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  • Das Bilderberg-Phänomen

    geschrieben am 11. Juni 2010 von Jens Berger

    Am letzten Wochenende trafen sie sich wieder einmal – die Bilderberger. Dies sind rund 130 “Powerbroker” aus Europa, Kanada und den USA, die abgeschirmt von der Öffentlichkeit alljährlich über die wichtigen Fragen der Welt sprechen. Die diesjährige Bilderberg-Konferenz fand in einem Nobelhotel in der katalanischen Schwulenhochburg Sitges statt und zum Teilnehmerkreis gehörten illustre Personen wie Josef Ackermann, Joaquín Almunia, Henry Kissinger, Neelie Kroes, Richard Perle oder Eric Schmidt (Google) und auch weniger illustre Personen wie Olaf Scholz von der SPD. Erstaunlicher als das Treffen selbst ist jedoch dessen Geheimhaltung. Die klassischen Medien berichteten allenfalls am Rande über das Meeting. Fast scheint es so, als ob es einen ungeschriebenen Verschwiegenheitspakt zwischen Medien und Konferenzveranstaltern gibt. Dies ist natürlich ein geradezu optimaler Nährboden für Verschwörungstheorien jeglicher Couleur. Es kann natürlich nicht sein, dass die Herren Ackermann, Almunia und Kissinger ein Wochenende zusammenhocken, ohne den Angriff auf Iran, die Beerdigung des Euros oder zumindest die Versklavung der Menschheit und die Übernahme der Weltherrschaft zu besiegeln. Natürlich sind die Veranstalter der Konferenz selbst dafür verantwortlich, die Verschwörungstheoretiker anzuziehen, wie eine Biotonne die Fliegen – bieten sie mit ihrem geheimbündelnden Verhalten doch eine ideale Projektionsfläche. Doch was stört es die Biotonne, wenn die Fliegen um sie kreisen? Nicht trotz, sondern wegen der Fixierung der Verschwörungstheoretiker darf die Bilderberg-Konferenz wohl als einmaliges Erfolgsmodell gelten.

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    Die GEZ ist tot! Es lebe die Rundfunksteuer!

    geschrieben am 10. Juni 2010 von Jens Berger

    Mein erster Kontakt mit der GEZ endete mit einer fragwürdigen Lektion über den deutschen Sozialstaat. Da lebte ich nun schon ein fast ein ganzes Jahr in meiner Studentenwohnung und dachte natürlich im Traum nicht daran, GEZ-Gebühren zu zahlen. Eines Tages ging ich jedoch dank meiner grenzenlosen Naivität einem GEZ-Spitzel ins Netz. Doch meine erste Wut über die GEZTAPO konnte von einer netten Damen aus der Kölner GEZ-Niederlassung in produktivere Bahnen gelenkt werden: Ich solle doch beim Sozialamt vorsprechen und würde dann als “armer Student” ganz sicher eine Gebührenbefreiung bekommen. Gesagt, getan – auf dem Sozialamt bekam ich jedoch nicht den erwünschten Freifahrtsschein sondern nur ungläubiges Stirnrunzeln: “Ihre Angaben sind falsch! Mit so wenig Geld kann ein Mensch in Deutschland nicht leben!” Ich konnte, 600 D-Mark Unterhalt, die ich neben der Warmmiete von meinem Vater bekam, waren für mich damals sehr viel Geld und sie reichten locker aus, um meine Bedürfnisse zu befriedigen. Das Sozialamt sah dies jedoch anders – ich betrat das Amt als gefühlte Mittelklasse und verließ es als statistisches Prekariat. Später stellte sich heraus, dass es völlig unerheblich war, was ich für Angaben machte, da ich ohnehin keine Chance hatte, von der GEZ-Gebühr befreit zu werden. Da mein Vater für mich unterhaltspflichtig war, musste er nun einmal auch meine GEZ-Gebühren zahlen. Seine Freude über diese neue Erkenntnis hielt sich verständlicherweise in Grenzen, aber ich war nun endlich mein GEZ-Problem los.

    Schilda lebt!

    Was hat die GEZ uns damals doch Freude gemacht. Ein Freund ließ tagsüber immer die Jalousien herunter, um sich nicht von Spitzeln beim Fernsehgucken erwischen zu lassen, der andere baute umstandshalber seine Satellitenschüssel von der Hausfront ab und montierte sie im Hinterhof – was ihn nicht nur mehrere Tage Arbeit, sondern auch so viel Geld gekostet hat, dass er sich locker bis heute die GEZ hätte leisten können. Auch heute noch ist die GEZ ein anerkannter Lügenstaubsager. Welcher Freiberufler würde schon zugeben, dass er das Radio in seinem halb beruflich, halb privat genutzten PKW, für das er als Privatperson eh schon GEZ zahlt, auch hin und wieder mal in beruflicher Mission einschaltet? Indirekt treibt die GEZ auch regelmäßig Beschäftigten in Betrieben, deren Geschäftsführung zwar äußerst korrekt aber auch äußerst geizig ist, die Zornesröte ins Gesicht. Da hat dann der niegelnagelneue Dienstwagen kein Autoradio oder es wird gleich das Radiohören am Arbeitsplatz komplett untersagt, da man sich die GEZ-Gebühr sparen will. Mit all diesen Schildbürgerstreichen und Absurditäten soll 2013 nun Schluss sein. Dann bezahlt jeder Haushalt und jeder Betrieb eine Rundfunkabgabe und die GEZ-Schnüffler dürfen sich einen neuen Job in der Privatwirtschaft suchen. Noch nicht einmal Hartz-IV-Empfänger sind von der Zahlung befreit, für sie muss die Kommune die Abgaben entrichten – so wie einst mein Vater für mich.

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    Yes we Gauck? Das Sommermärchen vom besseren Kandidaten

    geschrieben am 08. Juni 2010 von Jens Berger

    Wenn die Bundesversammlung am 30. Juni den Bundespräsidenten wählt, könnte sich Angela Merkel eigentlich entspannt zurücklehnen. Schließlich hat sie gleich zwei Pferde im Rennen, die den Sieg unter sich ausmachen werden. Doch die Uckermärkerin, die ansonsten als moderner Machiavelli gelten kann, hat sich im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen böse verzockt. Um ihre schwarz-gelbe Chaostruppe vor Kritik aus dem Schloss Bellevue zu bewahren, weigerte sie sich, zusammen mit FDP, SPD und den Grünen einen gemeinsamen bürgerlichen Konsenskandidaten ins Rennen zu schicken und kürte stattdessen zusammen mit der willenlosen FDP den treuen Parteisoldaten Christian Wulff zu ihrem Herz-Buben. Dabei wußte Merkel zu diesem Zeitpunkt bereits, dass SPD und Grüne mit einem bürgerlichen Gegenkandidaten einen Keil namens Joachim Gauck in das schwarz-gelbe Lager treiben werden. Erst kürzlich überschlug sich die Regentin in Sachen Lobhudelei, als sie Gaucks Geburtstagsrede halten durfte – so nette Sachen hat Merkel über Christian Wulff noch nie gesagt.

    Joachim Gauck ist dabei weitaus mehr als ein Zählkandidat – momentan ist die Republik Zeuge einer bis dato unbekannten Gauck-Kampagne in den klassischen Medien. Letztendlich könnte es ausgerechnet die Linke sein, die Christian Wullf den Weg ins Schloss Bellevue ebnet und damit die Regierungskoalition vor einer bitteren Schmach bewahrt. Verlierer beim Gauck-Coup ist neben der Regentin allerdings auch die Linke. Stimmt sie für Gauck, stimmt sie für einen Präsidenten, der für sie nicht mal ein abgewogenes Wort übrig hat. Stimmt sie nicht für Gauck, hat sie den “DDR-Test” von SPD und Grünen, den die Medien sicherlich in den nächsten Wochen zur Agenda machen werden dürften, abermals nicht bestanden.

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    Worte wie schleichendes Gift

    geschrieben am 30. April 2010 von Jens Berger

    Die Grenzen von Anstand und Moral sind überschritten. Heute morgen eröffneten Heckenschützen aus den Reihen der schwarz-gelben Koalition zusammen mit der Süddeutschen Zeitung einen Frontalangriff auf Finanzminister Schäuble. Dieser sei, so die Verschwörerclique aus dem Hinterzimmer, wegen seiner Krankheit geistig nicht mehr imstande, seinen Posten auszufüllen. Den Meuchelmördern stößt dabei vor allem Schäubles ablehnende Haltung bei den Steuersenkungen auf – dem Lieblingsthema der FDP. Infam lässt sich die Süddeutsche vor den Karren spannen, macht die konspirativen Giftpfeile der Schäuble-Kritiker zu ihren eigenen, instrumentalisiert die Krankheit des Ministers und setzt damit einen neuen Tiefpunkt im Sachen journalistischer Ethik.

    Hinterzimmerjournalismus

    Was hat bloß die Herren Braun, Hulverscheidt und Bohsem geritten, als sie ihr konspiratives Insiderpamphlet ?Wie aus dem falschen Jahrhundert? verfassten? Die Herren trafen sich mit einer nicht näher benannten ?Spitzenkraft der christlich-liberalen Koalition? im Hinterzimmer eines Restaurants im Berliner Regierungsviertel und ließen ihr Gegenüber reden. Der Mann erzählte unter dem Deckmantel der Anonymität von der Krankheit Schäubles, die ihn nicht nur körperlich, sondern ? so die implizite Botschaft der Süddeutschen ? auch geistig in Mitleidenschaft gezogen hätte.

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    Eine Woche Nerdistan und zurück

    geschrieben am 19. April 2010 von Jens Berger

    Manch einer meiner Leser mag sich schon über meine letztwöchige Enthaltsamkeit gewundert haben ? aber keine Angst, der Spiegelfechter sitzt nicht hinter schwedischen Gardinen und die spätrömische Dekadenz ist bei mir leider auch noch nicht ausgebrochen. Ich verbrachte vielmehr auf Einladung der Deutschen Welle eine sehr nette und informative Woche in Berlin. Als deutschsprachiger Juror nahm ich am Juryentscheid für die Auszeichnung der besten Blogs weltweit ? den BOBs ? teil und schaute mir einmal das muntere Real-Life-Treiben der ?Netzgemeinde? auf der re:publica an. Mein Eindruck: Die deutsche Netzgemeinde wird langsam erwachsener, hängt hinter ihren internationalen Pendants aber immer noch meilenweit zurück.

    Das größte Hobby der deutschen Blogger, sich mit den Mainstreammedien zu zoffen und darüber zu philosophieren, ob Blogger nun Journalisten sind und Journalisten überhaupt Blogger sein können, ist von außen betrachtet ungefähr so unterhaltsam wie die dogmatischen Kabbeleien sektiererischer Theologen. Ob Gott, Jesus und der Heilige Geist nun Hypostasen oder Substanzen sind, mag für Dogmatiker, die sich zeitlebens mit dieser Frage beschäftigen, ja interessant sein. Für moderne Netzdogmatiker ist es anscheinend die Blogger-Journalisten-Frage, der man sein Lebenswerk widmet ? außer den Beteiligten interessiert diese Frage aber sonst niemanden. Selbstverständlich fand diese dogmatische Diskussion auch am Rande der re:publica statt. Glücklicherweise konnte man ihr jedoch auch spielend aus dem Weg gehen und sich den wirklich wichtigen Fragen widmen, mit denen ich mich in den kommenden Wochen auch noch ausführlich beschäftigen werde.

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