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  • Die gefürchtete Verschwörung hinter den Kraftstoffpreisen

    geschrieben am 17. April 2014 von Gastautor

    eine Gastglosse von Christoph Jehle

    Vor den Osterfeiertagen und vor den Sommerferien kennen die Kraftstoffpreise praktisch jedes Jahr nur eine Richtung, nach oben. Das ist ein seit Jahrzehnten eingeübtes Ritual, das – wie von Geisterhand gelenkt – ziemlich pünktlich abläuft. Alle Hilferufe an das Bundeskartellamt brachten keine Änderung, weil da keine Rechtsverstöße der Mineralölkonzerne nachzuweisen waren. Dass dies nicht mit rechten Dingen zugehen konnte, das war jedes Mal die fast einhellige Volksmeinung. Kaum hatte die eine Tankstelle die Preise erhöht, schon folgte flux die nächste und so waberten die Preiserhöhungen durchs Land. Wer zog bei diesem bösen Spiel die Fäden? Welche Mächte standen da immer im Hintergrund? Nichts war herauszubekommen aus der verschwiegenen Gemeinschaft der Mineralölgesellschaften und ihrer Stationäre.

    Dabei beruhte das System der Preisbildung bei den Kraftstoffen neben den Gestehungskosten auf einem einfachen Prinzip, das man als eine frühe Form der Schwarmintelligenz bezeichnen könnte. In den Zeiten, als das klassische analoge Telefon das schnellste verfügbare Kommunikationsmittel war, fuhr jeder Stationär an den Tankstellen des Wettbewerbs vorbei und notierte sich die Preise. Zu einem bestimmten Zeitpunkt jeden Vormittag wurden die Preise telefonisch an den zuständigen Bezirksvertreter weiter gegeben, der die Entwicklung in seinem Bezirk verfolgte, intern weitergab und von sich aus oder auf Nachfrage eine Preisänderung an den jeweiligen Stationär zurück gab. Darauf hin mussten schnell alle Zählerstände der Zapfsäulen abgelesen und die Inhalte der im Boden liegenden Tanks mit einem Messstab gepeilt werden. Als Postkarte gingen diese Werte dann zur Zentrale der zuständigen Vertriebsorganisation. Wurde durch einen Kommunikationsfehler die Preise an einer Tankstelle zu niedrig eingestellt und wurde dies vom Wettbewerb bemerkt, musste der betroffene Stationär seine Preise zum Ausgleich über den Vergleichspreis erhöhen, bis der „ungerechtfertigte“ Vorteil durch Minderabsatz gebüßt war.

    Mit der Einführung des BTX-Systems beschleunigte sich die Kommunikation, weil jetzt die Daten am Bildschirm in Tabellen eingegeben werden konnten und der Bezirksvertreter nicht jeden Vormittag in seinem Büro einen Telefonmarathon abspulen musste. Die Anfälligkeit für Kommunikationsfehler war nun jedoch signifikant reduziert. Das Datensammeln mit der Beobachtung der Wettbewerbsstationen blieb jedoch weiterhin Handarbeit. Das änderte sich auch mit dem Aufkommen des Internets nicht wirklich. Und so entwickelten sich die Preise mit schöner Regel- und gefühlter Gleichzeitigkeit saisonbedingt in jedem Jahr. Und jedes Jahr machten die Gerüchte über geheime Absprachen der sieben Schwestern auf ein Neues die Runde.

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    Der Teufel an der Wand

    geschrieben am 01. April 2014 von Gastautor

    Eine Gastglosse von Christoph Jehle
    500px-USSTRATCOM.svgFoto: Wikipedia

    Zum Anfang der Neuzeit zogen fahrende Schausteller mit ihrer Laterna Magica über die Jahrmärkte und malten mit ihren flackernden Projektionsgeräten den Teufel gewissermaßen als bewegtes Bild zur Abschreckung an eine Wand und trieben die Massen damit erfolgreich wieder zurück in die Arme der Kirche.

    Die geopolitische Entwicklung, die wir derzeit verfolgen können, setzt wie damals auf das Element der Abschreckung. Nur erfolgt diese Abschreckung heute nicht mehr zum Nutzen der römisch-katholischen Kirche, sondern im Interesse von „god’s own country“, den USA. Die Mehrheit der Bevölkerung hierzulande war zu Zeiten des Kalten Krieges überzeugt, den Frieden – zumindest in Europa – nur durch die Abschreckung des jeweils gegnerischen Blocks sichern zu können. Dass dabei beide Teile Deutschlands im Ernstfall aus Gründen der Reichweite der verfügbaren Waffen als Schlachtfeld unter die Räder gekommen wären, hatte man geflissentlich verdrängt. Den Artikel weiterlesen »

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    Gema-Abgabe auf den Wasserverbrauch geplant

    geschrieben am 25. Februar 2014 von Gastautor

    Eine Gastglosse von Christoph Jehle

    Die Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) , bzw. ZPÜ (Zentralstelle für private Überspielungsrechte) eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts mit den Gesellschaftern GEMA, GÜFA, GVL, GWFF, TWF, VGF, VFF und VG Bild-Kunst und VG Wort haben dieser Tage die Forderung nach einer Urheberrechtsabgabe (eher wohl Copyright-Abgabe) auf Smartphones gestellt, um die Rechteinhaber für “private Kopien” von Inhalten auf Handys zu entschädigen. Üblicherweise erfolgt die Speicherung von Musik, Bildern oder Videos auf Speicherkarten, für schon eine Abgabe bezahlt wird. Man wünscht eine Urheberrechtsabgabe von 36 Euro pro Mobiltelefon mit Touchscreen und einer Speicherkapazität von mindestens 8 GB, 16 Euro für Mobiltelefone mit Touchscreen und einer Speicherkapazität von weniger als 8 GB und 12 Euro für Mobiltelefone ohne berührungsempfindlichen Bildschirm. Dabei erschließt sich die Bedeutung des Touchscreens für die Speicherung der Daten nicht wirklich. Dass man jetzt den Vorständen der wichtigsten „Hersteller“ mit einer Klage droht, scheint der Beitrag der ZPÜ zum Mobile World Congress (MWC) in Barcelona zu sein. Ob die Abgabe auch entrichtet werden muss, wenn die Rechnung für das Smartphone außerhalb der deutschen Grenzen erstellt wird, dürfte wie bei den Festplatten wieder eine Aufgabe für die Gerichte sein. Es würde kaum verwundern, wenn in Zukunft auch eine Gema-Abgabe auf den Stromverbrauch fällig würde.

    Da die Verwertungsgesellschaften offensichtlich davon ausgehen, dass sich die Menschheit praktisch ohne Unterlass mit rechtlich geschütztem Material beschäftigt, sucht man ständig nach Kriterien, wie sich diese Nutzung in bare Münze umwandeln lässt. So ist inzwischen offensichtlich auch eine Gema-Gebühr auf den Trinkwasserverbrauch in der Diskussion. Trinkwasser? Nun ist es in Deutschland ja unzweifelhaft ein weitverbreiterter Brauch, unter der Dusche oder auf dem eigentlich „stillen Örtchen“ zu singen oder zu pfeifen.

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    Der Zaun um die Schweiz – ein Experiment

    geschrieben am 17. Februar 2014 von Jens Berger

    eine Gastglosse von Christoph Jehle

    In der Schweiz hat sich eine knappe Mehrheit am vergangenen Sonntag dafür ausgesprochen, den Zuzug von Ausländern zu kontingentieren. Das Kontingent soll alle Ausländer betreffen. Dabei handelt es sich sowohl um EU-Bürger, die in der Schweiz wohnen und arbeiten, um Asylsuchende sowie um Pendler, die vorwiegend in den Grenzregionen aus der EU in die Schweiz pendeln.

    Die Bevölkerung fühlt sich von der schieren Zahl der Zugereisten überfordert. Vor Allem Italiener und Deutsche seien es zu viele. Gerade die Grenzgänger nähmen der einheimischen Bevölkerung der Platz in der Bahn und auf den Straßen weg. Zudem sprächen die Deutschen zu schnell, so dass der Schweizer Bevölkerung allein vom Zuhören der Schnauf ausginge. Als weiteres Problem kommt noch dazu, dass die Schweizer, im Gegensatz zu den Deutschen, die Sprache, die sie sprechen, nicht schreiben und die Sprache, die sie schreiben, nicht sprechen können. Die Deutschschweizer fühlen sich damit im eigenen Lande gegenüber den deutschen Muttersprachlern gehandikapt.

    Mit der Personenfreizügigkeit kamen immer mehr qualifizierte Fachkräfte ins Land und die Schweiz konnte sich darauf verlassen, dass dieser Bedarf durch Zuzug gedeckt werden konnte und hat in manchen Branchen gar keine eigene Berufsausbildung aufgebaut. Man konnte sich ja gut bei einem der Nachbarn bedienen. Seit man den unbegrenzten Zugang zum EU-Binnenmarkt hat, konnte man auch die aus früheren Zeiten bestehenden Filialunternehmen in den EU-Mitgliedsstaaten schließen oder verkaufen und den EU-Markt von der Schweiz aus bedienen. Die dringend benötigten Mitarbeiter durften als Grenzgänger pendeln und falls das nicht möglich war auch mit ihren Familien in die Schweiz ziehen. Gerade den Familiennachzug will man jetzt offensichtlich reduzieren und nur den befristeten Aufenthalt gesuchter Arbeitskräfte erlauben. Ob dieses Modell der einseitig eingeschränkten Personenfreizügigkeit in der Praxis funktioniert, wenn es sich beispielsweise um Fachkräfte aus dem IT-Bereich geht, ist durchaus fraglich. Und möglicherweise füllen Asylsuchende das Kontingent schneller, als gesuchte Fachkräfte gewonnen werden können. Personalmangel kann zügig zur Wachstumsbremse werden.

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    Wo war eigentlich Stalin?

    geschrieben am 09. Februar 2014 von Jens Berger

    Ihrem Ideal zufolge dienen die Olympischen Spiele der Völkerverständigung. Kriege und Konflikte sollten während des „Olympischen Friedens“ pausieren. Was das ZDF vom Olympischen Frieden hält, konnten Millionen Zuschauer während der Eröffnungsfeier der Spiele in Sotschi verfolgen. Nichts. Stattdessen „glänzten“ Anne Gellinek und Wolf-Dieter Poschmann mit mal mehr, mal weniger kaschierter Hetze gegen das Gastgeberland.

    Stellenweise wirkte die Eröffnungsfeier der XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi wie eine zweifelsohne gut gemachte Kopie der Eröffnungsfeier der letzten Sommerspiele in London. Sowohl die Briten als auch die Russen boten dem internationalen Publikum eine künstlerisch dargebotene Zeitreise durch die eigene Geschichte und Kultur. Naturgemäß betonten beide Gastgeber dabei ihre Schokoladenseite. Doch wenn zwei das Gleich tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Oder sollte man lieber sagen „Was dem Herrn geziemt, geziemt noch lange nicht dem Knecht“? Dies scheinen zumindest die beiden ZDF-Kommentatoren Gellinek und Poschmann so zu sehen. Gellineks größte Sorge war es nämlich, dass die Russen bei ihrer kulturellen Rückblende „ihre dunkele Zeit“ (ZDF) ausgespart haben.

    „Wo war Stalin?“ fragte sich Gellinek in der abendlichen Rückschau. Ja wo war Stalin? Wo waren die Opfer des „British Empire“ bei der Eröffnungsfeier in London 2012? Wo die beinahe ausgerotteten Indianer bei der Eröffnungsfeier in Salt Lake City 2002? Und wo waren die Millionen Opfer deutschen Größenwahns bei der Eröffnungsfeier in München 1972? Fragen über Fragen. Willkommen bei den „Putin-Spielen“ (Zitat: ZDF)!

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