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19. Februar 2009 von
Spiegelfechter
Die Darwin-Awards sind eine zynische Angelegenheit. Sie werden postum an Zeitgenossen verliehen, die ihre Gene auf besonders dämliche Art und Weise aus dem Genpool entfernen. Seit 1994 werden skurrile Fälle, die von den Betreibern der Webseite auf Authentizität überprüft werden, ausgezeichnet. In diesem Jahr konnte der brasilianische Priester Adelir Antonio de Carli den Hauptpreis abräumen. Der 51jährige Geistliche wollte den Rekord im “Cluster-Ballonfliegen” aufstellen. Dabei setzt man sich auf einen Stuhl, der an mehrere kleine Heliumballons befestigt ist. De Carli hatte sich zum Ziel gesetzt, 19 Stunden auf seinem Stuhl über Brasilien zu fliegen. Dabei verließ er sich nicht nur auf Gottes Gnade, sondern legte sich auch hochprofessionelle Ausrüstung zu. Fallschirm, wasserfeste, warme Kleidung, eine Schwimmweste, ein Satellitentelefon, und sogar einen GPS-Empfänger, mit dem er im Notfall seine Position hätte durchgeben können. De Carli hob ab und ward nie mehr gesehen. Nachdem er mit seinen 1.000 Ballons 6.000 Meter Flughöhe erreicht hatte, brach der Kontakt zur Bodenstelle ab. Später meldete er sich über sein Satellitentelefon beim Rettungsdienst, konnte aber nicht seine Position durchgeben, da er offensichtlich nicht wusste, wie man den GPS-Empfänger bedient. Bevor man ihm weiterhelfen konnte, war der Akku des Telefons leer. Wochen später konnten Teile de Carlis´ von einer Ölplattform 100 km vor der brasilianischen Küste gefunden werden. Seine Gene hat er damit erfolgreich und hinlänglich skurril aus dem Genpool entfernt. Aber auch de Carlis´ Vorgänger haben/hatten durchaus ihren Unterhaltungswert.
In der Wüste Arizonas herrscht unter einigen Waffenliebhabern die Unsitte vor, Riesenkakteen als Zielscheiben für ihre Schießübungen zu missbrauchen. Um die Kakteen zu schützen, stellte der Staat Arizona dieses seltsame Freizeitvergnügen unter Strafe ? uneinsichtige Pistoleros riskieren eine Geldstrafe bis zu 100.000 US$, und eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. Dies alles konnte allerdings den 27jährigen David nicht davon abhalten, seinen Freunden imponieren zu wollen. Mit seinem Gewehr schoss er zwei Schneisen in den unteren Teil einer rund 6 Meter hohen Kaktee. Sein letztes Wort war ?Timber!?, was so viel heißt wie ?Baum fällt!?. Die Kaktee fiel ? auf David, und begrub ihn unter sich.
Eine weitere amerikanische Unart ist das Dynamit-Fischen. Eine Handgranate oder ein anderer Sprengkörper ? und man kann sich das lästige Angeln ersparen. Man sollte die explosiven Anti-Fisch-Waffen allerdings in sicherer Entfernung zum eigenen Boot verwenden. Der 29jährige David aus Illinois und sein Freund wußten dies anscheinend nicht. Durch eine plötzlich aufziehende starke Windböe wurde ihr Boot direkt über die ins Wasser geworfenen Dynamitladung getrieben. Der Rumpf des Aluminiumbootes wurde aufgerissen und das Boot sank. Davids Freund konnte an Land schwimmen, David allerdings konnte überhaupt nicht schwimmen und ertrank.
Nicht nur Dynamit-Fischen ist gefährlich. Fische lassen sich auch durch Strom töten. Ein ordentlicher Stromstoß und schon kann man die leckere Beute mit einem Netz einsammeln. Das hatte auch ein 43jähriger Ukrainer in der Nähe von Kiew vor. Um mit einem maritimen Mahl den ersten Todestag seiner Schwiegermutter zu feiern, ging er mit einem blanken Verlängerungskabel an den nahen Fluss und vollzog sein listiges Handwerk. Leider vergaß er, den Strom abzustellen, bevor er sich die Beute aus dem Wasser holte. So teilte er das Schicksal der Fische und starb an einem [elektrischen] Schlag.
Einen schönen Abend wollten sich Carol und Mark in ihrem Heim in Washington machen. Um sich zu entspannen, inhalierten sie Lachgas. Das aus Zahnarztpraxen bekannte Narkotikum ist bekannt für seine entspannende Wirkung. Carol und Mark hatten allerdings übersehen, dass Lachgas in Zahnarztpraxen natürlich nicht pur, sondern mit Luft vermischt angewendet wird. Carol und Mark mischten ihr Lachgas natürlich nicht mit Luft. Man fand sie mit Atemmasken auf ihrem Gesicht ? die angeschlossenen Gasflaschen waren leer. Mark arbeitete vor seinem Tod seit 10 Jahren als Rettungsarzt bei der Washingtoner Feuerwehr. In einer Pressemeldung rühmte ein Sprecher der Feuerwehr den Toten mit den Worten ?Er war einer unser bestausgebildetsten und fähigsten Kräfte? ? für die Bürger Washingtons mag dies nicht sonderlich sonderlich beruhigend klingen.
Wenig Glück mit den Verlockungen des weiblichen Geschlechts hatte auch ein 29jähriger in einer Rotlichtbar in Phillipsburg. Vor lauter Übermut schleckte er die mit speziellem Klebstoff befestigten Pailletten vom Leib einer Tänzerin und erstickte. Der Polizei gegenüber sagte die Tänzerin: ?Ich bin im Traum nicht auf die Idee gekommen, dass er die Dinger essen würde ? ok, er war ziemlich betrunken.?
Alkohol und Schneemobile sind eine tödliche Kombination – wenn dann auch noch ein Hase dazukommt, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Eine Gruppe betrunkener Wintersportler entdeckte bei ihrem Ausflug einen Hasen. Aus Jux und Dollerei wollten sie ihn fangen, was aufgrund des Alkoholpegels allerdings nur dazu führte, dass sie sich ineinander verkeilten. Nur ein Schneemobilfahrer war geschickt genug, die Fährte aufzunehmen. Der Hase, clever wie eh und je, flüchtete in Richtung eines Highways. Sich seiner Sache sicher, beschleunigte Mr. Snowmobil auf Höchstgeschwindigkeit. Dadurch muss ihm entgangen sein, dass der Hase nicht auf, sondern unter den Highway flüchtete. Ein lauter Knall und eine Explosion folgten – der Schneemobilfahrer war mit Höchstgeschwindigkeit in den Eingang eines “Krötentunnels” gerast. Der Hase überlebte mit einem Schrecken in den Knochen …
Betrunken waren auch zwei Möchtegernpiloten in Chilliwack, Kanada. Nach etlichen Drinks kamen sie auf die glorreiche Idee fliegen zu wollen – mit einem gestohlenen Flugzeug vom nahen Flughafen. Es ist überflüssig, zu erwähnen, dass keiner der beiden Bruchpiloten je in einem Cockpit saß. Immerhin schafften sie es, die kleine Maschine in die Luft zu bringen und ein paar Ehrenrunden über der schlafenden Kleinstadt zu drehen. Mit dem Landen klappte es allerdings nicht so gut. Sie suchten sich einen Grünstreifen neben dem breiten Highway der Stadt aus, vergaßen dabei allerdings, dass über diesem Highway Stromleitungen gespannt sind. Das kostete sie zunächst das Leitwerk, und dann das Leben. Das Flugzeug rammte mit der Nase in den Boden. Über den Wolken ist die Freiheit zwar grenzenlos, aber auf dem Boden endet sie abrupt.
Überirdische Leitungen sind auch indirekt für das frühzeitige Ableben zweier weiterer Darwin-Preisträger verantwortlich. Eine amerikanische Telefongesellschaft ließ ihre überirdischen Leitungen unterirdisch neu verlegen. Dafür wurde in einer amerikanischen Provinzstadt eine kleine Strasse aufgerissen – eine Fahrbahn war freigegeben, die andere wurde abgesperrt, da dort bereits ein Graben ausgehoben wurde. Dies veranlasste zwei Hillbillies, sich einen seltsamen Spaß zu leisten. Auf dem abendlichen Weg in ihre Stammkneipe versetzten sie die Absperrung, so dass die Fahrbahn gesperrt war, und der Graben offen lag. Nur dumm, dass sie ihren eigenen Scherz vergaßen, während sie sich betranken. Auf der Rückfahrt fuhren sie mit stark überhöhter Geschwindigkeit – und stark erhöhtem Alkoholpegel – in besagten Graben und starben noch am Unfallort. Wer anderen eine Grube gräbt …
Seine Liebe zum Automobil wurde dem 68jährigen Gerhard zum Verhängnis. In einem Stau blieb er mit seinem schönen Porsche Cayenne auf einem Bahnübergang stehen. Als sich die Schranken senkten, wusste Gerhard, dass nur noch eine heldenhafte Aktion seinen Porsche retten könne. Gerhard stieg aus seinem Luxusvehikel aus, und rannte auf den Schienen in Richtung des ankommenden Zuges. Das letzte, was man von ihm sah, war wildes Gestikulieren. Zumindest seinen Porsche konnte er retten. Die eingeleitete Notbremsung nach dem Aufprall sorgte dafür, dass der Porsche mit weniger Schäden davonkam als sein Besitzer.
Eines Tschechen Schicksal war es, dass er im Physik-Unterricht wohl geschlafen hat. Als im letzten Jahr die Stahlpreise explodierten, verdienten sich viele findige Schrotthändler eine goldene Nase. Dies spornte auch einen Mann im tschechischen Zatec an. In einem stillgelegten Werk fand er seine persönliche Goldmine in einem Fahrstuhlschacht. Um an das massive stählerne Halteseil zu kommen, stieg er auf die Kabine des Fahrstuhls, und machte sich an die schweißtreibende Arbeit. Als er endlich mit seiner Metallsäge das Seil durchkappte, setzte sich der Aufzug in Gang und zerschellte am Boden des Schachts – schnell und tödlich. Ob der Mann durch den Sturz, oder durch das herabfallende schwere Metallseil getötet wurde, ist nicht bekannt.
Ein australischer Kung-Fu Schüler schenkte in den 90ern den weisen Worten seines Lehrers ein wenig zuviel Glauben. Nach einer Übungsstunde, in der er offensichtlich gute Fortschritte gemacht hatte, lobte ihn der Lehrer mit den Worten ?Nun bist Du so weit, dass Du wilde Tiere mit bloßen Händen töten könntest?. Der Schüler nahm den Lehrer beim Wort und brach nachts in den Melbourner Zoo ein. Ob es zwischen ihm und den Löwen zu einem Zweikampf nach allen Regeln der Kampfkunst kam, ist nicht bekannt ? Tierpfleger fanden seine Überreste am nächsten Morgen im Löwengehege. Zwischen den Fingern fanden sie Haare, die der Mähne eines Löwen entstammten.
Wenig Glück mit Raubkatzen hatten auch die zwei Inder Rai und Tiwari. Beseelt von religiösem Eifer wollten sie einen Tiger im Zoo von Kalkutta ehren. Um diese hochehrenwerte Handlung vorzunehmen, überwanden sie den Sicherheitszaun des Zoos und tänzelten auf einen 13jährigen bengalischen Tiger namens ?Shiva? zu. Um den Tiger zu huldigen, hängte ihm Rai einen Kranz aus Ringelblümchen um den Hals ? so viel Ehre war dem Tiger wohl nicht genehm, er griff Rai an und verbiss sich in ihn. Sein Freund Tiwari legte alle Verehrung beiseite und attackierte den Tiger mit Fußtritten um Rai zu retten. Die Katze entledigte sich des tretenden Verehrers mit einem Biss in den Hals …
Ein 34jähriger Australier hatte eine tödliche Vorliebe ? alte Lastwagen. Um in den Besitz eines Original-Motors eines alten Bedford-Trucks zu kommen, brach er nächtens in eine Glas-Recycling-Firma ein und machte sich an die Arbeit. All zuviel schien er aber nicht von Lastwagen zu verstehen. Er legte sich unter den Wagen und begann zu schrauben. Irgendwann hatte er sein Ziel erreicht, und der Motorblock, der so schwer ist, dass es eigentlich drei Mann benötigt, um ihn anzuheben, zerquetschte den Motordieb in spe. Der Firmeninhaber sagte der Polizei: ?Er hätte nur fragen müssen ? ich wollte den alten Laster eh verschrotten. Er hätte ihn mitnehmen können.?
Schlechte Erfahrungen mit der Unterseite von Lastwagen musste auch der 34jährige James Burns aus Alamo/Michigan machen. Um herauszufinden, woher die seltsamen Geräusche seines Trucks kommen, hängte er sich unter dem Fahrzeug ein und bat einen Freund, den Truck zu fahren. Auf seinem Horchposten muss Burns sich mit seiner Kleidung in einem beweglichen Teil verfangen haben. Sein Freund fand ihn tot ? um die Antriebsachse gewickelt.
Der 39jährige Anwalt Garry war begeistert von der Sicherheitsverglasung seines Büros im ?Dominion Bank Tower? im kanadischen Toronto. Um auch seine Gäste von der erstaunlichen Stabilität der Fenster zu begeistern, sprang Garry schon mal gerne mit Anlauf gegen seine gläsernen Büroaußenwände. So auch beim Besuch einer Studentengruppe. Dummerweise zerbrach diesmal das Fenster und man fand Garry im Hof des Wolkenkratzers wieder ? 24 Stockwerke tiefer. Seinen Vorgesetzten zufolge war Garry eines der besten und cleversten Mitglieder ihrer Kanzlei.
Wenige Meter entfernt stürzte sich ein paar Monate später der 55jährige Stefan aus dem 23. Stockwerk unfreiwillig in den Tod. Er wollte auf dem Balkon seines Appartements in Toronto den Vogelkasten reinigen. Stefan stellte sich dabei auf einen Bürostuhl mit Rollen ? keine gute Idee, wie sich zeigte.
Zu viele Kriminalfilme hat wohl ein Insasse des Allegheny County Gefängnisses in Pittsburgh gesehen ? ein hochmodernes Gefängnis, das von außen eher an einen Wolkenkratzer erinnert. Er knotete sich aus Bettlaken ein 30 Meter langes Seil und schaffte es, in einem der obersten Stockwerke ein Fenster aus Sicherheitsglas zu zerbrechen. Es ist zwar nicht bekannt, ob er bei seinem Ausbruchsplan die verwunderten Autofahrer auf der Hauptverkehrsstrasse vor dem Gefängnis miteingeplant hatte, die seinen hollywoodreifen Ausbruchsversuch mit Interesse verfolgten. Mit Sicherheit hatte er aber die Höhe des Gebäudes nicht mit eingeplant ? das Ende des Seiles baumelte 30 Meter über dem Erdboden. Seinen Fehler bemerkte der Flüchtling allerdings nicht. Er hatte nämlich ebenfalls nicht mit eingeplant, dass sein Seil aus Bettlaken von den scharfen Glaskanten des zerbrochenen Fensters zerschnitten werden könnte. Als er fiel, waren noch 50 Meter zwischen ihm und dem harten Asphalt.
Skurril mutet auch der Tod eines 50jährigen Jägers aus Upstate New York an. Während einer Zigarettenpause fand sein Jagdhund einen schönen, großen Knochen. Doch der Jäger missgönnte seinem Hund das Vergnügen. Wie Hunde aber so sind, dachte auch besagter Jagdhund nicht im Traum daran, die Beute seinem Herrchen auszuhändigen. Der Jäger packte sein geladenes Gewehr am Lauf und machte Jagd auf seinen Hund. Dabei wedelte er wie wild mit seiner geladenen “Keule”. Als er schließlich dem Hund einen Schlag verpassen wollte, löste sich ein Schuss und traf den Jägersmann tödlich in den Unterleib. Zumindest der Hund kam ohne Schaden aus der Sache heraus.
Deutsche Hunde sind da konsequenter. Ein 51jähriger Jäger wurde im Schwarzwald von seinem Hund erschossen. Die Polizisten fanden Hund und Gewehr im Wagen des Jägers ? das Gewehr ragte aus dem geöffneten Fenster heraus, Laufrichtung Herrchen. Ob der Hund im Tierheim Sicherheitsverwahrung bekam, ist allerdings nicht bekannt.
Man sollte Nachrichten nicht nur verfolgen, sondern auch versuchen, sie zu verstehen. Die Missachtung dieses Grundsatzes wurde einer Dänin zum Verhängnis. Über Dänemark zog im Winter 1999 einer der schlimmsten Stürme des Jahrhunderts. Das dänische Fernsehen brachte eine Sondersendung zu diesem Thema. Da das Fernsehbild der wagemutigen Dänin durch den Sturm gestört war, sie aber keinesfalls die Sondersendung über den Sturm verpassen wollte, stieg sie aufs Dach und richtete die Antenne neu aus – der Sturm erledigte den Rest.
Zwei unfreiwillige Selbstmordattentäter in Israel wurden Opfer von zeitlicher Konfusion. Im Jahre 1999 stellte Israel die Winterzeit eine Woche vor dem normalen Termin um. Diese ?zionistische Zeit? galt natürlich nicht für die stolzen Palästinenser im Westjordanland. Davon wussten allerdings die beiden palästinensischen Fahrer nichts, die die Autobomben an ihr Ziel bringen sollten. Sie hatten ihre Uhren ordnungsgemäß umgestellt und starben auf dem Weg zu ihrem Zielort.
To be continued ;-)
Jens Berger
