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  • Stimmt das nicht oder ist das falsch? – Von Headlinelesern und Headlinemachern

    geschrieben am 19. Juli 2016 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

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    Größer, schneller, breiter! So sind die Überschriften heute. Hat da jemand “Allahu akbar” gerufen? Oder klang es nur so? Irgendwie ausländisch, oder? Egal, wird schon was dran sein. Also raus mit der Headline, irgendwas mit dem Islam kommt immer gut. Prüfen können das das später. Wenn es sich ergibt. Oder wir hauen ein Dementi raus und entschuldigen uns brav. Erstmal schreiben, schnell, schnell, schnell!

    Die Medien sind in einem ständigen Wettlauf. Die nächste Meldung muss noch vor der kommenden Aktualisierung auf Facebook oder Twitter stehen. Mit einer schönen, emotionalen, polarisierenden und auffälligen Überschrift. Der Rest ist dann gar nicht mehr so wichtig, liest eh kaum jemand.

    Eine Studie an der Columbia University und des Microsoft Research Inria Joint Centre hat herausgefunden, dass 59 Prozent der Links zu Nachrichten von etablierten Medien (u. a. CNN, Huffington Post, New York Times) nicht geklickt werden: Dass also nur die Überschrift wahrgenommen wird.
    So steht es in der „taz“. Und hierzulande dürfte es auch nicht anders sein. So geht Stimmungsmache am besten: „Ich hab den Artikel zwar nicht gelesen, finde aber echt übel, was drin steht.“ Oder auch: „Was der Autor da schreibt, ist absoluter Unsinn! Vielleicht lese ich das demnächst mal.
    Wir haben keine Zeit.
    Die Medien nicht.
    Die Leser nicht. Den Artikel weiterlesen »

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    Best of Brexit-Blödsinn – wie das britische Referendum der schreibenden Zunft den Verstand klaut

    geschrieben am 27. Juni 2016 von Jens Berger

    Offenbar wurden auch die Medien vom Brexit-Votum der Briten überrascht. Anders ist es eigentlich kaum zu erklären, dass in den Tagen nach dem Referendum ausschließlich qualitativ minderwertige Artikel zum Thema publiziert wurden, die dafür jedoch emotional hoch aufgeladen waren. Gerade so, als hätten die Briten nicht für einen EU-Austritt gestimmt, sondern seien stattdessen mit den Ehepartnern unseren lieben Qualitätsjournalisten durchgebrannt. Und wo die Emotionen schäumen, schleichen sich schon mal Fehler ein. Das ist natürlich eine Untertreibung. Die Zahl der groben Fehler bei der Brexit-Berichterstattung ist endlos lang und es ist unmöglich, sie hier lückenlos aufzuzählen. Dafür haben wir aber für Sie ein kleines Best-of-Brexit-Blödsinn zusammengestellt.

    Das Abendland geht unter! Selbst die „Unis fürchten schwere Folgen des Brexit“ weiß der Tagesspiegel zu berichten http://www.tagesspiegel.de/wissen/nach-dem-eu-ausstieg-grossbritanniens-unis-fuerchten-schwere-folgen-des-brexit/13782536.html und zahlreiche andere Zeitungen teilen die Sorge, dass auf die Studenten nun schwere Zeiten zukommen. Die Begründung ist erstaunlich: Es geht um das Erasmus-Programm der EU. Die Logik: Wenn Großbritannien die EU verlässt, können Erasmus-Studenten nicht mehr nach Großbritannien und britische Studenten nicht mehr auf den Kontinent. Das ist jedoch nicht zu befürchten, nehmen doch auch Nicht-EU-Länder wie Norwegen, Island oder auch die Türkei am Erasmus-Programm teil. Es gibt absolut keinen Grund anzunehmen, warum Großbritannien in der Post-EU-Ära aus dem Programm aussteigen sollte.

    Es ist ja löblich, dass unsere Qualitätsjournalisten sich überhaupt um die Jugend Sorgen machen. Verdrängt wurden die Studenten auf den Titelseiten zunächst von anderen jungen Leistungsträgern – den millionenschweren Fußballprofis.

    In den englischen Fußballligen gibt es qua EU-Recht keine Arbeitsbeschränkungen für EU-Ausländer – sehr wohl gibt es jedoch Beschränkungen für Spieler aus Nicht-EU-Ländern. Klick, Klack – wenn Großbritannien nun die EU verlässt, können ja auch die alten Regeln nicht mehr gelten und Stars wie „unser Schweini“ müssen dann – so die größte Sorge von SPIEGEL Online und Co. – England verlassen. Das wäre ja auch eine echte Katstrophe! Doch zumindest Bastian Schweinsteiger kann entspannt durchatmen: Selbst wenn die britische Politik es mit dem Brexit ernst meint und aufs Tempo drückt, wird Großbritannien frühestens im Herbst 2018 die EU verlassen. Und dann ist Schweinsteiger stolze 34 Jahre alt und sicher nicht mehr in der engeren Auswahl für ein englisches Top-Team. Und auch seine Kollegen werden sich keine Sorgen machen müssen, liegt es doch einzig und allein in der Entscheidungsgewalt des englischen Fußballverbandes FA ob und welche Einschränkungen er erlässt. Damit wäre die wichtigste Sache der Welt eigentlich auch brexit-technisch abgehakt. Kommen wir zur zweitwichtigsten Sache der Welt – dem lieben Geld.

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    Nerzfrauen decken auf: In China essen sie Tchibos

    geschrieben am 18. Dezember 2015 von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf)

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    Jetzt ist es amtlich! In China essen sie nicht nur Hunde, sondern auch Tchibos. Das hat das Internetnetzwerk „nerzfrauen.org“ aufgedeckt. Die aus Müttern, Großmüttern, Urgroßmüttern und toten Ururgroßmüttern bestehende Vereinigung verschwörungspraktischer Frauen klagt nun vor dem Verwaltungsgericht Castrop-Rauxel gegen das Land mit der komischen Sprache. Nerzfrau-Chefin Doro Weia sagte irgendwann irgendwie jemandem, der es hören wollte: „Wir konnten es kaum glauben, aber die Chinesen verspeisen jeden Tag bis zu 4 Tchibos. Wir sind zwar mit den Chinesen im Gespräch, der Dialog fällt aber schwer wegen Sprachbarrieren.“ Den Artikel weiterlesen »

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    Agenda 2018 – der SPIEGEL nippt vom Gift, das er selbst jahrelang verspritzt hat

    geschrieben am 02. Dezember 2015 von Jens Berger

    Dass die goldenen Zeiten beim SPIEGEL schon längst vorbei sind, ist in Branchenkreisen kein Geheimnis. Die Auflage des Print-SPIEGEL ist seit Jahren ebenso kontinuierlich rückläufig, wie dessen Anzeigeneinnahmen. SPIEGEL Online ist zwar – rein quantitativ – ein Erfolgsmodell, kann jedoch auch nicht genügend Geld verdienen, um die Rückgänge der Print-Ausgabe zu decken. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau. Auch im „Krisenjahr“ 2014 konnte die SPIEGEL-Gruppe eine Umsatzrendite von fast 10% erzielen. Für andere Medienunternehmen wäre dies eine Erfolgsmeldung. Nicht so für den elitären SPIEGEL. Dort hat man – kein Witz – offiziell die „Agenda 2018“ ausgerufen und will in den klassischen Bereichen jede fünfte Stelle, also insgesamt 150 Vollzeitstellen, streichen. Der SPIEGEL beherzigt also „endlich“ selbst, was er jahrelang der Gesellschaft vorgepredigt hat – den Gürtel enger schnallen und sicher geglaubte Besitzstände aufzugeben. Doch das ist nur die halbe Story, denn der SPIEGEL ist ebenfalls ein Abbild der Gesellschaft und Mitarbeiter ist nicht gleich Mitarbeiter. So steht zu befürchten, dass auch beim SPIEGEL nicht die „großkopferten“ Elite-Journalisten, sondern die ohnehin schon benachteiligten Mitarbeiter zweiter Klasse vor die Tür gesetzt werden.

    Um das Phänomen SPIEGEL zu begreifen, ist es unerlässlich, sich die in der Medienbranche wohl einmaligen Besitzverhältnisse des SPIEGEL vor Augen zu halten. SPIEGEL-Gründer Rudolf Augstein hatte 1974 die Hälfte des Unternehmens an seine Mitarbeiter abgegeben. Seitdem hält die Spiegel Mitarbeiter KG als nicht ganz so stiller Teilhaber des Verlags 50,5% der Anteile und hat bei allen wichtigen Entscheidungen ein Mitspracherecht. Dieses Konstrukt sorgt auch dafür, dass die rund 740 Mitarbeiter, die Mitglied der KG sind, auch zur Hälfte am Gewinn beteiligt sind. In guten Jahren betrug die Gewinnbeteiligung rund 25.000 Euro pro Jahr und diese üppige Prämie war nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen eines Vergütungs- und Privilegienmodells, das nicht nur in der Verlagsbranche einmalig ist. Die Anekdoten reichen dabei vom Porsche in der Tiefgarage bis zur Anzeige am Schwarzen Brett in den Verlagsräumen, in der SPIEGEL-Mitarbeiter ihre 13-Meter-Yachten zum Verkauf anboten, da sie für sich selbst ein schöneres Modell gefunden hatten.

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    Der „DFB-Skandal“ offenbart ein massives Glaubwürdigkeitsproblem der Medien

    geschrieben am 10. November 2015 von Jens Berger

    Gerade in bildungsbürgerlichen Kreisen gilt es ja als schick, über „Fußball-Themen“ die Nase zu rümpfen. Das ist erstaunlich. Schließlich offenbart der aktuelle DFB-Skandal über die eigentlichen skandalösen Vorgänge hinaus doch auch ein massives Glaubwürdigkeitsproblem der Medien. Noch vor wenigen Tagen haben sich zwei Urgesteine der Branche wie ein Tiger für ihre guten Freunde beim DFB in den Ring gestürzt. Heute sehen Alfred Draxler von der BILD und Helmut Markwort vom Focus aus wie begossene Pudel. Die Glaubwürdigkeit, die sie in bestimmten Kreisen hatten, ist dahin. Fraglich ist jedoch, ob das Publikum aus diesem Vorfall lernt und die Glaubwürdigkeit der großen Medien generell in Frage stellt.

    „So war es wirklich: Sommermärchen nicht gekauft!“ – unter dieser vielsagenden Überschrift verteidigte Sport-BILD-Chef Alfred Draxler noch am 22. Oktober seine guten Freunde aus dem Fußball-Business. Grundlage von Draxlers Einschätzung war dabei etwas, dass der „Journalist“, der auch bei BILD federführend kommentierend tätig ist, selbst als „Intensiv-Recherche“ bezeichnet:

    Darum habe ich in den vergangenen Tagen eine Intensiv-Recherche angestellt, bei der mir zugute kam, dass ich handelnde Personen wie Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach, Günter Netzer, Fedor Radmann seit Jahren gut kenne, teilweise sogar sehr gut kenne. Sie haben lange und intensiv mit mir gesprochen.

    Das Ergebnis dieser seltsamen Art von Recherche fasste Draxler in einem denkwürdigen Satz in Großbuchstaben zusammen: „ICH BIN MIR BEWUSST, DASS ICH MIT DIESEM ARTIKEL MEINE REPUTATION ALS JOURNALIST UND REPORTER AUFS SPIEL SETZE.“ Ist die Reputation erst ruiniert, schreibt es sich ganz ungeniert. Im Laufe der Zeit musste Draxler notgedrungenerweise kräftig zurückrudern. In einem heute erschienen BILD-Kommentar schreibt er: „Ich hätte es mir nie vorstellen können. Ich habe immer daran geglaubt, dass wir die WM 2006 auf saubere Art bekommen haben [...]Unterschrieben hat dieses Papier mein langjähriger Freund FRANZ BECKENBAUER!!“ Man mag schon fast Mitleid mit dem armen Herrn Draxler bekommen, der nun entdeckt, dass seine alten Kumpel ihm bei seiner „Intensiv-Recherche“ nicht die Wahrheit gesagt haben. Aber wie war das mit der Reputation? Wie kann ein Journalist Reputation für sich in Anspruch nehmen, der seiner ureigenen Arbeit nicht nachgeht und stets nur das nachplappert, was seine hochkarätigen Freunde ihm „unter vier Augen“ vorplappern?

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