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05. April 2011 von Spiegelfechter
»Das ist nicht mehr die alte Gang!« klagt der Alte und läßt seinen musternden Blick über eine Tischrunde der neuen Parteispitze in der Mitte des Lokals wandern. »Jetzt kommen die Quexe – die naßforschen Typen – die Maulhelden.«
Seit kurzem unterscheiden sich zwei Gruppen im Lokal: die »alten Säcke«, wie die Parteifreunde des Alten sich selber nennen, und die »jungen Marschierer«, die weltanschaulich Durchgeformten, die mit dem Glauben an den Markt im Blick, die Kinnmuskelspanner, wie sie der Alte nennt, die vor dem Spiegel den dräuenden Bella-Donna-Blick üben und den Hintern ohne Not verkneifen, nur weil es Mode ist, mit zusammengepreßten Gesäßbacken federnd auf den Ballen zu wippen, das Körpergewicht leicht nach vorn verlagert. Ich starre diese Versammlung junger Helden an, als sehe ich sie zum erstenmal. Strichmünder mit scharfen Kerben zu beiden Seiten. Schnarrstimmen. Geschwellt von Elitebewußtsein und geltungssüchtig bis dorthinaus. Nichts anderes im Kopf als: Die Lobby schaut auf dich – Unsere Fahne ist mehr als das Volk.
aus Lothar Günther Buchheim – Das Boot (minimal geändert)
Anregung für die Teile II ff. werden gerne entgegengenommen ;-)
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01. April 2011 von Spiegelfechter
Interne Dokumente, die den NachDenkSeiten vorliegen, bestätigen, was die Spatzen bereits seit längerem von den Dächern pfiffen: Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wird in den Vorstand der Axel Springer AG wechseln. Er wird dort Nachfolger von Andreas Wiele, der seinerseits in den Vorstand der RTL-Group wechselt. Zum Verantwortungsbereich Guttenbergs wird dabei neben der BILD-Gruppe auch das neugeschaffene Ressort Social-Media-Relations gehören. Der Axel Springer Verlag sieht hier vor allem auf Facebook ein großes PR-Potential, das bislang noch weitestgehend brachliegt.
In Medienkreisen wird diese Personalentscheidung durchweg positiv aufgenommen. Karl-Theodor zu Guttenberg ist bereits seit längerem eng mit dem BILD-Chefredakteur Kai Diekmann befreundet und pflegte während seiner aktiven politischen Karriere eine für beide Seiten geschäftlich überaus fruchtbare Beziehung zu seinem neuen Vorstandsmitglied. „Im letzten Jahr war Karl-Theodor zu Guttenberg ja quasi Dauergast in der BILD-Redaktion, da fällt der Übergang in das neue Geschäftsfeld leicht“, so ein Branchenexperte gegenüber den NachDenkSeiten. Letzte Bedenken wegen zu Guttenbergs nicht sonderlich beeindruckender Berufserfahrung in der Medienbranche, konnte der Baron leicht ausräumen: Er sei von 1988 bis 1991 bereits in verantwortlicher Position bei einem Rosenheimer Medienunternehmen tätig gewesen und daher auf seine neuen Aufgaben bestens vorbereitet. Recherchen der NachDenkSeiten ergaben jedoch, dass es sich bei dem „Rosenheimer Medienunternehmen“ um die Schülerzeitung des Ignaz-Günther-Gymnasiums gehandelt haben muss, an dem zu Guttenberg am 1. April 1991 sein Prädikatsabitur machte.
Weiter auf den NachDenkSeiten
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29. März 2011 von Spiegelfechter
ein Gastquiz von Boris Kazda
Es gibt so etwas wie die beleidigte Leberwurst des gehobenen rechten Feuilleton, und die Quizfrage lautet: Wie ist der Name dieser Leberwurst?
Soviel sei verraten: Es handelt sich um einen Mann, und das Feuilleton der Leser, die nur Hauptsätze lesen, bedient Franz Josef Wagner von der Bildzeitung, also scheidet der schon mal aus. Unser gesuchter Feuilletonist ist sozialisiert in einem bildungsbürgerlichen alleinstehenden Elternhaus mit eigenem Garten in einem der besseren Viertel der Stadt, wo es schon als progressiv links galt, sozialdemokratisch zu sein und als nahezu revolutionär, grünen Ideen anzuhängen, und was mochten da erst die Nachbarn gedacht haben. Wir reden hier von den 1980er Jahren, und Sie merken schon, wir begeben uns in ein unappetitliches Milieu.
Seine Welt, gegen die er schreibt, ist adoleszent. Ein erwachsener Mann, der sich aufführt wie ein kleiner Junge.
Zu dunkel bisher, kryptisch formuliert? Na, kommen Sie, so schwer ist das doch nicht.
Ein Hinweis noch: In den Kreisen, die er mühevoll bedient, gilt das Bashing von Linken als verwegen. Er muss sich dann wohl vorkommen wie ein 10jähriger, der sich traut, vor der versammelten Schulklasse laut “Ficken“ zu sagen, nur kriegt er heute keinen Eintrag ins Klassenbuch mehr, sondern verdient damit vermutlich gutes Geld. Wie man hört, lockt man unter Linken mit Konservativenbashing schon längst niemanden mehr hinter dem Ofen hervor (erweckt bestenfalls noch Gähnen und Langeweile), denn am besten Bashen sich die Konservativen immer noch selber.
Antworten sind im Kommentarbereich erbeten.
Zu gewinnen gibt es ein Fahrrad mit Flügeln!
Boris Kazda
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17. Februar 2011 von Spiegelfechter
eine Gastglosse von Holdger Platta
Baron von Guttenberg wird vorgeworfen, daß er abgeschrieben hat. Geistiger Diebstahl also, aber was wundern wir uns? Der Geist des Diebstahls hat den Adel einstens ja großgemacht. Heißt: unser neuester Held aus der bundesdeutschen Gel-Edelgalerie hat nur nachexerziert, auf bürgerlichem Terrain, was die Vorfahren über viele Jahrhunderte hinweg vorexerziert haben – auf aristokratischem Gebiet: anderen Menschen deren Eigentum zu klauen, den Zehntteil von allem, was ihre Bauern erwirtschaftet hatten, sowie die Jungfräulichkeit der bürgerlichen Bräute aus ihrem Territorium gleich mit. Keine Aufregung also: daß Herr von Guttenberg MitbürgerInnen bestohlen hat, dies steht in bester alter Tradition und ist nichts anderes als Brauchtumspflege auf Aristokratenart!
Witzig scheint mir deswegen nur, daß eine der bestohlenen WissenschaftlerInnen ausgerechnet „Zehnpfennig“ heißt! Wer es nicht wissen sollte: auf genau diese bäuerliche Abgabepflicht des Zehnten gegenüber dem Adelsherren geht dieser Name „Zehnpfennig“ zurück! Was bedeutet: Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig ist mit diesem Beklautwerden durch Herrn von Guttenberg lediglich in die eigene Familientradition des Beklautwerdens zurückgekehrt.
Da sage noch einer, die Geschichte habe keinen Humor und wiederhole sich nicht!
Holdger Platta
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08. Februar 2011 von Spiegelfechter
Undank ist der Welten Lohn! Was sollen eigentlich junge, aufstrebende Talente, die sich für das Berufsbild des Diktators entschieden haben, denken, wenn sie sich das unwürdige Geschachere um die wohlverdiente Altersruhestätte des scheidenden ägyptischen Diktators Husni Mubarak anschauen müssen? Der gute Mann hat dem Westen immerhin über 30 Jahre treu gedient und die Erwartungen, die man in ihn setzte, übererfüllt. Ja meint denn die verweichlichte westliche Öffentlichkeit, der Herr Mubarak hätte freiwillig Oppositionelle foltern lassen? Nein, das tat ihm sicherlich genau so weh wie den Folteropfern und der Westen sollte lieber dankbar sein, dass es immer noch selbstlose Diktatoren gibt, die ihm die Drecksarbeit abnehmen.
Dass sich Husni Mubarak seine treuen Dienste mit einer inoffiziellen Aufwandsentschädigung von rund 50 Milliarden Euro kompensiert hat, kann doch niemanden ernsthaft stören. Das Volk hätte das Geld eh nur für sinnlose Dinge wie Brot oder Billigtextilien aus China ausgegeben – davon profitiert die deutsche Volkswirtschaft nicht. Wer bitteschön soll sich denn unsere schönen Luxusexporte vom Schlage eines Porsche Cayenne leisten? Ägyptische Bauern? Wohl kaum. Aber das sieht in diesem Land natürlich wieder einmal niemand ein. Stattdessen wird unser treuer Diener am Suez-Kanal auch noch in den Dreck gezogen. Er soll in Deutschland Milliardenwerte “gebunkert” haben, so ein FDP-Außenpolitiker. Seit wann spricht man eigentlich so despektierlich von Direktinvestitionen? Sind die Abermilliarden, die Jahr für Jahr aus den Musterdemokratien am Persischen Golf in Deutschland investiert werden, nun etwa auch Bunkergut? Nein, denn es gibt schließlich einen kleinen aber feinen Unterschied zwischen Diktatoren und Ex-Diktatoren. Um sich das Wohlwollen – und natürlich das Geld – aktiver Diktatoren zu sichern, sollte man jedoch gesteigerten Wert auf den Umgang mit Ex-Diktatoren legen. Denn jeder aktive Diktator weiß, dass er schon morgen Ex-Diktator sein kann und legt daher natürlich einen besonderen Wert auf das Diktatoren-Entsorgungsprogramm seiner demokratischen Förderer und Verbündeten.
Dictator-Relationship-Management für Dummies
In Zeiten des Kalten Krieges gab es zwei potentielle Großabnehmer für ausgebrannte Diktatoren – die USA und die Sowjetunion. In der Sowjetunion war es jedoch kalt und dummerweise brach sie zum gleichen Zeitpunkt zusammen wie die meisten der von ihr gestützten Diktaturen, was eine fachgerechte Entsorgung erschwerte. Auch die USA waren nie ein wirklich guter Altersruhesitz für Diktatoren. Als besonders ärgerlich stellte sich im Laufe der Zeit die politische Wankelmütigkeit und der immanente Undank des demokratischen Systems heraus. So wurde beispielsweise der treue Schah, Mohammad Reza Pahlavi, der von den USA erst ins Amt geputscht wurde, nach seinem Sturz und einem kurzen Krankenhausaufenthalt in New York auf einem abgeschirmten Luftwaffenstützpunkt entsorgt und dann mit Hilfe der treuen Diktatur Ägypten in Kairo endgelagert. All dies nur, weil bärtige Islamisten aus Protest die US-Botschaft in Teheran besetzt hatten.
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