende an eine kirchnahe asiatische Menschenrechtsorganisation zu besiegeln.

Da wundert es kaum, dass alle Exemplare bereits vergriffen sind und zehntausende weitere Exemplare vorbestellt wurden und in wenigen Wochen ausgeliefert werden können. Das dauert halt ein wenig länger, die politisch korrekten Protestsymbole werden nämlich in Asien gefertigt. Bei der EKD habe man sich bereits nach vermehrten Anfragen bei der herstellenden Firma erkundigt, so eine Mitarbeiterin. Eigentlich hätte man das auch vor der Auftragsvergabe klären können – aber zum Glück meint man bei der EKD zu wissen, dass „die Bänder im asiatischen Raum, jedoch nicht in China gefertigt [werden].“ Na Gott sei Dank! Vielleicht werden die Bänder ja in einer Jugendbegegnungsstätte in Bangladesh gefertigt, in der weibliche Teenager dabei unterstützt werden, die Familie zu ernähren, oder man produziert in einer birmanischen Resozialisierungsanstalt - Armbänder von eingesperrten Aktivisten für freilaufende Aktivisten, ein Geschäftsmodell mit Zukunft. Zwei große Werbemittelimporteure beantworteten die Frage nach der Herkunft solcher Silikonarmbänder zwar damit, diese Art von Artikeln käme ihres Wissens nach, ausschließlich aus China – aber man sollte die Kirche manchmal ja auch im Dorfe lassen.

Woody Allen soll einmal gesagt haben, „wem Hungerstreik zu drastisch ist, der könne ja schon einmal mit der Salatbeilage anfangen“. Den Wohlfühlaktivisten unserer Tage würde dies wahrscheinlich bereits zu weit gehen und man würde einfach eine Hungerstreiksolidaritätsnote im Internet anklicken. Symbolprodukte, die offen zur Schau gestellt werden können und in ihrer Aussagekraft eher kryptisch sind, erfreuen sich bei ihnen auch höchster Beleibtheit. Bunte Ansteck- und Aufklebschleifen und Armbändsel sind da sehr beliebt. Man weiß, der Träger eines solchen Betroffenheitsaccessoires ist ein guter Mensch, denn er ist gegen Aids, Hunger, Menschenrechtsverletzungen, Abtreibungen oder will die US-Truppen im Irak unterstützen - jedem Tierchen sein Pläsierchen. Protestsymbole verlieren allerdings ihren Protestcharakter, wenn sie kommerzielle Modetrends oder beliebig werden und dies ist heutzutage fast immer der Fall, stört die Wohlfühlaktivisten aber nicht weiter.

Betroffenheitssymbolik und Wohlfühlwiderstand sind viel zu renditeträchtig, als dass man als Anbieter in diesem Segment die Olympischen Spiele als Highlight dieses Jahres tatenlos verstreichen lassen könnte. Aber „leider“ werden sich die üblichen Verdächtigen dieses Jahr bedeckt halten müssen – kein großer Modekonzern, Sportartikelhersteller oder Lifestylevermarkter lässt nicht in China fertigen und selbst die Nischenanbieter haben Probleme. Der potentielle Sommerhit ist natürlich die tibetische Flagge, nur kommen dummerweise auch die meisten tibetischen Flaggen und Artikel mit Flaggenaufdruck aus China. Damit hat der Importeur zwar gar keine Probleme, dennoch könnte es ihm das Geschäft vermiesen, denn der Kunde kauft schließlich weniger den Artikel selbst, sondern die Symbolik und den Anspruch auf ein gutes Gewissen als ganzheitliches Wohlfühlpaket.

Die Silikonarmbänder der EKD werden auch an aktive Athleten bei den Spielen ausgegeben. Die christlichen deutschen Aktivisten werden aber nicht die Einzigen sein, die in Peking durch kryptische Symbolik auffallen werden. Athleten und Funktionäre haben sich darauf geeinigt, man dürfe zwar politische Symbole tragen, diese sollen aber nicht als solche erkenntlich sein. Dies war der Startschuss für den internationalen „Awareness-Wettlauf“. Eine deutsche Sportlerinitiative hat bereits 10.000 grün-blaue Silikonbändchen bestellt um für Menschenrechte und für Tibet zu „demonstrieren“ – damit treten sie zu den deutschen Christen mit schwarzen Bändseln und vielen anderen, die ebenfalls buntbeschmückt für dieses Ziel „kämpfen“ in Konkurrenz. Zusätzlich verwässert wird die Außenwirkung durch die anderweitigen buntbebänselten multipel engagierten, betroffenen und solidarischen Aktivisten, mit denen immer zu rechnen ist. Durch diesen symbolischen Overkill droht so jede einzelne Aktion zum kryptischen Privatamüsement zu werden, das eher an torjubelnde Fußballer erinnert, die mit „geheimen“ Gesten ihren frischen Nachwuchs „grüßen“ - zumindest wird dies die Sportjournalisten freuen, da ihr Standardrepertoir an Fragen dadurch ergänzt wird.

Die Chinesische Führung braucht sich jedenfalls keine Sorgen zu machen, da der einzige bleibende Eindruck dieser vielfältigen Solidaritätsbekundungen ein „diffuses Bunt“ ist, das in seiner eigenen Beliebigkeit untergeht. Chinesische Produzenten von Wohlfühlaktivismusaccessoires werden sich bereits die Hände reiben. Wenn es nach ihnen ginge, könnte die ganze Welt sich gegen oder für irgendetwas solidarisieren – auch wenn es Tibet ist.

Jens Berger

Bildnachweis: Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover, Netzathleten.de, Sentinel

Kategorie: China, Glosse | 32 Kommentare

China-Bashing

12. April 2008 von Spiegelfechter - Drucken

Die westlichen Medien arbeiten sich an einem neuen alten Feindbild ab

Die politische und gesellschaftliche Diskussion über den Tibet-Konflikt ist im höchsten Maße politisiert. Große Teile der Gesellschaft haben ein klares Bild von diesem Konflikt: Auf der einen Seite stehen gleichgeschaltete bedrohlich wirkende Chinesen, die mit äußerster Macht gegen friedliche Mönche vorgehen. Auf der anderen Seite stehen die Tibeter, die romantisierend zu edlen Wilden verklärt werden. Böse Menschenrechtsverletzer hier, gute gewaltlose Mönche dort – klar auf welcher Seite man selbst stehen will. Differenziertheit ist da nicht erwünscht, man möchte kognitiven Dissonanzen schließlich aus dem Wege gehen. Die Medien haben dieses Bild mit der Zeit geschaffen und bedienen es bereitwillig. Es ist ja auch bequem, komplexe Themen eindimensional darzustellen und auch noch auf der Seite der Guten zu stehen. Die Exiltibeter und der Dalai Lama spielen den Medien mit ihrer Hollywood-Strategie dabei kongenial in die Karten.

Der volle Text ist auf Telepolis zu lesen

Kategorie: Ausland, China | 58 Kommentare

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SR2 - Fragen an den Autor: Das Ende der Massenarbeitslosigkeit

Hitmeister Superblogs 2008