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  • News auf Speed: Der Wachmann und das AKW von Charleroi

    geschrieben am 30. März 2016 von Gastautor

    Eine Gastglosse von Christoph Jehle

    Nachrichten müssen schnell verbreitet werden. Die Textarbeit wird nicht besonders gut bezahlt und wer mit den News-Artikeln über den gesetzlichen Mindestlohn kommen will, muss sich ranhalten. Für eine Nachrecherche bleibt da kaum Zeit, wenn man der erste sein will, der von Google noch aus der Masse herausgefischt wird.

    Mit ein wenig Glück kennt sich der Autor zumindest rudimentär in den Zusammenhängen aus, über die er berichtet und vermag eine erste Plausibilitätskontrolle durchzuführen, bevor er zuviel Zeit in die Nachricht investiert. Wenn nicht, dann schraubt er an der Nachricht solange herum, bis sie genug Aufmerksamkeit erzielen und verkauft werden kann. Der Realitätsbezug ist da ganz schnell sekundär.

    Weil belgische Kernkraftwerke für eine Panne immer gut sind, wurde der Wachmann dann in der ersten Nachricht im AKW Charleroi beschäftigt. Das wäre insofern besonders gefährlich, als für ein AKW in Charleroi keine Betriebserlaubnis bekannt ist. Ja es war bislang nicht einmal die Existenz eines solchen AKW in Charleroi bekannt. Da die Nachrichten mangels kostengünstigem Bildmaterial immer häufiger mit sogenannten Symbolbildern garniert werden, konnte der Beitrag sogar mit einem Bild eines Kraftwerks mit großen Kühltürmen aufgehübscht werden und verbreitete sich in Windeseile.

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    Eine Alternative für Deutschland

    geschrieben am 26. März 2016 von Gastautor

    Eine Gastglosse von Christoph Jehle

    Warum soll Deutschland eigentlich nicht dem Modell von Einwanderer-Ländern folgen?

    Im Zusammenhang mit der Frage, wie Deutschland und Europa mit dem Thema Asyl und Zuwanderung umgehen soll und will, werden immer wieder Länder wie die USA, Kanada, Israel, Australien und Neuseeland als Beispiele angeführt. Diesen solle man folgen, wird dann meist argumentiert. Man wirft dabei den Blick jedoch immer nur auf den aktuell eher rigiden Umgang mit Asylsuchenden und lässt dabei die Geschichte der Zuwanderung in diese Länder außen vor. Man kratzt somit bei der Behandlung der Frage nach dem Umgang mit den Immigranten in der Regel nur ein wenig an der Oberfläche und wechselt dann ganz schnell zu einem anderen Thema, bevor jemand Fragen zur Geschichte stellen könnte.

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    Nehmt dem irren Putin die Killerdelfine weg!

    geschrieben am 24. März 2016 von Jens Berger

    Es gibt Überschriften, die sind so dämlich, dass man gar nicht glauben mag, dass es sich hierbei nicht um eine Satire handelt. Die Überschrift „Putin züchtet sich neue Killer-Delfine“ gehört zweifelsohne dazu. Dies meldete in dieser Woche das in Österreich sehr populäre Nachrichtenportal oe24 und reicherte die Meldung gleich noch mit einem Screenshot an, der Putin beim Bad mit zwei Delfinen zeigt.

    Killerdelfine! Wie hat der gute Mann das Bad bloß überlebt? Mit dem gleichen Bild und fast den gleichen Worten „informiert“ auch die Schweizer Boulevardzeitung Blick von Putins Delfinen, die von den gewohnt seriösen Schweizern jedoch nicht als Killerdelfine, sondern nur als Kampfdelfine beschrieben werden, die dafür aber in einer „brutalen Einheit“ ihren Dienst tun. Die Überschrift des Schweizer Artikels lautet übrigens nicht weniger unfreiwillig komisch „Putin rüstet Delfin-Armee auf“. Wenn es um Russland geht, scheint der schreibenden Zunft wirklich keine Peinlichkeit zu dämlich zu sein, um sie nicht zu drucken.

    Dass der russische Präsident es deutschsprachigen Journalisten nie wird Recht machen können ist bekannt. Sogar wenn Wladimir Putin höchstpersönlich übers Wasser laufen könnte, würden unsere Medien sicher titeln: „Skandal! Putin kann nicht schwimmen!“ So kann es auch nicht ernsthaft überraschen, dass für unsere Medien aus zwei possierlichen Delfinen, die mit dem Leibhaftigen in einem Becken plätschern grauenerregende „Killerdelfine“ werden. Im Umfeld von Putin wird offenbar alles zu einer Bedrohung.

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    Ich bin ein Leser, holt mich hier raus!

    geschrieben am 19. Januar 2016 von Jens Berger

    Ist es nicht erstaunlich? Wenn es um die Abgrenzung zum Netz geht, pochen die selbsternannten Qualitätsmedien mit plakativ zur Schau gestellter Arroganz auf ihre angebliche Seriosität. Wenn der Gossensender RTL alle Jahre wieder abgehalfterte C-Promis ins „Dschungelcamp“ schickt, lassen es sich genau diese Medien jedoch nicht nehmen, auf ihren Online-Ablegern mehrfach pro Tag frei von jeglicher Kritik oder gar Ironie über dieses seltsame Spektakel zu berichten. Über was diese Medien wie berichten, ist natürlich ihnen selbst überlassen. Wer sich fröhlich mit den Ferkeln im Schlamm wälzt, darf sich danach jedoch nicht beschweren, dass er nicht mehr als Saubermann wahrgenommen wird. Oder um es klar zu sagen: An ihrem sagenhaften Reputationsverlust sind die Medien selber schuld.

    Natürlich gibt es Menschen, die es höchst unterhaltsam finden, wenn ehemalige Schlagersänger und mit Silikonbrüsten dekorierte Porno-Darstellerinnen sich in gar lustigen Spielchen zum Affen machen, über ihre Verdauungsprobleme philosophieren und allerlei ekliges Getier lebendig verspeisen. 30 Jahre nach seiner Einführung, ist das deutsche Privatfernsehen heute eine schamlose Bedürfnisbefriedigungsanstalt, die sämtliche Grenzen des guten Geschmacks ausgetestet und kurze Zeit später überschritten hat. Sendung wir das „Dschungelcamp“ zählen zu den größten Quotenhits im Lande. Millionen Zuschauer finden dies offenbar unterhaltsam. Sollen sie. Bekanntlich können auch Millionen Fliegen nicht irren. Wer von BILD, RTL und Co. geprägt wurde, findet halt irgendwann auch den größten Mist toll. Doch was geht in der Chefredaktion einer vermeintlich seriösen Zeitung vor, in ihrem Blatt ganz ernsthaft über diesen infantilen Unsinn zu berichten?

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    Das Märchen vom heiligen Mark

    geschrieben am 04. Dezember 2015 von Jens Berger

    Nein, was waren wir alle gerührt. Am Dienstag verkündeten Facebook-Chef Mark Zuckerberg und dessen Frau Priscilla Chan via Facebook nicht nur die Geburt ihres Töchterleins Max, sondern auch gleich noch eine vermeintlich edle Tat, die – darin sind sich die Medien einig – ihres gleichen sucht: 99% des Zuckerberg-Vermögens, und das sind laut Zuckerberg immerhin 45 Milliarden Dollar, sollen über die Jahre hinweg in eine Gesellschaft namens Chan Zuckerberg Initiative gehen; eine angeblich gemeinnützige Stiftung, deren Ziel es sein soll, die Welt zu retten. Ach, wie herzergreifend und das kurz vor Weihnachten. Leider ist nichts davon wahr. Das Märchen vom heiligen Mark ist vielmehr eine vorweihnachtliche PR-Nummer, die ihresgleichen sucht. Von Jens Berger

    Wer sagt denn, dass es auf SPIEGEL Online keine Märchen zu lesen gäbe? Unter der Überschrift „Deutschlands ehrlose Erben“ bekam man dort gestern folgendes zu lesen:

    „Bei Familie Zuckerberg im kalifornischen Menlo Park war diese Woche schon Bescherung. Mark Zuckerberg, Chef von Facebook, nahm die Geburt seines ersten Kindes zum Anlass, fast sein ganzes Vermögen zu verschenken. Und zwar an die Allgemeinheit: 99 Prozent seiner Firmenanteile, Börsenwert derzeit etwa 45 Milliarden Dollar, sollen in den nächsten Jahren für wohltätige Zwecke ausgegeben werden. Lediglich ein Prozent behält Zuckerberg für seine Familie und Töchterchen Max zurück“.

    An diesem Absatz ist so ziemlich alles falsch, sogar der Wohnsitz der Familie Zuckerberg, die eigentlich die Familie Chan-Zuckerberg ist und nicht in Menlo Park, sondern in Palo Alto lebt. Aber das sind nur Kleinigkeiten. Wichtiger ist, dass es beispielsweise nicht zutrifft, dass Zuckerberg „fast sein ganzes Vermögen verschenkt“ hätte. Er hat vielmehr zusammen mit seiner Frau eine Absichtserklärung abgegeben, zu Lebzeiten 99% seiner Facebook-Aktien aus dem Privatvermögen in ein Firmenvermögen zu transferieren. Alles schön langsam und peu à peu. In den nächsten Jahren will er beispielsweise Aktien im Wert von maximal einer Milliarde Dollar umschichten. Die neue Vermögensverwaltung der Chan-Zuckerbergs trägt den Namen Chan Zuckerberg Initiative LLC – wobei das Kürzel LLC für Limited Liability Company steht, dem US-Pendant der deutschen GmbH. Gemeinnützig ist daran erst einmal nichts. Und bis Zuckerbergs Lebzeiten beendet sind, wird er natürlich weiterhin bestimmender Großaktionär von Facebook bleiben. Dabei ist es unerheblich, ob er die Aktien direkt oder indirekt über die LLC hält, die er natürlich ebenfalls voll kontrolliert.

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