Filmtipp: The Weatherman

07. Juni 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Der Kinosommer kann beginnen. Alan Smithees Meisterwerk „The Weatherman“ läuft heute in den Lichtspielhäusern an – ein tiefgründiges Fantasydrama über große Gefühle, Ränkespiele, Eitelkeiten und das Wetter. Gespickt mit einem internationalen Starensemble, wurde der von Whitehouse Pictures produzierte Blockbuster für das Rekordbudget von 100 Millionen Euro in einem eigens dafür umgebauten Schlosshotel an der deutschen Ostseeküste gedreht. Wie in Insiderkreisen gemunkelt wird, hat alleine der Schutzzaun, der die öffentlichkeitsscheuen Schauspieler beim Dreh vor den Blicken von Fans und Paparazzi schützte, 12 Millionen Euro gekostet – auch dies ein Novum in der Filmgeschichte.

Das Hauptplot des Streifens ist recht schnell erzählt. Der edle und ritterliche König George von Amerika - gespielt von George Clooney - kämpft in der Welt von Terra für Freiheit und Demokratie. Den Bauern in seinem Reich fehlt es an nichts, sie haben dank der befreiten Kolonien immer genügend zu Essen, die größten und schönsten Pferde und können es sich leisten gut zu heizen, so dass sie nie frieren.

Alljährlich werden die Könige der acht großen Reiche zum Kaiserhof geladen. Die schwarze Kaiserin „das Merkel“ - wunderbar trübsinnig und humorlos dargestellt von Dany de Vito - hat mit den Mächten der Unterwelt einen Plan entwickelt, das Wetter zu verschlechtern – sie will ewig währenden Regen, Kälte und lange Winter auf dem Planeten Terra.

Der Rat ihrer Alchemisten und Hohepriester ist der Überzeugung, große Pferde und warme Wohnstuben würden den Wintergott erzürnen und ihn von seiner wichtigen Arbeit abhalten, Kälte in den Ländern von Terra zu verbreiten. Aus diesem Grund will „das Merkel“ den Bauern von Amerika ihre Pferde wegnehmen und ihnen das Heizen verbieten. König George, dem neben Freiheit und Demokratie sowohl gutes Wetter als auch seine Bauern am Herzen liegen, kämpft im Schloss der Kaiserin einen - wie es anfangs scheint - aussichtslosen Kampf gegen die Mächte des Bösen.

Interessant an diesem Film sind auch die Nebenplots. Da gibt es den alten Mitstreiter von König George, mit dem er so viele Schlachten für Freiheit und Demokratie geschlagen hat und der von der schwarzen Kaiserin umworben wird. Tony, der König von Britannien, ein vielschichtiger Charakter voller Selbstzweifel und Tücke - überzeugend in dieser Rolle Rowan Atkinson – muss sich zwischen Loyalität zur Kaiserin und dem Kampf für das Gute und besseres Wetter entscheiden.

In einem anderen Nebenplot muss König George sich gegen den roten Ritter Vladimir von Russland wehren, der George hasst, da dieser die polnischen Ländereien an seinen Grenzen mit Langbogenschützen schützen will. Undurchsichtig bis zum Schluss bleibt auch der mysteriöse Troubadour Bono (Al Pacino), der vorgibt den Bauern helfen zu wollen, sich aber am reich gedeckten Tisch der Kaiserin vollfrisst.

Alles in allem ein wunderbarer Film, in bester alter Hollywood-Tradition, samt Happy-End. Wenn es auch in der realen Welt zu viel regnen sollte, ist dies der Tipp für einen unbeschwerten Abend, bei Popcorn und Coca Cola.

Jens Berger

Kategorie: Glosse, Politclowns | 19 Kommentare

Da hilft nur noch “Hubschraubereinsatz”

05. Juni 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Hans Mustermann ist Berufspolitiker, er ist noch jung, nicht sonderlich kompetent und in den Medien kommt er eigentlich nie vor – noch nicht einmal die Lokalpostille aus seinem Wahlkreis interessiert sich für ihn. Armer Hans Mustermann. Dabei würde er doch so gern auch mal bei der schnieken Frau Christiansen auf dem Sessel sitzen und mit wichtigem Gesicht Plattitüden von sich geben. Aber dafür müsste er erst in die Oberliga der Schaumschläger aufsteigen und das ist gar nicht so einfach – die Konkurrenz auf den hinteren Bänken ist hart.

Hans Mustermann hat allerdings die Zeichen der Zeit erkannt. Er ist ein moderner Politiker und weiß, dass das Volk in Zeiten des “drohenden Bürgerkrieges” harte Männer an seiner Spitze sehen will. Mustermann hat zwar nicht die geringste Ahnung von Polizeitaktiken, Deeskalationsstrategien und dem Grundgesetz – aber wer braucht so etwas, wenn er die BILD-Zeitung als sein Sprachrohr hat. BILD weiß alles und erklärt dem Leser die Zusammenhänge … oder das, was BILD dafür hält – da braucht es keine fachliche Kompetenz, die ist eher kontraproduktiv. Und BILD hat erkannt: „DIE LINKEN CHAOTEN GEBEN KEINE RUHE!“

Dagegen muss doch etwas getan werden. Mustermann sah die Chance, rief im Springer-Hochhaus an und bettelte nach einer Schlagzeile, unter der sein Namen prangt. Seinen eigentlicher Vorschlag, sich an den Siegern der Globalisierung zu orientieren und am Rostocker Altstadthafen wie weiland am Tian’anmen-Platz Panzer auffahren zu lassen, die den Schutz der friedlichen Demonstranten durch ihre überlegene Feuerkraft garantieren können, wurde von der BILD-Redaktion wohlwollend zur Kenntnis genommen, aber erst einmal auf Donnerstag verschoben, so da auf der Titelseite neben den bereits gesetzten Artikeln „Frau Dr. Merkel rettet die Welt“, „Frau Dr. Merkel verspricht 750 Millionen für Afrika!“, „Frau Dr. Merkel ringt Bush historischen Klimakonsens ab!“ und der obligatorischen Wichsvorlage noch Platz ist.

Das war Hans Mustermann ein wenig zu vage aber die BILD-Redaktion hatte den rettenden Vorschlag schnell parat – wie wäre denn die GSG9 anstatt der Panzer? Mustermann wusste zwar aus dem Stehgreif jetzt nicht, was dieses GSG9 ist, aber das hörte sich doch gut an – er auf Seite 1 in der BILD-Zeitung und das sogar angezogen; Mutti wird stolz sein auf mich, dachte Mustermann.

Aktionismus war schon immer erste Wahl, wenn man weder Ahnung hat, noch Interesse daran, ein Thema ernsthaft zu hinterfragen. So lange es Mustermänner gibt, wird sich daran nichts ändern. Mustermann hat übrigens viele Namen und er sitzt in allen Parteien.

p.s.: Bei Meldungen wie dieser muss ich immer an den alten Klassiker “Hubschraubereinsatz” von Foyer des Arts denken:

Handtaschenräuber, Handtaschenräuber,
überall, überall Handtaschenräuber!
Da hilft nur noch Hubschraubereinsatz,
Hubschraubereinsatz!

Update: BILDs Garant für gute Laune und Qualitätsjournalimus - F.J. Wagner - lässt es heute mal so richtig krachen. Absoluter Lesebefehl, für alle, die englischen Humor lieben … Wagner ist übrigens nicht Satiriker, sondern wirklich echt - zumindest glaube ich das.
Jens Berger

Bildnachweis: Bild.de, Montagen: Spiegelfechter, Material: Wikicommons, Oleschroeder.de.

Kategorie: Deutschland, Glosse | 34 Kommentare

BILD kämpft gegen die Mullahschwebebahn!

31. Mai 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Eine Unverfrorenheit sondergleichen! Da maßt sich der Irre aus Teheran (BILD-Slang für den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad) doch an, das Prunkstück deutscher Technologie kaufen zu wollen. Den Exportschlager schlechthin, der für “Deutschland” steht, wie sonst nur die Kuckucksuhr - den Transrapid, oder wie BILD es schreibt „unseren Transrapid“.

Warum Iran ausgerechnet den Transrapid für den Transport von jährlich 12 bis 15 Millionen Pilgern von Teheran ins 800 Kilometer entfernte Maschhad einsetzen will, bleibt wohl das Geheimnis der „Atom-Mullahs“. China und auch Deutschland haben offensichtlich kein Interesse daran, teure Spitzentechnik „Made in Germany“ einzusetzen, wenn es denn auch preiswerter geht.

Glaubt man Charlotte Knobloch vom Zentralrat der Juden, so ist der Pilgerzug von Christen für Moslems gar nur eine Finte. Sie befürchtet allen Ernstes, „[dass] der geplante Transrapid nicht nur Pilger, sondern auch Waffen und Terroristen transportieren könnte.“ Das sollte die Marketingabteilung des Transrapid-Konsortiums nicht ungehört verpuffen lassen! Der Transrapid als Waffentransporter wäre eine geniale Nischenlösung. Dort wo es beim Waffentransport vor allem auf Geschwindigkeit ankommt und Kosten eine untergeordnete Rolle spielen, wäre der Transrapid erste Wahl … nun ja, hinter dem Flugzeug, Zügen, die funktionieren, und einem VW Polo mit einem „Eilige Arzneimittel“-Tarnaufkleber.

Das Problem der transrapidreisenden Terroristen, welches Frau Knobloch so sehr am Herzen zu Liegen scheint, könnte der deutschen Wirtschaft indes Folgeaufträge in Milliardenhöhe einbringen. Eine lückenlose Videoüberwachung, mit biometrischer Schnellidentifizierung und RFID-Fahrkarten, die mittels Geruchssensoren „böse“ Fahrgäste den Sicherheitsbehörden melden, wären, ähnlich wie der Transrapid selber, ein Wunschkind deutscher Politiker, das in Deutschland selbst, dem Volk ‘leider’ nur schwer zu vermitteln ist.

Aber Wirtschaft hin, Wirtschaft her, - der Arbeitsmarkt boomt und der „Weltmeister“ kann sich seine Kunden aussuchen. Als Anwalt des kleinen Mannes und einzig legitimes Sprachrohr für die Themen Rechtschaffenheit und Anstand mahnt die BILD auch tief betroffen: „Auch für Weltmeister gibt es Grenzen“, wobei der BILD-Setzer das obligatorische Ausrufezeichen hinter der Überschrift vergessen haben muss.

„Seit Jahrzehnten wird versucht, den Ajatollahs über enge Wirtschaftskontakte beizubringen, wie man sich auf der internationalen Bühne benimmt. Ergebnis? Fehlanzeige!“

Undank ist der Welten Lohn und Benimm für Mullahs ein Fremdwort – da macht man ihnen vor, wie sich eine Wirtschaftsnation nach deutschem Schrot und Korn zu benehmen hat, wie Betriebsräte in den Puff nach Brasilien eingeladen werden, Mitarbeiter nach Billigtarifen entlohnt werden, während die Kapitalmaximierung des oberen Managements internationalen Standards angepasst wird und Schmiergelder effektiv eingesetzt werden können. Und was kommt dabei heraus? Noch nicht mal den Hut nimmt dieser Ajatollah beim Essen ab – so wird das nie was, mit dem Benimm nach teutonischer Art.

„Im Klartext: Für einen Staat, der mit antisemitischen Tiraden Politik macht, ein Regime von Fanatikern, das Israel von der Landkarte tilgen will, gibt es keine Spitzentechnik „Made in Germany“.

Im Klartext: Spitzentechnik „Made in Germany“ gibt es nur für Staaten, die von der USA vor dem Weltsicherheitsrat bei jeder Gelegenheit geschützt werden, Angriffskriege starten, ein Apartheidsregime etabliert haben und anderen Staaten offen mit einem Atomschlag drohen, wenn diese ihre Nuklearambitionen nicht einstellen. Solche Staaten bekommen auch nicht nur Pilgerzüge, sondern „High-Tech“ aus deutschen Werften und Waffenschmieden. Bezahlen müssen solche Staaten ihre Waffentechnik auch nicht – für solche Staaten zahlt auch gerne der Steuerzahler.

„Für Antisemiten ist der Exportladen geschlossen – egal, ob es um Arbeitsplätze geht oder um Dollar-Millionen.“

Denn Dollar-Millionen lassen sich vortrefflich mit den Menschenrechtsfreunden in China, den Frauenrechtlern aus Saudi-Arabien, den lupenreinen Demokraten aus Turkmenistan und Usbekistan und den Umweltaktivisten aus Nigeria machen – da braucht man keine Antisemiten. Und ein Volk, dessen Präsident ein antisemitischer Idiot ist, muss sowieso in Sippenhaft genommen werden – gut, dass Bush zwar ein Idiot, aber kein Antisemit ist.

BILD hat sogleich drei „redliche“ Kommentatoren ausgegraben, die ihren üblichen Sermon zu diesem Thema kundtun dürfen, was BILD dann unter „Proteste in Deutschland!“ zusammenfasst, diesmal mit BILD-typischen Ausrufezeichen.

Einer der Kommentatoren ist der CDU-Hoffnungsträger, Merkel-Groupie und fleischgewordene feuchte Traum einsamer JU-Matronen Ecki von Klaeden – leider darf er in BILD nur sagen, dass er das iranische Angebot „unseriös“ findet – damit bügelt das Merkel seine all zu kecken Avancen auch immer ab.

Wo es um das Thema Iran und Antisemitismus geht, ist natürlich der wackere Kämpfer gegen Drogenkonsum und Zwangsprostitution Paolo Pinkel nicht weit. So befindet er in BILD - „Ein Skandal! Iran ist das gefährlichste Land der Welt, hat einen antisemitischen Irren an der Spitze.“ Warum Iran das gefährlichste Land der Welt sei, bleiben uns Pinkel und BILD selbstverständlich schuldig – dies ist auch eher die Außenseitermeinung von moralisch integeren Ex-Moderatoren und SPIEGEL-Redakteuren auf Steroiden - und daher auch gar nicht ernst zu nehmen.

Einen wichtigen Punkt bringt hingegen der CSU-”Außenexperte“ Lintner via BILD ins Spiel:

„Solange Teheran den Holocaust leugnet und Israel von der Landkarte tilgen will, sollten wir keine solchen Geschäfte mit den Mullahs machen.“

Nein, dies ist noch nicht der wichtige Punkt, sondern das übliche, bewusst gefälschte Mantra der Kriegshetzer und Kulturkämpfer, wenn es um den Iran geht.

„Außerdem ist der Transrapid ein Stück Hochtechnologie – und ich kann nicht ausschließen, dass die Iraner sich etwas abgucken wollen.“

Da legt Herr Lintner seinen Finger mit schonungsloser Offenheit mitten in die Wunde. Nicht auszudenken, wenn die Atommullahs sich „unseren“ Transrapid „abgucken“ und wohlmöglich mit einer billigen (atomgetriebenen?) Kopie „uns“ relevante Anteile auf dem boomenden Markt der Magnetschwebebahnen abgaunern würden. Nein, das geht natürlich auf keinen Fall. Da verkaufen “wir” den Transrapid doch lieber in ein Land, dessen Bewohner Achtung vor geistigem Eigentum und Patenten haben - nach China.

Jens Berger

Bildnachweis: Mockstar, Mary Loosemore, Sumergenius, Arbeiterfotographie.com

Kategorie: Ausland, Glosse, Iran, Medien, Politclowns | 31 Kommentare

Auch das noch! Knut wird SPD-Vorsitzender!

08. Mai 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Aufregung im Willy-Brandt-Haus! Niemand kennt den SPD-Vorsitzenden Kurt Dingens - dies ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage. Erstmals belegte Dingens in dieser Umfrage den letzten Platz. Vor zwei Wochen konnte er immerhin noch Ernst Günther Posipal, den beliebten SPD-Ortsverbandsvorsitzenden aus Oer-Erkenschwick, hinter sich lassen.

Eiligst wurde von den SPD-Granden eine Taskforce aus Spin-Doktoren und professionellen Werbern einberufen um gegenzusteuern; leider erfolglos, hatte man doch schon alles ausprobiert. So konnte Dingens erst jüngst einen riesigen PR-Coup landen, als er einem Arbeitslosen riet, sich doch zu waschen und zu rasieren, dann klappe es auch mit dem Job. Weitere PR-Coups scheiterten allerdings. Ein Auftritt bei Deutschland sucht den Superstar wurde von RTL abgelehnt, da er für die Zielgruppe nicht interessant genug sei und Werbekunden verschrecke, und der SPD-Sessel bei Christiansen ist noch bis 2020 von Sigmar Gabriel abonniert. Andere Polittalkshows lehnen einen Auftritts Dingens wegen seines mangelnden Bekanntheitsgrades ab. ZDF-Politikchef Nikolaus Brender sagte dem SPIEGELFECHTER in einem Interview, „was soll ich denn mit dem … ähm, wie hieß der noch mal? Den kennt doch keine Sau, das ist ein Quotenkiller“.

Im Willy-Brandt-Haus wurde die ganze Nacht diskutiert. Der SPIEGELFECHTER hat bereits heute aus vertraulichen Kreisen erfahren, was erst nächste Woche auf einem Sonderparteitag dem Volk bekanntgegeben werden soll. Man traf sich in illustrer Runde, sogar der SPD-Popbeauftragte und ewige Hoffnungsträger Sigmar Gabriel wurde per Fernschalte hinzugezogen, er konnte wegen zweier eng aufeinander folgender Talkshow-Termine leider nicht persönlich anwesend sein. SPD-Vorsitzender Dingens konnte dagegen an der Krisensitzung bedauerlicherweise nicht teilnehmen, da er seinen Parteiausweis zuhause vergessen hatte und der Pförtner des Willy-Brandt Hauses ihn leider auch nicht kannte. Nach langen Diskussionen kam man überein, dass man ein frisches Gesicht bräuchte um gegen die omnipräsente Regentin bei den nächsten Wahlen auch nur den Hauch einer Chance zu haben. Hubertus Heils Vorschlag, den unverbrauchten Ernst Günther Posipal zu nominieren, der auch ihn in der Bekanntheitsliste überholt hatte, wurde von allen Seiten abgelehnt; Posipal sei aufgrund seiner sauerländischen Herkunft, dem nord- und ostdeutschen Wähler schwer zu vermitteln. Als Sigmar Gabriel zum rettenden Vorschlag ausholte, sich selbst für das Wohl der Partei aufzuopfern, brach leider die Schalte zusammen.

Gegen zwei Uhr äußerte der SPD-Chefpartyhase und –denker Klaus Wowereit den Vorschlag, doch den Erstplatzierten der Forsa-Bekanntheitsrangliste einfach als neuen SPD-Vorsitzenden zu nominieren. Wowereit ist nicht umsonst Chefdenker und sein Plan war auch wohlfeil durchdacht – die Bekanntheitsrangliste wird schließlich vom Eisbären Knut angeführt, der ist Berliner und somit in Wowereits Landesverband. Somit könnte Wowereit als Graue Eminenz hinter Knut die Politik der Bundesrepublik steuern und so auch endlich einen Schuldenerlass für Berlin durchdrücken. Wie nicht anders zu erwarten, wurde dieser Vorschlag einstimmig angenommen, nachdem Wowereit den SPD-Linken versichern konnte, dass Vorsitzender Knut ihnen bei den Themen Mindestlohn und Gestaltung der Damentoiletten im Willy-Brandt-Haus entgegenkommen wird.

Diese Meldung schlug in Insiderkreisen natürlich ein, wie eine Bombe. Das SPD-Marzipanschweinchen und ewige Talent Sigmar Gabriel erfasste auch sogleich den Ernst der Lage, nachdem er am Rande einer Talkshow erfuhr, dass Eisbären in menschlicher Obhut bis zu 45 Jahre alt werden können; denn mit 92 Jahren wäre er zu alt um als Kanzlerkandidat anzutreten. Unbestätigten Meldungen zufolge, will er auf dem nächsten Parteitag mit der Kampagne „Sind wir nicht alle Eisbär, irgendwie?“ gegen seinen Adoptivsohn Knut zu einer Kampfabstimmung antreten. Hinter den Kulissen malt er auch bereits Schreckenszenarien an die Wand, wie die Zukunft der SPD unter dem Vorsitzenden Knut aussehen könnte: Eklat bei Elefantenrunde - Der Wahlsieger und designierte Bundeskanzler Knut frisst Kontrahentin Merkel!

Jens Berger

Linktip: SPAM@SPON: SPD am Ende - Beck noch unbekannter als gestern!

Bildnachweis: Creativity+ bei Flickr (CC), Capture von Kurt-Beck.de, Montagen: Spiegelfechter (CC)

Kategorie: Deutschland, Glosse, Politclowns | 14 Kommentare

Schöne, dünne Welt

06. Mai 2007 von Achel - Drucken

Horst Seehofer, seines Zeichens Verbraucherschutzminister dieses unseres Landes, hat es recht schwer. Nicht nur, dass seine Ambitionen, König von Bayern zu werden, durch seine außereheliche Affäre stark gelitten haben. Es ist ja auch ärgerlich, dass dieser, nun ja, Skandal, in eben diesem Moment ans Licht kam, als er seine Ambitionen sowohl in der CSU als auch vor dem Volke kundtun wollte. Doch das war bestimmt reiner Zufall und nicht von irgendwelchen Becksteins oder Hubers gesteuert.

Aber auch ansonsten hat es der Seehofer nicht leicht, sich zu profilieren. Nirgendwo lauert eine fiese Vogelgrippe, kein Gammelfleisch wurde in letzter Zeit entdeckt, sogar die Gurken bei Aldi sehen nicht schlecht aus. Es gibt also derzeit keine Möglichkeit für den Seehofer, durch sinnlos-hysterischen Aktionismus zu glänzen.

Also schickte er seine chronisch unterbezahlten Handlanger in die Welt hinaus, um ein Thema zu finden, das seiner würdig ist. Der aktuelle Handlanger des Monats traf dann in einer schummrigen Bar die Studie der International Association for the Study of Obesity, die ihm erzählte, dass der Deutsche an sich zu dick sei.

Dagegen muss etwas unternommen werden, teilte kurz darauf der Seehofer der Presse mit und kündigte für den 10. Mai einen „nationalen Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung und Bewegungsmangel“ (Reuters) an. So hat der, nun ja, Verbraucherminister noch etwas Zeit, sich zu überlegen, wie denn dieser nationale Aktionsplan überhaupt aussehen soll. Aber ankündigen ist ja schon mal eine gute Sache, nicht, dass irgendeine Pfeife aus einer anderen Partei ihm die Idee wegschnappt.

Renate Künast etwa lauert ebenfalls seit geraumer Zeit darauf, mal wieder in den Medien zu erscheinen. Und damals, als sie noch denselben Posten innehatte, war sie ja auch von der Idee besessen, einen Kampf gegen Karies und Übergewicht zu führen.

Was ja eigentlich nur bedeutet, dass Renate Künast des Anblicks dicker Menschen mit schlechten Zähnen überdrüssig war und ist, und dass sie ein Volk aus gestählten Model-Typen will, die in ihrer ästhetischen Erhabenheit über die Unzulänglichkeiten der Politik hinwegstrahlen können. Ihr damaliger Plan war, dass der uneinsichtige Konsument für seine ungesunden Lebensmittel teuer bezahlen sollte. Und das nicht nur bildlich, sondern im tatsächlichen monetären Sinne. Ja, mit Geld. Die Mehrwertsteuer sollte speziell für staatlich geprüftes und für ungesund erklärtes Essen drastisch erhöht werden. Gesetzt den Fall, Pommes und ähnliches wären unermesslich teuer. Dann könnten sich nämlich nur noch die Besserverdiener den Wanst mit Fettigkeiten vollschlagen. Gut, sie würden über kurz oder lang fiese Krankheiten wie etwa Übergewicht erleiden, aber sie hätten auch das Geld, diese behandeln zu lassen.

Der nicht so gut Verdienende macht dagegen einen weiten Bogen um das dekadente ungesunde Essen. Damit bleibt er gesund, was ein Riesenvorteil ist, da er sich eventuell anfallende Arztkosten eh nicht leisten könnte. Gesundheit als finanzieller Selbsterhaltungstrieb.
Der Plan wurde aber ähnlich wie das 1000-jährige Reich nicht bis zu Ende gedacht und daher auch nicht umgesetzt. Bis auf die Mehrwertsteuer, aber da kann die Künast wohl nichts dafür.

Doch wie mag der nationale Aktionsplan des Seehofer wohl aussehen?

Werfen wir doch einen Blick in die Zukunft. Es werden Lager eingerichtet, sogenannte Abnehm-Camps unter dem Motto „Sport macht glücklich“. Sadistische Fitnesstrainer trietzen fettleibige Deutsche mit seelisch aufbauenden Schrei-Attacken wie „Du fette Sau schaffst keine Klimmzüge?“ Dabei werden die der Dickheit schuldigen Insassen, äh, Teilnehmer des Camps durch eine Folterkammer der Fitnessgeräte gejagt. Am Nachmittag steht Aerobic oder Power-Stepp auf dem Programm. Eigens für diesen Zweck ausgebildete Trainer protzen dabei mit ihrer aufgesetzten Fröhlichkeit und betonen fortwährend die Wichtigkeit des Konzeptes, das diesem, nun ja, Sport zugrunde liegt.

Wenn die Delinquenten körperlich völlig am Ende sind, gilt es, ihren Geist zu brechen. Ähnlich wie in dem Film „Clockwork Orange“ müssen sie endlose Aneinanderreihungen von Bildern kalorienreicher Süßspeisen anstarren, bis ihr Gehirn soweit gewaschen ist, dass der pure Anblick einer Torte sie schlicht zusammenbrechen lässt, und sie nur noch ein sich auf dem Boden windendes, sabberndes Etwas darstellen.

Doch damit nicht genug, schließlich enthält der nationale Aktionsplan auch das wundervolle Wort „Prävention“. Und darunter muss die Industrie leiden. Produzenten kalorienreicher und fetthaltiger Lebensmittel ereilt ein absolutes Werbeverbot, klappt ja auch bei Zigaretten. Und ebenso wie bei Zigaretten werden die Leckereien mit Todesdrohungen der Marke „Wer dieses Snickers isst wird fett und impotent, kriegt keine Frau ab und wird außerdem einen einsamen, qualvollen Tod sterben“ versehen. Das Wort „Leckereien wird aus dem Duden gestrichen und darf nie wieder gesagt werden.

Zucker hat fortan denselben Status wie Kokain und ist nur auf dem illegalen Weg zu bekommen. Eisdielen fristen ihr Dasein in dunklen Gassen neben Pornokinos und Sado-Maso-Studios. In jeder Küche der Republik sitzt ein Ernährungskontrolleur. Dieser sieht zwar wohlwollend auf das Tomaten-Mozzarella-Brötchen, schreibt aber bei Überwürzung mit Salz und Pfeffer Strafpunkte auf, die die Krankenkassenbeiträge in die Höhe schnellen lassen.

Ernährungsberater, die nachweislich schlechtesten Menschen der Welt, besuchen Schulen und behaupten dreist, ihre berüchtigten Ernährungspyramiden sprechen die Wahrheit. Das leicht zu beeinflussende Jungvolk beginnt dann auch die Eltern zu denunzieren, wenn diese trotz der ganzen Prävention ein paar Kilo zugenommen haben.

Eigentlich soll auch das Bier gänzlich verboten werden. Da aber Seehofer den Plan, zum König von Bayern gewählt zu werden noch nicht völlig aufgegeben hat, hat er sich in letzter Minute umentschieden. Bier gibt es auch weiterhin, allerdings nur an Menschen, die nachweislich zehn Kilo Untergewicht haben. Das ist für die Schankwirte leicht festzustellen, denn im Personalausweis ist neben Pupillen-Scan, Stimmprobe, Fingerabdruck, DNA-Probe und Kaufgewohnheiten auch der Body-Mass-Index enthalten.

Und der Deutsche wird fortan schlank, gesund, irgendwie verhärmt und diffus glücklich, lebt er doch endlich in der schönen, dünnen Welt.

Achel

Bildnachweis(von oben nach unten):www.antje.de, Bildblog.de, ZDF, .S´ auf Flickr (CC), Mayr auf Flickr (CC).

Kategorie: Deutschland, Glosse | 22 Kommentare

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