Ein offener Brief an die Bundeskanzlerin

geschrieben am 25. August 2009 von Spiegelfechter

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,

da Ihre Bürgernähe ja legendär ist und nur Sie mir weiterhelfen können, wende ich mich heute einmal direkt an Sie. Frau Dr. Merkel, ich habe ein Problem. Meine Geburtstagsvorbereitungen stecken in einer strukturellen Krise. Ich habe vor, zu meinen 37. Geburtstag am 14. November dieses Jahres etwa 30 Freunde und Freundinnen aus Deutschland und der Welt einzuladen, mit denen ich gerne einen Abend zusammen sein würde. Ich bin zwar ganz Ihrer Meinung, wenn Sie sagen, dass wir gerade in Zeiten der Weltwirtschaftskrise alle enger zusammenrücken müssen, aber meine Wohnküche ist einfach zu eng, um dort 30 Personen standesgemäß bewirten zu können. Dass ein leidlich bekannter deutscher Politblogger – mithin eine Stütze der Gesellschaft – seinen Gästen nicht zumuten kann, in Grüppchen á 6 Personen zu speisen, um dann den Platz für das nächste Grüppchen freizumachen, wird Ihnen sicher einleuchten. Standesgemäß in einem gehobenen Hotel zu dinieren, sprengt allerdings meine Liquiditätsreserven und ich möchte ja nicht in die prekäre Lage kommen, beim Deutschlandfonds Staatsgarantien für mein Blog zu beantragen.

Wie Sie, liebe Frau Dr. Merkel, ja sicher wissen, ist es auch nicht immer leicht, seine Freunde zu beeindrucken. Nachdem sich herumgesprochen hat, dass die gerahmten Fotos in meinem Büro, die mich zusammen mit der Königin von England, dem Dalai Lama und dem Papst zeigen, nur Montagen sind, muss ich nun ein echtes Ausrufezeichen setzen, um meinen Ruf zu retten. Was wäre dafür besser geeignet, als meinen Geburtstag im Bundeskanzleramt zu feiern? Das wäre stilvoll und hätte was, selbst für meine verwöhnten Freunde. Das I-Tüpfelchen auf der Kirsche auf dem Sahnehäubchen wäre natürlich, wenn Sie sich bei dieser Gelegenheit ein paar Minuten Zeit nehmen könnten, um meine Freunde per Handschlag zu begrüßen.

Sollten Sie Bedenken haben, dass derlei demonstrative Nähe zwischen dem Bundeskanzleramt und der deutschen Blogosphäre öffentlich Wellen schlagen könnte, so kann ich sie beruhigen. Von mir erfährt noch nicht einmal das ZDF Interna. Das liegt natürlich vor allem daran, dass beim ZDF noch niemand auf die Idee gekommen ist, mich zu interviewen. Das wird sich aber ändern, wie ich Ihnen bereits jetzt versichern kann. Ich spiele nämlich mit dem Gedanken, meine „Corporate Identity“ durch einen Irokesenschnitt in den Farben Schwarz-Rot-Gold zu stärken – dann kommt auch Anne Will nicht mehr an mir vorbei. Aber dieses Internum muss erst einmal unter uns bleiben, da verlasse ich mich ganz auf ihre Verschwiegenheit, verehrte Frau Dr. Merkel.

Über die Rechnung brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen – von mir aus können Sie die Veranstaltung auch als ein Abendessen mit Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft deklarieren. Meine Freunde gehören – da kann ich Sie beruhigen – alle der Gesellschaft an und sind auch häufiger in der Wirtschaft.

Es wäre nett, wenn Sie, Frau Dr. Merkel, mir zeitnah eine Zusage erteilen könnten. Da ich natürlich einsehe, dass Sie so mitten im Wahlkampf wenig Zeit haben, kann ich Ihnen anbieten, die Einzelheiten, wie beispielsweise die Menüfolge, den Limousinenservice und die Übernachtungsmöglichkeiten für meine Freunde im Adlon, auch mit ihrem Kanzleramtsminister auszuhandeln.

In innigster Verbundenheit verbleibt

Ihr Spiegelfechter Jens Berger

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SPD krümmelt sich zum Endsieg

geschrieben am 10. Juli 2009 von Spiegelfechter

Sonntagfrüh im Morgengrauen – ein vermummter Mann verschafft sich Zutritt zum Gelände des Atomkraftwerkes Krümmel. Bewaffnet mit einem Werbekugelschreiber der SPD, dringt er in ein Transformatorenhäuschen ein und verursacht dort mit der Mine des Schreibgeräts einen Kurzschluss. Zeugen, die auf wundersame Art und Weise verschwanden, deren Aussagen aber der Redaktion vorliegen, beschreiben den Mann, der in einem schwarzen Mercedes mit Berliner Kennzeichen flüchtete, als Hubertus Heil, seines Zeichens Chefideologe und Generalsekretär der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Einen Monat vorher hatte Vizekanzler Steinmeier im engsten Führungskreis die erste Stufe des streng geheimen „Unternehmens Septembersonne“ ausgerufen. Wie sonst sollte man die schwarz-gelben Horden daran hindern, Berlin zu überrennen? Die SPD steht mit dem Rücken zur Wand. Es sind nur noch knapp 75 Tage bis zu den Bundestagswahlen und die Wahlkämpfer der Sozialdemokraten sind in etwa so beliebt wie die Zeugen Jehovas – nur, dass letztere erfolgreicher im Verteilen ihrer Werbeschriften sind. Um die entscheidende Wendung zu erreichen, mussten sich die Strategen der Kampa im Vizekanzlerbunker nicht weniger als ein Wunder einfallen lassen.

Früher waren keine Wunder nötig. Früher hatte das Schicksal sein Erbarmen mit der Partei und sorgte dafür, dass diese sich vor den Wahlen bravourös in Szene setzen konnte. Früher gab es noch ordentliche Tiefdruckgebiete über der Adria, die dazu führten, dass der Größte Kanzler aller Zeiten höchstpersönlich und in Gummistiefeln seine Wähler in der Ostmark vor den tödlichen Fluten der Elbe retten konnte. Früher gab es auch noch Bush den Jüngeren, der dem Größten Kanzler aller Zeiten mit seinen Plänen, den Irak zu überfallen, eine wahltaktische Steilvorlage gab. Der Größte Kanzler aller Zeiten konnte auch noch in der hoffnungslosesten Situation das Blatt wenden. Heute ist sein ehemaliger Famulus in der Position des Hoffnungsträgers der deutschen Sozialdemokratie – ein hoffnungsloser Fall für die Kampa im Vizekanzlerbunker. Man musste von der alten LIHOP- zur wesentlich wirksameren MIHOP-Strategie übergehen.

Einmal mehr war es Sigmar Gabriel, der die rettende Idee hatte. Nachdem er vor zwei Jahren mit seinem Coup gescheitert ist, seinen Adoptivsohn Knut zum Parteivorsitzenden zu machen, hat der ehemalige Popbeauftragte der Partei mittlerweile gelernt, im Team zu spielen. Sein Ideenlieferant war niemand anderes als Jürgen Trittin, der ihm in einer rotweinschwangeren Sommernacht erzählte, wie die Grünen 2005 die Wahl retten wollten. Der Ausstieg aus der Atomkraft ist das einzige Alleinstellungsmerkmal von Rot-Grün. Dumm nur, dass man im Normalfall damit keinen Wähler hinter dem Ofen hervorlocken kann – außer, man erweckt den Eindruck, die deutschen Kernkraftwerke stünden kurz vor dem Super-GAU. Bei einer Besucherführung im AKW Biblis hatte damals Claudia Roth insgeheim einen Montagedübel gegen einen Fischer-Dübel aus dem Baumarkt ausgetauscht. Der perfide Plan scheiterte letztendlich lediglich deshalb, weil RWE den Fehler erst ein Jahr später bemerkte. So etwas sollte der SPD nicht passieren.

Als das Kernkraftwerk Krümmel nach längerer Pause Mitte Juni wieder ans Netz ging, sorgte der korpulente Umweltminister höchstpersönlich für die erneute Abschaltung, indem er bei einem Kontrollbesuch den Inhalt seiner Kaffeetasse heimlich in eine Schaltkonsole kippte. Stufe 2 des „Unternehmens Septembersonne“ lief am letzten Samstag an, und diesmal war es Hubertus Heil, der sich in guter alter Guerilla-Manier für die SPD einsetzte und ein Transformatorenhäuschen sabotierte. Gabriel war unabkömmlich – wie im Ablaufplan des „Unternehmens Septembersonne“ vorgesehen, weilte er Anfang der Woche im fernen Tschernobyl. Von wo, wenn nicht von hier, könnte er öffentlichkeitswirksam die heiße Phase des Wahlkampfes eröffnen? Gleichzeitig fand im fernen Berlin der Relaunch des Internetaufritts des Umweltministeriums statt, dessen neue Seiten den Besucher denken lassen, er habe sich auf die Seiten einer Anti-Atomkraft-Plattform verirrt. Seitdem lässt Gabriel keine Gelegenheit aus, sich und seine Partei als Atomkraftgegner in die Medien zu bringen. Nun ließ man auch den Kandidaten höchstpersönlich von der Kette. Würden SPD-Politiker auch ihre eigene Großmütter für ein paar Wählerstimmen verkaufen – Frank-Walter Steinmeier meint es ernst mit dem Atomausstieg!

Sollte sich der deutsche Michel auch weiterhin stur stellen und die SPD trotz des Segens des sozialdemokratischen Atomausstiegs nicht mit Rekordumfragewerten belohnen, tritt Stufe 3 des „Unternehmens Septembersonne“ in Kraft. Ein Spezialkommando der Jusos, das bereits zu diesem Zweck vom FSB ausgebildet wurde, soll in den Abendstunden des 14. September das Kernkraftwerk Gundremmingen stürmen und dort – unter Umgehung der Sicherheitssysteme – eine Kernschmelze herbeiführen. Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier werden dann in Schutzanzügen von Hubschraubern des BGS in die schwäbische Provinz geflogen, um die Arbeit der Liquidatoren zu unterstützen. Die SPD rechnet damit, im Erfolgsfall sogar die absolute Mehrheit bei der Bundestagswahl zu bekommen – alles andere wäre ein GAU.

Jens Berger

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100 Zeilen Hass für Sabine Bätzing

geschrieben am 02. Juni 2009 von Spiegelfechter

„Das ist ein Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel“ – dieses Zitat wird dem Altkanzler Helmut Schmidt zugeschrieben. Für Sabine Bätzing ist die Welt ohne große Zweifel. Die Bundesdrogenbeauftragte hätte allerdings auch so ihre Probleme mit dem kantigen Altkanzler. Die Versuche der 34-jährigen, dem Souverän seine Entscheidungsfähigkeit in alltäglichen Dingen wie dem Tabakkonsum abzusprechen, würden bei ihrem 91-jährigen Parteifreund sicher nur ein abschätziges Augenbrauenzucken hervorrufen. Sabine Bätzing hat den Rauchern den Krieg erklärt. Für die Winteroffensive 2010 plant sie die Einführung sogenannter „Schockbilder“ auf Zigarettenschachteln. Mehr als die Hälfte der Packung soll dann mit Bildern von Lungenkarzinomen, faulenden Zähnen und toten Föten bedeckt sein. Früher zeigten Zigarettensammelbilder ästhetisch ansprechendere Motive – aber früher war ja auch alles besser. Früher trafen sich angesehene, kantige Journalisten zum Frühschoppen bei Werner Höfer, qualmten, tranken Wein und führten hitzige Debatten. Heute heißt der Nachfolger von Höfers Sendung Presseclub und die dort bei einem Glas Mineralwasser palavernden Journalisten langweilen den Zuschauer mit blutleeren Worthülsen – geraucht wird dabei natürlich nicht, Rauchen darf im Fernsehen nur noch der Altkanzler.

Wenn die Politik auf die elementaren Fragen unserer Zeit keine Antworten findet, dilettiert sie gerne auf Nebenkriegsschauplätzen herum. Besonders beliebt sind dabei solche Themen, bei denen sie auf ihre moralische Lufthoheit pochen kann. Galt es früher als selbstverständlich, dass der Bürger ein erwachsenes Individuum ist, dessen Freiheit nicht über Gebühr eingeschränkt werden darf, so definiert sich die heutige Politik als „gütiger Vater“, der den unmündigen Bürger an die Hand nimmt und ihm zeigt, was gut und was schlecht für ihn ist. Dass das Rauchen – pragmatisch betrachtet – schlecht für den Bürger ist, steht außer Zweifel. Noch nicht einmal der ignoranteste Kettenraucher würde die gesundheitsschädliche Wirkung des Rauchens abstreiten. Aber Freiheit bedeutet auch, unvernünftige Dinge tun zu dürfen. Verbote und Drangsalierungen sind immer ein Stück Unfreiheit, die nur dann in Betracht gezogen werden darf, wenn andernfalls die Freiheit der Anderen überproportional beeinträchtigt wird.

Ob das Anbringen von Schockbildern auf Zigarettenschachteln einen nützlichen Effekt hat, ist umstritten. In Ländern wie Belgien, Kanada oder Thailand, in denen dieses Instrument bereits eingesetzt wurde, sind die meisten Raucher auf Zigarettenetuis umgestiegen. Wer will auch schon täglich mit den potentiellen Negativfolgen seines Handelns konfrontiert werden. „Rauchen verursacht tödlichen Lungenkrebs“, so prangt es bereits heute auf den Zigarettenschachteln. Wenn solche drastischen Formulierungen, ohne Konjunktiv oder Fallwahrscheinlichkeit, auch auf Beipackzetteln von Medikamenten stünden, würde wohl niemand mehr zur Aspirin greifen, wenn ihn nach der Lektüre von Sabine Bätzings „Weisheiten“ der Kopf schmerzt. Für die „Volksgesundheit“ dürfte die Einführung von Schockbildern auf Zigarettenpackungen zumindest keinen negativen Effekt haben – aber muss die Politik alles tun, was im Zweifel nicht schadet?

Das Leben hat viele Nebenwirkungen und endet stets tödlich. Neben dem Rauchen gibt es viele andere Aktivitäten, die potentiell schädlich sind. Wie lange dauert es noch, bis Bilder von Leberzirrhosen auf Bierflaschen prangen? Wird der Schokoriegelkonsument bald mit Bildern von Magengeschwüren konfrontiert? Muss VW künftig 50% der Werbefläche in Hochglanzmagazinen mit Bildern von Gliedmaßen, die bei einem Autounfall abgetrennt wurden, ausfüllen? Oder schmücken bald Bilder mit toten Föten Viagra-Packungen? Sex kann schwanger machen, mit unberechenbaren Folgen. Auch gesellschaftlich geförderte Freizeitaktivitäten sind nicht risikolos. Warum näht man keine Bilder mit abgerissenen Patella-Sehnen auf Joggingschuhe? Sollte man die Hälfte der Werbefläche auf Fußballtrikots nicht mit Bildern offener Schienbeinbrüche plakatieren? Nein – einstweilen sind nur die Raucher die Parias der „Super-Nanny-Gesellschaft“. Man hat Raucher für moralisch vogelfrei erklärt und lebt an ihnen die abstoßende Sucht zur Maßregelung anderer Menschen aus. Schockbilder auf Zigarettenpackungen sollen auch keinesfalls den Raucher von seiner verwerflichen Genusssucht abhalten – sie sollen ihm ein schlechtes Gewissen verursachen damit letztendlich die Genussfeinde in einem „noch“ besseren Licht dastehen lassen.

Wer heute noch seiner Genusssucht frönen will, wird am Arbeitsplatz oder in der Kneipe wie ein Hund mit Verdauungsstörungen vor die Tür geschickt. Selbst auf den offenen Bahnsteigen darf der arme Sünder trotz steifer Brise nur in gelben Aussätzigenzonen rauchen. Das gesellschaftlich geförderte Genörgel über „die Raucher“ ist dabei kaum mehr als verlogene Selbstgerechtigkeit. Während das Rauchen in der Ober- und Unterschicht weitgehend toleriert wird, hat sich in der Mittelschicht eine leise Pogromstimmung eingestellt. Wer seine vermeintliche moralische Überlegenheit so sorgsam pflegt, wie die Gartenzwerge in seinem Vorgarten, hat in „den Rauchern“ ein denkbar dankbares Opfer gefunden. In einer Gesellschaft mit Hang zum Paternalismus und Kontrollwahn ist sich jeder selbst der nächste, und das berühmt-berüchtigte Zitat von Henryk M. Broder wird zur kollektiven Positionsbestimmung – „es macht mehr Spaß Täter statt Opfer zu sein“. Wer sich in die wirkmächtige Schar der Raucherbasher einreiht, ist oberflächlich auf der Seite der Sieger – Täter sind meistens Sieger.

Würde Rosa Luxemburg heute noch leben, sie würde immer noch sagen: „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“. Für Nichtraucher wäre Freiheit somit auch immer die Freiheit der Raucher. Würde Voltaire heute noch leben, so würde sein Credo auch heute noch lauten: „Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.“ Der moderne Voltaire wäre vielleicht Nichtraucher – aber trotz seiner Verachtung für Raucher würde er auch heute sein Leben dafür geben, dass sie rauchen dürfen.

Es ist natürlich unfair, heutige Politiker an einem großen humanistischen Denker wie Voltaire zu messen. Man ist ja schon bescheiden geworden und schon froh, wenn sie ihre Arbeit ohne allzu große Fehler machen. Würde man das deutsche Volk hassen, so würde man sagen, es hat mit Sabine Bätzing genau die Politiker, die es verdient. Kein Volk der Erde hat allerdings Politiker wie Sabine Bätzing verdient. Warum eine lustfeindliche Puritanerin vom Posten der Bundesdrogenbeautragten aus gegen ihre sinnenfrohen Mitmenschen Amok laufen kann, ist allerdings unerklärlich. Wer bei Frau Bätzing nach irgendeiner noch so geringen Qualifikation für das Amt einer Drogenbeauftragten sucht, sucht vergebens. Die junge Dame hat nach einer Ausbildung im gehobenen nichttechnischen Staatsdienst eine Stelle in der EDV-Verwaltung ihrer Heimatgemeinde bekleidet. Dafür gehört sie zu den „Netzwerkern“ innerhalb der SPD – einem Interessenverband, dem es zuvörderst um die eigene Karriere geht, wobei politische Themen eine untergeordnete Rolle spielen. Wäre Frau Bätzing in der „richtigen“ Partei, so wäre sie eine heiße Kandidatin für die Nachfolge für “Zensursula” von der Leyen, die Insidern zufolge nach den Wahlen Gesundheitsministerin werden will. Zum Glück hat Frau Bätzing aber das falsche Parteibuch und es bleibt zu hoffen, dass ihre Karriere im Herbst ein jähes Ende nimmt.

P.s.: “100 Zeilen Hass” war der Name einer legendären Kolumne des Autoren Maxim Biller in der längst eingestellten “Tempo”. Manchmal möchte man Biller durchaus beim Wort nehmen.

Jens Berger

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Oink! Oink!

geschrieben am 30. April 2009 von Spiegelfechter

Man kann nicht eben sagen, dass die Welt sich momentan in einem Sommerloch befände. Im Kielwasser der Finanzkrise werden momentan Gesetzte im Eiltempo durch die parlamentarischen Gremien gepeitscht, mit denen Steuergelder in Höhe des Bundeshaushaltes den Banken übereignet werden. Aber welches Thema bestimmt die Medien? In Mexiko sind neun Menschen an der Grippe gestorben! Ei der Daus, das ist wirklich fürchterlich! In den Entwicklungsländern sterben zwar jeden Tag 4.000 Kinder durch verschmutztes Wasser, aber das interessiert schon lange niemanden mehr – schon gar nicht, wenn gleichzeitig die „Schweinegrippe“ wütet. Man kennt das Szenario – in Zentralasien fällt ein Vogel vom Baum und in Deutschland herrscht die nackte Panik. Fakten interessieren dann kein Schwein mehr, denn wenn wieder einmal die Seuchenhysterie grassiert, schaltet der Verstand ab – und morgen wird die nächste Sau durchs mediale Dorf getrieben.

Gib mir Tiernamen!

Die „normale“ Grippe ist etwas Alltägliches – jedes Jahr sterben weltweit rund 250.000 bis 500.000 Menschen – meist Säuglinge und Greise – an der Grippe. Auch in Deutschland sterben jedes Jahr Tausende, und wenn die Grippe mal wieder grassiert, erkranken zwischen 5 und 15% der Bevölkerung. Eine Schlagzeile ist das den Zeitungen nicht wert und auf einen Brennpunkt mit dem Titel „Todesvirus Grippe!“ wird man auch vergeblich warten. Um den Grippevirus sexy, quoten- und auflagensteigernd zu machen, braucht es einen Tiernamen. Vogelgrippe, Schweinegrippe, Meerschweinchengrippe – das hat etwas Bedrohliches, denn in der Natur ruht ein Abgrund an Boshaftigkeit, wie jeder Großstädter bestätigen kann. Ob die „Schweinegrippe“ je ein Schwein gesehen hat, wissen die Virologen zwar nicht, aber das „Branding“ passt schon mal – für Tamiflu-Hersteller Roche könnte es kaum besser laufen.

Kein Schwein niest mich an!

Ob die aktuelle „Schweinegrippe“ nun besonders gefährlich oder besonders ansteckend ist, lässt sich aufgrund der bisherigen Erkenntnisse nicht sagen. Die Infizierten, die außerhalb Mexikos ausgemacht wurden, hatten jedenfalls nur milde Symptome – milder jedenfalls als bei „normalen“ Grippeerkrankungen. Alleine der Umstand, dass ein Grippevirus, der bereits über einen Monat mitten im 25 Millionen-Menschen-Moloch Mexiko City „wütet“, nur 99 bestätigte Grippe- und acht Todesfälle mit sich brachte, spricht gegen die Gefahr dieses Grippetypus. Die „normale“ Grippe, die 2002/2003 alleine in Deutschland fünf Millionen Menschen infizierte und rund 20.000 Todesopfer forderte, war im Vergleich zur „Schweinegrippe“ geradezu ein apokalyptischer Reiter – aber sie hatte nun einmal keinen zündenden Tiernamen, was sie für Medien und Politik unsexy machte. Erste Vorschläge, künftig Grippeviren analog zu Hoch- und Tiefdruckgebieten mit Tiernamen zu versehen, konnten bis jetzt noch nicht bestätigt werden – obgleich es sicherlich etwas hätte, wenn die BILD im Herbst vor dem neuen Killervirus „Karnickelgrippe“ warnen könnte.

Müssen wir nun alle sterben?

Die „normale“ Grippe ist so alltäglich, dass man wegen ihr noch nicht einmal eine Pandemie-Warnstufe bemühen würde – anderenfalls müsste man jedes Jahr mehrfach die Alarmglocken läuten, da die „normale“ Grippe stets global verbreitet wird und tausende Opfer mit sich bringt. Die milde Grippeform, die momentan als „Schweinegrippe“ in den Medien wütet, macht da natürlich keine Ausnahme. Es würde daher schon an ein Wunder grenzen, wenn es in den kommenden Wochen nicht noch weitere Verdachtsfälle auf der ganzen Welt geben würde. Wahrscheinlich wird es auch noch weitere Todesopfer geben, vielleicht sogar in Deutschland. Wenn die „normale“ Grippe Oma Erna hinrafft, so erfährt von ihrem Ableben meist nur der aufmerksame Leser des Todesanzeigenteils der Lokalzeitung. Wenn unsere Oma Erna nun aber durch die „Schweinegrippe“ sterben sollte, so wird sie es problemlos auf die Titelseiten aller großen Zeitungen schaffen und für sie wird die ARD dann sogar ihr Programm um 15 Minuten verschieben, da dies nach einem Brennpunkt verlangt: „Schweinegrippe fordert erstes Todesopfer in Deutschland! Wie sicher sind wir noch?“. Wir sind dem Tode geweiht, aber don´t panic! Wir haben ja zum Glück verantwortungsvolle Politiker, die uns vor aller Unbill schützen.

Don´t panic!

Die Hysterie hat viele Profiteure – Virologen und Mikrobiologen können im offenen Laborversuch in Echtzeit betrachten, wie sich ein Grippevirus ausbreitet. Beim Tamiflu-Hersteller Roche glüht die Bestellhotline und Online-Apotheken melden Rekordumsätze – ob Tamiflu überhaupt gegen den A/H1N1-Virus hilft, weiß zwar niemand, aber wenn die Hysterie um sich greift, interessieren solche Detailfragen nicht. Für die krisengeschwächte Politik ist die „Schweinegrippe“ jedenfalls ein Segen. Anders als bei dieser komischen Krise kann man bei der „Schweinegrippe“ nicht viel falsch machen. Der Erfolg oder Misserfolg lässt sich nicht messen und die Medien greifen dankbar jedes noch so absurde Statement auf – wichtig ist nur, dass man am Ende seiner hysterischen Rede den nun vollends panischen Zuschauer darauf hinweist, dass man beileibe keine Panik schüren wolle. „Es ist nicht die Frage, ob Menschen sterben, sondern wie viele“ – aber bitte verfallen sie jetzt nicht in Panik.

Gripp(e)/in mit amerikanischen Migrationshintergrund

„Schweinegrippe“ ist ein so schöner Name für eine Krankheit, dass er sich sowohl im deutsch- wie im englischsprachigen Raum durchgesetzt hat. Das ist natürlich diskriminierend und nicht zu tolerieren – was kann das gemeine Hausschwein denn dafür, dass sich ein Genstrang seiner Krankheit in ein Humaninfluenzagen verirrt hat? Die EU schlägt daher vor, lieber den Namen “Neue Grippe” zu verwenden. Laaaangweilig! So etwas blutleeres können sich auch nur Brüssler Technokraten ausdenken – abgelehnt! Auch den deutschen Bauer hat bereits die nackte Panik ergriffen – wenn der Michel nun denkt, dass er vom Schnitzel Schnupfen bekommt, lässt er das „Stück Lebensqualität“ im Kühlregal liegen, so die Befürchtung. Oberbauer Sonnleitner schlägt daher vor, dem Virus doch lieber den geographisch korrekten Namen „Mexiko-Grippe“ zu geben, was auch gar nicht so schlecht wäre, da Mexiko so schön exotisch klingt. „Kongo-Grippe“ wäre aber irgendwie gefährlicher, nur leider kommt der Virus ja nicht daher. Was geographisch korrekt ist, kann aber politisch fürchterlich unkorrekt sein – „Mexiko-Grippe“ diskriminiert das gesamte stolze Volk der Mexikaner, und in den USA ist der Virus ja auch schon aufgetaucht. „Nordamerika-Grippe“, oder gar „Amerika-Grippe“, wie die ZEIT den Virus nennt, ist da schon politisch korrekter – obgleich dies ja die weiblichen Viren diskriminiert, wie wäre es mit „Gripp(e)/-in mit amerikanischen Migrationshintergrund“?

350.000 Opfer alleine in Ägypten

Sonnleitners Sorgen teilen auch die Israelis – schließlich gilt das Schwein dort als unkoscher. Da der Begriff „Schweinegrippe“ bereits den bloßen Verdacht in sich trägt, die Krankheit von einem Schwein bekommen zu haben, was für eine echten Israeli eine Beleidigung sei, hat der israelische Gesundheitsminister ebenfalls Sonnleitners Wortschöpfung von der „Mexiko-Grippe“ aufgenommen. In diesem Punkt sind sich im Nahen Osten sogar einmal die notorischen Streithanseln einig. Auch die muslimische Welt sieht in der „Schweinegrippe“ eine historische Chance, den Endsieg über das unbeliebte Rüsseltier zu erringen. Das ägyptische Parlament hat beschlossen, dass binnen weniger Tage alle 350.000 Schweine des Landes getötet werden sollen – Hysterie ist kein deutsches Alleinstellungsmerkmal. Die ägyptische Muslimbruderschaft warnte gar, dass die „Schweinegrippe gefährlicher als die Wasserstoffbombe [sei]“. Da kann man nur hoffen, dass es islamistischen Terroristen nicht gelingt, sich den „Schweine-Virus“ zu beschaffen, sonst könnte schon bald Israels letztes Stündlein schlagen.

Oink! Oink!
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50.000.000.000.000

geschrieben am 16. März 2009 von Spiegelfechter

Fünfzig Billionen! Noch vor wenigen Monaten wussten allenfalls Astrophysiker und Buchhalter in Zimbabwe, was das eigentlich ist. 1 Millionen Sekunden sind 11 Tage, 1 Milliarde Sekunden sind 32 Jahre, eine Billion Sekunden sind somit 32.000 Jahre. In Deutschland verbindet man mit der Billion vor allem die Hyperinflation zu Anfang der 1920er Jahre. Am 20. November 1923 bekam man für eine Goldmark 1 Billion Papiermark – dies war der Höhepunkt der Hyperinflation und einen Tag später bezahlte Deutschland mit der Rentenmark, die wieder einen normalen Nominalwert hatte. Eine Billion hat 12 Nullen – das sind 1.000 Milliarden oder 1 Million Millionen. Journalisten und Blogger sollten aber aufpassen, die englische „Billion“ nicht mit der deutschen „Billion“ zu verwechseln. Die englische „Billion“ entspricht nämlich der deutschen „Milliarde“, während das englische Wort „Trillion“ das Pendant zur deutschen „Billion“ ist.

Die Berichterstattung über die Finanzkrise ist bereits im Billionenbereich angekommen. Die Asiatische Entwicklungsbank schätzt die Summe des Geldes, die bislang durch die Finanzkrise vernichtet wurde, auf 50 Billionen US$, was rund 38 Billionen Euro entspricht. Dies sind 5.680 Euro für jeden Bewohner des blauen Planeten. Wenn man für diese Summe Weizen einkaufen würde, so könnte man 15 Milliarden Tonnen Brot damit backen – was rund 1.500 Laibe Brot für jeden Erdenbürger entspräche. Der Hunger der Welt wäre gestillt. Für fast ein ganzes Jahr könnte man mit diesem Geld jedem Menschen das Existenzminimum nach europäischen Preisen zahlen.

Würde man die Summe des vernichteten Geldes in 1-Euro Münzen stapeln, so hätte man einen Turm von fast 9.000.000 Kilometer Höhe – dies ist die 23-fache Entfernung der Erde zum Mond. Stapelte man 1-Cent Münzen, so käme man auf 600 Millionen Kilometer – beinahe viermal die Entfernung von der Erde zur Sonne. Wenn man 10-Euro Scheine im Wert der vernichteten Summe aneinanderlegen würde, so würde dies eine 48,7 Millionen Kilometer lange Geldstrecke ergeben; damit könnte man 1.200mal die Erde umspannen. Wenn man mit diesen Scheinen den Boden bedecken würde, so wäre die Fläche 32.600 km² groß – was ungefähr der Fläche Nordrhein-Westfalens entspricht. Nimmt man stattdessen 500-Euro Scheine, könnte man damit ganz Berlin bedecken.

50 Billionen, da muss eine alte Frau lange für stricken – wenn sie den angedachten Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde bekäme, 583 Millionen Jahre lang. Die rund 40 Millionen Werktätigen in Deutschland müssten bei einem Durchschnittslohn von 3.064 Euro brutto pro Monat 26 Jahre arbeiten, um diese Summe zu verdienen, die die Banker innerhalb kurzer Zeit verzockt haben. Bei einem Preis von 150.000 Euro für ein Einfamilienhaus, könnte man damit 255 Millionen Häuser bauen – damit könnte man nicht nur jedem der 150 Millionen Haushalte in der EU ein Eigenheim schenken, für Russland und die Türkei würde es auch noch reichen.

Dies sind natürlich alles Vergleiche aus dem zivilisatorischen Bereich – wenn man sich die Umwelt anschaut, so verlieren die 50 Billionen schnell ihren Schrecken. Forscher schätzen die Anzahl der Ameisen auf dem blauen Planeten auf 200 Billionen. Die Magier der Finanzmagie haben also nur 0,25 US-Dollar pro Ameise vernichtet, so gesehen sind dies Peanuts. Und wenn die genialen Herren in den Glaspalästen des Finanzkapitalismus’ einmal bei diesen gigantischen Zahlen den Überblick verlieren sollten, so können sie sich ohne große Probleme Nachwuchskräfte aus Zimbabwe besorgen, die sich mit solchen Zahlen gut auskennen. Ökonomen des Cato-Instituts schätzen die dortige Inflation mittlerweile auf 89,7 Trilliarden Prozent. Nachdem dort die Gehälter für Beamte und Soldaten bei 30 Trillionen angekommen sind, ersetzte man sie allerdings durch den US-Dollar. Für die Zukunft hat die Mathematik zum Glück noch einiges in petto – wenn die Banker sich Mühe geben, so erreicht die Summe der Verluste irgendwann einmal ein Googol – diese nicht ganz zufällig ähnlich wie die Suchmaschine klingende Zahl steht für eine 1 mit 100 Nullen. Das sollten die Nullen in den Banken doch sicher schaffen.

Jens Berger

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