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  • Warum der Minister unrecht hat

    geschrieben am 07. März 2011 von Jens Berger

    ein Gastbeitrag von Stefan Sasse als Replik auf Matthias Mattusek.

    Nicht schon wieder. Wieder einmal sind Unionspolitiker und konservative Journalisten einig darin, beleidigt zu sein, weil eine Wahrheit schlicht und klar ausgesprochen wurde: Der Islam gehört, historisch, zu Deutschland.

    Natürlich hat Innenminister Hand-Peter Friedrich nicht recht, wenn er dieser Tage sagt, der Islam gehöre historisch nicht zu Deutschland, das in einer christlich-jüdisch-abendländischen Kultur angesiedelt sei. Es besteht zwischen Friedrichs Aussage und dem Aufruf Erdogans an die türkischstämmigen Deutschen, sich nicht auf eine einseitige Assimiliation festlegen zu lassen, kein Zusammenhang. Der Irrtum hierüber hat seinen Ursprung genau dort, wo auch die die Problematik der Integrationsdebatte wurzelt: die meisten “Türken” in Deutschland sind Deutsche, dem Pass, nicht dem Blut nach – aber diese Unterscheidung sollte im 21. Jahrhundert auch hinfällig geworden sein.

    Der Innenminister hat mit seiner Aussage natürlich auch nicht zu einer diffusen Entität “Geschichte” gesprochen. Die Aussage Friedrichs war, auch wenn Konservative sich das anders wünschen, keine mit einem absoluten Wahrheitsgehalt gleich der simplen Weisheit, dass die Erde rund sei. Das Gesellschaftsverständnis, dem Friedrich mit seinen Worten Ausdruck verleiht, ist – hier hat Özdemir Recht – ist tatsächlich ein krudes. Auch der Vorsitzende des liberal-islamischen Bundes hat Recht, wenn er die Aussage für politisch wie historisch falsch hält.

    An dieser Stelle vermisst Mattusek in der Debatte Gegenargumente und den Beweis, dass der Islam historisch zu Deutschland gehöre. Er soll nicht lange warten müssen. Die Konstruktion einer “christlich-jüdisch-abendländischen Kultur” alleine, wie sie die Union betreibt, ist ein historisch absolut nicht haltbarer Vorgang. Es existiert keine gemeinsame christlich-jüdische Kultur, es sei denn, man zählt mehrere hundert Jahre Ausgrenzung und teils gewaltsame Progrome zu einer positiven, von Toleranz und gegenseitigem Verständnis geprägten Geschichte. Eine Verankerung der Kultur, die tatsächlich als jüdisch wahrnehmbar ist in die deutsche, zumindest teils christlich geprägte Kultur zu postulieren ist zumindest gewagt. In der Alltagskommunikation und Alltagssymbolik findet sich vom Judentum fast nichts. Wenn man wirklich einen Kulturtransfer für Deutschland feststellen mächte, so müsste man von einer christlich-amerikanisch-abendländischen Kultur sprechen. Denn die Kultur der USA hat Deutschland seit 1945 hundert mal mehr beeinflusst als die jüdische.

    Überhaupt besteht ein freundliches, wenngleich auf Abstand bedachtes Verhältnis zwischen Deutschen und Juden erst seit der Aussöhnung in den 1950er Jahren. Zu etwa der gleichen Zeit – kaum fünf Jahre versetzt – beginnt aber mit der Einwanderung türkischer Gastarbeiter die mittlerweile über fünfzigjährige Geschichte des Islam in Deutschland. Von einer nicht vorhandenen Geschichte zu sprechen ist deswegen blanker Unfug. Die Geschichte des Islam in Deutschland, Herr Matussek, ist noch nicht allzu lange – aber sie übersteigt die Lebensspanne der Mehrzahl der Deutschen inzwischen bei weitem.

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    396 Kommentare

    Einem Guttenberg-Fan auf den Zahn gefühlt

    geschrieben am 04. März 2011 von Jens Berger

    Chapeau vor Holger Klein, dem couragierten Radio-Mann, der einmal mehr unter Beweis stellt, dass das gute alte Dampfradio eine Daseinsberechtigung hat. Schön wäre es, wenn auch im Fernsehen derart kritisch nachgehakt würde. Hinter dem Guttenberg-Hype steckt nur heiße Luft. Wie leicht es sein kann, diesen Popanz zum Platzen zu bringen, beweist diese Radiosendung.

    Dazu möchte ich Euch auch noch diesen ganz hervorragenden Artikel im Freitag und diesen ebenfalls hervorragenden Radiokommentar empfehlen:

    Jens Berger

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    BILD im SPIEGEL – Die Wahl der Waffen

    geschrieben am 28. Februar 2011 von Jens Berger

    ein Gastartikel von Sven Haenke

    “Gesellschaftskritik, oder was sich dafür hält, leidet gemeinhin unter der Vorstellung, sie müsse ihre Gegenstände entlarven. Womit sie sich befaßt, das stellt sie sich gern als undurchschaubar vor. Diese Auffassung spiegelt die Ohnmacht des Kritikers vor den Mächten wider, mit denen er es zu tun hat. Sie ist nicht nur paranoid, insofern sie ihr Gegenüber zur Verschwörung dämonisiert; sie ist falsch. Irrationales Pathos versagt vor den meisten gesellschaftlichen Sachverhalten schon deshalb, weil sie zutage liegen. Gerade ihre Evidenz macht sie unsichtbar. Das gilt, beispielsweise, für die deutsche Wochenzeitung DER SPIEGEL.” (Hans Magnus Enzensberger: Die Sprache des SPIEGEL, 1957

    Der SPIEGEL nimmt sich den visuell propagandistischen Journalismus der BILD-Zeitung vor. Das Titelbild der akutellen Ausgabe zeigt ein flammend-rotes Logo der BILD und der Text dazu lautet “Die Brandstifter”.

    Die Geschehnisse der vergangenen Woche haben es nahezu unumgänglich gemacht, dass dieses publizistische Gefecht um die Moral und Unabhängigkeit des Journalismus ausgefochten wird. Im Angesicht der Berichterstattung der BILD-Zeitung über die Plagiatsaffäre, deren Grundzüge man sonst eigentlich nur von den Propaganda-Kampagnen der Staatszeitungen in Ländern wie China kennt, ist es notwendig, auf die Gefahren hinzuweisen – die Gefahren, die sich daraus ergeben, wenn der Journalismus seine Unabhängikeit verliert. Aber auch wenn die Berichte des SPIEGEL einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Sachlage leisten, halte ich die Polemik auf dem Titelbild des aktuellen SPIEGEL für fragwürdig, um das Ziel eines informierten Bürgers zu erreichen. Polemik ist auch im Journalismus zulässig und kann oft einen positiven Effekt haben. Aber die Titelbild-Gestaltung ist – wie in letzter Zeit so oft – sehr pauschal gewählt, emotionalisiert das Thema zusätzlich und bezieht sich nicht konsequent auf die konkreten Ereignisse. Sie dämonisiert die BILD-Zeitung insgesamt, statt sich mit den Fehlern ihrer verantwortlichen Redakteure auseinander zu setzen. Diese „Unsauberkeit der viusuellen Argumentation“ ist sicherlich nicht vergleichbar mit dem jüngst zu beobachtenden journalistischen Sündenfall, dem augenscheinlichen politischen Kampagnenjournalismus der BILD-Zeitung. Aber auch die populistischen Titelbilder des SPIEGEL leisten zur Verrohung der gesellschaftlichen Debatte einen nicht unerheblichen Beitrag. Deutschlands verklärter Blick auf Karl Theodor zu Guttenberg wurde nicht zuletzt durch das SPIEGEL-Cover „Die Fabelhaften Guttenbergs“ erzeugt und manifestiert. Den Untertitel „Paarlauf ins Kanzleramt“ schmückt nicht einmal ein Fragezeichen.

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    Auch der SPIEGEL plagiiert [Update]

    geschrieben am 28. Februar 2011 von Jens Berger

    In der aktuellen Print-Ausgabe hat sich der SPIEGEL diesmal die BILD-Zeitung vorgenommen. Ein wichtiges Thema, ein gar nicht mal schlecht geschriebener Artikel, der online noch nicht zur Verfügung steht. Selbstverständlich erhebt sich der SPIEGEL allerdings auch dieses Mal – wie eigentlich immer, wenn es um das Thema Medien geht – in den Olymp der Unangreifbarkeit. Von der Boulevardisierung des SPIEGEL ist im Artikel selbstverständlich nichts zu lesen. Auch über die prächtige Zusammenarbeit des Dreigstirns BILD-SPIEGEL-FAZ, die unter der Ägide Stefan Aust seltsame Blüten getrieben hat, erfährt der Leser nichts. Von Selbstkritik, wie so oft, keine Spur. Der BILD wird – vollkommen zu Recht – vorgeworfen, die Sarrazin-Debatte populistisch verstärkt zu haben. Dass der SPIEGEL sogar einen Vorabdruck des Sarrazin-Buches veröffentlichte, wird im Artikel nur dezent am Rande erwähnt.

    Bei seinem aktuellen Titelbild bedient sich der SPIEGEL schamlos beim kreativen Werk anderer Menschen. Die Idee, das Rot im BILD-Logo durch Streichholzköpfe darzustellen, ist zweifelsohne genial, suggeriert dies doch in einer anschaulichen Form die Gefahr, die durch dieses Blatt ausgeht. Die Idee kam allerdings nicht dem SPIEGEL, sondern dem Hamburger Künstler Gürsoy Dogtas. Dogtas präsentierte das Werk im Jahre 2008 in Berlin als ein Teil der Künstlerpublikation Matt Magazine #4 in Berlin dem Publikum. Überflüssig zu erwähnen, dass der SPIEGEL Dogtas weder kontaktiert noch gefragt hat, ob man sich an seiner Vorlage bedienen kann. In der Print-Ausgabe fehlt auch jeglicher Hinweis auf den Künstler, dem zweifelsohne die Urheberschaft für dieses Werk zusteht.

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    Die Pro-Guttenberg-Kampagne im Zwielicht

    geschrieben am 23. Februar 2011 von Jens Berger

    Die BILD-Zeitung ist ja bereits seit längerem für ihre innige und unverbrüchliche Freundschaft zum ehemaligen Unions-Shooting-Star Karl-Theodor zu Guttenberg bekannt. Egal, was zu Guttenberg vorgeworfen wird, die BILD steigt für den adeligen Hoffnungsträger des Neokonservatismus in den Ring. Selbstverständlich macht sich die BILD auch in bester Nibelungentreue bei der Verteidigung des Selbstverteidigungsminister stark, seit er durch seine abgeschriebene Dissertation ins Sperrfeuer der öffentlichen Kritik geriet. BILD ist das Blatt des Volkes. Was das Volk eigentlich will, schert zwar die BILD nicht. Dafür legt die BILD aber größtes Interesse darauf, dass das Volk will, was die BILD will. Nur will das Volk leider trotz massiver BILD-Propaganda dem ehemals beliebtesten Politiker Deutschlands offenbar nicht länger die Stange halten. In einer Online-Umfrage der BILD, an der sich – laut BILD-Angaben – sensationelle 619.000 Leser beteiligt haben, stimmen 55% der Leser dafür, dass zu Guttenberg zurücktreten soll. Nur 36% folgen der BILD-Meinung, er mache seinen Job gut. Sogar in Springers Guttenberg-Fan-Postille vertritt also die Mehrheit der Leser offenbar die Meinung, Guttenberg solle zurücktreten. In anderen Medien, wie beispielsweise tagesschau.de, fällt die Guttenberg-Ablehnung noch deutlich größer aus.

    Was nicht passt, wird passend gemacht

    Natürlich würde die BILD gerne schreiben, dass das Volk bis zum bitteren Ende mehrheitlich treu hinter Guttenberg steht – nur fehlen ihr dafür ganz offensichtlich die Daten. Wenn schon die eigene Leserschaft online anderer Meinung ist, so muss man halt offline fragen. Genau das tut die BILD-Zeitung heute groß angelegt via Titelseite. “Heute stimmt Deutschland ab! Der Guttenberg-Entscheid!” Interessierte können ihre Stimme per Telefon (kostenpflichtig), Fax (kostenpflichtig) oder per Brief (kostenpflichtig) abgeben – die Stimmabgabe über das Netz oder per E-Mail ist nicht vorgesehen. Was nicht passt, wird passend gemacht. Wenn es also schon nicht mit den “normalen BILD-Lesern” klappt, dann sollte es doch gefälligst mit den Lesern, die dumm genug sind, für eine Umfrage auch noch Geld auszugeben, wohl besser klappen. Um die Leser auch auf die richtige Stimmgabe einzuschwören, trommelt die BILD natürlich in der gleichen Ausgabe wieder einmal kräftig für ihren Helden und suggeriert dabei – sachlich falsch -, dass hier die Meinung der Mehrheit des Volks gegen die Meinung der Politik und der Medien stünde. Wobei es schon mehr als paradox erscheint, dass sich die BILD offensichtlich selbst nicht zu den Medien rechnet. Spannend ist jedoch die Frage, was die BILD mit dem Ergebnis des großen “Guttenberg-Entscheids” machen wird, wenn das Votum nicht im Sinne der BILD ausfallen sollte.

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