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  • James Dean und der Poker um Griechenland

    geschrieben am 15. Juni 2015 von Jens Berger

    In den Verhandlungen zwischen Griechenland und der „Brüsseler Gruppe“ bleiben die beiden Kontrahenten auf ihrem Kollisionskurs. Wenn sich die Finanzminister der Eurozone am Donnerstag treffen, könnte es zum Frontalzusammenstoß kommen. Man kann zwar davon ausgehen, dass beide Seiten darauf aus sind, dies zu vermeiden – eine Prognose, wie die jüngste Zuspitzung der Krise ausgehen wird, ist jedoch nahezu unmöglich. Die Verhandlungsstrategie beider Seiten wird nämlich offensichtlich von der Spieltheorie bestimmt. Die Troika und Griechenland spielen das Chicken Game (auf deutsch: „Feiglingsspiel“) und sind mittlerweile in ihren eigenen spieltheoretischen Strategien derart gefangen, dass eine Katastrophe keineswegs mehr auszuschließen ist. Oder ist das genau die Strategie, mit der beide Seiten das Spiel gewinnen wollen?

    Wenn Sie jemals den Filmklassiker „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ (orig.: „Rebel Without a Cause“ gesehen haben sollten, können Sie sich sicherlich an die wohl berühmteste Szene des Films erinnern: James Dean und sein Kontrahent rasen in gestohlenen Autos auf den Rand einer Klippe zu. Wer zuletzt aus dem Wagen springt, ist bei dieser Mutprobe der Feigling. Im Film gewinnt James Dean, weil sein Kontrahent mit dem Jackenärmel am Türgriff hängen bleibt und so in den Tod stürzt. Die Mutprobe hat er damit jedoch verloren. Was in Nicolas Rays Film von 1955 in den Kinos gezeigt wurde, ist eine Variante der Spieltheorie, die wenige Jahre zuvor zunächst die Wissenschaft eroberte und während des Kalten Krieges zur nuklearen Globalstrategie der beiden Supermächte werden sollte.

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    198 Kommentare

    Bargeld kracht!

    geschrieben am 13. Juni 2015 von Joerg Wellbrock

    krachttt

    Geld stinkt nicht. Bargeld lacht. Ohne Moos nix los. Hilfe, die Griechen plündern die Banken. Unsere Bargeldbestände gehen zur Neige. Wir brauchen frisches Geld!
    Ja ja ja …

    Aber bitte kein Bargeld!
    Bargeld ist nicht mehr zeitgemäß, und es ist doof, zeigt Grenzen auf, sagt uns, was wir haben oder nicht haben, es ist so verdammt ehrlich. Geb ich einen Zehner aus, isser weg.
    Da doch lieber nur noch bargeldlos verkehren, wie es sich Ökonomen und Regierungen wünschen. Wenn wir schon kein Geld mehr haben, können wir es auch gleich virtuell ausgeben, tut nicht so weh. Haut raus, die virtuellen Scheine, sie existieren nicht und sind so schön bunt! Und ihre Farbe entsteht nur in unserem Kopf, wir haben es in der Hand, ohne etwas in der Hand zu haben.

    Man kann jetzt Ökonomen von hier oder dort fragen, ob die Abschaffung des Bargelds ein Fluch oder Segen wäre. Und wenn man lange genug sucht, findet man sicher Argumente für die eine und die andere Sichtweise.
    Fakt ist aber, dass es einen simplen Grund gibt, der unsere Volksbetreter wohl eher dazu neigen lässt, die lästigen Papierraschler und Klimpertaler endgültig abzuschaffen: Sie können uns einfach besser überwachen, wenn wir nix mehr bar zahlen.
    Das wäre doch zauberhaft! Kein Geld mehr unter dem Kopfkissen, unter das man doch eh nur gucken kann, wenn man sich gewaltsam Zutritt in die Wohnung verschafft. Das ist nervtötend und viel zu aufwändig. Und auch nicht richtig erlaubt.
    Kein Geld mehr für Schwarzarbeiter, zumindest nicht für diese kleinen Wichser, die Ihre Terrasse für ein paar Scheine neu fliesen lassen. Schwarzarbeit wird endlich bargeldlos und somit ein Spezialgebiet für die Profis unter den Schwarzarbeitern, die sich Global Player oder Großunternehmen nennen. Also für die, die sich echt auskennen.

    Wissen Sie, was Ihr Nachbar sich so alles kauft? Zahlt er sein Auto ab? Und wenn ja, wie viel Anzahlung hat er geleistet? Geht er mit seiner Frau hin und wider mal in einen Sexshop und gönnt sich ein paar nette Spielsachen? Nimmt er womöglich Viagra? Oder leidet er öfter mal unter Kopfschmerzen? Isst er gesund oder oft Fast Food? Wenn dieser Vollpfosten regelmäßig Geld von seinem Konto abhebt und sich diese Dinge bar kauft, haben sie keine Ahnung davon. Es sei denn, Sie überwachen ihn.

    Das geht aber bargeldlos viel besser, weil sie keine Schlapphüte in SUVs und mit einer Kippe im Maul damit beauftragen müssen. Sie geben einfach ein paar Daten im Computer ein, drücken Enter und sehen, was Ihr Herz begehrt!
    Der Schein in der Tasche ist eines der letzten Geheimnisse, das sich die Bürger gönnen können. Doch der Schein mit dem Schein trügt. Wenn Sie Zukunft einem nackten Mann in die Tasche greifen, werden sie vermutlich Plastik berühren. Nackt bleibt der Mann aber trotzdem.

    Mehr oder weniger passend dazu:

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    Hier geht es zum Video (einfach aufs Bild klicken)

    krachttt

    138 Kommentare

    Good bye, Deutsche Bank!

    geschrieben am 29. April 2015 von Jens Berger

    Die Deutsche Bank will sich mal wieder neu erfinden. Bis 2020 wollen die Deutschbanker ihre operativen Kosten um 3,5 Milliarden Euro pro Jahr senken. Da die Turbobanker mit der Postbank und ihren 14 Millionen Privatkunden nichts mehr anfangen können, will man sich nun von ihr trennen. Jeder dritten Filiale der Deutschen Bank droht ebenfalls das Aus. Stattdessen will man sich „wieder“ stärker dem Investmentbanking widmen. Diese Nachrichten sorgten quer durch die politische Landschaft für teils harsche Kritik. Warum eigentlich? Die Deutsche Bank setzt nun doch nur um, was sie seit Jahren anstrebt – die vollständige Mutation von einer deutschen Universalbank zum größten Spieler im internationalen Finanzcasino. Wir sollten unser Bild von dieser Bank gründlich überdenken.

    Mal ganz ehrlich: Passt Oma Krawuttke, die zu Beginn jedes Monats ihre magere Rente im nahegelegenen Discounter bei der „Postbankfiliale“ in bar abhebt zum Image einer Bank, die sich selbst als wichtigste und größte Investmentbank der Welt sieht? Wohl kaum. Mit Oma Krawuttke lassen sich keine zweistelligen Eigenkapitalrenditen erzielen und ihr Kontostand erlaubt noch nicht einmal mit viel Phantasie die Perspektive auf ein lukratives Beratungsgespräch zu den schönen innovativen Produkten aus dem Zauberkasten des Private Bankings. Warum kaufte die Deutsche Bank dann überhaupt vor nicht einmal fünf Jahren die Postbank? Es ging wohl vor allem darum, die 14 Millionen Privatkunden als Verhandlungsmasse im damals noch akuten Poker um Staatsgarantien und die Einlagensicherung ins Portfolio zu nehmen. Eine Universalbank, die unter anderen die kleinen Ersparnisse von 14 Millionen Postbankkunden verwaltet, hat hier natürlich bessere Karten als eine Hochglanz-Investmentbank ohne direkte Überschneidungen zum Kleinsparer. Den Poker hat die Deutsche Bank gewonnen, nun braucht sie die Postbank nicht mehr. Der normale Kunde ist der Deutschen Bank schon lange ein Dorn im Auge.

    Wann genau der Wechsel der Deutschen Bank von einer Universalbank zur Investmentbank begonnen hat, ist schwer zu sagen. Der wohl letzte traditionsorientierte Chef der Deutschen Bank war wohl Alfred Herrhausen unter dessen Ägide die Deutsche Bank in der alten BRD zum Marktführer im Privat- und Geschäftskundenbereich wurde. Unter seinem Nachfolger Hilmar Kopper griff die Deutsche Bank bereits nach den süßen Früchten des Shareholder Value. Komplett umgesetzt wurde die 180-Grad-Wende jedoch erst von Rolf Breuer.

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    68 Kommentare

    NachDenkSeiten Videopodcast 15/02

    geschrieben am 27. Februar 2015 von Jens Berger

    Auch in dieser Folge geht es um Griechenland. Jens Berger beantwortet verschiedene aktuelle Leserfragen zum Thema.

    Wenn auch Sie Fragen an die NachDenkSeiten haben, schreiben Sie bitte an fragen@nachdenkseiten.de

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    Griechenland und der Euro – Was Merkel und Schäuble der Öffentlichkeit verschweigen

    geschrieben am 07. Januar 2015 von Jens Berger

    Glaubt man einer offenbar von Regierungskreisen gezielt im SPIEGEL lancierten Information, halten Angela Merkel und Wolfgang Schäuble einen Austritt Griechenlands aus dem Euro mittlerweile für „verkraftbar“. Die Ansteckungsgefahr für andere Länder sei „begrenzt“, der ESM „schlagkräftig“ – also alles kein großes Problem. Diese Aussagen sind jedoch bei näherer Betrachtung abenteuerlich und stellen das Nonplusultra einer marktkonformen Demokratie dar. Was Merkel und Schäuble verschweigen: Dank ihrer Politik haftet mittlerweile der europäische Steuerzahler für kommende Ausfälle bei der Rückzahlung der griechischen Staatsschulden. Ein Austritt aus dem Euro wäre sicher für die Märkte verkraftbar – für den Steuerzahler wäre er ein unglaublich teures Desaster. Einmal mehr zeigt sich, dass die Loyalität der Bundesregierung nicht dem Volk, sondern den Finanzmärkten gilt.

    Viel hat sich seit Beginn der Eurokrise in Griechenland getan, darunter ist jedoch nichts zu finden, das in welcher Form auch immer Hoffnung auf eine bessere Zukunft macht. Die Wirtschaft ist seit 2009 um mehr als ein Viertel geschrumpft, die Reallöhne sind im Schnitt um mehr als 10 Prozent gesunken, jeder vierte Grieche ist arbeitslos, bei den jungen Griechen hat sogar mehr als die Hälfte keinen Job. Das ist es wohl, was sich die Bundesregierung unter „den Gürtel enger schnallen“ versteht, das den Kern der sogenannten „Sparpolitik“ begründet. Dass diese „Sparpolitik“ nicht funktionieren kann, haben wir auf den NachDenkSeiten bereits unzählige Male dargelegt (u.a. hier, hier, hier und hier) – und dabei geht es freilich nicht ums „Recht haben“, gerne lägen wir daneben. Die Zahlen sprechen jedoch eine glasklare Sprache: Am Vorabend der Krise war Griechenland mit insgesamt 297 Mrd. Euro verschuldet, dies entsprach damals 129% des Bruttoinlandsprodukts. Nach einem „großen“ Schuldenschnitt und vier Jahren „Sparpolitik“ sieht die Situation heute folgendermaßen aus: Griechenland ist mit 322 Mrd. Euro verschuldet, was mehr als 170% des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Nicht nur dem griechischen Volk ist nicht mehr zu vermitteln, wofür es dieses ganze Leid auf sich nimmt, wenn keine Perspektive besteht, dass die Lage sich irgendwann einmal verbessern könnte, sich de facto vielmehr von Jahr zu Jahr verschlechtert.

    Es spielt gar nicht einmal eine so große Rolle, wer am 19. Januar die Wahlen in Griechenland gewinnt – zu glauben, dass Griechenland seine Staatschulden mittel- bis langfristig brav bedient, beleidigt die Intelligenz all jener, die zumindest die Grundzüge der Mathematik beherrschen. Die einzige offene Frage ist, wann die Griechen aus ihrer Duldungsstarre ausbrechen und ihrem Leiden ein Ende machen. Sollte die griechische Linkspartei Syriza die kommenden Wahlen gewinnen und eine Regierungsmehrheit auf die Beine stellen können, besteht zumindest eine Chance, dass sich diese Entwicklung forciert. Wahrscheinlich wird in einem solchen Falle die neue griechische Regierung mit der Troika neue Verhandlungen aufnehmen, bei denen von griechischer Seite eine teilweiser Schuldenerlass (Umschuldung/Schuldenschnitt) und/oder eine Stundung der ausstehenden Zahlungsverpflichtungen angestrebt wird. Allem Theaterdonner aus Berlin zum Trotz ist es auch wahrscheinlich, dass Griechenland sich mit diesen Forderungen im Kern durchsetzt. Denn es gibt einen fundamentalen Unterschied im Vergleich zum Vorkrisenjahr.

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