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  • Ins Rampenlicht gezerrt

    geschrieben am 12. Februar 2011 von Jens Berger

    ein Gastartikel von Stefan Sasse

    In seinem Artikel “Kanonen gegen Online-Spatzen” überlegt Jens Berger beim Spiegelfechter, warum die Verlage – allen voran SZ und FAZ – so aggressiv gegen ein Webangebot vorgehen, das ihnen eigentlich nur nützen kann: die Seite commentarist.de wollte Anrisse von Meinungsartikeln sammeln, also ein wenig wie eine Suchmaschine für Meinungen aller Zeitungen. Da die Anrisse direkt zu den jeweiligen Artikeln führen, konnten die Verlage nur profitieren, doch SZ und FAZ packten die juristischen Geschütze aus und zwangen commentarist.de zur vorläufigen Einstellung des Angebots. Gleichzeitig sind noch Klagen darüber anhängig, wie viel Zitat aus bestehenden Artikeln erlaubt sein soll. Die juristische Zielsetzung scheint zu sein, dass selbst eindeutige Phrasen – etwa “Wir sind Papst” oder ähnliche Überschriften – geschützt sein und nicht zitiert werden dürfen. Das wäre natürlich das Ende des Bloggens, wie wir es kennen. Die Frage aber, warum die Verlage so etwas tun – schließlich bringen diese Zitate Aufmerksamkeit und wegen der Links Leser – kann Jens Berger nicht wirklich schlüssig beantworten.

    Selbstverständlich wird eine eindeutige Antwort hier kaum zu geben sein. Im Gegensatz zu manchen angelsächsischen Angeboten sind die deutschen Blogs allesamt viel zu klein und unbedeutend, um auch nur mittelfristig eine wirtschaftliche Konkurrenz zu den etablierten Verlagen darstellen zu können; auf eine deutsche Huffington Post werden wir noch lange und vergeblich warten müssen. Im Allgemeinen halten sich die Blogs außerdem an bestehende Gesetze und zitieren keine längeren Passagen, so dass auch kein Content-Raub stattfindet. Angesichts der geringen Leserzahlen von Blogs im Vergleich zu den Zeitungen, selbst online, und dem Nicht-Vorhandensein einer Art von Raubkopiekultur, wie sie die Musikindustrie anzuprangern nicht müde wird, fallen wirtschaftliche Gründe für diesen Kampf gegen die Blogger aus.

    Umso verwunderlicher ist die Vehemenz, mit der dieser Kampf geführt wird. Seit Monaten überfluten besonders in der Journalismus-Hierarchie höher Stehende das Netz und auch die Printwelt mit Beiträgen, in denen sie erklären, warum die “Qualitätsmedien” – ein von ihnen geprägter Begriff für sich selbst – den neuen Kommunikationsformen im Netz, vor allem den Blogs, überlegen sind. Begleitet wird diese publizistische Kampagne, deren Argumentation entlang der Linie “alles was gedruckt ist ist Qualität, der Rest nicht” verläuft, von intensivem politischen Lobbying, das inzwischen seine ersten Früchte trägt (siehe hier). Neben der aggressiven Selbstvermarktung als Qualitätsmedien und einzig qualifizierten Personen für Meinungsproduktion existiert eine zweite Schiene, die eine nicht vorhandene “Gratis-Kultur” im Netz anprangert (ebenfalls eine Wortschöpfung der Verlage). Dieser Argumentation zufolge wollen alle Internet-User nichts bezahlen und alles gratis, was an der wirtschaftlichen Malaise der Verlage schuldig wäre.

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    67 Kommentare

    Kanonen gegen Online-Spatzen

    geschrieben am 07. Februar 2011 von Jens Berger

    Es kann der Frömmste nicht in Frieden verlinken, wenn es dem bösen Medienmogul nicht gefällt. Wenige Tage nach dem offiziellen Launch der Kommentar-Plattform Commentarist haben die Verlagshäuser SZ und FAZ dem kleinen Startup-Unternehmen durch Abmahnungen und Androhung “massiver rechtlicher Schritte” den Stecker gezogen. Die Macher von Commentarist haben ihren Dienst erst einmal pausiert und überlegen sich nun, wie sie weitermachen wollen. Rechtlich befinden sich viele Blogs und Plattformen im Graubereich. Das Vorgehen der Verlagshäuser ist jedoch im höchsten Maße kontraproduktiv – es wirkt eher so, als wolle man anhand von Commentarist ein Exempel statuieren, das sich vor allem gegen Blogs und kleine Internetdienste richtet. Doch der Graubereich droht sich bereits bald noch weiter zu verdunkeln, wenn die Verleger mit ihrer Idee vom Leistungsschutzrecht durchkommen sollten.

    Innovation

    Die Plattform Commentarist ist ein Aggregator für Kommentare und Meinungen. Die Datenbank umfasst dabei über 1.000 Journalisten von 16 Nachrichtenseiten. Mittels eines Algorithmus unterscheidet Commentarist Nachrichten von Kommentaren, da nur letztere für den Dienst relevant sind. Auf der Seite des Portals werden nämlich Kommentare und Meinungsartikel der großen Leitmedien zusammenfassend angezeigt. Der geneigte Leser erhält dadurch einen schnellen Überblick, welche Kommentare zu bestimmten Themen geschrieben wurden. Da nur die Überschrift und ein kurzer Anriss zum Artikel veröffentlicht werden, wird der Leser dabei aufgefordert, interessante Artikel anzuklicken und auf der Seite des jeweiligen Verlagshauses zu lesen. Eigentlich sollten die Verlage über einen solchen Aggregator froh sein, beschert er ihnen doch zusätzliche Leser, mit denen sie zusätzliche Online-Werbeeinnahmen generieren können. Viele Verlage – und vor allem deren Journalisten – nahmen das Angebot auch begeistert auf, nur die Süddeutsche und die FAZ fühlten sich ganz und gar nicht geschmeichelt und ließen ihre Anwälte auf das kleine Startup los.

    Zwei Fallbeispiele aus Verlegersicht

    Was wollen die beiden Verlagshäuser eigentlich? Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf zwei Fallbeispiele. Auch Rundfunkstationen – vor allem die öffentlich-rechtlichen – senden seit jeher ihre Presseschau und publizieren sie heutzutage selbstverständlich auch online. Anders als kleine Startups oder gar Blogs sind die öffentlich-rechtlichen Sender jedoch dank der Gebührenmilliarden in der komfortablen Position, die Verwerter für die Vermittlung von potentiellen Lesern auch noch zu bezahlen. Öffentlich-rechtliche Sender und große Unternehmen, bei denen Pressespiegel intern genutzt werden, haben sich mit den Rechteinhabern über einen Rahmenvertrag mit der VG Wort und der PMG gegen etwaige Klagen der Rechteinhaber abgesichert. Für die Verlage, die sich im Regelfall alle Rechte von den Autoren übertragen lassen, ist dies natürlich ein gutes Geschäftsmodell. Kleine Startups und Blogs können die anfallenden Gebühren jedoch nicht tragen, zumal vor allem Blogs meist nicht-kommerziell aufgestellt sind. Außerdem stellt sich an dieser Stelle natürlich die Frage, warum man als Blogger oder Aggregator Geld dafür bezahlen soll, dass man den Verlagshäusern Leser – und somit Werbeeinnahmen – zuführt.

    Wie sich die Verlage einen Aggregator vorstellen, zeigt Branchentycoon Hubert Burda mit seiner Plattform nachrichten.de. Zwar bietet die eher lieblose und technokratische Plattform dem Leser keinen nennenswerten Nutzen, dafür besticht sie allerdings durch ihr Finanzierungsmodell. Nachrichten.de beteiligt die Verlage, deren Content verlinkt und angerissen wird, mit 20% der “Netto-Netto-Erlöse” aus den Werbeeinnahmen. Den Artikel weiterlesen »

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    Offener Brief der Stammbesatzung der Gorch Fock

    geschrieben am 28. Januar 2011 von Jens Berger

    Offener Brief

    Besatzung Segelschulschiff GORCH FOCK
    Schweriner Straße 17a
    24106 Kiel

    Sehr geehrter Herr Minister,

    mit diesem Brief möchten wir uns als Stammbesatzung zu den Behauptungen, die in der Presse kursieren, äußern. Des Weiteren soll dieser Brief Ausdruck und Zeichen sein, wie sehr die Stammbesatzung hinter ihrem Kommandanten steht.

    Unfall Salvador de Bahia

    Der Unfall unserer Kameradin in Salvador war für alle ein harter Schlag und nicht leicht zu verarbeiten. Dies hat man sehr deutlich am Zustand der Besatzung feststellen können, vor allem bei den direkt betroffenen Soldaten in der Takelage und an Deck. Daher ist es uns unverständlich, Äußerungen zu hören, welche uns Ausbilder als Menschenschinder bezeichnen. Dies ist ein Schlag ins Gesicht jedes Einzelnen hier an Bord und Rufmord!

    Dies alles sind Äußerungen von Petenten, die ein grundsätzliches Problem mit der Gorch Fock haben. In Salvador war eine Besatzungsfeier auf der Pier geplant. Diese wurde natürlich abgesagt. Vielmehr hat der Offizierslehrgang am letzten Tag in Salvador für die Besatzung und die Ausbilder ein Bier ausgegeben, um gemeinsam die Geschehnisse zu besprechen und die gute/richtige Reaktion der Schiffsführung auf diesen Unfall zu würdigen. Dies alles geschah im Gedenken an unsere verstorbene Kameradin und war vom Lehrgang gewünscht und initiiert. Das in der Presse veröffentlichte Bild entspricht somit nicht den Tatsachen!

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    Die Palestine-Papers

    geschrieben am 24. Januar 2011 von Jens Berger

    Während die Welt – und vor allem das Netz – immer noch darüber debattiert, ob die phantastisch vermarkteten Cablegate-Leaks wirklich relevante Hintergrundinformationen beinhalten, werden anderswo Nägel mit Köpfen gemacht. Gestern startete der arabische Fernsehsender Al-Jazeera in Kooperation mit dem Guardian die Veröffentlichung von 1.600 hochbrisanten Dokumenten aus dem Umfeld der israelisch-palästinensischen Friedensgespräche der letzten 10 Jahre. Die Dokumente umfassen dabei Memos, E-Mails, Protokolle von hochrangigen Verhandlungsgesprächen, Karten, Strategie-Papiere und sogar Powerpoint-Präsentationen. Nach dem momentanen Stand der Veröffentlichungen stammt das Material aus dem Bestand der palästinensischen Delegation. Der Informant, der Al-Jazeera das Material zugespielt hat, muss Zugang zur höchsten Geheimhaltungsstufe gehabt haben. Anders als Cablegate sind die “Palestine-Papers” zweifelsohne hochbrisant und werden – so sie sich nicht als Fälschung herausstellen sollten – das Zeug haben, Geschichte zu schreiben.

    Die Palestine-Papers

    Wenn man den palästinensisch-israelischen Friedensprozess der letzten fünf Jahre betrachtet, so kann man bestenfalls von einem Stillstand auf gehobenem Niveau sprechen. Doch diese “gefühlte Wahrnehmung” geht offenbar an der Realität vorbei. Diesen Schluss lassen zumindest die bereits veröffentlichten “Palestine Papers” zu. Während Israel stets die Position vertritt, dass die palästinensische Seite kein Jota von ihrer Position abrückt, belegen die Dokumente das genaue Gegenteil: In der Tat haben die palästinensischen Verhandlungsführer den Israelis Konzessionen zugestanden, die so noch nie bekannt waren. Offensichtlich hat die palästinensische Seite Israel sehr weitreichende Angebote für einen Gebietstausch gemacht, um seinerseits Israels Placet zu einer echten Zwei-Staaten-Lösung zu bekommen. So wollte man Israel große Flächen des Westjordanlandes (inklusive strategisch wichtiger Siedlungen mit Zugang zu den Wasservorkommen) und weite Teile Ostjerusalems im Tausch gegen ein paar Sandstreifen am Rande des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens zugestehen.

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    10 Jahre Wikipedia – gleißendes Licht und aufziehende Schatten

    geschrieben am 15. Januar 2011 von Jens Berger

    Wikipedia ist zweifelsohne das berühmteste und erfolgreichste nichtkommerzielle Netzprojekt. Aus dem idealistischen Experiment wurde eine stehende Größe. Auf ihrem Zenit steht die Wikipedia nun vor notwendigen Richtungsentscheidungen

    Als das Netz noch jung war, gebar es Legenden. Eine der schönsten Legenden der digitalen Gründerzeit erzählt die Geschichte des Wikipedia-Projekts. In den 90ern lernten sich der erfolgreiche Börsenhändler und Internetpionier Jimmy Wales und der Philosophie-Doktorand Larry Sanger in den chaotischen Welten des Usenets kennen. Aus ihren philosophischen Disputen erwuchs die Idee, gemeinsam im Netz eine freie Sammlung des Weltwissens zu organisieren.

    Im Jahre 2000 war es dann so weit. Wales, der mittlerweile sein Geld mit einem Online-Männermagazin namens Bomis verdiente, erklärte sich bereit, ein Projekt namens Nupedia zu finanzieren. Der erste Chefredakteur von Nupedia wurde Larry Sanger. Doch bereits kurz nach dem Startschuss kam es zwischen den beiden Usenet-Philosophen zu einem grundlegenden Richtungsstreit.

    Klasse oder Masse?

    Sanger legte größten Wert auf Akkuratesse und wissenschaftlichen Anspruch. Artikel für die Nupedia wurden einem siebenfachen Peer-to-Peer-Sichtungsverfahren unterzogen, schreibberechtigt waren ausschließlich anerkannte Experten und für Korrekturleser war es obligatorisch, dass sie zumindest in ihrem Fachgebiet promoviert haben sollten. Klasse statt Masse, im ersten Jahr brachte es die Nupedia lediglich auf 20 Artikel und wurde vom Netz komplett ignoriert.

    Jimmy Wales war zwar ebenfalls ein Idealist, Sangers absurd hohe Qualitätsanforderungen und den damit verbundenen quantitativen Mangel an Inhalten wollte Wales jedoch nicht dauerhaft finanzieren. Da kam Wales eine Softwarelösung, die ausgerechnet Larry Sanger als “Vorstufe” für die Nupedia implementiert hatte, wie gerufen: Mit der Wiki-Software “UseModWiki” verfügte die Nupedia Anfang 2001 über ein Werkzeug, das es den Lesern selbst ermöglichte, Artikel einzustellen oder abzuändern. Heute vor zehn Jahren – am 15. Januar 2001 – stellte Wales parallel zur erfolglosen Nupedia das neue Projekt Wikipedia ins Netz. Natürlich ahnte damals niemand, welche Folgen dies haben wird.

    Ohne Larry Sangers Qualitätsrichtlinien – und mit einem halbwegs bedienbaren Frontend – wuchs die Wikipedia in rasanter Geschwindigkeit. Nach nur einem Monat umfasste die Wikipedia bereits 600 Artikel, nach einem Jahr waren es schon 20.000. Sanger, der zu Beginn auch als Chefredakteur von Wikipedia bezahlt wurde, konnte sich von Beginn an nicht mit der Idee einer selbstverwalteten Community ohne fachliche Qualifikation anfreunden und wurde schließlich ein Jahr später von Jimmy Wales gefeuert.

    Ihr Streit über Urheberrechtsfragen dauert bis heute an. Auch der Streit über Qualitätsrichtlinien, Moderation, Relevanz und Sichtungskriterien ist immer noch aktuell, hat aber mittlerweile einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Die Wikipedia ist durch Wales Strategie des Mitmachlexikons quantitativ groß geworden, die Frage, ob und wie das Online-Lexikon nun auch qualitativ groß werden kann, entzweit indes die Gemeinde.

    Die Nordsee ist ein Mehr, ein teil der Atlant, zwischen Grossbritannien, Skandinavien, und Friesland. Siehe auch Kattegatt, die Niederlanden, Deutschland.
    (Vollständiger Wikipedia-Eintrag zum Lemma “Nordsee” am 17. Mai 2001)

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