Herr Malzahn versteht die Welt nicht mehr
05. Dezember 2007 von Spiegelfechter - Drucken
Im Leben des Herrn Malzahn hat alles seine Ordnung: Der Ami ist gut und der Muselmane ist eine Bedrohung. Wenn das Volk seine Ansichten nicht teilt, kann der Herr Malzahn auch schon mal böse werden. Aber da Herr Malzahn Politik-Ressortleiter und Hauptstadtbüroleiter des SPIEGELS ist, passiert so etwas eher selten. Er und seine Kollegen sorgen schon dafür, dass das deutsche Volk nach ihren Vorstellungen erzogen wird und wenn es einmal eigenständig denkt, so tritt der Herr Malzahn für eine Re-Education ein.
Gestern war aber ein besonders schlechter Tag für Herrn Malzahn. Jahrelang warnte er vor dem bösen Mullah, der außer Koranversen nur die Zerstörung Israels im Kopf hat. Davor schützt uns zum Glück der liebe Ami, und wer das anders sieht ist Antisemit, Antiamerikaner und Antidemokrat. Nun hat der stets grundehrliche Ami aber so mir nichts, dir nichts über seine allwissenden Geheimdienste verlautbaren lassen, der Mullah hätte gar keine Atombombe und würde seit 2003 auch gar nicht mehr versuchen, so ein strahlendes Schätzchen zu bauen. Für Malzahn brach eine Welt zusammen - es kann doch nicht sein, was nicht sein darf.
Traurig stapfte Malzahn durch den Hamburger Regen und fing an zu weinen. Und weil das alles nichts half, versuchte er seine kognitiven Dissonanzen in Worte zu fassen. Heraus kam ein Artikel, der als melancholischer Selbstfindungsversuch in Kuriositätenkabinett des SPIEGELS gehört:
Herr Malzahn schrieb:
Über das innere Machtgefüge in Iran weiß man heute noch weniger als vor 30 Jahren über die politischen Strukturen im Kreml.
Dem ist so, wenn man nur den SPIEGEL liest. So ziemlich jeder interessierte Internetnutzer und die meisten Blogger wissen recht gut bescheid.
Damals wie heute grenzen politische Analysen bisweilen an Astrologie. Man hält sich an vordergründiger politischer Rhetorik fest, weil der Blick hinter die Kulissen verstellt ist.
Dieser Ausspruch repräsentiert die “journalistische” Arbeit des SPIEGELS sehr gut. Chapeau Herr Malzahn, beißende Selbstkritik im zweiten Absatz - das ist es, was man unter Selbstreflexion versteht.
[] Mahmud Ahmadinedschads Vernichtungsrhetorik vor allem gegenüber Israel wurde oft und gern mit Hitlers Genozidankündigungen vor 1939 verglichen.
… vor allem von einem gewissen Herrn Malzahn. Wer seriöse Quellen zur Verfügung hatte, kam zu einem anderen Ergebnis
Doch nach den jüngsten Erklärungen wirken die brachialen Drohungen des iranischen Präsidenten (”Eine Welt ohne Israel”) eher wie Einlassungen aus dem Führerbunker: Auch im April 1945 wurden dem deutschen Volk noch Wunderwaffen versprochen. Es gab keine, sowenig, wie es heute offenbar eine iranische Atombombe gibt.
… und auch dem Führer hat niemand geglaubt, außer Malzahns Vorgänger. Dass Iran über eine Bombe verfügen würde, hat indes noch nicht einmal der hartgesottenste NeoCon behauptet - Malzahns Welt gerät so langsam aus den Fugen. War er denn der einzige, der dies glaubte?
Gab und gibt es aber in Teheran den Willen, eine solche nukleare Wunderwaffe zu bauen? Bis ins Jahr 2003 offensichtlich schon. Noch im Dezember 2001 äußerte sich der ehemalige iranische Staatspräsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani wie folgt:
“Die Anwendung einer einzigen Atombombe würde Israel völlig zerstören, während sie der islamischen Welt nur begrenzte Schäden zufügen würde. Die Unterstützung des Westens für Israel ist geeignet, den Dritten Weltkrieg hervorzubringen, der ausgetragen wird zwischen den Gläubigen, die den Märtyrertod suchen, und jenen, die der Inbegriff der Arroganz sind.”
Dieses Zitat ist so nie gefallen, sondern wurde vom islamophob alarmistischen Journalisten und Buchautoren Bruno Schirra für seinen Bestseller “Iran - Sprengstoff für Europa” aus verschiedenen Passagen der Rede Rafsandschanis zusammengeschustert. In der konkreten Passage spricht er nicht über eine iranische Bombe, sondern über eine Bombe, die die islamische Welt vielleicht einmal haben wird, und geht damit auf die Proliferationen der USA und Großbritannien ein, die Israel mit ABC Waffen unterstützten. Freilich war es eigentlich Frankreich, das Israel mit “der Bombe” versorgte, aber warum sollte Herr Rafsandschani weniger Unfug erzählen dürfen, als Herr Malzahn?
Das Zitat galt nicht nur Politologen wie beispielsweise Daniel Jonah Goldhagen als klarer Beleg für den iranischen Vernichtungswillen gegenüber Israel.
Dass dies Herr Goldhagen - das Idol der Antideutschen - so sieht, ist wenig überraschend. Mit dieser Meinung steht er indes recht isoliert dar.
[] Doch seit gestern können auch die amerikanischen Neokonservativen die hetzerische Rhetorik und die praktische Politik in Iran nicht mehr gleichsetzen.
Die “hetzerische Rhetorik” - meist Produkt einer kruden Exegese der NeoCons - wird ja auch nur von Blättern wie dem SPIEGEL und Autoren wie Herrn Malzahn mit der praktischen Politik gleichgesetzt. Dass Herr Malzahn dies in Zukunft nicht mehr machen will, ehrt ihn. Die Botschaft hör´ ich gern, allein´ mir fehlt der Glaube.
Denn wenn die Informationen der US-Geheimdienste zutreffen, muss die iranische Führung im Jahr 2003 eine simple Kosten-Nutzen Rechnung aufgestellt haben, deren rationales Ergebnis auch Israel - trotz der eher zurückhaltenden Reaktion - verblüffen muss: Eine Atombombe lohnt sich nicht für das Mullah-Regime - jedenfalls nicht in einer Situation, in der Europa mit Sanktionen droht und die amerikanische Armee in Bagdad steht.
Wenn die iranische Führung so denken würde, wäre es eher irrational. Hätte der verschrobene Mann mit dem Altherrenjäckchen so gedacht, stünden die Amerikaner auch schon in Pjöngjang. Rational betrachtet, stellt die atomare Abschreckung immer noch den besten Schutz vor Invasoren dar. Da Herr Malzahn die Iraner aber per se für Täter und die Amerikaner per se für gerechte Weltpolizisten hält, ist ihm eine solche Form der defensiven Rationalität freilich fremd.
Bisher hatte man wegen der antisemitischen Kriegsrhetorik Ahmadinedschads kaum den Eindruck, dass Teheran Argumenten zugänglich ist oder auf ein Drohszenario reagieren würde.
Wenn man sich (s.o.) mit iranischer Politik nicht auskennt und den Demagogen Ahmadinedschad mit Iran gleichsetzt, könnte man durchaus zu solch kruden Schlüssen kommen. Aber wer so etwas tut, hat ja eigentlich nichts in der Redaktion des größten deutschen Nachrichtenmagazins zu suchen - nicht wahr, Herr Malzahn?
Darin steckt die eigentliche Brisanz der Geheimdienst-Erkenntnisse: Teheran reagiert offenbar rationaler, als man bisher angenommen hat.
Ei der Dautz! Potz blitz noch einmal - das ist ja kaum zu fassen. Teheran reagiert “offenbar” rational? Ist es nicht das, was Experten und Fachjournalisten seit Jahren schreiben? Und die sollen recht haben?
Dahinter steckt vermutlich kein heimlicher Anfall von Philantropie, sondern der Willen der Theokraten zum Machterhalt.
… und wer könnte schon glauben, dass dies nicht nur eine herausragende Eigenschaft der Schröders, Merkels, Blairs, Putins und Bushs ist, sondern auch auf die “Untermenschen” aus Teheran zutrifft? Hier bricht Malzahns Weltbild endgültig zusammen.
Deswegen bedeuten die US-Erkenntnisse auch nicht, dass die westliche Drohkulisse nun überflüssig geschweige denn unnötig gewesen wäre. Im Gegenteil. Sie hat offenbar Wirkung gezeigt - und zwar seit der Zeitenwende 1990 zum ersten Mal. In Bosnien, im Kosovo, in Afghanistan und im Irak haben sich die Despoten verschätzt und bezahlten dafür mindestens mit Machtverlust, manchmal mit dem Leben - in Iran war man offenbar klüger.
Da die Aufgabe des vermeintlichen Waffenprogramms im Jahre 2003 stattfand, muss Malzahn hier schon tief in die Schmierenkiste greifen. Dies war vor den US-Aggressionen und den EU-Drohungen gegen Iran, also muss der allgemeine amerikanische Eroberungswille als Motiv herhalten. Sicher, hätten die bosnischen, kosovarischen und afghanischen Despoten kein Atomwaffenprogramm gehabt, wären die Amerikaner nie und nimmer nicht auf die Idee gekommen, diese Länder plattzumachen. Über die irakischen Massenvernichtungswaffen wusste der iranische Geheimdienst sicher auch so viel, dass es klar war, dass man gar keine solchen Waffen braucht um überfallen zu werden. Es reicht ein amerikanischer Außenminister mit Powerpoint-Folien und schwupps, steht der Befreier vor der Tür.
Die jüngsten Erkenntnisse bedeuten sowohl für Bush wie für Ahmadinedschad eine Zäsur - beide befinden sich im Erklärungsnotstand. Denn wenn es stimmt, dass der amerikanische Präsident seit Monaten über den Stand der Erkenntnisse informiert ist, dann fragt man sich, warum und mit welchem Ziel er das böse Wort vom Dritten Weltkrieg noch im Oktober im Munde führte - und Sicherheitsberater gleichzeitig Richtung Israel durchstellen lassen, ein US-Angriff auf iranische Atom-Anlagen sei angesichts der neuen Lage eher unwahrscheinlich. Dazu muss Bush sich erklären - die Mikrofone sind bereits auf live geschaltet.
Diese “Erklärung” ist eigentlich nicht nötig - Bush lügt, wer hätte das gedacht? Herr Malzahn ganz gewiß nicht.
Für Ahmadinedschad aber ist die Sache wesentlich brenzliger. Ohne Bombe steht er fast so nackt da wie der Kaiser ohne Kleider
Ahmadinedschad und kein ernstzunehmender Mensch haben je behauptet, er besäße die Bombe.
Jetzt bleibt ihm bloß noch das Leugnen des Holocausts und die Verspottung der Nazi-Opfer als antiwestlicher Diskurs - ob er sich damit allein zum Zampano der islamischen Welt aufschwingen kann, darf man bezweifeln.
Ob Herr Malzahn trotz seiner im Kopf brennenden kognitiven Dissonanzen jemals einen Artikel über Iran schreiben wird, in dem keine Antisemitismusvorwürfe vorkommen, darf man ebenfalls bezweifeln.
Vielleicht wird es für Herrn Malzahn auch ganz einfach Zeit zu gehen - sein Chef ist gefeuert, sein Freund Herr Steingart mit einer Drittelstelle nach Washington verjagt worden und sein anderer Freund Herr Matussek ist auch schon weg. Bei der BILD ist bestimmt noch ein Platz für so “geniale” Journalisten und Manipulateure wie den Herrn Malzahn frei.
Jens Berger
Kategorie: Ausland, Glosse, Iran, Medien | 24 Kommentare
































































Über das innere Machtgefüge in Iran weiß man heute noch weniger als vor 30 Jahren über die politischen Strukturen im Kreml.
[] Doch seit gestern können auch die amerikanischen Neokonservativen die hetzerische Rhetorik und die praktische Politik in Iran nicht mehr gleichsetzen.
Deswegen bedeuten die US-Erkenntnisse auch nicht, dass die westliche Drohkulisse nun überflüssig geschweige denn unnötig gewesen wäre. Im Gegenteil. Sie hat offenbar Wirkung gezeigt - und zwar seit der Zeitenwende 1990 zum ersten Mal. In Bosnien, im Kosovo, in Afghanistan und im Irak haben sich die Despoten verschätzt und bezahlten dafür mindestens mit Machtverlust, manchmal mit dem Leben - in Iran war man offenbar klüger.
Für Ahmadinedschad aber ist die Sache wesentlich brenzliger. Ohne Bombe steht er fast so nackt da wie der Kaiser ohne Kleider
Wir erinnern uns: In einem Beitrag im August dieses Jahres warf ich
Dass CEO Zumpe vor seinem Trupoli-Engagement als Projektmanager der Politikberatungsfirma des „umtriebigen“ Horst Teltschik tätig war, hatte ich 

Problematisch wird es in Fällen von vermissten oder ermordeten Kindern immer dann, wenn die Eltern entweder geschäftstüchtig, skrupellos und profilneurotisch sind, geschäftstüchtige, skrupellose und profilneurotische Berater und Anwälte haben oder auf geschäftstüchtige, skrupellose und profilneurotische Journalisten treffen. Im Fall McCann trafen wahrscheinlich alle dieser Punkte zu, anders ist der mediale Hype, der sich nun schon über ein halbes Jahr hinstreckt, kaum zu erklären. Ein gefundenes Fressen für die Medien, um das verschwundene Kind geht es dabei schon lange nicht mehr. Die Eltern sind Stars, Personen im Fokus des öffentlichen Interesses und werden gnadenlos verramscht, um Quote zu machen. Durch private Spenden hat das Ärzteehepaar mittlerweile über eine Million Pfund für einen Fonds eingesammelt, der Medienkampagnen, Medienberater, Anwälte und die Hypotheken für das Haus der McCanns bezahlt – letzteres stieß allerdings auf öffentliche Kritik, als die McCanns selbst unter Mordverdacht gerieten. Mit dem Geld einen Fonds für Kinder in Not einzurichten, ist den McCanns sicher nie in den Sinn gekommen.
Während der Hype Deutschland wie ein nicht schwächer werdender Sturm überzieht, trifft er Großbritannien wie ein Orkan. Kein Tag ohne „Breaking-News“, über faule portugiesische Beamte, arabische Sklavenhändler, marokkanische Kinderhändler und alles, was ins xenophobe Bild des britischen Boulevards passt. Alles? Nein, das Lieblingsthema des britischen Boulevards ließ sich bis jetzt noch nicht verwursten – „Don´t mention the war“, wo bleiben die Pickelhauben, Nazis und humorlose Hunnen? Zum Glück gibt es noch die Titanic, das Urgestein der Satire, das sich stets zynisch und im stetigen Kampf mit der geschmacklichen Schmerzgrenze über gesellschaftliche und politische Themen lustig macht. In ihrer aktuellen Ausgabe persifliert die Titanic den Medienhype um Maddie McCann anhand einer 
Der Anwalt der McCanns zeigte indes, wie recht die Titanic mit ihrer Satire doch hat. Ihn stört weniger der Inhalt, als mehr die Copyrightverletzung. „Das Magazin hat nicht nach einer Abdruckgenehmigung gefragt“, denn,
Als Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert den mechanischen Buchdruck erfand, nahm er dem Medium „Buch“ seine Exklusivität. Ideen konnten sich fortan mit einem wesentlich geringeren Kapitaleinsatz und ohne Zustimmung der klösterlichen Schreibstuben vervielfältigen. Diese „dritte Medienrevolution“ hat nicht nur maßgeblich zur Reformation, sondern auch zur Aufklärung geführt. Zu Gutenbergs Zeiten fühlten sich die schönschreibenden Mönche ihrer Deutungshoheit beraubt - eine Demokratisierung des Wissens und eine Relativierung der herrschenden Meinung waren für sie und ihre Position gefährlich.
Mit diesen kruden Thesen eröffnete Schirrmacher in seiner
Schirrmacher schafft es nicht zwischen Inhalt und Medium zu unterscheiden. Das Internet sei weniger glaubhaft, weil neben einem Online-Artikel im gleichen technischen Kommunikationskanal auch Sex und Gewalt ihr Dasein frönen – gut, dass die FAZ im Kiosk immer separat von Schmuddelerzeugnissen, wie der BILD oder den Trucker-Pornos vertrieben wird. Man könnte ja sonst vom Medium auf den Inhalt schließen. In typisch feuilletonistisch aufgeblasener Schönschwätzer-Entrücktheit erkennt Schirrmacher in dem Medium „Zeitung“ ein „retardierendes“ Moment der gesellschaftlichen Kommunikation, das gerade aus diesem Grunde „unverzichtbar“ sei. Mit der Geschwindigkeit des Internets kann das Medium „Zeitung“ natürlich nicht konkurrieren und sollte dies auch gar nicht versuchen – ein großer Vorteil des Mediums Internet ist allerdings die Archivierungsfunktion. Im Netz sind bei kompetenter Suche auch Artikel zu finden, deren „retardierendes“ Moment konserviert ist. Man schreibt (idealisiert ausgedrückt) für die Ewigkeit und nicht für den schnellen Moment. Ist die Zeitung längst im Altpapier verstaut, lebt der Artikel im Internet noch lange Zeiten weiter. Schirrmacher vermag es nicht, die schnelle Nachrichtenmeldung mit kurzer Halbwertzeit vom nachhaltigen Artikel zu trennen.
Sicher täte man ihm allerdings unrecht, den altehrenwürdigen Zeitungen die Qualität ihrer Reportagen, feuilletonistischen Rezensionen oder Hintergrundberichte abzusprechen – natürlich sind sie es, die über das journalistische Personal und das Kapital verfügen, qualitativ hochwertige Berichte zu erstellen. Allerdings bewegen sie sich in einer Zwickmühle – dieser glaubwürdige und qualitativ hochwertige Content ist alleine nicht zu vermarkten, das zeigen die Auflagenstärken und Quoten von Fachpublikationen. Die klassischen Inhalte einer Zeitung, also Nachrichten und Kommentare aus dem Bereich der Politik, sind es, die aus einem Nischenprodukt ein viel verkauftes und daher bei Anzeigenkunden teuer umworbenes Produkt machen. Und genau in diesem Bereich stecken die Zeitungen in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise, die (auch) durch das Internet verstärkt wird.
Das Medium „Buch“ hatte erst später, zu Zeiten der „Reformation“ und der „Aufklärung“, seinen politischen Höhepunkt erreicht, als es genutzt wurde, um der herrschenden Meinung Alternativen gegenüberzustellen. An diesem Punkt ist auch das Internet angekommen. Graswurzel-Journalismus und eine Gegenöffentlichkeit sind es, die Herrn Schirrmacher Angst machen. „You can fool some people sometimes, but you can´t fool all the people, all the time“ – mit dem Netz und dem partizipativen Journalismus verlieren die großen Medien nicht nur Quoten und Auflagen, sondern vor allem die Deutungshoheit – wäre ich Herr Schirrmacher, ich hätte auch Angst.



In Kappadokien angekommen, hilft dem Pärchen der zufällig vorbeifahrende Shahid (gespielt von F. Murray Abraham), der sie mit einem mysteriös-charismatischen italienischen Edelsteinhändler namens Vicedomini (Harvey Keitel) bekannt macht. Dieser zeigt ihnen nicht nur die Geheimnisse Kappadokiens, sondern macht sich auch gleich an Frau Bandini heran, die aufopferungsvolle Gattin des rollstuhlfahrenden Helden. Klar, ein Italiener würde so etwas nie machen, zum Glück erfährt der Zuschauer später aber, dass Vicedomini ein Konvertit ist – da passt das krude Weltbild natürlich wieder. Wenn zwei Europäern im Nahen Osten von Muslimen Gastfreundschaft und Hilfe angeboten wird, kann irgendwas ja nicht stimmen – natürlich sind Shahid und Vicedomini in Wirklichkeit sinistere „Terror-Päpste, die einen terroristischen Angriff von epischer Größe planen, der den Westen in die Knie zwingen soll” (Pressetext des deutschen Verleihers Koch-Media).
Dafür erobert der Konvertitenbösewicht Vicedomini das Herz von Frau Bandini, die er für seine Terrorplanungen benutzen will. „Schwachheit, dein Name ist Weib!“, dies wußte schon Hamlet. Der geprellte Gatte hat allerdings nicht nur einen wachen Instinkt für die allgegenwärtige Gefahr durch den Islam, er bemerkt selbstverständlich auch, dass sein untreues Weib eine „Affaire de Coeur“ mit einem Konvertiten eingegangen ist. Genau so wie der Rest Europas hört auch seine Frau nicht auf seine vergeblichen Kassandra-Rufe, der Muslim sei von Boshaftigkeit und Hass gegen den Westen erfüllt und wer sich mit ihm einlässt, wird dies bereuen. Und genau so wie der Rest Europas muss Frau Bandini so viel „Appeasement“ teuer bezahlen. Auf einer Fähre im englischen Hafen Dover sprengen die Terroristen sich selbst, Frau Baldini und eine Substanz namens „
Ein solch stumpfes, undifferenziertes und von Lügen und Stereotypen gespicktes Machwerk hat es selten gegeben. Man kann schon fast von Glück reden, dass der Film derart schlecht gemacht und schlecht gespielt ist, dass seine offensichtlich manipulative Propaganda zu durchschaubar ist. Immerhin schaffte Regisseur Martinelli das selten Kunststück, einen Film abzuliefern, bei dem der aufgeklärte Zuschauer sich in der Mitte des Filmes freuen würde, wenn der rollstuhlfahrende Held endlich von den Bösewichten umgebracht würde oder wenigstens ein einziges Mal ein Antagonist auftauchen würde, der ihn mit Argumenten als das darstellt, was er ist – ein dumpfer Hetzer. Ebendies ist auch der ganze Film – dumpfe Hetze. Der Vorsitzende des größten italienischen Verbandes der Muslime, Hamza Piccardo,















