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    geschrieben am 18. August 2010 von Spiegelfechter

    weil es so schön zur aktuellen Diskussion passt ;-)

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    Porsche-Klaus im Sommerloch

    geschrieben am 06. August 2010 von Spiegelfechter

    Ei der Daus! Da gibt es doch tatsächlich einen linken Parteivorsitzenden, der Porsche fährt, Geld verdient und eine Almhütte in Österreich gepachtet hat! Wasser predigen und Wein saufen, so was geht aber nun wirklich nicht. Dabei wissen wir gutgläubigen Medienkonsumenten doch, dass so ein linker Kommunist in der Platte wohnen, seine privaten Reisen mit dem Sozialticket des ÖPNV unternehmen und seinen Urlaub – wenn überhaupt! – auf einem Campingplatz in der Nähe von Bitterfeld verbringen muss. Wer gegen Armut ankämpft, muss selbst arm sein – alles andere sprengt schließlich unser kleinbürgerliches Weltbild.

    Wir sind empört!

    Klaus Ernst, so liest man in der BILD, verdient 17.050 Euro pro Monat – 7.668 Euro Diäten als Bundestagsabgeordneter, 3.500 Euro als Parteivorsitzender, 1.913 Euro als Mitglied des Fraktionsvorstands und zusätzlich bekommt er auch noch eine steuerfreie Kostenpauschale in Höhe von 3.969 Euro. Diese Rechnung würde natürlich jedem Milchmädchen alle Ehren machen. Die Kostenpauschale ist schließlich kein Bestandteil des Einkommens, sondern ein Zuschuss für Auslagen, die einem Abgeordneten entstehen, wie beispielsweise das Büro im Wahlkreis oder die Kosten für Mitarbeiter. Blieben 13.081 Euro brutto, was bei Steuerklasse 1 und schlechtem Steuerberater rund 7.000 Euro netto sind. Für dieses Gehalt würde nicht nur so mancher Chefarzt, sondern auch fast jeder Geschäftsführer eines mittelständischen Betriebs noch nicht einmal aufstehen. Aber das zählt nicht, schließlich wollen wir uns ja empören. Und nun sind wir doch alle einmal so richtig empört! Ein Linker, der mehr verdient als ein Redaktionsassistent bei der BILD? Das ist wahrlich empörend!

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    132 Kommentare
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    70.000 Blogs in der Mülltonne

    geschrieben am 23. Juli 2010 von Spiegelfechter

    Was sich am 9. Juli in Pennsylvania abspielte, sucht in der Geschichte des Internets wohl seinesgleichen. Der Server-Hosting-Gigant BurstNet zog in einer Nacht- und Nebelaktion 70.000 Blogs den Stecker. Die betroffenen Blogs waren Kunden der Plattform Blogetery, die kostenlose WordPress-Blogs anbietet. Grund für den digitalen Massenmord war eine Anfrage des FBI – die Schlapphüte wollten von BurstNet die Kontaktdaten der Blogetery-Betreiber in Erfahrung bringen, da offenbar eines der 70.000 gehosteten Blogs „islamistische Propaganda“ verbreitete. Anstatt die Betreiber von Blogetery zu kontaktieren, griff man bei BurstNet zur ultima ratio – man nahm die Server der Blogplattform nicht nur vom Netz, sondern löschte sie bis aufs letzte Bit. 69.999 Blogger sitzen nun ohne Backup ihrer Blogs im digitalen Nirvana und wundern sich über die Geschäftspraktiken von BurstNet.

    Al-Quaida in Hochglanz

    Stein des Anstosses war offenbar das vermeintliche Al-Quaida-Hochglanzmagazin „Inspire“. Dieses Magazin stellt selbst für Fachleute ein Mysterium dar. Entdeckt wurde „Inspire“ im Juni vom kommerziellen SITE-Institut, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Internet nach islamistischer Propaganda zu durchforsten. Die von SITE entdeckte Ausgabe von „Inspire“ stellte allerdings selbst ein Mysterium dar – ein 67 Seiten langes PDF-Magazin, von dem nur die ersten drei Seiten korrekt dargestellt werden, während der Rest aus Zeichensalat besteht. Einige Quellen behaupten, den Islamisten sei bei der Übertragung ein technischer Fehler passiert, andere behaupten, der Zeichensalat sei ein Trojaner, der absichtlich in das Dokument eingespeist wurde. Diese Erklärungen sind anscheinend beide falsch, handelt es sich bei dem Zeichensalat doch um den ASCII-Dump der PDF-Version des beliebten Kochbuchs „The Best Cupcakes In America“ aus der Ellen-DeGeneres-Show. Und wieder sehen wir betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.

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    Deutschland, Deine Helden

    geschrieben am 19. Juli 2010 von Spiegelfechter

    Alle Jahre wieder versinkt Deutschland zum 20. Juli in eine eigenartige Gedenkkultur. Die Bundeswehr veranstaltet ihre Zapfenstreiche, im öffentlich-rechtlichen (und mittlerweile auch im privaten) Fernsehen reiht sich eine Guido-Knopp-Dokumentation an die andere und das ganze Land weiß plötzlich wieder, dass nicht alle Eliten des Dritten Reichs schlecht waren. Wohl dem Volk, das die Verdrängungskultur perfektioniert hat.

    Nachkriegsambivalenz

    Glaubt man der gefühlten Geschichtsschreibung, stand am 20. Juli 1944 das ganze Volk hinter den Helden des Widerstands, die das “heilige Deutschland” durch einen Tyrannenmord retten wollten. Nichts könnte falscher sein, der Kult um die adligen Verschwörer begann erst wesentlich später. Sogar in der Nachkriegszeit hatten die Deutschen ein – freundlich gesagt – ambivalentes Verhältnis zu den Verschwörern des 20. Julis. Im Jahre 1951 ergab eine demoskopische Studie, dass ein Drittel aller Befragten mit diesem Datum nichts verbindet oder keine Meinung dazu hat. Ein weiteres Drittel hatte eine positive, das letzte Drittel eine negative Einstellung zu Stauffenberg und Co. Ein Jahr später lehnte die Hälfte der Bevölkerung bei Umfragen strikt ab, Schulen nach Stauffenberg zu bennenen.

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    Qualitätsmedien in der Twitter-Falle

    geschrieben am 30. Juni 2010 von Spiegelfechter

    Eigentlich hätte man damit rechnen müssen – seit es bei vergangenen Wahlen Lecks im Microbloggingdienst Twitter gegeben hat, starren nicht nur Microblogger, sondern auch unsere lieben Qualitätsjournalisten gebannt auf die gezwitscherten Kurzmeldungen und verbreiten die Gerüchte und Falschmeldungen weiter. Geschwindigkeit ist die Parole der Stunde – recherchieren, hinterfragen und prüfen ist hingegen nicht mehr so angesagt. Den Microbloggern selbst kann man ihre Leichtgläubigkeit sicher nicht vorwerfen – Twitter ist ein Paralleluniversum, in dem eigene Wahrheiten geboren werden, die nicht immer in die echte Welt passen. Von den Herren Qualitätsjournalisten kann und sollte man jedoch mehr erwarten.

    Heute war es ein Zwitschervogel, der sich “Martina Gedeck” nennt, der dem Qualitätsjournalismus ein Ei ins Nest legte. Der Account gehörte freilich nicht der bekannten Schauspielerin gleichen Namens, die für die Grünen in die Bundesversammlung entsandt wurde. Jedem medienkompetenten Journalisten hätte der offensichtlich gefälschte Account eigentlich auf den ersten Blick spanisch vorkommen müssen. Er wurde erst wenige Stunden vor der Bundesversammlung gegründet und mit allerlei Belanglosigkeiten gefüllt – und zwar “from Web”, also über das Internetportal von Twitter. Die zwitschernde Schauspielerin hätte also mit einem Laptop in der Bundesversammlung sitzen müssen, um derart twittern zu können. Anscheinend ist es aber heutzutage nicht mehr nötig, über rudimentäre Grundkenntnisse über die Dinge zu verfügen, über die man schreibt. Vor allem dann nicht, wenn Geschwindigkeit die Parole der Stunde ist und man kein Geld für einen CvD oder eine Schlussredaktion hat.

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