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  • Schmutziges Hannover

    geschrieben am 02. Mai 2011 von Stefan Sasse


    Panorama ist bei seinen neuesten Recherchen auf einen Skandal gestoßen, der zwar wahrscheinlich relativ unbemerkt vorbeigehen wird, jedoch das Potential für eine größere Erschütterung des Bundestages hat. Carsten Maschmeyer, der frühere Chef des Finanzdienstleisters AWD, hat offensichtlich sowohl im Landtagswahlkampf Niedersachsen 1997 als auch bei der folgenden Bundestagswahl 1998 verdeckte Spenden für seinen Intimus Gerhard Schröder geleistet. Ersteres hatte, so stellt er es dar, den Zweck, Oskar Lafontaine als Kanzlerkandidaten zu verhindern.

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    Die gemeinen Polen und Ulrich Krökel

    geschrieben am 16. April 2011 von Gastautor

    ein Gastartikel von Benjamin Fredrich

    Polen spottet über deutsche „Atom-Panik“ – das ist die Überschrift eines Artikels aus der ZEIT von Ulrich Krökel. Für diesen Artikel hat sich Herr Krökel was ganz Besonderes ausgedacht. Um seinem Thema irgendetwas Interessantes zu geben, sammelte er ein paar Kommentare aus polnischen Zeitungen und bezog sie auf die Meinung „der Polen“. So suggeriert sein Artikel und besonders die Überschrift, die meisten oder alle Polen würden sich über die Deutschen und deren Sicht auf die Atomenergie lustig machen. Herr Krökel schreibt:

    „In Leserbriefspalten und Internetforen lästern Kommentatoren seit Wochen über „die unbeschreibliche Hysterie“, die sich beim großen Nachbarn im Westen nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima ausgebreitet habe.“

    Bis in die Kommentarspalte hat es der allgemeine Pole geschafft. Weil die immens wichtige Kommentarspalte schon alle Jahre das Sprachrohr einer jeden Nation war, beweist uns unser ZEIT-Autor mit einer lockeren Folge von Beispielen, was der Pole für ein gemeiner „Spötter“ ist. Er platziert seine stichfesten Beweise dafür gekonnt am Anfang und am Ende seines Textes. Denn Herr Krökel ist ein ganz Gewiefter, der weiß, dass der erste Eindruck entscheidet (ob ich den Text lese) und der letzte bleibt (in meinem Kopf).

    – „Wir könnten den Deutschen einen Risikoreaktor in den Vorgarten bauen“
    – „Wenn wir das AKW direkt an der Grenze errichten, möglichst nah an Berlin, dann verfallen sie in Panik“
    – „Wir könnten das Kraftwerk nach Erika Steinbach benennen.“
    – „Die Deutschen und die Russen haben uns die Pipeline vor die Nase gesetzt. Jetzt kontern wir mit einem Risikoreaktor“
    – „Hauptsache sei, „dass die Deutschen endlich einmal Angst haben““

    Einige der polnischen Kommentare deuten auf eine humorvolle Sicht der Dinge. So konnte ich, obwohl ich überaus deutsch und cool und so bin, mich durchaus mit dem Vorschlag anfreunden, ein polnisches Kraftwerk namens Erika Steinbach zu befürworten. Aber das nur nebenbei. Nicht nur, dass sich die Polen mit einem fiesen Grinsen in der Visage über das gesamte deutsche Volk lustig machen, mindestens am zweitschlimmsten ist für Krökel, dass die jetzt einfach so ein Atomkraftwerk bei Danzig bauen wollen. Und es kommt noch dreister: die haben die Deutschen nicht einmal gefragt. Sowas lässt sich Herr Krökel natürlich nicht gefallen und packt ohne zu Zucken seine Geheimwaffe aus – Mathias Platzeck:

    „Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck forderte die Regierung in Warschau nach dem Atomunglück in Japan mehrfach auf, von der Kernkraft ganz abzulassen.“

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    62 Kommentare

    Die WELT und der Euro

    geschrieben am 14. April 2011 von Jens Berger

    Es ist ja nicht neu, dass die beiden Springer-Zeitungen BILD und WELT stets die Klassenbesten sind, wenn es darum geht, den Euro niederzuschreiben. Im Hause Springer scheint man sich eine ultraharte Währung zu wünschen und wenn dies schon nicht mehr die „gute alte D-Mark“ sein kann, so soll der Euro doch bitte die legendäre Stärke der D-Mark übernehmen. Um dem Leser den Eindruck zu vermitteln, der Euro sei eine windelweiche Währung, schrecken diese Blätter noch nicht einmal vor Manipulationen und Falschdarstellungen zurück, wie auch das gestern erschienene Verwirrstück „Nur drei Währungen sind schwächer als der Euro“ beweist. Jens Berger

    Wenn Journalisten über den Wert von Währungen schreiben, vergessen sie meist, dass es sich bei den immer wieder zitierten Kursen um Wechselkurse handelt. Der Euro kann beispielsweise nicht absolut stark oder schwach sein, sondern immer nur relativ zu einer anderen Währung. Meist wird dabei der Wechselkurs zum US-Dollar als Maßstab herangezogen – ist der Euro schwach, ist der US-Dollar im direkten Vergleich stark und umgekehrt. Da der Euro nun aber sowohl im lang- als auch im kurzfristigen Vergleich gegenüber dem Dollar keineswegs schwach notiert, hat die WELT nun einmal einen Blick auf andere Währungen gewagt, um zu dem überraschenden Fazit zu kommen, dass nur drei Währungen schwächer als der Euro seien. Neben dem US-Dollar nennt die WELT hier den chinesischen Renminbi und den argentinischen Peso – letzteren mit dem Zusatz „Pleite-Staat“, so dass auch der dümmste Leser weiß, wohin sich die Argumentation bewegen soll. Schwache Währungen sind die Währungen von „Pleite-Staaten“ und daher ist es äußerst bedrohlich, dass der Euro nun die viertschwächste Währung sein soll.

    Der passende Bezugspunkt zur These

    Aber wie kommt die WELT eigentlich auf die Idee, dass es nur drei Währungen gäbe, die „schwächer als der Euro“ sind? Wenn man nur das Bezugsmaß geschickt legt, kann man anhand der Wechselkurse jede noch so abstruse These belegen. Die WELT hat sich „das Frühjahr 2009“ als Bezugsmaß ausgewählt. In der offiziellen Begründung heißt es, dass zu diesem Zeitpunkt nun einmal der „aktuelle Konjunkturzyklus“ begonnen hätte. Diese Begründung mag für andere volkswirtschaftliche Parameter halbwegs angebracht sein, für die Betrachtung der Wechselkurse ist sie komplett absurd, hatte die Finanzkrise zu diesem Zeitpunkt doch das gesamte Wechselkurssystem heftig durchgeschüttelt.

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    Virales Marketing am Beispiel HBO

    geschrieben am 11. April 2011 von Stefan Sasse

    Von Stefan Sasse

    Es heißt ja immer wieder, dass das traditionelle Marketing – Fernsehspots, Radiospots, Plakatwerbung, Inserate – mehr oder minder tot sei. Die gewünschten Ergebnisse jedenfalls scheint es nur noch teilweise zu liefern, und besonders die Online-Branche leidet an dem Unvermögen, mit traditionellen Inseraten Online-Ausgaben von Zeitungen profitabel zu machen. Zumindest im Internet scheinen diese Methoden also kaum mehr zu funktionieren, und je größer der Anteil derer an der Gesellschaft wird, die mit dem Internet aufgewachsen sind – ein simpler demographischer Prozess, der spätestens in 20 Jahren über die Hälfte der Menschen treffen dürfte – desto mehr wird dies auf die traditionellen Methoden zurückfallen. Eine Abhilfe dieses Problems scheint „virales Marketing“ zu sein, also – grob gesagt – der Versuch, eine Community selbst Werbung betreiben zu lassen, indem man entsprechende Anstöße gibt. Es handelt sich also letztlich um den Versuch der Steuerung des komplexen Systems von Empfehlungen und Verdammungen sowie der menschlichen Neugierde, die schon heute unseren Alltag bestimmt. Ein Freund empfiehlt eine Fernsehserie, die er gut findet, und wir schauen sie daraufhin selbst an. Ein anderer erklärt, dieses und jenes Auto sei der Renner, und beim nächsten Wagenkauf sehen wir es uns an. Unternehmen versuchen, einen solchen Prozess selbst anzustoßen. Virales Marketing eben. Ich will ein Beispiel schildern, das ich gut kenne, weil ich selbst in dem Prozess voll drin stecke. Als Konsument, nicht als derjenige der das Produkt herstellt oder bewirbt. Deswegen gleich der Disclaimer: ja, der Beitrag ist positiv, ja, der Beitrag ist nicht kritisch. Er soll zeigen, wie so etwas gehen kann. Den Artikel weiterlesen »

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    Gazelle-Magazin – Da geht doch noch was!

    geschrieben am 09. April 2011 von Gastautor

    zum Hintergrund: Das multikulturelle, eigenfinanzierte und unabhängige Frauenmagazin „Gazelle“ steht vor dem Aus. Momentan versuchen Macher und Sympathisanten über Facebook den Rettungsschlag – mit 1.000 neuen Abonnenten wäre das Überleben des Blattes und damit ein Stück Vielfältigkeit auf dem Sektor der Frauenmagazine, der so sehr von Seichtigkeit, PR und Schleichwerbung durchsetzt ist, wie kaum ein anderer, gesichert. Der Spiegelfechter unterstützt das Projekt vorbehaltlos und hat selbst – als nicht-migrationshintergründelnder Mann – ein Soliabo abgeschlossen ;-)

    ein Gastartikel von Nadia Shehadeh

    Ist es machbar, gemeinsam das Print-Magazin „Gazelle“ vor dem Aus zu bewahren? Wir sagen: Es ist unbedingt einen Versuch wert! Denn: Vielleicht ist man gemeinsam ja doch etwas stärker.

    Wir haben uns auf Philibuster ja schon oft darüber beschwert, dass sich unsere Gesellschaft in letzter Zeit besonders dadurch auszeichnet, dass an vielerlei Stelle verteidigungswürdige Kernnormen massiv wackeln und Tendenzen der Entsolidarisierung immer mehr unser Denken einnehmen – Facebook-und Twitter-Aktivismus hin oder her. Man hat den Eindruck, dass einiges nicht mehr so klappt. Vielleicht hat einiges aber auch einfach noch nie geklappt, und vielleicht wird dieses „Früher war alles besser“-Lamentieren auch nur aus dem Wunsch geboren, dass vielleicht doch mal was passiert. Irgendwie. Dass man sich ein bisschen intensiver die Hand reicht, dass man etwas genauer zuhört, dass man Dinge einfach mal wahrnimmt und dass man dann beschließt, mit den bescheidenen Mitteln, die man so hat, mal etwas zu tun. Für eine gute Sache. Weil, vielleicht geht ja noch was. Klar, man kann nicht immer überall sein, und die Welt retten geht schon mal gar nicht, aber so etwas wie ein bisschen mehr Achtsamkeit schadet ja nicht. Vor allem nicht hinsichtlich der Themen, die jeden Tag so untergehen, weil irgendwo wieder die Hölle los ist. Und manchmal ist es so, dass das „Machbare“ ja quasi direkt vor der Haustür liegt. Wie im aktuellen Fall vor unserem Philibuster-Törchen.

    Volle Power Non-Profit

    Worum es heute also geht: KollegInnen von uns haben ein Problem, und zwar ein ausgewachsenes. Eins, das in diesem Zusammenhang quasi existenziell ist. Es geht um die „Gazelle“, ein Print-Magazin, das seit 2006 eigenfinanziert herausgegeben wird und bis heute ein reines Non-Profit-Projekt ist. Im Feuilleton wird die „Gazelle“ oft und gern als „Magazin für Migrantinnen“ angepriesen, was natürlich völliger Quatsch ist. Abgesehen davon, dass der Terminus „MigrantIn“ im öffentlichen Diskurs als klassifizierende Kategorie mittlerweile zum dümmlichsten gehört, was Schubladendenken zu bieten hat, ist die „Gazelle“ nämlich nicht mehr und nicht weniger als der langfristige Versuch, geltende Print-, Presse- und Rezipienten-Regeln mal ordentlich aufzusprengen – einfach, indem hier mal konsequent anders gedacht und geschrieben wird, und zwar: Für alle. Und das ist ein anstrengender Schweineritt, der dazu führt, dass jede Ausgabe das bestehende Team bis an die Grenzen der Belastbarkeit treibt. Jeder, der neben seinem Hauptjob ein Projekt aus Herzensgründen betreibt, der sich schon mal mit Verlagsagenturen, Risikokapitalgebern und Businessplänen auseinander setzen musste, der sich Nächte und Wochenenden um die Ohren schlägt, nur um „die Sache“ am Leben zu erhalten, weiß, was das heißt: Stress, Schlafmangel, Erschöpfung. Kalte Finger auf der Computer-Tastatur, weil nachts um zwei der Kreislauf eigentlich schon nicht mehr will. Kaffee bis zum Exodus, der im Extremfall solange in sich reingeschüttet wird bis die Magenschmerzen anfangen. Gespräche, Termine, Mails und Netzwerkarbeit bis der Arzt kommt, und nebenbei der ganz normale Budenkoller mit seinem Team, mit dem man quasi schon verheiratet ist. Das alles begleitet von der Frage, wie lange man sich das alles eigentlich noch geben kann, weil unsicher ist, wie lange so etwas überhaupt noch machbar ist.

    Kann man die 1000 knacken?

    Und all das nehmen die Gazelle-MacherInnen seit Jahren in Kauf, um auf dem Print-Markt ein längst überfälliges Medium zu platzieren, das einen genaueren Spiegel auf unsere pluralistische Lebenswelt wirft. Um uns ein Crossover-Produkt anzubieten, das beispielsweise gegen die betulichen und teilweise positiv-rassistischen Multi-Kulti-Versuche der etablierten Blätter anstinkt – zuletzt übrigens zu bewundern unter anderem in der „Brigitte“ beim Galore-Fail „Migrantinnen zeigen Sommertrends“. Und über all das wollen wir mal sprechen. Vor allem jetzt, da es so aussieht, dass der bisher recht einsame Kampf der „Gazelle“ bald jäh verloren sein könnte. Das ganze Ausmaß des Marathon-Endspurts lässt sich auch genau beziffern: Tausend neue Abonnenten braucht es, um das endgültige Einstellen des Magazins zu verhindern. Tausend neue Leser, die auf der einen Seite vier Mal im Jahr einwandfreien Lesestoff frei Haus geliefert bekommen und auf der anderen Seite damit dazu beitragen können, ein wichtiges Projekt in Deutschland am Leben zu erhalten.

    Einfach mal ein bisschen Welle machen

    Klar kann man nun einwerfen, dass die ganze Sachlage auf Marktstrukturen rückführbar ist, man kann auf die Wechselwirkungen von Angebot und Nachfrage hinweisen oder auch darauf, dass die Zeit vielleicht noch nicht reif ist für ein derartig gelagertes Produkt, aber hey, letzten Endes könnte man vielleicht auch sagen: Man kann es ja mal versuchen. Weil es um ein gutes und bewährtes Produkt geht, das von einer kompetenten Mannschaft auf die Beine gestellt wird. Weil man mal wieder und vielleicht zumindest im Kleinen die Möglichkeit hätte, auch alternative Kanäle zu unterstützen. Und weil man nicht warten muss, bis irgendwo Unsummen Marketing-Budget reingepumpt werden, damit man sich angesprochen fühlt. Insofern würden wir uns wie Bolle freuen, wenn Ihr mit uns ein bisschen auf den aktuellen „Gazelle“-Fall aufmerksam macht und wir gemeinsam Bewegung generieren könnten. Einfach, weil man multikulturelle Presseaktivitäten vielleicht nicht immer nur den allgemein bekannten Altherren und –frauen überlassen sollte und es schade wäre, wenn die „Gazelle“ allein als Achtungserfolg in die Annalen eingehen müsste. Und weil wir wie gesagt denken: Da geht doch noch was!

    Nadia Shehadeh

    Nadia Shehadeh bloggt auf Philibuster

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