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  • Auch der SPIEGEL plagiiert [Update]

    geschrieben am 28. Februar 2011 von Jens Berger

    In der aktuellen Print-Ausgabe hat sich der SPIEGEL diesmal die BILD-Zeitung vorgenommen. Ein wichtiges Thema, ein gar nicht mal schlecht geschriebener Artikel, der online noch nicht zur Verfügung steht. Selbstverständlich erhebt sich der SPIEGEL allerdings auch dieses Mal – wie eigentlich immer, wenn es um das Thema Medien geht – in den Olymp der Unangreifbarkeit. Von der Boulevardisierung des SPIEGEL ist im Artikel selbstverständlich nichts zu lesen. Auch über die prächtige Zusammenarbeit des Dreigstirns BILD-SPIEGEL-FAZ, die unter der Ägide Stefan Aust seltsame Blüten getrieben hat, erfährt der Leser nichts. Von Selbstkritik, wie so oft, keine Spur. Der BILD wird – vollkommen zu Recht – vorgeworfen, die Sarrazin-Debatte populistisch verstärkt zu haben. Dass der SPIEGEL sogar einen Vorabdruck des Sarrazin-Buches veröffentlichte, wird im Artikel nur dezent am Rande erwähnt.

    Bei seinem aktuellen Titelbild bedient sich der SPIEGEL schamlos beim kreativen Werk anderer Menschen. Die Idee, das Rot im BILD-Logo durch Streichholzköpfe darzustellen, ist zweifelsohne genial, suggeriert dies doch in einer anschaulichen Form die Gefahr, die durch dieses Blatt ausgeht. Die Idee kam allerdings nicht dem SPIEGEL, sondern dem Hamburger Künstler Gürsoy Dogtas. Dogtas präsentierte das Werk im Jahre 2008 in Berlin als ein Teil der Künstlerpublikation Matt Magazine #4 in Berlin dem Publikum. Überflüssig zu erwähnen, dass der SPIEGEL Dogtas weder kontaktiert noch gefragt hat, ob man sich an seiner Vorlage bedienen kann. In der Print-Ausgabe fehlt auch jeglicher Hinweis auf den Künstler, dem zweifelsohne die Urheberschaft für dieses Werk zusteht.

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    Die Pro-Guttenberg-Kampagne im Zwielicht

    geschrieben am 23. Februar 2011 von Jens Berger

    Die BILD-Zeitung ist ja bereits seit längerem für ihre innige und unverbrüchliche Freundschaft zum ehemaligen Unions-Shooting-Star Karl-Theodor zu Guttenberg bekannt. Egal, was zu Guttenberg vorgeworfen wird, die BILD steigt für den adeligen Hoffnungsträger des Neokonservatismus in den Ring. Selbstverständlich macht sich die BILD auch in bester Nibelungentreue bei der Verteidigung des Selbstverteidigungsminister stark, seit er durch seine abgeschriebene Dissertation ins Sperrfeuer der öffentlichen Kritik geriet. BILD ist das Blatt des Volkes. Was das Volk eigentlich will, schert zwar die BILD nicht. Dafür legt die BILD aber größtes Interesse darauf, dass das Volk will, was die BILD will. Nur will das Volk leider trotz massiver BILD-Propaganda dem ehemals beliebtesten Politiker Deutschlands offenbar nicht länger die Stange halten. In einer Online-Umfrage der BILD, an der sich – laut BILD-Angaben – sensationelle 619.000 Leser beteiligt haben, stimmen 55% der Leser dafür, dass zu Guttenberg zurücktreten soll. Nur 36% folgen der BILD-Meinung, er mache seinen Job gut. Sogar in Springers Guttenberg-Fan-Postille vertritt also die Mehrheit der Leser offenbar die Meinung, Guttenberg solle zurücktreten. In anderen Medien, wie beispielsweise tagesschau.de, fällt die Guttenberg-Ablehnung noch deutlich größer aus.

    Was nicht passt, wird passend gemacht

    Natürlich würde die BILD gerne schreiben, dass das Volk bis zum bitteren Ende mehrheitlich treu hinter Guttenberg steht – nur fehlen ihr dafür ganz offensichtlich die Daten. Wenn schon die eigene Leserschaft online anderer Meinung ist, so muss man halt offline fragen. Genau das tut die BILD-Zeitung heute groß angelegt via Titelseite. “Heute stimmt Deutschland ab! Der Guttenberg-Entscheid!” Interessierte können ihre Stimme per Telefon (kostenpflichtig), Fax (kostenpflichtig) oder per Brief (kostenpflichtig) abgeben – die Stimmabgabe über das Netz oder per E-Mail ist nicht vorgesehen. Was nicht passt, wird passend gemacht. Wenn es also schon nicht mit den “normalen BILD-Lesern” klappt, dann sollte es doch gefälligst mit den Lesern, die dumm genug sind, für eine Umfrage auch noch Geld auszugeben, wohl besser klappen. Um die Leser auch auf die richtige Stimmgabe einzuschwören, trommelt die BILD natürlich in der gleichen Ausgabe wieder einmal kräftig für ihren Helden und suggeriert dabei – sachlich falsch -, dass hier die Meinung der Mehrheit des Volks gegen die Meinung der Politik und der Medien stünde. Wobei es schon mehr als paradox erscheint, dass sich die BILD offensichtlich selbst nicht zu den Medien rechnet. Spannend ist jedoch die Frage, was die BILD mit dem Ergebnis des großen “Guttenberg-Entscheids” machen wird, wenn das Votum nicht im Sinne der BILD ausfallen sollte.

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    Retten die Blogger die Demokratie?

    geschrieben am 15. Februar 2011 von Jens Berger

    “Retten die Blogger die Demokratie?” – unter diesem bewusst zugespitzten Motto diskutierten am Wochenende auf dem 1. Kölner Bloggerkongress Vertreter der politischen Blogosphäre untereinander und mit dem Publikum. Um es vorwegzunehmen: Eine selbstständige Kraft, die es vermag, große Änderungen zu bewirken, sind die deutschen Politblogs noch lange nicht; als Korrektiv und meinungsbildendes Instrument spielen sie jedoch bereits heute eine relevante Rolle. Um diese Relevanz signifikant zu steigern, wären jedoch Entwicklungen nötig, die aus heutiger Sicht nicht unbedingt realistisch erscheinen.

    Bestandsaufnahme

    Es existiert keine wissenschaftlich evidente Kartierung der deutschen Bloglandschaft. Laut einer Allensbacher Computer- und Technikanalyse sollen zwar 8,4% der deutschen Internetnutzer ein eigenes Blog führen, wie viele davon überhaupt aktiv geführt werden und wie viele als “politisch” betrachtet werden können, lässt sich jedoch ohne zuverlässiges Zahlenmaterial nicht sagen. Empirisch könnte man die Zahl der politischen Weblogs in Deutschland, die sich auch mit politischen Themen abseits der Netzpolitik beschäftigen, vielleicht auf wenige Tausend schätzen. Selbstverständlich ist diese politische Blogosphäre jedoch sehr heterogen. Neben einer Phalanx von Blogs, die man anhand der klassischen Gesäßgeographie als “links der Mitte” einordnen könnte, gibt es auch zahlreiche Blogs aus dem nationalkonservativen bis rechtsextremen und dem libertären Spektrum. Sehr großer Beliebtheit erfreuen sich auch Blogs, die man am ehesten als “verschwörungstheoretisch” bezeichnen könnte und deren politische Linie oft erstaunlich indifferent ist. Einzig im engeren Umfeld der Volksparteien gibt es erstaunlicherweise fast gar keine Blogs, die nicht von den Vorfeldorganisationen der Parteien selbst betrieben werden.

    Wenn man unterstellt, dass Blogger vor allem die Lücken, die der mediale Mainstream entstehen lässt, füllen wollen, kann diese Verteilung nicht überraschen. Würden die klassischen Medien ihre Aufgabe ordentlich erfüllen, gäbe es auch weniger Gründe, die NachDenkSeiten zu lesen. Da die klassischen Medien in ihrer Rolle als “vierte Gewalt” jedoch eklatant versagen, sind Blogs die wahrscheinlich einzige Möglichkeit, sich ohne eine große Kapitaldecke oder Organisationsstruktur publizistisch gegen die Allmacht der Parteien, Verbände, Think-Tanks und der monopolartigen Medienunternehmen zu richten. Genau diese Begründung wird jedoch auch von politischen Extremisten und “bunten Vögeln” angeführt, weshalb man die Blogosphäre auch nicht als monolithischen Block gegen den Mainstream verstehen darf. Nicht alle Blogger wollen die Demokratie retten, und die Blogger, die die Demokratie retten wollen, sind oft in Detailfragen grundverschiedener Meinung.

    weiter auf den Nachdenkseiten

    Ein “Protokoll” der Veranstaltung hat Stefan vom Oeffinger Freidenker geführt: Samstag und Sonntag.

    Die Bilder zum Kongress finden sich auf T-I-X-Weekly

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    Ins Rampenlicht gezerrt

    geschrieben am 12. Februar 2011 von Jens Berger

    ein Gastartikel von Stefan Sasse

    In seinem Artikel “Kanonen gegen Online-Spatzen” überlegt Jens Berger beim Spiegelfechter, warum die Verlage – allen voran SZ und FAZ – so aggressiv gegen ein Webangebot vorgehen, das ihnen eigentlich nur nützen kann: die Seite commentarist.de wollte Anrisse von Meinungsartikeln sammeln, also ein wenig wie eine Suchmaschine für Meinungen aller Zeitungen. Da die Anrisse direkt zu den jeweiligen Artikeln führen, konnten die Verlage nur profitieren, doch SZ und FAZ packten die juristischen Geschütze aus und zwangen commentarist.de zur vorläufigen Einstellung des Angebots. Gleichzeitig sind noch Klagen darüber anhängig, wie viel Zitat aus bestehenden Artikeln erlaubt sein soll. Die juristische Zielsetzung scheint zu sein, dass selbst eindeutige Phrasen – etwa “Wir sind Papst” oder ähnliche Überschriften – geschützt sein und nicht zitiert werden dürfen. Das wäre natürlich das Ende des Bloggens, wie wir es kennen. Die Frage aber, warum die Verlage so etwas tun – schließlich bringen diese Zitate Aufmerksamkeit und wegen der Links Leser – kann Jens Berger nicht wirklich schlüssig beantworten.

    Selbstverständlich wird eine eindeutige Antwort hier kaum zu geben sein. Im Gegensatz zu manchen angelsächsischen Angeboten sind die deutschen Blogs allesamt viel zu klein und unbedeutend, um auch nur mittelfristig eine wirtschaftliche Konkurrenz zu den etablierten Verlagen darstellen zu können; auf eine deutsche Huffington Post werden wir noch lange und vergeblich warten müssen. Im Allgemeinen halten sich die Blogs außerdem an bestehende Gesetze und zitieren keine längeren Passagen, so dass auch kein Content-Raub stattfindet. Angesichts der geringen Leserzahlen von Blogs im Vergleich zu den Zeitungen, selbst online, und dem Nicht-Vorhandensein einer Art von Raubkopiekultur, wie sie die Musikindustrie anzuprangern nicht müde wird, fallen wirtschaftliche Gründe für diesen Kampf gegen die Blogger aus.

    Umso verwunderlicher ist die Vehemenz, mit der dieser Kampf geführt wird. Seit Monaten überfluten besonders in der Journalismus-Hierarchie höher Stehende das Netz und auch die Printwelt mit Beiträgen, in denen sie erklären, warum die “Qualitätsmedien” – ein von ihnen geprägter Begriff für sich selbst – den neuen Kommunikationsformen im Netz, vor allem den Blogs, überlegen sind. Begleitet wird diese publizistische Kampagne, deren Argumentation entlang der Linie “alles was gedruckt ist ist Qualität, der Rest nicht” verläuft, von intensivem politischen Lobbying, das inzwischen seine ersten Früchte trägt (siehe hier). Neben der aggressiven Selbstvermarktung als Qualitätsmedien und einzig qualifizierten Personen für Meinungsproduktion existiert eine zweite Schiene, die eine nicht vorhandene “Gratis-Kultur” im Netz anprangert (ebenfalls eine Wortschöpfung der Verlage). Dieser Argumentation zufolge wollen alle Internet-User nichts bezahlen und alles gratis, was an der wirtschaftlichen Malaise der Verlage schuldig wäre.

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    Kanonen gegen Online-Spatzen

    geschrieben am 07. Februar 2011 von Jens Berger

    Es kann der Frömmste nicht in Frieden verlinken, wenn es dem bösen Medienmogul nicht gefällt. Wenige Tage nach dem offiziellen Launch der Kommentar-Plattform Commentarist haben die Verlagshäuser SZ und FAZ dem kleinen Startup-Unternehmen durch Abmahnungen und Androhung “massiver rechtlicher Schritte” den Stecker gezogen. Die Macher von Commentarist haben ihren Dienst erst einmal pausiert und überlegen sich nun, wie sie weitermachen wollen. Rechtlich befinden sich viele Blogs und Plattformen im Graubereich. Das Vorgehen der Verlagshäuser ist jedoch im höchsten Maße kontraproduktiv – es wirkt eher so, als wolle man anhand von Commentarist ein Exempel statuieren, das sich vor allem gegen Blogs und kleine Internetdienste richtet. Doch der Graubereich droht sich bereits bald noch weiter zu verdunkeln, wenn die Verleger mit ihrer Idee vom Leistungsschutzrecht durchkommen sollten.

    Innovation

    Die Plattform Commentarist ist ein Aggregator für Kommentare und Meinungen. Die Datenbank umfasst dabei über 1.000 Journalisten von 16 Nachrichtenseiten. Mittels eines Algorithmus unterscheidet Commentarist Nachrichten von Kommentaren, da nur letztere für den Dienst relevant sind. Auf der Seite des Portals werden nämlich Kommentare und Meinungsartikel der großen Leitmedien zusammenfassend angezeigt. Der geneigte Leser erhält dadurch einen schnellen Überblick, welche Kommentare zu bestimmten Themen geschrieben wurden. Da nur die Überschrift und ein kurzer Anriss zum Artikel veröffentlicht werden, wird der Leser dabei aufgefordert, interessante Artikel anzuklicken und auf der Seite des jeweiligen Verlagshauses zu lesen. Eigentlich sollten die Verlage über einen solchen Aggregator froh sein, beschert er ihnen doch zusätzliche Leser, mit denen sie zusätzliche Online-Werbeeinnahmen generieren können. Viele Verlage – und vor allem deren Journalisten – nahmen das Angebot auch begeistert auf, nur die Süddeutsche und die FAZ fühlten sich ganz und gar nicht geschmeichelt und ließen ihre Anwälte auf das kleine Startup los.

    Zwei Fallbeispiele aus Verlegersicht

    Was wollen die beiden Verlagshäuser eigentlich? Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf zwei Fallbeispiele. Auch Rundfunkstationen – vor allem die öffentlich-rechtlichen – senden seit jeher ihre Presseschau und publizieren sie heutzutage selbstverständlich auch online. Anders als kleine Startups oder gar Blogs sind die öffentlich-rechtlichen Sender jedoch dank der Gebührenmilliarden in der komfortablen Position, die Verwerter für die Vermittlung von potentiellen Lesern auch noch zu bezahlen. Öffentlich-rechtliche Sender und große Unternehmen, bei denen Pressespiegel intern genutzt werden, haben sich mit den Rechteinhabern über einen Rahmenvertrag mit der VG Wort und der PMG gegen etwaige Klagen der Rechteinhaber abgesichert. Für die Verlage, die sich im Regelfall alle Rechte von den Autoren übertragen lassen, ist dies natürlich ein gutes Geschäftsmodell. Kleine Startups und Blogs können die anfallenden Gebühren jedoch nicht tragen, zumal vor allem Blogs meist nicht-kommerziell aufgestellt sind. Außerdem stellt sich an dieser Stelle natürlich die Frage, warum man als Blogger oder Aggregator Geld dafür bezahlen soll, dass man den Verlagshäusern Leser – und somit Werbeeinnahmen – zuführt.

    Wie sich die Verlage einen Aggregator vorstellen, zeigt Branchentycoon Hubert Burda mit seiner Plattform nachrichten.de. Zwar bietet die eher lieblose und technokratische Plattform dem Leser keinen nennenswerten Nutzen, dafür besticht sie allerdings durch ihr Finanzierungsmodell. Nachrichten.de beteiligt die Verlage, deren Content verlinkt und angerissen wird, mit 20% der “Netto-Netto-Erlöse” aus den Werbeeinnahmen. Den Artikel weiterlesen »

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