Hallelujah!

geschrieben am 25. Februar 2010 von Spiegelfechter

Man stelle sich einmal vor, die Polizei würde den schwer angetrunken Papst am Steuer eines profanen Automobils anhalten. In Hannover! Unvorstellbar! Nirgendwo sonst wird der Unterschied zwischen den beiden großen christlichen Kirchen offenbarer, als bei der Affäre um die zurückgetretene EKD-Vorsitzende Bischöfin Margot Käßmann. Auf der einen Seite der unfehlbare Papst – ein greiser Mann, Bayer, konservativ, moralisch unantastbar. Auf der anderen Seite die Bischöfin – Frau, progressiv, geschieden, moralisch angreifbar. Wenn es einen Gott nach dem Bild der Christen geben sollte und er Sinn für Humor hat, so würde er sich sicherlich himmlich amüsieren. Ein alter Mann in Rom, der den Fels gibt, auf dem die Christen ihre Kirche aufbauten und von sich behauptet, er sei Gottes Stellvertreter auf Erden, und eine Frau, die Wasser predigt, Wein trinkt und nun – da ihre Verfehlungen ans Licht der Öffentlichkeit kamen – sogar zurücktritt. Welch göttliches Spektakel!

Rücktritt – für einen Papst ist alleine der Gedanke an einen solchen Schritt pure Blasphemie. Päpste treten nicht zurück, sie fahren allerdings auch nicht betrunken Auto. Fahren Päpste überhaupt Auto? Für solch weltliche Nebensächlichkeiten haben die Männer in Weiß doch normalerweise ganze Heerscharen devoter Diener. So ein Papst hat auch eine ganze Armee junger Schweizer Hellebardiere, die ihn in allen Lebenslagen behüten und beschützen. Selbst wenn der Papst sich – vom Messwein angeheitert – an das Steuer seines Papamobils setzen würde, käme kein Schupo auch nur in die Nähe des Heiligen Vaters. So gut hat es Bischöfin Käßmann nicht. Sie hat weder ein Käsomobil noch einen Fahrer – geschweige denn eine Schweizer Garde, die sie vor den Unwägbarkeiten des Lebens beschützt. Die protestantische Theologin wird so Opfer ihrer eigenen Progressivität. Sie stürzt über eine unangenehme Sache, die einem „echten“ christlichen Würdenträger so nie passieren könnte.

Katholiken haben es besser!

Katholiken sind authentischer als Protestanten. So stellt man sich als Agnostiker auch einen echten kirchlichen Würdenträger vor – eingehüllt in edles, wallendes Tuch, beringt mit güldenen Kostbarkeiten, den leiblichen Genüssen nicht abgeneigt und lebensfroh. Luthers Kinder haben mit diesen Stereotypen freilich nichts zu tun. Sie sind in schlichtes Schwarz gekleidet, frei von irdischen Preziosen – spartanisch auch im Geiste, den Freuden des Lebens abgeneigt. Wer es noch nicht weiß – der Katholizismus ist Religion light, modern, mit der garantierten Instant-Glückseligkeit. Ein Katholik darf sündigen, bis die Schwarte kracht – nun gut, er darf das streng genommen zwar nicht, aber mit der nächsten Beichte ist eh jede Sünde vergeben. Wem der Weg in die Kirche zu weit ist, für den richtet der Papst zweimal im Jahr eine TV-Generalabsolution aus – man muss nur das Urbi et Orbi im Fernsehen betrachten und schon sind einem alle Sünden vergeben und man hat eine reine Seele wie ein Neugeborenes. Neugeborene kommen übrigens seit zwei Jahren auch bei den Katholiken in den Himmel – der deutsche Papst hat nämlich kurzerhand die Vorhölle abgeschafft.

Davon sollten sich die Protestanten ein Stück abschneiden. Kann ein protestantischer Bischof überhaupt die Vorhölle abschaffen? Wahrscheinlich nicht, das ist nun einmal der Nachteil, wenn man dem Papst den Rücken kehrt. Die Katholiken schaffen mir nix dir nix die Vorhölle ab und die armen Protestanten müssen ihr ganzes Leben lang gottesfürchtig und sündenfrei leben – für Katholiken ein Ding der Unmöglichkeit, schlimmer noch als die nicht mehr existierende Vorhölle.

Selbst schuld!

Margot Käßmann ist so Opfer ihres eigenen Glaubens geworden. Von einem Katholiken erwartet niemand, dass er sündenfrei bleibt. Welch wahnwitzige Vorstellung, wofür haben denn die Katholiken die Beichte erfunden – ein echter PR-Schlager. Protestanten haben aber einen hohen Anspruch an andere Protestanten und vor allem an sich selbst. Während ein Katholik seine Sünden wegbeichten kann, muss so ein echter Protestant mit ihnen bis zum Ende seines Lebens – und aus theologischer Sicht sogar weitaus länger – hadern. Ein Rücktritt, so unverständlich er einigen erscheinen mag, ist da nur konsequent. Wären die Protestanten ein wenig katholischer, hätte die Bischöfin ihre Sünde beichten können und alles wäre Friede, Freude, Eierkuchen. Nun gut, wären die Protestanten etwas katholischer, wäre Frau Käßmann bestenfalls Laienpredigerin und nicht geschieden. Ihr männliches, ungeschiedenes – da zölibatäres – Pendant, wäre – wenn er denn keine Fahrer hätte – aber sicherlich mit einer Verwarnung davongekommen. Trunkenheit am Steuer ist bei Katholiken nämlich ein Bagatelldelikt, da haben katholische Kleriker ganz andere Sünden auf dem Kerbholz. Aber darüber spricht man in der katholischen Kirche nicht öffentlich, sündige Hirten kriegen stattdessen eine neue Schafherde zugewiesen – je unangenehmer die Sünde, desto weiter weg die neue Herde. Wer wirklich sündige Menschen sucht, der sollte sich einmal katholische Pfarreien auf Feuerland ansehen – Halleluja!

Darf eine Bischöfin betrunken Auto fahren? Welch dumme Frage! Darf ein König an der Ladenkasse Zigaretten klauen? Darf der Bundespräsident mit dem Schlüssel von Schloss Bellevue nächtens den Lack von Luxuslimousinen zerkratzen? Darf die Kanzlerin eine Kneipenschlägerei anzetteln? Natürlich darf auch eine Bischöfin nicht betrunken Auto fahren. Aber muss sie deshalb gleich zurücktreten? Natürlich muss sie nicht, sie sollte es aber, will sie sich nicht selbst unglaubwürdig machen. Man kann nun einmal nicht Wasser predigen und Wein trinken. Es wäre erfreulich, wenn andere Persönlichkeiten genauso konsequent auf eigene Fehler reagieren würden. Putzig wirkt es da, wenn berufsaufgeregte Publizistinnen wie Alice Schwarzer aus der Affäre der betrunkenen Bischöfin ein Exempel im Kampf des Feminismus machen wollen. Nein, Frau Schwarzer, wenn Frauen schon Bischöfin werden wollen, dann müssen sie auch mit den moralischen Anforderungen an diesen Beruf zurecht kommen. Das ist Gleichberechtigung – eine Frau soll ruhig Bischöfin werden dürfen, sich scheiden lassen und saufen, bis die Leber schwillt. Nur sollte sie dann allerdings auch genauso gnadenlos der hungrigen Meute zum Fraß vorgeworfen werden, wenn sie einen derart dämlichen Fehler begeht. Wer das nicht will, soll Katholik oder Feminist werden.

Jens Berger

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Schnäppchen für Liberale

geschrieben am 22. Januar 2010 von Spiegelfechter

Was gibt es Schöneres, als nach dem 18. Loch direkt ins Meer zu tauchen oder im gleißenden Sonnenuntergang über das Handicap und Steuersenkungen zu fachsimpeln? Einiges, aber es geht hier um nicht die Wünsche von Otto Normalverbraucher, sondern um die Interessen einer ganz besonderen Klientel. FDP-Mitglieder können über das Netzwerk mit Nutzwert so wundervolle Dinge wie einen Golfurlaub, eine private Krankenversicherung, einen Handy-Vertrag von Vodafone oder schicke Uhren mit einem Sonderrabatt erwerben. Ermöglicht wird dieses Schnäppchennetzwerk durch die parteieigene liberal Verlag GmbH.

Wenn der Leistungsträger einmal einen Burnout hat

Nicht nur die Mövenpick-Gruppe zählt zum Freundeskreis der FDP. Haben die Liberalen mal Lust auf Urlaub, so können sie ihre Reise mit 6% Parteirabatt über die TUI-Tochter Berge und Mehr buchen. Auch Maritim Hotels, der Golfreisen-Spezialist Urlaubsreisen GmbH, zwei Hotelvermittlungsagenturen und ein Vermittler für Ferienhäuser und –wohnungen ködern die FDP-Mitglieder mit Parteirabatten. Und wenn man einmal nicht weiß, wie man zum Urlaubsort gelangt, hilft der Autoverleiher Sixt weiter, der ebenfalls Sonderkonditionen für Liberale einräumt. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich – sind FDP-Politiker denn keine Leistungsträger, die vor lauter Arbeit keine Zeit für Urlaub haben?

Ein besonderes Schmankerl bietet der private Krankenversicherer DKV seinen politischen Freunden an. Dort können FDP-Mitglieder nicht nur Beitragsnachlässe durch Gruppenkonditionen absahnen, sondern sich auch die Wartezeiten sparen, besondere Annahmekonditionen genießen und Familienangehörige gleich mitversichern. Ob es daran liegt, dass die FDP den PKV-Lobbyisten Christian Weber als neuen Abteilungsleiter für Grundsatzfragen in das Gesundheitsministerium geholt hat? Man weiß so wenig.

Netzwerkerträume

Neben den “großen Namen” bietet das Netzwerk für Nutzwert jedoch auch kleineren Freunden der gelben Partei die Chance, sich ein echtes FDP-Mitglied als Neukunden zu ködern. Mittlerweile gibt es unzählige Anwaltskanzleien, IT-Berater, Handwerker oder Pädagogen, die sich in die exklusive Liste eingetragen haben. Auch der Spiegelfechter hat sich für einen Eintrag in das Netzwerk beworben. Er will FDP-Mitgliedern stolze 5% Rabatt bei Werbeschaltungen einräumen – wenn das kein tolles Angebot ist? Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird meine großzügige Offerte jedoch noch geprüft.

Einen Sonderrabatt bekommen die nutzwerten Netzwerker auch beim parteieigenen Werbeartikeldiscount. Dort kann man sich schicke Einstecktüchlein und Business-Hemdchen, den Genscher-Pullunder oder eine garantiert limitierte Armbanduhr kaufen. Wem das zu bieder ist, der findet in der parteieigenen Spreadshirt-Sektion auch ein superhippes “Make love not Steuererklärung”-Girlie – der Brüller auf jeder BWLer-Erstsemesterparty. Natürlich findet man bei der FDP auch den üblichen Parteienplunder inklusive Großplakat mit dem Slogan “Arbeit muss sich wieder lohnen” – eine schöne Geschenkidee für Schlecker-Mitarbeiter. Wer seine Mitmenschen einmal so richtig ärgern will, der kann via Web auch ein FDP-Plakat für die Plakatwand seiner Wahl ordern. Was für ein Spaß für jung und alt!

Liberale Wirte?

Gut haben es auch die “liberalen Wirte”. Wer gerne bei einem Parteifreund essen gehen will, der kann sich auf der gleichnamigen Internetseite umschauen, welche Gaststätten von FDP-Mitgliedern betrieben werden. Das hat natürlich auch für Otto Normalverbraucher seine Vorteile. So ein “liberaler Wirt” sagt sicher nichts, wenn man sich nach dem Essen erst einmal eine Zigarre gönnt. Doch Obacht! Die Macher der Internetseite geben ihren Parteimitgliedern gleich noch einen Tipp mit auf den Weg: “Bei einem guten Essen und einem guten Gläschen Wein lassen sich auch zwischen dem liberalen Anliegen und den Bürgern Brücken schlagen.” Wer will aber schon beim Essen oder einem Glas Wein von einem FDP-Politiker über den Sinn von Steuerkürzungen aufgeklärt werden?

Ideen zur Verbesserung


Das Angebot für liberale Schnäppchenjäger ist jedoch noch keinesfalls ausgereift. Der FDP-Shop müsste dringend auch eine Schallplatte mit Sprung ins Angebot nehmen, auf der die schönsten Steuersenkungsforderungen des oberliberalen Chefclowns Westerwelle enthalten sind. Auch eine Jubiläums-DVD-Box mit Hans Werner Sinns gesammelten Talkshow-Auftritten würde sicher das Herz jedes Liberalen höher schlagen lassen. Für die Kleinen sollte ein süßer Knuddel-Guido in das Angebot aufgenommen werden. So stünde der lückenlosen Karriere des gelben Nachwuchses nichts mehr im Weg – von den Krabbel-Liberalen zur Guido-Jugend, über die JuLis hin zur FDP.

In der Sparte “Wahlkampfgadgets” wäre ein Sack, prall gefüllt mit heißer Luft, sicher der Renner. Für Parteizyniker würde sich auch eine FDP-Edition des beliebten Gesellschaftsspiels Monopoly anbieten. Parteimitglieder erhalten bei dieser Edition die Parkstaße und die Schloßallee bereits zu Spielbeginn und Bahnhöfe, Wasser- und Elektrowerk sind privatisiert. Wer auf diese Felder kommt, muss den doppelten Preis zahlen – dafür gibt es jedoch kein Einkommenssteuerfeld.

Jens Berger

P.s.: Danke an den Leser “Schwitzig” für den Tipp.

Und weil es so schön passt – der aktuelle Startcartoon der Titanic

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Die Wahrheit(TM) über die DDR

geschrieben am 09. Dezember 2009 von Spiegelfechter

Wer die nette Satire (Achtung, liebe Leser!) noch nicht kennt – ich habe mich prächtig amüsiert:

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Obama im Sportpalast

geschrieben am 02. Dezember 2009 von Spiegelfechter

Ein freier Mitarbeiter des Spiegelfechters war bei Obamas gestriger Rede im Sportpalast von West-Point dabei und hat die wichtigsten Passagen ins Deutsche übersetzt:

Das freie amerikanische Volk kann die volle Wahrheit vertragen. Es weiß, wie schwierig es um die Lage des Landes bestellt ist, und seine Führung kann es deshalb auch auffordern, aus der Bedrängtheit der Situation die nötigen harten, ja auch härtesten Folgerungen zu ziehen. Wir Amerikaner sind gewappnet gegen Schwäche und Anfälligkeit, und die Schläge und Unglücksfälle der Wirtschaftskrise verleihen uns nur zusätzliche Kraft, feste Entschlossenheit und eine seelische und kämpferische Aktivität, die bereit ist, alle Schwierigkeiten und Hindernisse mit dem Elan der Gründerväter zu überwinden.

Es ist jetzt nicht der Augenblick, danach zu fragen, wie alles gekommen ist. Das wird einer späteren Rechenschaftsablegung überlassen bleiben, die in voller Offenheit erfolgen soll und dem amerikanischen Volk und der Weltöffentlichkeit zeigen wird, dass das Unglück, das uns in den letzten Jahren betroffen hat, seine tiefe, schicksalhafte Bedeutung besitzt. Das große Heldenopfer, das unsere Soldaten in Afghanistan und im Irak bringen, ist für die ganze Welt von einer ausschlaggebenden geschichtlichen Bedeutung. Es ist nicht umsonst. Warum, das wird die Zukunft beweisen.

Es ist verständlich, dass wir bei den großangelegten Tarnungs- und Bluffmanövern der Taliban das Kriegspotential der Islamisten nicht richtig eingeschätzt haben. Erst jetzt offenbart es sich in seiner ganzen wilden Größe. Dementsprechend ist auch der Kampf, den unsere Soldaten zu bestehen haben, über alle menschlichen Vorstellungen hinaus hart, schwer und gefährlich. Er erfordert die Aufbietung unserer ganzen nationalen Kraft. Hier ist eine Bedrohung Amerikas und der gesamten demokratischen Welt gegeben, die alle bisherigen Gefahren der freien Welt weit in den Schatten stellt. Würden wir in diesem Kampf versagen, so verspielten wir damit überhaupt unsere geschichtliche Mission. Alles, was wir bisher aufgebaut und geleistet haben, verblasst angesichts der gigantischen Aufgabe, die hier den internationalen Friedenstruppen unmittelbar und dem amerikanischen Volke mittelbar gestellt ist. Ich wende mich in meinen Ausführungen zuerst an die Weltöffentlichkeit und proklamiere ihr gegenüber drei Thesen unseres Kampfes gegen die terroristische Gefahr im Nahen und Mittleren Osten. Die erste dieser Thesen lautet:

Wären die internationalen Friedenstruppen nicht in der Lage, die Gefahr des Terrorismus zu brechen, so wäre damit Amerika und in kurzer Folge die gesamte freie Welt dem Islamismus verfallen.

Die zweite dieser Thesen lautet: Die amerikanischen Friedenstruppen und das amerikanische Volk allein besitzen mit ihren Verbündeten die Kraft, eine grundlegende Rettung der freien Welt aus dieser Bedrohung durchzuführen.

Die dritte dieser Thesen lautet: Gefahr ist im Verzuge. Es muss schnell und gründlich gehandelt werden, sonst ist es zu spät.

Ich habe heute zu dieser Versammlung nun einen Ausschnitt des amerikanischen Volkes im besten Sinne des Wortes eingeladen. Vor mir sitzen reihenweise tapfere amerikanische Verwundete von der Front, Bein- und Armamputierte, mit zerschossenen Gliedern, Kriegsblinde, die mit ihren Rote-Kreuz-Schwestern gekommen sind, Männer in der Blüte ihrer Jahre, die vor sich ihre Krücken stehen haben. Dazwischen zähle ich an die fünfzig Träger des Golden Star und der Medal of Honor, eine glänzende Abordnung unserer kämpfenden Front. Weiter hinter ihnen sitzen Männer aus den Parteiorganisationen, Offiziere der Friedenstruppen, Investmentbanker, Anwälte, Medienvertreter, Industrielle und Fondsmanager, eine stolze Vertreterschaft unseres geistigen Lebens in all seinen Schichtungen, dem die freie Welt gerade jetzt in der Krise die Wunder der Finanzwelt und der menschlichen Gier verdankt. Ich kann also mit Fug und Recht sagen: Was hier vor mir sitzt, ist ein Ausschnitt aus der freien Welt an der Front und in der Heimat. Stimmt das? Ja oder nein!

Ihr also, meine Zuhörer, repräsentiert in diesem Augenblick die freie Welt. Und an euch möchte ich zehn Fragen richten, die ihr mir mit dem amerikanischen Volke vor der ganzen Welt, insbesondere aber vor unseren Feinden, die uns auch an ihrem Rundfunk zuhören, beantworten sollt:

Einige Medien behaupten, das amerikanische Volk habe den Glauben an den Sieg verloren. Ich frage euch: Glaubt ihr mit mir an den endgültigen Sieg der Freiheit und der Demokratie? Ich frage euch: Seid ihr entschlossen, in der Erkämpfung des Sieges durch dick und dünn und unter Aufnahme auch schwerster persönlicher Belastungen zu folgen?

Zweitens: Einige Medien behaupten, das amerikanische Volk ist des Kampfes müde. Ich frage euch: Seid ihr bereit, als Phalanx der freien Welt, hinter den kämpfenden Friedenstruppen stehend, diesen Kampf mit wilder Entschlossenheit und unbeirrt durch alle Schicksalsfügungen fortzusetzen, bis der Sieg in unseren Händen ist?

Drittens: Einige Medien behaupten, das amerikanische Volk hat keine Lust mehr, sich den überhandnehmenden Krisenfolgen zu unterziehen und einen Krieg am Hindukusch zu finanzieren. Ich frage euch: Seid ihr und ist das amerikanische Volk entschlossen, wenn die Wall Street es empfiehlt, nur noch acht, sechs und – wenn nötig – zwei oder nur eine Stunde täglich zu arbeiten und den letzten Steuergroschen herzugeben für den Sieg?

Viertens: Einige Medien behaupten, das amerikanische Volk wehrt sich gegen die totalen Kriegsmaßnahmen und die Heimatschutzgesetze der Regierung. Es will nicht den totalen Krieg, sondern die Kapitulation. Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt erst vorstellen können?

Fünftens: Einige Medien behaupten, das amerikanische Volk hat sein Vertrauen zum Kapitalismus verloren. Ich frage euch: Ist euer Vertrauen in den Kapitalismus heute größer, gläubiger und unerschütterlicher denn je? Ist eure Bereitschaft, ihm auf allen seinen Wegen zu folgen und alles zu tun, was nötig ist, um den Krieg zum siegreichen Ende zu führen, eine absolute und uneingeschränkte?

Ich frage euch als sechstes: Seid ihr bereit, von nun ab eure ganze Kraft einzusetzen und im Nahen und Mittleren Osten die Menschen und Waffen zur Verfügung zu stellen, die sie braucht, um dem Terrorismus den tödlichen Schlag zu versetzen?

Ich frage euch siebtens: Gelobt ihr mit heiligem Eid der Front, dass die Heimat mit starker Moral hinter ihr steht und ihr alles geben wird, was sie nötig hat, um den Sieg zu erkämpfen?

Ich frage euch achtens: Wollt ihr, insbesondere ihr Medienvertreter selbst, dass die Regierung dafür sorgt, dass auch die amerikanischen Medien ihre ganze Kraft der Kriegsführung zur Verfügung stellen, und überall da, wo es nur möglich ist, einspringen, um Männer für die Front zu mobilisieren und damit der freien Welt in ihrem Krieg gegen den Terrorismus zu helfen?

Ich frage euch neuntens: Billigt ihr, wenn nötig, die radikalsten Maßnahmen gegen einen kleinen Kreis von Drückebergern und Schreiberlingen, die mitten im Kriege Frieden spielen und die Not des Volkes zu eigensüchtigen Zwecken ausnutzen wollen? Seid ihr damit einverstanden, dass, wer sich am Krieg vergeht, den Kopf verliert?

Ich frage euch zehntens und zuletzt: Wollt ihr, dass, wie der freie Markt es gebietet, gerade im Krieg ungleiche Rechte und ungleiche Pflichten vorherrschen, dass die Leistungsträger in der Heimat die schwersten Belastungen des Krieges nicht alleine auf ihre Schultern nehmen müssen und dass sie für hoch und niedrig und arm und reich in ungleicher Weise verteilt werden?

Ich habe euch gefragt; ihr habt mir eure Antworten gegeben. Ihr seid ein Stück der freien Welt, durch euren Mund hat sich damit die Stellungnahme des amerikanischen Volkes manifestiert. Ihr habt unseren Feinden das zugerufen, was sie wissen müssen, damit sie sich keinen Illusionen und falschen Vorstellungen hingeben.

Das Kapital hat befohlen, wir werden ihm folgen. Wenn wir je treu und unverbrüchlich an den Sieg geglaubt haben, dann in dieser Stunde der demokratischen Besinnung und der inneren Aufrichtung. Wir sehen ihn greifbar nahe vor uns liegen, vielleicht schon im Jahre 2011; wir müssen nur zufassen. Wir müssen nur die Entschlusskraft aufbringen, alles andere seinem Dienst unterzuordnen. Das ist das Gebot der Stunde. Und darum lautet die Parole: Nun, freie Welt, steh auf und Sturm brich los!

Ähnlichkeiten mit dieser vor geraumer Zeit gehaltenen Rede sind durchaus gewollt und beabsichtigt.

Jens Berger

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Und der Sieger heißt: Steinmerkel!

geschrieben am 14. September 2009 von Spiegelfechter

An dieses Glanzstück politischer Streitkultur werden sich noch ganze Generationen erinnern. Bein TV-Duell zwischen der CDU-Kanzlerkandidatin Angela Steinmerkel und dem SPD-Politiker und Außenministerkandidaten Frank Walter Steinmerkel flogen einmal so richtig die Fetzen. Fast fühlte man sich an die guten alten Zeiten erinnert, als es noch Willy Brandt, Franz Josef Strauß und kein Farbfernsehen gab. Der Spiegelfechter fasst für Sie noch einmal die Höhepunkte des Duells zusammen:

Moderator: Frau Steinmerkel. Deutschland steckt in der schlimmsten Krise seit den Kartoffelkriegen. Wie wollen Sie das Land aus der Krise holen? Was sind Ihre Rezepte?

Steinmerkel: Unsere Devise muss heißen – Mehr Zukunft für alle! Arbeit muss sich wieder lohnen, dafür brauchen wir mehr Brutto vom Netto. In unserer Amtszeit haben wir die Arbeitslosigkeit mehr als halbiert! Das sollen uns die Anderen erst einmal nachmachen!

Moderator: Und Sie Herr Steinmerkel, wie wollen Sie das Land aus der Krise führen?

Steinmerkel: Ich widerspreche meiner Vorrednerin aufs Schärfste. Nicht sie hat die Arbeitslosigkeit halbiert, sondern wir. Wir dürfen uns aber nicht auf dem Erreichten ausruhen. Gemeinsam müssen wir nun dafür sorgen, dass sich Arbeit wieder lohnt und wir wieder mehr Brutto vom Netto haben. Denn Zukunft ist für alle, und was wir brauchen, ist nicht weniger, sondern mehr Zukunft für alle! Deutschland kann mehr!

Moderator: Wissen Sie Frau Steinmerkel eigentlich, was ein Friseur in Berlin so verdient?

Steinmerkel: Dazu sage ich nichts. Ich beantworte die Fragen so, wie ich mir das vorgenommen habe.

Moderator: Und sie, Herr Steinmerkel?

Steinmerkel: Arbeit muss sich wieder lohnen. Es kann nicht sein, dass ein Manager Millionen verdient und ein Friseur nur einen Stundenlohn von einsfuffzig bekommt. Wir haben alles in unserer Macht stehende unternommen, um dies zu ändern. Aber unsere Koalitionspartner haben uns da leider Steine in den Weg gelegt.

Steinmerkel: Aber das stimmt doch gar nicht. Mein Friseur ist Millionär. Unser Volk will und darf nicht von jemandem regiert werden, dessen Friseur nur einsfuffzig bekommt. Arbeit muss sich wieder lohnen – auch und vor allem für Friseure, dafür stehe ich als Kanzlerin.

Moderator: Frau Steinmerkel – sie und Herr Steinmerkel kennen sich ja nun schon seit vier Jahren. Duzen Sie Sich eigentlich?

Steinmerkel: Nö. Der Steinmerkel ist ein altes Ferkel. Der will immer mit mir koalieren. So etwas duze ich nicht.

Moderator: Sie selbst wollen ja am liebsten mit Guido Westerwelle koalieren. Müssen wir dann einen sozialen Kahlschlag befürchten?

Steinmerkel: Wenn eine Karstadt-Kassiererin arbeitslos wird und ihr Chef kriegt eine Millionenabfindung, so muss ich mich doch sehr wundern. Wir stehen für ein schonungsloses Selbstregulierungssystem für Managergehälter. Wir haben die Kraft!

Moderator: Sie haben meine Frage nicht beantwortet.

Steinmerkel: Lassen Sie uns doch lieber über Inhalte sprechen.

Moderator: OK, wie wollen Sie die Schulden zurückbezahlen, die Sie in der Krise aufnehmen mussten?

Steinmerkel: Wir senken die Steuern und mobilisieren so das Wachstum. Mehr Wachstum für alle! Mehr Brutto vom Netto! Nur dann haben wir auch mehr Zukunft für alle.

Moderator: Sehen Sie das auch so, Herr Steinmerkel?

Steinmerkel: Nein, ganz und gar nicht. Arbeit muss sich wieder lohnen! Nur dann haben wir mehr Brutto vom Netto und das geht nur mit uns! Denken sie doch an die Kassiererin, die wegen eines Pfandbons vom einzfuffzig gefeuert wurde, während Manager Millionenprämien kassieren. Wir fordern daher schonungslose Selbstkontrolle! Dafür bin ich in die Politik gegangen.

Moderator: Danke Herr Steinmerkel, nun haben Sie noch die Gelegenheit für ein Schlussplädoyer. Warum sollte der Wähler ausgerechnet sie wählen?

Steinmerkel: Liebe Wähler und Wählerinnen. Am 27. September haben sie die Wahl. Wenn sie mehr Brutto vom Netto wollen und der festen Überzeugung sind, dass Deutschland mehr Zukunft für alle bieten muss und Arbeit sich wieder lohnen soll, dann wählen sie Steinmerkel. Deutschland kann mehr!

Moderator: Danke. Und nun sie, Frau Steinmerkel. Warum sollte der Wähler ausgerechnet sie wählen?

Steinmerkel: Danke für die gute Frage, Herr Moderator. Arbeit muss sich wieder lohnen und nur wenn wir alle, liebe Wählerinnen und Wähler, mehr Brutto vom Netto haben, können wir die Rahmenbedingungen schaffen, dass es wieder mehr Zukunft für alle gibt. Wir haben die Kraft! Wählen sie am 27. September Steinmerkel!

Moderator: Herr und Frau Steinmerkel, wir danken für das Gespräch.

Jens Berger

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