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  • Die Zukunft der Pflege alter Menschen

    geschrieben am 12. November 2014 von Gastautor

    eine Gastglosse von Christoph Jehle

    Aus dem ehemaligen Gesundheitswesen wird in zunehmendem Umfang eine Gesundheitsindustrie. Die Bezahlung nach standardisierten Fällen anstelle der Vergütung des aus medizinischer Sicht notwendig erscheinenden Aufwands war nur ein erster Schritt hin zur Industrialisierung der Beziehung zwischen Arzt, Apotheker und Krankenpfleger. Weil die Fallpauschalen für die Krankenhäuser und Kliniken nicht nur den Sachaufwand einschließlich der technischen Gerätschaften sowie die Personalkosten der vielfach privatisierten Einrichtungen, sondern auch die Renditeerwartungen der Investoren abdecken soll, werden die Patienten, inzwischern meist Kunden genannt, schnellstmöglich in die häusliche Pflege abgeschoben.

    Auch dort regiert inzwischen der Kostendruck und der Patient degeneriert erneut zum Fall, der pauschal und mit der Stoppuhr in der Hand abgearbeitet wird. Kommt ein Patient in den Genuss mehrerer Elemente der häuslichen Krankenpflege, so wird nur der teuerste Baustein bezahlt. Alle weiteren Elemente werden nicht vergütet, müssen aber ausgeführt und jeweils dokumentiert werden. Der nicht bezahlte Aufwand wird dann in der Folge bei den Löhnen eingespart, schließlich ist das verfügbare Budget gedeckelt. Für die Krankenkassen erscheint heute eine Bezahlung der Pflegekräfte nach Tarif nicht mehr angemessen, wenn am Markt auch Pflegekräfte zu finden sind, die für weniger Geld arbeiten. Während die Pflegeversicherungen inzwischen Tariflöhne akzeptieren, ist dies bei der von den Krankenkassen bezahlten häuslichen Krankenpflege noch immer nicht durchgesetzt. Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband hat auf seiner Seite eine Modellrechnung zur Entwicklung der Unterfinanzierung im Bereich der ambulanten Pflege veröffentlicht.

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    Markus Lanz: Ab jetzt nur noch tolle Gesprächspartner

    geschrieben am 21. Januar 2014 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf

    Rubrik: Satire

    Das ZDF macht Nägel mit Köpfen. Gut so! Nachdem sich Sahra Wagenknecht in seiner Talkshow komplett daneben benommen hat, springt das Zweite nun Markus Lanz zur Seite. In Zukunft sollen seine Interviewpartner mit noch mehr Bedacht ausgewählt werden.

    „Die Linke“ fliegt raus

    Aus Kreisen des ZDF hieß es, dass Markus Lanz nach der Runde mit Sahra Wagenknecht ganz schlecht geschlafen und teilweise böse Sachen geträumt habe. In Zukunft soll Wagenknecht daher nicht mehr eingeladen werden. Wie aggressiv sie sich verhalten hat, ist überhaupt nicht nett, anzuprangern und lässt irgendwie an Stasi-Methoden erinnern. Die Linkspartei kommt von nun an nicht mehr in Betracht, wenn es um die Auswahl der passenden Gesprächspartner für den Intellektuellen Lanz geht. Den Artikel weiterlesen »

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    Falsches Spiel mit tunesischen Pflegeschülern in Hamburg

    geschrieben am 19. August 2013 von Jens Berger

    Die Idee hörte sich durchaus gut an: Um den Menschen in den Ländern des arabischen Frühlings zu helfen, organisierte der Hamburger Klinikkonzern Asklepios in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt das Projekt TAPiG, bei dem 150 junge Tunesier in Hamburg als Krankenpfleger ausgebildet werden sollten. Kaum gestartet steht das Projekt seit letzter Woche bereits vor dem Aus. 24 der 25 tunesischen Pflegeschüler weigern sich mittlerweile, ihren Dienst bei Asklepios zu den vertraglichen Konditionen anzutreten. Für die WELT und das Hamburger Abendblatt ist die Sache klar – zwischen den Zeilen wird den jungen Tunesiern Gier unterstellt. Ihnen sei die Ausbildungsvergütung in Höhe von 620 Euro netto zu niedrig. Doch dies ist noch nicht einmal die halbe Wahrheit. Es sieht vielmehr so aus, als ginge es Asklepios eher darum, billige Arbeitskräfte zu rekrutieren und einen großen Teil der Kosten des Projekts auf die jungen Tunesier abzuwälzen. Was nach Hilfe aussieht, wird so zur Ausbeutung.

    Um den Demokratisierungsprozess in den nordafrikanischen Ländern des „arabischen Frühling“ zu fördern, schloss Bundesaußenminister Westerwelle Anfang 2012 unter anderem mit Tunesien ein Partnerschaftsabkommen, für das bis Ende 2013 30 Millionen Euro aus dem Topf des Auswärtigen Amts zur Verfügung gestellt wurden. Mit diesem Geld sollten vor allem privatwirtschaftliche Initiativen unterstützt werden, deren Ziel die Ausbildung junger Tunesier ist. Einer der ersten Interessenten an den Fördermitteln war der Hamburger Klinikkonzern Asklepios, der in der Branche den Ruf genießt, satte Renditen auf dem Rücken seines immer stärker ausgedünnten Personals zu erwirtschaften. Nach Berechnungen von Verdi fehlen allein in Hamburg, wo Asklepios mit zehn Kliniken eine dominante Stellung einnimmt, ganze 4.000 Stellen in der Krankenpflege. Für renditeorientierte private Krankenhausbetreiber sind Krankenpfleger vor allem eins: ein Kostenfaktor, den es zu minimieren gilt.

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    Wer ohne Schuld ist …

    geschrieben am 15. Juli 2013 von Gastautor

    Ein kurzer Abriss zur alten, aber immer noch beliebten Partnerschaft zwischen Krankheit und Schuld.
    von Roberto Delapuente

    Die Mainzer Universität befragt im Rahmen einer Studie Bürger, wie diese zum Thema “Selbstverschuldet erkrankt – Behandlung aus eigener Tasche bezahlen?” stehen. Dieses Verfahren findet Kritik. Mancher vermutet dahinter den Versuch einer weiteren Verschärfung der Entsolidarisierung im Gesundheitswesen. Mittlerweile scheint selbst der Rückgriff auf mittelalterliche Vorstellungswelten als Mittel zum Zweck recht zu sein.

    Schon in “Auf die faule Haut” weise ich darauf hin, dass sich das etwas antiquierte Wort für Qual oder Leid, das Wörtchen “Pein” (englisch pain, spanisch pena, französisch peine) vom lateinischen poena, “der Schuld” ableitet. Ein Gepeinigter ist demnach der Wortherkunft nach jemand, der eine Schuld auf sich geladen hat.

    Knüpft man Krankheit an etwaige Schuldfragen, so zapft man direkt die Vorstellungswelt jener Chronisten an, die zum Beispiel den Pesterkrankten für einen Bestraften aufgrund schlechten Lebenswandels ansahen. Bis weit in die Neuzeit hielt sich diese Ansicht, wonach Krankheit immer auch die Strafe für ein Fehlverhalten im Leben war. Die Sünde und die Krankheit waren seit alters miteinander verbunden. Wer sich versündigte, den strafte die Schwindsucht. Was im Mittelalter noch Unwissenheit war, war später einfach nur der ignorante Sport einer calvinistisch abgerichteten und letztlich selbstgerechten Bourgeoisie.

    In der Esoterik entblödet man sich bis heute nicht, dieses überholte Weltbild offensiv zu verfechten. Da spricht man ganz ungeniert von negativen Energien, die man im Laufe seines Lebens auf sich gezogen habe und die nun in den Krebs mündeten. Die Heilerin Catherine Ponder schreibt in einem ihrer Bücher: “Krankheit ist selbst verursacht! Krankheit wird durch falsche Gedanken, Einstellungen und Glaubenssätze ausgelöst, die den Körper tangieren und durchdringen und dabei die Lebenskraft drosseln. Neid, Hass und Angst – wenn solche Gefühle zur Gewohnheit werden, können sie organische Veränderungen und letztlich Krankheit auslösen.”

    Natürlich ist die Universität Mainz kein esoterischer Klub – und dass Krankheit nicht von der Sünde kommt, dürfte sie auch wissen. Gleichwohl bringt sie Schuld und Krankheit wieder zueinander, wenn auch auf etwas andere Weise als unsere Vorfahren. Die Medizin, die im Laufe vieler Jahrhunderte immer tiefer ins Wesen der Krankheit vordrang, hat sich irgendwann von dieser spröden Ethik gelöst, die meinte, sie müsse den moralischen Aspekt von Erregern oder unkontrollierbaren Zellveränderungen aufs Tapet bringen. Mit der Anhäufung und Dokumentation von Wissen war für diese Ethik der Schuldzuweisung kein Platz mehr.

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    Turnschuhe von der FDP für eine PKV, die am Stock geht

    geschrieben am 05. April 2013 von Joerg Wellbrock

    Von Jörg Wellbrock

    Das System der privaten Krankenversicherung (PKV) kränkelt. Verantwortlich dafür es ist selbst, das Ende scheint immer näher zu rücken. Doch bis es soweit ist, wird gekämpft, getreten und gespuckt. Ganz vorne mit dabei: die FDP.

    Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat alle Hände voll zu tun. Gerade ist er damit beschäftigt, der PKV einen Tarif zu stricken, der ihr beim Umgang mit säumigen Zahlern helfen soll. Der sogenannte „Nichtzahler-Tarif“ ist eine Erfindung, die es in sich hat. Auf den ersten Blick ist der Tarif für all jene gut, die ihre Beiträge in der privaten Krankenversicherung nicht mehr zahlen können. Immerhin gibt es davon in der PKV (auch in der gesetzlichen Krankenversicherung) eine ganze Menge. Durch die im Jahr 2007 eingeführte Krankenversicherungspflicht können die Krankenversicherungen säumigen Zahlern nicht mehr kündigen und klagen über die hohe Last entgangener Einnahmen, 554 Millionen Außenstände allein im Jahr 2011. Allerdings verlangen sie dafür auch Zinsen bis zu 60 Prozent. Die schon überdurchschnittlich hohen Zinsen eines Dispositionskredites machen sich dagegen wie ein Kindergeburtstag aus. Wer jedoch seinen Beitrag nicht zahlen kann, wird auch für die Zinsen nichts ins Portemonnaie greifen können. Dennoch: unterm Strich sammeln sich unfassbare Schuldenberge für die Versicherten an. Doch besonders die PKV hat maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen.

    Der „Nichtzahler-Tarif“ für die PKV soll voraussichtlich 100 Euro im Monat kosten und lediglich eine medizinische Grundversorgung bieten, also bei akuten Erkrankungen, Schmerzzuständen und der Behandlung Schwangerer greifen. Klingt beinahe selbstlos, ist es aber nicht, denn erstens wird die PKV mit dieser Idee von der Pflicht befreit, für die betroffenen Kunden Alterungsrückstellungen aufzubauen, die unverzichtbar sind, um die Beiträge im Alter überhaupt noch ansatzweise bezahlbar zu machen. Die PKV greift zusätzlich auf die Rückstellungen der Versicherten zu und finanziert damit den Notfalltarif. Zweitens – und das steht in direktem Zusammenhang mit dem ersten Punkt – wird sich diese Maßnahme später umso drastischer auf die Beiträge auswirken. Den Artikel weiterlesen »

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