SPON entdeckt Feuerinferno mitten in Deutschland [Update]

29. August 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Halb Griechenland brennt. Das ist dramatisch und veranlasste die Bundesregierung schon zu einer sagenhaften Hilfsleistung in Form von drei Transporthubschraubern - Russland hat, nebenbei bemerkt, ein Vielfaches an Hilfsleistungen entsandt.

Aber die Regierung in Berlin muss schließlich knausern, denn auch Deutschland wird von Bränden heimgesucht! Das zumindest „beweist“ SPIEGEL-Online in der Fotostrecke zu folgendem Artikel.

Unter der Grafik steht folgendes geschrieben:

Feuerherde: Auch in Deutschland haben Satelliten in den vergangenen 48 Stunden kleinere Brände registriert, wie diese Grafik des Web Fire Mapper der University of Maryland beweist

Ach ja – das soll die Grafik beweisen? Brandherde mitten im Ruhrgebiet, in München, Linz, Rotterdam und Turin? Haben da etwa die Medien gepennt und uns die katastrophalen Brände mitten im Herzen der europäischen Industriegebiete verschwiegen?

Zum Glück verweist SPON aber auf eine Google-Earth Datei, die ein Overlay von „NASA-Forschern“ enthält, das sämtliche „Brände“ der letzten 24 Stunden visualisiert.

Ein Zoom auf die „Brandherde“ in Mitteleuropa widerlegt den „Beweis“ des SPIEGELS schnell – nicht etwa „Brände“, sondern „thermische Anomalien“ wurden hier mit dem Flammen-Symbol versehen. So „wütet“ das vermeintliche Feuer im Herzen Deutschlands mitten auf dem Werksgelände der Salzgitter Stahl AG. Bei allen anderen „Bränden“ in Mitteleuropa verhält es sich ähnlich.

Auch das “Inferno” über der Ukraine und Russland ist meist auf die Schwerindustrie zurückzuführen. Hier kommen auch noch Gas- und Ölfördertürme hinzu, genau so, wie im vermeintlich lodernden Algerien. Dass die NASA betrunkene Astronauten ins All schickt, war ja bekannt. Aber dass NASA-Forscher nur unwesentlich mehr Ahnung von Kartographie haben, als der Durchschnittsamerikaner, war neu. Karten mit Schwerindustriegebieten sind in Europa keine Verschlusssache. Und dass der Brand auf dem Werksgelände der Salzgitter Stahl AG seit Hitlers Zeiten brennt und immer noch nicht gelöscht wurde, hat nichts mit der Nachlässigkeit deutscher Feuerwehren zu tun.

Update: Einen Tag später hat SPON reagiert und den Bildtext geändert:

Feuerherde: Auch in Deutschland haben Satelliten in den vergangenen 48 Stunden Hitzequellen registriert, hinter denen kleinere Brände stecken können, wie diese Grafik des Web Fire Mapper der University of Maryland beweist. Doch es müssen keine Brände sein: Bei dem roten Punkt genau in der Mitte Deutschlands handelt es sich beispielsweise um eine Industrieanlage in Salzgitter

SPON scheint den SPIEGELFECHTER zu lesen - es bleibt aber dennoch anzumerken, dass keiner der abgebildeten Punkte auf der Grafik, der innerhalb der EU liegt, ein Brand ist.

Jens Berger

Kategorie: Glosse, Medien | 16 Kommentare

Money for nothing (and chicks for free)

20. August 2007 von Achel - Drucken

Als ich neulich durch die Printmedienlandschaft blätterte, erinnerte ich mich an ein altes Lied aus fernen Zeiten, dargeboten von den Dire Straits. „Money for nothing“ so der Name des künstlerischen Machwerks. Und passender ist folgende Meldung nicht zu überschreiben. „Die Parteien der großen Koalition wollen mehr Geld – Ausrufezeichen“.

Der Wahlkampf naht mit großen Schritten. In den Fußgängerzonen wird man bald wieder von Parteisoldaten dieser oder jener Gesinnung belagert und mit Wahlbestechungsmitteln wie Luftballon, Kugelschreiber oder ähnlichem Tand bombardiert. Denn derartige schnöde Dinge sind außerordentlich wichtig, wenn den Politikern die Argumente ausgehen und der Passant die ebenso hohlen wie austauschbaren Phrasen einfach nicht mehr hören mag.

Doch auch derlei Billigkram kostet Geld. Es ist also kein Zufall, dass die große Koalition noch schnell eine Erhöhung der staatlichen Zuschüsse für die Parteien um 15 Prozent auf 153 Millionen Euro beantragt. Der Gesetzentwurf soll bereits nächstes Jahr in Kraft treten. Schon erstaunlich wie schnell manches doch gehen kann, während die Parteien sich bei anderen existenziellen Dingen im Höchstfall darauf einigen, innerhalb der nächsten 20 Jahren noch einmal über das entsprechende Thema nachzudenken.

Warum überhaupt wollen die Parteien mehr Geld? Ganz einfach, ein Grund ist das Verbot von Schwarzen Kassen. Unter Helmut Kohl und Roland Koch, (der ja nachweislich nie nichts mit schwarzen Kassen zu tun hatte, und sowieso diese Wortkombination noch nie nicht nirgends gehört hat und sowieso war der Kanther schuld und Koch weiterhin Ministerpräsident…) florierte dieses wunderbare System und das Geld floss munter in die Parteientaschen und Wahlkämpfe.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass zum Beispiel die SPD seit dem Jahr 2002 rund 145.000 Mitglieder verloren hat, und die CDU immerhin 50.000. Jetzt könnten sich die Parteivorderen mal hinsetzen und überlegen, was sie denn falsch gemacht haben, wenn so viele ihnen den Rücken zukehren, eine lange Nase machen, aus der Partei austreten. Doch das würde ein Mindestmaß an Selbstkritik erfordern, was gerade in Wahlkampfzeiten völlig indiskutabel ist. Ein Paradebeispiel für dese Gesinnung ist die künftige Schatzmeisterin der SPD, Barbara Hendricks, die in der „Rheinischen Post“ folgende Worte vor sich her plapperte: „Wenn die Bürger sich entschließen, sich nicht als Mitglieder zu engagieren, wird dies zumindest zum Teil durch öffentliche Mittel ausgeglichen werden müssen.“ Richtig, denn das Volk ist nicht nur Wahlvieh, sondern auch Goldesel. Dank des Aufschwungs, für den die große Koalition aber auch nichts kann.

Da die Politik im und aus Prinzip nur die Hausaufgaben erledigt, die ihr von der Wirtschaft gestellt werden, sollte eben diese Wirtschaft auch die Parteien bezahlen. So wie in den USA. Über dem Teich wird nicht einmal so getan, als ob das Volk irgendwas zu sagen hätte. Die Politiker bekommen ihr Geld von den großen Konzernen und belasten damit nicht den Staatshaushalt. Daher können die Amis mit den Steuergeldern viele schöne Dinge machen, zum Beispiel Kriege führen. Dass die Brücken standfest beleiben, dafür reicht die Kohle allerdings auch nicht.

Mit der Forderung nach mehr Geld stellt sich die große Koalition zudem mal wieder außerordentlich ungeschickt an. Denn die kleinen Parteien wie die Grünen, FDP oder Die Linken können sofort groß herumkrakelen, wie dreist eine solche Forderung doch eigentlich sei und „mit uns wird man das nicht durchsetzen können“. Tja, braucht man auch nicht. Denn egal wie die anderen stimmen, die SPD und die CDU haben die Mehrheit, der Gesetzentwurf kommt also durch. Und die kleinen Parteien erhalten ebenso mehr Geld. Stehen aber moralisch besser da, was will man mehr.

Und übrigens, der Geldregen käme nicht nur den etablierten Parteien zugute, sondern auch netten Vereinigungen wie der NPD. Herzlichen Glückwunsch.

Achel

p.s.: Wie SPON schreibt, ist die “Initiative” anscheinend vorerst gestorben … und, wie immer, will es wieder einmal keiner gewesen sein.

Bildnachweis: Alle Montagen Spiegelfechter (CC), Titanic

Kategorie: Allgemein, Glosse | 19 Kommentare

Ich bin ein lustiger Astronaut und ich singe ein Lied

30. Juli 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Muss die Geschichte neu geschrieben werden? Den SPIEGELFECHTER erreichten gestern Gerüchte, dass die A-Probe einer alten Blutkonserve von Lance Neil Armstrong positiv auf eine unerlaubte Substanz getestet wurde. Die Öffnung der B-Probe steht noch aus. Den Gerüchten zufolge, soll es sich bei der unerlaubten Substanz um Ethanol, auch bekannt als Alkohol, gehandelt haben. Wenn sich diese Gerüchte bewahrheiten sollten, müsste die NASA Armstrong aus der Siegerliste des „Race to the moon“ streichen und Buzz Aldrin würde als erster Mensch auf dem Mond in die Geschichte eingehen. Auch Aldrin steht allerdings unter dringendem Verdacht, gedopt zu haben. So ist auch sein Name auf der Liste des berüchtigten texanischen Schankwirts Jim Beam zu finden. Beide Astronauten sind erst zu einer Stellungnahme bereit, wenn sie nüchtern sind. ARD und ZDF haben derweil verkündet, dass sie so lange keine Raumstarts mehr übertragen werden, bis das Alkoholproblem gelöst ist.

 

Das Problem „Alkohol in der Raumfahrt“ ist zwar durch neue Meldungen aktueller denn je, allerdings waren Alkohol und Raumfahrt auch früher bereits ein unzertrennliches Paar. Die ersten Raketen, die in den USA gebaut wurden, nutzten noch ein Gemisch aus 75% Ethanol und 25% Wasser als Treibstoff. Für die bemannte Raumfahrt konnten diese Raketen nicht eingesetzt werden, da die Außenhülle in mehreren Fällen von Astronauten auf der Suche nach einem guten Drink aufgebohrt wurde.

Einen riesigen Imageschaden (genannt Sputnik-Schock) musste die NASA einstecken, als alle Astronauten des Mercury-Programms nach einem Umtrunk nicht mehr in der Lage waren zu fliegen. So kam es, dass der erste Amerikaner im Weltraum der putzige Schimpanse Ham war, der mit 0,7 Promille gerade noch flugtauglich war. Die Russen schickten kurze Zeit später Juri Gagarin ins All und der Image-GAU für die NASA war perfekt.

Wer erinnert sich nicht an den ersten gelallten Satz vom Mond? Wenn Armstrongs B-Probe ebenfalls positiv ist, wird allerdings auch dieser Satz aus den Annalen gestrichen und durch Aldrins „Der Mond ist voll und ich bin es auch“ ersetzt.

Zur Katastrophe wäre es fast gekommen, als die Astronauten von Apollo 13 einen Thermostat aus der Raumfähre ausbauten, um ihn zur Überwachung der Temperatur ihrer mitgebrachten Zapfanlage zu verwenden. Lovells „Houston, we have a problem“ bezog sich in Wirklichkeit auch auf das zu warme Bier, wie interne Dokumente der NASA belegen.

Nachdem erste Alkohol-Gerüchte publik wurden, musste auch die NASA endlich reagieren. Alkohol-Experten gehen jetzt in die Offensive und haben ein Vier-Punkte Programm verabschiedet, dass mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt:

- Der Duty Free-Shop auf dem Weltraumbahnhof Cape-Caneveral darf ab sofort nur noch eine Flasche Schnaps bzw. zwei Flaschen Likör pro Person verkaufen.

- Alkoholische Getränke werden von den Stewardessen im Space-Shuttle künftig erst nach dem Start ausgeschenkt.

- Der Zutritt zur Startrampe wird ab sofort von Türstehern geregelt, die alkoholisierte Astronauten wieder nach Hause schicken sollen.

- Wenn ein Astronaut zukünftig wiederholt betrunken fliegt, muss er zum Idiotentest.

Es bleibt abzuwarten, ob solch drakonische Maßnahmen wirklich helfen werden. Als letzte Alternative nannte die NASA eine Verlegung des Raumbahnhofs nach Utah und die Beschränkung auf mormonische und muslimische Astronauten. Werden die ersten Worte eines Menschen auf dem Mars „Allahu akhbar“ sein?

Jens Berger

p.s.: Säße der Autor in einer Blechdose, umgeben von tausenden Tonnen hochexplosiver Flüssigkeiten, die gezündet werden sollen, würde er sich wohl auch erst mal ein Glas Scotch genehmigen.

Bildnachweis: Alle Montagen Spiegelfechter (CC) mit Material von NASA, ESA und Wikicommons

Kategorie: Glosse | 34 Kommentare

BILD ist beleidigt!

26. Juni 2007 von Spiegelfechter - Drucken

„Es geht nicht um eine deutsche Kanzlerin mit „Migrationshintergrund“, sondern um 80 Millionen Deutsche, die chronisch zum Beleidigtsein und unvorhersehbaren Reaktionen neigen. Es geht um Meinungsfreiheit, den Kern der Aufklärung und der Demokratie, und um die Frage, ob Respekt, Rücksichtnahme und Toleranz die richtigen Mittel im Umgang mit Kulturen sind, die sich ihrerseits respektlos, rücksichtslos und intolerant gegenüber allem verhalten, das sie für undankbar, provokativ und unfair halten.“

So hätte es ein polnischer Broder in diesen Tagen schreiben können, wenn er den Karikaturenstreit zwischen Warschau und Berlin polemisch kommentiert hätte. Polnische Flaggen wurden von aufgebrachten BILD-Redakteuren bislang noch nicht verbrannt, aber das beleidigte Gehabe in den Redaktionsbüros des Blattes nimmt bereits tragische Züge an.

Es ist schwer über die Kartoffel-Zwillinge (TAZ) etwas positives zu schreiben – aber Ziel einer von BILD initiierten „Beleidigte-Leberwurst-Kampagne“ zu werden, haben die drolligen Kerlchen sicher nicht verdient.

Doch was ist passiert? Eine polnische Zeitschrift hat auf ihrer Titelseite eine Photomontage mit der Merkelin, in der barbusigen Version der Kapitolinischen Wölfin mit den Kartoffel-Zwillingen an ihren Zitzen, veröffentlicht. Damit wurde die Prophetin der Springer-Mullahs natürlich in unentschuldbar infamer Art und Weise durch den Dreck gezogen. Aber seit 5.45 wird zurückgeschossen. BILDs Mann für dumme Äußerungen aus der CSU, Außenexperte Eduard Lintner, poltert auf Kommando beleidigt los:

Die Polen sollten aufhören, sich mit Geschmacklosigkeiten zu überbieten. Irgendwann schlägt das auf die Stimmung in Deutschland durch, die momentan noch sehr hilfsbereit ist.

Und was es heißt, wenn die Deutschen die Geduld verlieren, sollte doch gerade der Pole wissen!

Nebenbei zeigt sich hier Lintners Verständnis von Pressefreiheit. Ein polnische Zeitschrift ist also gleichbedeutend mit “die Polen”. Hoffen wir mal, dass man im Ausland differenzierter vorgeht und BILD nicht für “die Deutschen” hält.

Satire findet ihre Grenze dort, wo sie die Würde anderer beschädigt!

Dies ist ein Satz, den man aus Kreisen der CSU bei der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen sicher nicht gehört hat.

Es ist ja auch eine Frechheit – unsere große Kanzlerin, Frau Dr. Merkel, zu „verhöhnen“. Gerade sie, die als Mischung von Florence Nightingale, Mutter Teresa und einem Drahthaardackel bereits mehrfach die Welt gerettet hat, die ihr daher zu immerwährenden Dank verpflichtet ist. “Ist das der Dank?“ fragt BILD. Gerade der Pole! Von ihm hätte man doch mehr erwartet. Kennt er doch Deutschland und seine Spargelfelder, Schlachthöfe und Baustellen aus dem Effeff. Aber Undank ist der Welten Lohn und wer so phänomenal erfolgreiche Politik wie die uckermärkische Landfrau betreibt, hat viele Neider.

Warum „die Polen so aggressiv sind“, erklärt uns in BILD Prof. Stürmer, WELTs Experte für die östlichen Protektorate:

In der Politik wie im Leben ist Dankbarkeit ein Gefühl von kurzer Dauer.

„Dankbarkeit“ ist ja auch ein klassisch politischer Begriff. Vielleicht sollte man einmal Herrn Putin fragen, wie er die Dankbarkeit des Westens einschätzt, dafür dass die Sowjetunion der deutschen Wiedervereinigung zugestimmt hat und sich ohne größeres Murren aus den osteuropäischen Satellitenstaaten zurückgezogen hat. Herr Wörner war ja einst so dankbar, dass er Russland versprach, die NATO würde sich nicht östlich der Oder ausdehnen. Nun ist Russland von dankbaren NATO-Truppen umzingelt – so kann man seine Dankbarkeit auch demonstrieren.

Auch könnte man Herrn Kohl fragen, wie viel „Dankbarkeit“ seine Ziehtochter aus dem Osten ihm entgegengebracht hatte, als im Rahmen der Spendenaffäre der Wind um ihn herum eisig wurde. Herr Kohl wird sicher Oden an die Dankbarkeit der Merkelin singen können. “An Schäbigkeit kaum zu überbieten?” - da muss er sicher falsch zitiert wurden sein.

Aber Fairness gehört nicht zur Erziehung der Kaczynski-Zwillinge.

Die Kartoffel-Zwillinge sind schlecht erzogen und unfair – und „Fairness“ ist ja auch so ein klassisch politischer Begriff. Das wissen die Entwicklungsländer spätestens seit Merkels sensationellem Erfolg beim G8-Gipfel. „Fairness“ zeichnete die Politik Merkels und ihrer Vorgänger schon immer aus.

[Polen] Man will die Vorteile der EU haben, aber sonst frei agieren, beschützt von den USA. Das gibt es aber in der realen Welt nicht.

Diese Worte aus Stürmers Mund? Einem der entschiedensten Befürworter eines polnischen Raketenabwehrsystems? Man biegt sich die Argumente halt so, wie sie gerade passen.

BILD kennt die „Giftzwerge“ gut und fragt im Namen ihrer Leser, ob sie größenwahnsinnig sind.

Polen (knapp 40 Mio. Ew.) will Einfluss in der EU – wie das doppelt so große Deutschland (80 Mio. Bürger), Frankreich oder Großbritannien (je 60 Mio.)!

Man sollte der BILD-Redaktion mal erklären, was eine Quadratwurzel ist. Die Quadratwurzel von 80 ist schon größer als die Quadratwurzel von 40, liebe BILD. Dass das Quadratwurzelmodell aus wissenschaftlicher Sicht das Modell ist, welches im zutiefst undemokratischen Prozess der EU-Abstimmungen das sogenannte Demokratie-Defizit minimiert, muss ein BILD-Redakteur natürlich nicht wissen; Paris Hiltons Körbchengröße ist da sicher wichtiger.

Diesen Satz wird allerdings kaum jemand lesen, denn bereits die ersten Sätze dieses “Artikels” lassen den Leser entweder mit einem Lach- oder mit einem Weinkrampf zurück:

Was müssen wir uns von diesen Polen eigentlich noch alles gefallen lassen? Seit Jahrzehnten gibt es in Europa niemanden, der mehr für Polen getan hat als ausgerechnet wir Deutsche!

Das stimmt natürlich. „Wir Deutsche“ wollten Polen schließlich in einem Verteidigungskrieg präventiv vor dem bösen Iwan retten, was „leider“ nicht so ganz funktioniert hat. Um Millionen Polen haben „wir Deutsche“ uns liebevoll in Entlausungsstationen gekümmert – es gibt wahrlich niemanden, der mehr für diese undankbaren Polen getan hätte, als „ausgerechnet wir Deutsche!“. Was müssen wir uns von diesen Polen eigentlich noch alles gefallen lassen?

BILD kämpft für uns! Danke BILD!

Jens Berger

p.s.: Die “polnische” Montage habe ich aus ästhetischen Gründen nicht abgebildet.

Bildnachweis: Spielerzwei.de, Lenta.ru, 2x Ria-Nowosti, Titanic-Magazin

Kategorie: Deutschland, Glosse, Medien | 210 Kommentare

Spaßpartei reloaded

15. Juni 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Wir haben sie endlich wieder – unsere geliebte gelb-blaue Spaßpartei, die uns Urlaub, Sonne und gute Laune als politische Inhalte verkauft und irgendwie gegen alles ist, was vom spießigen Staat viel zu eng gesehen wird, wie Steuern, Zeitarbeit, Sozialabgaben, Kündigungsschutz und der Umgang mit der deutschen Geschichte. Wer stets fröhlich und so richtig liberal ist, lässt es da lieber krachen.

Dabei hatte man sich schon Sorgen um unsere gelb-blauen Spaßvögel gemacht. Die Miesepeter in den Medien wollten schon das Ende der Spaßgesellschaft herbei schreiben – eine ernste Bedrohung für eine Partei, deren Kommunikationsform der Infantilismus ist. Aber die gelb-blauen Li-La-Launebären haben erkannt, dass ihre „Inhalte“ auf ernste Weise einfach nicht kommuniziert werden können. Wer interessiert sich schon für Inhalte? RTL hat schließlich auch höhere Einschaltquoten als Arte, da sind die gelb-blauen Jecken ganz pragmatisch und orientieren sich an den Interessen des Wählers. Es lebe das Renitenzsimulantentum!

Im Zeichen der wieder entdeckten Fröhlichkeit, lädt die FDP dieses Wochenende zu ihrer Prunksitzung nach Stuttgart. Den Auftakt machte der FDP-Beauftragte für Humorfragen Guido Westerwelle. Und er ließ es gleich krachen. Der SPIEGELFECHTER war dabei und hat für Sie neben den Highlights seiner Büttenrede auch die Reaktionen der gelb-blauen Karnevalsgarde exklusiv festgehalten:

Die Sozialdemokraten sind in ihrer Sozial- und Wirtschaftspolitik fundamentalistischer geworden, die Grünen in Globalisierungs- und Pazifismusfragen.

Tätä! Herzhaftes Gelächter aus den Reihen der gelb-blauen Narrenschaft.

Bedauerlicherweise fällt auch die Union als geistige Gegenkraft in weiten Teilen aus.

Gespannte Ruhe auf den Sitzen … das war doch gar kein Witz.

Auch sie lässt sich zunehmend sozialdemokratisieren.

Tätä! Und Narhalla-Marsch! Der Saal bebt.

Die FDP ist die letzte politische Kraft, die noch gegen die Achsenverschiebung der Republik nach links ankämpft.

Tätä! Die ersten Handys werden gezückt – ist in der FAZ noch eine Kommentarspalte für den Nachruf für Kurt Waldheim frei?

Es gibt einen großen Teil in der Bevölkerung, der diesen Linksruck nicht will. Das haben sämtliche Wahlen der vergangenen Jahre gezeigt, bei denen die FDP hervorragend abgeschnitten hat.

Tätä! Stehende Ovationen aus dem Thüringer Block, in dem man immer noch siegestrunken von den 1,1 % Wählerstimmen ist.

Der Kampf gegen die vermeintlich einfachen Lösungen der Linken muss geführt werden. Die FDP wird da deutlich Flagge zeigen.

… und die Linken in ihrer vermeintlichen Einfachheit übertrumpfen! Ja, die Jecken sehen schon goldenen Zeiten für ihr Bonner PR-Depperl aufziehen. Der fesche Guido wird’s schon richten.

Wenn man der vergessenen Mitte des Landes, die den Karren zieht, immer mehr Lasten aufbürdet, um soziale Wohltaten zu verteilen, ist das aus meiner Sicht jedenfalls alles andere als gerecht.

Was will dieser blöde Staat uns eigentlich immer Vorschriften machen und unser schönes Geld den Armen geben. Die haben doch eh keinen Stil, können sich nicht ordentlich kleiden und kennen wahrscheinlich nicht einmal den Unterschied zwischen Dom Perignon und La Grande Dame. Was für eine Verschwendung, denen Geld zu geben. Kellner, bitte noch ein Flasche von ihrem besten Cuvée.

Da macht sich große Frustration breit über die sogenannte große Koalition und den Stillstand, der von ihr ausgeht. Diesen bürgerlichen Protest will die FDP einfangen. Denn eine Politik, die nur noch über sogenannte Unterschichten und Heuschrecken redet und dabei die breite Mitte der Gesellschaft vergisst, riskiert Wohlstand und demokratische Stabilität.

Täta! Wer denkt eigentlich an das abgehängte Patriziat? Den ganzen Tag Golf spielen, Champagner schlürfen und shoppen gehen ist auch kein Zuckerschlecken. Herr Ober, wo bleibt die Flasche? Nun schwingen Sie mal ihre Hufe, für 4 € die Stunde darf man doch ein wenig Eigenverantwortung und Flexibilität erwarten.

Wir geben auch Protestwählern eine Heimat.

Immer noch kein Rückruf von der FAZ. Was hat der Oettl uns auch die Show beim Filbinger gestohlen. Lebt Otto Beisheim eigentlich noch? Jetzt bräuchte man den Möllemann - was springt der auch Fallschirm.

Das Richtige zu tun ist wichtiger, als nur an der Macht bleiben zu wollen.

Jetzt lachen vornehmlich die alten FDP-Jecken. Der kecke Guido ist schon ein Spaßvogel.

Wer Regierungsverantwortung hat, hat auch die Verantwortung zu regieren.

Betretenes Schweigen. Dieser Witz wurde anscheinend nicht verstanden. Wo bleibt eigentlich der verdammte Schampus?

Die Regierung muss vielmehr dafür sorgen, dass denen, die arbeiten, am Monatsende mehr Netto vom Brutto übrig bleibt. Dafür stehen wir als FDP.

Tätä! Den Witz haben alle verstanden – Mehr Netto vom Brutto. Allgemeines Kichern in den Reihen.

Wir werden unser unverwechselbares Profil beibehalten, um weiterhin als einziger Leuchtturm der Freiheit zu wirken.

Uffta, Uffta – und noch ein Narhalla-Marsch! Die Jecken toben! Guido, der Leuchturm des Politklamauks hat die Jecken überzeugt. Die Spaßpartei ist wieder da und sieht glorreichen Zeiten entgegen. Was wohl die Frankfurter Börse dazu sagen wird? Am besten schnell den Makler anrufen.

Jens Berger

Bildnachweis: Alle Montagen Spiegelfechter.com

Kategorie: Deutschland, Glosse, Politclowns | 55 Kommentare

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Wie würdest Du bei einem Referendum über den "Vertrag von Lissabon" abstimmen?

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  • COPOKA @SF Jö, capice. Ich wollte ‘priono’ nur noch darauf hinweisen, dass Windows auf den Clients zwar...
  • Spiegelfechter @COPOKA Nee, es geht um die Client-Systeme und nicht um den Server. Das WP ein Leck hat ist klar, aber...
  • COPOKA @SF Na ja, wordpress läuft ja unter Linux ;) Das Sicherheitsleck war ja nicht auf deinem PC. Es sei denn,...
  • Spiegelfechter @alle Diskutanten Leider komme ich erst am WE dazu, mir die Beweisdokumente des FBI näher...
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