Deutschland muss den Gürtel enger schnallen

10. März 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Well… er… you’re a rich man.

Yes, I am. Yes. Yes, very very rich. Quite phenomenally wealthy. Yes, I do own the most startling quantifies of cash. Yes, quite right… you’re rather a smart young lad aren’t you. We could do with somebody like you to feed the pantomime horse. Very smart.

Heute hat „Forbes“ seine berühmt-berüchtigte Hitliste der Superreichen für dieses Jahr veröffentlicht - und nein, Monty Pythons Merchant Banker ist nicht darunter und Pantomime Horses sind auch kein Thema mehr bei den Superreichen. Auf den ersten Blick entdeckt man auch wenig auf dieser Liste, daß einen sonderlich wundern würde – Bill Gates ist immer noch der reichste Mann der Welt … fein, ich würde gerne Linux nutzen, nur leider unterstützt dieses meine Lieblingssoftware nicht, dafür bewundere ich die chinesische Dickhäutigkeit, es sich als kommender Exportweltmeister der Jahre 2007 ff. immer noch leisten zu können, 98% aller PCs mit Raubkopien laufen zu lassen. Chapeau China! Aber jenseits jeglicher Piratenphantasien liest man zwischen den Zeilen sehr interessantes.

Zunächst einmal fällt auf, daß doch ziemlich viele Angehörige ehemaliger Entwicklungsländer vertreten sind. Aber wie sollte es auch sonst sein – die sagenhaften Gewinne, die in diesen Ländern erzielt werden, landen ja schließlich nicht in den Taschen, der dortigen Bevölkerung. So geht das nicht! Da braucht man schon ein paar Superreiche, die dem Volk das Geld abnehmen … wär ja noch schöner. Auch Russland sticht ins Bild – die 53 russischen Milliardäre (aka Räuber) verfügen über ein stattliches Vermögen von 282 Milliarden Dollar. Bei einem russischen Durchschnittseinkommen von 250 Dollar pro Kopf, sind dies immerhin 1,1 Milliarden Monatseinkommen oder anders ausgedrückt mehr als das Jahreseinkommen der kompletten! russischen Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter. Unterstellt man den russischen Milliardären den gleichen Vermögenszuwachs, wie der Forbes Top 1000 (35% … das sagen sie mal ihrer Bank oder ihrem Chef), so wären dies 99 Milliarden Dollar – d.h. 53 Russen verdienten pro Jahr soviel wie 33 Millionen Durchschnittsrussen (und im Durchschnitt sind die Herren Milliardäre schon drin, sofern sie trotz Offshore-Konten erfasst werden). Im Nachhinein kann man Putin also aus mehreren Gründen, im Fall Chodorkovsky sein Verständnis ausdrücken.

Mit Russland können wir Deutschen nicht ganz mithalten. Unsere 55 Milliardäre bringen es nur auf bescheidene 245 Milliarden Dollar. Diesen Schandfleck auf unserer nationalen Ehre, dürfen wir nicht länger dulden – ich plädiere für einen Goodwill Euro auf jedes Aldi-Produkt, es wäre ja gelacht, wenn wir es diesen Russen nicht zeigen würden. Eine schöne Idee wäre auch der Verkauf dieser lustigen Autofähnchen für diesen wahrlich guten Zweck, wobei man nebenbei noch einen lockeren Patriotismus demonstrieren könnte. Wenn nur 3 Millionen deutsche Kraftwagenführer mitmachen, könnte man die Dinger bei Aldi (Gebrüder Albrecht 37.5 Mrd. $) oder einem Discounter freier Wahl (alle gehören milliardenschweren Handelszaren) schon für 8.712 Euro verkaufen und wir würden die Russen überflügeln.

Was, sie haben keine 8.712 Euro auf dem Girokonto oder in der Hosentasche? Das müssten sie aber rein statistisch haben. Die Geldmenge M1, die den Bargeldumlauf und die Sichteinlagen beinhaltet, beträgt nämlich rein statistisch für jeden Bundesbürger, vom Säugling bis zum Greis, 8.712 Euro … komisch, ich kenne auch unter meinen begüteteren Freunden niemanden, der über 8.000 Euro auf dem Girokonto rumliegen hätte. Nun ja, so ist sie die Statistik und sie können dreimal raten, wer sie verfälscht – tbc in einem ernsthafteren Artikel.

Jens Berger

Kategorie: Glosse, Neoliberalismus, Wirtschaft | 2 Kommentare

Verstehen Sie Klar?

02. März 2007 von Spiegelfechter - Drucken

Ach hätte Christian Klar doch während seines Gefängnisaufenthaltes öfter mal das Handelsblatt gelesen. Ihm wäre einiges erspart geblieben. So bediente er sich in seiner Kapitalismuskritik der Sprache der 80er – und die wird doch heute nicht mehr verstanden:

Liebe Freunde, das Thema der diesjährigen Rosa-Luxemburg-Konferenz “Das geht anders” bedeutet - so verstehe ich es - vor allem die Würdigung der Inspiration, die seit einiger Zeit von verschiedenen Ländern Lateinamerikas ausgeht. Dort wird nach zwei Jahrzehnten sozial vernichtender Rezepte der internationalen Besitzerklasse endlich den Rechten der Massen wieder Geltung gegeben und darüber hinaus an einer Perspektive gearbeitet.

Aber wie sieht das in Europa aus? Von hier aus rollt weiter dieses imperiale Bündnis, das sich ermächtigt, jedes Land der Erde, das sich seiner Zurichtung für die aktuelle Neuverteilung der Profite widersetzt, aus dem Himmel herab zu züchtigen und seine ganze gesellschaftliche Daseinsform in einen Trümmerhaufen zu verwandeln. Die propagandistische Vorarbeit leisten dabei Regierungen und große professionelle PR-Agenturen, die Ideologien verbreiten, mit denen alles verherrlicht wird, was den Menschen darauf reduziert, benutzt zu werden.

Trotzdem gilt hier ebenso: “Das geht anders”. Wo sollte sonst die Kraft zu kämpfen herkommen? Die spezielle Sache dürfte sein, dass die in Europa ökonomisch gerade abstürzenden großen Gesellschaftsbereiche den chauvinistischen “Rettern” entrissen werden. Sonst wird es nicht möglich sein, die Niederlage der Pläne des Kapitals zu vollenden und die Tür für eine andere Zukunft aufzumachen.

Es muss immer wieder betont werden: Schließlich ist die Welt geschichtlich reif dafür, dass die zukünftigen Neugeborenen in ein Leben treten können, das die volle Förderung aller ihrer menschlichen Potentiale bereithalten kann und die Gespenster der Entfremdung von des Menschen gesellschaftlicher Bestimmung vertrieben sind.

Im aktuellen Politslang, sähe dieses Grußwort so aus … und hätte auch von Helmut Schmidt oder dem Müntefranz kommen können:

Liebe Freunde, das Thema der diesjährigen Rosa-Luxemburg-Konferenz “Das geht anders” bedeutet - so verstehe ich es, dass die Private-Equity Orientierung unserer Wirtschaft überwunden werden kann. Die Gewinnmaximierung, das erste Ziel solcher Investitionen, hat nämlich zur Folge, dass die Massenarbeitslosigkeit zum Dauerproblem unserer Gesellschaft wird. Das geht auch anders, wir müssen die Heuschreckenschwärme der Leverage-Buyouts, die sich als Retter anbieten, aus dem Jagdrevier Europa vertreiben und die Portfoliounternehmen ihrem Zugriff entziehen. Die Zeit ist reif für eine radikale Bestandsaufnahme und Beseitigung der neoliberalen Globalisierung und ihrer Auswüchse.

Jens Berger

Kategorie: Deutschland, Glosse | 5 Kommentare

Update bei “Allgemeines speziell betrachtet”

16. Februar 2007 von admin - Drucken

Die Kategorie “Allgemeines speziell betrachtet” wurde komplett umgekrempelt und massiv aufgefüllt. Die neuen Glossen und Kurzgeschichten sind in der Liste aufgeführt - viel Spaß!

Allgemeines speziell betrachtet

Kategorie: Allgemein, Glosse | Kommentieren

Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht…

07. Februar 2007 von VoltaireJr - Drucken

Dieser Beitrag wurde von VoltaireJunior als Kommentar zum TP-Artikel Mit 17 an die Irak-Front verfasst

So sprach der Heiland, als er durch Galiläa latschte und neben all den ausgewachsenen Männern und Frauen auch zahlreiche nicht ausgewachsene Männlein und Weiblein, sprich Kindlein zu sich bekehrte, Jungen wie Mädchen. Da hat sich ja auch so mancher Elternteil besorgt gefragt, was der wunderliche Onkel mit ihren kleinen Sprößlingen vor hatte. Er selbst ist als uneheliches Kind ja auch schon frühzeitig von einem dreiköpfigen Selbstmordkommando aus dem Morgenland (nach neuesten Erkenntnissen der Bibelforscher aus dem Weißen Haus vermutlich ein Iraner, ein Somali und ein Chinese) mit undurchsichtigen Substanzen heimgesucht, beschenkt und dann gepriesen worden, um ihn von der Wiege weg zu rekrutieren; - natürlich auch irgendwo im Nahen Osten! Dann mußte die Familie vor der Volkszählung fliehen, mit zwölf absolvierte er in der Provinz sein Synagogenpraktikum, als Pubertierender probierte er in Indien seine ersten Drogen, kam dann zurück nach Jerusalem, rekrutierte eine Terrorzelle aus zwölf Christian Klars und einer Brigitte Mohnhaupt, wollte den Tempel hochgehen lassen und in drei Tagen wieder aufbauen und am Ende hing er am Kreuz und rief: “Es ist vollbracht!” (Kindlein waren übrigens damals als Zuschauer für die Golgathashow noch nicht zugelassen! Erst ab 18! Da kannten die Römer nix! Zur verpatzten Steinigung von Maria Magdalena sogar erst ab 21, damit kein intellektuelles Frühchen zu früh den ersten Stein wirft! Da kannten die Hohenpriester nix!)

Nun kann man bei fünf, fünfzehn oder fünfzig KindersoldatInnen aus GB noch nicht von einem Kinderkreuzug sprechen, denn die meisten Kreuzfahrer des Christlichen Abendlandes sind ja über 18 und halten sich daher für erwachsen, wenn sie “Jesus ist geil!” rufen und im Irak Kinder zu Hunderttausenden in seinem Namen kollateralieren, um ihnen das Himmelreich nahe zu bringen. Aber wenn man bedenkt, daß der oberste Heerführer der gegenwärtigen Christenheit der größte Kindskopf ist, den der militärisch-industrielle Komplex von Onkel Dagobert je zur Kinderarbeit im Weißen Haus verdonnert hat, dann würde “Kinderkreuzzug” dennoch als Begriff für die spezifischen Besonderheiten angloamerikanischer Strategie und Taktik im Kampf von Abendland gegen Morgenland durchaus Sinn machen. Hätten wir sonst Angie als Bunzelkanzlerin?

Als man die vorige UNICEF-Botschafterin und US-Außenministerin einmal fragte, ob denn die 500 000 (sprich fünfhunderttausend) durch das UNO-Embargo kollaterierten Kinder des Irak die Sache wert waren, antwortete sie: “Es war die Sache wert!” Sie muß es wissen, denn sie ist ja schließlich UNICEF-Botschafterin! Genauso wie unsere Fernsehhostesse! Inzwischen sollen durch die heiße Kriegsphase weitere 260 000 (sprich zweihundertsechzigtausend) Kinder des Irak es wert gewesen sein, daß man ihnen nicht wehrte, Jesus zu folgen - nur nicht wie seinerzeit durch die galliläische Wüste, sondern gleich zu ihm und seinen Vater in den Himmel, wo sie schließlich hergekommen sind. Wahrlich ich sage Euch - die UNICEF hat sonderliche BotschafterInnen! Diese nette Tante hat vermutlich auch entdeckt, daß der Kindermord von Bethlehem in Wahrheit nur so eine Art Halloween-Kindergeburtstagsparty für die großen Kinder im wehrfähigen Alter von Onkel Herodes war. Immerhin war so ein bischen Meucheln schon zu Zeiten von Augustus in besseren Kreisen aufregender als Sex vor der Ehe und besser als Rauchen! Und vor allem besser als der Islam, den es damals noch nicht gab, von dem aber nach Papst Ratze XVI. sowieso nix gutes kommt.

Nun sind also im Mutterland der Demokratie des Christlichen Abendlandes - nein, keine Babys nach Babylon geschickt worden, sondern ein paar für die Zukunft vielversprechende 17 jährige BerufspraktikantInnen von der TötungshandwerkerInnen-Innung Ihrer Majestät und haben dort ein Berufspraktikum absolviert, wie das bei jedem anderen Handwerk, wie zum Beispiel dem Fleischerhandwerk oder dem Friseurhandwerk schließlich auch üblich ist. Und weil es im Mutterland der Emanzipationsbewegung des Christlichen Abendlandes keine geschlechtliche Diskriminierung gibt (die besten Zeitalter dieser Demokratie waren bekanntlich von je her durch Frauen charakterisiert! - denkt nur an Elisabeth I und Käptn Drake, Viktoria und Disraeli und jetzt eben Elisabeth II von Churchill bis Tony), war die Insel nun reif, auch ihren kleinen Mädchen eine echte Chance zu geben, im Namen Jesu und Ihrer Majestät und Oberhäuptin der Kirche von England ihren spätpubertären Hormonhaushalt durch einschlägige Berufserfahrung zu regulieren und abzuhärten, wie das schließlich nicht nur jede Prinzessin oder Königin, sondern auch jede junge Fixerin in Soho und anderswo in ganz Europa auf dem Babystrich tut, um sich frühzeitig mit ihren beruflichen Chancen, die ihr die freiheitlichste aller Gesellschaftsordnungen zu bieten hat, ausgiebig seelisch, geistig und natürlich auch körperlich vertraut zu machen. So what?

Sollen sie etwa so verkommen wie einst die verwöhnte und sich in ihrem großen Schloss langweilende Prinzessin Diana, die, weil sie vor lauter Reichtum und Prominenz keiner sinnvollen Beschäftigung nachging, nicht nur mit arabischen und persischen Geliebten den ewigen Kronprinzen betrog, sondern vor allem mit der Verleumdung von Tretminengesellschaften das Christliche Abendland in seiner natürlichen Ausdehnung gefährdete?

Aber gepriesen sei der Herr! - Soviele reiche Prinzessinnen und Pariser Tunnelpfeiler gibt es sowieso nicht!

Nein! Das Große Britannien bietet als Mutterland der Seeräuber, des Liberalismus, des Empire, von Dr. Jekill und Mr. Hyde, von Jack the Ripper und Tony Blair Jugendlichen beiderlei Geschlechts eine echte Chance, statt zum Glimmstengel gleich zum MG zu greifen! Zwar ist es in Londons City noch immer von Alters her Jugendlichen streng verboten, mit Pfeil und Bogen durch die Straßen zu ziehen, nicht aber, mit Kimme und Korn durch Basra. Denn schließlich leben die Engländer ja nicht mehr im finsteren Mittelalter, sondern im 21. Jahrhundert!

England war einst der Motor der europäischen Aufklärung! Deutschland hat viel von England gelernt! Und deshalb fliegen jetzt unsere jungen, aber immerhin erwachsenen Tornadopiloten auch Aufklärungsflüge über Talibanstellungen am Hindukusch. Aber gemach! Noch ein paar Jährchen an der Spielkonsole und jedes westliche Abendland-Kind kann das auch! - per Fernsteuerung natürlich! Denn eine Demokratie wie die Unsere würde Kinder niemals solchen Schallgeschwindigkeitsstrapazen aussetzen, die notwendig sind, damit die abendländische Aufklärung den Feinden unserer Freiheit vom Libanon bis zum Hindukusch zielgerichtet auf den Kopf fällt. Wir sind ja schließlich keine orientalischen Barbaren!

Kategorie: Ausland, Glosse, Irak | 3 Kommentare

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SR2 - Fragen an den Autor: Das Ende der Massenarbeitslosigkeit

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