Sie sterben, wir lachen!

geschrieben am 19. Februar 2009 von Spiegelfechter

Die Darwin-Awards sind eine zynische Angelegenheit. Sie werden postum an Zeitgenossen verliehen, die ihre Gene auf besonders dämliche Art und Weise aus dem Genpool entfernen. Seit 1994 werden skurrile Fälle, die von den Betreibern der Webseite auf Authentizität überprüft werden, ausgezeichnet. In diesem Jahr konnte der brasilianische Priester Adelir Antonio de Carli den Hauptpreis abräumen. Der 51jährige Geistliche wollte den Rekord im “Cluster-Ballonfliegen” aufstellen. Dabei setzt man sich auf einen Stuhl, der an mehrere kleine Heliumballons befestigt ist. De Carli hatte sich zum Ziel gesetzt, 19 Stunden auf seinem Stuhl über Brasilien zu fliegen. Dabei verließ er sich nicht nur auf Gottes Gnade, sondern legte sich auch hochprofessionelle Ausrüstung zu. Fallschirm, wasserfeste, warme Kleidung, eine Schwimmweste, ein Satellitentelefon, und sogar einen GPS-Empfänger, mit dem er im Notfall seine Position hätte durchgeben können. De Carli hob ab und ward nie mehr gesehen. Nachdem er mit seinen 1.000 Ballons 6.000 Meter Flughöhe erreicht hatte, brach der Kontakt zur Bodenstelle ab. Später meldete er sich über sein Satellitentelefon beim Rettungsdienst, konnte aber nicht seine Position durchgeben, da er offensichtlich nicht wusste, wie man den GPS-Empfänger bedient. Bevor man ihm weiterhelfen konnte, war der Akku des Telefons leer. Wochen später konnten Teile de Carlis´ von einer Ölplattform 100 km vor der brasilianischen Küste gefunden werden. Seine Gene hat er damit erfolgreich und hinlänglich skurril aus dem Genpool entfernt. Aber auch de Carlis´ Vorgänger haben/hatten durchaus ihren Unterhaltungswert.

In der Wüste Arizonas herrscht unter einigen Waffenliebhabern die Unsitte vor, Riesenkakteen als Zielscheiben für ihre Schießübungen zu missbrauchen. Um die Kakteen zu schützen, stellte der Staat Arizona dieses seltsame Freizeitvergnügen unter Strafe – uneinsichtige Pistoleros riskieren eine Geldstrafe bis zu 100.000 US$, und eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. Dies alles konnte allerdings den 27jährigen David nicht davon abhalten, seinen Freunden imponieren zu wollen. Mit seinem Gewehr schoss er zwei Schneisen in den unteren Teil einer rund 6 Meter hohen Kaktee. Sein letztes Wort war „Timber!“, was so viel heißt wie „Baum fällt!“. Die Kaktee fiel – auf David, und begrub ihn unter sich.

Eine weitere amerikanische Unart ist das Dynamit-Fischen. Eine Handgranate oder ein anderer Sprengkörper – und man kann sich das lästige Angeln ersparen. Man sollte die explosiven Anti-Fisch-Waffen allerdings in sicherer Entfernung zum eigenen Boot verwenden. Der 29jährige David aus Illinois und sein Freund wußten dies anscheinend nicht. Durch eine plötzlich aufziehende starke Windböe wurde ihr Boot direkt über die ins Wasser geworfenen Dynamitladung getrieben. Der Rumpf des Aluminiumbootes wurde aufgerissen und das Boot sank. Davids Freund konnte an Land schwimmen, David allerdings konnte überhaupt nicht schwimmen und ertrank.

Nicht nur Dynamit-Fischen ist gefährlich. Fische lassen sich auch durch Strom töten. Ein ordentlicher Stromstoß und schon kann man die leckere Beute mit einem Netz einsammeln. Das hatte auch ein 43jähriger Ukrainer in der Nähe von Kiew vor. Um mit einem maritimen Mahl den ersten Todestag seiner Schwiegermutter zu feiern, ging er mit einem blanken Verlängerungskabel an den nahen Fluss und vollzog sein listiges Handwerk. Leider vergaß er, den Strom abzustellen, bevor er sich die Beute aus dem Wasser holte. So teilte er das Schicksal der Fische und starb an einem [elektrischen] Schlag.

Einen schönen Abend wollten sich Carol und Mark in ihrem Heim in Washington machen. Um sich zu entspannen, inhalierten sie Lachgas. Das aus Zahnarztpraxen bekannte Narkotikum ist bekannt für seine entspannende Wirkung. Carol und Mark hatten allerdings übersehen, dass Lachgas in Zahnarztpraxen natürlich nicht pur, sondern mit Luft vermischt angewendet wird. Carol und Mark mischten ihr Lachgas natürlich nicht mit Luft. Man fand sie mit Atemmasken auf ihrem Gesicht – die angeschlossenen Gasflaschen waren leer. Mark arbeitete vor seinem Tod seit 10 Jahren als Rettungsarzt bei der Washingtoner Feuerwehr. In einer Pressemeldung rühmte ein Sprecher der Feuerwehr den Toten mit den Worten „Er war einer unser bestausgebildetsten und fähigsten Kräfte“ – für die Bürger Washingtons mag dies nicht sonderlich sonderlich beruhigend klingen.

Wenig Glück mit den Verlockungen des weiblichen Geschlechts hatte auch ein 29jähriger in einer Rotlichtbar in Phillipsburg. Vor lauter Übermut schleckte er die mit speziellem Klebstoff befestigten Pailletten vom Leib einer Tänzerin und erstickte. Der Polizei gegenüber sagte die Tänzerin: „Ich bin im Traum nicht auf die Idee gekommen, dass er die Dinger essen würde – ok, er war ziemlich betrunken.“

Alkohol und Schneemobile sind eine tödliche Kombination – wenn dann auch noch ein Hase dazukommt, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Eine Gruppe betrunkener Wintersportler entdeckte bei ihrem Ausflug einen Hasen. Aus Jux und Dollerei wollten sie ihn fangen, was aufgrund des Alkoholpegels allerdings nur dazu führte, dass sie sich ineinander verkeilten. Nur ein Schneemobilfahrer war geschickt genug, die Fährte aufzunehmen. Der Hase, clever wie eh und je, flüchtete in Richtung eines Highways. Sich seiner Sache sicher, beschleunigte Mr. Snowmobil auf Höchstgeschwindigkeit. Dadurch muss ihm entgangen sein, dass der Hase nicht auf, sondern unter den Highway flüchtete. Ein lauter Knall und eine Explosion folgten – der Schneemobilfahrer war mit Höchstgeschwindigkeit in den Eingang eines “Krötentunnels” gerast. Der Hase überlebte mit einem Schrecken in den Knochen …

Betrunken waren auch zwei Möchtegernpiloten in Chilliwack, Kanada. Nach etlichen Drinks kamen sie auf die glorreiche Idee fliegen zu wollen – mit einem gestohlenen Flugzeug vom nahen Flughafen. Es ist überflüssig, zu erwähnen, dass keiner der beiden Bruchpiloten je in einem Cockpit saß. Immerhin schafften sie es, die kleine Maschine in die Luft zu bringen und ein paar Ehrenrunden über der schlafenden Kleinstadt zu drehen. Mit dem Landen klappte es allerdings nicht so gut. Sie suchten sich einen Grünstreifen neben dem breiten Highway der Stadt aus, vergaßen dabei allerdings, dass über diesem Highway Stromleitungen gespannt sind. Das kostete sie zunächst das Leitwerk, und dann das Leben. Das Flugzeug rammte mit der Nase in den Boden. Über den Wolken ist die Freiheit zwar grenzenlos, aber auf dem Boden endet sie abrupt.

Überirdische Leitungen sind auch indirekt für das frühzeitige Ableben zweier weiterer Darwin-Preisträger verantwortlich. Eine amerikanische Telefongesellschaft ließ ihre überirdischen Leitungen unterirdisch neu verlegen. Dafür wurde in einer amerikanischen Provinzstadt eine kleine Strasse aufgerissen – eine Fahrbahn war freigegeben, die andere wurde abgesperrt, da dort bereits ein Graben ausgehoben wurde. Dies veranlasste zwei Hillbillies, sich einen seltsamen Spaß zu leisten. Auf dem abendlichen Weg in ihre Stammkneipe versetzten sie die Absperrung, so dass die Fahrbahn gesperrt war, und der Graben offen lag. Nur dumm, dass sie ihren eigenen Scherz vergaßen, während sie sich betranken. Auf der Rückfahrt fuhren sie mit stark überhöhter Geschwindigkeit – und stark erhöhtem Alkoholpegel – in besagten Graben und starben noch am Unfallort. Wer anderen eine Grube gräbt …

Seine Liebe zum Automobil wurde dem 68jährigen Gerhard zum Verhängnis. In einem Stau blieb er mit seinem schönen Porsche Cayenne auf einem Bahnübergang stehen. Als sich die Schranken senkten, wusste Gerhard, dass nur noch eine heldenhafte Aktion seinen Porsche retten könne. Gerhard stieg aus seinem Luxusvehikel aus, und rannte auf den Schienen in Richtung des ankommenden Zuges. Das letzte, was man von ihm sah, war wildes Gestikulieren. Zumindest seinen Porsche konnte er retten. Die eingeleitete Notbremsung nach dem Aufprall sorgte dafür, dass der Porsche mit weniger Schäden davonkam als sein Besitzer.

Eines Tschechen Schicksal war es, dass er im Physik-Unterricht wohl geschlafen hat. Als im letzten Jahr die Stahlpreise explodierten, verdienten sich viele findige Schrotthändler eine goldene Nase. Dies spornte auch einen Mann im tschechischen Zatec an. In einem stillgelegten Werk fand er seine persönliche Goldmine in einem Fahrstuhlschacht. Um an das massive stählerne Halteseil zu kommen, stieg er auf die Kabine des Fahrstuhls, und machte sich an die schweißtreibende Arbeit. Als er endlich mit seiner Metallsäge das Seil durchkappte, setzte sich der Aufzug in Gang und zerschellte am Boden des Schachts – schnell und tödlich. Ob der Mann durch den Sturz, oder durch das herabfallende schwere Metallseil getötet wurde, ist nicht bekannt.

Ein australischer Kung-Fu Schüler schenkte in den 90ern den weisen Worten seines Lehrers ein wenig zuviel Glauben. Nach einer Übungsstunde, in der er offensichtlich gute Fortschritte gemacht hatte, lobte ihn der Lehrer mit den Worten „Nun bist Du so weit, dass Du wilde Tiere mit bloßen Händen töten könntest“. Der Schüler nahm den Lehrer beim Wort und brach nachts in den Melbourner Zoo ein. Ob es zwischen ihm und den Löwen zu einem Zweikampf nach allen Regeln der Kampfkunst kam, ist nicht bekannt – Tierpfleger fanden seine Überreste am nächsten Morgen im Löwengehege. Zwischen den Fingern fanden sie Haare, die der Mähne eines Löwen entstammten.

Wenig Glück mit Raubkatzen hatten auch die zwei Inder Rai und Tiwari. Beseelt von religiösem Eifer wollten sie einen Tiger im Zoo von Kalkutta ehren. Um diese hochehrenwerte Handlung vorzunehmen, überwanden sie den Sicherheitszaun des Zoos und tänzelten auf einen 13jährigen bengalischen Tiger namens „Shiva“ zu. Um den Tiger zu huldigen, hängte ihm Rai einen Kranz aus Ringelblümchen um den Hals – so viel Ehre war dem Tiger wohl nicht genehm, er griff Rai an und verbiss sich in ihn. Sein Freund Tiwari legte alle Verehrung beiseite und attackierte den Tiger mit Fußtritten um Rai zu retten. Die Katze entledigte sich des tretenden Verehrers mit einem Biss in den Hals …

Ein 34jähriger Australier hatte eine tödliche Vorliebe – alte Lastwagen. Um in den Besitz eines Original-Motors eines alten Bedford-Trucks zu kommen, brach er nächtens in eine Glas-Recycling-Firma ein und machte sich an die Arbeit. All zuviel schien er aber nicht von Lastwagen zu verstehen. Er legte sich unter den Wagen und begann zu schrauben. Irgendwann hatte er sein Ziel erreicht, und der Motorblock, der so schwer ist, dass es eigentlich drei Mann benötigt, um ihn anzuheben, zerquetschte den Motordieb in spe. Der Firmeninhaber sagte der Polizei: „Er hätte nur fragen müssen – ich wollte den alten Laster eh verschrotten. Er hätte ihn mitnehmen können.“

Schlechte Erfahrungen mit der Unterseite von Lastwagen musste auch der 34jährige James Burns aus Alamo/Michigan machen. Um herauszufinden, woher die seltsamen Geräusche seines Trucks kommen, hängte er sich unter dem Fahrzeug ein und bat einen Freund, den Truck zu fahren. Auf seinem Horchposten muss Burns sich mit seiner Kleidung in einem beweglichen Teil verfangen haben. Sein Freund fand ihn tot – um die Antriebsachse gewickelt.

Der 39jährige Anwalt Garry war begeistert von der Sicherheitsverglasung seines Büros im „Dominion Bank Tower“ im kanadischen Toronto. Um auch seine Gäste von der erstaunlichen Stabilität der Fenster zu begeistern, sprang Garry schon mal gerne mit Anlauf gegen seine gläsernen Büroaußenwände. So auch beim Besuch einer Studentengruppe. Dummerweise zerbrach diesmal das Fenster und man fand Garry im Hof des Wolkenkratzers wieder – 24 Stockwerke tiefer. Seinen Vorgesetzten zufolge war Garry eines der besten und cleversten Mitglieder ihrer Kanzlei.

Wenige Meter entfernt stürzte sich ein paar Monate später der 55jährige Stefan aus dem 23. Stockwerk unfreiwillig in den Tod. Er wollte auf dem Balkon seines Appartements in Toronto den Vogelkasten reinigen. Stefan stellte sich dabei auf einen Bürostuhl mit Rollen – keine gute Idee, wie sich zeigte.

Zu viele Kriminalfilme hat wohl ein Insasse des Allegheny County Gefängnisses in Pittsburgh gesehen – ein hochmodernes Gefängnis, das von außen eher an einen Wolkenkratzer erinnert. Er knotete sich aus Bettlaken ein 30 Meter langes Seil und schaffte es, in einem der obersten Stockwerke ein Fenster aus Sicherheitsglas zu zerbrechen. Es ist zwar nicht bekannt, ob er bei seinem Ausbruchsplan die verwunderten Autofahrer auf der Hauptverkehrsstrasse vor dem Gefängnis miteingeplant hatte, die seinen hollywoodreifen Ausbruchsversuch mit Interesse verfolgten. Mit Sicherheit hatte er aber die Höhe des Gebäudes nicht mit eingeplant – das Ende des Seiles baumelte 30 Meter über dem Erdboden. Seinen Fehler bemerkte der Flüchtling allerdings nicht. Er hatte nämlich ebenfalls nicht mit eingeplant, dass sein Seil aus Bettlaken von den scharfen Glaskanten des zerbrochenen Fensters zerschnitten werden könnte. Als er fiel, waren noch 50 Meter zwischen ihm und dem harten Asphalt.

Skurril mutet auch der Tod eines 50jährigen Jägers aus Upstate New York an. Während einer Zigarettenpause fand sein Jagdhund einen schönen, großen Knochen. Doch der Jäger missgönnte seinem Hund das Vergnügen. Wie Hunde aber so sind, dachte auch besagter Jagdhund nicht im Traum daran, die Beute seinem Herrchen auszuhändigen. Der Jäger packte sein geladenes Gewehr am Lauf und machte Jagd auf seinen Hund. Dabei wedelte er wie wild mit seiner geladenen “Keule”. Als er schließlich dem Hund einen Schlag verpassen wollte, löste sich ein Schuss und traf den Jägersmann tödlich in den Unterleib. Zumindest der Hund kam ohne Schaden aus der Sache heraus.

Deutsche Hunde sind da konsequenter. Ein 51jähriger Jäger wurde im Schwarzwald von seinem Hund erschossen. Die Polizisten fanden Hund und Gewehr im Wagen des Jägers – das Gewehr ragte aus dem geöffneten Fenster heraus, Laufrichtung Herrchen. Ob der Hund im Tierheim Sicherheitsverwahrung bekam, ist allerdings nicht bekannt.

Man sollte Nachrichten nicht nur verfolgen, sondern auch versuchen, sie zu verstehen. Die Missachtung dieses Grundsatzes wurde einer Dänin zum Verhängnis. Über Dänemark zog im Winter 1999 einer der schlimmsten Stürme des Jahrhunderts. Das dänische Fernsehen brachte eine Sondersendung zu diesem Thema. Da das Fernsehbild der wagemutigen Dänin durch den Sturm gestört war, sie aber keinesfalls die Sondersendung über den Sturm verpassen wollte, stieg sie aufs Dach und richtete die Antenne neu aus – der Sturm erledigte den Rest.

Zwei unfreiwillige Selbstmordattentäter in Israel wurden Opfer von zeitlicher Konfusion. Im Jahre 1999 stellte Israel die Winterzeit eine Woche vor dem normalen Termin um. Diese „zionistische Zeit“ galt natürlich nicht für die stolzen Palästinenser im Westjordanland. Davon wussten allerdings die beiden palästinensischen Fahrer nichts, die die Autobomben an ihr Ziel bringen sollten. Sie hatten ihre Uhren ordnungsgemäß umgestellt und starben auf dem Weg zu ihrem Zielort.

To be continued ;-)

Jens Berger

Drucken Kontakt Artikel kaufen Projekt unterstützen

Glosse 35 Kommentare
Partnersuche im Internet
Vertrauen Sie Deutschlands Nr. 1
Wissenschaftlich fundierter Test
www.PARSHIP.de

Der Superduper-Gümbel-Twitter

geschrieben am 14. Januar 2009 von Spiegelfechter

Twitter ist in, Twitter ist hip! Wofür man eigentlich so ein Twitter braucht, weiß zwar kaum jemand, aber wenn sogar schon das hippe, innovative Nachrichtenportal SPIEGEL-ONLINE twittert, kommt man als innovativer und durchaus hipper Nachwuchspolitiker natürlich auch nicht an Twitter vorbei. Thorsten Schäfer-Gümbel ist so ein innovativer und hipper Nachwuchspolitiker, der – so wollen es die PR-Strategen mit ihren dicken Hornbrillen – die Möglichkeiten neuer Medien in seinem Wahlkampf voll ausschöpfen lässt. So wurde dem Gümbel von der zuständigen Werbeagentur das volle Paket angedreht – YouTube, MeineVZ, Wer-kennt-wen, Twitter und natürlich Facebook – dort hat der Gümbel auch schon 774 Freunde. Das ist natürlich superdupertoll, die kann er alle zu seiner Wahlparty einladen und Freibier ausschenken, die Old-School-Variante, “Freunde” zu gewinnen. Peinlich ist es allerdings für Gümbels Agentur, dass die Links auf der Gümbel-Seite zu MeineVZ und Wer-kennt-wen ins Leere laufen. Auf Facebook hat auch Roland Koch sein neues Zuhause gefunden. Der beliebte Oberhesse hat bei Facebook (vielleicht ja auch in der Realität?) keine Freunde, er hat nur Befürworter – und davon auch nur 51 an der Zahl. Die Bloggosphäre jubelt und den Online-Wahlkampf hat der Gümbel damit haushoch gewonnen – ob das am Sonntag eine Rolle spielen wird?

Gümbels Wahlkampfstrategen haben das Trash-Potential ihres Produktes erkannt. Die Videos auf YouTube sind betont schlecht ausgeleuchtet und der Gümbel gibt sich jede nur erdenkliche Mühe, “authentisch” zu wirken. In einem Land, in dem Dieter Bohlen monatelang die Literatur-Hitparade anführt und seine Kunstwesen die Musik-Charts dominieren, kommt so etwas natürlich gut an.

Konsequent fortgesetzt wird diese Trash-Strategie im Gümbel-Twitter. In diesem “Miniblog” twittert der Gümbel munter vor sich hin – “Twittern” ist ein Neologismus für das Verfassen von sinnentleerten Kurznachrichten ohne Einhaltung orthographischer Regeln. Komplexe politische Themen werden dann schon mal aufs brachialste “heruntergetwittert”:

- Heute bildungstag. Mehr ganztagsschulen, talentförderung. 16 Uhr, Konferenz in Frankfurt.

Der Mann ist gut, den wähle ich! Fehlt nur, dass der zuständige Praktikant “Heute mit obama gesprochen. weltfrieden ist beschlossen. Mehr geld und freibier für alle!” twittert – obgleich dies kaum einen Unterschied machen würde.

Das humoristische Potential des Gümbel-Twitter-Unfugs hat die Titanic (wer auch sonst?) erkannt. In ihrer täuschend echt aussehenden Kopie (oder ist dies das Original?) nimmt sie Sinn und Unsinn des Onlinewahlkampfs der hessischen SPD mit Witz und Schneid aufs Korn.

- Seit 1 Stunde Appetit auf Essiggurken mit Sahne. Woher mag das kommen? Mutter angerufen – falsch verbunden, irrtümlich Wählerin gewonnen
- Mißverständnis! Habe Mutter gerade erzählt, daß ich öffentlich twittere und bis zu 300 Leute zuschauen – Ohrfeige erhalten!

Wenn die Gümbel-Strategie die vielzitierte deutsche Antwort auf Obamas Wahlkampf im Netz sein soll, so ist Deutschland in der Tat zu bemitleiden.

Jens Berger

Glosse Medien Politclowns 64 Kommentare
Partnersuche im Internet
Vertrauen Sie Deutschlands Nr. 1
Wissenschaftlich fundierter Test
www.PARSHIP.de

So wird 2009

geschrieben am 01. Januar 2009 von Spiegelfechter

Das Jahr 2008 geht mitsamt der Finanzkrise als der Vorhof der Hölle in die jüngere Geschichte ein – 2009 werden wir in deren Schlund blicken. In Deutschland werden nicht nur die Wirtschaftskrise, sondern auch das Superwahljahr die prägenden Themen sein und in der Weltpolitik wird der Amtswechsel im Weißen Haus für einen Paradigmenwechsel sorgen. Der SPIEGELFECHTER hat für seine Leser einen nicht ganz ernst gemeinten Blick in die große Glaskugel gewagt und Dinge gesehen, die die Menschen niemals glauben werden. Ein vorausschauender Rückblick auf das Jahr 2009.

So wird 2009 – die einen sagen so, die anderen so

Die Finanzkrise wird sich im Jahr 2009 fortsetzen und das Weltfinanzsystem aus den Angeln heben. Präsident Obama wird nach dem Zusammenbruch der Citygroup im März des Jahres das komplette amerikanische Finanzsystem verstaatlichen – das so genannte „Island-Modell“ wird daraufhin auch in Frankreich, Großbritannien und der Schweiz kopiert werden. So viel Staatskapitalismus wird allerdings nicht überall nur Freunde finden – China wird im Juni bei der Welthandelsorganisation einen Antrag einbringen, der den neuen „Finanzsozialismus“ des Westens als protektionistischen Schritt mit Sanktionen belegen soll. Daraufhin wird die OECD eine „China-Tax“ einführen – einen 300 prozentigen Strafzoll auf chinesische Importprodukte. Von diesem Rückschlag wird China sich nie erholen. Dies sei eine große Chance für Deutschland, seine Rolle als Exportweltmeister zu festigen, so Professor Sinn in der Anne-Will Sendung vom 12. April 2009. Gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden fordert er, die Reformbemühungen nicht einschlafen zu lassen und unter dem Motto, „von China lernen, heißt siegen lernen“ die „1 Euro Jobs“ massiv auf den industriellen Bereich auszuweiten – CDU, SPD und FDP sind von diesem Modell auch prompt begeistert und wollen die Reformen nach der Bundestagswahl umsetzen.

Deutschland wird als einziges OECD-Land weiterhin privaten Banken mit immer neuen Rettungsfonds unter die Arme greifen. Dies ist auch bitter nötig, um die Weltwirtschaft vor dem Kollaps zu bewahren, nachdem US-Präsident Obama im März den Konsum der Amerikaner durch den neu eingeführten Gluttony-Act ankurbeln wollte. Amerikanische Staatsbürger sind fortan verpflichtet, jeden Monat Konsumgutscheine im Werte von mindestens 1.000 Dollar auf Pump zu erwerben, die bei Androhung von Haftstrafe innerhalb von 30 Tagen verkonsumiert werden müssen. Die Mittel für die Konsumgutscheine stammen aus dem neu aufgelegten staatlichen NBP-Fonds (National Bottomless Pit Fonds), dessen Finanzierung zu fast 100% über deutsche Banken erfolgt, die sich die Mittel zur Finanzierung aus dem deutschen Rettungsfonds für die Finanzindustrie zinslos leihen dürfen. Um den Rettungsfonds nicht austrocknen zu lassen und keine neuen Schulden aufnehmen zu müssen, wird die Große Koalition im April das Konsumsolidaritätsgesetz beschließen – jeder Bundesbürger ist fortan verpflichtet, eine Konsumabgabe von 500 Euro pro Monat zu leisten, die allerdings steuerlich absetzbar sein wird. Um auch Hartz-IV Empfängern und Geringverdienern diese Abgabe zu ermöglichen, wird den Banken gestattet, bei Kreditvergaben auch die Kinder und die Organe der Kreditnehmer als Sicherheit zu akzeptieren. Kinderlose Kreditnehmer mit Organschäden dürfen von den Banken künftig auch ohne deren Einwilligung international als Leiharbeiter vermittelt werden. Bilaterale Verträge mit Bangladesh, Vietnam und den Philippinen können bereits im Mai umgesetzt werden. Die Börsen werden auf diese Innovationen mit einem Feuerwerk reagieren – kurz vor den Europawahlen im Juni wird Kanzlerin Merkel erklären, man habe in einem unvorstellbaren Kraftakt, der so nur in Deutschland möglich sei, die Finanzkrise abgewendet.

Die SPD löst sich auf

Das Wahljahr 2009 beginnt mit einem Paukenschlag – in Hessen erringt SPD-Kandidat Schlaffer-Bembel einen Achtungserfolg mit 18% der abgegebenen Stimmen. Generalsekretär Hubertus Heil sieht die SPD in der Elefantenrunde durch das solide Ergebnis gestärkt und gut vorbereitet für das Superwahljahr. Da Bundespräsident Köhler im April die Unterschrift unter das neue BKA-Gesetz verweigert, nachdem Innenminister Schäuble die Online-Durchsuchung auch auf Steuerstraftaten ausweiten will, die künftig unter die Terrorismusbekämpfung fallen sollen, wird er von der Union gegen Edmund Stoiber ausgetauscht, der bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der Stimmen bekommt und sich selbst zum Präsidenten aller deutschen Stämme ernennt.

Die Europawahlen am 7. Juni zeigen, dass der Optimismus der SPD nicht angebracht war – die Sozialdemokraten stürzen auf 9,5% ab und sind damit nur noch fünfstärkste Kraft im Parteiensystem. Auf einem eilends einberufenen Parteitag wird sich die SPD bereits am Mittwoch nach der Wahl auflösen. Wegen Mangels an fähigem Personal wird Altkanzler Helmut Schmidt mit 100% der Stimmen zum Parteiverweser ernannt, der die ordnungsgemäße Abwicklung der Partei organisieren soll. Die meisten Landesverbände treten geschlossen der CDU bei, nur die Parteilinke, die für das Desaster verantwortlich gemacht wird, wechselt zur Linken, die sich daraufhin in einen gemäßigte NSDAP (Neue sozialdemokratische Alternativpartei) unter der Führung von Oskar Lafontaine, und die GLLSP (Gemeinsame Liste linker SplitterparteiINNEn) spaltet. Da beide Parteigründungen zu spät erfolgen, um bei den Bundestagswahlen im September antreten zu können, kann die CDU mit 75,8% ein Rekordergebnis erzielen. Die BILD jubelt „Wir sind KANZLERIN“ und der SPIEGEL spielt mit dem Gedanken, die Gunst der Stunde zu nutzen und das Grundgesetz endlich abzuschaffen, bevor „ewig gestrige Bedenkenträger“ wieder ins Parlament einziehen.

Die EU expandiert und der persische Golf wird deutsch

Nachdem die Iren im Sommer 2009 den Vertrag von Lissabon wiederholt ablehnen, werden sie kurzerhand aus der EU geschmissen – dafür werden in einem Schnellverfahren Island, Afghanistan, die Ukraine, die Schweiz und Kanada in die EU aufgenommen. Der Euro avanciert bereits im nächsten Jahr zur Weltleitwährung, nachdem das kollabierte Britische Pfund, das im Oktober 2009 nur noch 2 Cent wert ist, der Schweizer Franken, der russische Rubel und zwanzig kleinere Währungen aufgegeben und gegen den Euro eingetauscht werden. Der Dollar wird im Vertrag von Bielefeld 1:1 an den Euro gekoppelt, um das Erfolgsmodell des amerikanischen Konsums auf Kosten der deutschen Steuerzahler nicht zu gefährden.

Als der Ölpreis am 9. November auf 5 US$ pro Barrel sinkt und die OPEC einen kompletten Förderstopp beschließt, erklärt die Weltgemeinschaft der OPEC den Krieg – der nun nahezu unbewohnte Persische Golf wird in einen amerikanischen, einen europäischen und einen russischen Sektor aufgeteilt. Die kurzzeitigen Lieferengpässe beim Erdöl können schnell mit Hilfe deutscher Leiharbeiter überbrückt werden, die die deutschen Banken den Ölgesellschaften zur Verfügung stellen, um im atomar verstrahlten Arabien die Ölförderung wieder in Gang zu setzen. CDU-Außenminister von Klaeden begrüßt in einer Grundsatzrede im Dezember 2009 das Engagement der Weltgemeinschaft, endlich die Demokratie auch in die letzen Winkel der Erde zu exportieren und kündigt die Gründung einer arabischen Schwesterpartei der CDU an. Da deutsche Leiharbeiter die Bevölkerungsmehrheit am Golf stellen, wollte von Klaeden auch eine Wiedervereinigung nicht mehr komplett ausschließen.

Am 31. Dezember 2009 ernennt die sichtbar aufgewühlte Kanzlerin Merkel das Jahr 2009 zum Deutschen Jahr und sich selbst zur Kanzlerin auf Lebenszeit – BILD und SPIEGEL jubeln.

Jens Berger

Bildnachweis: Bild 2 (v.o.): Titanic Magazin

Lesetipp: Der Oeffinger Freidenker hat seine Leser in die Glaskugel blicken lassen

Drucken Kontakt Artikel kaufen Projekt unterstützen

Glosse 61 Kommentare
Partnersuche im Internet
Vertrauen Sie Deutschlands Nr. 1
Wissenschaftlich fundierter Test
www.PARSHIP.de

Rettet dem Deutsch!

geschrieben am 02. Dezember 2008 von Spiegelfechter

Die CDU will die deutsche Sprache im Grundgesetz verankern und die “Opinion-Leader” der Sozen, die unsere Sprache mit Blüten wie dem “Job-Floater” und dem “Job-Center” bereichert haben, wittern darin bereits “Deutschtümelei”. So geht es freilich nicht! Wenn Deutschland wirklich deutsch spräche, verlöre das Land der Dichter und Denker den Anschluss an die “Business-Welt”. Welcher Germanist versteht schon, was die Herren der Flip-Charts eigentlich von uns wollen:

Der pawlowsche Reflex der Sozen ist allerdings nicht minder falsch. Denn Deutschtümelei hat wenig mit der Deutschen Sprache zu tun, wie es die NPD bemerkenswert demonstriert:

Dennoch sollte gerade die CDU vorsichtig sein, hat sie doch bekennende Feinde der Deutschen Sprache in ihren eigenen Reihen:

Ich ahne, wovon ich spreche, meine Damen und Herren [...] Ich möchte nicht verschweigen, dass ich manchen Morgen aufgestanden bin und die ganze Aufgabenvielfalt relativ bergartig auch vor meinem Kopf oder Gemüt lag.
Angela Merkel im November 2007

Und wie wird die bayerische Schwesterpartei auf diese kühne Kampfansage reagieren? Oder, um es mit dem König der Bajuwaren zu sagen:

… Verfassung, das bedeutet letzten Endes … Kompetenz-Kompetenz. Kompetenz-Kompetenz. Wer hat die Kompetenz … Kompetenz? Übertragen die Nationen die Kompetenz auf Europa oder hat Europa schon von sich aus die Kompetenz … Kompetenz?
Edmund Stoiber

Ist der Vorstoß der CDU also nicht letztendlich ein Hintertürchen, die CSU für verfassungswidrig zu erklären, ihr also die “Kompetenz-Kompetenz” zu nehmen? Man weiß so wenig und das ist wahrscheinlich auch gut so.

Was sagt eigentlich der baden-württembergische Landesverband (Wir können alles außer Hochdeutsch) zur Gesetzesinitiative der Bundespartei? Wird sich Guenther Oettinger erneut “von sich selbst distanzieren”?

Englisch wird die Arbeitssprache, Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest.
Guenther Oettinger in einer Reportage des SWR 2006

Jens Berger

Glosse 113 Kommentare
Partnersuche im Internet
Vertrauen Sie Deutschlands Nr. 1
Wissenschaftlich fundierter Test
www.PARSHIP.de

Minima Moralia

geschrieben am 12. November 2008 von Spiegelfechter

James K. Polk hätte ein Denkmal verdient. Der elfte Präsident der USA ist weitgehend unbekannt, obwohl er doch ein Politiker der ganz besonderen Art war. Er machte nämlich genau das, was er im Wahlkampf versprach – die Gebiete Oregons und Texas dem Staatsgebiet der USA hinzuzufügen und dann, nach einer Wahlperiode, abzutreten. Er hielt Wort, trat ab und starb 103 Tage später. Andrea Ypsilanti hat noch viele Jahre Lebenszeit vor sich, doch auch für sie wird wohl nie ein Denkmal errichtet werden. Darüber wird sie auch nicht sonderlich traurig sein – wenn man den Volkszorn betrachtet, würde ihr zu Ehren wohl am ehesten das Mahnmal der anonymen Wahllüge errichtet werden. Sie hat zwar nichts anderes getan, als weiland Holger Börner, der 1982 den GRÜNEN noch eins „mit der Dachlatte in die Fresse hauen“ wollte, sich zwei Jahre später im Wahlkampf deutlich von jeglicher Zusammenarbeit mit den GRÜNEN distanzierte, nur um sich nach der Wahl von ihnen tolerieren zu lassen und ein Jahr später die erste rot-grüne Koalition zu bilden.

Holger Börner hatte es damals auch einfacher als seine Beinahe-Nachfolgerin. Er wäre im Traum nicht auf die Idee gekommen, zusammen mit der CDU eine Große Koalition in Hessen einzugehen, da hat der gewissenlose Lügner sich lieber mit Linksextremisten ins Bett gelegt. Zwar wetterten die Medien damals auch von einem „rot-grünen“ Chaos und der Turnschuhprolet Joschka Fischer ließ als Minister die bürgerliche Presse erschaudern. In der Bonner Republik aber gab es in der SPD eines noch nicht – das Gewissen.

Das Gewissen steht natürlich als ethisch-moralische Komponente nicht unter der Interpretationshoheit der gottlosen Sozen, sondern es ist Gott selbst, der über die Gewissensentscheidungen der Menschen zu urteilen hat. Da Gott aber bis heute weder eine Kommentarspalte in der WELT noch einen Internetauftritt hat, ist es sein politischer Arm in Deutschland, dem das Urteil zusteht, wann in der Politik das Gewissen einmal eine Rolle spielen darf. Ähnlich wie es im Klerus selbst keine Sünde gibt, gibt es in der Partei mit „C“ in ihrem Namen auch kein Gewissen – zumindest haben christdemokratische Abgeordnete davon noch nie öffentlich Gebrauch gemacht. Das Gewissen ist eine Tugend der SPD, was nicht unproblematisch ist, da der politische Gegner alter Zeiten ja die Interpretationshoheit innehat.

Die SPD gilt zurecht als die modernste Partei Deutschlands, sie ist hipp und hat den Zeitgeist inhaliert. Während früher der Beziehungszwist zweier imbeziler Schreihälse elegant mit einem Besenstoß der Untermieterin beendet wurde, schaut diese sich die Logorrhoe heute mit Vorliebe im Fernsehen an. Dieser modernen Methode des öffentlichen Gedankenaustausches kann sich natürlich auch die Volkspartei SPD nicht verweigern, daher tingeln Politdeppen der SPD in dieser Woche durch die Talkshows der Nation und erzählen rührselig von ihrem Gewissen und inszenierten sich selbst als Opfer.

Den Auftakt machte Andrea Ypsilanti selbst, die per Fernschalte ihre Wortbruchbeichte und ihre tiefe Trauer über den Dolchstoss der vier Renegaten dem geneigten Zuschauer von Anne Will entgegenheuchelte. Die „fantastischen Vier“ (FAZ) legten am Montag beim knallharten Powertalker Reinhold Beckmann nach und schauten dabei mit ihren betretenen Gesichtern aus wie Pennäler, die sich beim Schuldirektor dafür erklären mussten, warum sie der kleinen Andrea einen bösen Streich gespielt haben. Zum Glück hatten sie aber das Gewissen auf ihrer Seite und konnten so selbst konkrete Fragen, warum das geheimnisvolle Gewissen sich erst so spät manifestierte, mit küchenpsychologischen Rechtfertigungen entgegnen. Der Druck war gar übermenschlich und man heulte gar auf dem Küchenboden. Geheime Abstimmungen, in denen man seinem Gewissen freien Lauf lassen konnte? Nein, das gildet nicht – man habe ja schließlich erwähnt, dass man solche Abstimmungen nicht so toll fände, da könne man das Kreuzchen dann auch an der falschen Stelle machen. Warum man bei jeder Gelegenheit öffentlich Ypsilantis Kurs unterstützt habe? Ach weh, der übermenschliche Druck, den man nur als SPD-Politiker kennt, und außerdem habe man ja im kleinen Rahmen aus seinem Herzen auch keine Mördergrube gemacht. Nein, diesen vier Häuflein Elend kann man einfach nicht böse sein. Opfer des Gewissens und Opfer der unmenschlichen eigenen Partei – letztendlich sogar Opfer der LINKEN, der Nachfolgepartei der SED, also Opfer des Kommunismus´ und Opfer der Mauermörder. Ihren Frieden mit der Partei haben sie aber bereits gemacht – Thorsten Schäfer-Gümbel, ein Name, den man sich nicht merken muß, unterstützten sie ohne Vorbehalt, schließlich zeige sich dieser auch offen gegenüber einer Koalition mit der CDU. Doch Herr Schläfer-Gambel sollte aufpassen – wenn er mit den Kommunisten zu paktieren gedenkt, könnte in seiner Partei wieder das Gewissen erwachen.

Während die vier rechten Aufrechten bei Beckmann wenigstens würdig im Beiprogramm des neuen bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer auftreten durften, mussten sich Ypsilanti und ihr Famulus Schlaffer-Gimpel am Dienstag vom knallharten Powertalker Johannes Baptist Kerner in einer Freakshow im Rahmenprogramm von Ufologen und Löffelbiegern vorführen lassen. Um es vorwegzunehmen – weder Ypsilanti noch Schräger-Bembel haben etwas über Hitlers Autobahnen gesagt und durften das Studio auf regulärem Wege verlassen. Im Fernsehen durfte Frau Ypsilanti natürlich auch nichts gegen das Gewissen der gewissenlosen Verräter sagen, da der Vorzeigejournalist des Trash-TVs sich von seinen Assistenten für einen solchen Fall sicher knallharte Fragekärtchen hat vorbereiten lassen. Die Quintessenz Ypsilantis lautete daher auch wenig überraschend, dass auch sie ein Opfer sei. Opfer der Medien, Opfer der Parteirechten und Opfer des knappen Wahlergebnisses. Auf die Erkenntnis, dass sie Opfer ihrer eigenen Dummheit, Opfer ihres Dilettantismus´ und Opfer ihrer eigenen Hybris ist, warteten sowohl Kerner als auch die Zuschauer vergebenes. Wenigstens Schufa-Kimble durfte sich erstmalig und wahrscheinlich auch letztmalig einem größeren Publikum zeigen und es mit dem Mutterwitz eines Verwaltungsbeamten für sich einnehmen. Der Wahlverlierer in spe kann einem dabei fast leid tun – er ist sicher ein talentierter Nachwuchspolitiker, der zur falschen Zeit in den Ring gezerrt wird, um sich vom amtierenden Champion des Populismus´ abschlachten zu lassen. Aber in der Politik und in der Liebe ist nun einmal alles erlaubt und Herr Schnöder-Krempel scheint momentan auch genug Zeit für seine Hobbykandidatur zu haben. Vielleicht gelingt es ihm, was James K. Polk und Andrea Ypsilanti verwehrt bleibt, vielleicht wird eines Tages ihm zu Ehren ein Denkmal des unbekannten Politikers errichtet.

Gerüchte, dass die Damen Yspilanti und Metzger am Donnerstag beim knallharten Powertalker Oliver Geißen zum Thema „Meine Freundin hat mich verlassen“ eingeladen sind und dass Jürgen Walter am nächsten Sonntag im ZDF-Nachtstudio zusammen mit Jürgen Habermas und Walter Jens über die Bedeutung von Adornos „Minima Moralia“ für die politische Gewissensethik philosophieren will, fanden bisher keine Bestätigung.

Jens Berger

Bildnachweis (v.o.n.u.): Montage SF, Montage SF mit Material von ARD, Titanic-Magazin

Drucken Kontakt Artikel kaufen Projekt unterstützen

Deutschland Glosse Politclowns 92 Kommentare
Partnersuche im Internet
Vertrauen Sie Deutschlands Nr. 1
Wissenschaftlich fundierter Test
www.PARSHIP.de
Suchen

Archiv
Werbung
Seite 3 von 1012345...Ende »