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  • Griechenland: Geschichte wiederholt sich – das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce

    geschrieben am 25. Mai 2016 von Jens Berger

    Wieder einmal haben die Mächtigen Europas und des IWF nächtens verhandelt und eine Last-Minute-Lösung für Griechenland gefunden. Wieder einmal wird eine zehnstellige Summe nach Athen überwiesen, um die laufenden Rückzahlungen an sich selbst zu decken und den Kreditfluss am Laufen zu halten. Wieder einmal mussten die Griechen zuvor ein gnadenloses Kürzungsdiktat exekutieren, hatten ansonsten aber nur eine Statistenrolle bei den Verhandlungen. Wieder einmal wagt es Deutschland trotz des immer erheblicher werdenden Protests seitens des IWF nicht, einem Schuldenschnitt zuzustimmen. Derweil steigen die Schulden Griechenlands unaufhörlich, während die griechische Volkswirtschaft immer weiter vor die Hunde geht. Frei nach Karl Marx wiederholt sich Geschichte immer zweimal – das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce. Ginge es nach Wolfgang Schäuble, soll diese Farce bis 2018 weitergehen. Doch wer weiß, was dann ein Ende mit Schrecken verhindert.

    Unter vier Augen geben hochrangige deutsche Regierungsbeamte natürlich zu, dass Griechenland einen Schuldenerlass braucht. Sie sind schließlich nicht blind. Aber sie sind auch in der Lüge gefangen, dass Griechenland zahlungsfähig sei, was sie ja ihren eigenen Hinterbänklern immer wieder aufgetischt haben. Ohne diese Lüge wäre Griechenland wohl nicht mehr im Euro. Aber diese Lüge kann nicht ewig aufrecht erhalten werden.
    Wolfgang Münchau in der Financial Times (Übersetzung aus dem Englischen)

    Zur „Vorgeschichte“: Jens Berger – „Griechenland und der Euro – Was Merkel und Schäuble der Öffentlichkeit verschweigen“ und „Merkels Milliardenhypothek – das falsche Spiel mit Griechenlands Schulden

    Anders als bei den letzten Folgen des Griechenland-Dramas gab es in diesem Frühjahr keinen sich zuspitzenden Konflikt zwischen der griechischen Regierung und der Troika. Griechenland scheint bereits kapituliert zu haben. Diesmal verlief die Front mitten durch die Troika, die sich ja nun „die Institutionen“ nennt. Der Grund dafür ist ersichtlich und leicht zu verstehen: Der IWF ist nicht seinen Wählern verantwortlich, sondern seinen Mitgliedern. Und die werden in der Regel durch die jeweiligen Finanzministerien vertreten und sollten daher die Problematik zumindest im Kern verstehen. Die offensichtlichen Lügen, mit denen die europäische Politik das europäische Wahlvolk abspeist kommen beim IWF verständlicherweise nicht so toll an. Dort weiß man auch, dass jede weitere Tranche an Griechenland streng genommen eine Konkursverschleppung ist; ein Tatbestand, der natürlich im internationalen Recht gar nicht vorhanden ist. Die eigentliche Kunst, die Madame Lagarde momentan zelebriert, ist, ihren mächtigen Mitgliedern aus den USA, Japan und China zu erklären, warum der IWF noch einmal Milliarden in eine „Rettung“ pumpen soll, die längst nur noch eine Quersubvention der rechten durch die linke Tasche ist. Jeder Cent, der von den „Gebern“ nach Griechenland transferiert wird, kommt umgehend als Tilgung wieder zu eben jenen „Gebern“ zurück. Griechenland ist lediglich der Durchlauferhitzer, der dank der Zinsen immer mehr Kapital von der rechte in die linke Tasche pumpen muss. Man erweckt die Illusion eines funktionierenden Kreditkreislaufs, dieses System ist jedoch im schlimmsten Sinne des Wortes eher ein Fass ohne Boden. Die Schulden steigen nicht nur relativ, sondern sogar absolut und die Wirtschaftskraft sinkt durch die rigorosen Einsparungen, wodurch die relative Schuldenlast von Tag zu Tag größer wird. Diesen Kreislauf zu durchbrechen erscheint ohne zumindest einen großen Teilschuldenerlass nicht möglich. Berlin und Brüssel kaufen sich lediglich Zeit … teure Zeit.

    Weiterlesen auf den NachDenkSeiten

    27 Kommentare

    Wer regiert das Geld? Wie die Ungerechtigkeit beseitigt werden könnte

    geschrieben am 06. April 2016 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    GeldGeld ist der Stoff, aus dem das alltägliche Leben gemacht ist. Wir brauchen es für Lebensmittel, um unsere Miete zu zahlen und natürlich, um kräftig die Wirtschaft anzukurbeln. Doch die Verteilung des Geldes wird zunehmend zum Problem. Die Banken scheinen alles in den Rachen geworfen zu bekommen, während Schulen und Kindergärten vor sich hin schimmeln, Schwimmbäder verwaisen und Kultur ein abstraktes Luxusgut wird, das aus grauer Vorzeit zu stammen scheint.

    Der Journalist und Buchautor Paul Schreyer hat in seinem Buch „Wer regiert das Geld? Banken, Demokratie und Täuschung“ Spurensuche betrieben und erklärt nicht nur, wie unser heutiges Geldsystem entstanden ist. Er zeigt auch Wege auf, um das gravierende Verteilungsproblem zu beheben.

    In unserem Interview gehen wir Fragen wie diesen nach:

    Wer schöpft Geld?
    Wer hält die Fäden der Geldverteilung in der Hand?
    Haben Staaten überhaupt noch etwas zu sagen?
    Was genau ist die „Finanzagentur Deutschland GmbH“?
    Wie könnte es besser funktionieren?

    Ich habe mit Paul Schreyer über diese Fragen gesprochen, als fachkundiger Ökonom ist Jens Berger mit dabei.
    Zum Anhören einfach aufs Bild klicken.

    Schreyers Buch ist im Westendverlag erschienen

    sfER

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    Bild: torange.biz

    229 Kommentare

    Private Krankenversicherung: System der Selbstzerstörung

    geschrieben am 04. März 2016 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    pkvDie private Krankenversicherung erhöht mal wieder ihre Beiträge. Die Versicherten haben kaum Chancen, dieser Kostenfalle zu entkommen, denn der Wechsel wieder zurück ins gesetzliche System ist bewusst steinig gestaltet. Wer sich aus der Solidargemeinschaft der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verabschiedet hat, soll nicht einfach wieder zurück dürfen. Für viele Privatversicherte bedeutet das den Weg in die finanzielle Katastrophe.

    In seinem Gastkommentar vom 3. März beschreibt Gunther Hirschbiegel, dass die privaten Krankenversicherungen (PKV) nicht nur ihre Beiträge um schmerzhafte 130,- Euro bzw. knapp 8 Prozent erhöhen wollen. Er zeigt auch auf, dass aufgrund der Beitragsentwicklung die Versicherten der PKV im Alter auf eine Notfallversorgung zusteuern, die kaum noch Behandlungen zulässt. Die Leistungen des Basistarifs oder gar des Notfalltarifs beschränken sich auf plumpe Symptombekämpfung in Form von bunten Pillen. Was das für die künftige Gesundheitsversorgung bedeutet, kann man sich an fünf Fingern abzählen. Doch die Entwicklung in der PKV hat nicht nur mit der miesen Lage am Finanzmarkt zu tun. Die Versicherer arbeiten mit einem System, das überhaupt nicht funktionieren kann.
    Ich habe einige Jahre in der Branche gearbeitet, zunächst für die DKV, später für einen Makler.

    Leben am Hörer

    Der Arbeitsalltag eines Versicherungsverkäufers (nicht Beraters!) läuft auf das Telefon hinaus. Inzwischen sicher auch auf das Beschaffen von Leads, also Daten von potenziellen Kunden aus dem Netz, die sich hier oder da angemeldet und Interesse an einer PKV signalisiert haben. Zu meiner Zeit gab es so etwas kaum, und wenn, dann waren die angebotenen Datensätze extrem teuer. Das hat sich nur gerechnet, wenn aus einem Termin ein Abschluss wurde. Oder, anders ausgedrückt: wenn die Abschlüsse in einem rentablen Verhältnis zu den eingekauften Leads standen. Das ist für den Verkäufer alles andere als risikolos, also nahm das Telefon die favorisierte Rolle bei der Kundensuche ein. Den Artikel weiterlesen »

    145 Kommentare

    Clausnitz und die Frage: Sind alle Sachsen Nazis?

    geschrieben am 22. Februar 2016 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    hass-6c05ed49-eb18-4a87-8338-708214937f73Kommentar

    Ziemlich bescheuert, diese Frage, oder? Allen Sachsen zu unterstellen, sie seien Nazis, ist genauso destruktiv und schwachsinnig, wie allen Fluchtsuchenden vorzuwerfen, sie seien Kriminelle. Trotzdem passiert genau das derzeit. Offenbar geht die Fähigkeit zu differenzieren und Situationen individuell zu betrachten, gerade vollends verloren, und zwar auf beiden Seiten. Aber das ändert nichts daran, dass es eine Seite gibt, die erbarmungslos auf Flucht suchende Menschen loszugehen bereit ist. Und für diese Seite ist Verständnis inzwischen das Falscheste, was es geben kann.

    Nachdem in Clausnitz eine Horde Demonstranten ankommende Flüchtlinge in einem Bus massiv beschimpft und bedrängt hat, wird jetzt diskutiert, wie das zustande kam, darüber, welche Rolle die Polizei dabei spielte (die immerhin gewaltsam ein Kind aus dem Bus gezerrt hatte) und ob die Flüchtlinge selbst die Eskalation durch ihr Verhalten provoziert hätten. Letzteres ist an Dreistigkeit und Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten. Den Artikel weiterlesen »

    428 Kommentare

    Gebt uns Euer Geld, auf Eure Spende kommt es an!

    geschrieben am 02. Dezember 2015 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

    Die ganz treuen Leser werden es bemerkt haben: in diesem Jahr haben wir insgesamt weniger beim Spiegelfechter geschrieben als beispielsweise 2014.

    Wie kommt das? Liegen wir meist faul in der Gegend rum, spielen mit unseren iPhones (oder anderem neumodischem Kram) und lassen den Lieben Gott einen guten Mann sein? Nein, keinesfalls! Wir sind fleißig wie die Bienen, müssen aber auch Geld verdienen und schreiben daher vornehmlich dort, wo Bargeld lacht (freuen wir uns darüber, so lange es noch Bargeld gibt).

    In unserer Brust schlagen zwei Herzen: einerseits spüren wir die wirtschaftlichen Pulsschläge in unseren Adern, die uns regelmäßig daran erinnern, dass wir Brötchen und Butter und Marmelade und all diese Dinge kaufen müssen.

    Andererseits wollen wir den zahlreichen Fans und Freunden des Spiegelfechters natürlich auch eine Freude machen und ganz tolle, anspruchsvolle und ausgewogene Artikel schreiben … Moment, nein, ausgewogen wollen wir ja gar nicht sein, schließlich haben wir eine Meinung, hinter der wir auch stehen!

    Wie auch immer, in diesem Jahr wollen wir Euch mal wieder mit einem vorweihnachtlichen Spendenaufruf beglücken. Wann, wenn nicht zur Weihnachtszeit , stehen unsere Chancen besser, etwas von Euren Talern abzustauben?

    Wie Ihr oben schon gesehen habt, könnt Ihr einfach PayPal nutzen, um uns eine kleine Freude zu machen. Wenn Ihr aber eher Freunde der klassischen Überweisung seid, schreibt einfach an unsere Mailadresse „redaktion@spiegelfechter.com“ eine kleine Mitteilung mit dem Betreff „Her mit der Kontoverbindung!“

    Wenn wir mit dem Zählen des Geldes fertig sind (wir hoffen natürlich, dass das ordentlich lange dauert), werden wir im kommenden Jahr versuchen, wieder mehr Artikel zu publizieren.

    Um es mit einem großen deutschen Politiker zu sagen (immerhin 1,93 m, da kann man schon von echter Größe sprechen): Ehrenwort!

    DANKE sagen wir schon jetzt, und zwar aus vollem Herzen
    Tom und Jens

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