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  • Der „Schuldenschnitt“ und das Kleingedruckte

    geschrieben am 28. Oktober 2011 von Spiegelfechter

    Während die Banker Krokodilstränen wegen der beim Eurogipfel beschlossenen „substantiellen Beteiligung“ des Privatsektors vergießen, steigen die Börsenkurse der Institute im zweistelligen Prozentbereich. Offenbar bewerten die Akteure an den Finanzmärkten die Ergebnisse des Gipfels diametral anders als die leider wieder einmal vollkommen unkritischen Medien. Man sollte sich nicht von der PR der Bankenlobby ins Bockshorn jagen lassen. Der Finanzsektor zählt ganz klar zu den Gewinnern des Gipfels. Griechenland und vor allem die anderen angeschlagenen Euroländer zählen hingegen zu den Verlierern.

    Wenn man in diesen Tagen die Zeitungen aufschlägt, stößt man immer wieder auf die Aussage, die EU-Regierungschefs hätten beim Gipfel einen 50%-Schuldenschnitt für Griechenland beschlossen. Dies ist jedoch gleich in vielfacher Hinsicht falsch. Es wurde vielmehr gar kein Schuldenschnitt – in welcher Höhe auch immer – beschlossen, sondern lediglich angekündigt, dass man die Banken und Versicherungen zu Verhandlungen einlädt, an deren Ende ein Anleihentausch stattfinden soll, bei dem die Institute auf freiwilliger Basis ihre Griechenlandanleihen gegen andere Anleihen eintauschen können. Dabei sollen sie – so die Absichtserklärung – einen Nominalwert von 50% abschreiben. Die Verhandlungen über diesen Anleihentausch beginnen in den nächsten Wochen und das Tauschprogramm soll Anfang 2012 beginnen. Da die Details somit erst noch ausgehandelt werden, gibt es auch noch unzählige Möglichkeiten, wie die Banken diese 50%-Marke ad absurdum führen können, und es ist sehr wahrscheinlich, dass ihnen das auch gelingen wird.

    Fallstricke und Sollbruchstellen

    Wie geschickt der Bankenverband IIF die Höhe von Abschreibungen uminterpretiert, zeigte er bereits beim freiwilligen Anleihentauschangebot im Juli dieses Jahres. Zunächst einmal ist bei der Berechnung festzuhalten, dass die Abschreibungen auf den Nominalwert und nicht auf den Buch- oder gar den Marktwert vollzogen werden sollen. Als Beispiel kann hier die 2007 ausgegebene 10-jährige Anleihe GR0124029639 herangezogen werden. Diese Anleihe hat einen Nominalwert von 100 Euro, am Markt wird sie jedoch aktuell lediglich mit 31,52 Euro behandelt. Wenn eine Bank diese Anleihe zum Marktwert bilanzieren würde, hätte sie bereits fast 70% des ursprünglichen Wertes abgeschrieben. Ein Tausch, bei dem sie stattdessen ein Papier im Wert von 50 Euro bekommt, ist demnach kein schlechtes, sondern ein verdammt gutes Geschäft.

    Weiter auf den NachDenkSeiten

    Update: Die jüngste Anleihenauktion Italiens zeigt exakt die Auswirkungen, die im letzten Absatz (auf den NDS) beschrieben werden:

    Auch nach dem EU-Gipfel zur Stabilisierung der Währungsunion muss Italien weiter zittern: Bei der Aufnahme eines frischen Milliardenkredits musste das Land am Donnerstag Rekordzinsen zahlen. Für Investititionen in Zehnjahresanleihen im Wert von 3 Mrd. Euro forderten Anleger eine Rendite von durchschnittlich 6,06 Prozent. Das ist der höchste Satz seit Einführung des Euro. Bei der letzten vergleichbaren Auktion vor einem Monat hatten sie sich noch mit 5,86 Prozent zufriedengegeben. Auf dem Sekundärmarkt, also im Handel mit bereits ausgegebenen Staatsanleihen, notierten die Renditen kurz vor der Auktion bei 5,92 Prozent. Anschließend kletterten sie auf 5,97 Prozent.
    Insgesamt nahm Rom über Anleihen mit verschiedenen Laufzeiten 7,9 Mrd. Euro am Markt auf. Angestrebt hatte das Finanzministerium einen Betrag von bis zu 8,5 Mrd. Euro, wegen der hohen Zinsen wurden aber nicht alle Papiere platziert.

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    Das Experteninterview

    geschrieben am 28. Juni 2011 von Spiegelfechter

    31 Kommentare

    Energiequelle Wasserkraft – ein Überblick

    geschrieben am 04. Juni 2011 von Gastautor

    ein Gastartikel von Christoph Jehle

    In Wasserkraftwerken wird das Medium Wasser zum Antrieb von Kraftmaschinen genutzt. Dabei wird die Lageenergie des Wassers, die im natürlichen Lauf des Gewässers letztlich in Wärmeenergie umgewandelt wird, dem Wasserlauf im Kraftwerk zu Teilen entnommen und in elektrische Energie umgewandelt.

    Zu den ältesten Formen der Wasserkraftnutzung, die vor Allem an größeren Flüssen mit geringem Gefälle erfolgte, gehört der Einsatz einfacher hölzerner Wasserräder, die auf einer schiffsartigen hölzernen Plattform installiert waren, welche mit Seilen im Strom fest verankert waren. Die Stoßkraft des Wassers trieb das Wasserrad an und mit der so gewonnenen Energie konnte beispielsweise eine Getreidemühle auf dem Ponton betrieben werden.

    Für den Betrieb von Wassermühlen an Land wurde dann schon ein höherer baulicher Aufwand benötigt. Mit einem Wehr im Fluss wurde das benötigte Triebwasser gestaut in den Mühlkanal abgeleitet. Geringe Gefälle von nur etwa einem Meter lassen sich auch heute noch am Besten mit einem Wasserrad nutzen. Zum Ende des 19.Jahrhunderts begann mit der Verfügbarkeit von Turbinen zur Wasserkraftnutzung auch größere Kraftwerkseinheiten gebaut. So entstanden am Hochrhein die Kraftübertragungswerke Rheinfelden. Der Name dieser Anlage leitet sich von der ursprünglichen Anlagenkonfiguration ab: Es war geplant, vom parallel zum Fluss am deutschen Ufer errichteten Kraftwerk die gewonnene mechanische Energie über eine Seiltransmission bis nach Basel zu transportieren. Durch die Anordnung des Krafthauses hätte die Transmission mit nur einer Wirkungsgrad-verschlechternden Umlenkung erfolgen können. Die Entwicklung von großen Generatoren und die Übertragung des elektrischen Stroms über größere Strecken erübrigte den mechanischen Energietransport noch während der Kraftwerksplanung.

    Anstelle der mechanischen Kraftnutzung zum Antrieb eine Mahlmühle für die Mehlproduktion oder einer Säge trat mit der Erfindung der elektrischen Generatoren die Stromerzeugung. Die rein mechanische Wasserkraftnutzung beschränkt sich heute auf Heimatmuseen und andere historische Bauwerke. Im Interesse einer möglichst guten Durchgängigkeit des genutzten Gewässers sollte das im ursprünglichen Bachbett verbleibende Restwasser ausreichend sein und zudem mit Aufstiegshilfen wie Fischtreppen oder rauen Rampen die Wanderung von Fischen und anderen Lebewesen im Gewässer gesichert werden. Zu den Kraftanlagen die eine möglichst geringe Behinderung der Gewässerdurchgängigkeit für Lebewesen bewirken, zählt die Wasserkraftschnecke. In der Nähe von Wohnbebauung bringen diese vergleichsweise groß bauenden Maschinen jedoch manches mal eine zuvor nicht erwartete Lärmbelastung für die Anwohner.

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    34 Kommentare

    Wasserkraftnutzung im Wiesental

    geschrieben am 07. April 2011 von Gastautor

    ein Gastartikel von Christoph Jehle

    Energiewende, mehr Erneuerbare, dezentrale Stromerzeugung, das sind die Schlagworte, die derzeit durch den Raum schwirren, als wären es neue Erkenntnisse. Vieles davon gibt es schon lange und in manchen Regionen hat es sich sogar gegen denkbar viele Widerstände über Jahrzehnte erhalten. Eine dieser Regionen ist das Wiesental im Südschwarzwald, das vom Feldberg, dem höchsten Berg im Schwarzwald nach Süden entwässert und bei Basel in den Rhein mündet. An der Wiese und ihren Zuflüssen sind heute 71 Wasserkraftwerke mit einer gesamten Nennleistung von 12,39 MW in Betrieb. Von den in Süddeutschland häufigen Westwinden und den östlich des Schwarzwaldhauptkamms abregnenden Wolken ausgiebig mit Regen versorgt, sorgen die Turbinen im Wiesental für eine kontinuierliche Stromproduktion. Wie in den meisten Mittelgebirgen waren Wasserkraftanlagen auch im Schwarzwald seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Ursprung und Keimzelle der Versorgung mit elektrischem Strom. Zahlreiche dezentrale Kleinkraftwerke vorsorgten Handwerks- und Industriebetriebe und zunehmend auch Privatkunden, die es sich leisten konnten. Mit der Gründung von Landeselektrizitätsgesellschaften wie dem Badenwerk, einer der Vorläufergesellschaften der heutigen EnBW in Karlsruhe, wurden viele kleine Wasserkraftwerke stillgelegt. Oft war die Stilllegung der eigenen Wasserkraft zwingende Voraussetzung für eine Belieferung durch den Regionalversorger. Gerade zu Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders wuchs der Strombedarf von Industriebetrieben und kleinen lokalen Stromversorgern. Für viele Wasserkraftanlagen, die teilweise weniger Leistung hatten, als ein heutiger Mittelklasse-PKW, kam spätestens dann das Ende. Mittel und Wege, eine Stilllegung der Eigenerzeugung durchzusetzen, gab es in ausreichender Zahl.

    Das Wiesental und hier speziell das hintere Wiesental von Todtnau bis Utzenfeld wich von dieser Entwicklung deutlich ab, weil in diesem Tal die Stromversorgung zu dieser Zeit der Wasserkraft-Stilllegungsaktionen in den Händen der Stadtwerke Todtnau und der Firma Elektrizitätswerk Hödle, einem Familienbetrieb in Utzenfeld lag, deren Vorgehensweise deutlich von den Gebräuchen der großen Regionalversorgern abwich. Vielleicht lag es auch an der Mentalität der häufig als stur beschriebenen Schwarzwäldern, dass an der Wiese nicht nur alte Anlagen überleben konnte, sondern auch zahlreiche neue Werke errichtet werden konnten.

    Am Oberlauf der Wiese zwischen Fahl und Utzenfeld werden heute 11 Wasserkraftanlagen mit einer Leistung zwischen 28 und 220 kW betrieben. Die Gesamtnennleistung dieser Anlagen beträgt etwa 790 kW.

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    Persönliche Nachwehen der Atomkraft

    geschrieben am 02. April 2011 von Stefan Sasse

    von Stefan Sasse

    Ich muss zugeben, vor Fukushima war Atomkraft für mich kein wirklich großes Thema. Ich war prinzipiell dagegen, aber in der Materie nicht firm genug, um die Argumente gegen den Atomausstieg – keine Möglichkeit, den Atomstrom zu ersetzen – wirklich gegenprüfen zu können. Deswegen befasste sich mein “Grundsätzliches”-Artikel auch hauptsächlich mit den finanziellen Umständen und dem Lobbying. Die Möglichkeit eines Super-GAUs war auf meinem Radar vor Fukushima einfach nicht vorhanden, ich gebe das gerne zu. Und so sehr ich es hasse, in solchen Fällen auf den allgemeinen Entsetzenszug aufzuspringen und “ab heute wird alles anders” zu rufen: in dem Fall tue ich es. Fukushima ist eine Wegmarke in der Geschichte moderner Technologien, die einen Urglauben in die Beherrschbarkeit der Technik nachhaltig erschüttert hat und wohl zu einer noch kaum abschätzbaren Umorientierung führen wird – ähnlich wie der Untergang der unsinkbaren, alle Widrigkeiten beherrschenden, “Titanic” eingangs des 20. Jahrhunderts es für die Zeitgenossen tat. Den Artikel weiterlesen »

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