Handelskrieg um Seltene Erden
geschrieben am 14. November 2010 von Spiegelfechter
Zwischen China und dem Westen ist ein Handelskrieg um Rohstoffe entbrannt, die zur Fertigung von High-Tech-Produkten benötigt werden. Dabei bekleckern sich beide Seiten nicht unbedingt mit Ruhm
Dass mit den Chinesen nicht zu spaßen ist, konnten Ende September die Japaner am eigenen Leibe spüren. Nachdem der Kapitän eines chinesischen Fischkutters in japanischen Hoheitsgewässern nahe der territorial umstrittenen Senkaku-Inseln die japanische Küstenwache rammte und von den japanischen Behörden festgenommen wurde, erließen die chinesischen Behörden ein Exportverbot für eine Reihe von Metallen. Diese Metalle gehören zur Gruppe der Metalle der Seltenen Erden und sind für Japans High-Tech-Industrie ungemein wichtig. Kein Wunder, dass der chinesische Kapitän schon am nächsten Tag freigelassen wurde. Doch dieser diplomatische Affront ist nur die Spitze des Eisbergs einer protektionistischen chinesischen Handelspolitik rund um die Seltenen Erden.
Vor den 1960ern wurden die Metalle der Seltenen Erden fast ausschließlich aus den monazithaltigen Sanden und Erzen Brasiliens, Indiens und Südafrikas gewonnen. Die Weltproduktion lag damals bei rund 5.000 Tonnen pro Jahr. Als das Unternehmen MolyCorp im Jahre 1965 im kalifornischen Mountain Pass die Förderung aufnahm, begann sich die Industrie langsam für die Seltenen Erden zu interessieren. Europium wird zur Herstellung von Röhrenbildschirmen verwendet, Neodym ist ein wichtiger Bestandteil bei der Herstellung von Permanentmagneten für Elektromotoren.
Bis zum Jahr 1985 steigerte sich die Förderung auf rund 40.000 Tonnen pro Jahr, Mountain Pass war bis zu diesem Zeitpunkt der wichtigste Förderort. Doch 1985 änderte sich die Welt der Seltenen Erden. China startete die strategische Ausbeutung dieser Ressource und verdrängte schnell die weltweite Konkurrenz. Heute beträgt die Weltförderung rund 120.000 Tonnen, wovon 97% auf China entfallen.
Zeitgleich zum Aufstieg Chinas gewannen auch die Seltenen Erden massiv an Bedeutung. Die Metalle werden heute nicht mehr nur für Elektromotoren, sondern auch für LCD- und Plasmabildschirme, Legierungen für Batterien und Akkus, Spezialglas, Energiesparlampen und nicht zuletzt auch für Militärtechnik in Radargeräten und Lenkraketen benötigt. Die Förderung von Seltenen Erden ist jedoch recht kostenintensiv, wenn man Umweltstandards einhalten und hohe Löhne zahlen muss.
China konnte in den 90ern mit Kampfpreisen die internationale Konkurrenz vom Markt verdrängen. MolyCorp drosselte von Jahr zu Jahr die Förderung, musste 1998 aufgrund mehrerer Fälle von Umweltverschmutzung strenge Auflagen hinnehmen und stellte schließlich 2002 den Betrieb endgültig ein. Seitdem hat China ein Monopol auf die Seltenen Erden.
Es ist jedoch erstaunlich, dass der Westen dieser Entwicklung über Jahrzehnte tatenlos zugeschaut und sich vollkommen ohne Not in eine derartige Abhängigkeit manövriert hat. Dass die Seltenen Erden für China mehr als nur eine Ressource unter vielen sind, wurde von den Chinesen nie verschwiegen – im Gegenteil:
Der Nahe Osten hat Öl, China hat Seltene Erden.
Deng Xiaoping im Jahre 1992
Im Jahre 1999 erklärte der chinesische Präsident Jiang Zemin, dass es China darum ginge, “den Ressourcenvorteil in wirtschaftliche Überlegenheit” zu verwandeln. Eine staatsnahe chinesische Zeitung formulierte es jüngst noch schärfer, als sie die Seltenen Erden als “die Waffe der Wirtschaft des 21. Jahrhunderts” bezeichnete.
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Schon der von den Göttern bestrafte Sisyphos wusste, dass er seinen Felsbrocken nur deshalb tagaus, tagein steil bergauf schieben konnte, weil dieser stets kurz vor dem Höhepunkt wieder in die Tiefe rauschte. Auch die deutsche Wirtschaftspolitik ist eine Sisyphosarbeit. Die Konjunktur durchläuft ihren Schweinezyklus, mal geht es bergauf, mal geht es bergab – je steiler es bergauf geht, desto steiler geht es bergab und umgekehrt. Seit das Statistische Bundesamt am Freitag das Wirtschaftswachstum für das zweite Quartal des laufenden Jahres mit +2,2% beziffert hat, ist Deutschland aus dem Häuschen. Wirtschaftsminister Brüderle spricht von einem “Aufschwung XL”, die Medien feiern den Superstar Deutschland, der ganz Europa abgehängt hat und die Wirtschaftsverbände suchen bereits nach Argumenten, warum es auf keinen Fall Lohnsteigerungen geben darf.
Alle Jahre wieder zieht es die Menschen in einer zentralasiatischen Republik, die dem deutschen Nachrichtenkonsumenten bestenfalls namentlich bekannt ist, auf die Strasse. Mal werden derlei Eruptionen der Unzufriedenheit mit brutalster Gewalt erstickt, mal schwingt sich in der temporären Anarchie ein ehemaliges Regierungsmitglied zum Hoffnungsbringer auf, übernimmt die Macht, verspricht Friede, Freude, Eierkuchen und richtet kurze Zeit später eine erneute Despotie ein, die wenige Jahre später wieder gestürzt wird.
Heute Morgen hat der Internetsuchdienst Google seinen Dienst in Deutschland eingestellt und leitet Suchanfragen über die deutsche Google-Adresse ins benachbarte Holland weiter. Grund dafür war ein langjähriger Streit mit den deutschen Behörden über die Filterung bestimmter Suchergebnisse, die gegen deutsche Gesetze verstoßen. Neben Inhalten, die nach Meinung der Machthaber in Berlin gegen den Jugendschutz verstoßen, trifft die deutsche Internetzensur ? “Digital Berlin Wall” ? vor allem politische Inhalte. So werden die Thesen rechtsextremer Dissidenten und sogenannter Holocaustleugner in Deutschland per Gesetz verfolgt. Bislang kooperierte der Suchmaschinengigant Google mit den deutschen Behörden und enthielt deutschen Internetnutzern Suchergebnisse vor, die auf entsprechende Seiten verweisen. In den benachbarten Niederlanden existieren derlei politische Zensurmaßnahmen nicht. Es bleibt abzuwarten, wie die deutschen Behörden auf Googles Kampfansage reagieren. Insider gehen davon aus, dass Berlin sämtliche Google-Angebote auf den Index jugendgefährdender Schriften setzt, was den Softwaregiganten aus Mountain View vom lukrativen deutschen Markt ausschließen würde. Google will mit dieser Kehrtwende zu seinem ehemaligen Firmenmotto “sei nicht böse” zurückkehren und sämtlichen Zensurbestrebungen nationaler Regierungen eine Absage erteilen.
Das neue Jahr beginnt mit einem geostrategischen Paukenschlag, der in Europa allerdings bestenfalls als Randnotiz wahrgenommen wird. Das überrascht nicht, schließlich gehört die EU zu den großen Verlieren der jüngsten Entwicklungen in Zentralasien. Binnen dreier Wochen entschied sich das “Great Game” um die Energiereserven rund um das Kaspische Meer. China ist der große Gewinner, Russland gewinnt an Bedeutung, verliert aber die Kontrolle über die ehemaligen Sowjetrepubliken der Region, Iran entwickelt sich zum ernsthaften geostrategischen Akteur und die EU und die USA schauen in die Röhre. Die Karten sind neu gemischt und die neue Konstellation wird vor allem Deutschland noch Kopfschmerzen bereiten.