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  • Eine Woche Nerdistan und zurück

    geschrieben am 19. April 2010 von Jens Berger

    Manch einer meiner Leser mag sich schon über meine letztwöchige Enthaltsamkeit gewundert haben ? aber keine Angst, der Spiegelfechter sitzt nicht hinter schwedischen Gardinen und die spätrömische Dekadenz ist bei mir leider auch noch nicht ausgebrochen. Ich verbrachte vielmehr auf Einladung der Deutschen Welle eine sehr nette und informative Woche in Berlin. Als deutschsprachiger Juror nahm ich am Juryentscheid für die Auszeichnung der besten Blogs weltweit ? den BOBs ? teil und schaute mir einmal das muntere Real-Life-Treiben der ?Netzgemeinde? auf der re:publica an. Mein Eindruck: Die deutsche Netzgemeinde wird langsam erwachsener, hängt hinter ihren internationalen Pendants aber immer noch meilenweit zurück.

    Das größte Hobby der deutschen Blogger, sich mit den Mainstreammedien zu zoffen und darüber zu philosophieren, ob Blogger nun Journalisten sind und Journalisten überhaupt Blogger sein können, ist von außen betrachtet ungefähr so unterhaltsam wie die dogmatischen Kabbeleien sektiererischer Theologen. Ob Gott, Jesus und der Heilige Geist nun Hypostasen oder Substanzen sind, mag für Dogmatiker, die sich zeitlebens mit dieser Frage beschäftigen, ja interessant sein. Für moderne Netzdogmatiker ist es anscheinend die Blogger-Journalisten-Frage, der man sein Lebenswerk widmet ? außer den Beteiligten interessiert diese Frage aber sonst niemanden. Selbstverständlich fand diese dogmatische Diskussion auch am Rande der re:publica statt. Glücklicherweise konnte man ihr jedoch auch spielend aus dem Weg gehen und sich den wirklich wichtigen Fragen widmen, mit denen ich mich in den kommenden Wochen auch noch ausführlich beschäftigen werde.

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    Google ist nicht mehr ganz so böse … oder doch?

    geschrieben am 23. März 2010 von Jens Berger

    Heute Morgen hat der Internetsuchdienst Google seinen Dienst in Deutschland eingestellt und leitet Suchanfragen über die deutsche Google-Adresse ins benachbarte Holland weiter. Grund dafür war ein langjähriger Streit mit den deutschen Behörden über die Filterung bestimmter Suchergebnisse, die gegen deutsche Gesetze verstoßen. Neben Inhalten, die nach Meinung der Machthaber in Berlin gegen den Jugendschutz verstoßen, trifft die deutsche Internetzensur ? “Digital Berlin Wall” ? vor allem politische Inhalte. So werden die Thesen rechtsextremer Dissidenten und sogenannter Holocaustleugner in Deutschland per Gesetz verfolgt. Bislang kooperierte der Suchmaschinengigant Google mit den deutschen Behörden und enthielt deutschen Internetnutzern Suchergebnisse vor, die auf entsprechende Seiten verweisen. In den benachbarten Niederlanden existieren derlei politische Zensurmaßnahmen nicht. Es bleibt abzuwarten, wie die deutschen Behörden auf Googles Kampfansage reagieren. Insider gehen davon aus, dass Berlin sämtliche Google-Angebote auf den Index jugendgefährdender Schriften setzt, was den Softwaregiganten aus Mountain View vom lukrativen deutschen Markt ausschließen würde. Google will mit dieser Kehrtwende zu seinem ehemaligen Firmenmotto “sei nicht böse” zurückkehren und sämtlichen Zensurbestrebungen nationaler Regierungen eine Absage erteilen.

    Auf diese Nachricht werden wir wohl vergeblich warten. Googles Kampf um die “Meinungsfreiheit” findet nicht in Deutschland sondern in der Volksrepublik China statt. Es sind auch nicht Holocaustleugner und Interessierte an “Erwachsenenangeboten”, deren Interessen Google plötzlich für verteidigenswert hält, sondern Menschenrechtsorganisationen, Sekten und Pekings Systemgegner. Keine Frage, die Internetzensur in China hat deutlich andere Qualitäten als die Zensur in Deutschland, und es wäre mehr als töricht, einen Liu Xiaobo mit einem erwiesenen Vollidioten wie Ernst Zündel gleichzusetzen. Es geht auch nicht um ein Gleichsetzen, sondern um ein Vergleichen. Wer Googles Zensurmaßnahmen im internationalen Vergleich betrachtet, kommt indes nicht um die Feststellung herum, dass Google in Deutschland sehr eifrig zensiert, um nicht mit deutschen Gesetzen in Konflikt zu geraten.

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    77 Kommentare

    Vote for the BOBs

    geschrieben am 18. März 2010 von Jens Berger

    Wie ich Euch bereits im Dezember berichtet habe, wurde mir in diesem Jahr die Ehre zuteil, deutschsprachiger Juror bei den Blog-Awards des Auslandssenders Deutsche Welle zu sein. Die Nominierungsphase für den renominierten Medienpreis ist nun beendet und nachdem ich mich durch hunderte Weblogs gekämpft habe, stehen nun auch meine Vorschläge für die Publikumspreise. Welches Blog ich für die Jurypreise vorschlage, weiß ich selbst noch nicht so genau, da die Konkurrenz hart ist und die Kriterien auf einige meiner Favoriten nicht so ohne weiteres anwendbar sind. Lasst Euch überraschen. Wer den Publikumspreis erhält, entscheidet jedoch nur Ihr … und natürlich die vielen internationalen Leser.

    Auf der Übersichtsseite findet Ihr alle Kategorien, für die Ihr abstimmen könnt. Besonderes Augenmerk gilt dabei natürlich der Kategorie “Best Weblog Deutsch”. Meine Nominierungen für diese Kategorie möchte ich Euch an dieser Stelle kurz vorstellen:

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    Der Irre von Tiflis lässt es krachen

    geschrieben am 17. März 2010 von Jens Berger

    Als der amerikanische Radiosender CBS 1938 Orson Welles Hörspiel “Krieg der Welten” ausstrahlte, kam es landesweit zu Irritationen ? das Szenario, in dem Marsianer unvermittelt die USA angreifen, war offenbar nicht abstrus genug, um nicht von einigen Hörern ernst genommen zu werden. Der moderne “Krieg der Welten” heißt “Kronika” und das Sujet wurde nach Georgien verlagert. Die Marsianer von heute sind ? wie könnte es anders sein – die Russen, die von skrupellosen georgischen Oppositionspolitikern zu einem Angriffskrieg animiert wurden. Anders als Orson Welles Hörspiel wurde Kronika jedoch mit dem Vorsatz ausgestrahlt, Verwirrung und Panik zu verbreiten. Es darf als sicher gelten, dass niemand anders als der georgische Präsident Michael Saakaschwili hinter dieser Sendung steckt. Dem chronisch neben der Spur liegenden Saakaschwili scheint kurz vor den Kommunalwahlen offensichtlich die letzte vorhandene Sicherung durchzubrennen.

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    Wachhunde oder Lemminge? Der Journalismus und die Finanzkrise

    geschrieben am 09. März 2010 von Jens Berger

    Der selbsternannte Qualitätsjournalismus steckt in einer tiefen Legitimationskrise. Er sollte ein Wachhund sein, der laut anschlägt, wenn sich am Horizont eine Gefahr manifestiert. Immer seltener kommt er jedoch der Rolle als vierte Gewalt im Staate nach. Anstatt die Konzepte und Ideologien des real existierenden Parteiendemokratismus zu hinterfragen und eigenständig Alternativen anzubieten, begreift er sich selbst als Meinungsmonopol. Was abseits der veröffentlichten Meinung existiert, ist für den selbsternannten Qualitätsjournalismus meist auch nicht existent. Die Welt der Massenmedien ist selbstreferentiell, der Mainstream ist das Maß aller Dinge. Besonders deutlich wurde das Versagen der Massenmedien bei der Berichterstattung vor, während und nach der Finanzkrise. Vor der Krise agierten die Massenmedien wie die berühmten drei Affen ? nichts sehen, nichts hören und auch nichts sagen, schon gar nichts kritisches. Erst als die Krise offenbar wurde, versuchte man sich an oberflächlicher Analyse. Doch aus den Leitartikeln verschwand dieser zeitweilig durchaus vorhandene Aufklärungswille ebenso plötzlich wie er kam. Der Qualitätsjournalismus schafft es anscheinend noch nicht einmal, aus offensichtlichen Fehlern zu lernen. Die Wachhunde der Demokratie sind zu Lemmingen mutiert.

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