Iran und die letzte Option
15. Juli 2008 von Spiegelfechter - Drucken
Wie ein Damoklesschwert schweben die Gerüchte über dem Nahen Osten - es existierten „neue“ Pläne der USA oder Israels, einen Militärschlag gegen Irans Nuklearanlagen durchzuführen. Gefüttert wird diese Befürchtung durch die außenpolitische Berichterstattung im politischen Internet und in den Mainstreammedien. Während die meisten Experten die Wahrscheinlichkeit eines amerikanischen Angriffs sehr niedrig einschätzen, ist die Frage, ob und wann Israel einen solchen Militärschlag alleine oder mit Unterstützung der USA unternehmen wird, strittig. In diesen Wochen finden mehrere hochkarätige Besuche israelischer Falken in den USA statt. Verteidigungsminister Ehud Barak, IDF-Stabschef Ashkenazy und Geheimdienstchef Dagan treffen sich dort mit Vertretern der US-Regierung. Über die Inhalte dieser Gespräche ist natürlich nichts bekannt, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es um das Thema „Iran“ gehen wird. Aber geht es hierbei eher um Meinungsverschiedenheiten, die hauptsächlich auf unterschiedlichen Expertisen der nationalen Geheimdienste über die zeitliche Komponente eines vermeintlichen iranischen Atomwaffenprogramms beruhen, oder gar um einen konkreten Aktionsplan?
Es kann kein Zweifel darin bestehen, dass Iran schon vor dem Irakkrieg das eigentliche „Endziel“ der neokonservativen Falken rund um Vizepräsident Cheney war. Für den engeren Kreis um Cheney ist dieses „Endziel“ auch heute noch ganz oben auf der außenpolitischen Agenda - nur haben sich die Parameter geändert. Im Jahre 2004 beschrieb Bushs oberster Berater Karl Rove das Verhältnis der obersten Clique der NeoCons zur Realität folgendermaßen: „Wir sind nun ein Imperium - und wenn wir agieren, schaffen wir damit unsere eigene Realität. […] Wir machen Geschichte.“
Das komplett missglückte „Irak-Abenteuer“ und weitere außenpolitische Rückschläge haben die NeoCons indes wieder auf die Basis der allgemein antizipierten Realität zurückgeholt - das Imperium bröckelt und inwieweit ein dezimierter Kreis aus den Falken rund um Cheney überhaupt noch „agieren“ und „Realitäten schaffen“ kann, mag umstritten sein. Cheney befindet sich jedoch zweifelsohne nicht mehr in der einflussreichen Position, die er vor dem Irakkrieg innehatte. Vor allem über die Kanäle von „George Bush dem Älteren“ wurden neue Personen, wie Verteidigungsminister Gates oder Stabschef Mullen, in der nächster Umgebung des Sohnemanns positioniert, die in puncto Iranpolitik teils diametrale Positionen zur Cheney-Clique vertreten.
Der Einflussverlust der Cheney-Mannen ist am Beispiel der Außenpolitik der USA hinsichtlich der Nuklearpolitik Nordkoreas erkennbar. Cheney bezeichnete den erfolgreichen diplomatischen Lösungsweg als eine Art „Waffenstillstandsabkommen der Polizei mit der Mafia“ und auch aus seinem näheren Umfeld - so von John Bolton - waren schroffe Worte der Ablehnung zu hören. Nordkorea stellt damit einen Fall unter vielen dar, in dem die Linie des Cheney-Flügels sich innerhalb der Bush-Regierung nicht durchsetzen konnte.
Nichtsdestotrotz agieren die USA bereits seit mehreren Jahren feindlich gegen Iran. Laut eines Berichtes des Journalisten Seymour Hersh wurde vom Kongress - mit Zustimmung der Demokraten -ein verdecktes Einsatzprogramm beschlossen, das es den US-Militärs und Geheimdiensten erlaubt, innerhalb Irans Separatisten zu unterstützen und das „Regime“ zu schwächen. Dieses Program hat ein Volumen von 400 Mio. US$ - keine Peanuts.
Die Rhetorik der US-Regierung und einiger Militärs lässt sich am besten mit dem Brusttrommeln eines paarungswilligen Silberrückengorillas vergleichen. Egal, ob es um iranische Waffen, die angeblich im Irak gefunden wurden, iranische Flottenmanöver, Waffentests oder um das Nuklearprogramm des Landes geht - stets wird ein bedrohlicher Ton angeschlagen und stets wird versichert, dass die militärische Option nicht vom Tisch sei. Dieses „ceterum censeo“ der US-Politik schwächt Verteidigungsminister Gates jedoch mittlerweile ab, indem er vom „üblichen“ Ausdruck „letzte Alternative“ abwich und fortan einen Militärschlag als „allerletzte Alternative“ bezeichnet - ein kleiner verbaler Schwenk, der in der Sprache der Diplomatie jedoch als deutliches Signal zu werten ist.
Die Apologeten eines militärischen Angriffs sind sich bereits weitestgehend über den Terminplan einig. Vor den US-Wahlen wird nichts passieren können, da ein neuer Krieg die Erfolgschancen von Bushs Wunschnachfolger McCain drastisch verschlechtern würde. Im Falle eines Sieges Obamas erwarten sowohl Seymour Hersh, als auch Daniel Pipes, einen Angriff der USA im Zeitraum, der zwischen der Wahl und der Amtsübergabe steht - also ab November 2008. Einem Wahlsieger McCain wird laut diesen Analysen das „jus primae noctis“ wohl selbst gewährt. John Bolton hält das gleiche Szenario für wahrscheinlich, nur dass er auf einen Präventivschlag Israels im fraglichen Zeitfenster rechnet.
Ob diese Analysten nun warnen wollen (Hersh), den Druck auf Iran erhöhen (Bolton) oder auch selbst überzeugte Falken sind, die wirklich einen Krieg sehen wollen (Pipes) - ihre Argumente haben einen bedrohlichen Kern, gehen aber von einem politisch-historischen Akteur aus, wie ihn Karl Rove beschrieben hat. Einem Akteur, der vorhandene Realitäten gegen seine eigenen ersetzen kann und Geschichte nach eigenen Vorstellungen schreiben kann - also einem omnipotenten Akteur. Sowohl Bush, als auch Olmert, sind jedoch keinesfalls omnipotent, man darf eher zweifeln, ob sie außenpolitisch überhaupt potent sind, über einen Krieg gegen Iran entscheiden zu können. Ökonomische, militärische und politische Realitäten, die nicht aus der Welt geräumt werden können, sprechen eine klare Sprache und die heißt: Kein Krieg - und dafür gibt es Argumente zuhauf:
Die Sicherheitslage im Irak würde sich massiv destabilisieren. Vor allem die Schiiten im ölreichen Süden würden zweifelsohne einen offenen Krieg gegen die US-Truppen führen, wenn die USA Iran angreifen würden. Die irakische Allparteienregierung unter dem schiitischen Premier al-Maliki hat bereits unmissverständlich erklärt, dass sie militärische Aktionen von US-Truppen gegen Iran von irakischem Gebiet aus, nicht dulden werden. Ein Bruch der USA mit der vermeintlichen „Marionettenregierung“ wäre die Folge. Damit entstünde die brenzlige Situation, dass große Teile der regulären irakischen Armee plötzlich Feinde der Besatzungsruppen wären.
Für den Nahen Osten und Israel wäre die Destabilisierung der Sicherheitssituation ebenfalls verheerend. Sämtliche diplomatischen Vorstöße Israels in Richtung Libanon, Syrien, Hisbollah und Hamas wären plötzlich null und nichtig und Israel sähe sich einem bunten Strauß an neuen Bedrohungen ausgesetzt.
US-Verteidigungsminister Gates umschrieb dies jüngst mit den Worten: „Wir würden damit Generationen von Jihadisten erschaffen und noch unsere Großkinder würden hier - in Amerika - mit ihnen zu kämpfen haben“. US-Stabschef Mullen verglich das Wahrnehmen der militärischen Option mit einer Büchse der Pandora.
Desweiteren besteht laut Meinung der meisten Analysten gar nicht die Möglichkeit, diese Option in allen Facetten wahrzunehmen. Es würde nicht bei einem reinen Luftangriff bleiben, das haben die Iraner bereits mehrfach klar gemacht - sie würden reagieren und es ist mehr als zweifelhaft, ob die USA ihrerseits auf die iranische Reaktion reagieren könnten. Die USA haben bereits arge Probleme, das vergleichsweise kleine Kontingent in Afghanistan personell und materiell aufzustellen. Ein potentieller „Feuerball Nahost“, der durchaus nicht unwahrscheinlich ist, übersteigt ihre Möglichkeiten. Jüngere Pläne, Kriege dieser Art auf arabische „Proxys“ auszulagern, scheiterten ebenfalls kläglich.
Es ist auch fraglich, was ein solcher Militärschlag überhaupt bezwecken sollte - was sind die Ziele und lassen sie sich überhaupt ausschalten und was bringt dies konkret? Über diese Fragen ist ein Streit zwischen israelischen Falken und Realpolitikern ausgebrochen. Die israelischen Falken scheren sich um solche Detailfragen wenig, und ziehen einen gefährlichen Aktionismus vor. Realisten bezweifeln indes die potentielle Wirksamkeit eines solchen Schlages - die Anlagen sind „ersetzbar“, oft unterirdisch und die gefährlichste Komponente sind nicht etwa die Anlagen selbst, sondern das Know-How in den Köpfen und dies ist nicht „weg zu bomben“. Auch die Falken kochen also nur mit Wasser und bei näherer Betrachtung zerfallen ihre Argumente in Staub.
Der entscheidendste Grund, der gegen einen Militärschlag spricht, ist jedoch der massiv gestiegene Ölpreis. Experten sind sich uneins, wie stark der Ölpreis bei der bloßen Eröffnung eines Militärschlages steigen würde - die Schätzungen schwanken zwischen 200 und 400 US$ pro Barrel. Die mittel- und langfristigen realen Förder- und Lieferausfälle sind dabei noch nicht einmal mit eingerechnet. Neben der Gefahr der Blockade der Straße von Hormuz drohen der Golfregion noch weitere Gefahren, die weit über den zu erwartenden Förderrückgang Irans selbst hinausgehen. Der schiitisch dominierte Südirak wäre zweifelsohne ebenfalls wegen Sabotage und Anschlägen massiv betroffen und auch die förderstärksten Ölquellen Saudi-Arabiens liegen in den Gebieten des Landes, die von einer schiitischen Minderheit bevölkert werden. Anschläge und Sabotage wären auch hier zu erwarten. Für iranische Mittelstreckenraketen wäre es ferner ein leichtes, die Ölquellen Kuwaits, Saudi-Arabiens, Katars oder der VAE derart zu schädigen, dass ein Ölengpass entsteht, der massive Auswirkungen auf den Ölpreis hätte - „The sky is the limit.“
Die Auswirkungen des momentanen Ölpreises sind für die USA bereits jetzt katastrophal - eine weitere Explosion der Ölpreise, wie sie zweifelsohne zu erwarten wäre, würde dem Land den wirtschaftlichen Todesstoß und damit eine Weltwirtschaftskrise auslösen. Kein Präsident der USA könnte dies unter den gegebenen Umständen auch nur im Ansatz seinen Wählern vermitteln. Es ist schlicht undenkbar und die Wahrscheinlichkeit, dass Bush seinem Nachfolger nur „verbrannte Erde“ hinterlassen will, ist ebenfalls unwahrscheinlich - bislang handelte er stets rational, wobei diese Ratio sich auf den Meinungskanon seiner Berater und seines Umfeldes gründete. Nach 9/11 und vor dem Irakkrieg war der Meinungskanon weitestgehend identisch mit der bellizistischen Politik, die dann auch real umgesetzt wurde - heute ist er es nicht. Es gibt neben Gates und Mullen noch viele weitere Stimmen im nächsten Umfeld Bushs, die von einer militärischen Option nicht gerade begeistert sind - dazu gehören neben seinem Vater auch die „alte Garde“ um James Baker und die „neuen Realisten“, die noch eine politische Zukunft haben, so z.B. Condoleeza Rice.
Eine wesentliche größere Gefahr geht derweil von Israel aus - die israelische Außenpolitik ist bei Fragen der Landessicherheit oftmals unberechenbar. Es kam jedoch noch nie vor, dass die Israelis sich offen gegen die Interessen der USA gestellt haben. Sollte Bush - wovon auszugehen ist - sich in diesem Falle ausdrücklich eine Konsultation vor einem etwaigen Militärschlag der Israelis erbeten haben, ist es wenig wahrscheinlich, dass die Israelis ohne grünes Licht aus Washington zuschlagen würden. Ein israelischer Angriff wäre daher immer auch ein amerikanischer Angriff - und Iran hat eben dies bereits mehrfach verkündet. Die Reaktionen Irans wären daher auch in diesem Falle nicht nur gegen israelische Interessen, sondern auch gegen amerikanische Interessen zu erwarten.
Ebenso schwer wirkt die innenpolitische Krise in Israel gegen ein solches Szenario. Ebenso wie in den USA wird auch in Israel ein Militärschlag von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Premier Olmert ist politisch ein wandelnder Toter - niemand rechnet damit, dass er noch lange im Amt bleibt. Neuwahlen werden daher stattfinden, die Frage ist wann? Und hier besteht ein Konflikt zwischen dem israelischen und amerikanischen „politischen Kalender“. Vor November 2008 kann Israel nicht mit und auch nicht ohne grünes Licht aus Washington zuschlagen. Weder die Republikaner noch die israelischen Falken würden dieses Risiko kurz vor einer Wahl eingehen. In der Übergangszeit zwischen US-Wahl und Amtswechsel, könnte Israel nur dann (mit oder ohne grünes Licht) zuschlagen, wenn in Israel bereits eine neue gefestigte Regierung an der Macht wäre - dies ist angesichts des eher knappen Zeitraums allerdings unwahrscheinlich. Wenn der nächste US-Präsident - egal ob er Obama oder McCain heißt - erst einmal inauguriert ist, wäre eine Aktion der Israelis ohne Zustimmung der Amerikaner undenkbar, dies wäre ein außenpolitischer Affront, der die Beziehungen zwischen Israel und den USA signifikant stören würde. Im Falle einer Wahl Obamas würde die israelische Passivität im genannten Zeitfenster indes auf eine echte Nagelprobe gestellt. Obama will Iran diplomatisch begegnen, was zwar gute Aussichten auf Erfolg hat, aber den Falken in Israels Regierung, Militär und Geheimdiensten gar nicht zusagt.
In Bushs Amtsperiode wird von Iran kein diplomatisches Entgegenkommen zu erwarten sein. Obama will verhandeln - das wollen die Iraner auch und sie setzen alles auf die Karte „Obama“. In Iran wird im Mai 2009 ein neuer Präsident gewählt - gewinnt Obama die Wahl und eröffnet Iran diplomatische Wege ist sehr wahrscheinlich, dass dies durch die Wahl eines „Reformkandidaten“ - wie z.B. Ali Laridschani - goutiert werden würde. Dann stünde der Weg zu einer dauerhaften Lösung des Problemfalls „Iran“ sperrangelweit offen. Wenn der neue US-Präsident allerdings McCain heißen wird und kurz nach seiner Amtseinführung verbale Pfeile in Richtung Teheran abschießt, ist es wahrscheinlich, dass die Iraner sich hinter ihrem amtierenden Präsidenten scharen würden und ihn im Amt bestätigen würden. Ein Aufeinanderprallen der beiden „Dickschädel“ lässt indes - allen rationalen Argumenten zum trotz - nicht mehr viel Raum für Optimismus. Die Gefahr eines Irankrieges ist momentan nicht akut. Aller Wahrscheinlichkeit nach, wird sie sich mittelfristig auch nicht verschärfen. Mit welchen Entwicklungen bis Zur Inauguration des nächsten US-Präsidenten allerdings noch zu rechnen ist, kann unmöglich vorhergesagt werden und gewisse Restrisiken bestehen immer noch. Es besteht daher kein Grund die Hände beruhigt in den Schoß, aber es besteht auch kein Grund die Stirn in Sorgenfalten zu legen.
Jens Berger
Lektüre zur Vertiefung und Quellen:
Tom Engelhart: Why the US won´t attack Iran
Seymour Hersh: Preparing the Battlefield
Laura Rozen: Iran Red Lines
Tony Karon: Despite all the sabre-rattling, it looks as if Iran wants to talk
Kategorie: Ausland, Irak, Iran, USA | 29 Kommentare







































































Im Jahre 1999
Das irakische Ölministerium hat jetzt 41 internationale Ölfirmen – darunter auch die deutsche Wintershall –
Warum sollte also der irakische Staat Verträge mit Ölmultis abschließen, von denen er gar nichts hat? Man könnte diese Verträge eher als eine Art Schutzgeld an „Big-Oil“ und deren politische Hintermänner verstehen, die langsam die Geduld mit dem Irak zu verlieren drohen. Für die Multis sind diese Verträge nicht der große Gewinn, den sie sich erhofft haben –sie wollen Förderrechte und PSAs, aber keine Beraterverträge.
Die Kurden behaupten zwar, die Gewinne aus den Ölgeschäften würden in einen Fonds gehen, der auch an die mittel- und südirakischen Regionen ausbezahlt wird, wenn es erst einmal ein nationales Ölgesetz gibt. Dies ist allerdings kaum anzunehmen und die Komponente „Infrastrukturinvestitionen“ verbliebe in diesem Falle auch vollends in kurdischer Hand. Es wundert daher nicht, dass die irakische Zentralregierung das Treiben der Kurden mit äußerstem Argwohn beobachtet. Die USA stehen den kurdischen Verträgen ebenfalls ablehnend gegenüber, da sie nicht nur das gewünschte Ölgesetz behindern, sondern auch dem Separatismus im Irak Vorschub leisten. Umso peinlicher ist es da für die USA, dass die US-Firma Hunt-Oil, die dem Bush-Buddie und ehemaligen Haliburton-Vorstand Ray Hunt gehört, eine der
Vom 13. bis 16.März dieses Jahres fanden in Washington D.C. die „Winter Soldier Testimonies“ statt. Irakkriegs-Veteranen der Gruppe „
Die Bezeichnung „Winter Soldier“ ist an ein Zitat des amerikanischen Revolutionärs und Intellektuellen Thomas Paine angelehnt, der im ersten Band seiner Schriftenreihe „The American Crisis“ (1776)
Bei den jetzigen öffentlichen
Wer ist nun Schuld an diesem Wahnsinn? Die Veteranen, die bei den „Winter Soldier Testimonies“ aussagen, sind – insofern sie direkt an Kriegsverbrechen teilgenommen haben – schuldig, denn auch die Ausführung von Befehlen gilt nicht als Ausrede für die Teilnahme an Kriegsverbrechen. Doch wer geständig ist, verdient zumindest eine Strafmilderung. Mehr noch: wer angesichts dieser Erlebnisse den Mut aufbringt, öffentlich darüber auszusagen, dem gebührt Respekt.
Während die westliche Welt sich Gedanken macht, ob ihre politischen Führer an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking teilnehmen sollten, da die chinesische Regierung gegen aufständische Tibeter vorgeht, ist im Irak ein neuer Bürgerkrieg ausgebrochen, bei dem Amerikaner und Briten massiv militärisch intervenieren und bei dem seit Mittwoch mindestens 200 Zivilsten ums Leben kamen.
Der Rückzug as-Sadrs aus der aktiven Politik und sein Waffenstillstand waren ein Glücksfall für die USA. Die Gebiete, in denen as-Sadrs Mahdi Armee die Kontrolle hat, zeichneten sich durch eine verhältnismäßig stabile Lage aus und halfen so, Bushs „Surge“ zu einem vermeintlichen Erfolg zu machen. Nur war die Strategie, sunnitische Extremisten aktiv in die regionale Politik mit einzubinden, ein Schritt, dessen Misserfolg bereits abzusehen war. Die schiitische irakische Regierung hat (anders als Bush) nun einmal kein Interesse, die faktische Macht über weite Teile des Landes an den Erzfeind abzugeben. Dadurch sank das von vornerein ramponierte Image der Regierung al-Maliki noch weiter, was im Umkehrschluss den Einfluss as-Sadrs in den schiitischen Gebieten noch weiter stärkte.
So großmäulig die Offensive angekündigt wurde, so kläglich brach sie bereits nach zwei Tagen zusammen. Die Mahdi-Armee hatte sich – was absehbar war – weder entwaffnen lassen, noch ließen sich schnelle militärische Ziele gegen sie erreichen – im Gegenteil, die Mahdi-Armee hatte ein Heimspiel auf eigenem Boden und setzte den Regierungstruppen hart zu. In Basra stockte die Offensive sehr schnell und reihenweise
Ein Sieg der Regierungstruppen scheint nach momentaner Gemengelage ausgeschlossen zu sein. Das die USA einem Frieden mit Bedingungen zustimmen würden, ist ebenfalls sehr unwahrscheinlich. Die Büchse der Pandora ist geöffnet und die nächste Runde im fünfjährigen irakischen Bürgerkrieg ist eingeläutet. Dies ist auch zugleich das Ende der Erfolgsgeschichte „Surge“, die Opferzahlen werden wieder in die Höhe schnellen und mit as-Sadr haben die USA den denkbar stärksten Gegner, der Großteile der Bevölkerung hinter sich hat. Dies war weder bei den al-Quaida Kämpfern im sunnitischen Dreieck, noch bei den radikalen Sunniten der lokalen Clans der Fall, deren Aufstände immer nur lokal begrenzt waren. Es erscheint wahrscheinlich, dass die USA und mit ihnen die irakische Zentralregierung in den nächsten Monaten die Kontrolle über riesige Landstriche und Teile der Hauptstadt de facto verlieren werden. Im Falle Basra ist dies verheerend, da die dortigen Ölvorkommen noch größer sind, als die Vorkommen im kurdischen Nordirak. Ohne die Einnahmen aus dem Ölexport wird die Zentralregierung massiv geschwächt. Auch laufen wichtige Nachschub- und Versorgungsrouten der US-Army durch den schiitischen Südirak.
Bushs Hauptargument bei der Suche nach arabischen Bündnispartnern war die unmittelbare Bedrohung der arabischen Welt durch das iranische Atomprogramm. Dieses Argument wurde von den eigenen
Kaum besser steht es für die USA in den anderen arabischen Staaten. Vor Bushs Ankunft in Bahrain hatte die Hälfte aller
Pünktlich zu Bushs Nahost-Tour wurde auch der IAEO-Vorsitzende Muhammed ElBaradei nach Teheran
Gestern hat der iranische Ölminister Gholam-Hossein Nozari 













