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  • Bild: Im Namen des Volkes gegen dessen Interessen

    geschrieben am 08. April 2011 von Jens Berger

    Das Mysterium „Bild“ beschäftigte schon Generationen von Medienkritikern, auch die Nachdenkseiten haben ihre Kampagnen gegen den Sozialstaat, gegen Transfer-Empfänger und Minderheiten analysiert. Nun haben sich auch Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung (OBS) an die Aufgabe herangewagt, Deutschlands größte Tageszeitungzu analysieren. In ihrer Studie »Drucksache „Bild“ – Eine Marke und ihre Mägde« gelingt es den beiden Autoren, die Bild ein Stück weit zu entmystifizieren und einen Blick auf einige ihrer Wirkmechanismen zu werfen. Auch wenn noch viele Fragen offen bleiben, so stellt die aktuelle OBS-Studie eine wertvolle Hilfe für all diejenigen dar, die sich ein genaueres Bild von der Bild machen wollen.

    Wer würde der Aussage widersprechen, dass die Bild-Zeitung das am stärksten polarisierende Medium der Republik ist? Wahrscheinlich niemand – und genau in der Polarisierung besteht der große Erfolg der Bild-Zeitung. Doch streng genommen ist diese Aussage falsch – zum Polarisieren gehört nämlich nicht nur eine große Gegnerschaft, sondern auch eine große Anhängerschaft. Die Bild ist zwar Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung, öffentlich bekennende Anhänger sind jedoch eher Mangelware. Bild stützt sich vielmehr auf eine von ihr selbst ernannte „schweigende Mehrheit“.

    Die wohl überraschendste These des Medienwissenschaftlers Hans-Jürgen Arlt und des Publizisten Wolfgang Storz ist, dass es sich bei der Bild gar nicht um ein journalistisches Produkt handelt. Um journalistischen Mindeststandards zu genügen, müsste die Bild nicht nur journalistisch arbeiten, sondern zunächst einmal überhaupt den Vorsatz haben, den Leser zu informieren. Das ist bei der Bild aber gerade nicht der Fall. Die Bild bildet die Realität nicht ab, sie versucht die Wirklichkeit nach ihrer Weltsicht zu formen, und wenn ihr das nicht gelingt, beschreibt sie eben eine Scheinrealität. Was nicht in das Raster der Bild-Meinung passt, wird ignoriert. Statements werden nicht rezipiert, sondern selbst produziert. Diese Charakterisierung mag in abgeschwächter Form auf viele Medien zutreffen, in einer derartigen Konzentration ist sie jedoch nur bei der Bild-Zeitung zu finden. Die Bild ist demnach eher ein PR-Organ in eigener Mission, nicht „Fakt“, sondern „Fiktion“. Der fehlende Wahrheitsanspruch und die mangelnde Übereinstimmung mit der Realität werden dabei nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern sind geradezu Grundpfeiler der Blatt-Strategie.

    Die „Pleite-Griechen“-Kampagne

    Um die Methodik der Bild-Zeitung zu sezieren, untersuchten Arlt und Storz exemplarisch die Bild-Berichterstattung während der Euro- und Griechenland-Krise. In den Monaten März bis Mai 2010 erzählte die Bild-Zeitung ihren Lesern eine von Anfang an „durchgestylte“, dramaturgisch aufbereitete Fiktion, die mit der Realität nur ansatzweise etwas zu tun hatte und mit ökonomischer Rationalität schon gar nicht, die aber wegen ihrer emotionalen Stilblüten nationales Interesse hervorrief. Das Drehbuch war denkbar einfach, von Stereotypen durchzogen und appellierte dabei nicht nur an altbekannte Ressentiments, sondern auch an niedrigste Instinkte.

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    „Ich hoffe, dass in den Verlusten auch ein Zeichen von Abwendung steckt“ – Interview mit Günter Wallraff

    geschrieben am 06. April 2011 von Jens Berger

    Die Otto-Brenner-Stiftung (OBS) hat wieder einmal einen kritischen Blick auf die Berichterstattung der deutschen Medien geworfen. Nachdem die Autoren Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz im letzten Jahr den Wirtschaftsjournalismus vor und während der Wirtschafts- und Finanzkrise begutachteten, analysierten sie in diesem Jahr die Berichterstattung Deutschlands auflagenstärkster Tageszeitung während der Euro- und Griechenlandkrise. Die Studie »Drucksache „Bild“ – Eine Marke und ihr Mägde« wird heute im Printformat veröffentlicht und am Freitag ausführlich auf den NachDenkSeiten vorgestellt. Bereits heute möchten wir unseren Lesern das Interview der OBS-Autoren mit dem Enthüllungsjournalisten und BILD-Kenner Günter Wallraff vorstellen.

    Herr Wallraff, wie beschreiben Sie „Bild“?

    WALLRAFF: Sie ist eine Art Wundertüte, da ist alles drin – Unterhaltung, menschliche Dramen, zum Konsum aufbereitet, Sex, Verbrechen, Appelle an niedere Instinkte. So verschieden die Themen auch sind, in einem gleichen sie sich: Es durchzieht sie der Charakterzug der mal subtilen, mal grobschlächtigen Beeinflussung. Es gibt ein Meinungsdiktat. Das gilt für jede einzelne Geschichte: Das ist die Wahrheit, hier steht sie, so war und so ist das. Und es gibt ein Diktat, welches das gesamte Blatt prägt. Eine sehr eindeutige Haltung, vor allem wenn es um politische Interessen geht. „Bild“ bedient immer die Interessen des konservativen Lagers, das ist eine Konstante. Das gilt vor allem, wenn Wahlkampf ist. Da ist Verlass auf „Bild“: Es wird immer der jeweils konservativste Kandidat unterstützt und der andere entweder ignoriert oder offen bekämpft. Das hat sogar Gerhard Schröder in seiner Amtszeit zu spüren bekommen, obwohl er sich dem Blatt für jede Homestory öffnete, obwohl er sich einen „Bild“-Mann als Regierungssprecher holte, obwohl er Hardliner-Sprüche losließ gegen Sexualstraftäter und straffällig gewordene Ausländer, obwohl er „Bild“ adelte, indem er sagte, er brauche zum Regieren nur „Bild“, „BamS“ und „Glotze“. Im Wahlkampf hat ihm das dann nichts mehr genützt …

    Aber den Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber im Jahr 2002 und Angela Merkel im Jahr 2005 hat es umgekehrt letztlich doch auch nichts genützt …?

    WALLRAFF: Das ist vom Ergebnis her in diesen beiden Fällen richtig. Von „Bild“ unterstützt zu werden, das ist heute – im Gegensatz zu früher – weniger denn je eine Garantie, Erfolg zu haben. Aber auch in diesen Fällen gilt: „Bild“ hilft. Ich versuche einmal, den möglichen Einfluss und die Kraft von „Bild“ zu beschreiben. Das Blatt hat sicher die Kraft, in solchen Wahlkämpfen die Stammwähler mit zu mobilisieren, mit bestimmten Kampagnen, die für den konservativen Kandidaten sprechen oder die seinen Gegenkandidaten denunzieren, Angst vor ihm schüren. „Bild“ hat meines Erachtens – besonders in politischen Auseinandersetzungen – eine Kraft zur Zerstörung: Indem sie Inhalte falsch oder etwas falsch darstellt, aus dem korrekten gültigen Zusammenhang herausreißt und in einen falschen hineinsetzt. Wenn der Wahlausgang knapp zu werden droht und „Bild“ in der Schlussphase eine entsprechende Kampagne gegen den nichtkonservativen Kandidaten startet, kann das schon die Entscheidung bringen. Zumal „Bild“ Kombattanten hat, die, wenn das Jagdhorn ertönt, mitmachen und ebenfalls losschlagen, nicht nur in Behörden und Parteien, auch in anderen Medien. Ich befürchte, dass diese Netzwerke im Medienbereich sogar stabiler und größer geworden sind. Wenn Journalisten um ihre Arbeitsplätze bangen oder junge Journalisten noch gar keinen richtigen Arbeitsplatz haben, überlegen sich viele, ob sie es sich mit einem potenziellen künftigen Arbeitgeber „Bild“ und damit Springer verscherzen oder ob sie sich ihn vorsorglich gewogen machen. Es ist doch heute so: Wenn Sie sich als Journalist mit Springer und „Bild“ anlegen, dann haben Sie faktisch einen großen, mächtigen Arbeitgeber weniger. Wenn Sie mit denen paktieren, dann haben Sie nicht einen potenziellen Arbeitgeber weniger, sondern einen mehr. Denn „Bild“ gut zu finden und dessen Themen und Weltbilder zu verstärken, das ist doch heute, im Gegensatz zu früher, für keinen Verlag mehr ein Grund, jemanden nicht einzustellen – im Gegenteil. Aus alldem schließe ich, dass „Bild“ mit seinen Netzwerken eine Macht in dieser Gesellschaft ist.

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    Der Abgang Westerwelles – unnötig und unvermeidlich

    geschrieben am 03. April 2011 von Stefan Sasse

    Von Stefan Sasse

    Westerwelle hat angekündigt, auf dem FDP-Parteitag im Mai nicht mehr als Parteichef kandidieren zu wollen. Diese Entscheidung dürfte niemanden überraschen, genausowenig wie seine erklärte Absicht, Außenminister bleiben zu wollen. Seit einer Woche, seit dem Wahldebakel von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie dem vorangegangenen von Sachsen-Anhalt, wackelt sein Stuhl. Stabilisieren können hatte ihn der Parteichef, unter dessen Führung die FDP atemberaubende 14,6% bei der Bundestagswahl einfahren konnte und diesen Stimmenanteil in Landtagswahlen und bei den Demoskopen innerhalb von Monaten drittelte, im Januar auf dem Dreikönigstreffen ohnehin nur durch die martialische Ankündigung, an Wahlen gemessen zu werden. Er erkaufte sich eine Atempause, aber das Dilemma der FDP hat sich weiter verschlimmert. Kein Aufschwung kam ihm zu Hilfe, wie er wohl hoffte. Fairerweise muss man sagen, dass er auch wahnsinnig Pech hatte: weder die Reaktionen auf Libyen noch das Ereignis von Fukushima waren für ihn absehbar. Eng wäre es allerdings auch ohne diese Ereignisse geworden.

    Westerwelle brachte die FDP zwischen 2003 und 2009 auf Erfolgkurs, indem er dasselbe tat wie die Grünen heute: er sagte einfach stets das Gleiche, aber mit Verve. Die neoliberalen Botschaften konnte man bei Westerwelle in Reinform erleben, und vor der Finanzkrise gab es auch noch ein großes Publikum, das sie goutierte. In der Zeit der Großen Koalition war es Westerwelle, nicht Lafontaine oder Trittin, der Oppositionsführer war (Lafontaine war zwar oppositioneller, aber ungeliebt). Beständig geißelte er die Kompromisse der Großen Koalition, deren Konsensbrei auch die Wähler von SPD und CDU selbst abstieß – jeweils in die entgegengesetzte Richtung, aber immerhin. Westerwelle besaß das hohe Gut der Glaubwürdigkeit, damals. Er schien für etwas zu stehen, während Merkel und Steinmeier ihrem hochgelobten Pragmatismus fröhnten.

    Nach der Bundestagswahl 2009 schien dann der Beginn eines goldenen liberalen Zeitalters einzusetzen: die FDP besetzte fünf Ministerien und strotzte vor Kraft. Westerwelle war stolz wie Bolle und konnte neben dem Oppositionspoltern, auf das er sich ebenso meisterhaft verstand wie Lafontaine – allerdings von den Medien viel mehr geliebt wurde -, endlich die heiß ersehnte Seriösität als Außenminister ernten. Ab da jedoch ging alles schief. Die FDP verstrickte sich von Beginn an in eine Serie von Peinlichkeiten, Dummheiten und offener Korruption. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Partei ihren Platz an den Fleischtöpfen einnahm, diskreditierte sie innerhalb weniger Wochen. Dies ist das Verdienst der LINKEn und der Gegenöffentlichkeit, die eine deutliche Sensibilität für diese Art von Selbstbedienung geschaffen hatten. Die Medien selbst reagierten auf diese gesteigerte Sensibilität, doch Westerwelles FDP benahm sich wie eine siegreiche Armee nach Einnahme einer belagerten Stadt und verteilte die Beute “Staat”, die sie gemacht hatte, als wäre Kohl noch Kanzler.

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    Gesucht wird

    geschrieben am 29. März 2011 von Jens Berger

    ein Gastquiz von Boris Kazda

    Es gibt so etwas wie die beleidigte Leberwurst des gehobenen rechten Feuilleton, und die Quizfrage lautet: Wie ist der Name dieser Leberwurst?

    Soviel sei verraten: Es handelt sich um einen Mann, und das Feuilleton der Leser, die nur Hauptsätze lesen, bedient Franz Josef Wagner von der Bildzeitung, also scheidet der schon mal aus. Unser gesuchter Feuilletonist ist sozialisiert in einem bildungsbürgerlichen alleinstehenden Elternhaus mit eigenem Garten in einem der besseren Viertel der Stadt, wo es schon als progressiv links galt, sozialdemokratisch zu sein und als nahezu revolutionär, grünen Ideen anzuhängen, und was mochten da erst die Nachbarn gedacht haben. Wir reden hier von den 1980er Jahren, und Sie merken schon, wir begeben uns in ein unappetitliches Milieu.

    Seine Welt, gegen die er schreibt, ist adoleszent. Ein erwachsener Mann, der sich aufführt wie ein kleiner Junge.
    Zu dunkel bisher, kryptisch formuliert? Na, kommen Sie, so schwer ist das doch nicht.

    Ein Hinweis noch: In den Kreisen, die er mühevoll bedient, gilt das Bashing von Linken als verwegen. Er muss sich dann wohl vorkommen wie ein 10jähriger, der sich traut, vor der versammelten Schulklasse laut “Ficken“ zu sagen, nur kriegt er heute keinen Eintrag ins Klassenbuch mehr, sondern verdient damit vermutlich gutes Geld. Wie man hört, lockt man unter Linken mit Konservativenbashing schon längst niemanden mehr hinter dem Ofen hervor (erweckt bestenfalls noch Gähnen und Langeweile), denn am besten Bashen sich die Konservativen immer noch selber.

    Antworten sind im Kommentarbereich erbeten.
    Zu gewinnen gibt es ein Fahrrad mit Flügeln!

    Boris Kazda

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    Die verlorene Ehre des Stefan Niggemeier

    geschrieben am 24. Oktober 2010 von Jens Berger

    Wie weit darf man für eine Story gehen? Darf man beispielsweise allgemein anerkannte Persönlichkeitsrechte für eine Schlagzeile opfern? Die BILD-Zeitung darf dies jedenfalls nicht, wenn man den unzähligen – vollkommen gerechtfertigten – Rügen des Medienjournalisten und Bloggers Stefan Niggemeier Glauben schenkt. Jahrelang wies Niggemeier der Boulevardzeitung über den BILDblog und sein Privatblog solche Verstöße nach und erhob den moralischen Zeigefinger. An sich selbst legt Niggemeier allerdings weitaus niedrigere Maßstäbe an. Für seinen jüngsten Scoop, der an diesem Wochenende unkritisch in der Medienlandschaft gefeiert wird, spielte Niggemeier nicht nur mit gezinkten Karten, sondern führte auch gleich den Schutz persönlicher Daten im Internet ad absurdum. Wasser predigen und Wodka saufen – mit diesem Schurkenstück hat sich Niggemeier für höhere Posten in der Qualitätspresse qualifiziert, vielleicht klopft ja bald der Springer-Verlag an die Tür?

    Ein Medienmanager als Internettroll?

    Niggemeiers Blog und vor allem dessen Kommentarspalte erfreuen sich einer großen Beliebtheit. Offensichtlich zählte seit Ende letzten Jahres auch der Medienmanager Konstantin Neven DuMont (KND) zu den Kommentatoren in Niggemeiers Blog. KND kommentierte dort unter seinem Klarnamen, nicht alle seiner Beiträge erfüllten jedoch das Niveau, das man von einem Mann erwarten sollte, der Vorsitzender des publizistischen Beirats der Berliner Zeitung, des Berliner Kuriers und der Hamburger Morgenpost, sowie Vorsitzender des Herausgeberrats der Frankfurter Rundschau und Herausgeber des Kölner Stadt-Anzeigers ist. All diese Zeitungen gehören zur Mediengruppe “M. DuMont Schauberg”, die von Konstantins Vater Alfred Neven DuMont geführt wird.

    Bei Niggemeier postete jedoch nicht der Zeitungszar – oder besser Zeitungszarewitsch -, sondern der Privatmann KND, der die Mitlesenden dann auch schon mal wissen ließ, welche Wasserart er bevorzugt (gefiltertes Brunnenwasser). Was Niggemeier natürlich nicht gefiel, war, dass KND nicht nur Belanglosigkeiten postete, sondern auch den Medienjournalisten Niggemeier kritisierte. Dies war natürlich ein gefundenes Fressen für den Blogger, konnte er aus dem Kommentarverhalten des Promiposters doch einen in Branchenkreisen beachteten Blogbeitrag machen, indem er die mitlesenden Medienvertreter auf den privat kommentieren KND aufmerksam mache.

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