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  • Gestatten, Julian Reichelt, BILD-Chef(Troll) vom Dienst!

    geschrieben am 17. August 2016 von Jens Berger

    Es gibt Onlinemedien, die haben ein massives Problem mit Trollen* im Kommentarbereich. Das ist schlimm. So richtig tragisch ist es jedoch, wenn ein großes Onlinemedium ein massives Troll-Problem im redaktionellen Teil hat. Dieses unschöne Schicksal wurde bild.de, dem digitalen Ableger des Fachblattes für Angst, Hass, Titten und den Wetterbericht zuteil. Chef und Chef-Troll in Personalunion ist dort ein gewisser Julian Reichelt, der dem größeren Publikum vor allem durch seine Trollereien in TV-Talkshows bekannt sein dürfte. Heute hat sich Reichelt auf bild.de einmal Steinmeiers Rede im Ural vorgenommen (Vorsicht, Link führt auf bild.de). Herausgekommen ist ein Meisterwerk moderner Trollerei, das wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Von Jens Berger

    Warum hält ein deutscher Außerminister eine Rede in Jekaterinburg? Und warum ist die Rede des obersten deutschen Diplomaten … nun ja … im Ton eher „diplomatisch“? Für Bild-Troll Reichelt ist die Antwort klar: Steinmeiner „öffne seine SPD für eine mögliche Koalition mit den Putin-Verstehern und Moskau-Verehrern der Linken“. Wer den bösen Russen nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit beleidigt und demütigt kann ja auch nur ein verkappter Irgendwas-Versteher sein, der unser schönes Land dem Russen bzw. seiner fünften Kolone ausliefern will. Das ist zwar blanker Unsinn, aber genau das ist ja der Kern eines Troll-Kommentars: Das Publikum mit blankem, meist provokativem Unsinn zur Weißglut zu bringen. Beruhigen wir uns also wieder und lesen weiter.

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    54 Kommentare

    News auf Speed: Der Wachmann und das AKW von Charleroi

    geschrieben am 30. März 2016 von Gastautor

    Eine Gastglosse von Christoph Jehle

    Nachrichten müssen schnell verbreitet werden. Die Textarbeit wird nicht besonders gut bezahlt und wer mit den News-Artikeln über den gesetzlichen Mindestlohn kommen will, muss sich ranhalten. Für eine Nachrecherche bleibt da kaum Zeit, wenn man der erste sein will, der von Google noch aus der Masse herausgefischt wird.

    Mit ein wenig Glück kennt sich der Autor zumindest rudimentär in den Zusammenhängen aus, über die er berichtet und vermag eine erste Plausibilitätskontrolle durchzuführen, bevor er zuviel Zeit in die Nachricht investiert. Wenn nicht, dann schraubt er an der Nachricht solange herum, bis sie genug Aufmerksamkeit erzielen und verkauft werden kann. Der Realitätsbezug ist da ganz schnell sekundär.

    Weil belgische Kernkraftwerke für eine Panne immer gut sind, wurde der Wachmann dann in der ersten Nachricht im AKW Charleroi beschäftigt. Das wäre insofern besonders gefährlich, als für ein AKW in Charleroi keine Betriebserlaubnis bekannt ist. Ja es war bislang nicht einmal die Existenz eines solchen AKW in Charleroi bekannt. Da die Nachrichten mangels kostengünstigem Bildmaterial immer häufiger mit sogenannten Symbolbildern garniert werden, konnte der Beitrag sogar mit einem Bild eines Kraftwerks mit großen Kühltürmen aufgehübscht werden und verbreitete sich in Windeseile.

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    33 Kommentare

    Eine Alternative für Deutschland

    geschrieben am 26. März 2016 von Gastautor

    Eine Gastglosse von Christoph Jehle

    Warum soll Deutschland eigentlich nicht dem Modell von Einwanderer-Ländern folgen?

    Im Zusammenhang mit der Frage, wie Deutschland und Europa mit dem Thema Asyl und Zuwanderung umgehen soll und will, werden immer wieder Länder wie die USA, Kanada, Israel, Australien und Neuseeland als Beispiele angeführt. Diesen solle man folgen, wird dann meist argumentiert. Man wirft dabei den Blick jedoch immer nur auf den aktuell eher rigiden Umgang mit Asylsuchenden und lässt dabei die Geschichte der Zuwanderung in diese Länder außen vor. Man kratzt somit bei der Behandlung der Frage nach dem Umgang mit den Immigranten in der Regel nur ein wenig an der Oberfläche und wechselt dann ganz schnell zu einem anderen Thema, bevor jemand Fragen zur Geschichte stellen könnte.

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    244 Kommentare

    Nehmt dem irren Putin die Killerdelfine weg!

    geschrieben am 24. März 2016 von Jens Berger

    Es gibt Überschriften, die sind so dämlich, dass man gar nicht glauben mag, dass es sich hierbei nicht um eine Satire handelt. Die Überschrift „Putin züchtet sich neue Killer-Delfine“ gehört zweifelsohne dazu. Dies meldete in dieser Woche das in Österreich sehr populäre Nachrichtenportal oe24 und reicherte die Meldung gleich noch mit einem Screenshot an, der Putin beim Bad mit zwei Delfinen zeigt.

    Killerdelfine! Wie hat der gute Mann das Bad bloß überlebt? Mit dem gleichen Bild und fast den gleichen Worten „informiert“ auch die Schweizer Boulevardzeitung Blick von Putins Delfinen, die von den gewohnt seriösen Schweizern jedoch nicht als Killerdelfine, sondern nur als Kampfdelfine beschrieben werden, die dafür aber in einer „brutalen Einheit“ ihren Dienst tun. Die Überschrift des Schweizer Artikels lautet übrigens nicht weniger unfreiwillig komisch „Putin rüstet Delfin-Armee auf“. Wenn es um Russland geht, scheint der schreibenden Zunft wirklich keine Peinlichkeit zu dämlich zu sein, um sie nicht zu drucken.

    Dass der russische Präsident es deutschsprachigen Journalisten nie wird Recht machen können ist bekannt. Sogar wenn Wladimir Putin höchstpersönlich übers Wasser laufen könnte, würden unsere Medien sicher titeln: „Skandal! Putin kann nicht schwimmen!“ So kann es auch nicht ernsthaft überraschen, dass für unsere Medien aus zwei possierlichen Delfinen, die mit dem Leibhaftigen in einem Becken plätschern grauenerregende „Killerdelfine“ werden. Im Umfeld von Putin wird offenbar alles zu einer Bedrohung.

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    103 Kommentare

    Ich bin ein Leser, holt mich hier raus!

    geschrieben am 19. Januar 2016 von Jens Berger

    Ist es nicht erstaunlich? Wenn es um die Abgrenzung zum Netz geht, pochen die selbsternannten Qualitätsmedien mit plakativ zur Schau gestellter Arroganz auf ihre angebliche Seriosität. Wenn der Gossensender RTL alle Jahre wieder abgehalfterte C-Promis ins „Dschungelcamp“ schickt, lassen es sich genau diese Medien jedoch nicht nehmen, auf ihren Online-Ablegern mehrfach pro Tag frei von jeglicher Kritik oder gar Ironie über dieses seltsame Spektakel zu berichten. Über was diese Medien wie berichten, ist natürlich ihnen selbst überlassen. Wer sich fröhlich mit den Ferkeln im Schlamm wälzt, darf sich danach jedoch nicht beschweren, dass er nicht mehr als Saubermann wahrgenommen wird. Oder um es klar zu sagen: An ihrem sagenhaften Reputationsverlust sind die Medien selber schuld.

    Natürlich gibt es Menschen, die es höchst unterhaltsam finden, wenn ehemalige Schlagersänger und mit Silikonbrüsten dekorierte Porno-Darstellerinnen sich in gar lustigen Spielchen zum Affen machen, über ihre Verdauungsprobleme philosophieren und allerlei ekliges Getier lebendig verspeisen. 30 Jahre nach seiner Einführung, ist das deutsche Privatfernsehen heute eine schamlose Bedürfnisbefriedigungsanstalt, die sämtliche Grenzen des guten Geschmacks ausgetestet und kurze Zeit später überschritten hat. Sendung wir das „Dschungelcamp“ zählen zu den größten Quotenhits im Lande. Millionen Zuschauer finden dies offenbar unterhaltsam. Sollen sie. Bekanntlich können auch Millionen Fliegen nicht irren. Wer von BILD, RTL und Co. geprägt wurde, findet halt irgendwann auch den größten Mist toll. Doch was geht in der Chefredaktion einer vermeintlich seriösen Zeitung vor, in ihrem Blatt ganz ernsthaft über diesen infantilen Unsinn zu berichten?

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