Reichtum
06. März 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Alle Jahre wieder erfreuen sich die Nationen ihres Reichtums. Natürlich gehr es hier nicht um das Durchschnittseinkommen, welches medial ein Mauernblümchendasein fristet. Nein, es geht darum, wer der reichste Mensch der Welt ist – eine Frage mythischen Ausmaßes. Beantwortet wird diese alljährlich in der berühmten „Forbes Liste”. Weil kaum jemand „Vista“ haben will und Microsofts sonstige Produkte auch nicht gerade Reißer sind, ist Bill Gates seinen Platz am Firmament endlich los und Warren Buffet darf fortan als reichster Mann der Welt bewundert werden. Buffet ist Investmentbanker und dies ist ja bekanntlich ein sicheres Geschäft – vor allem im letzten Jahr.
Im Olymp des Mammons sind eher krude Zeitgenossen vertreten. Jede Menge Inder tummeln sich unter den Top10. Sie haben zwar viel Geld, können sich dafür auf einem ostdeutschen Volksfest noch nicht einmal eine Bratwurst kaufen - zumindest sollten sie es nicht versuchen. Auf Platz Nummer Sieben findet man einen kauzigen alten Schweden, der mal die Idee hatte, gepresste Holzspäne als Möbelbausets zu verkaufen. Eine geniale Idee - Menschen, die Plastikbrüste anbeten, lieben auch Möbel aus Presspappe. Neben vielen unrasierten Russen, die normalerweise in keinem besseren Hotel ein Zimmer bekämen, ohne im Voraus bezahlen zu müssen, gibt es dort noch die üblichen Verdächtigen: Alte Männer, alte und junge Witwen und deren junge und schnöselige Erben. So weit, so langweilig – interessant wird es dann, wenn man die Zahlen einmal statistisch auswertet.
Verfügten die deutschen Milliardäre im letzten Jahr noch über 245 Mrd. US$, so werden sie für 2008 auf stolze 285 Mrd. US$ taxiert – ein Einkommenszuwachs von beachtlichen 16% und dies selbstverständlich nicht wie bei Zumwinkels unter Sofa, sondern nach Steuern. Der Vermögenszuwachs dieser 59 Deutschen betrug also rund 40 Mrd. US$. Dies wären für jeden Deutschen, vom Säugling bis zum Greis 500 US$ - ein schönes Weihnachtsgeschenk, könnte man meinen. Natürlich haben die Albrechts nicht Tausende von Goldmünzen in ihrem Geldspeicher, den sie mit einer Schrotflinte gegen die Panzerknacker verteidigen müssen, sondern ihr Geld ist gut angelegt. Ein Vermögenszuwachs muss aber erwirtschaftet werden und dies wird im Allgemeinen über Gewinne gemacht, die irgendwo herkommen müssen. Schaut man auf die Betätigungsfelder der deutschen Milliardäre, weiß man, wo das Geld herkommt: ALDI, Tengelmann, die Metro-Gruppe, Schlecker, Deichmann, Tschibo, der Otto-Versand und Quelle sind dort an prominenter Stelle vertreten. Nicht zufällig engagieren sich die deutschen Milliardäre anscheinend gerne in Branchen, in denen der Mindestlohn ein Thema ist. Warum dieses Thema allerdings, genau so wie “Reichensteuer”, Erhöhung der Vermögenssteuer oder andere “kommunistische” Themen kaum diskutiert wird, erklären die Namen der anderen deutschen Milliardäre - Bertelsmann, Burda, Bauer, Springer und Holtzbrinck sind dort eben so zu finden, wie ihre internationalen Pendants. “Wer die Kapelle zahlt, bestimmt welche Musik gespielt wird” sagt der Volksmund - vielleicht ist da ja was dran.
Die deutschen Milliardäre stehen allerdings international eher bedauernswert da. Im boomenden Entwicklungsland Indien gibt es mittlerweile 47 Milliardäre, die über stolze 335 Mrd. US$ verfügen. Damit besitzen sie ungefähr soviel, wie 337 Mio. ihrer Landsleute innerhalb eines Jahres verdienen. Geradezu gigantisch ist auch die Milliardärswachstumsrate in Russland. Gab es dort im letzten Jahr “nur” 53 Milliardäre mit einem Gesamtbesitz von 282 Mrd. US$, so sind es dieses Jahr 88 Milliardäre, die über 484 Mrd. US$ verfügen. Das sind die Jahreseinkommen von 105 Mio. durchschnittlichen Russen. Nimmt man nur die 53 reichen Russen, die schon im letzten Jahr in der Forbes-Liste auftauchten, so sind diese innerhalb eines Jahres 155 Mrd. US$ reicher geworden. Somit haben 53 Russen innerhalb eines Jahres so viel “verdient”, wie 34 Mio. Durchschnittsrussen. Dagegen nehmen sich die deutschen Superreichen geradezu bescheiden aus. Die 59 reichsten Deutschen “verdienten” innerhalb eines Jahres so viel wie knapp 1 Mio. Durchschnittsdeutsche oder aber 1,35 Mio. Ostdeutsche. Von diesem Einkommen könnte man fast 10 Mio. Hartz-IV Empfängern ihren Regelsatz auszahlen.
Dies sind wohl die Folgen eines globalisierten Turbokapitalismus. Das Gesamtvermögen der Forbes-Liste stieg innerhalb eines Jahres von 900 Mrd. US$ im Jahre 2007 auf 4.400 Mrd. US$ im Jahre 2008 - eine Umverteilung sondergleichen. SPON hat es geschafft innerhalb eines einzigen Tages sieben Artikel und Bilderklickreihen zu diesem Thema zu verfassen - überflüssig zu erwähnen, dass kein einziger dieser Artikel nur den Hauch von Kritik enthielt. Die Familie Mohn, die über Bertelsmann auch am SPIEGEL beteiligt ist, steht selbstverständlich auch in der Forbes-Liste, aber das ist sicher nur Zufall. Dänemark hat übrigens nur einen Vertreter auf der Liste und der stellt politisch neutrales Plastikspielzeug her.
Jens Berger
Kategorie: Deutschland, Glosse | 36 Kommentare






























































In der Beletage der deutschen Wirtschaft geht die nackte Panik um und alles hat im entferntesten Sinne etwas mit ihrem gefallenen Engel
Eigentlich beunruhigt den Herrn Ackermann natürlich keinesfalls die Infamie der Eliten, es geht ihm mehr darum, dass dies alles irgendwie besser vermittelt werden muss. Angst hat er vor einem Erstarken linker Gedanken, die den Wohlstand unseres Landes gefährden und am Ende nur alle ärmer machen, während die Ackermänner doch alles tun, um uns alle reicher zu machen. Na klar, glauben tut das niemand, aber daher muss ja auch die Kommunikation gestärkt werden, und dem Menschen erklärt werden, warum es eigentlich gut für ihn ist, wenn er entlassen wird und nur noch Hartz-IV bekommt. Joe Ackermann ist natürlich genau der richtige Mensch, um sich über den Zusammenhang von Recht, Moral und Wirtschaft zu äußern. Unvergessen ist sein Statement während des Mannesmannprozesses, in dem er wegen schwerer Untreue zwei Jahre Haft bekommen sollte, aber natürlich frei
Im Falle Zumwinkel machen es sich alle sehr leicht – schuld und böse ist, wer gegen das Gesetz verstößt und dabei erwischt wird. Wer Gesetze ein wenig freier gestaltet oder mit Hilfe der Politik gestallten lässt, muss sich anscheinend keine Sorgen um die eigene Moral mehr machen. Wer wegen willkürlich gesetzter Renditeerwartungen seine ihm Anvertrauten in das wirtschaftlich Nichts stürzt, ist nach den selbstgesteckten Moralregeln der Eliten keineswegs unmoralisch. Sogar der lammfromme Jesus aus der Bibel wurde zum Beserker, als er die “Händler” und “Geldwechsler” mit einer “Peitsche aus Binsen” aus den Tempeln vertrieben hat. Die Moral der Eliten ist eine denkbar einfache – man stellt selbst die Regeln auf, gegen die man nicht verstoßen will, eine Art FSK für Wirtschaftsführer. 

Es ist soweit, die militanten Nichtraucher zeigen ihr wahres Gesicht. Bisher ist es ihnen gelungen, sich als Opfer einer immer und überall qualmenden Gesellschaft darzustellen. So bezeichnen sie sich auch nicht mehr als Nichtraucher, was irgendwie eine unsympathische Verweigerungshaltung impliziert, sondern als Passivraucher. Passiv, klingt schon besser und erinnert an Gandhi.
Also sitzt der Passivraucher zu Hause bei einem Glas Sekt und sieht fern. Und erblickt Helmut Schmidt sowie seine Frau Loki, die dreisterweise bei einer Hamburger Neujahrs-Gala ihre Zigaretten wegquarzen. Das passt dem Passivraucher nun gar nicht. Er ist so erbost, dass er sich Nichtraucherinitiative nennt und den Uralt-Kanzler wegen Körperverletzung anzeigt. Da ist es ihm auch egal, dass er in Wiesbaden saß, während Helmut Schmidt in Hamburg rauchte. Von Passivrauchen kann da ja keine Rede sein. Aber so ist er, der Passivraucher, geht nicht in Kneipen und zeigt alte Männer an.
Übrigens darf in Wasserpfeifencafés keine Wasserpfeife mehr geraucht werden. Denn „ein Wasserpfeifencafé fällt unter den Begriff Gaststätte.“ Zumal entstünden durch das Glimmen der Wasserpfeife krebserzeugende Stoffe, was das Passivrauchen ähnlich gefährlich machen würde wie das Passivrauchen von Zigarettenqualm. Da können sich die vielen Passivraucher, die Wasserpfeifencafés besuchen, ja glücklich schätzen. Geraucht werden darf allerdings in Friseursalons. Es sei denn, hier würden Getränke verkauft, dann wäre es nämlich eine Gaststätte.
SF: Herzlich willkommen Herr Koch. Ihr Wahlkampfthema “
SF: Ordentlich grüßen. So wie 1937?
SF: Orientierungslager? Das weckt aber böse Assoziationen.
SF: Nun ja, es kommt aber doch meist aus bayerischen Schlachthöfen.















